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Das deutsche Volkslied : ein Vortrag, gehalten im deutschen Sprachverein zu Innsbruck am 7. Januar 1889
Entstehung
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Das ist in der That möglich. Schon Oscar Schade hat(Weimarisches Jahrbuch III, 263) nachgewiesen, wie das 1781gedichtete schöne Lied Klamer Schmidt's „Hier sitz' ich auf Rosenmit Beilchen bekränzt" von Banern in der Umgebung Weimarsgesungen und umgestaltet worden ist. Einen anderen nochviel näher liegenden Beleg bietet H, Steinthal (Völker-psychologie XI., 1 ff,) Er bezieht sich auf das bekannte GedichtUhlands:

Der gute Kamerad,

Ich hatt' einen Kameraden, Eine Kugel kam geflogen:

Einen bessern sindst du nitt. Gilt's mir oder gilt es dir?

Die Trommel schlug zum Streite, Ihn hat es weggerissen,

Er ging an meiner Seite Er liegt mir vor den Füßen,

In gleichem Schritt und Tritt, Als wär's ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,

Dieweil ich eben lad':

Kann dir die Hand nicht geben,

Bleib du im ew'gen LebenMein guter Kamerad!

Das Gedicht besitzt einen allgemein verständlichen Inhalt:Freundschaft bis zum Tode und darüber hinaus bis ins ewigeLeben. Es hat die einfachste Stilform der Erzählung, welcheohne vermittelnde Uebergänge Bild um Bild an uns vorüber-führt, so daß wir den ganzen Hergang mit den Augen desGeistes schauen. Die Sprache ist einfach, klar, schlicht, mitRedewendungen ans der täglichen Umgangssprache durchsetzt.Einfach und angenehm ins Gehör fallend ist auch das Versmaßund die Singweise, Jeder, der das Gedicht lesen oder singenhört, versteht es, der Gebildete fowvhl wie der einfache Mannaus dem Volke, Das Lied besitzt die Bedingungen zu einerweiten Verbreitung und hat dieselbe auch wirklich gefunden.Ein solches Lied nennen wir volksthümlich; aber es ist nochkein Volkslied.

MM