Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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. Wer Vom zu M ö l n.

Heilige Schauer durchleben, Bewundcrungs-Schaucr, die Brust mir.

Seh' ich Colonia's Dom, dich, erhabenstes Ricscnzcbäude!

Ob der begeisterte Blick zum hundertsten Mal auch zurückkehrt.

Neues gewahret er stets! Mit Tausenden künstlicher Arme

Strebst du zum Himmel hinan, ziehst Irdisches mächtig empor-

Wer doch zählet mir dort die zahllos ragenden Thürmlcin,

Zierlich geformct? wer zählet deine Gebilde mir alle?

Was! o Wunder! crspricßen von selbst zur Pflanze die Felsen?

Blühen aus hartem Gestein die zierlichsten Blüthen und Blumen?

Wie! und der Spitzen Gewcb', aus zierlichen Fäden der Seide

Sonst mühsam auf Kissen gewirkt, sie wirkte die Kunst in Granitfcls?

Also durchwallct mir Staunen und Wonne mächtig die Seele,

Schau ich Colonia's Dom, dich, edelsten Tempel der Gottheit!

(^in Werk, das, obgleich unvollendet, die deutsche Baukunstin ihrer reichsten, prachtvollsten Entwickelung zeigt, ist derDom ?u Köln, zu allen Zeiten ein angestauntes Wunderwerkder Baukunst, und deßhalb auch vor allen der Ehre würdig,in dieser glänzenden Reihe der herrlichsten deutschen Baudenk-mäler gleichsam die Krone zu bilden.

Schon in früher Zeit erhielt das alte, ehrwürdige Kölneinen Dom St. Peters - Munster, welcher mit Geneh-migung Karls des Großen von dem Erzbischof Hildebold 816817 angelegt und von seinem Nachfolger Willibert im Jahr873 vollendet und eingeweiht wurde. Einen Theil desselbenbrannten die Normannen nieder, welche in den Jahren 851bis 882 von dem Meere her das Land überschwemmten, einanderer Theil wurde 1680 in Asche gelegt, und im Jahr 12-18brannte die Kirche vollends ab.

Ungeachtet dieser ungünstigen Schicksale stand der Dom zuKöln bereits damals in hohem Ansehen, welches er besondersdem Besitz des kostbaren Sarkophags der heiligen drei Königeaus dem Morgenlande verdankte, den Kaiser Friedrich 1. beider Eroberung von Mailand 1162 dieser Stadt genommenund dem um ihn vielverdienten Erzbischof Rcinald von Kölngeschenkt hatte. Seitdem zog dieses Heiligthum viele Frommen,und darunter Fürsten und Grafen, herbei, welche den Domauf das reichlichste beschenkten.

Die auf solche Weise angehäuften beträchtlichen Schätzeglaubte schon Erzbischof Engelbert nicht besser anwenden zukönnen, als zu der Errichtung eines neuen Domgebäudes,dessen Größe und Pracht der Würde und Heiligkeit einesDenkmals vollkommen entsprechend wäre. Wirklich forderte erauch seine Geistlichkeit zu dem Baue auf; er selbst versprach,sogleich 560 Mark Silbers zum Anfang des Werks und biszu dessen Vollendung jährlich dieselbe Summe zu geben. Aber,da er schon im Jahr 1225 eines gewaltsamen Todes starb,blieb daö große Unternehmen bis zum Jahr 1218 ausgesetzt,

wo eine Feuersbrunst, wie schon bemerkt, die alte Domkircheeinäscherte.

Jetzt faßte der damalige Erzbischof Conrad, Graf vonHochstedcn, ein Mann von hochstrcbendem Geiste und demgrößten Einfluße in Deutschland, den Riesenplan, ein Domgc-bäude zu errichten, welches alle zu seiner Zeit bestehendenKirchen an Größe und Pracht weit übertreffen sollte; denn essollte im Ganzen 500 Fuß lang, im Schiff und Ehor 180, imKreuz 290 Fuß breit werden, und der Dachfirst sich über 200Fuß, die Thürme aber, jeder auf einem Grunde von 100Fuß Breite, sich über 500 Fuß erheben.

Schon am 14. August 1248 wurde, der gewöhnlichenAnnabme gemäß, der Grundstein zu diesem erhabensten Denk-mal germanischer Baukunst gelegt. Am Schlüsse der Feierlich-keit wurde ein Brief des Papstes verkündigt, des Inhalts, daßallen, welche mit wahrer Reue ihre Sünden bekennen, zudem kostbaren Baue beisteuern und hülfrciche Hand leisten wür-den, ein Jahr und vierzig Tage Kirchenbuße erlassen sein sollte,Solche Aufforderung mußte die günstigste Wirkung hervorbringen.Von allen Seiten kamen Geschenke, den schon längst zu diesemZwecke gesammelten Schatz zu vermehren. Viel gab auch ohneZweifel der sehr reiche Erzbischof aus seinen eignen Mittelnher. Ebenso erlaubte König Heinrich III. von England ineinem offenen Briefe den Boten des kölnischen Dombaues, inseinem ganzen Lande Beiträge zu sammeln. Nicht minder för-derlich war endlich dem außerordentlichen Unternehmen dergroße Reichthum der Stadt Köln.

Unter diesen Umständen konnte es nicht an Mitteln zurFörderung des großen Bauwerks fehlen. Auch schritten dieArbeiten in den ersten Jahren ohne Zweifel rasch voran; und,so viel wir aus den wenigen urkundlichen Nachrichten darübervermuthen dürfen, mag wol in den ersten neun Jahren nichtnur die Grundfeste, sondern auch ein großer Theil des unternGeschosses vollendet worden sein. Als Urheber des ebenso er-