Geschlechtsverbände und ihre Entwickelung.
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lassen. Heute nun liegt der genealogischen Wissenschaft manchtrefflich bearbeitete Geschlechtsgeschichte vor und die kritik-losen Apotheosen, in denen die Gelehrten der Barockzeit Ungeheuer-liches leisteten, sind glücklicherweise der nur der Urkunde trauendenSkepsis der modernen Heroldskunst zum längst überwundenen Stand-punkt geworden. Noch aber bleibt sehr viel zu thun übrig.
Die Einrichtung eines ordnungsmässig geführten Archivs,das gleichzeitig neu kommenden Geschlechtern in die Hände arbeitetund dem lebenden den an Lehren so reichen Rückblick in der Vor-fahren gut und böse Tage erschliesst, füge sich eng dem Geschäfts-kreise des Schriftsführers an. So mühevoll sein Wirken auf diesemGebiet, so dankbar wird es sein, — wenn er in rechter Weise denGeist zu erfassen weiss, der in den bestaubten Pergamenten lebt undwebt. Die Vergangenheit der grossen Geschlechter unseres Uradelsist eine Fundgrube von ganz eigenartigem Reiz für Jeden, der sichgewöhnt, den Bahnen der Geschichte nicht blos auf den Hauptstrassen,sondern auch auf den Nebenwegen zu folgen.
Die liberale Geschichtsschreibung hat es meisterhaft verstanden,in gehässigster Ausbeutung der Schwächen des Standes, dessen glänzendeSeiten nicht nur der gerechten Würdigung des grossen, sondern auchder des kleinen Standes-Publikums zu entziehen, dem Adel gewisser-massen die Freude an sich selbst zu verderben. Je mehr die Ge-schlechtsverbände es verstehen werden, den historischenSinn zu beleben und ihm ernsthaften Studien der Ge-schlechtsgeschichte, die in so vielen Fällen das mikrokosmischeBild derer der Territorien wiedergiebt, entgegen zu führen: jefühlbarer wird sich der Rückschlag in der erhöhten Erkenntniss derBedeutung der einzelnen Geschlechter und des ganzenStandes und damit in der Kräftigung und Hebung rechtenStammes- und Standesbewusstseins geltend machen. Erstwenn der Adel sich selbst wiedergefunden, mag er die Wege finden,die zu gehen, die allgemeine Lage [ihm so verständlich vorzeichnet.
Für die Geschlechtstage selbst auch nur einige allgemeinbrauchbare Gesichtspunkte aufzuführen, erscheint, irrelevant.Der Geist, der die Vetternschaft in Stamm und Schild zusammen-führt, wird dem Verlauf derselben allezeit, im Grossen und Ganzenseinen Stempel aufdrücken und die Traditionen mächtigeraufleben lassen in den wiederum wärmer schlagenden Herzen.Kann das Zusammensein, 'wie verschiedenartig es sich auch inseinen Details den generellen, und lokalen Verhältnissen entsprechendgestalten mag, — die Gemeinschaft auch nur flüchtig streifen,der Gelegenheit, Bekanntschaft zu schliessen, und bereits geschlossene