^se größer die Bedeutung der Hypothese als eines Hülfs-mittels der wissenschaftlichen Forschung ist, um so mehr mußman sich hüten, dieselbe für mehr zu halten, als sie ist. DieVerkennung ihres Charakters als einer Hypothese und die Ver-wechselung mit Thatsachen, wie sie gelegentlich vorkommt, birgtstets eine ernste Gefahr für den Fortschritt der Wissenschaft in sich.Wir finden fast immer, jwenn ein neuer, großer Gedankezuerst in Form einer Hypothese auftrat, einen lebhaften Auf-schwung der betreffenden Wissenschaft. Zahlreiche Forscherwerden neu angeregt. Jeder nimmt zu der betreffenden MeinungPersönlich Stellung, der Kampf gegen dieselbe und die Auf-suchung von Stützen für dieselbe können stets nur der Wissenschaftförderlich sein. Man kann sagen, daß eine geistreiche Hypotheseauf eine Wissenschaft einwirkt, wie ein erfrischender Regen aufein verödetes Ackerfeld. An Stelle des vorher spärlich undkümmerlich auftretenden Pflanzenwuchses tritt plötzliches Gedeihen,neues Ergrünen und Blühen.
Und diesen Einfluß bemerken wir bei einer Hypothese oftauch dann, wenn dieselbe später als falsch bei Seite geschobenwird.
Ein Blick auf die Geschichte der Naturwissenschaften be-stätigt das Gesagte.
Sammlung. N. F. V. 118. 1' ( 809)