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Geschlechtsverbände und deren Entwicklung.
Verband in Stamm und Schild dem Einzelnen nicht nur in g denvon ihm ausgehenden, das Geschlechts-Ansehen befruchtenden Geistes-strömen zum unerschöpflichen Born ritterlicher Denkungs-weise, sondern auch in Anlehnung an die thatkräftige Stützedes Ganzen zu einer wahren Heimstätte in allen Nöthen und Stürmendes Lebens. Bruderschaft, Gemeinschaft, war die Signatur der derEmanzipations-Epoche der Renaissance voraufgehenden Jahrhunderteund ihrer noch in den Geschlechts-Satzungen des 16. und 17. Säculizum Ausdruck gelangenden Nachklänge. Wo irgend uns Kunde über-kommen von den persönlichen Beziehungen der Geschlechtsgenossen,sei es in vereinzelten Nachrichten, oder in Satzungen, Lehnsver-brüderungen, Geschlechts-Statuten — der Geist der Einmüthigkeit,des Festhaltens an den Traditionen des Stammes und des vondemselben geheiligten Berufs ist es, den wir allerorten wieder-finden.
Bis tief in das 18. Jahrhundert hinein kann man den Spureneines an die besten Tage der Bliithezeit mahnenden korporativenFamiliensinnes folgen. In Testamenten, Stiftungsurkunden etc.ist uns eine wahre Fundgrube für die Betrachtung desselbenerhalten gehlieben, der leider Diejenigen oft am wenigsten zu-streben, die von der Gunst des Geschickes berufen sind, dieFrucht von der Väter Arbeit zu geniessen und darum dem Wehenihres Geistes immer neue Bahnen unter den Standesgenossen zu brechen.Es ist eine leider immer wiederkehrende Erfahrung, dass vielfach ge-rade diejenigen Standesgenossen, welche ausschliesslich vom Vätererbein den verschiedensten Gestaltungen zehren — sich am zähesten denBestrebungen verschliessen, welche der Standeszukunft dienend, denEnterbten der Gemeinschaft den Pilgergang hinieden erleichtern, ihneneine Wegzehrung bereiten sollen. Diesen möchten wir vor allem, ihrGefühl für das „Adel verpflichtet" zu stärken, das eingehendsteStudium der vergilbten Papiere ihrer Archive, der Ehrentafeln ihresGeschlechts, der Statuten empfehlen, in denen ihre Vorfahren ihnenselbst das Haus gerüstet und damit den Fingerzeig gegeben, nichtnur engherzig für sich zu erhalten, sondern weiter zu hauenfür die, die ihres Namens, ihres „liebwerthen Geschlechtes" sind, wiees so oft in wahrhaft rührender Weise in jenen Kundgebungen heisstund die die verhängnissvolle Entwickelung der Standesverhältnisselängst dem festen Gefüge von Stammgut und Stammesheimath ent-fremdet.
Die alten Geschlechtssatzungen, Fundationen und letztwilligenVerfügungen zu sichten und zu erwägen, wird Jedem, der in ihnennicht blos überlebten Formenkram wittert, sich vielmehr mit denkendem