habenen als kunstreich gedachten Entwurfs gilt wol am wahr-scheinlichsten Meister Gerhard, der Steinmetz; wenigstens leiteteer, sicheren Nachrichten nach, das ganze Werk.
In den nachherigen'unheilvollen Zeiten verloren sich dieAnfangs so glänzenden Aussichten für den Dombau. Ein sol-ches Werk hätte anhaltenden Friedens und der ganzen Fürsorgewohlwollender Fürsten bedurft. Allein der Erzbischof Conradgerieth in einen so heftigen Streit mit der Stadt, daß derDombau, wenn auch nicht völlig unterbrochen, doch fühlbargehemmt wurde. Dasselbe Schicksal erlitt er unter seinemnächsten Nachfolger, bis endlich der dritte, Erzbischof Wichboldvon Holte, sich wieder in den Stand gesetzt sah, das erhabeneWerk weiter zu führen. Geistliche beredte Männer wurdenmit offenen Briefen wieder als Sammler ausgesendet, und eineigener, zur Förderung des Werkes von Männern und Frauengebildeter, Verein, die Brüderschaft des heil. Petrus genannt,machte sich zu jährlichen Beiträgen anheischig. Auch führtendie, nach dem Tode Rudolphs von Habsburg häufig auf ein-ander folgenden, Kaiserkrönungen wieder viele Fürsten nachKöln, die reichliche Beisteuer gaben. So wurde denn endlichder Bau so weit gebracht, daß unter dem Erzbischof Heinrichvon Virneburg 1322 der Chor eingeweiht werden konnte.
Von nun an schritt man mit stets lebhafterer Thätigkeitzur Fortsetzung des Baues; und begünstigte auf alle Weise dieSammler des Werkes und die zu Beiträgen verbundene Brü-derschaft des heil. Petrus. Unter diesen Umständen scheinendie Fortschritte so rasch vorgerückt zu sein, daß man die Säu-len des Kreuzes bis zu den Capitälcn der Nebengänge auf-führte und die Thüre zu den nördlichen Kreuzflügel anlegte;welcher Raum dann, einstweilen mit einem Dach bedeckt, zueiner Vorhalle mag gedient haben. Auch arbeitete man andem Schiff und vorzüglich an der Aufführung eines der beidenHauptthürme.
Die Thätigkeit der Banleute wurde jedoch bald wiedergelähmt. Die bei dem Sammeln der Beiträge AngerissenenMißbräuche schreckten Viele von ferneren Schenkungen ab.Auch erneuerten sich von Zeit zu Zeit die Streitigkeiten zwischendem Erzbischof der Stadt und den benachbarten Fürsten. Ja,Theodorich von Mörs, welcher der Kirche 48 Jahre lang(von 14>4 — 1463) vorstand, führte so viele und so erschöp-fende Kriege, daß bei seinem Tode das Domcapitcl sich mitden Ständen vereinigte, von nun an jedem zu erwählendenErzbischof einen Eid abzunehmen, daß er ohne ihre Einwillig-ung weder Krieg führen, noch Güter der Kirche veräußernund verpfänden, noch Abgaben ausschreiben wolle.
Indessen war zur Zeit Theodorichs von Mörs der Baudes südlichen Thurmes bis zum dritten Geschosse vorgerückt, sodaß in dem Jahr 1437 und 1438 die Glocken, wovon diegroßen neu gegossen wurden, aus dem neben dem Chor stehen-den alten hölzernen Thurm in diesen neuen versetzt werdenkonnten. Der Krähn, mit dem man die Bausteine hinaufzog,wurde nun nach Art der Krahnc, die man zum Ausladen derWaaren an Flüssen errichtet, mit einem Dache versehen, unddiente zugleich den Glocken zur Deckung.
Seitdem wurde wol nur wenig mehr an den südlichenThurm und an dem Schiffe weiter gebaut, der nördlicheThurm aber blieb bei seiner ersten, nur etwa 27 Fuß hohen,Anlage. Nachdem nun noch im 16. Jahrhundert das Schiffbis zur Capitälhöhe der Nebengänge vollendet, die nördlicheNebenhalle gewölbt und der sich mit diesftt verbindende Theildes nördlichen Thurmes so weit gebaut worden war, als eszu diesem Zwecke nothwendig waV, so wurde der Bau gänzlicheingestellt, und somit der Riesenplan des Ganzen nicht einmalzur Hälfte ausgeführt. Ja, man versäumte es sogar, demallmähligen Verfall des Bestehenden, wozu der beim Bau an-gewandte, mit Feldspath häufig durchwebte, DrachenfelserTrachyt das meiste beitrug, durch zeitige Reparaturen vorzu-beugen; und schon hatte über fünf Jahrhunderte lang die Ver-witterung an den unzähligen Knäufen, Thürmchen, Geländern,Wasserrinnen, Standbildern und den diese umschließenden Schutz-gehäuscn genagt und durch die abgelös'tcn Bruchstücke denDächern und Gewölben beträchtlichen Schaden zugefügt, alsendlich durch die gnädigste Unterstützung des gegenwärtigenKönigs von Preußen, Friedrich Wilhelm III., die baufälliggewordenen Theile des Chors, auf der südlichen Seite, sowieder Dachstuhl wieder gänzlich hergestellt wurde, wobei sich be-sonders die jüngsten unter der Leitung des königlichen Bauiu-spectors Zwirner vorgenommenen Reparaturen durch gewissen-hafte Nachahmungen der alten Modelle vor den frühern vor-theilhaft auszeichnen.
Möchten es, wcun erst die noch sonst nöthigen vielen undkostspieligen Reparaturen sämmtlich vorgenommen sind, die bisdahin gesammelten Geldmittel verstatten, wenigstens den theil-weisen Ausbau vorzunehmen, wodurch der Chor mit den vor-dem unvollendeten Kirchenräumen in eine harmonische Verbin-dung träte; denn die Vollendung beider Thürme bis zu fünfGeschossen, sowie die Ausführung der Kirchenschiffe mit ihrenkünstlichen Wölbungen, Fenstern und Portalen nach dein ur-sprünglichen Plane möchte wol bei der dafür aufzuwendendenaußerordentlichen Summe von 5 Millionen Thalern für alleZeiten ein frommer Wunsch bleiben.
Aber auch in seiner Unvollcndung ist uns der Dom zuKöln ein erhabenes Symbol der ins Unendliche und Unerreich-bare hinanstrebenden christlich-religiösen Begeisterung. Um sichdavon zu überzeugen, werfe man zunächst nur einen Blick indie große weite Halle des Domgebäudes, die von 64 frei-stehenden Riesensäulen getragen und auf den Seiten von einerMenge Pilastern gestützt wird. Die vier mittlern Hauptstützenhaben jede 3V Fuß im Umkreise, und jede besteht aus 16 Säulenund Säulchen; jede der 24 Säulen des innern Schiffes 1>at 20Fuß im Umfang, und besteht aus 12 kleinern Säulen, sowie jededer 36 Säulen im äußern Schiffe aus 8. Denke man hierzu nunnoch die Säulen an den Pilastern und alle diese Seiten undLinien, die in mehrere taufende laufen, im vollendetsten Paral-lclismus, durch Schlag-, Nundschatten und Licht erleuchtetund gehoben! Welchen hohen Genuß, welchen ernsten Eindruckbewirkt dieser vollendete Gleichlauf, diese strenge Einheit inder Gesammtheit!