Die Druckverminderung ist indessen nicht nur Ursache derVerflüssigung, sondern sie veranlaßt auch, daß die Gase, welchedurch den Druck dem Magma beigesellt waren, Plötzlich ent-weichen, So erklärt es sich, daß bei jeder Eruption Massen vonWasserdampf, Chlorwasserstoff und anderen Gasen dem Kraterentströmen. Die Gase sind aber auch mit Ursache des Auf-steigens der Lava im Schlot des Vulkans. Der Druck, den dieüberlagernden Felsmassen auf die verflüssigte Lava ausüben,würde nicht genügen, um dieselbe hohe Berge hinaufzutreiben.Das ist die Leistung der Gase, die sich plötzlich aus der Lavaentbinden. Reher vergleicht den Vorgang treffend mit demAufsteigen kohlensauren Wassers in einem Siphon. Durch denDruck des geschlossenen Gefäßes ist die Kohlensäure in demWasser gelöst. Sobald durch Oeffnen des Ventils der Druckvermindert wird, treibt die ans der Flüssigkeit freiwerdendeKohlensäure das Wasser in die Höhe und zerstäubt es. Geradeso zerstäuben die Gase des Magmas die Lava zu Asche undTuff, Es braucht wohl kaum besonders betont zu werden, daßdie eben mitgetheilte Ansicht sich wesentlich von der älterenVulkantheorie, die heute als gänzlich überwunden gelten kann,unterscheidet. Früher nahm man an, daß die Spannung derim Erdinnern gebildeten Gase, ihr Druck gegen die Erdkruste,Ursache der Beben, sowie des Auftriebs des flüssigen Erdinnernin den Kratern sei. Nach dieser älteren Theorie waren dieVulkane die Sicherheitsventile der Erde, welche von den Gasengeöffnet wurden, wenn der Druck einen gewissen Grad überstieg.
Wollte man die alten Theorien mit dem im Siphon statt-findenden Vorgange vergleichen, so würde die Aehnlichkeit her-gestellt sein, wenn die Kohlensäure das Ventil der Flascheselbstthätig öffnete. Thatsächlich hat sie dazu nicht die genügendeSpannkraft, ebensowenig wie die Gase des Erdiunern denKraterweg freimachen können. Das Gas im Siphon kommt