I.
Das 16. Jahrhundert hinterließ dem Amte Geldern eineüberaus traurige Erbschaft. Das Bild, was uns van dem dama-ligen Zustande dieses Gebietes entworfen wird, ist geradezu grausen-erregend.
Der zwischen den Spaniern und den aufrührerischen Niederlän-dern mit gleicher Erbitterung geführte Krieg hatte das gesegnete Landin eine Einöde verwandelt. Die staatischen Garnisonen zu Geldernund Wachtendonk, die spanischen zu Straelen, Kriekenbeck, Roermondeund Atiddelaer, die trnchsessischen und kölnischen zu Hüls, Krefeld,Linn und Kaiserswerth führten hier mit gegenseitiger Uebcrbietungeinen wahren Vernichtungskrieg gegen Land und Leute').
Am 24. Januar 1590 klagt der Magistrat von Geldern „dasganze Drostamt Geldern sei ausgeplündert und verarmt, die Be-wohner seien wegen schwerer Einquartierungen nicht im Stande, ihreAecker zu bebauen, Vieh und Frnchtvorräthe ihnen von den Soldatengeraubt worden, während der Rest des Viehes aus Mangel an Nah-rung zu Grunde ginge; die Menschen litten große Roth und vielesElend und die Kirchen, Klöster, adlige und bürgerliche Personen, wieauch die Domaine könnten ihre Erbpächte nicht einziehen, denn dieHänser und Höfe auf dem platten Lande seien abgebrochen, verbranntund zerstört, und den Leuten weder eine Wohnung noch ein Stücktrockenen Arodes meh'r übrig geblieben'").
Der südlich gelegene Theil des Geldern'schen Drostamtes, dieVogtei Geldern, mar von je her der bevorzugte Tummelplatz feind-licher Heere; 1579 fiel die spanische Armee nach der Eroberung vonMastricht in die Vogtei ein und lagerte dort sechs Monate, wobeidas Land verheert, die Einwohner vertrieben wurden''). Eine kölnische
st Nettesheim, Gesch. d. Stadt u. d. Amtes Geldern. Crefeld 1863, I. S. 327.st A. a. O. S. 3S0.st A. a. O. S. 327.