Ä TSTBUA Äer Ä Ntur Ä^rtgenoMmen -T5. von m VWM LNAF- MMFA G? ^7.^7 »AIKMSH'^»?' I«4> «Wmcx V-.U V!L«II.^V vo» - ' - Vorwort zum sechsten Bande, mit Rheinaiisichten von Aoblen ^ bis k ö l n. „Es regen sich i» allen Herze» Viel vatcrländ'sche Lust ii»d Schmerzen, Wenn man das deutsche Lied beginnt Vom Rhein, dem hohe» Felsenkind." Max v. Schcnkendorf. ^^enn irgend ein Werk keines empfehlenden Vorwortes bedarf, so ist es der vorliegende Band der Original-Ansichten. Nicht als ob die künstlerische Ausstattung der früheren Bande geringer gewesen wäre, sondern weil Natur und Kunst unsrem Zeichner noch nie so viele Gegenstände von so hohem Reiz und Werth ans so engem Raume dargeboten hatten, wie die Gegend innerhalb der oben angegebenen Gränzen. Das Schönste von dem Schönen in dem Rheinthal tritt uns hier entgegen. „Sieh Neapel und stirb!" sagt der Italiener. O, wag' es nur, lieber Reisender, dich noch bis zum Rheine zn tragen. Auch wer am Gap von Sorrent gestanden und in die blaue Mcerflnt und ans das bezaubernde Halbrund mit der amphitheatralisch sich erhebenden Stadt den wonnetrunkenen Blick gerichtet hat, dem lohnt es noch hier an dem Rheine zu leben. Um uns nicht ans weltberühmte Namen zu berufen, um nicht die viel besungenen Punkte wiederum hervorzuheben, lenken wir die Aufmerksamkeit ans einige noch minder gepriesene, und doch preiswerthe Schönheiten, wie ans die Apollinariskirche bei Remagen, Burg Rheineck, das Kloster Heisterbach *), pm Dom zn Limbnrg. Denn wie zur Linken die Abtei Laach mit ihrem tiefen See **), ^ ^ ^ Rechten auch das Thal der Lahn mit seinen Heilquellen zn Gins bis zum Schlosse Weilbnrg init in den Rahmen unseres jetzigen Gemäldes gefaßt. Die heutige Ausfahrt von Koblenz und von dem Fuße der schönsten Nheinseste war prachtvoll, und weiter abwärts erstarb nicht die Schönheit der Natnr, sondern sie gewann in den« Wechsel ihres Schmuckes, bis sie Bonn gegenüber ihren höchsten Reiz annimmt. In der heitren Musenstadt entrichten wir den schuldigen Zoll der Dankbarkeit und Verehrung, wie dein ehrenwerthen Vaterlandssänger und allen übrigen edeldenkenden geistreichen Lehrern der Wissenschaft, so dem unsterblichen Tondichter, der hier in seinem Geburtsort die verdiente Ehrensäule fand, weil er so innig und klar zu den Herzen spricht, wie es die heilige Cäcilie, noch wenigen Sterblichen verliehen hat. Wie im Flug trägt uns sodann von hier, sei es das Deck der Victoria, sei es die schnellende Kraft eines Loeomotives an unser Ziel nach Köln. Da ladet uns Vieles ein, länger zu verweilen. Ist doch hier die Zahl schöner Kirchen so groß, daß sie für ein Herzogthnm ausreichten, und in dem höchsten Gottesbau stellt sich der christliche Glaube, der zum Himmel erhebt, sinnlich in den Eine wundervolle Sage vom Mönch zu Heisterbach, besungen von Wolfg. Mittler, theilt Simrock in den Rheinsagcn mit. In seiner Tiefe liegt nach der Sage ein versunkenes Schloß, von dem Fr. Schlegel in SimrockS Rheinsagen also zu fingen anhebt: Bei Andernach am Rheine liegt eine tiefe See; Stiller wie die ist keine unter des Himmels Höh'. Einst lag auf einer Insel mitten darin ein Schloß, Bis krachend mit Gewinsel es tief hinunter schoß. rcillsteil erhabensten Formen der Baukunst dar. Unsre von edlerein Grmeingeist wieder mehr gehobne Zeit sticht das vor Jahrhunderten begonnene Werk seiner Vollendung näher zu rücken, und die Donlbanvercine in allen Theilen von Deutschland, selbst von Protestanten gestiftet und gekräftigt, zeugen dafür, daß die Beisteuernden nicht nur einem kunstsinnigen, sondern auch sich brüderlich helfenden und gegen Andersgläubige duldsamen Volk angehören wollen. Diesem ivundervollen Gotteshanse sind 5 Blätter dieses Bandes gewidmet. Möge die Zeit nicht allznfern sein, in der das Blatt, das des Domes Schiff und Doppclmast vollendet darstellt, der Wirklichkeit nicht vorgreift '*). Welch' eine bildende Kraft in einem Werke wie das folgende liegt, wie es zugleich ein redendes Denkmal der Kunst- und der Culturgeschichte ist, das erkennet sich leicht. Aber auch noch andren Gewinn trägt es in sich. Wie z. B. Simrock's Rheinsagen jedem sinnigen Reisenden in den betreffenden Gegenden werthe Begleiter sind, so vermitteln diese Blätter die deutlichste Rückerinne- rnng, oder geben den besten Ersatz für die, denen jene paradiesische Welt zu sehen nicht vergönnt ist. Die beiden Werke ergänzen sich gegenseitig, denn die Sagen sind meist eng mit den örtlichen verfluchst und verlangen dessen Anschauung und dieses ist oft nur Scholle oder Stein für den, welchem die örtliche Sage und Geschickte fremd ist. Als eine gewiß willkommene Beigabe stehe hier Nückert's Gedicht vom hohen Dom zu Köln, theils in Bezug auf das oben Gesagte, theils nm eine Notiz daran zu reihen, die an sich interessant, hier weniger übersehen werden dürfte, als in dem nachfolgende» Terte zu Köln. Der hohe Dom zu Köln! Ein Denkmal alter Zeit, Der deutsche» Herrlichkeit, Im Alter längst ergraut Und noch ntcht ausgebaut! Der Meister, dcr'S entwarf Baut' es nicht aus und starb i Niemand möcht' sich getrau'» Seitdem ihn auszuban'n, Den hohen Dom zu Köln! Die deutsche Herrlichkeit Ging unter mit der Zeit, Wer dacht' in solchem Grau'n Daran, ihn aufzubau'n. Den hohe» Dom zu Köln! Es lag in Finsterniß Des Meisters Plan und Riß. Jüngst hat man ans der Nacht Den Plan ans Licht gebracht, Vom hohen Dom zu Köln! Umsonst ward nicht entdeckt Der Plan, der war versteckt; Der Plan sagt es nns laut- Jetzt soll sein ausgebaut, Der hohe Dom zu Köln! Im Jahr 1814 hatte nämlich der Maler Scekatz, nm ein Transparent zu fertigen, auf dem Dachboden des Gasthauses zur Traube in Darmstadt nach brauchbare» Zuthaten gesucht und eine alte beschmutzte Pergamentzeichnung gefunden, welche die französische Commission, die nach dem Lünevitlcr Frieden in jenem Gasthofc die Kölner Archive theilte, unbeachtet hatte liegen lassen. So kam sie glücklicherweise in die Hände des Oberbaudirectors l>r. G. Moller, der sogleich mit unbeschreiblich freudiger Verwunderung den alten Vauriß des Portals und Thurms vom Kölner Dom erkannte und den unschätzbaren Fund durch ein gestochnes Facsimile im Jahr 1818 zum Gemeingut machte. Das Original verehrte er Sr. Majestät dem Könige von Preußen, als dem Fürsten, der zur Erhaltung und Vollendung eines so bewunderungswürdigen Denkmals deutscher Baukunst vorzugsweise berufen war. Durch den Darmstädter Aufriß und einen zweiten auf Moller's Veranlassung 1816 in Paris gefundenen wurde sodann der um die deutsche Kunst hochverdiente Dr. Sulpiz Boisscrbe in den Stand gesetzt, sein unsterbliches Prachtwerk über den Dom auszuführen. Die Frage, ob die Vollendung des Doms möglich und wünschenswerth sei, hat Niemand früher und mit besseren Gründen bejaht, als wiederum Moller in seinen trefflichen Bemerkungen über die aufgefundene Originalzeichnung, Darmstadt 1818. Darmstadt, 15. December 1846. l)i. Karl Wagner. Kleber sich! des Lnhnlts. 1. Titelblatt zum VI. Band. Altes Portal zu Remagen, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. Koblenz und V^hren breit st ein. 2. Ansicht von Koblenz, gez. v. L. Lange, gest. v. F. Hablitscheck. 3. Koblenz von der Moselseite, gez. v. L. Lange, gest. v. G. M. Kurz. 4. Das Mainzer Thor zu Koblenz, gez. v. G. Osterwald, gest. v. G. M. Kurz. 5. Festung Ehrenbreitstein, gez. v. G. Osterwald, gest. v. I. Richter. E m s. 6. kms, Totalansicht v. Oben, gez. v. H. Scdvnseld, gest. v. F. Abresch. 7. Das neue Kurhaus in Eins, gez. v. H. Scbönseld, gest. v. I. Poppel. 8. Bad - Eins ,-gez. v. H. Schönseld, gest.-v. E Willmaim. L i in b n r g. 9. Der Doni zu Limbnrg, gez. v. B. Schwartz, gest. v. I. Riegel. W e i l b u r g. 19. Weilbnrg, Ansicht von der Ostseite, gez. v. P. Weber, gest. v. I. M. Kolb. R e u w i e d. 11. Nenwied, Weissenthnrm und das Denkmal des General Hoche, gez. v. G. Osterwald, gest. v. I. M. Kolb. Andernach. 12. Ansicht von Andcrnach, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 13. Der Don, zn Andernach, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 14. Hafen von Andernach, gez. v. L. Lange, gest. v. G. M. Kurz. 15. Thurm von Andernach, gez. von L. Lange, gest. v. I. Riegel. , Laach. 16. Abtei Laach, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Riegel. 17. Klosterhalle in Laach, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Riegel. R h e i n c ck und H a in in e r st e i n. 18. Fernsicht von Rhcineck und Ruine Hammerstein, gez. v. L. Lange, gest. v. I. M. Kolb. 19. Rheineck, gez. v. L. Lange, gest. v. I. M. Kolb. S i n ; i g. 29. Kirche zn Sinzig, gez. v. L. Lange, gest. v. I. M. Kolb. R e in a g e n. 21. Die St. Apvllinarislirche bei Remagcn, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. Rolands eck, Drachenfels und Rönnen werth. 22. Rolandseck, Drachenfels und Nonnenwerth, gez. v. L. Lange, gest. v. I. M. Kolb. 23. Drachenfels, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. Bonn und Umgegend. 24. Ruine Heisterbach, gez. v. L. Lange, gest. v. G. M. Kurz. 25. Godesberg, gez. v. L. Lange, gest. v. I. M. Kolb. 26. Das Hochkrenz bei Bonn, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Richter. 27. Der Dom in Bonn, gez. v. L. Lange, gest. v. L. Rohbock. 28. Aussicht vom Hütel Noyale in Bonn, gez. v. G. Osterwald, gest. v. I. Poppel. 29. Aussicht vom Stockenthore in Bonn, gez. v. G. Osterwald, gest. v. I. Poppcl. 39. Die Kirche zu Schwarz-Rheindorf, gez. v. L. Lange, gest. v. G. M. Kurz. Cöln und Umgegend. 31. Das königliche Schloß Brnhl bei Cöln, gez. von G. Osterwald, gest. von I. Poppel 32. Cöln, Ansicht von Nordost, gez. v. G. Osterwald, gest. v. I. Poppel. 33. Cöln, Ansicht von der Westseite, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 3-1. Der alte Markt in Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. I. M. Kolb. 35. St. Andreaskirche in Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. F. Hablitscheck. 36. Die Apostelkirchc in Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 37. Der Dom in Cöln sgrvße Ansicht), gez. v. L. Lange, gest. v. C. Ranch. 38. Chor des Doms zu Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. R. Jeavons. 39. Der Dom in Cöln (vollendet), gez. v. L. Lange, gest. v. I. M. Kolb. -19. Innere Ansicht des Doms in Cöln, gez. v. G. Osterwald, gest. v. I. M. Kolb. 41. Der Dom in Cöln (Seitenansicht), gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 42. St. Gereonskirche in Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 43. Hans Gürzcnich in Cöln, gez. v. L. Lange, gest, v. I. Poppel. 44. Der Hanseatensaal in Cöln, gez. v. B. Schwartz, gest. v. I, Poppel. 45. Der Hcnmarkt in Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 46. Die St. Marienkirche in Cöln, gez. v. L Lange, gest, v. I. Riegel. 47. Die Minoritenkirche in Cöln, gez. v. B, Schwartz, gest, v. I. Poppel. 48. Das Nachhalls in Cöln, gez. v, L. Lange, gest. v. I. Poppel. 49. Das Negierilngsgebände in Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 59. St. Severinskirche in Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 51. Das Severinsthor in Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. 52. Das Templer-Herrenhaus in Cöln, gez v. L. Lange, gest, v I. Poppel. 53. Kirche zu Altcnberg bei Cöln, gez. v. L. Lange, gest. v. I. Poppel. Noblen?. Natürliche Zustände. ^?age. Mosel und Rhein bilden bei ihrer Vereinigung einen Rechtwinkel. In demselben, bis an den Fuß der Wälle einen Flächenraum von 62,188 rheinischen Ruthen einnehmend, ligt die königl. preuß. Stadt Koblenz, durch die dazu gehörigen Forts und Außenwcrke eine Festung erste» Ranges, unter 50° 21' 55" nördl. Breite und unter 25° 10' 54" östl. Länge. Auf der Stelle, wo die hier 1150 Fuß breite Mosel in den 1370 Fuß breiten Rhein mündet, wird die Höhe des Wasserspiegels auf 170 Fuß ü. M. berechnet. Der Kulminationspunkt des Stadtbodens, an der nördlichen Thür der Liebfrauen-Kirche, ist 210 Fuß ü. M. Boden. Die Oertlichkcit, worauf Koblenz von seinen ältesten Anfängen bis zu seiner neusten Gestaltung sich erhoben, ist ein von den beiden sie bespülenden Flüßen niedergeschlagener Boden. Nur der Hügel in Nähe der Moselbrücke, worauf das römische Kastell, später der fränkische Königshof und die kurfürstlich tricrsche Burg gestanden, besteht in seinem Kern aus Grauwacke, die über 30 Fuß hoch mit Lehm und Schlamm bedeckt ist. Grauwacke und Thonschiefer, untermischt mit hornsteinartigcm Kieselschicfer, zeigen sich auch in der Umgegend der Stadt, namentlich in den Hügeln, worauf die Forts Aleran'dcr und Konstantin auf der einen Seite, wie das Fort Franz auf der entgegengesetzten Seite erbaut sind. Der Einschnitt des Laubachthals auf der Südwestseite und die damit korrespondirende Schlucht, welche gegen die Mosel sich senkt, scheiden das Vorgebirg von Koblenz von den Tumuli- oder Tummel-Bergcn und dem HunSrück, dessen erster Gipfel, der Kühkopf, bis zu 1050 Fuß ü. M. sich erhebt. Mit Ausnahme des niedrigen PeterS - Berges, dehnt sich die Ebene am linken Rheinufer von der Mosel-Mündung bis Weißenthurm aus. Westlich von derselben steigt die Hochebene von Rübenach an, über welche sich die vulkanischen Hügel und Berge der Vorder-Eifel erhebe». Der erste bedeutende Gipfel dieses Zuges, der Kamillenberg bei Bassenhcim, hat eine absolute Höhe von 1200 Fuß. Am rechten Rheinufer steigt der aus Grauwacke-Schiefer bestehende Felsen, worauf die Festung Ehrenbreitstein erbaut ist, empor. Die Höhen von Urbar bis Sapn, wie die von Arzheim bis zur Lahn, gehören derselben Bildung an. Ein erster Rheinarm, noch heute durch die muldenförmige Senkung des Bodens leicht erkenntlich, zog sich von Rondcl, auf der mainzer Landstraße, durch die Felder und Gärten bis zur heutigen Stadt, ferner in der Richtung der heutigen S. Görgen-Straße, des Entenpfuhls und der Kornpfort-Straße bis zum östlichen Fuße des Kastell-Hügels, wo er sein Gewässer mit dem der Mosel vermischte. Ein zweiter kleinerer Arm des Rheins bildete die Insel, worauf die S. Kastor-Kirche Koblenz I. erbaut wurde. Es ergibt sich noch jetzt durch den Augenschein, und durch verschiedne, bei Neubauten von Seite des k. Gymnasial-Direktors vr. Klein angestellte, Beobachtungen der erwiesene Umstand, daß im Innern der heutigen Stadt Koblenz der Strich zwischen der Görgen- und neuen Lcerstraße einerseit, wie zwischen der ersten und der Kasino-Straße ?c. auf der andern Seite, Ufer des ehemaligen größern Rheinarms gewesen, und daß der ganze höhere Stadttheil, vom Jesuiten-Platze bis zur Karmelitcn-Kirche, zu einer größern Insel gehörte, während das S. Kastor-Eiland nur sehr klein war. Die Niederung der S. Görgen-Straße, des Entenpfuhls und der Kornpfort-Straße, wie jene künstlich geschaffene des Plans und alten Grabens, bietet noch jetzt auffallende Anzeichen eines ehemaligen Flußbettes, während zu beiden Seiten dieser Niederung der mit Rheinsand bedeckte Urboden sehr bemerklich emporsteigt. Klima. Im allgemeinen ist das Klima von Koblenz mild und gesund, wobei jedoch der schnelle Wechsel der Temperatur, veranlaßt durch das Zusammentreffen der Strömungen des Rheins von Süd gegen Nord, der Mosel von West gegen Ost und der Lahn von Ost gegen West nicht unbeachtet zu bleiben verdient. Eine unumgängliche Folge dieses Zusammentreffens ist nicht allein ein oft schneller Ucber- gang von Wärme zu Kälte, sondern auch eine große Unbeständigkeit der Witterung. Die häufigsten Krankheiten rühren deshalb von Erkältung her *). Ucbrigens verdankt man diese» unangenehme» Luftzügen jedenfalls eine große ReinMt der Luft, die sich auch aus dem gänzlichen Mangel an Sümpfen und stehenden Gewässern in der Umgegend erklären läßt. Im Durchschnitt beträgt der mittlere Hpgrome- terstand 55°. Nebel sind ziemlich häufig im Frühling und Herbst. Gewöhnlich dauern sie von Sonnen-Aufgang bis 9 oder lv Uhr Vormittags. Ein sehr heitrer Himmel und angenehme Wärme entschädige» den Ueber- rcst des Tages für die empfindliche Kälte und den Verlust des Morgens. Nach Sonnen-Untergang wird es, in den vorbemerkten Jahreszeiten, ebenfalls sehr kühl. Gewitter sind häusig, nicht selten lange anhaltend und schwer, was sich aus den nahe zusammengedrängten Bcrggruppen, besonders auf der Ost-, Süd- und Westseite, erklärt. Der mittlere Barometerstand ist 27" 9'" 5. Selten sinkt er bis unter 27" und fast nie erhebt er sich über 29". Der mittlere Stand des Thermometers von keaumur ist 8°, 6 Wärme. Im Sommer 1828 erhob er sich bis auf 28°, 1 und im Winter >830 sank er bis auf 17° unterm Gefrierpunkt. Die größte Regeu-Mcnge, im Jahr 1829, war 2' 4" 5'" , 7. Die meisten Sterbefälle in Koblenz sind im ') Vcrgl. - Versuch einer medizinischen Topographie von Koblenz -, von o, I »I. Wcgcler, S. i» u. f. März und April; die wenigsten dagegen im September, Oktober und November. Vegetation. Eine ungemeine Fruchtbarkeit zeichnet die Gegend um Koblenz'aus. Vorzüglich üppig ist das Wachsthum der Pflanzen in den Gemüse-Feldern zu Neuendorf. Selbst auf den Höhen, namentlich auf dem Maifelde, ist der Boden sehr ergiebig, und nur dem Mangel an Fleiß oder Umsteht ist es zuzuschreiben, daß der Karthäuserberg zum Theil noch den Anblick einer unbebauten Steppe gewährt. Die beste Uebersicht der in der Nähe von Koblenz wachsenden Pflanzen hat der ausgezeichnete Botaniker und Lehrer P. Wirtgen in der „allmeinen botanischen Zeitung" von 1833 und in den Beiblättern 2 bis 5 der „rheinischen landwirthschastlichen Garten-Zeitung" gegeben. Horchheim, Pfaffendorf, Ehrenbreitstein, Urbar, Vallendar und das Laubachthal (Affenberg) erzeugen einen guten rothen und weißen Wein. Getreide bringt die Rheinebene und das höher gelegne Land in Menge hervor, ebenso viel Obst und treffliche Gemüse. In den Wiesen bei Koblenz findet man häufig Imperator!» IRsbrüei 8pr. , an den Felsen des Konstantinforts, ,c., Zlespilus ^mela»cl>ier l... in den Weinbergen bei Pfaffendorf vr»l.» miir-,1!» I- und im Laubachthal üupbrss!» lute» Q. Bevölkerung. Nur muthmaßlich folgert man aus dem beschränkten Umfange des römischen Kastells co»ll»e»tcs oder Qo»ll»enti». der nicht viel über 250 rhein. Ruthen betragen mochte, daß die Besatzung desselben 600 Mann wenig überstiegen. Während der fränkischen Herrschaft wurde keine besondere Erweiterung, der Feste vorgenommen. Inner dem erhöhten Raume, der von dem Wasser-Umschluß deö alten Grabens, des Plans, Entenpfuhls und der Kornpfort-Straße umgrenzt war, konnte die Einwohnerzahl, wenn auch noch so zusammengedrängt, nicht 1500 Seelen übersteigen. Es sollen 1366, als die Stadt schon bedeutend vergrößert worden, in Koblenz 658 Familien gewohnt haben, was beiläufig eine Bevölkerung von 3300 Seelen bieten würde, die 260 Jahre lang sich fast immer gleich blieb. 1441 wurde von 532 Bürgern Schutzgeld entrichtet; 1475 gab es 546 streitbare Bürger und 1552 deren 556. Man zählte 1598 ungefähr 760 Familien in 674 Häusern und zu Anfang des 17. Jahrhunderts 3566 Einwohner. Die Zahl derselbe» belief fich 1794 ans 6163 Seelen in 1626 Häusern; 1866 auf 7992 S. in 1635 H.; 1817 auf 16,286 S. in 1642 H.; 1831 auf 12,214 S. in 1217 H.; 1834 auf 13,367 S. in 1241 H.; 1837 auf 13,696 S. in 1265 H.; 1346 auf 15,574 S. in 1293 H.; 1343 auf 17,668 S. in 1342 H. Die Zahl der evangelischen und der israelitischen Einwohner war zu Anfang dieses Jahrhunderts so gering, daß sie nicht in Rechnung gestellt wurde. 1817 belief sich die der ersten auf 396 und die der letzten auf 228; 1831 zählte man von jenen 626 und von diesen 263g 1834 der ersten 1535 und der letzten 242; 1837 dieser 1862 und jener 257; 1846 der ersten 2684 und der letzten 263; 1843 jener 2296 und dieser 276. Die Zugehörun- gcn der Stadt: Karthäuser- oder Berghof, Försterhaus Remstecken, Jägerhaus am Kühkopf, Insel Oberwerth und Laubachthal, werden zusammen von 96 Individuen bewohnt, die in obige Zahl nicht mit inbegriffen sind, ebensowenig als die aus 2lZ6 Seelen bestehende Bevölkerung der Stadt Thalehrenbreitstein und die militärische Besatzung von Koblenz, Ehrenbreitstein und der dazu gehörigen Forts, welche sich in Fricdenszeiten auf 3666 Mann beläuft. Rechnet man alle diese Zahlen zusammen, so ergibt sich eine Gesammt-Bcvölkcrung von 23,478 Seelen *). -) I» den letzten ->z Zahrcn hat sich die Bevölkerung von Koblenz um mehr als 7 Seelen vermehrt, während sie, vom Entstehen der Stadt bis isoo, nur bis auf gooo sich erhoben. Von PlZ? in g Iahren (von igzi bis igzg) verstorbnen Personen, haben nur wenige ein Alter von qo Iahren erreicht, keine darüber. Die Zahl der männlichen Bevölkerung verhält sich (mit Ausnahme der Garnison) zur weiblichen wie 6 zu ?. (Vergl. Wegeler's Versuch >c ) Koblenz hat 49 öffentliche, 1296 Wohn- und Nebengebäude und 3 Fabriken. Die Zugehörungen der Stadt haben 26 Wohn - und Neben-Gebäude. In Ehrenbreitstein befinden sich 26 öffentliche, nebst 278 Wohn- und Neben-Gebäuden, 9 Mühlen und deren Zugehörungcn. Die Zahl der Militär- Gebäude ist in obiger Angabe nicht mit inbegriffen und kann nicht genau angegeben werden. Geschichte. Alte Zeit. Um das Jahr 9 vor Chr. Geb. wurde, auf Verfügung des römischen Konsuls Drusus, durch die unter seinem Befehl stehenden Soldaten das c»«tellu>» c»»sluentes oder c»nkIu<-.»ti->, unfern der alten Mündung der Mosel in den Rhein (beiläufig 136 Ruthen oder 1566 Fuß oberhalb der neuern Mündung) erbaut. Es nahm diese Feste die ganze Oberfläche des Hügels ein, welcher sich von der heutigen Mosel-Brücke bis zur Florins-Kirche und dem alten Hofgericht cincrseit, wie bis zur Liebfrauen-Kirche, dem Plan und dem alten Hof auf der andern Seite erstreckt. Höchst wahrscheinlich war seine Form die eines nicht vollkommen regelmäßig länglichen Vierecks, dessen Länge gegen die Mosel etwa 65, gegen den Plan dagegen nur 66 Ruthen betragen, während die Breite desselben, am Abfall des Florins- Marktes kaum 56 und gegen den alten Graben nicht 45 Ruthen übersteigen mochte. Die vier Ecken dieses Kastells, durch die vorangedeuteten Oertlich- keitcn näher bezeichnet, scheine» abgerundet gewesen zu sein. Ucbrigens waren die Mauern ohne Zweifel mit vorspringenden Thürmen, nach der bekannten römischen BcfestigungSweise, versehen, und ein zweiter äußerer Umschluß, aus Erdwällen und mit Wasser angefüllten Graben bestehend, zog sich, wahrscheinlich in halbrunder Form, von der Kornpforte (am Zusammenfluß der Mosel und des Rheins), durch die gleichnamige Straße, den Entenpfuhl, Plan und alten Graben bis zum heutigen Moselthor. Ob der Raum zwischen dem innern und äusser» Umschlusse unter den Römern mit Häusern bebaut gewesen, läßt sich nicht ermitteln; unter den Karolingern aber war er es wohl eher als nicht. Das Römer-Kastell hatte vermuthlich nur zwei Thore: eins gegen Nord, am obern Anfang des Florins-Markts; das zweite auf der entgegengesetzten Seite, im nordwestlichen Winkel des Plans, welcher letzte das alte ?or»,» x-nkile, der öffentliche Markt, gewesen zu sein scheint. Die von hier gegen den Hunsrück und den Rhein sich ziehende Römer-Straße korrcspondirte genau mit dem alten Lecrthor. Unterhalb der Port» ,,1-acloi'i» war die Mosel-Ueberfahrt, und am linken Ufer des Flusses begann die nach der col»„i-> .^^ri,>,,!«» führende Straße. Die wechselnden Schicksale der an sich wenig bedeutenden Römer- Feste an der Mosel-Mündung sind mit einem fast undurchdringlichen Schleier bedeckt. Ob die Oertlichkeit schon vor dem Anbau durch die Römer von einer Abtheilung Drevirer (Drüberer oder Trierer) bewohnt worden, läßt fich eben so wenig bestimmen, als behauptet oder verneint werden kann, ob der Bataver Oirills auch dies Kastell, wie so viele andere, überrumpelt habe. Mit Bestimmtheit weiß man nur, daß, als die Franken im Jahr 413 mit unwiderstehlicher Gewalt das linke Rheinufer überschwemmten und die Römer aus dieser Gegend, wie aus Gallien, vertrieben, welches letzte fortan Frankreich genannt wurde, auch Koblenz durch Klodowig unter ihre Botmäßigkeit gerieth. Es gehorchte 6 Jahrhunderte ihren Gcfttzen und vergrößerte sich nur wenig unter dem Zepter Karls des Großen, seiner Söhne und Nachfolger bis zum Erlöschen des karolingischeu Stammes. Schildbert hielt sich fich 585, Theodorich 72l und Karl der Große 867 längere Zeit in der Vill» ,'<>gi-> <5o»folvn, auf. Die von den letzten zusammenberufene Reichsversammlung ist der glänzendste Moment der städtischen Geschichte jener Zeit. Mittelalter. Ludwig der Fromme, Sohn des großen Karl, hatte eine besondre Vorliebe für Koblenz, wo er 336 die S.Kastor-Kirche erbaute. Hier pflegte er in demselben Jahre, nach Versetzung der Reliquien des heiligen Kastors, aus der Kirche zu Karden in das von ihm zu Koblenz gestiftete Gotteshaus, mit seiner ganzen Familie eine achttägige Andacht. In Koblenz verständigten sich auch Karl, Ludwig und Lothar über die von ihnen beabsichtigte Theilung des Reichs, zu welchem Zweck gewichtige Berathungen 842 , 848 und 866, entscheidend im letzten Jahre, stattfanden. Die Verheerungen der Normannen von 882 waren längst vergessen, als Kaiser Heinrich II.. mit dem Beinamen der Fromme, dem Erzbischof Poppo t6l3 das Land an der obern und untern Mosel schenkte. Es bildete sich dadurch das Kurfürstenthum Trier, welches 866 Jahre ununterbrochen fortbestand und von 28 auf einander folgenden Kurfürsten regiert wurde, wonach es fast gleichzeitig mit dem deutschen Reiche zu Grunde ging. Unter den Erzbischöfen wurde die Stadt nach und nach bedeutend vergrößert. Erzbischof Arnold II. von Jsenburg lies 1249 die drittälteste Ringmauer aufführen, wovon an einzelnen Stellen noch Ucber- reste vorhanden find. Die weit oberhalb der Mosel-Brücke beginnende 26 Fuß hohe spätere Stadtmauer, die, mit halbrund vorspringenden Thürmen versehen, am Dominikaner-Kloster vorüber, längs des Seilerwalls bis zum alten Leerthor sich zog, und von dadurch die Mauer- Straße bis zur Schanzen-Pforte sich fortsetzte, um am Rhein zu enden, bezeichnet den Raum, welchen Koblenz bis zum 36jährigen Kriege, und selbst lange »ach demselben, einnahm. Das Entstehen mehrer Kirchen und Klöster, von adeligen Familien gestiftet, veranlaßte diese Familien selbst, in der Stadt sich niederzulassen, oder doch Häuser in derselben zu haben, während immer mehr Handwerker und Arbeiter das von ihnen gegebene Beispiel nachahmten und ebenfalls ihre festen Wohnsitze in Koblenz nahmen. Zum Theil auf den Trümmern des alten fränkischen und karolingi- schen Königs-Hvfes, zum Theil näher an der Mosel und der damaligen Ueberfahrt über diesen Fluß, neben der heutigen Brücke, erbaute sich Kurfürst Heinrich von Vinstingen 1286 und folgende Jahre eine feste Burg, wovon einzelne Gebäulichkeiten noch vorhanden sind. Die Bürger von Koblenz, welche durch diesen Erzbischof, mehr als durch jeden seiner Vorgänger, in ihren Freiheiten und Rechten sich bedrängt fühlten, bezeichneten deshalb diese Feste als einen Zwinghof. Das gegenüber auf dem linken Mosel-Ufer seit dem 16. Jahrhundert entstandene Lützel- Kob lenz, dessen Bevölkerung zu Anfang des 14. Jahrhunderts bereits 666 Seelen überstieg, verlor seit 1343, nach dem Bau der steinernen Mosel-Brücke durch Kurfürst Bald»in, viel von seiner frühern Wichtigkeit. In den Kriegen, welche die Kirchen-Fürsten von Trier mit ihren kampflustigen Nachbarn zu bestehen hatten, erlitt Koblenz nicht unbedeutende Verluste. Seine Bewohner mußten oft Gut und Blut aufopfern für Streitigkeilen, welche sie weder veranlaßt noch genährt hatten, und deren Folgen ihnen nicht die mindesten Vortheile gewährte». Am härtesten wurden sie auf solche Weise durch Reinhard von Wester bürg mitgenommen, der die Feste Grenzau überrumpelt hatte, bet deren Wiedereroberung 266 ihrer tapfersten Bürger das Leben verloren. Allein auch der Hader zwischen den Kurfürsten und ihren Unterthanen, namentlich den Koblenzern, fügte beiden Theilen nicht geringen Schaden zu. So wurde unter andern Kurfürst Johann von der Lepen 1566 von den Bürgern förmlich in seiner Burg belagert und die Ansprüche, welche diese auf die ihnen zugestandene Reichsfreiheit machten, beurkundeten sich mehr als einmal durch blutige, oft langwierige Fehden. In Koblenz, und Zwar in der kurfürstlichen Burg, kam auch 1669 die von Lothar von Mcttcrnich vorgeschlagene katholische Union zu Stande, deren Truppenmacht Tilly später befehligte. Die wichtigste Epoche von Koblenz war die des rheinischen Städte- BundeS. Auf eigne Kosten führte cS um diese Zeit feste Ringmauern auf, gewährte den es besuchenden Fürsten für die damalige Zeit bedeutende Baarvorschüsse und schloß mit Andernach, Boppard, Ober- Wesel und andern Städten, namentlich mit Npmwegen, Arnheim und Harderwpk, Schutz- und Trutzbündnisse zur Sicherung seines Handels. König Eduard von England feierte in Koblenz das Petersfest. Auch Kaiser Maximilian I., Karl V. und mehre andre Kaiser und Fürsten hielten sich längere oder kürzere Zeit in ihm auf. Die merkwürdigste hier abgehaltnc Kirchen-Versammlung war die von 922. Das glänzendste Ereigniß aber war das als, umgeben von den Großen seines Reiches, Konrad III. von Hohenstaufen am Pfingstsonntag 1156, in vollständiger Kaisertracht, in der alten Liebfrauen-Kirche erschien und vor dem Hochaltar die Krone vom Haupte nahm. In demselben Jahre wollte auch Heinrich IV., während der Adventzeit dem Gottesdienst in Koblenz beiwohnen. Erst nach langem Unterhandeln mit der Geistlichkeit öffneten sich vor dem Geächteten die Kirchthüren. Einige Tage nachher warf sich hier sein wortbrüchiger Sohn Heinrich V. ihm zu Füßen, ihm Treue und Gehorsam schwörend, um beide bald nachher im Klopp, zu Bingen, durch die gewaltsame Gefangennchmung seines Baters zu brechen. Etwa 46 Jahre später erweckte der heilige Bernhard von ci->ir- ve»», durch seine begeisterten Predigten gegen die Ungläubigen, eine solche Aufregung in Koblenz, daß mehr als tausend Ritter und Bürger das Kreuz nahmen, um zur Wiedcr-Eroberung des heiligen Grabes auszuziehen. Kaiser Ludwig der Baier empfing auf dem Kastor-Hofe, auf seinem Throne neben Eduard III. von England sitzend, die Huldigung der versammelten Menge, während ein Adler hoch über den Häuptern der Anwesenden lange in den Lüften kreiste. Kurfürst Bal- duin herrschte damals über das Erzstift Trier. Neuere Zeit. Ueberaus hart wurde Koblenz im 36jährigen Kriege, namentlich 1632 unter Kurfürst Kristof, mitgenommen. Drangsale und Unglücks-Fällc jeder Art verminderten die Bevölkerung bis auf ein Viertel ihres frühern Bestandes. Nach der Einnahme der Stadt durch die Schweden, die hier gleich Barbaren wüthete», wurde sie von diesen bösen Feinden fast gänzlich verwüstet, und als der Kurfürst sie 1639 zurückerhielt, war sie wenig mehr als ein Trümmer-Haufen. Nur langsam wieder hergestellt, wurde durch die 14tägige Beschießung des Marschalls von Boufleurs, im Jahr 1688 (wobei Ludwig XIV. persönlich zugegen war und Vauban die Belagerung leitete), großer Schaden in Koblenz angerichtet. Das 52 Jahre vorher schon hart mitgenommene Lützel-Koblcnz ging bei dieser Veranlassung gänzlich zu Grunde. Nichts desto weniger stählte der wackere Befehlshaber in der Stadt, Graf von der Lippe, so mächtig den Muth und die Beharrlichkeit der Besatzung und Bürgerschaft, daß die Belagerer unverrichteter Sache abziehen mußten. Obgleich nun der ganz eingeäscherte Stadttheil am linken Mosel- Ufer nicht mehr aufgebaut wurde, erhob sich das eigentliche Koblenz doch aus seinen Trümmern. Durch des Friedens Segnungen gelangte es nach und nach zu größrcr Wohlhabenheit. Die Zeit seines schönsten Flors aber ist die Regierung des letzten Kurfürsten Klein ens Wenzeslaus, von 1768 bis 1794. Dieser edle Regent, dessen Name bei seinen frühern Unterthanen stets in gesegnetem Andenken bleiben wird, machte sich nicht allein um Koblenz durch die Anlegung verschönen Klemens- oder Neustadt, des kurfürstlichen Schlosses und andrer Prachtgebäude verdient, sondern auch durch Errichtung guter Schulen, Stiftung von Arbeits-Häusern für Dürftige, einer Versicherungs-An- stalt gegen Brandschaden :c. Unter seiner weisen Verwaltung gediehen Handel und Gewerb-Thätigkeit der Stadt zu einer früher nie gekannten Entwickelung. Durch Verlegung der kurfürstlichen Residenz von Ehrenbreitstein nach Koblenz, wie durch die Niederlassung vieler reichen adeligen Familien in dieser Stadt, vermehrten sich Regsamkeit und Wohlstand in derselben auf die erfreulichste Weise. Diese schöne, gedeihliche Zeit wird ihren Bewohnern immer unvergeßlich bleiben. Die französische Staatsumwälzung vernichtete das alles mit einem Schlage. Durch seine Vcrwandschaft mit dem königlichen Hause von Frankreich, sah sich der Kurfürst gewissermaßen genöthigt, den seine Gastfreundschaft in Anspruch nehmenden französischen Prinzen und deren zahlreichen Begleitern eine Zufluchts-Stätte zu gewähren. Durch sie wurde Koblenz das Hauptquartier der französischen Auswanderer. Von hier *) datirten der Graf von Provence und der Graf von Artois, unterm 30. Oktober 1791, ihr bekanntes Manifest; hier war es auch, wo die Sittenlosigkeit und der Unglaube der französischen Aristokratie und Geistlichkeit am auffallendsten sich zeigten. Durch solche verhängnißvolle Zusammenwirkung wurde nicht allein der politische, sondern auch der sittliche Zustand von Koblenz, wie überhaupt des ganzen Kurstaats Trier, untergraben. Nothwendigerweise mußte dieser deshalb beim ersten Anstoß der republikanischen Falanr zusammenstürzen. Der edelsinnige Klemens Wenzeslaus sah sich genöthigt den 5. Oktober Koblenz zu verlassen, um es nie wieder zu betreten. Mit seiner Entfernung hatte das Kurfürstenthum aufgehört zu bestehen. Bald nachher, den 23. Oktober, rückten die Franzosen unter Mar- ccau in Koblenz ein. Es begann nun eine Zeit sehr drückender und langanhaltcnder Kriegslasten für die Stadt. Bittere Armuth der meisten Einwohner war davon die Folge. Erst nachdem Koblenz seit 1796 Hauptort des Rhein - und Mosel-Departements, Sitz der Zentral-Be- hörden, des Präfckten und des ersten Instanz-Gerichts geworden, erholte es sich allmälig von seinem plötzliche» Verfall. Eine neue bessere Aera, gedeihlicher und fruchtreicher für Gegenwart und Zukunft, eröffnete sich jedoch für Koblenz erst mit dem Augenblick, wo der^Krone Preußen die Leitung des Schicksals dieser Stadt, wie des ganzen ehemaligen Kurstaats Trier, anvertraut wurde. Nach den fürchterlichen Niederlagen der französische» Eroberungsmacht, welche dieselbe während der Jahre 1812 und 1813 in Rußland und Deutschland erlitten, überlies sie einen der wichtigsten Kriegsplätze unvertheidigt den vordringenden Truppen der verbündeten Mächte, welche, nach deren Uebergange über den Rhein, am 1. und 2. Januar 1314, ihn ohne Widerstand in Besitz nahmen. Koblenz ward nun ein Jahr lang durch ein Gencral-Gouverne- mcnt Namens der Verbündeten verwaltet. In Folge einer Bestimmung des Monarchen-Kongresses zu Wien wurde es, nebst der gegenwärtigen ganzen Rheinprovinz, an Preußen übergeben. Durch den Aufenthalt des Ober-Präsidenten ist es seit 1815 Mittelpunkt dieser Provinz und Sitz der danach benannten königlichen Zivil- und Militär-Behörden geworden. Nicht allein hat seit 1815 bis 1844 die Bevölkerung von Koblenz sich um mehr als 7069 Seelen vermehrt, auch der Wohlstand seiner Einwohner hat auf eine augenscheinliche Weise wesentlich sich verbessert. Die früher so drückende Armuth ist fast gänzlich verschwunden. Gesetzliche Ordnung und Regelmäßigkeit haben die Gewohnheiten der Lotterhaftigkeit und Vergeudung ersetzt, welche durch Schleichhandel und Lieferungs-Wcsen, die vorzüglichsten und leichtesten Erwerbs-Quellen unter der französischen Verwaltung, überwiegend geworden waren. Obgleich die Stadt keinen sehr bedeutenden Großhandel treibt, ist, seit dem Bestehen des deutschen Zollvereins, ihr Verkehr auf Mosel Streng genommen von dem nahe gelegnen kurfürstlichen Lustschlossc Schönbornslust. und Rhein, besonders auf der ersten, dennoch um das Dreifache gestiegen, und gewinnt, mittelst der stets sich vermehrenden Dampf- und Segel-Schifffahrt auf diesen beiden Strömen, eine immer größre Entwickelung. Wappen der Stadt. Es besteht aus einem rothen Kreuz, welches oben und in der Mitte mit einer goldnen Krone gedeckt ist, und zwar in silbernem Felde. Alterthums -Ueberreste. Die Zahl derselben, welche man als Koblenz eigenthümlich angehörend betrachten kann, ist nicht besonders groß. Weder von dem Umschluß, noch den Gebäulichkeiten des römischen Kastells, ist irgend eine über dem Erdboden sichtbare Spur bis zu uns gelangt. In dem vorhergehenden Abschnitt ist angedeutet, welches wahrscheinlich Lage, Form und Umfang der Römer-Feste an der Mosel-Mündung gewesen. Die alte Landstraße, welche an dem Landthor (der i><,rt-> «lee»,«-,»») begann und sich gegen den Hunsrück zog, ist ebenso vollkommen verschwunden, als die von tlonlluentes nach der tloioni» Vj-rip,>in-> führende. Alles aus der Römerzeit noch vorhandne, beschränkt sich auf einen vormals in der Stadtmauer, unfern der Kornpforte, neben dem Gasthause zum Schwan, eingemauert gewesenen ziemlich großen Bildstein, den vielbesprochnen Hliceius (Browers ll^xsneus), der sich später im Hofe des rcnesscschen Hauses befand, und gegenwärtig in dem Konferenzsaal des k. Gymnasiums aufgestellt ist. Nach der Angabe des Professors I. A. Klein *) wurde er in der Mitte des Flußbettes der Mosel gefunden und soll, der durchaus ungegründeten Vermuthung des eben Genannten gemäß, durch ein hier versunkenes Schiff von Trier hergebracht worden sein. Diese ganz aus der Luft gegriffne Voraussetzung hat sich später als unstatthaft erwiesen. Indeß ist so viel gewiß, daß außer diesem 4V- Fuß hohen und 5 Fuß breiten weißlichen Kalkstein (worauf man oben drei sitzende Figuren in mehr als halber Lebens-Größe**), darunter fünf kleinere stehende und zu beiden Seiten zwei ebenfalls stehende gewahrt, welche letzten sehr gut erhalten sind), verhältnißmäßig wenig römische Ueberreste jetzt in Koblenz zu sehen sind, insofern man nicht einen halben römischen Grabstein von der VIII. Legion, mit sehr lesbarer Inschrift, Bruchstücken von vier oder fünf andern röm. Steinschriften, einem Hohlziegel mit dem sehr deutlichen Stempel der XXII Legion und verschiednen in Römer- Gräbern, vom Anfang des vierten Jahrhunderts, in der alten Gräber- Straße (der jetzigen Leerstraße) beim Bau neuer Häuser gefundenen alten Thongefäßen, GlaSfläschchen, Münzen zc., ferner 2 oder 3 Mühlsteinen, einer großen Amfora ohne Kopf, etwa einem Dutzend römischer Ziegel, ohne Stempel, drei runden, säulenartigen Bruchstücken von Sinter, angeblich aus der röm. Wasser-Leitung zwischen Trier und Köln, und einigen Alterthums-Ueberresten aus der Umgegend von Koblenz w. eine besondre Wichtigkeit beilegen will. Ziemlich oft sind auch römische Münzen in der Mosel, bei niedrigem Wasser-Stande, und in verschiednen Punkten in der Stadt, gefunden worden. Die meisten dieser Gegenstände befinden sich im Konferenz-Saale des k. Gymnasiums, unter der umsichtvollen Aufsicht des Direktors vr Klein. Von mittelalterlichen Gebäuden sind, außer den Kirchen unsrer lieben Frauen <8. ülnri-, Ontlueuti»»), des h. Kastors und des h. Florins, wie der erzbischöflichen Burg (jetzt Blechwaaren-Fabrik), des Deutschordcns-Hauses an der Mosel-Spitze (gegenwärtig Proviant- Magazin), dem solcrnschen Hofe und der Spitzbogen-Halle im fürstlich »1 Nergl. dessen -Rheinrcisc von Mainz bis Äoln-, S. >N2. ") In der aus drei Zeilen bestehenden Inschrift, zwischen der obern und untern Abtheilung, ist nur noch das Wort „vivvs" vollkommen lesbar. leyischcn Hofe, keine wirklich mcrkwüdigen Gegenstände erhalten, Sehenswerth ist jedenfalls die Vorder-Mauer eines alten Gebäudes, welche das Eck des Florins-Markts und der Straße unterm Stern bildet, Sie befindet sich neben dem Kaufhause und ist mit Nr. 184 bezeichnet. Ihre von kleinen Säulen getragnen fünf niedrigen Rundbogen deuten an, daß dieser Uebcrrest aus dem 10. oder ll. Jahrhundert herrühren dürfte. Ueber der Thür ist ein schöner Kopf von schwarzem Marmor eingemauert. Ganz in der Nähe befand sich auch der iideciu» in der Stadtmauer. Der ehemalige Thurm der drittältesten Ringmauer, im Hintergrunde des Pottgicßer-Gäßchens, ist jetzt als Wohnhaus eingerichtet. Der Mosel-Brücke, wie verschiedner andern Bauwerke aus dem l4. und 15. Jahrhundert, wird weiter unten Erwähnung geschehen. Gegenwärtige und frühere Oertlichkeits- Zustände. Rheinzoll-Straße und Rheinzoll-Gcstade. Dem Reisenden, der auf der Rheinscite, sowohl von den Landungs-Plätzen der Dampfschiffe als von der Schiffbrücke, zuerst Koblenz betritt, stellt sich diese Stadt in der Rheinzoll-Straße und in dem damit zusammenhängenden Rheinzoll-Gestade (welche eine Fortsetzung des ersten ist) auf eine vvrtheilhafte Weise dar. Das letzte, 24V Schritt oder 600 Fuß lang, beginnt am Freihafen und erstreckt sich bis zum ehemaligen Zollamt. Man bemerkt auf ihm, einerscck den gegen den Hauptstrom vorspringenden Rheinkavalier und einen Krahnen von 1611, woran die Höhe des Wasserstandes vom 29. Febr. 1784 und vom 26. Januar 1651, erstere zu 32 Fuß 5 Zoll, letztere zu 3V Fuß 1t Zoll über dem Nullpunkte des Pegels, angedeutet ist. Darauf folgt das Rheinthor, durch das man, über die Schiffbrücke, nach Ehrenbreitstein, Ems, Neu- wicd und andern Orten am rechte» Rheinufer gelangt. Auf der andern Seite erhebt sich das großartige Gebäude der königl. Regierung (das frühre kurfürstliche Dikasterial-Gebäude) dessen Eingang in der Straße am Vogelsang ist. Unter diesem großen Hause befinden sich die weitläufigen Gewölbe der ehemaligen kurfürstlichen Kellerei, welche jetzt als Waaren-Lager des Freihafens dienen und mit demselben durch einen unterirdischen breiten Gang in Verbindung stehen. An das Re- gierungs-Gebäude schließen sich, nächst den Häusern des ehemaligen Brücken-Meisters, das ebenso glänzend als bequem eingerichtete Hotel Itelle-Viie, mit eigener Gasbeleuchtung und einem Garten; ferner der Gasthof ersten Preises zu den drei Schweizern und das ehemalige Zollamt, worin sich die Erpeditionen der niederländischen Dampflchiff- fahrts-Gesellschaft und der nach Ems fahrenden Wagen, wie die Agentur der düsscldorfer Dampfschifffahrts-Gesellschaft und die Rheinbrücken- wacht befinden. Die eigentliche 288 Schritt oder 720 Fuß lange Rheinzoll-Straße erstreckt sich von hier bis zum Kastor-Platze. Ihre gegen den Rhein gerichtete Häuser-Reihe ist durch eine nicht besonders hohe, mit Schießscharten versehne und von drei Pforten durchbrochne Mauer vom Strom abgesondert, zu dem man auf hölzernen Treppen hinabgeht. Diese Straße ist breit und würde noch freundlicher sein, wäre sie, längs der eben- gedachten Mauer, mit einer Reihe hübscher Kugel-Akazien, oder ähnlicher niedriger Bäume, geschmückt. In ihr befinden sich der große Gasthof ersten Preises zum Riesen und der kleinere zum pariser Hof, ferner das Gasthaus zweiten Preises Rhcinberg, das hübsche Haus des Agenten der rheinischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft, Hrn. Leroy, die Agentur der gothaischen Lebens- und Feuerversicherungs-Gesellschaft, die Maschinen-Fabrik von Deisler, und die Mädchen-Pfarrschule von S. Kastor, ein in eigenthümlichem Geschmack von dem Bauinspektor von Lassaulr theilwcis aus Lava aufgeführtes Gebäude. Die Perspektive dieser Straße gegen Nord bilden die hintern Thürme der Kastor- Kirche und der Spitzgiebel des Deutschordcns-HauseS. Rheinstraße. Den Bureaur der kölnischen und düsseldorfer Dampfschifffahrts-Gesellschaften gegenüber, wie in Nähe der Landungs- Brücken ihrer Bote, mündet die mittelbreite, ziemlich belebte Rheinstraße in die beiden eben beschrietznen. Sie erstreckt sich bis zum kleinen Paradcplatz, auf eine Länge von 292 Schritt oder 730 Fuß. Diese Straße ist reich an Gasthäusern und schönen Kaufladen jeder Art. Zu jenen gehört das ersten Preises, der Riese, das zweite» Preises, die Traube und die dritten Preises: Einhorn, Stadt Mainz, S. Michael und Stadt Wien. Oberhalb des letzten ist das Militär-Kasino in dem Hause 440, dem ehemaligen gräflich lcpcschen Hofe. Diesem gegenüber ist die früher so schöne, mit einem Thurm geschmückte Karmeliter-Kirche, jetzt Proviant-Magazin Nr. 3, und als solches 1824 eingerichtet, nachdem das Innere des herrlichen Tempels unter der französischen Verwaltung verwüstet worden Die dazu gehörigen Gebäude des frühern Klosters, in der stillen Karmeliter-Straße, dienen als Zivil-Arresthaus. Durch diese Straße kommt man geradeaus, vorüber an dem ehemaligen boos-waldeckschcn Hofe, jetzt Oberpräsidium, dem Ingenieur- Gebäude, dem k. Proviantamt und dem Festungs-Bauhof, zum Kle- mens-Platz, links aber durch zwei Seiten-Gassen zum Vogelsang (wo früher ein Augustinerinnen-Kloster stand) und dem Freihafen, wie rechts durch die Oberpräsidiums-Straße (worin die Wohnung des k. Ober-Präsidenten der Rhcinprovinz sich befindet, nebst der des Ge- neral-Artillerie-Jnspektors, die Musikalien- und Musik-Jnstrumenten- Handlung und Leihanstalt von Falkenberg und die Schaumwein- Fabrik von Willens), zum kleinen Paradcplatz. Auf der entgegengesetzten Seite, von der ehemaligen Karmeliter-Kirche gegen den Ka- storhof sich ziehend, beginnt die mit schönen neuen Gebäuden besetzte Kastors-Pfaffen-Gasse die, nach Beseitigung des letzten Anstoßes durch das Eckhaus 407, welches den Eingang sehr verengt, den Namen Mosel-Straße erhalten soll*). Diese Straße wird alsdann unstreitig eine der schönsten der Stadt werden. In derselben befinden sich die Möbel-Magazine des geschickten Kunsttischlers Gerstenkorn und die Pianoforte-Fabrik von Krauß. Eine ähnliche Fabrik von Mand, in dem Hause 450, früher der Familie von Esch gehörig, ist der Karmeliter-Kirche südwärts gegenüber. Daneben in 45l befindet sich die Erpedition des „koblenzer Anzeigers," in der krabbcnschen Buchdruckern. Weiter oben, in dem Hause Nr. 452, wurde die berühmte Sängerin Sonntag, jetzt Gräfin von Rosfi, geboren. Auf der andern Seite der Straße ist das ehemalige saftiger Haus, mit hübschem Garten und am Eck des kleinen Parade-PlatzeS die Buch- und Kunsthandlung von Bädecker, an welche sich dicsseit das Wohnhaus des Eigenthümers der kottenhei- mer und niedermendiger Vulkanstein-Gruben, Hrn. S Landau, anschließt. Kleiner Paradeplatz. Ein regelmäßiges längliches Viereck, 160 Schritt oder 400 Fuß lang und 100 Schritt oder 250 Fuß breit, mit einer Doppelreihe gestutzter Linden, auf der Seite gegen die Rhein- und Firmung-Straßen mit einem einfachen Holzgeländer, aber ohne Bänke. Während der beiden Messen, im Frühling und Herbst, ist dieser Platz mit 6 Reihen Buden besetzt, welche drei Gassen bilden. Im übrigen wird er weder als Paradcplatz noch als eigentliche Promenade benutzt. Beachtungswerth sind hier das lithografische Institut der Gebrüder Becker, das Kaffeehaus Pfadler und das Wohnhaus eines der Eigenthümer der großen Blechwaaren-Fabrik, Hrn. Schaffhausen. Von diesem Platze gelangt man durch die Schanzenpfort- -) Leider hat sich diese so wesentlich nothwendige Verschönerung nicht bcwcrksiclli- gcn lassen. Slraße, vorüber an dem k. Oberpostamt (gleichzeitig Expedition der Brief- und fahrenden Posten), wie der gegenüber befindlichen Schweizer-Konditorei, Schokolade-Fabrik und Kaffee-Wirthschaft von Nuttly u. Komp., zum Klemensplatz. Nördlich vom Paradeplatz zieht sich die Nagels-Gasse zur Kastor-Straße hinab. In jener größtentheils von Handwerkern und Privatleuten bevölkerten mittelbreiten Gasse ist nur das Haus der Familie von Solemacher, (Hypothek-Bewahrung des Arrondissements Koblenz) beachtungswerth. Firmung- eigentlich Firmond-Straße, In derselben Richtung, wie die Nheinstraße und unmittelbare Fortsetzung derselben, zieht sich diese ebenfalls mittelbreite und durch hübsche Kaufladen belebte Straße vom kleinen Paradcplatz bis zu dem Punkte, wo die Kornpfort-Straße und der Entenpfuhl sich begegnen. Sie ist 270 Schritt oder 675 Fuß lang und enthält mehre hübsche Gebäude, namentlich den Hof der Grafen von Elz-Kempenich von 1692, viele Galanterie- und Modewaaren-, br ler Strohhüte-, Schreib - und Zeichnen-Matcrialien- und andre Handlungen, die Mohren - und Adler-Apotheken, die Konditoreien von Gores und Lambrecht, das Kaffehaus Schäffner, die Schokolade-Fabrik von Brunetti, die Buch- und Kunsthandlung von Blum, :c. Icsuitenplatz. Das Hauptgebäude auf diesem kleinen viereckigen Platze, der nur eine Länge von 40 Schritt oder 100 Fuß und eine Breite von 35 Schritt oder 88 Fuß hat, ist das ehemalige Jesuiten-Kollegium, worin sich gegenwärtig die höhere Lehranstalt des k. Gymnasiums befindet. ES nimmt die östliche Seite ein. Unmittelbar damit zusammenhängend, auf der Nordseite des Plätzchens, ist die gewesene Jesuiten- jetzt JohanniS-Kirche. Weiterhin, am Eck der Firmung-Straße befindet sich die Kunst- und Galanteric-Handlung von Fietta-Nervo und Komp., und derselben schräg gegenüber die Buch- und Kunst-Handlung von Hölscher. Durch die schmale aber starkbegangne Jesuiten-Gasse, worin es an Kauf- und Kramladen nicht fehlt, steht der Jesuitenplatz in Verbindung mit dem Entenpfuhl. Kornpfort-Straße. Sie erstreckt sich, ziemlich gerade und mittelbreit, von der Mündung der Firmung-Straße bis zu jener der Kastor-Straße, wo an der Kornpforte, jener gegenüber das von Krämern und Schiffern bewohnte Gäßchen unterm Stern sich öffnet. Auf diesem Punkte ist in einem schönen grünen Glaskasten eine Madonna aufgestellt, die, nebst dem Jesus-Kinde, auf der Mosel bis hierher geschwommen, von der koblenzer Schiffer-Gesellschaft anständig gekleidet und unterhalten wird. Jeden Abend werden vor diesem Mut- ter-Gottcsschrein zwei große Laternen angezündet, wie überhaupt mehre ähnliche Heiligen-Bilder in verschiedncn Nebcngäßchen jeden Abend erleuchtet werden. Längs der Kornpfort-Straße (die, nebst dem Entenpfuhl, dem Plan und dem alten Graben, aus dem ehemaligen Umschluß der Franken-Feste Confolenz oder Kobolentz, oder vielmehr aus dem vor demselben befindlichen Wasser-Graben entstanden ist), bemerkt man auf der Südseite die Ucberreste der Zweitältesten Ringmauer, wovon sich auch in den beiden andern vorangedcuteten Straßen noch Ueberreste auffinden lassen. Nächstdem sind noch beachtungswerth in der Kornpfort-Straße: die Mehlhalle, der ehemalige Krämerbau von 1709, das Eck an der Danne, an dessen schön verziertem Erker (woran vier hübsche il.-»utrelirr-Figuren in Nischen von Muschelform angebracht find), man oben die Inschrift liest: „Derer» Icn2»'»' Iir»ull' UN»I lll»i»«tels lerllic» ilirr Xli»m>ri!»5." Unfern davon ist der Hof der Freiherrn von Elz-Rübenach, mit großem Erker und gegenüberbefindlichem hübschen Garten; das ehemalige Gasthaus zum wilden Mann, Nr. 203, früher eins der vorzüglichsten Stelldichein der französischen Emigranten, jetzt Lokal einer Schmier- und hart» Seifen.Fabrik, wie der Buchdruckerei von Mainzer und der Möbel-Fabrik von Ludwig. In der alten Mehlwagc Nr. 175 ist jetzt eine Mädchen-Schule, im Schwarzwälder eine Niederlage von hölzernen Schlaguhren und in 176, dem früher dem Schöff Höch gehörige» stattlichen Hause, die Weinhandlung von Feist. Das ehemalige Gasthaus, jetzt Wein-, Bier- und Billard-Wirthschaft, zum alten Einhorn, war das Wohngedäude der Familie von Solern. Gesehen zu werden verdienen noch die mit hübschen Erkern versehenen Häuser 160 (mit Steinbildern in drei Feldern) und 175, wie denn überhaupt 4 oder 5 zierliche Erker in dieser Straße und viele ähnliche i» den ältern Stadtthcilcn sich befinden. Die Au- thentizität des mit alten Zinnen »ersehnen sogenannten Templer- Hofes, nördlich außerhalb der Kornpfortc, läßt sich urkundlich nicht beweisen. Auf der Südseite der Pforte ist das Gasthaus dritten Preises, zum weißen Schwan, wo der vbceius eingemauert war. Kastor-Straße. Diese schmale, ziemlich tiefligende, deshalb fast alljährlich, bei dem Eisgang der Mosel, mehr oder weniger unter Wasser gesetzte Straße, wird mit ihren fünf ziemlich tiefen Sackgassen (Hirzen-, Borns-, drei Trauben-, Meisen- und Pottgießer-Gäßchen) von zahlreichen Handwerkern, Schiffern, Krämern, Wein- und Bier- Wirthen, Arbeitern, rc., bevölkert und dadurch äußerst belebt. Sie ist 330 Schritt oder 825 Fuß lang. Hier sind die Gasthäuser dritten Preises Stadt Frankfurt, Stadt Trier, weißer Ochs und goldner Ring; ferner das ehemals dem reichen Bankier Pottgießer gehörige große aber nicht besonders schöne Haus 3l9 und 320, worin der gegenwärtige König von Schweden und Norwegen, als General Berna- dotte und Kommandant von Koblenz, wohnte und wo er mit einer Tochter des Eigenthümers sich vermählen wollte. Es befinden sich in dieser Straße einige mit schönen Holzschnitzereien verzierte Hausthüren. HoSpitalsplatz, von länglich viereckiger Form nicht ganz regelmäßig, 67 Schritt oder 167 Fuß lang und 38 Schritt oder 95 Fuß breit, fast in Mitte und auf der Ostseite der Kastor-Straße. Hier stand früher die unter der französischen Verwaltung niedergerissene Kirche des ehemaligen Franziskaner-Klosters, dessen übrige Gebäulich- keiten jetzt zu einer städtischen Armen- und Kranken-Anstalt eingerichtet sind, worin sich auch noch die städtischen Gemälde-Sammlungen befinden, die indeß bald nach dem königl. Gymnasium versetzt werden sollen. Kastorhof und Kastorplatz. Am untern Ende der Kastor- Straße und der Nagels-Gasse beginnend und bis zur Rheinzoll-Straße sich erstreckend, habe» diese beiden unmittelbar zusammenhängenden Plätze, wovon der letzte mit zwei Reihen Platanen, im langgedehnten Viereck, besetzt ist, fast die Gestalt einer unregelmäßigen Pyramide, deren Länge 288 Schritt oder 700 Fuß und deren größte Breite 134 Schritt oder 335 Fuß beträgt. Die Hauptgebäude an diesem Platze find die alte S. Kastor-Kirche, das Hotel des General-Kommandos, der ehemalige fürstl. lcyesche Hof, das Proviant-Magazin Nr. 1, früher das deutsche Ordenshaus, das Pfarrhaus und die Knaben-Schule zu S.Kastor und die mehr zurückgelegne Dampfmühle der Gebrüder v. Bethmann. An diesem Platze befinden sich auch die Agentur der niederländischen Dampfschifffahrt und die Rhein - und Mosel-Bäder von Grohe. Inmitten des Platzes erhebt sich der plumpe Brunnen aus grauem Stein von Nieder-Mendig, mit der bekannten Doppel-Inschrift, die weiter unten:speziell anzugeben ist. An der Schwanen-Pfortc ist das Gasthaus dritten Preises Schwan. Der am Abend als Spaziergang dienende eigentliche Kastorplatz hat eine Länge von 144 Schritt oder 360 Fuß und eine Breite von 48 Schritt oder 120 Fuß. Er ist von einem Holzgeländer umschlossen und mit 4 Steinbänken versehen. Durch die übclgepflastcrte Baracken-Straße, längs der Mosel, die größtentheils Ivon Schiffern, Hafen-Arbeitern und Fischern bewohnt wird (indem hier und weiter oben der Hauptverkchr der Segelschifffahrt auf dem Rhein und der Mosel zusammengedrängt ist) und worin sich die Gasthäuser dritten Preises: Stadt Tambow, Stadt Trier und Stadt Frankfurt befinden, kehrt man nach der Kornpforte zurück. Florinsmarkt. Sowohl durch das enge Gäßchen unterm Stern, als durch das breitere an der Danne, steigt man zum Florinsmarkt hinan. Auf diesem unregelmäßig-länglichen Viereck, von 163 Schritt oder 408 Fuß Länge und 120 Schritt oder 3125 Fuß. Mittelbreit und mit ziemlich hohen Häusern besetzt, ist sie sehr gewerbig und belebt. Die verschiedenartigsten Kauf- und Kramladen, Werkstätten, Wirthschafts- und Miethwagen-Lokale, zc. reihen sich hier dicht an einander. Es befindet sich in dieser Straße die S. Barbara- Kirche, früher zu einem Nonnen-Kloster gehörig, in dessen andern Gebäuden die Waisen-Anstalt des katholischen Frauen-Vereins eingerichtet ist; ferner die Eisengießerei, Maschinen-Fabrik und die Möbel-Magazine der Gebrüder Drucken müller, die Bade-Anstalt von Reuß, die Buchdruckerei von Hildebrand, im ehemaligen hohen- felder Hof (bei dessen Bau römische Gräber entdeckt worden), das Kaf- fehaus Seußer, die Gasthäuser dritten Preises: großer Elefant, Viehhof, Weinberg, Nebstock, rother Ochs, zc., die Gastwirthschaften bei Colligs, Hammermann u. v. a.; die Landrathur im Hause 1142, die Tabacks-Fabriken von Kolb im schwarzen Roß, und von Hartmann im weißen Roß, ein Petitions-Burcau im Weinberg, die Putz- macherei der Geschwister GörreS, in Nr. 737 und die Einhorn- Apotheke. Auf dem Leerthor-Rondel, in das, außer der Leerstraßc, noch die schöne Schloß- und die neue Wallstraße münden, und das an dem schönen Leerthor und der mit demselben zu beiden Seiten zusammenhängenden große» Wallkaserne, einen Halbkreis von 336 oder 840 Fuß beschreibt, gewahrt man zwei eiserne Pumpen, die gut eingerichtete und stark besuchte Speise-Wirthschaft von Härter und die Bierbrauerei zum Vater Rhein, bei Gassen, wozu ein Garte» gehört. In der Nähe gegen Normest sind die Artillerie-Zeughäuser, Magazine für Rauhfutter, Nutzhölzer, Wagenhäuser und ähnliche Behälter, alle von 1817 bis 1819 erbaut. Aus der Leerstraße gelangt man, durch die sehr schmale, düstre und schmutzige Pfuhl- oder Pohlgasse, wozu zwei Seitengäßchc» gehören, wie durch die breitere, aber übclgepffasterte alte Leerstraßc, zur Görgen-Straße. In der belebten Pfuhlgosse, worin viele Handwerker, Lohnkutscher und Krämer wohnen, sind die Gastwirthschaften dritten Preises: Dampfschiff, Mosel-Dampfschiff und Eisenbahn. In der alten Lcerstraße, deren Mitte sich zu einem kleinen, länglich viereckigen Platz erweitert, sieht man, in der frühern Stadtmauer, die Ueberreste des alten Lccrthors, die ehemalige Kirche und die übrigen Gebäude des frühern S. Georgen-Klosters, das Pfandhaus und die Sparkasse, das Zeughaus-Burean, das evangelische Schulhaus und die Gasthäuser dritten Preises: Heidelberger Faß und S. Nikolaus. Gorgen- oder Georgen-Straße. Der ältere Theil derselben, der vom Entenpfuhl bis zur alten Lcerstraße, auf eine Länge von 220 Schritt oder 550 Fuß, sich erstreckt, ist schmal, düster, schmutzig und wird durch mehre Sackgäßchen zur Rechten und Linke» nicht verschönert. Zum Theil von Juden bewohnt, ist in ihm ein großer Ueberfluß der verschiedenartigsten Kramladen und Trödeleien. Auch an Gastwirthschafte» für die untern Stände fehlt es nicht. Einige derselben, namentlich die dritten Preises: niederländischer Hof, goldner Engel und Stadt Wiesbaden, werden von Jsraeliten gehalten. In dieser Straße ist auch das israelitische Armenhaus. Die verlängerte Georgen-Straße beginnt am Eck der Wafserthurms-Maucr und erstreckt sich, theilwcis noch unbebaut, bis zum Festungs-Umschluß. Sie hat eine Länge von 394 Schritt oder 985 Fuß, ist ziemlich breit und verspricht eine der schönern Straßen der Stadt zu werden. Zwischen ihr und der Kasino- Straße dehnt sich, der ganzen Länge der Magazin-Straße nach das 1837 erbaute großartige Proviant-Magazin Nr. 6 aus, dessen Umgebung noch mehr verschönert werden kann. Weiterhin ist das evangelische Pfarrhaus. In der Magazin-Straße befindet sich das Gasthaus dritten Preises: Stadt Kreuznach. Die schmale Gasse längs der Wasserthurms - Mauer ist zu beiden Seiten mit wenig ansehnlichen, nicht besonders tiefen, überhängenden Häusern besetzt, die von Handwerkern, Arbeitern und einzelnen Krämern bewohnt werden. Rheingäßchcn. Der westliche oder untere Theil dieser Straße, woran, der Sage nach, in frühern Zeiten ein Rheinarm (durch die Görgen-Straße zc.) vorübergeflossen sein soll, ist düster und schmal. Es befinden sich darin die Laden mehrer Kleiderhändler, wovon einige Juden, und die Synagoge, nebst den Gasthäusern dritten Preises: Sonne und Stadt Elberfeld. Im obern oder erweiterten Theile der Gasse ist das Gasthaus dritten Preises: vier Jahreszeiten und die Speisewirthschaft zum Rheincck; ferner sind hier die Buchdruckern von Dübois, einige Möbel-Magazine und eine Spiegel-Handlung. Der in ein Privathaus verwandelte Wasscrthurm hat seinen Namen von dem Behälter, worin das Wasser durch die von Klemcns Wcnzeslaus erbaute Leitung, an verschiedne Laufbrunnen zc., vertheilt wurde. Gymnasiums - Straße. Sie beginnt am königl. Gymnasium und erstreckt sich bis zum Rheingäßchcn, auf eine Länge von 125 Schritt oder 312 Fuß. An ihrem Anfang find die hintern Gebäulichkeiten des k. Gymnasiums, an deren Mauer ein altes tricrsches Steinwappen von 1591 zu sehen ist. Weiterhin befindet sich die Buch- nnd Steindrucke- rei nebst Schreibmaterialien-Handlung von Kehr, wie die Musikalien- Leihanstalt von Greis. Kasino-Straße. In dieser vom Rheingäßchcn bis zur neuen Wallstraße sich erstreckenden 535 Schritt oder t338 Fuß langen, ziemlich breiten Straße, sind das bürgerliche Kasino, nebst dem dazugehörigen Garten, das Proviant-Magazin Nr. 6, das Ponton-Wagcn- haus Nr. 7 und mehre schöne Privat-Häuser gelegen. Durch die schmale und hügelige Gasse an der Schanzpforten-Mauer, deren kleine, überhängende, von Handwerkern und Krämern bewohnte, Häuser an die alte Stadtmauer gebaut find, kommt man zur Schanzen-Pforte, und von da links zum kleinen Paradeplatz, oder rechts zum Klemensplatz. Klemens-Straße. Diese neue, breite, regelmäßige Straße, zwischen dem Klemensplatz und der Kasino-Straße, hat eine Länge von 180 Schritt oder 450 Fuß. Sie ist ziemlich still, nicht zum besten gepflastert und größtentheils von Beamten und Privat-Lcuten bewohnt. Doch sind in ihr einige Kaufladen, das Spiegel-Magazin von Brecker und die Konditorei von Biener, nebst einer eisernen Pumpe. Klemensplatz. Die erste Merkwürdigkeit dieses großen, auf drei Seiten von schönen Gebäuden umschlossncn, länglich viereckigen Platzes, der durch die schattigen Linden-Pflanzungen des Schloßplatzes unmittelbar mit diesem zusammenhängt und eine Länge von 200 Schritt oder 500 Fuß, wie eine Breite von 36 Schritt oder 215 Fuß hat, ist der von dem letzten Kurfürsten in Obeliskcnform erbaute Laufbrnnnen. Hinter demselben sind der Militär-Bauhof und das k. Salzmagazin, seitwärts das Oberpostamt, die Möbel-Leihanstalt von Hoffmann und die Wein- und Landesprodukten-Handlung im Großen von Espenschi cd. Gegenüber erhebt sich das Schauspielhaus, »eben dem Gasthause ersten Preises: trierscher Hof, wozu die Posthalterei gehört. Neustadt. Unter diesem Namen wird die schöne Straße bezeichnet, welche sich vom Klemensplatz, längs der westlichen Seite des Schloßplatzes, bis zu dem Platze am Mainzer Thor erstreckt. Sie besteht aus einer hübschen Häuser-Reihe, mit einer halbrunden Ausschweifung, dem k. Schlosse gegenüber. Auf dieser Stelle sind zwei mit Hecken und Geländern umschlossene Straßen-Garten, nach dem Muster der englischen Squares. An der entgegengesetzte» Seite zieht sich, der ganzen Länge der Straße nach, vom Schloßplatze durch die Chaussee geschieden, zuerst eine Allee von Kugel-Akazien, weiterhin eine solche von schattigen Linden in zwei Baumreihen, die, mit Steinbänken versehen, um so mehr als Lieblings-Promenade der Koblenzer dient, da die königl. Militär-Musik, während der schönen Jahreszeit, wöchentlich ein Konzert, oder zwei, auf dem Schloßplatze gibt. Bcachtungswcrth in dieser Straße ist die Leder- und Weinhandlung von Tesche und Komp., deren große Schaumwein-Fabrik sich in Thal-Ehrenbreitstein befindet. Nr. l0l3 ist das Wohnhaus des verdienstvollen geheimen Medizinalraths Wegeler. In der Nähe des Mainzer Thores ist das k. Gouvernements-Gebäude und daneben die Bierbrauerei von Laupus, wozu ein hübscher Garten gehört. Schloßstraße. In ihrem untern Drittel doppelt so breit als in den beiden obern, zieht sich diese schöne geräumige Straße, auf eine Länge von 500 Schritt oder 1260 Fuß, vom Schloßplatz bis zum Leer- thor-Rondel. Obgleich noch nicht ganz bebaut, ist sie doch größtentheils mit schönen Gebäuden besetzt, die fast durchgehend von angeseh- nen Zivil- und Militär-Beamten oder wohlhabenden Privatleuten bewohnt werden. Nächstdem ist in ihr die Brau- und Brennerei von Brathuhn mit einem Garten, die lithografische Anstalt von GeS- wein und die ehemalige Freimaurer-Loge. Seitwärts auf dem Görgenweg ist eine Zucker-Siederei. Durch die erst im Entstehen begriffene neue Wallstraße, die eine Länge von 400 Schritt oder 1000 Fuß hat, und nach ihrer Vollendung wenn auch still doch angenehm zu Koblenz l>. werden verspricht, kehrt man 'vom Leerthor-Rondel nach dem Platz am Mainzer Thor zurück. Mainzcrtkiorplatz. Von unregelmäßiger Form, etwa 400 Schritt oder 1000 Fuß lang und l20 Schritt oder Fuß breit, dehnt sich dieser Platz zwischen dem Mainzer Thor und der damit in Verbindung stehenden großen und schönen Artillerie-Kaserne», bis zu dem linken Flügel des k. Schlosses und dem Schloßplatze aus, der mit ihm unmittelbar zusammenhängt. Schloßplatz. Dieser große auf der Nord- und Südseite mit zahlreichen Linden-Alleen bepflanzte, in der Mitte, vor dem Schlosse, aber offene Platz, der in seiner westlichen größern Hälfte eine Länge von 480 Schritt oder 1200 Fuß und eine Gcsammt-Tiefe von 280 Schritt oder 700 Fuß hat, wird gegen den Rhein von dem k. Schlosse und seinen beiden gegen Nord und Süd vorspringenden halbrunden Flügeln begrenzt. Bisher hielt das Militär seine Uebungen auf diesem Platze. Auch fanden auf demselben jährlich zwei Viehmärkte, der erste am zweiten Montag nach Ostern, der letzte am dritten Montag im September, statt. Dabei wurden vom landwirthschaftl. Verein Prämien für Pferde und Zugthiere vertheilt. Nach der Verfügung des Königs werden sich, vor den beiden Seiten-Flügeln des Schlosses, zwei Doppel-Reihen von Linden entlang ziehen. Nächst diesen sollen Blumen-Boskctten und Grasplätze angelegt und weiterhinaus gegen die Straße Springbrunnen erbaut werden. Hinter dem Schlosse, am Rhein, wird eine hohe mit Bäumen zu bepflanzende, in halbrunder Form gegen den Strom vorspringende, Terrasse den Schloßgarten durchschncivcn. Freihafen. Derselbe befindet sich nordöstlich vom Schlosse, unterhalb des k. Salzmagazins und der Militär-Bäckerei. Er ist seit Ende 1840 dem Verkehr geöffnet. In ihm befindet sich das Haupt- stcucr-Amt. Außerhalb des Thors gegen den Rhein sieht man, nahe am Boden, ein großes kurfürstliches Steinwappen in der Wallmauer. Die Waaren-Schuppen zu beiden Seiten dieses Thores sind für schwere weniger werthvolle Gegenstände bestimmt. Schiffbrücke über den Rhein. Auf 38 Schiffen ruhend, hat dieselbe eine Länge von 430 Schritt oder 1075 Fuß. Etwa 3 Minuten vom Brückzollhause befindet sich an ihr ein gut eingerichtetes Flußbad. Jeder Fußgänger hat für den einmaligen Ucbcrgang der Brücke auf der Seite von Koblenz 2 Pfennige zu entrichten (Kinder unter 10 Jahren die Hälfte). Für ein Pferd oder Maulthier zahlt man 1 Sgr. 6 Pf.; für einen Esel :c. 1 Sgr.; für eine Ziege, ein Fohlen, Kalb ?c. 3 Pf. Für einen leichten unbeladnen Wagen beträgt der Zoll 1 Sgr. 6 Pf., für einen beladnen Wagen 3 Sgr. und für einen Handwagen oder Karren 3 Pf. Das Fährgeld, während der Zeit wo die Brücke nicht steht, beträgt eben so viel als der vorangedcutete Brückzoll. Die Unterhaltung der Brücke soll im Durchschnitt jährlich 12,000 Thlr. kosten, der Brückzoll jedoch fast doppelt so viel abwerfen. Mosel-Brücke. Das rechte mit dem linken Mosel-Ufer verbindend, ruht diese Steinbrücke, deren noch umständlicher Erwähnung zu thun ist, auf 12 Pfeilern und hat eine Länge von 450 Schritt oder 1125 Fuß. Festungs-Umschluß. Auf der Mosel- und Rheinseite zum Theil aus Wällen und vorspringenden Vertheidigungs-Werken, zum Theil aus einer mit Schießscharten versehncn Mauer bestehend, dehnt sich derselbe auf der Landseite vom Rhein bis zur Mosel, in zum Theil zu Kasernen benutzten, hohen Wällen aus, vor denen tiefe trockne Graben sich befinden. Um diese schlingen sich mit Geschmack angelegte schattige Spaziergänge und eine breite Fahrstraße, jenseit welcher zahlreiche Gärten sich gruppiren. Der Bau der sämmtlichen Festungswerke um Koblenz kostete im Ganzen sieben Millionen Thaler. ES wurden erbaut: die Festen Alexander von 1819 bis 1821, Konstantin von 1822 bis 1827, Franz von 1818 bis 1820, Mosel-Fli-che von 1319 bis 1820, bubenheimer Fleche von 1819 bis 1820, neuendorfer Fleche von 1821 bis 1822, der Stadtumschluß von 1820 bis 1828, das Mainzerthor i„ -ipecii! von 1820 bis 1824, das Löhrthor von 1820 bis 1823, die Moselbrücken«Batterie von 1820 bis 1825, der obere Ehrenbreitstein von 1815 bis 1833, der Helfenstein von 1820 bis 1821, der untere Ehrenbreitstein von 1815 bis 1821, die pfaffendorfer Höhe 1825, der Klausenberg 1832, der montalcmbertsche Thurm von 1825 bis 182k, das Nellköpfchen von 1826 — 1828, der Pleitenberg von 1827 — 1829. Umfang der Stadt. Innerhalb der FcstungS-Werke in grader Linie gemessen, beträgt derselbe: von der Mosel-Spitze bis zum Rheinthor 125 rhein. Ruthen oder 600 Schritt; vom Rheinthor bis zur Artillerie-Kaserne am königl. Schlosse 310 Ruthen oder 1488 Schritt; von der Artillerie-Kaserne bis zum Mainzerthor 75 Ruthen oder 360 Schritt; vom Mainzerthor bis zum Lcerthor 150 Ruthen oder 720 Schritt; vom Leerthor bis zur Stelle des ehemaligen Ochsenthurms hinter dem Dominikaner-Kloster 220 Ruthen oder 1056 Schritt; vom ehemaligen Ochsenthurm bis zum Moselthor 65 Ruthen oder 312 Schritt; vom Moselthor bis zur Mosel-Spitze 240 Ruthen oder 1152 Schritt; zusammen 1185 Ruthen oder 5688 Schritt. Die größte Länge der Stadt, vom Moselweisthor bis zum Rheinbrückthor, mißt 310 Ruthen oder 1488 Schritt, und die größte Breite derselben, von der Schwa- nen-Pforte bis zum Mainzerthor, 230 oder 1344 Schritt. Ihre Grundfläche, bis an den Fuß der Wälle, wird auf 62,183 Geviert-Ruthen berechnet. Die Stadt hat 5 Hauptthore (Rhein-, Mainzer-, Leer-, Moselweis- und Mosel-Thor) und 5 Pforten (Mosel- (Wolf), Korn-, Schwanen-, Hafen- und Holz-Pforte). Die Zahl ihrer Hauptstraßen beläuft sich auf 16, die der Nebengassen, Gäßchen und Sackgassen au) etwa 60, die der größern Plätze auf 9, und die der kleinern auf 6 oder 7. Es gibt in ihr 4 zum Gottesdienst verwendete katholische Kirchen mit 8 Thürmen, 4 kath. Kapellen, eine cvangel. Kirche mit 2 Thürmen, 3 zu andern Zwecken verwendete ehemalige Kloster-Kirchen mit einem Thurm, 1 Spnagoge, 9 öffentliche Schulen (1 Gymnasium, 4 kath. Pfarrschulen, 2 kath. Armen-Schulen und 2 evangel. Schulen); ferner 32 Staats- und Gemeinde-Gebäude, 1234 Wohnhäuser, 43 Wirth- schasts-Gebäude und 3 Fabriken, zusammen 1330 Gebäude. Die Straßen der Stadt sind, mit Ausnahme einiger neu angelegten, gepflastert, obschon nicht überall gleich lobenswerth. Vom 15. Oktober bis zum 15. März werden sie durch ungefähr 150 Laternen erleuchtet, worin etwa 320 Oellichte brennen. Die besten neuen geometrischen Pläne von Koblenz sind der von Gebrüder Becker und der von L. Boccard. Merkwürdige Gebäude, Denkmäler und Anstalten. Kirchliche Gebäude und Denkmäler. Licbfrauen - Kirche. Auf dem höchsten Punkte der Stadt, 210 Fuß ü. M., gelegen, soll, der Sage nach, diese Kirche das älteste christliche Gotteshaus in Koblenz sein. Wirklich ist ihr Bau, namentlich im untern und hintern Theile, sehr alterthümlich. Die Form der untern fächerartigen Fenster verleiht ihr ein eigenes Ansehen. Die darüber emporstrebenden Spitzbogen - Fenster deuten an, daß der höhere Theil des Gebäudes im 14. Jahrhundert erbaut worden. Urkundlich wurde der Chor 1405 hinzugefügt und die damals ganz zerfallene Kirche im Verfolg der Jahre wieder hergestellt. Ihre beiden gleichförmigen 180 Fuß hohen Thürme (deren Dächer aus unschönen Schnörkel-Kappen, in 3 Absätzen, zu Anfang des 18. Jahrhunderts aufgesetzt worden), scheinen ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert herzurühren Der Mondwechsel wird am Zifferblatt angedeutet. Das Innere dieser mehr langgedehnten als breiten Kirche ist freundlich. Ihre Merkwürdigkeiten bestehen in einigen hübschen Altären von Marmor, aus den Brüchen von Villmar an der Lahn, mehren schönen Gemälden von Zick, wie andern ziemlich verschossenen im Chor, und alten Steindenkmalcn aus dem 15. und 16. Jahrhundert, namentlich die drei in der Vorkirche von 1517, 1547 und 1553. Die beiden röth- lichen Marmor-Säulen, welche am vordern Eingang die Emporbühne unter der Orgel tragen, befanden sich früher am Grabmal des Pfalz, grasen Heinrich, Stifters der Abtei Laach; sie sollen von römischem Ursprung sein. Ueber der Hauptthür steht auf der Außenseite eine gut gearbeitete Bildsäule der Jungfrau mit dem Kinde und darunter, am Thürbogen, die Inschrift: Dir « M-»I-> IVnxlr->V rein, Lokl-ens »nbetubl.en sein. In dieser Kirche verrichtete Eduard III. von England, zur Zeit der Regierung Kurfürst Balduins, seine Andacht am PeterS-Fcste. Ein gleiches geschah durch Filipp von Schwaben und Heinrich von Lützelburg, wie 1492 durch Kaiser Maximilian 1. und 1543 durch Karl V. Im kaiserlichen Schmuck, mit der Krone auf dem Haupte, hielt Konrad Ili., nach seiner Heimkehr vom Kreuzznge, 1150 am Pfingstsonntag seinen Auszug in dieser Kirche, die überhaupt von allen hohen und ausgezeichneten Personen besucht wurde, welche längere oder kürzere Zeit sich in Koblenz aufhielten. Florins-Kirchc. Man gelangt zu derselben von der Liebfrauen- Kirche durch die Mehlgasse. Da sie an Wochen-Tagen gewöhnlich verschlossen ist, hat man sich, um sie zu sehen, an den hinter der Kirche, in einer alten Zugehörung derselben, wohnenden Küster zu wenden. Als vormalige Stiftskirche soll sie schon zu Ende des vierten Jahrhunderts durch die h. Helena oder durch Kaiser Konstantin entstanden sein. Sie wurde reichlich von Fürsten, Rittern und Geistlichen ausgestattet. Erzbischof Bruno lies sie im 12. Jahrhundert neu aufführen; aus jener Zeit rührt noch der Hintere Theil des Chors und die obere linke gegen die Mosel gerichtete Seite her. Ihre jetzige bpzantische Form hat sie erst bei spätern sehr wesentlichen Ausbesserungen erhalten. Die Kirche wurde dreimal, 1545, 1671 und 1791, vom Blitz in Brand gesteckt und während der 14tägigen Beschießung durch die Franzosen, im Jahr 1688, sehr beschädigt. Der durch seine Gelehrsamkeit und seine diplomatischen Sendungen in Griechenland, Frankreich und Deutschland so berühmt gewordne Kardinal Nikolaus von Cusa war früher Dechant bei dieser Kirche. In ihr hielten Friedrich der Rothbart, Heinrich VI. 1188, und Filipp von Schwaben Fürsten-Versammlungen. Auch Eduard III. bestätigte 1338 hier den in seinem Namen mit Mainz, Trier und Pfalz geschlossenen Hilfsvertrag gegen Frankreich. Erzbischof Werner empfing vor dieser Kirche die Huldigungen der Bürger. Unter der französischen Verwaltung wurde sie in ein Magazin verwandelt, sodann der Stadt überlassen und von der jetzigen Regierung angekauft, um zum evangelischen Gottesdienst eingerichtet zu werden. Unter Leitung des Bauinspcktors von Lassaulr wieder hergestellt, gewährt ihr Inneres einen eigenthümlichen Anblick. Aus dem untern Theil des Hauptschiffes gelangt man, auf acht Steinstufen, zu einem Vorsprung, worauf cinerseit die Kanzel und andcrseit der Taufstein, beide in gothischer Form und von einem halbrunden Eisen-Geländer umschlossen, stehen. Weitere 7 Stufe», in zwei Absätzen, führen von da zum Altar, geschmückt durch ein schönes Kruzifir und vier fackel- tragendc Engel, alles von Bronze. Zu beiden Seiten des Altars sind zwei schöne Fresken: die Fußwaschung und die Hochzeit zu Kana, beide ' von Zick und gut erneuert von Bachta. Im mittlern Theile der Kirche sieht man vier Gedcnk-Tafeln, mit dem Namen von Rittern des eisernen Kreuzes und im Kampfe für das Vaterland gefallener Krieger bedeckt, nebst dem letzten Willen Friedrich Wilhelms III. An der hübschen Kanzel sind die Bilder des Erlösers und der Apostel Ma- thäus, Lukas, Paulus, Petrus, Johannes und Markus auf Goldgrund gut gemalt von Hakenbruch. Der bräunliche Taufstein von Neu ist, wie die von Hofschmidt verfertigte Kanzel, von einem gothischen mit Engels-Köpfen verzierten Dach überschattet. Die kleine Orgel, in Form einer gothischen Kapelle, ist nicht besonders geschmackvoll. Eben so wenig entsprechend ist das vor ihr befindliche Eisen-Geländer. Uebrigens enthält die Kirche keine alten Denkmäler; die Franzosen haben fie alle zerstört. Mit Ausnahme von 10 alten bunten Scheiben, deren Farben noch trefflich find und den neuern bunten Scheiben-Einfassungen am Altar, entbehrt dies Gotteshaus aller weitern Ausschmückung. Die grau angestrichenen neuen Kirchen-Bänke und die drei Reihen Strohstühle auf Strohmatten, machen keine malerische Wirkung. Uebcrhaupt ist das ganze Innere der Kirche sehr reinlich aber kalt. Die Sakristei, ein großes, längliches Viereck, gehörte zum Kapitelsaal, nebst der darüber befindlichen Küster-Wohnung, worin ein wiederhergestelltes altes Kamin gesehen zu werden verdient. Die beiden gleichförmigen, mehr als l0v Fuß hohen Thürme auf der Vorder- Seite, sind mit seltsamen, das Ganze entstellenden Kappen gedeckt, die schon mehrmals abgeworfen worden. Kirche und Thürme sind mit gelber Farbe übertüncht, was ihnen ein widerwärtiges Ansehn gibt. Kastor-Kirche. Das merkwürdigste Gebäude der Stadt, am nördlichen Ende der Rheinzoll-Straße, unfern der Mosel-Spitze, von der es nur durch das deutsche Haus und dessen Zugehörungen geschieden ist. Hinter sich hat es den Rhein, vor sich den Kastorhof und auf der Südseite die Platanen-Promenade des Kastor-Platzes. Diese Pfarrkirche, früher zu einem Kollegialstift gehörig, wurde 836 durch Kaiser Ludwig den Frommen (Karls des Großen Sohn) gestiftet, und nach Hierherversetzuug der Reliquien des h. Kastors, aus der Kirche zu Karden an der Mosel, durch den Erzbischof Hetti eingeweiht, weshalb sie 1836 ihr tausendjähriges Jubiläum feierte. Dieser im Rundbogenstpl gebaute und im Innern rundgewölbte Tempel (an dessen Hauptpfeilcrn oben man die bunten Steinbildnisse des Kaisers Ludwig, seiner Enkelin Ritza, des h. Kastors und des Erz- bischofs Hetti erblickt), ist nicht besonders hoch und die beiden in spätern Zeiten angehängten Seiten-Schiffe haben nur eine Höhe von 28 bis 30 Fuß. Der kaum 40 Fuß hohe Chor ist sehr gedrückt. Die Kirche soll früher auf einer Insel gestanden haben, deren Breite nicht über den Kastorhof hinausreichte und deren Länge sich nicht bestimmen läßt. Der Stadttheil von der Rheinbrücke bis zur Kastor-Straße würde also, in den ältesten Zeiten, unter Wasser gestanden haben, so daß man nicht trocken Fußes von der Florins- oder Liebfrauen-Kirche, in der Richtung der heutigen Kornpforten- und Kastor-Straßen nach der Kastor-Kirche hätte gelangen können. In geschichtlicher Beziehung ist diese letzte an Erinnerungen reich. Ihr Stifter besuchte sie oft; seine Enkelin Ritza (Richenza) ligt darin begraben. Lothar, Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle, die Söhne Ludwigs, verständigten sich darin 870 über die von ihnen zu bewerkstelligende Theilung des Reichs. Von den vielen hier gehaltnen Kirchen-Versammlungen ist vorzüglich die von 022 bemerkenswerth. Der von Paschalis geächtete Kaiser Heinrich IV. hielt in der Kastor- Kirche 1105 seine Advents-Andacht und söhnte sich darin mit seinem verrätherischen Sohne Heinrich V. aus, der ihn bald nachher zu Fingen gewaltsam niederwerfen, zu Gauböckelheim in schmählige Gefangenschaft halten und zu Nieder-Jngelheim entthronen ließ. In Mitte des 12. Jahrhunderts spornte der h. Bernhard in dieser Kirche, durch seine begeisterten Reden, Ritter und Bürger zur Annahme des Kreuzes und zum Zuge nach dem gelobten Lande an. Ludwig der Baier hielt, nach Beiwohnung des durch Kurfürst Balduin in der Kastor-Kirche, geleiteten Gottesdienstes vor derselben ein Hoflager und empfing Eduard III. von England auf seinem Thron. Während der großen Ueberschwem- mung von 1784 wurde die Kirche bis über die Altäre unter Wasser gesetzt und seitdem wesentlich erneuert, bei welcher Veranlassung viele alte Denkmäler zertrümmert wurden und seitdem gänzlich verschwanden. Von den vier Thürmen sind die beiden vorder» siebenstöckig, etwa 120 Fuß hoch und scheinen aus dem elften Jahrhundert herzurühren. Die daran befindlichen Säulen-Knäufe sind viel älter, neuer dagegen ist der halbrunde Treppen-Anbau auf der Südseite. DaS jonische Portal, wie zierlich es auch sei, paßt nicht zum Ueberrest des Gebäudes. Auch der darüber angebrachte Altan und die gclbangestrichcne Wand der Kirche, zwischen den beiden Vorder-Thürmen, machen eine üble Wirkung. Es befinden sich in dieser Kirche viele Steindenkmale aus frühern Zeiten. Ein solches, mit hübscher gothischer Verzierung, zum Andenken des Erzbischofs Kuno von Falkenstein errichtet, schmückt den Chor. Verschönert durch ein Mauerbild auf Goldgrund: Christus am Kreuze, die h. Jungfrau, der Apostel Petrus, der h. Kastor, Magdalena und Kurfürst Kuno am Fuße des Kruzifixes, ist es sehenswerth. Auch das gegenüber sich zeigende Grabmal des Erzbischofs Werner von Königsstein (Neffe des ersten), ebenfalls mit einem trefflichen durchbrochncn Spitzbogen, darf nicht unbeachtet bleiben. An den Chorstühl-Wänden sind vier hübsche Gemälde von Zick, die Lebens-Ereignisse des h. GoarS und des h. Kastors, die Erbauung der Kirche und die Länder-Theilung der kaiserlichen Brüder darstellend. Die Chorstühle selbst, der Hochaltar und die Seiten-Altäre, alles von braungcbeiztem Holz, sind Itococo und mit dem Stpl des Nebligen in Widerspruch. Interessant ist das Grabmal der Enkelin Kaiser Ludwigs des Frommen, in der nördlichen Kapelle. Es ist von rothem Marmor, mit einer hübschgeschnitzten Holzumkleidung, worauf man die Inschrift liest: „Ilic rjuieseit It Itit?.», inirnvulis cl-ir», elcvslu niiiio vüi ZIOLI.XXV. Ve I»oe 8 Ilsütoris collez-lc» praeelare incrita et Patrone inunistea, tilia I.usorici pii, Itoi»»»orum et Vrancor»,» rex!s, I>»^u5 Iiosiiics« tunllatoris inaj-nitiei." Nuten steht: „lienoroliotur anno AIDIlIlXI,IV". An den Wänden in derselben Kapelle sind acht andre Denkmäler aus dem 14. bis zum 18. Jahrh, aufgestellt und den Boden decken t4 ligende Grabsteine. An die Rückseite des Chorstuhls sind alte Apostel-Bilder angebracht. Aehnliche befinden sich auch in der südlichen Kapelle zur Rechten, nebst einer Madonna und einem Kruzifix, alle von einem unbekannten altdeutschen Meister. In dieser Galerie figurirt noch das Bild der seligen Ritza, das sie weder jung noch schön darstellt. Auch hier sind viele Stein- Denkmale, theils an den Wänden, theils auf dem Fußboden, ferner ein Marmor-Kruzifix, ein Sebastian und mehre andre Gemälde. Die beiden Steinbilder im südlichen Seitenschiff, ein Ritter und dessen Frau, beide ganze Figuren, mit emporgehobnen Händen betend, scheinen dem 13. Jahrhundert anzugehören. Nicht übel ist auch ein Steindenkmal, mit einer Flucht nach Aegypten. St. Johannes- oder Jesuiten-Kirche, an dem Jesuiten- Plätzchen, gegen das ihr hoher Spitzgibel gewendet ist, fast in Mitte der Stadt, vorn und hinten zusammenhängend mit den Gebäuden des k. Gymnasiums. Diese wie jene gehörten früher zum Jesuiten-Kollegium. Die Kirche ist 1617 im Rundbogenstpl erbaut. Sie ist ziemlich geräumig , doch nicht besonders hoch, im Innern schmutzig weiß mit hellrothen Leisten und hat zum Theil den Karakter der Jesuiten-Kirchen, d. h. Kanzel und Hochaltar (letzterer mit einem guten Gemälde) find mit Verzierungen, Schnörkeln und Vergoldungen überlade». An hohen Festtagen wird die Kirche mit grünen Baumzweigen und Blumen (gleich den übrigen katholischen Kirchen in Koblenz) geschmückt, was ihr alsdann ein freundlicheres Ansehen als gewöhnlich gibt. Die große Fenster-Rose (im Innern halb durch die unansehnliche Orgel verborgen) über dem Haupteingang, der mit vier kleinen nicht besonders werthvollen Stein-Figuren geschmückt ist, nimmt sich gut aus. Ueber dem Rundbogen-Portal steht das bekannte IU8 in großen Buchstaben, -b und neben jenem ein Stein-Kruzifix. Ganz oben am Spitzgibel ist ein Zifferblatt. Die S. Johanns-Kirche ist eine Filiale von S. Kastor. Eine solche von der Liebfrauen-Kirche ist ihrerseit die S. Barbara-Kirche, in der neuen Leerstraße. Sie gehörte zu dem 1703 hier erbauten Augustiner-Nonnen-Kloster, das früher am Vogelsang in der Stadt, noch früher zu Vallendar und im ll. Jahrh, zu Lonnig bestand. Die Kirche wurde ebenfalls zu Anfang des vorigen Jahrhunderts aufgeführt. Sie ist nicht besonders groß, mit einem Thurm versehen und hat, außer einem schönen Altarblatt von Seite« gast, nichts bemerkenswerthes. Hofkirche, im nördlichen Pavillon des k. Schlosses. Mit diesem wurde sie von Klemens Wcnzeslaus 1778 erbaut. Sie ist auf der Außen-Seite nicht als Gotteshaus zu erkennen und hat überhaupt mehr die Form und Größe einer fürstlichen Hauskapelle, als einer eigentlichen Kirche. Unter der französischen Verwaltung als Waaren-Behälter benutzt, hat sie viel von ihrer ursprünglichen Schönheit verloren. Die etwas schwerfälligen vier Hauptsäulen, welche die mit guter Stuka- tur-Arbcit verzierte, mit vier schönen Fresken in Medaillons (die Evangelisten) und einem Mittel-Gemälde (den Himmel umschwebende Engel), alle von Zick, tragen, sind des glänzenden Gpps- marmors, der noch an den Wänden prangt, beraubt. Der Orgelchor ist leer, der Altar nackt, die Kanzel niedrig und klein, von einer schwerfälligen Schnörkel-Decke vom übelsten Geschmack überragt und mit einer so schmalen Wandthür versehen, daß nur der dünnste französische Abbe hindurchschlüpfen, ein deutscher Prälat aber wohl nicht anders als auf einer Leiter in die Kanzel gelangen konnte. Die Wandverzierung hinter dem Altar ist unschön. Eine magere Religion, mit Kranz und Palme in den Gänden, vor kochenden Wolken hangend, die von Sonnen-Strahlen in Bretterform durchdrungen werden, ist nicht geeignet Andacht zu erwecken. Die kurfürstl. Loge, dem Altar gegenüber, ist ein viereckiger Kasten, der abgetragen werden soll, wie denn überhaupt die ganze Hofkirche, bei ihrer bevorstehenden Wiederherstellung als königl. Schloßkapellc, wesentliche und zweckmäßige Umgestaltungen erleiden dürfte. Als Schluß-Rcminiszenz kann noch an-^ gedeutet werden, daß ein Franzose, der in der Hoffnung werthvolle Gegenstände zu finden, auf das Gewölbe der Hofkirche geklettert war, durch die Leinwand, worauf das Auge Gottes im Mittelpunkte des Deckengemäldes gemalt ist (wahrscheinlich um einen Lichteffekt herbeizuführen), durch dies Auge fiel und sich den Hals brach. Englische Kapelle. Sie befindet sich in der Vorhalle der Hofkirche, ist sehr einfach eingerichtet und hat, außer zwei kolossalen Gpps- bildsäulen, einen Papst und einen Bischof, beide in Nischen stehend, nichts sehenswerthes. Andere Kapellen. Eine solche ziemlich geräumige und sehr freundliche gehört zum städtischen Hospital, im ehemaligen Franziskaner-Kloster. Das Altarblatt von Schadow (die Jungfrau mit dem Kinde) ist schön. Eine zweite ebenfalls heitere und ziemlich große Kapelle ist im Zivilarrest-Hause. Synagoge. Sie befindet sich in dem Hause Nr. 539 im Rhcin- gäßchcn und hat, mit Ausnahme ihrer eigenthümlichen innern Ausschmückung nichts ausgezeichnetes. Ehemalige Kirchen. Die jetzt in ein Militär-Magazin verwandelte Karmeliter-Kirche, am Eck der gleichnamigen und Rheinstraße, hat eine schöne hochgewölbte Rotunde in Mitte des Schiffs und über dem Hauptaltar ein gutes Fresko-Gemälde (Christus am Kreuz), von Verflossen d. ä. Sie wurde 1670 neben dem 12 Jahre früher gegründete» Karmeliter-Kloster erbaut und ist mit einem 130 Fuß hohen Thurm versehen. — Von nicht minder schönem Bau, vorzüglich ausgezeichnet durch eine kunstreiche Bogen-Stellung, ist auch die frühere Dominikaner-Kirche, jetzt zum Garnison-Hospital gehörig. Später als das dazu gehörige Kloster, nämlich in Mitte des 13. Jahrhunderts erbaut, sind in ihr der schöne Hochaltar, mit hübschen Bildhauer-Arbeiten in Stein, vom Ende des 14. Jahrhunderts und verschiedne werthvolle Grabdenkmäler, namentlich das des gelehrten Weihbischofs von Köln, Heinrich aus Rübenach, der 1493 starb, sehenswerth. — Die zum ehemaligen Georgen-Klostcr, (worin jetzt die cvangel. Pfarrschule, :c. sich befindet) gehörige mittelgroße Kirche dient als Waaren-Behälter und hat nichts ausgezeichnetes.— Gänzlich abgetragen unter der französischen Verwaltung wurde die Kirche und Kapelle des Franziskaner-Klosters, wodurch der heutige Hospitalplatz an der Kastor-Straße entstand. Verschwunden ist auch die zum deutschen Hause gehörige 1225 erbaute Kirche und die des früheren Augustinerinnen-Klosters auf dem Vogelsang, nahe am Rhein, mehrer andern Kapellen oder Bethäuser in verschiedenen Theilen der Stadt nicht zu gedenken. Ueberhaupt gab es vor der französischen Staatsumwälzung in Koblenz 2 Kollegial-Stifter, 2 Pfarreien, 1 Jesuiten-Kollegium nebst dazu gehöriger Kirche, 1 deutsches Ordenshaus nebst Kirche, 4 Mönchs- und 3 Nonnen-Klöster, alle mit größern oder kleinern Kirchen. Oeffentliche Gebäude und Denkmäler. Königliches Schloß. Das ehemalige Ncsidenzschloß des letzten Kurfürsten von Trier Klemens Wcnzeslaus, durch den Baumeister Peyre von 1778 bis 1781 aufgeführt, besteht aus einem Mittelbau, vor dem sich gegen den Schloßplatz ein Portal von acht starken, 40 Fuß hohen Säulen, wovon jede 16 Fuß im Umfang mißt, befindet, und zwei Flügeln, die auf der Nord- und Südseite in zwei etwas vorspringenden Pavillons enden. Das Ganze hat eine Länge von 525 Fuß und besteht aus drei Stockwerken, wovon das oberste leider durch zu kleine Fenster entstellt wird und dem ganzen Gebäude ein gedrücktes Ansehn gibt, ein Mißstand, dem man dadurch abzuhelfen sich bemüht, daß man den Boden vor dem Schlosse um 5 Fuß tiefer legt und dieses, so viel als jetzt noch möglich, aus seiner Versenkung erhebt. Die auf der Nord- und Südseite in Hufeisenform vorspringenden Neben- Gebäude haben im Durchmesser eine Länge von 385 Fuß. Es gehören dazu noch weitläufige Hintcr-Gebäude, welche das Ganze in länglich viereckiger Form abschließen, indem auch gegen den Schloßplatz eine Geländer-Mauer in gerader Linie sich zieht, die auf beiden Seiten von ligenden Steinlöwen an den Eingängen bewacht wird. Die geräumige von vier starken Säulen getragene Treppen-Halle ist unmittelbar hinter dem Portal des Mittelbaues, von wo zu beiden Seiten, nach den Endpavillons, ein breiter bedeckter äußerer Gang führt. Auf der sehr breiten Haupttreppe von 46 Stufen in 4 Absätzen, an welcher unten zwei kolossale Löwen stehen, welche mit der rechten Vordertatze eine Kugel halten, gelangt man in den obern Stock, wo die Nische an der Treppe noch der Bildsäule harrt, welche sie schmücken soll. Als ein Bauversehen ist eS zu betrachten, daß man oben an der Treppe noch auf drei schmalen Stufen zur Rechten und Linken ansteigen und sodann sich wieder rückwärts wenden muß, um in die königlichen Gemächer zu gelangen, was man vermieden hätte, wenn die Treppe in entgegengesetzter Richtung erbaut worden wäre. Der durch zwei Stockwerke gehende Hauptsaal ist ein großes regelmäßiges Viereck, oben gewölbt und überall mit den schönsten Stu- katur-Arbeiten, Vergoldungen und Malereien geschmückt. Vielleicht weniger prächtig, aber eben so schön und geschmackvoll, sind die an den Hauptsaal sich reihenden Nebcnsäle, namentlich der Thronsaal, der Gesellschaftssaal und die Wohnzimmer der Majestäten. Auch die für die Hofbcamten und die k. Dienerschaft bestimmten Gemächer find sehr heiter und auf's zweckmäßigste eingerichtet. Der k. Schloßkapelle (s. Hofkirche) ist bereits gedacht worden. Auf dem Dach des südlichen Pavillons befindet fich seit 1833 der Telegraf, welcher mit dem letzten Telegrafen Nr. 60 der Linie von Berlin auf dem Nellen-Köpfchen kor- respondirt. Das Schloß diente unter der Fremdherrschaft als Kaserne, später als Justiz-Palast und zu andern Zwcckem Sowohl im untern Theile des Schlosses, als in den Zugehörungcn desselben, haben noch verschiedene Staatsbeamten ihre Wohnungen. In den beiden halbrunden Seiten-Gebäuden befinden fich die k. Artillerie-Brigade-Schule, eine Artillerie-Werkstatt, die Schloß-Reitbahn, die Montirungs-Kammcrn, die Telegrafen-Inspektion, die Garnison-Verwaltung und das Gou- vernements-Burcau, nebst der Intendantur des 8. Armeekorps. Hinter dem Schlosse gegen den Rhein (wo die acht kolossalen Säulen von dem gut gearbeiteten kurf. trierschen Wappen, mit den Flußgottheiten des Rheins und der Mosel in Stein, überragt werden) dehnt fich ein Garten, mit einer durchgehenden Terrasse, aus. Auch der Platz vor dem k. Schlosse soll sehr verschönert werden (vcrgl. Schloßplatz). Feftungs - Bauhof Nr. 1. Ein schweres, massives Gebäude, .zu seiner Bestimmung 1816 eingerichtet. Es bildet ein großes etwas verschobenes Viereck von 310 Fuß Länge und gleicher Breite gegen den Klemensplatz. Der davon umschlossene innere Raum ist groß aber zum Theil verbaut. In seinem hintern gegen den Rhein gerichteten Theile befindet sich die Militär-Bäckerei. Köuigl. Salzmagazin. Ein ziemlich langes, sonst wenig ansehnliches Gebäude, zwischen dem vorhergehenden und dem k. Schlosse, im Hintergründe des Klcmcns-Platzes gegen den Freihafen. Klemcns-Brunnen. Ein langgestreckter Obelisk von rothem Sandstein und 40 Fuß Höhe. Der letzte Kurfürst lies ihn 179l erbauen. Er trägt die nach der französischen Besitznahme der Stadt beseitigte, auf Napoleons Befehl wieder hergestellte, Inschrift in Metallbuchstaben! ,,LIei »c«s WenTesIauz, IZIector, Viciuis «uis. 1791. Vberpostamt. Ein hübsches Gebäude mit Balkon-Portal, an der Ecke des Klemcns-Platzcs und der Schanzenpfort-Straße. Nächst der Wohnung des Oberpost-Direktors befinden sich hier die Bureaux und Erpeditionen der k. Brief- und Fahrpostcn. Das Zifferblatt der Uhr, an den Thürmchen in der Schanzenpfort-Straße, wird Abends von innen erleuchtet und ist weithin sichtbar. Schauspielhans, von Krähe 1787 erbaut und von Beckenkamp verziert, ist ein recht hübsches, ziemlich großes Gebäude, auf der Abendseite des Klemens-Platzes, neben dem Gasthaus zum trierschen Hof. Es trägt an seiner Frontspitze die Inschrift in großen Buchstaben: Hlusis niviilius et ^ulilicae laetitine, I1lI1l )LI,XXXVII Die innere Einrichtung ist wohlverstanden und hübsch. Die halbstehende, halb- wandernde Schauspieler-Gesellschaft gibt nur von Anfang des Oktobers bis Ende des Aprils regelmäßige Vorstellungen. Das Orchester, bestehend aus dem Musikkorps der Garnison, ist vortrefflich. Der ziemlich große Vordersaal wird zu kleinen Ausstellungen von Gemälden :c. benutzt. Die Preise find: Kronloge 20 Sgr., erster Logenrang tS Sgr., Par- quet 10 Sgr., Parterre 7'X Sgr., Galerie 4 Sgr. Im Abonnement zahlt man für 12 Vorstellungen 4 Thlr. für einen Logenplatz und 3 Thlr. 6 Sgr. für einen Parquetplatz. Das Theater-Bureau befindet sich im Kaffehause von Pfadler, am kleinen Paradeplatz. Es ist offen von 9 bis 12 Uhr Vormittags und von 3 bis 5 Uhr Nachmittags. Gouvernements-Gebäude, früher der clz-russische Hof, in Nähe des Mainzcrthors, aus einem halbrunden Vorsprung und dem Balkon-Anbau zu beiden Seiten bestehend. Es trägt die Inschrift: „K. Gouvernement, eingerichtet 1823" und hat einen kleinen hübschen Garten, sonst aber nichts ausgezeichnetes. Mainzerthor und Artillerie-Kaserne. Im wohlverstandnen neuesten Befcstigungsstpl von 1820 bis 1824 aufgeführte großartige Gebäude, deren Rückseite als Wall dient und deren bombenfeste Wölbungen klafterhoch mit Erde bedeckt sind. Gegen die Stadt besteht diese imposante Masse aus einem Mittelgebäude mit dem Thore (durch welches die Hauptstraße nach Schloß Stolzenfels, Boppard, S. Goar, Kreuznach, Bingen und Mainz führt), zu beiden Seiten mit schönen runden Vertheidigungs-Thürmen, woran fich gegen Ost und West zwei Flügel schließen, die durch starke, weit vorspringende viereckige Thürme beendigt werden. Das ganze hat im Durchschnitt gemessen eine Länge von 500 Fuß und dient als Artillerie-Kaserne. Zwei schöne eiserne Pumpen stehen davor. Weiter unten ist eine schräg gegen den Rhein gerichtete Infanterie-Kaserne von 400 Fuß Länge, mit einem Mittelthurm und zwei kleinen Eckthürmcn. Der davor befindliche Platz ist ebenfalls mit zwei Eisen-Pumpen versehen. Königl. Regierung. Dies ehemalige kurfürstl. Dikastcrial-Ge- bäude (später einige Zeit Justiz-Palast und Sitz des k. Landgerichts), dessen Hauptseite gegen den Rhein und dessen Seitenflügel, mit thurmartigen Vorbau, gegen den Freihafen gerichtet ist, während sein Haupteingang auf der Westseite, am Vogelsang, sich befindet, ist ein durch seinen mächtigen Unterbau imposantes Gebäude, aus dessen Sälen und Geschäfts-Zimmern, vorzüglich aber vom Altan im zweiten Stock, man eine herrliche Ausficht auf den Rhein, die Schiffbrücke und die Ortschaften am rechten Ufer des Stromes, die Festung Ehrenbreitstein mit inbegriffen, hat. In dem südlichen Flügel dieses Gebäudes befindet sich, in 3 bis 9 gewölbten Sälen, das rheinische Provinzial-Archiv, über 60,000 Urkunden*) enthaltend, welche durch den Fleiß und die Umsicht des verdienstvollen k. Archivars Beper wohlverstanden geordnet sind und sehr werthvolle Belege zur Geschichte der Rheinland«: enthalten. Namentlich findet man hier die sämmtlichen Protokolle der kirchlichen Berathungen zu Ems (der cmser Punktation). Die Karte von dem ober» Theile des Erzstifts Trier, von Mercator, gestochen 1562, darf ebenfalls nicht unbeachtet bleiben. Hauptsteueramt. Dies neue, im Innern sehr helle und durchaus zweckmäßig eingerichtete Gebäude hat auf der Außenseite ein gedrücktes Ansehen und entspricht deshalb in den Augen des Publikums der Wichtigkeit seiner Bestimmung nicht. Es steht im Freihafen, unfern des k. Regierungs-Gebäudes und bildet diesem gegenüber eine» auffallenden Kontrast. Proviantamt. Dies wenig ansehnliche aber seinem speziellen Zweck entsprechende Gebäude, befindet sich in der Karmeliten-Straße, neben dem Festungs-Bauhof. Unfern davon ist das Zivil-Arresthaus, in den Gebäulichkeiten des ehemaligen Karmeliten-Klosters, welche schon unter der französischen Verwaltung zu dem Behufe eingerichtet wurden, wozu sie noch gegenwärtig dienen. Es befinden fich darin, außer den Speise- und Arbeits-Sälen, 59 Gefängnisse mit etwa 180 bis 220 Gefangenen, verschiedene Werkstätten, Kranken-Zimmer (14-13 Kranke im Durchschnitt), die Wohnungen der Aufseher und eine besondere Kirche, worin an Sonn- und Feiertagen regelmäßig Gottesdienst gehalten wird. Die Unterhaltungs- Kostcn der Anstalt belaufen fich jährlich auf 10,700 Thlr. Oberpräfidium, früher der gräflich boos-waldecksche Hof, am Eck der Karmeliten- und OberpräfidiumS-Straßen. Dies schöne Gebäude, wozu ein Garten gehört, dient als Wohnung des Oberpräfi- denten der Rheinprovinz und enthält außerdem die Geschäfts-Lokale seiner Verwaltung. Militär-Kasino, im ehemaligen gräflich lepischen Hofe, am Eck der Rhein- und Mosel-Straßen. Der obere Stock dieses Hauses dient sämmtlichen Offizieren der Besatzung, Zivil-Beamten bis zum ») Einige derselben, jedoch nicht die wichtigsten, können in Günther« >!!,>l, HlOLLLXII lllöinornble par I» eontre les llusses, 1e I^rökeetuist llc ckules Doassn." Worunter, nach der Besetzung der Stadt durch die Truppen der vebündeten Mächte, der russische Kommandant 8t. ?rie»t sein französ. Emigrant) nachstehende Genehmigung setzen lies: „Vu »r noii» Lom- nignllsnt russe >Ie I» ville »lo Loblent?, lo I. Courier 4ÜI4" Der Stachel dieser Inschrift hat, seit die Ereignisse von 1812 und 1813 dem Bereich der Geschichte anheimgefallen sind, viel von seiner intelligenten Schärfe verloren und es ist davon nur noch der etwas plumpe Kern übrig geblieben. Dieser Napoleons-Brunnen, der wenig oder kein Wasser gibt, sollte übrigens als Sockel zu einer Bildniß-Gruppe, Rhein und Mosel gegenseitig sich umschlingend, dienen. Die vier Seiten der Basis aber sollten durch sinnbildliche Figuren in erhabener Arbeit verschönert werden. General-Kommando , am obern Theile des Kastor-Hofes. Dieser vormals fürstlich lepische Hof, unter der Fremdherrschaft Sitz der Präfektur, ist jetzt Wohnung des General-Kommandanten des 8. Armeekorps. Seit etwa 4g Jahren vielfach verändert, enthält er nichts alterthümliches mehr, als die auf drei Pfeiler gestützte Vorhalle, rechts neben dem Eingang. Sie ist in sehr gutem Spitzbogen- stpl, und wenn auch nicht hoch, doch gut erhalten. Größtentheils verwischt sind dagegen die im obern Theile der Fenster eingefügten zwölf bunten Wappen-Scheiben, von verschiednen rheinländischen Familien, namentlich den Lepen, Metternich, Hontheim u. a. herrührend. Seitwärts, oberhalb der Treppe jenseit der Glasthür, sind vier ähnliche besser crhaltne bunte Scheiben. Zum General-Kommando gehört ein hübscher Garten. Die Bureaur sind rechts um die Ecke, in der Mosel-Straße. Zivil-Hospital, an dem mit der Kastor-Straße zusammenhängenden Hospital-Platze. Es befindet sich in den Gebäuden des ehemaligen Franziskaner-Klosters, dessen Kirche abgebrochen worden. Die hier befindliche städtische Armen- und Kranken-Anstalt ist gut eingerichtet. Das Gebäude ist gesund, mit einem Kreuzgang versehen und wird sehr reinlich gehalten. Die Kranken-Pflege ist 7 barmherzigen Schwestern und mehren Gehilfen anvertraut. Es werden nicht allein alte und kranke Stadtbürger, sondern auch, gegen eine sehr geringe Entschädigung, Reisende, Handwerks-Burschen, Dienstboten rc. in dieser Anstalt aufgenommen. Ein besonderer Vorstand, nebst einem Arzt und Wundarzt, besorgen die Leitung der Geschäfte. Der dazu gehörigen Kapelle ist bereits gedacht worden. In einem der Säle des östlichen Gebäudes ist einstweilen noch die aus etwa K999 Bänden bestehende Stadtbibliothek aufgestellt, worin sich einige Inkunabeln, ältere Werke in verschiednen Sprachen und seltne Handschriften befinden. Mit nächstem soll diese Bücher-Sammlung nach dem k. Gymnasium versetzt und mit der dortigen doppelt so starken Bibliothek, sowie mit einigen andern noch hinzuzuziehenden Bücher-Sammlungen vereinigt werden. Dasselbe soll auch mit der städtischen, von dem verstorbenen Pfarrer Lang in Neuendors herrührenden, Gemälde-Sammlung geschehen, welche sich in einem zweiten Saale dieses Gebäudes befindet. Von den 200 größern und kleinern Bildern der niederländischen, deutschen und französischen Schule, verdienen einige von Hannibal Carraccio, Rubens, Reinbrandt, Schidone, Ribera, Ricci, Breughel, Frank, G. Douw, Berkhay- den, Kranach, A. Dürer, Zick, Poelemburg, Fiesole, Salvator Rosa, de Heem, Dieterici, van der Neer, Fölir, Braun u. a. ausgezeichnet zu werden. Auch das Portrait des Pfarrers Lang, von Meister, und die seines Vaters und seiner Mutter, verdienen Beachtung. Dem MalerBachta- ist die Aufsicht über diese Gemälde anvertraut. Neben dem Hospital, unter obigen Sälen, ist eine Anfangs-Schule für arme Knaben. Gymnasium. Das auf der Vorder-Seite an beiden Enden mit zwei niedrigen Thürmen geschmückte Gebäude, worin sich diese Lehranstalt befindet, zerfällt in zwei Theile, der eine am Jesuiten-Plätzchen vor der Johannis-Kirche und der andere hinter derselben, wovon der letzte der älteste ist. Ein Theil, der Flügel nämlich, welcher die Gymnasiums - Straße berührt, ist von 1542 ; der Ucber- rest von 1592. Früher bestand hier ein Zisterzicnserinnen-Kloster. Erzbischof Johann von Schönbcrg versetzte 1589 die Jesuiten in dasselbe und erweiterte es. Nach der französischen Belagerung, gegen Ende des 17. Jahrhunderts, lies Johann Hugo von Orsbcck das gegen den Platz gerichtete Hauptgebäude hinzufügen, unter welches man hindurch aus der Firmung- in die Gymnasiums- und Kasino-Straße gelangt. Ueber diesem Durchgang liest man die Inschrift: 8nei>?t»ti8 4esu" und über der eigentlichen Eingangsthür die Worte: Coiilluentinuin". Das Gebäude ist Eigenthum der Stadt. Es enthält mehre große Säle, namentlich den Konzertsaal. Davon sollen einige zur Aufstellung der zu vereinigenden städtischen und Gym- siums-Bibliotheken (letztere aus mehr als 12,999 Bänden wovon einige seltne Jncunabeln, viele Geschichts-, klassische und filologische Werke, eine interessante Sammlung von Autograsen, rc. ze. bestehen), wie der städtisch-langischen Gemälde-Sammlung, der fysikalischen Instrumente, römischen und andern Alterthümern, Münzen, zc. verwendet werden. Andre dienen als Lehrlokalc. Nächstdem haben der Direktor und die ordentlichen Lehrer des Gymnasiums ihre Wohnungen in diesen Gebäuden. Es gehört dazu ein etwas vernachlässigter größerer und zwei kleinere Garten, nebst einem ausgedehnten Turnplatz. Ein Portal von 1532 (mit zwei gerippten jonischen Säulen, worüber sich Obelisken erheben, dazwischen zerschlagene Wappen und etwas verstümmelte Figuren über der Thür) bezeichnet am Anfang der Gymnasiums - Straße den gegenwärtigen Eingang der Lehranstalt. Dem Portal gegenüber, an dem offenen Durchgang, dessen Gewölbe auf 4 Säulen ruht, ligt ein großer, grüner Granitblock, der augenscheinlich von Menschenhand bearbeitet worden. Angeblich rührt er von der Steinbrücke her, welche Julius Cäsar bei Engers über den Rhein erbauen lies. Beachtungswerth ist auch noch ein altes Steinbild von 1493, einen Erzbischof von Drontheim, Namens Kaltysen, vorstellend, der von Ehrenbreitstein gebürtig und früher Dominikaner war. Er starb in Koblenz. Der Alterthümer-Sammlung, worin das merkwürdige römische Grabmal des Ubceins, ferner ein (wahrscheinlich neuerer) Stein mit dem Brustbilde und Namen Domitians und ein halber römischer Grabstein, einige Mosaik-Bruchstücke, glänzend schwarze und röthliche Thongefäße, vom kalscher Hof bei Münster-Maifeld (dem alten 'Vicu» z4»>I>i»ti»ule) , in dem ehemaligen Jesuiten-Kollegium, wurde in seiner gegenwärtigen Form 1816 eingerichtet. Es besteht in 7 Klassen, mit zweijährigem Lehrkursus für die oberste und einjährigem für jede der sechs andern. An seiner Spitze befindet sich ein Direktor, nächst welchem das Lehrpersonal aus acht ordentlichen Lehrern (den katholischen Religionslehrer mit inbegriffen), 6 Hilfslehrern (einschl. den evangel. Lehrer, 2 Lehrer für die technischen Fächer und 2 Elementar-Lehrer, zugleich Hilfslehrer bei den Gpmnasial-Klafsen) zusammengesetzt ist. Der Verwaltungsrath des Gymnasiums besteht aus 6 Personen. Die Zahl der Schüler belicf sich 1843 auf 380. Das Unterrichtsgeld beträgt für jeden Zögling, je nach den Klassen, 12 bis 16 Thlr. jährlich. Zu den Grundbesitzungen des k. Gymnasiums gehört der auch früher dem Jesuiten-Kollegium zuständige jakobsbcrger Hof, unfern Boppard. Pfarrei-Schulen. Höhere Stadtschule in Nr. Sl. In der männlichen Abtheilung befinden sich, unter einem Lehrer, 25 Schüler und in der weiblichen Abtheilung, unter zwei Lehrerinnen, etwa 30 Schülerinnen. In der Pfarrschule S. Kastor sind die beiden Abtheilungen ebenfalls in getrennten Lokalen. Zwei Lehrer unterrichten 140 Knaben und zwei Lehrerinnen etwa 209 Mädchen. In der zur Liebfrauen- Kirche gehörigen Pfarrschule befinden sich 460 Knaben unter 3 Lehrern und 350 Mädchen unter 3 Lehrerinnen. Die Freischule im Gebäude des städtischen Hospitals wird von 200 Knaben besucht, denen 3 Lehrer Unterricht ertheilen. Unter der Aufsicht von 2 Vorstehern und t Bor- steherin, wie unter der Leitung von 8 Lehrerinnen, wird die Schule des kath. Fraucn-VereinS, im Neben-Gebäude der Barbara-Kirche, von einer großen Zahl armer Mädchen besucht. In der am l3. Januar l830 entstandenen höhern Töchter-Schule, in Nr. 1043, befinden sich etwa 100 Schülerinnen, in der katholischen Privatschule für Knaben ebenso viele Zöglinge, unter 6 Lehrern und in der für Mädchen 130 Schülerinnen, unter 7 Lehrerinne». Die Schulen der evangelischen Gemeinde bestehen: 1) in einer höher» i» 5 Klassen geschiedenen Knaben-Schule, mit 6 Lehrern, von 180 Schülern besucht; 2) in einer Elementar-Schule sim ehemaligen S. Georgen-Kloster), von 330 Schülern, in 3 Klassen, mit 4 Lehrern; 3) in einer Privat-Töchter-Schulc in Nr. 1143, unter der Leitung des Lehrers Cunz; 4) in einer Pensions.Anstalt für junge Briten, deren Direktor Herr Cossmann ist. Unterricht in weiblichen Arbeiten ertheilt Fräulein Ernst, Nr. >06. Waisenhaus, eingerichtet seit 1832 in dem ehemaligen Nonnen- Kloster zur h. Barbara, in der Leerstraßc. Es steht unter der Oberaufsicht des kathol. Frauen-Vereins. Verbunden ist damit eine Schule für arme Mädchen, die, nächst dem gewöhnlichen Schulunterricht, auch noch Unterweisung in allen weiblichen Arbeiten und in der Haushaltung bekomme». Klcinkinder-Bcwahr-Anstalt. Seit den 4 Jahren ihres Bestehens hat sich dies Institut genügend festgestellt und verspricht eine immer erfreulichere Entwickelung. Die Anstalt ist für Kinder kathol. und evangcl. Konfession bestimmt, und wird von 1 Lehrer und 2 Wärterinnen geleitet. Die Direktion besteht aus 8 Vorstehern und 4 Vorsteherinnen. Armen-Unterstützung. Dieselbe besteht: 1) in einer Verwaltung der Armen-Spende, welche für die 6 Stadtreviere 10 Beamten anvertraut ist; 2) in einer Verwaltung des Bürger-Hospitals unter 8 Beamten. Die Zahl der immerwährend unterstützten Armen wird auf 250 angegeben, wovon viele Familie haben. Noch mehr erhalten freie Arznei, Schulgeld oder anderweitige Beisteuer. Sparkasse, verbunden mit dem seit dem 20. April 1804 bestehende» Pfandhaus. Die Einrichtung desselben ist die gleiche, wie in ähnlichen^Anstalten dieser Art. Es bedient sich der in die Sparkasse niedergelegten Gelder. Die Geschäfte des Pfandhauses und der Sparkasse werden durch 9 Beamte geleitet. Israelitisches Armenhans, unter Aufsicht und Verwaltung der von der jüdischen Gemeinde eigens zu diesem Zweck ernannten Personen. Katholischer Frauen-Verein, aus nahe an 100 Personen bestehend, mit 9 Vorsteherinnen und 1 Rcndanten. Evangelischer Frauen-Verein , wozu über 100 Damen gehören, mit 7 Vorsteherinnen und 1 Sekretär. Lokalgefängniß-Verei», zur Besserung der Gefangenen, mit einem Ausschuß von 5 Personen. Koblenz in. Sanitäts-Kommission, zur Verhütung des Umgreifens von Krankheiten, namentlich der Blatter», mit einem Vorstand von ^ Personen. Katholische Stcrbckassen-Vereine: 1) der Sodalität zu S. Barbara; 2) des SängerchorS; 3) der Schneider; 4) der Schuhmacher; 5) der Schreiner und Drechsler; 6) der Kupfer-Schmiede, Gürtler, Klempner und Zinngießer; 7) der Zimmerleute, Maurer, Steinhauer, Tünchcr und Schieferdecker; 8) der Fuhrleute. Evangelischer Sterbekassen-Verein, mit 5 Beamten. Hilfsinftitut bei Todesfällen und Vermögens-Verlusten. Viele Lebens- und Feucr-Vcrsicherungs-Anstaltcn für Immobilien und Mo- bilien, Waaren, zc., Nheinschifffahrts - Assekuranz, niederrheinische Rentcn-Versichcrungs-Anstalt, :c. Musikalische Vereine. 1) Musikalisches Institut, bestehend aus 75 Mitgliedern, unter Leitung des Hrn. Anschüz', gibt im Winter 6 Konzerte und bringt an hohen Festtage» in den Kirche» musikalische Messen in Ausführung. 2) Koblenzer Liedertafel, 42 Mitglieder, unter der Direktion der Herren Schons und Raffauf, gibt im Winter öffentliche Liedertafeln im bürgerlichen Kasino, und bei besondern Veranlassungen auch zu wohlthätigen Zwecken; versammelt sich jeden Sonnabend Abend bei Fluchard, im Gasthause zur Stadt Lüttich, und nimmt Fremde auf, wenn dieselben von einem Mitgliede eingeführt werden. 3) Friedrich Wilhelms- oder Männer-Gesang- Verein, gestiftet und geleitet durch Hrn. Anschüz, über 300 Köpfe stark, bestehend seit dem 16. September 1842. Gesellige Vereine. I) Loge Friedrich Wilhelm zur Vaterlands- Liebe; 2) Gesellschaft des bürgerlichen Kasino's (s. Kasino); 3) Gesellschaft des Militär-Kasino's (vergl. das.); 4) Gesellschaft zur Eintracht (s. basscnheimer Hof); 5) Lese-Verein im Gymnasium; 0) mehre freie Lese-Gesellschaften, bei denen die Bücher zirkuliren. — Im Winter bestehen zwei Karnevals-Gesellschaften, die neue und die alte. Gemeinnützige Vereine. 1) Botanische Sektion des naturhistorischen Vereins für die preuß. Rheinlande, unter Leitung deö Hrn. Wirtgen*), entstanden 1842. — 2) Koblenzer Lokal-Abtheilung des niedcrrhein. landwirthschaftlichen Vereins, unter Leitung des Freiherr» von Hauer, in Koblenz. (Der Gesammt-Verein hat bei 5000 Mitglieder; jährl. Beitrag 1 Thlr.) — 3) Gewerb-Verein, entstanden 1835, zählte anfänglich über 400 Mitglieder, löste sich aber nach 4 Jahren wieder auf. Nur die Bibliothek wird noch von einigen Mitgliedern durch Beiträge erhalten und benutzt. — 4) Sonntags- Schule und Lese-Anstalt für Gesellen und Lehrlinge, gestiftet 1841, anfänglich mit 500 Schülern und 5 Lehrern, ist jetzt bis zu 150 oder 160 Schülern jährlich hcrabgesunke»; es wird nur noch von einem Lehrer Unterricht imZeichnen ertheilt. Ein Vorstand von 7 Mitgliedern leitet die Anstalt und ein Ausschuß von 24 Personen besorgt die Geschäfte und führt die Aussicht. — 5) Verschönerungs-Verein, 18 Mitglieder. Verschiedene Sehenswürdigkeiten. Nächst der Stadt- und Gymnasiums-Bibliothek, der städtischen Gemälde- und Alterthümer-Sammlung, deren bereits oben gedacht ist, besitzen noch Privat-Sammlungen theils von guten Gemälden, theils Hr Wirigen, Lehrer an der höher» evangcl. Stadtschule, besitzt ein ansehnliches Herbarium, aus eiwa iz.ooo Spec. bestehend, welches alle bis jetzt bekannten Pflanzen der Rheinprovinz, beinahe alle Pflanzen D utschlands und eine große Anzahl erotischer Pflanzen enthält. — Tic Zahl der wirklichen Milzlieder des naturhistorischen Vereins (dessen Sammlungen, bestehend aus einen, sehr vollständigen Herbarium der rhcinländ. Flora, einem Herbarium der bonner Flora > ud einer kleinen botanischen Bibliothek, unter Wirtgens spezieller Leitung in Koblenz aufgestellt wurden) belauft sich auf iso und die der auswärtigen Ehren-Mitglieder auf 25. Jährlicher Beitrag I Thlr. von seltnen Büchern und andern Gegenständen die Herren Heimelt, Stadtrath Dietz, Oberst von Wussow und von Stramberg. Der pensionirte Regicrungs-Sekrctär Herr Bohl hat ein sehr vollständiges Münzkabinet, die Herren Bädecker und Lerop besitze» interessante Autografen und Herr Koblenzer hat ein schönes zoologisches Kabinet. Interessant sind auch die Herbarien des ausgezeichneten Botanikers Herrn Wirtgen und die Mineralien-Sammlung des Hrn. Majors von Salvigny. Die schönen Sammlungen des Grafen Ren esse sind nicht mehr vorhanden. Aussichten. Die umfassendste zugleich und die schönste aller Aussichten über Koblenz und seine Umgebung, hat man auf den Wällen der Festung Ehrenbreitstein, der pfaffendorfcr Höhe, der Umgebung des Alexanders- und des PeterSforts oder der Feste Kaiser Franz (f. unten: Umgebungen). Die Schiffbrücke über den Rhein und die Mosel-Brücke bieten ebenfalls schöne und verschiedenartige Gcschichts-Punkte. Nicht minder herrlich ist die Aussicht vom k. Schlosse, dem Negierungs-Ge- bäude, den großen Gasthäuser» und den Privat-Gebäuden am Rhein, von den Thürmen der Kastor- und Liebfrauen-Kirche, von der Terrasse des renesseschcn Hofes, vom Kaufhause und fast allen Gebäuden längs der Mosel. Handel und Gewerbe. Handel. Durch seine Lage an der Mündung der Mosel in den Rhein, ist Koblenz ganz vortrefflich gelegen für den Verkehr auf diesen beiden Strömen. Nichts desto weniger ist der, welchen Koblenz auf der Mosel treibt, beträchtlicher als der auf dem Rhein, obgleich sein Spcditions-Handel von und nach Holland, wie rheinaufwärts und ans der Lahn, ebenfalls bedeutend genannt werden kann. Die vorzüglichste Ausfuhr von Koblenz besteht in sämmtlichen Mineral-Wassern des Hcrzogthums Nassau, in Wein, Obst, Wachholderbceren, Leder, Potasche, Kleesamen, Faßdauben, Thonerde, Mühl-, Tuff- und Back- ofen-Steinen, Traß, Blechwaaren, Sanitäts-Kochgeschirr und mehren andern Artikeln. Hauptgcgcnstände der Einfuhr sind Kolonial-Waaren, Twiste, Getreide von der Lahn, das wieder nach Frankreich ausgeführt wird, Holz- und Steinkohlen, Eisen, Stahl, Oel, Steingut, Nutzhölzer, :c. Der Hafen-Verkehr läßt sich im Durchschnitt jährlich über 2'/- Millionen Zentner ankommender und nahe an 3 Millionen Zentner abgehender Produkten und Fabrikaten berechnen. Durch die Dampf- schiffsahrt und durch die gleichzeitige Vermehrung der Segel-Schifffahrt, deren Bewegung zu Koblenz 3800 Fahrzeuge, sowohl auf der Mosel als auf dem Rhein, übersteigt, hat der Handel von Kodlenz in den letzte» Jahren eine große Entwickelung gewonnen. An Bau- und Nutzholz gehen im Durchschnitt jährlich 70 Millionen Kubik-Meter Eichen und über 260 Millionen K. M. Tannen ein. Davon bleiben im Jnlande vo» den ersten etwa 2 Millionen K. M. und von den letzten an 195 Millionen K. M., der Ueberrest geht weiter nach Holland. Koblenz hat drei Wochen-Märkte, am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, und zwei Jahrmärkte, jeden von 8 Tagen, im Frühling und im Herbst. Gewerbe. Es gibt in Koblenz mehre sehr geschickte Kunst-Tischler, unter denen Mündcnich, Gerstenkorn, Prätorius, Marein u. a. den ersten Rang einnehmen; serner ausgezeichnete Musik-Jnstrnmenten- Machcr, welche namentlich alle Instrumente für das Herzog!, nassauische Militär verfertigen; geschickte Drechsler, zwei treffliche Porzellan-Maler, gute Mechaniker (Verfertigcr von Druckcrpresscn, Handmühlen zc.), Spritzen-Fabrikanten, Kupfer-Arbeiter, Pelzwaaren-Fabrikauten, Verfertiger von chirurgischen Instrumenten (Mies), Wagen-Fabrikanten, von denen vorzüglich viele Postwagen verfertigt werden, Gold- und Silber-Arbeiter, Juwelirer, Uhrmacher, Messerschmiede, Gewehrmacher, Sattler, Kammmacher, Bleicher, Lohgerber ,c. zc. Vor allem erwähnt zu werden verdient die große Blech- und Papiermach^-Waaren-Fabrik von Schaffhausen und Dietz, die über 130 Arbeiter beschäftigt und bedeutende Versendungen nach dem In- und Auslande macht; ferner die Eisen-Gießerei und Maschinen-Fabrik von Gebrüder Druckenmüller; die Dampf-Furnier-Schnciderei von Wolfcrmann (in Ehrenbreitstein), die große Schaumwein-Fabrik von Tesche und Komp., welche 600 Ohm Wein verarbeitet; die Kunst- und Buch-Handlungen von Bädecker, Blum, Hergt, Hölscher, Müller; die Buchdruckercien vo» Dübois, Hcrgt, Hildcbrand, Kehr, Krabben, Werle; die lithografischen Anstalten der Gebrüder Becker, wie von Kehr, Müller u. a. Bedeutend ist auch die Seilerei und die Küferei, nebst der Färberei und Lohgerberei, zc. Die Gcsammtzahl der Handwerker übersteigt im Ganzen 350 Meister, welche nahe an 550 Gesellen und Lehrlinge halten. Handarbeiter zählt man über 700 und Beamte über 200. Die Zahl der männlichen Dienstboten bcläuft sich auf 180 und die der weiblichen auf 1060. Blinde zählt man l3 und Taubstumme 4. Vergnügungen und Spaziergänge. Während der Pfingstfeiertage werden von Koblenz zahlreiche Lust- partieen nach Sapn und dem Park auf dem Friedrichs-Bergc, wie in das Thal von Jsenburg gemacht. Die Kirchweihen im Frühling und im Herbst, namentlich diczu Güls, MoselwciS, Psaffendorf,Horchhcim, Niedcr-Lahnstein, RhcnS, Neuendorf, Vallendar, Bendorf, EngerS, zc., wie das Vogel-Schießen in Ehrenbreitstein, ziehen viele Besucher an. Spaziergänge. Die besuchteste Promenade, namentlich an schönen Frühlings- und Sommer-Abenden, ist die Linden - und Akazien- Allee in der Neustadt und die gegenüber befindliche Linden-Pflanzung auf dem Schloßplatze. Weniger beliebt ist der kleine Paradeplatz und der Kastorplatz, der erste, weil er zu sehr in Mitte der Stadt, der andere, weil er zu abgelegen ist. Gewöhnlich begibt sich der Zug der Spaziergänger aus der Neustadt-Allee, durch das Mainzer Thor, auf die nach Mainz führende Chaussee, verfolgt dieselbe 12 Minuten weit bis zum Rondel, und kehrt von da entweder auf demselben Wege, oder auf dem längs des Rheins, oder auf verschiedenen Pfaden durch die Felder zur Stadt zurück. 'Sehr angenehm und ziemlich häufig besucht ist auch der schattige Spazierweg, welcher sich außerhalb der städtischen Festungswerke, vom Rhein und vorüber am Mainzer, Leer- und Moselwcisthor, bis zur Mosel zieht. ES fehlt in seiner Nähe an Garten-Wirthschaften nicht, deren ebensowohl, wie der aussichtreichen Spaziergänge um die Forts Alexander, Franz zc., in dem nachfolgenden Abschnitt näher zu gedenken ist. Auch die Mosel-Brücke und die Schiffbrücke über den Rhein, wie ein Theil des Mosel-Gcstadcö, dienen Einheimischen und Fremden als Spaziergänge. Am Abend ergehen sich die mittlern und unter» Stände in großer Zahl in den Straßen, welche den eigentlichen Mittelpunkt des bürgerlichen Verkehrs bilden, nämlich auf dem Plan, dem alten Graben dem Gemüsemarkt, dem Entenpfuhl, der Firmung-Straße, dem kleinen Paradeplatz, den Klemens-, Kasino-, Magazin-, alten und neuen Leerstraßen, ;c. Auch die Schloßstraße, und die Allee zwischen dem Mainzer- und Leerthor, werden Nachmittags und Abends von Spaziergängern besucht, denen die Bier- und Garten-Wirthschaften von Laupus und Gassen erwünschte Nuhepunkte gewähren. Nächste Umgegend. Südliche und westliche Seite. Folgt man vom Mainzerthor der großen Landstraße, so gelangt man, vorüber an den Landhäusern und Garten des Dr Drimborn und des Regierungsralhs Esser, in l2 Minuten nach dem Rondel, wo unter hohen Pappeln einige Steinbänke der Ermüdeten harren; binnen 9 Minuten von da nach dem Punkte, wo ein alter Meilenstein steht, bei dem sich rechts ein Weg absondert, der unter schönen Nußbäumcn bis zum Fuße des Forts Konstantin in 16 Minuten und von da in 8 Minuten zum Leerthor führt, was einen Spaziergang von '/ Stunden, und von Mitte der Stadt an gerechnet, von einer Stunde macht. Als kommandirender General des achten Armeekorps, lies General-Lieutenant von Borstell längs der mainzer Chaussee, von Koblenz bis Kapellen, eine Reihe niedriger rother Steine setzen, welche folgende Distanzen andeuten: Erster Stein, römisches Stadium, 294 Schritt oder 519 Fuß; 2ter Stein, griechisches Stadium 249 Schr. od. 622'/ F.; Zier St., schincsisches Li, 765 Schr. od. 1912'/ F.; 4tcr St., russische Werste >,,ni->f, 1417 Schr. od. 3542'/ F.; 5tcr St., englische Land-od. Statute-Meile, 2137'/ Schr. od. 5344 F.; Kter St., türk. Berri, 2218 Schr. od. 5545 F.; 7ter St., ital. Meile und cngl. Seemeile, 2462 Schr. od. 6155 F.; 3ter St., halbe holländ. Meile, 3888'/ Schr. od. 9722 F.; 9ter St., halbe östr. Meile, 5175 Schr. od. 12837/ F.; 19ter St., halbe badische Meile, 5225 Schr. od. 13962'/-F.; Ilter St., halbe schweb. Meile 5594 Schr. od. 13935 F.; I2ter St., franz. Stunde 5919 Schr. od. 14775 Fuß. Die Entfernung von Koblenz bis zur Wasserheil-Anstalt an der Laubach beträgt 35 Minuten. Auf dem Wege dahin hat man östlich, oder zur Linken, die 299 Morgen große Insel Oberwerth. Man kann von Laubach über den aussichtreichen Kalthäuser- oder Bcrghof, wo eine Wirthschaft ist, vorüber am Karten- (Karthäuser-) oder Pfaffcnborn, in 59 Minuten nach derZStadt zurückkehren. Geht man aus dem Laubachthal, oder von dem Karthäuserhof, über den Uebungsplatz der k. Artillerie, so kommt man zu einem vorspringenden Felsen, von dem man eine schr interessante Aussicht hat über das Moselthal, von Lap bis unterhalb Güls. Der Eigenthümer des Karthäuser-Hofes hat dies Schaudichum mit einem Geländer umgeben, mit Bänken besetzen und mit Bäumen bepflanzen lassen. Sein Besnch verlängert den Spaziergang um etwa '/ Stunde. Bis zum Dorfe Kapellen beträgt die Entfernung von Koblenz 1'/ Stunden und bis Schloß Stolze nfels 1'/- Stunden. Man kommt auf diesem Wege vorüber an dem Gasthause dritten Preises: Weinberg, zur Laubach gehörig, an dem Meilenstein, der die Entfernung von Koblenz auf /, von Köln auf 12 und von Mainz auf 11'/ Meile» angibt; ferner am Königsbach, wo starkes Mauerwerk einen frühern Bau von Bedeutung (vielleicht zur Verhinderung der Verheerungen des jetzt unbedeutenden Baches) erkennen läßt, endlich an der Sicchhausschlucht, an deren Mündung früher ein Krankenhaus, nebst dazugehöriger Kapelle, gestanden, und in deren Hintergrund man durch das bewaldete Teufclsloch zum kodlenzer Jägerhaus und dem Kühkopf hinansteigt. Den letzten erreicht man auf diesem Wege in 1'/ Stunden und in '/ St. weniger durch das Laubachthal oder auf der nach Simmcrn führenden Landstraße, vorüber an den Forts Konstantin und Alexander. Kühkopf. Die Aussicht von diesem Berge ist sehr ausgedehnt, mannigfach und belohncud. Sie umfaßt den Rheinlanf von Horchheim bis jenseit Andernach, dann von Rheinbrohl bis Linz, und ein Stück desselben zwischen den Bergen bei Königswinter, wie den Lauf der Mosel von Lap bis Koblenz. Gegen Morgen übersieht man einen ziemlichen Theil des Lahnthals. Die am deutlichsten sich zeigenden Orte sind: Koblenz mit seiner Schiffbrücke, Thal und Festung Ehren- breitstein, die übrigen Forts bei Koblenz; ferner Neuendorf, Urbar, Vallendar, Bendorf, Engers, Sayn, Neuwied, Heddesdorf, Jrlich, Andernach, Leudesdorf, Rheinbrohl, Hönningcn, Breisig, Linz, Rübenach, Bassenhcim, Mctternich, Mosclweis, Güls, Pfaffendorf, Horchheim, die Insel Oberwerth, Montabaur und viele andere mehr nördlich gegen den Wcsterwald gelegne Orte. Die vorzüglichsten Höhen des Gesichtskreises sind: die Vorder-Eifel und hohe Eifel, mit dem 1999 Fuß ii. M. crhöheten Hochsimmer, dem 299 Fuß niedrigern Gänsehals und den übrigen Bergen in Nähe des Lachersce's, wie mit 12 bis 16 andern weit zerstreuten Hauptgipfel» (hohe Acht 2439, Ruine Nürberg 2229 und Hochkclberg 2169 F. ü. M.) Auf der andern Seite befinden sich das Rheingebirg, das Sieben-Gebirg und der Wcsterwald. Besonders schön ist das abwechselnde, theils bebaute, theils bewaldete Hügelland in der nächsten Umgebung des Kühkopfs, längs der Mosel, ebenso die einzelne» Abschnitte des Rheins unterhalb Koblenz. Einer der genußreichsten Spaziergänge auf dem Vorgebirg zwischen der Mosel und dem Rhein, ist der um das von 1817 bis 1822 erbaute Alexander-Fort. Man folgt vom Leerthor der nach Simmern führenden Straße und läßt das auf einem steilen Grauwacke-Felsen erbaute Fort Konstantin zur Linken. Hier stand früher ein schönes Karthäuscr-Kloster, ans dem Beatus-Berge. Es wurde 1153 durch Erzbischof Hillin für Benediktiner gestiftet, die Balduin 1349 durch regelmäßige Chorherr» ersetzte, welche, da ihnen die Lage zu einsam war, 69 Jahre später das Kloster an Karthäuscr überließen. Bei Erbauung der Festungs-Werke mußte das Kloster und die H.Kreuz- Kapelle abgetragen werden. Oberhalb des Konstantinforts, auf der sogenannten Marter-Stätte, wo, der Sage nach, unter Diokletian viele Christen hingerichtet worden, schlägt man den Weg zur Rechten gegen die Hunnenhöhe ein, auf welcher die bedeutende Oberfestung oder das Alexanderfort ligt, um das sich ein schöner, mit hohen Pappeln zu beiden Seiten bepflanzter, Fahrweg und hübsche Gebüsche ziehen. Auf diesem Wege hat man, oberhalb des gegen Moselweis gerichteten Blockhauses, eine schöne Aussicht über den untern Theil des Mosel-Laufes und das mehr nordwestlich aufsteigende Hügelland. Oben beim Wachthause befindet man sich auf der Hochebene, welche die nach Simmern führende Straße durchschneidet, und wo die Artillerie ihre Schießübungen hält. Dann erreicht man bald die vorgenannte Straße, von der man eine reizende Aussicht auf den Rhein, von Horchheim bei Neuwied und auf das Gcbirgs- land an seinem rechten Ufer hat. Es werden zu diesem Spaziergang von dem Innern der Stadt und wieder zurück, 1'/ Stunden erfordert*). Sehr angenehm ist auch der Spaziergang nach dem 49 Minuten von Koblenz entfernten Dorfe Mosel weis, wohin man auf 3 ver- schiedncn Wegen gelangen kann. Der schönste derselben, wenn auch nicht der nächste, führt an der städtischen Begräbniß.Stätte vorüber, auf der die irdischen Ueberreste Max von Schenkendorffs (gest. 11. Dezember >817) ruhen. Der Friedhof ist seit 1823 eingerichtet und mit einem Leichcnhaus versehen. Es fehlt in Mosclweis an Gasthäusern und Garten-Wirthschaften nicht, wovon die bei Hubalcck, im ehemaligen renesse-breidbachschen Garten, wie die im rothen Ochsen, in der goldnen Rose, im grünen Baum, im Schwan und im schwarzen Bär am meisten besucht werden. Eine Viertelstunde weiterhin, am linken Mosel-Ufer, ligt das große Dorf Güls, wo von den Gasthäuser» goldner Anker, goldner Karpfen und goldene Krone das erste, zunächst an der Mosel gelegene, das beste ist. ») Koblenz, Plan — Lcerthor s Min. — Wirthshaus Johannisbcrg 7 — Fort Konstantin oben links. Weg rechts genommen lv — Höhe über dem Blockhaus gegen Mosclweis g — Wachthaus — Simmern-Slraßc q — Wirthshaus ,o — Lecrthor zo — Koblenz Plan k, zusammen >>/ Stunden. Der Stadt zunächst befinden sich, außerhalb zwischen dem Rhein- und Mainzer Thor die Garten-Wirthschaft bei Verkriecht, eine Wachsbleiche, mehre Kunst- und HandelS-Gärtner und zwei Bleichgarten. Der Bezirk zwischen dem Mainzer Thor, der Chaussee und dem heiligen Kreuzweg wird von vielen Gärtnern bevölkert, denen sich die Garten- Wirthschaften von Wittenecker, Klenderbach und zum Johannisberg beigesellen. Zwischen dem heil. Kreuzweg und dem nach Moselweis führenden fehlt es auch an Gärtnern und Garten-Wirthschaften nicht. Die vorzüglichsten von den letzten sind die bei Hürter, Erben und Fcy. Weiterhin gegen die Mosel findet man ebenfalls Gärtner und eine Bleiche. Nördliche Seite. Ilcberschreitet man die Mosel-Brücke, so gelangt man, unmittelbar jenseit derselben, zu dem Punkte, wo vom 9. oder ll). Jahrhundert bis 1688 der Flecken Klein- oder Lützcl-Kob- len; stand. Die Schwierigkeit de» Moscl-Ucberfahrt im Winter, oder bei ungünstigem Wetter, scheint die erste Veranlassung zur Entstehung dieses Ortes gewesen zu sein. Die zahlreichen Wallfahrer, welche sich zur Verehrung der Reliquien nach Aachen begaben, oder von dort zurückkehrten, hielten gewöhnlich ihr Nachtquartier in Lützel-Koblenz, das dadurch zu nicht geringem Flor gedieh. Als nach dem Bau der Mosel-Brücke, in Mitte des 14. Jahrhunderts, die Nothwendigkeit des Verwcilens am linken Ufer des Flusses nicht mehr vorwaltend war, verminderte sich hier zusehend nicht allein die Zahl der Schiffbauer und Schiffer, welche nach Neuendorf auswanderten, sondern auch die der Wirthshäuser (wovon die vorzüglichsten zum Schwan und zum Ochs genannt) und der i» Lützel-Koblenz ansässigen Handwerker (Bäcker, Metzger, Schuhmacher, Töpfer, Gerber zc.) und Krämer, zc., welche, da sie nicht mehr so reichliche» Verdienst als früher fanden, es vorzogen, nach der benachbarte» Stadt oder nach andern Orten überzusiedeln. Lützel-Koblenz hatte seine eigene Pfarrkirche, die dem Apostel Petrus gewidmet war und nahe an der Mosel-Brücke stand. Von Mauern und Graben (Landwehren) umschlossen, hatte der Ort drei Thore, das Brücken-, Ober- und Niederthor, ein eigenes Gemeindehaus, Hospital, Backhaus, Warte zc., eigene Gemeinde-Vorsteher, Heimburger genannt, und 5 oder 6 Straßen, wovon die Umrisse noch jetzt zum Theil erkenntlich sind. Die, an welcher die meisten Häuser standen, war die Lepgasse. Von da ging die Pützgasse, die ihren Name» von dem darin befindlichen Gemeinde-Brunnen hatte, zur Mosel, die Schaargasse zur Schaarwiese, die Berggasse, an deren Ende sich die Bergpforte befand, zum Petersbcrg, und die Hundsgasse zur Mosel- Brücke. Der Zahl der waffenfähige» Männer nach zu schließen, scheint Lützel-Koblenz nicht viel über 500 Einwohner gehabt zu habe». Nach der Erbauung der Brücke verminderte sich diese Zahl etwa um ein Viertel. Sie sank noch mehr während der Fehden zwischen den Kurfürsten Raban und dem Prätendenten Ulrich von Manderscheid, von dessen Truppen es 1436 geplündert und nachher, ans Befehl des Kurfürsten, niedergebrannt wurde, um seinen Feinden nicht ferner zum Haltpunkt zu dienen. Um diese Zeit wanderten die meisten Einwohner von Lützel-Koblenz nach Neuendorf ans, das dadurch sehr in Aufnahme kam. Jenes erholte sich gleichwohl wieder und war schon zu einem gewissen neuen Flor gediehen, als von l63Z bis l636 Franzosen und Schweden sich um den Besitz der Festung Koblenz stritten, wobei seine am linke» Mosel-Ufer gelegene Vorstadt hart mitgenommen wurde. Obgleich l660 von der Pest verschont, konnte Lützel-Koblenz dennoch sein Ende voraussehen, als Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck 1682 an der Mosel-Brücke ein Sternwerk aufführen lies, welches bei einer Belagerung nothwendigerweise das Verderben des Ortes veranlassen mußte. ES war deshalb nicht zu verwundern, daß er, während der Beschießung durch die Franzosen, im November 1688, welche der berühmte Vauban leitete und wobei Ludwig XIV. persönlich beiwohnte, dergestalt zerstört wurde, daß auch nicht ei» einziges Haus übrig blieb, und die Stelle, wo es gestanden, mit Asche und Trümmern bedeckt war. Es wurde seitdem nie mehr vollständig aufgebaut. Die 45 Familien, welche 1672 darin noch wohnten, sahen sich gezwungen in Neuendorf und andern Orten Zuflucht-Stätten zu suchen. Einige Handels-Gärtner und Wirthe haben sich in neuester Zeit auf dieser Stelle zwar wieder angebaut, aber ihre Zahl ist so gering, daß sie keine, wenn auch noch so kleine, Gemeinde zu bilden vermögen, weshalb sie in die Einwohnerzahl von Koblenz mit inbegriffcn sind. Es bestehen hier einige Garten-Wirthschaften, namentlich die von I. Dewald, zur Halbinsel bei Kost, von Guckeisen und von Lefebvre, wovon die erste die besuchteste ist, nächst dem noch ein Gasthaus zweiten Preises: Kronprinz von Preußen bei Kost, und einige kleinere Wirthshäuser (deren Eigenthümer zugleich Kramhandel treiben) am Eingang in die Feste Kaiser Franz. Bei der Mosel-Brücke zieht sich die Straße nach Köln rechts und die »ach Trier links. Von demselben Punkte führt auch ein schöner mit Bäumen bepflanzter Weg nach dem'/, Stunde entlegenen Neucn- dorf, wohin sich noch zwei Nebenwege längs der Mosel, vorüber an großen Bleichen, den Mosel-Bädern und der Schwimmschule, und ein solcher durch die Felder ziehe». Auf der entgegengesetzten Seite gehen hübsche Wege nach den offenen Badplätzen an der Mosel, den Roh- rcr-Höfen, der Salmiaks-Hütte, den Dörfern Mettcrnich, Bubenheim, Rübenach, GülS zc., welche häufig von Koblenz aus besucht werden. Der Spaziergang um den Petersberg (auf dem im Mittelaltcr eine Klause, nebst einer 10l2 von Kaiser Heinrich dem Heiligen und nach ihm von vielen Frommen stark besuchten Wallfahrts-Kapclle stand) ist unstreitig der angenehmste und zugleich kürzeste auf dieser Seite. Man gelangt auf ihm, vom Plan in Koblenz bis zu MaroeauS Denkmal, in 20 Minuten. Dies Denkmal, eine oben abgestumpfte etwa 16 Fuß hohe Pyramide von grauem Stein von Nieder-Mendig, die auf de» vier Seiten mit langen Inschriften bedeckt ist*), stand früher auf dem Rücken des benachbarten Grauwacke-Hügels und wurde, bei Erbauung der Feste Kaiser Franz, in die Nähe der nach Köln führenden Landstraße versetzt. Auf ihrer Vorderseite erblickt mau in einer halbrunden Vertiefung einen Steinblock, der früher künstlich bearbeitet gewesen und eine ligende Figur, vielleicht einen tödtlich getroffenen Löwen, dargestellt zu haben scheint. Von diesem Denkmal kommt man in 10 Minuten nach dem Thor der bubenheimer Fläche und von da in 8 Minuten nach der Kapelle Mariahilf, die, im Felde zwischen der obern Pappel-Allee und der nach Trier gehende» Straße gelegen, häufig von Andächtigen besucht wird. UebrigcnS ist dies Bethaus sehr klein und nichts weniger als hübsch. Eine kleine Jungfrau mit dem Kinde, hinter einem starken Eisengitter, ein kleiner Glas-Kronleuchter, ein Kruzifix und vier werth- lose Gemälde sind seine alleinige Zierde, nebst einigen hölzernen Krücken von Kindern und verschiedenen Gliedern von Wachs. Vergebens sucht man Bänke an einer Stelle, die deren am ersten bedürfen würde. Auch der von einigen magern Bäumen gegebene Schatten ist nur gering. Seitwärts, jenseit der Mosel-Fläche, hat man auf der nach Trier führenden Straße eine schöne Aussicht auf die Mosel-Krümmung, die rohrer Höfe, die Salmiak-Hütte, den kemper Hof, die Dörfer Bubenheim, Rübcnach, Mettcrnich, Moselweis und Güls, wie die Forts *) Die Hauptinschrift auf der Vorderseite lautet: „l/»rmev 6s 8»,nbro et ivleuss r» son Iirave veneral lViilreeau". Dieser französ. Befehlshaber wurde den 19 Sept. 1796 bei Hochstenbach verwundet, starb Tags darauf zu Altkirchen und wurde den 25. bei Koblenz begraben- Franz, Alexander, Konstantin nnd rückwärts auf die Stadt. Die weiterhin gelegene Salmiak-Hütte, zugleich Garten-Wirthschaft, wird ziemlich häufig besucht. Von Mariahilf kehrt man in 17 Minuten nach dem Plan in Koblenz zurück, so daß der ganze Spaziergang, um den früher mit Aeckern nnd Nebpflanzungen bedeckten Petersberg, 55 Minuten beträgt. (Für die am linken Rheinufer abwärts von Koblenz gelegenen Orte sehe man den »achfolgenden Abschnitt: „Zwischen Koblenz und Neuwied".) Von dem etwa Stunden von Koblenz nördlich gelegnen ehemaligen kurfürstl. Lustschlosse Schönbornslust sind nur noch zwei größere Wirthschafts-Gebäude vorhanden. In Mitte der Rheinebcne gelegen, die sich von Neuendorf bis Weißcnthurm erstreckt, ist es der einzige Punkt, der durch seinen noch ziemlich gut erhaltnen Park Schatten gewährt. Von der kölner Landstraße führt eine Obstbaum- Allee in grader Richtung dahin. Schönbornslust war die eigentliche Residenz der bald nach dem Ausbruch der französischen Revolution ausgewanderten französischen Prinzen. Von hier ans war ihr bekanntes Manifest von 1792 datirt. westliche Seite. Ueber die Schiffbrücke gelangt man, von den Gasthäusern am Rhein, in 5 Minuten nach dem Städtchen Thal-Eh- renbreitstein, früher Mühlheim im Thal oder Mühlenthal genannt. Es besteht aus 29 öffentlichen, 244 Wohn- und 34 Nebcn-Gebäuden mit 2944 Einwohnern, wovon 1832 Katholiken, 152 Evangelische und 69 Juden. Die dazu gehörigen 9 Mühlen im arzheimer und arem- berger Mühlthal enthalten in 35 Wohn - und Nebengebäuden 76 Einwohner. Der Ort besteht aus 19 bis 12 Gassen, wovon die Rhein-, Charlotten-, Markt-, Kirch-, Bach- und Platzstraße die vorzüglichsten sind. In die Thalöffnung zwischen die Festung Ehrenbrcitstein und die pfaffendorfcr Höhe gedrängt, bildet er ein längliches Viereck, mit einem Auslauf längs der nach Montabaur führenden Landstraße. Von den zwei zum Orte gehörigen Kirchen ligt die 1792 erbaute Pfarr- oder Krcuzkirche, durch das neue Pfarrhaus etwas versteckt, auf einer aussichtreichen Höhe, neben welcher der über Arzheim in zwei Stunden nach Ems führende Fußweg hinansteigt. Die Krcuz- erfindung, am Hochaltar von Settegast, ist bemcrkenswerth, ebenso mehre an den Seiten - Wänden eingemauerte Gedächtniß - Tafeln. Auch der geschriebne Coder der vier Evangelisten und der Schädel des h. Sebastian, beide in der Sakristei, verdienen gesehen zu werden. Die ehemalige Kapuziner - Kirche, deren dazu gehörige Gebäude (1628 und 1629 zuerst, dann nach ihrer 1636 erfolgten Einäscherung 1657 abermals aufgeführt) , in königliche Magazine verwandelt und durch ansehnliche Neubauten sehr vergrößert worden sind, ist an der Rheinpromenade und der neuen, über Pfaffendorf, Horchhcim und Nieder-Lahnstein nach Ems führenden, Straße gelegen. Auf der Rheinseite ist das Städtchen durch 3 Thore, das pfaffendorfcr, Brück- und neuwiedcr Thor geschlossen; oben im Thale ist es offen. Seine vorzüglichsten Gebäude sind das Rathhaus, die k. Kommandantur, das ehemalige Dikasterial-Gebäude, jetzt Proviant-Magazin, und die übrigen k. Magazine. Von dem ehemaligen kurfürstlichen Schlosse Filippsthal, das sich auf der Stelle der heutigen Batterie am neuwieder Thor erhob, und über jene nördl. wie südl. hinausreichte, ist jede Spur verschwunden. Einer der Hauptsäle desselben war auf der Stelle, wo die steile Steintreppe von 472 Stufen (jede zu 9 Zoll), ohne Geländer zur Festung hinansteigt. Die daneben angelegte Eisenbahn zum Hinaufziehen, des Baumaterials, ist jetzt nicht mehr vorhanden. Zu den Merkwürdigkeiten des Ortes gehört auch noch das von Sofie von Laroche lange Zeit bewohnte Haus; eS ist das letzte auf der Westseite der Nheinstraße. Nahe dabei, an der Charlotten-Straße, ist der Sicherheit-Hafen, worin im Winter die Pontons der Schiff- Koblenz IV. brücke untergebracht werden. Auch der am Fuße des Klausen-Berges entspringende Mineral-Brunnen (Schwalburn), nahe am Ende des Städtchens, gegen Niederbcrg, dessen Wasser zu den Säuerlingen gehört, verdient nicht unbeachtet zu bleiben. Er war schon 1326 im Gebrauch. In dem ehemaligen Kapuziner-Garten, dem jetzigen Train- Depot, befindet sich eine zweite Mineral-Quelle, das Kranken-Brünn- chen genannt, dessen Wasser früher häufig mit Erfolg von Leidenden getrunken wurde. Die etwa 19 Minuten oberhalb des Ortes, nahe am Eingang in das arcnberger Mühlthal, bctriebne» Bohrunterneh- mungen, wodurch man auf die unterirdische warme Strömung zu kommen hofft, welche mehre Geologen als zwischen Ems und Aachen vorhanden (?) annehmen, sind bereits zu einer Tiefe von 599 Fuß gediehen, ohne durch günstigen Erfolg gekrönt worden zu sein. Man setzt voraus, daß man noch 149 bis 159 Fuß tiefer^werde gehen müssen und ist entschlossen, die Arbeiten bis auf 799 Fuß auszudehnen, weshalb von den Aktien-Inhabern ein neues Kapital zusammengebracht worden. In dem romantischen Mühlthal sind Wein- und Kaffee-Wirthschaften bei Hartmann und auf der Mühle. — Bemerkt zu werden verdient noch, daß in neuerer Zeit der Justiz-Senat von Koblenz nach Thal-Ehrenbrcitstein verlegt worden. Festung Ehrenbrcitstein. Zum Besuch derselben bedarf man einer Erlaubniß-Karte, die man im Gouvernements-Bureau, im südlichen Flügel des k. Schlosses zu Koblenz, uncntgeldlich erhält. Ohne eine solche Karte kann man nur bis zu dem untern Vorsprung der Festung, dem Helsenstein, gehen, bis wohin man in 29 Minuten gelangt , während man zur Ersteigung der ganzen Höhe Stunde braucht. Der dahin gehende Weg führt durch die Rheinstraße von Thalehrenbrcitstein, vorüber am weiße» Roß, an dem 1675 gebaute» Rathhause, am Hause Laroche und über die Brücke des SicherheitS- Hafens, wonach man die Kommandantur- und Dikasterial-Gebäude rechts läßt, einen T^eil des Platzes überschreitet, auf welchem früher das kurfürstl. Nesidcnzschloß stand, und nach einer raschen Krümmung des Weges bergan steigt. Die Friedrich Wilhelms-Fcste von Ehren- breitstem, oberhalb des schon in frühesten Zeiten befestigt gewesenen Helfensteins (jetzt Außenwerk der Hauptfestung), ist ei» sehr großartiger Bau. Auf einem bis zu 369 Fuß über den Rhein sich erhebenden, gegen denselben steil abgerissenen, Grauwackc- und Thonschiefer-Felsen breitet die von >815 bis 1833 erbaute Festung ihre uncrsteiglichen, mit mehr als 299 Kanonen-Schießscharten versehenen und stufcnweis sich erhebenden Wälle aus, die nur von wenige» höheren Gebäuden und gar keinen Thürmen überragt find. Diese Einförmigkeit stört die malerische Wirkung, welche sonst die, unter Leitung des General-Lieutenants Aster, von dem Ingenieur-Major von Huene erbaute, Festung gewiß machen würde. Dem fremden Besucher steht der südliche und westliche Theil der Festung offen. Er wird überall mit der größten Zuvorkommenheit von Unteroffizieren herumgeführt und auf alles Sc- henswerthe sowohl in Bezug auf die Feste selbst, als im Betreff der verschiedenen interessanten Punkte aufmerksam gemacht, welche die herrliche Aussicht in so reicher Fülle bietet und die wenig hinter der zurücksteht, welche man auf dem Kühkopfe hat. Koblenz ganz nahe, übersieht man hier die Stadt am besten. Unmittelbar der Mündung der Mosel gegenüber, dringt man in das geheimnißvolle Thalgcländc dieses Flusses bis gegen Güls vor, beherrscht die schöne Rheinebene und das freundliche Hügelland von Rübenach hinter derselben, wie den Rheinlauf abwärts, bis jenseit Neuwied und Andernach, und aufwärts bis Rhens und dem bopparder Hamm. Auf dem gegen Südost gerichteten Königssitz, einer Steinbank, senkt sich der Blick in das Thal, worin das Städtchen Ehrenbrcitstein ligt, über welches sich der arzheimer Pulverthurm erhebt und das jenseit desselben von der pfaffendorfer Höhe begrenzt wird. Daß unter den Römern eine Warte auf der Höhe des Ehrenbreitstein gestanden, wurde bet Abtragung der Trümmer des sogenannten Zäsarthurms außer Zweifel gestellt Seine Grundmauer bestand, auf eine Höhe von mehr als 20 Fuß, aus Guß- oder Kastenwerk und enthielt Bruchstücke römischer Grabsteine. Schon im frühen Mittelalter scheint eine Burg auf dieser Höhe gestanden zu haben, zu welcher jener Thurm gehörte. Erzbischof Hermann Hillin lies von llSZ bis 1160 die zerfallene Feste wieder herstellen und darunter das Schloß Helfenstein aufführen, welches auf Balduins Befehl aber geschleift wurde. Nach Hermann Hillin ward die neue Festung Hermannstein genannt, doch blieb der alte Name Ehrenbreitstein vorwaltend. Der deutsche König Wilhelm von Holland verweilte, ein Jahrhundert später, in Gesellschaft des ErzbischofS Arnold II. einige Wochen auf ihr. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lies Kurfürst Johann von Baden die Festungswerke vermehren und den tiefen in neuester Zeit gereinigte» Brunnen, (welcher der Angabe nach sein Wasser aus dem Rhein bezieht, was jedoch sehr zu bezweifeln ist) durch den Felsen hauen. Einige seiner Nachfolger beschäftigten sich mit Ausbesserung oder Vermehrung der Wälle und Graben. Johann Hugo von Orsbeck lies den starken Johannsthurm, gegen Vallendar, aufführen, den die Franzosen 1800 nur mit vieler Mühe zu sprengen vermochten und der jetzt wieder auf den alten Grundmauern sich erhebt. Nach ziemlich langer Belagerung gelangten die Franzosen 1798 in den Besitz der Festung. Anfänglich legten sie neue Außcnwerke an und umschlossen dieselben mit zahllosen Pallisaden. Allein in Folge einer Bestimmung des Friedens von Lüneville wurde die ganze Festung geschleift und lag bis 181k in Trümmern. Jetzt steht sie größer, stärker und herrlicher da, als je zuvor*). Sie wurde früher häufig belagert und mehrmals, aber immer nur durch Aushungerung oder List, eingenommen, welcher Fall 1652 eintrat. Durch die Beschießung von 1683 litt sie'wenig. Grade ein Jahrhundert nachher mußte sie jedoch, nachdem sie seit 179» vier Be- lagerungne und ein Bombardement überstanden, nach Abzug der östreichischen Truppen kapituliren. Die Außenwcrke der Feste Ehrenbreitstein bestehen in der Nellcn- kopf-Flssche, dem Klausenberg, dem Plcitenberg und dem Fort wie den Blockhäusern auf der pfaffendorfer Höhe, dem Bohnacker. Bei dem Fort auf dem Nellenköpfchcn steht der Tellcgraf Nr. 60, der letzte, der mit Berlin korrespondircnden Linie, welcher seine Zeichen an die Tel- legrafen-Jnspektion in Koblenz abzugeben hat. Es führt zu jener Höhe ein breiter Fahrweg und ein steiler Pfad, deren Betretung Unberufenen verboten ist. Die Spaziergänge durch die romantischen Mühlthäler von Arcn- Eine kolossale voruooi» wird bald den größcrn Brunnen auf Ehrenbreitstein iicren. berg und Arzheim find recht hübsch. I» dem ersten dieser Thäler ist der durch seinen guten rothen Wein berühmte Kreuzberg, aus dessen Ertrag die Handlung Tesche n. Komp. ihre beliebten Schaumweine verfertigt. Weiter oben ist ein Silberbcrgwerk, in dessen Nähe sich eine ackerbautreibende Mennoniten-Familie niedergelassen hat. Die beiden Mühlthäler bilden einen auffallenden Kontrast mit der anssicht- reichcn pfaffendorfer Höhe über die sich von Pappeln-Alleen beschattete Fahrwege ziehen. Man überblickt hier am besten Koblenz und seine Umgebung und sieht den mächtigen Bau von Ehrenbreitstein ganz in der Nähe. Auch findet man oben, in der Garten-Wirthschaft des Wallmeisters, fast jeden Nachmittag, gewiß aber Sonntags, größere und kleinere Gesellschaften. Man ersteigt von Koblenz diese Höhe, sowohl auf der breiten Fahrstraße, als auf einem hübschen Fußwege, in 20 Minuten. Ein steiler Pfad führt von oben in der Hälfte dieser Zeit hinab nach Pfaffendorf. Zieht man es aber vor vom Pulverthurm den Weg zur Linken einzuschlagen und die Richtung gegen den Hof Kratzkopf zu nehmen, so kommt man in 2» Minuten zum Markus-Brunnen, im obern Theile des gegen Pfaffcndorf sich senkenden Thälchens. Die beide» Moosbänke bei diesem Brunnen laden um so mehr zur Ruhe ein, da im Frühling das nahe Wäldchen von vielen Nachtigallen belebt ist. Durch dies Wäldchen kommt man, vorüber an den jetzt verfallenen Anlagen des verstorbenen Kanonikus vom Umbschcidcn und an seinem Landhause (jetzt seinem Erben, dem Regierungsrath v. Coverden gehörig), das mehre interessante Sammlungen enthielt, in ^ Stunde nach Pfaffendorf, von wo man in 20 Minuten nach Koblenz zurückkehrt. Die Aussicht von der oberhalb des Dorfes gelegenen S. Willi- brord-Kapclle ist ebenfalls sehr belohnend. Einer der genußreichsten Ausflüge, den man von Koblenz in südöstlicher Richtung unternehmen kann, ist der nach Eins und der höher» Lahngegend, über Nassau und Limburg, bis nach Weilburg, Wetzlar oder Gießen. Eins ist von Koblenz für den Fußgänger oder Reiter, welcher den Weg über die arzheimer Höhe einschlägt, nur 2'/, Stunde» entserut. Auf der nach Montabaur führenden Landstraße, von der im Walde zwischen Arenberg und Neuhäuscl ein Zweig rechts ab nach Eins führt, braucht man dazu 3 Stunden, und auf der neuen Thalstraße über Pfaffendorf, Horchheim (guter rother Wein), Nicder-Lahn- stein und Fachbach 3V- Stunden. Dieser letzte Weg ist, wen» auch der längste, doch der bequemste und angenehmste von alle». Wen» schon nicht so aussichtreich als die beiden andern, bietet er doch mehr Abwechslung durch die bedeutenden Windungen der Lahn, die drei oder vier Hammerwerke und Eisenhütten: Hohrhein, Ahl, Niedern, zc.; die vielen Mühlen und Höfe, die Wallfahrts-Kirche auf dem Allerheiligenberg und die Dörfer Mielle», Niedern und Fachbach, durch welche man kommt. G M S. Ems, berühmter Badeort im Herzogthum Nassau, mit etwa 1700 Einwohnern, liegt in einem schmalen, von hohen Bergen umgebenen Thale, am rechten Ufer der Lahn, über welche hier eine Schiffbrücke führt. Die Gegend ist wild romantisch, aber weder rauh noch unfruchtbar und von der mannigfachsten Schönheit. Während von Norden her oben ganz bebaute Felsen dicht bis an die Badehäuser stoßen, erhebt sich im Westen der hohe Bäderberg, der überall bis an die Spitze bepflanzt ist und an dessen Fuße artig angelegte Gärten sich hinziehen, und von Osten nach Westen eine gewaltige, seltsam geformte Felsengruppe aus Thonschiefer, die Bäderlei genannt, auf deren Vorsprüngen man von schwindelnder Höhe eine herrliche Aussicht genießt. An der Spitze dieser Felsengruppe befinden sich die räthselhaftcn Haselmannshöhlen. Es sind dies zwei aus einer Zusammenfügung von Petrefacten bestehende Schichten jener neueren Schiefer, welche stellenweise tief ausgehöhlt sind und nur durch Pfeiler von größerer oder geringerer Stärke, regelmäßig in der Quere stehend, getragen werden. Auf der Hinteren nördlichen Seite dieser Felsen fließt ein kleiner klarer Bach in einem sehr engen Thale herab, dessen ganze Umgebungen einen mehr heiteren, ruhigen Character tragen. Im Süden, den Gebäuden gerade gegenüber, erhebt sich das linke Lahnufer mit einer Häusergruppe und der katholischen Kirche, sowie weiterhin mit kolossalen, größtentheils pyramidenförmigen Gebirgsmassen, welche vom Fuß bis zum Gipfel üppig bewachsen und alle paar tausend Schritte von einem engen Thale Heil und Huldigung dir, Emseria, göttliche Nymphe! Mütterlich nährte dich selbst die Natur in thauender Grotte, Wo sie dich einsam erzog, und ewig blühend in Jugend Sahst du Aeonen entflich'n. Alt ist dein Ruhm, Hygieens Priester verehrten dich schon in den grauen Tagen der Vorzeit. O sei, Göttin, hinfort auch jeglichem hold und gewogen, Der mit frommen Gelübden dir naht. Vor allen erbarme Dich der Verlassenste», die den bekümmerten Arzt um Genesung Trostlos flehn, damit dich dereinst noch Sänger der Nachwelt Durch unsterbliche Lieder verewigen unter den Menschen. durchschnitten sind. Ueberhaupt ist hier kein Punct, wo das Auge auf kahlen und unfruchtbaren Thonschicserfelsen ruhen müßte. Wo keine Feld- und Gartengewächse mehr gedeihen, sind die Felsenritzen doch mit Haselnuß- und andern Stauden, selbst noch Buchen und Hainbuchen bewachsen, die dann zuletzt mit der Kuppe des Berges in Hochwald übergehen. An den stellenweis beinahe senkrechten Felswänden windet sich wenigstens noch der Epheu in malerischen Gehängen hinauf und bringt so eine reizende Mannigfaltigkeit in die grotesk romantischen Ansichten. Die in ziemlicher Breite und Tiefe dicht vorbeifließende Lahn vollendet das Bild der angenehmsten Landschaft. Der Badeort selbst zieht sich in einer einzigen Häuserreihe längs dem rechten Lahnufer hin und enthält manches große und schöne Gebäude. Die Zahl der Häuser, in welchen Fremde beherbergt werden, beträgt 87, und in denselben sind gegen 1270 größere und kleinere Zimmer enthalten. Es ist jedoch hier nicht wie in Wiesbaden der Fall, daß viele Wohnhäuser Badevor- richtungcn enthalten, vielmehr sind nur drei Gebäude im Besitz derselben. Das größte davon ist das herzogliche Kurhaus, ein altes massives, ziemlich ausgedehntes Gebäude mit etwa 200 Zimmern und 48 bequem und zum Theil geschmackvoll eingerichteten Bädern. Es besteht eigentlich aus zwei unmittelbar mit einander verbundenen Gebäuden, dem unteren Badchaus oder dem ehemaligen Darmstädtischen Haus von 1580 und dem oberen Kurhaus oder dem Oranischen Haus von 1710. In demselben befinden sich die beiden Haupttrinkquellen: das Krän- chen und der Kesselbrunnen. Die beiden andern Badehäuser sind das steinerne Haus, mit eigner Quelle und acht Souterrainbädern (früher Kurmainz gehörig, setzt herzoglich) und die sogenannten Vier Thürme mit sieben Bädern, welche ihre Quelle jedoch nicht im Hause haben, sondern das Wasser vermittelst einer Leitung aus der Quelle erhalten, die sich an der alten Lahnmauer, in der Nähe des Kurhauses, befindet. Außerdem besteht noch ein Armen bad mit besondern Quellen und sechs Bädern, in welchem durch den eignen Fonds der Anstalt und durch die Kollekten bei den Kurgästen jährlich über hundert hülfsbedürftigen Kranken des In- und Auslandes unentgeldlich verpflegt und ärztlich behandelt werden. Im Ganzen zählt man 15 warme Heilquellen von 20 bis 40° N. Kohlensaures Natron bildet den vorwaltenden festen Bestandtheil; außerdem kommen noch kohlensaure Erden, schwefelsaures und salzsaures Natron, Eisen, Mangan und Li- thion vor. An flüchtigen Bestandtheilen enthalten sie kohlensaures Gas und Stickgas, ersteres häufig in beträchtlicher Menge. Sie gehören zu den nicht zu stark eingreifenden Mitteln, sind weniger abführend und aufregend, als auflösend und sagen deßhalb besonders dem weiblichen Organismus und Personen von zarter Konstitution zu. Man gebraucht sie sowohl zum Baden wie zum Trinken; zu letzterem jedoch nur das Wasser von den bereits genannten Trinkquellcn, dem Kesselbrunnen und dem Kränchcn. Gewöhnlich wird der Kesselbrunnen des Morgens, das Kränchen aber des Abends getrunken. Ersterer liefert eine so reichliche Quantität Wasser in seinen beiden Becken, daß im Mai 1840 schon 9000 Krüge, darunter zum ersten Male nach Batavia versendet waren; letzterer hingegen rinnt nur sehr sparsam aus einer einzigen Röhre. Von denjenigen Quellen, die nur zu Bädern und Donchen angewendet werden, genießt die Bubenquelle durch ihre ckouebe aseenckante den Ruf, schon manchen stillen Wunsch kinderloser Frauen erfüllt zu haben. Auch eine Zwillingsquelle, Fürstenquelle u. s. w. ist vorhanden. Im Flusse selbst am rechten Lahnufer sprudeln einige Fuß vom Lande einige kleine warme Quellen hervor und nicht weit vom linken Ufer ist die sehr starke Pferdebadequelle, welche jedoch nicht angelegt, sondern nur bei sehr niedrigem Wasser, im Juli und August, sichtbar ist und dann zum Baden steifer und lahmer Pferde gebraucht wird. Außerdem zeigen sich, den Badehäusern gegenüber, im ganzen Lahnbette unzählige, zum Theil sehr starke Gasausströmungen, deren unaufhörliche Blasenbildungen von Ununter- richteten für Quellen gehalten werden. Die körperlichen Leiden, die Heilung oder Besserung in EmS finden, sind hauptsächlich Stockungen in den Unterleibsorganen, Krankheiten der AthmungSwerkzeuge, Neigung zur Heißerkeit, Verschleimung. Den ausgezeichneten Wirkungen in jenen Krankheiten verdankt Ems allein seinen bedeutenden Ruf, da es seine beschränkte Lage und das wegen drückender Schwüle an heißen Tagen und empfindlichen Zugluft an kühlen Abenden ungünstige Klima sonst wenig empfehlen. Die Frequenz, besonders von den höchsten Herrschaften, ist mit jedem Jahre im Zunehmen begriffen und beträgt jetzt mehr als das Doppelte wie vor 10 Jahren. In gleichem Verbältnisse verschönert sich die Stadt mit jedem Jahre an öffentlichen Gebäuden und Promenaden, wozu nur im Frühjahr 1840 täglich 800 Menschen beschäftigt waren. Das Straßenpflaster ist neu hergerichtet und die Hauptstadt durch drei Springbrunnen mit marmornen Einfassungen und geschmackvollen Ausschmückungen geziert. Im Sommer 1839 wurde das herzogliche Conver- sationshaus eröffnet, welches den Ballsaal, die Restaurations- locale und die Spielbank enthält. In Verbindung mit demselben steht die auf 24 Marmorsäulen ruhende Colonnade, unter der sich die in London gefertigten eisernen Kaufläden befinden. Die ^bedeutendsten Gasthöfe sind: der Russische Hof, das Kurhaus, der Englische Hof und der Darmstädtische Hof (mit der Post) und dem König von Preußen. Vorzügliche Privat- häuscr sind: die alte Post, der Braunschweigische Hof, die drei Reichskronen, die vier Jahreszeiten, die Kaiserkrone, die Stadt Wiesbaden, der goldne Schlüssel, der Bayerische Hof :c. Freunde der Lcctüre finden im Kurhause das Lesekabinct der Kirchbcrger- schen Buchhandlung mit deutschen, englischen und französischen Journalen. Die Umgebungen von Ems bieten viel Schönes und Interessantes dar. Wir wollen erst die näheren und dann auch die entfernteren anführen. Zehn Minuten unterhalb der Badehäuscr liegt das freundliche Dorf Ems, wohin die Chaussee zwischen fruchtbaren Feldern und Gärten führt. Im Dorfe selbst theilen sich zwei Wege; der eine rechts führt eine halbe Stunde in einem lieblichen fruchtbaren Thale aufwärts auf die sogenannte Silberhütte oder Silberschmelze, wo man alle Arten der bergmännischen Vorrichtungen und das Schmelzen der Metalle aus den rohen Erzen sehen kann; (auch der sehenswerthe Proceß des Silberblicks kommt oft vor); der andere nicht minder angenehme Weg links führt ebenfalls eine halbe Stunde weit unmittelbar längs der Lahn nach Fachbach, wo ein guter rother Wein wächst. Eine Viertelstunde vom Dorfe Eins, an dem nach der Auf, einem sehr romantischen Thal führenden Wege, liegt die Pfingst- weide, ein sehenswerthes Berg- und Hüttenwerk, in welchem Blei, Silber und einiges Kupfer gewonnen wird. Ein kleines halbes Stündchen von Ems entfernt, auf dem linken Lahnufer, liegt das vielbesuchte romantische Linkebach. Es ist dies die mit mehreren Gebäuden und Bäumen besetzte Oeffnung eines engen Thals, worin höher hinauf ein Bergwerk betrieben wurde. Die von da bis an das Lahnufer terrassenförmig sich erstreckenden, größtentheils mit Rasen bewachsenen alten Hallen (große Haufen aus den Gruben geschaffter, nicht metallhaltiger Steine und Gerille) bieten die angenehmsten Ruheplätze mit einer reizenden Aussicht auf die Lahn, Bad und Dorf Ems dar. Anmuthige Spaziergänge führen ferner, diesseits, nach Kemnau, jenseits aber den Spieß- und Winterberg hinauf, wo sich allenthalben die herrlichsten und überraschendsten Aussichten in die tiefen, wunderbar gestalteten Thäler eröffnen. Diese Parthicn werden am schicklichsten zu Esel besucht und der Berg vor Kemnau wohl nur Vormittags, da er ganz gegen Süden liegt und Nachmittags die Hitze dort unerträglich werden kann. Eine Stunde von Ems rechts von der Silberschmelze führt ein schmaler, auf beiden Seiten mit Laubwerk eingeschlossener Weg nach der schönen Ruine Sporkenburg, von der nur noch einige Thürme uud die Ringmauern stehen. Die Bauart der Burg ist sehr überraschend. An den Ecken scheinen schlanke mit der Mauer verbundenen Thürme zu stehen; aber bei näherer Ansicht sind es Säulen, deren Knäufe an das Dach angeschlossen waren und sich in Menschenköpfen endigten. Die Geschichte dieser Burg ist uns unbekannt, bis 1309, wo sie Heinrich von Helfcnstcin von Trier zu Lehen trug. Seit dem erscheint diese Familie ununterbrochen in ihrem Besitze, bis sie 1500 an Johann von Nassau übergieng, der sich von nun an mit seinen Nachkommen Herr zu Sporkenburg nannte. Nach Erlöschung dieses Geschlechts (1601) erhielt sie Johann Dietrich von Met- ternich, ein Sprosse der Gräflich Mctternich-Winneburgischen Familie, die sie fortan unter dem Namen einer Herrschaft besaß. Im 1.1621 stand die Burg noch erhalten. Ihre spätern Schicksale scheint sie mit den benachbarten Burgen getheilt zu haben. Der Lahn aufwärts führt die schöne Chaussee nach dem ein Stündchen von Ems entfernten, angenehm liegenden Dorfe D au - senau, welches noch ganz mit seinen alten Ringmauern und Thürmen umgeben ist. Eine halbe Stunde weiter aufwärts liegt, auf dem linken Lahnufer, Berge Nassau, ein Weiler, wo die Eingänge zu einem Silbcrbcrgwerke sind. Gegenüber aus dem rechten Lahnufer zieht sich das Städtchen Nassau hin, vor alten Zeiten eine Villa Karls des Großen und Aufenthalt der Kaiser, wenn sie in dem Sporkenwald jagten. Jenseits der Lahn, über welche hier eine schöne Kettenbrücke von Baumeister Lösten führt, erhebt sich, dem Städtchen gegenüber, groß und malerisch, ein mit Bäumen und Gesträuchen bewachsener Bergkegcl, auf dessen Gipfel die Trümmer der Burg Nassau hervorragen. Der Thurm der alten Beste ist noch gut erhalten, nur ist der Eingang beschwerlich. Im Innern führt eine Treppe auf die Höhe des Thurms, wo die Aussichten in die wilden Bergumgebungen sehr ansprechend sind. Unterm Thurm ist noch das Burgverließ. Ihren Ursprung verdankt die Burg dem Grafen von Laucrnburg, Stammhcrrn der Grafen von Nassau, um 1101. Nach mehreren Streitigkeiten dcrLauern- burger mit Worms wurde sie, durch Vermittlung mit Trier und des Kaisers Lothar, 1158 an Nassau belehnt, welche den Namen von Lauernburg mit dem von Nassau vertauschten und sie von nun an zur Landesburg und zum Hauptsitz der Familie erklärten. Als solcher blieb sie von 1255 an bis auf die neueste Zeit gemeinschaftliches Eigenthum der Walram- uud Ottonischen Linie. Auf der Nordscite unter der Ruine Nassau, auf einem schroffen ungeheuren Felsblock, der sich in der Urzeit einmal vom großen Kegel getrennt haben mag, liegen die Ruinen der Burg Stein, kühn und malerisch. Der Vater des Ministers von Stein ließ die Waldumgebungen zu einer höchst anziehenden englischen Anlage einrichten. Der Weg geht im Zickzack, zwischen Bäumen hinauf; an verschiedenen Stellen sind Ruhesitze angebracht. Auf einem Vorsprunge steht ein kleiner offener Tempel, mit herrlicher Aussicht, besonders auf das schöne Seitenthal, aus welchem der Mühlbach in die Lahn fließt. Mit dem Minister von Stein, dem Deutschland so viel verdankt, ist 1831 diese Linie ausgestorben, und die schöne Besitzung gehört nun seinem Eidam, dem Grafen von Giech. Unter den entfernteren Puncten verdient vor allen das Kloster Arnstein, eine Stunde von Nassau, besucht zu werden. Die anziehendste Ansicht davon genießt man von dem gegenüber liegenden Schloß Arnstein. Unter sich sieht man von hier den steilen, mit Weinreben bepflanzten Berg, das auf einem schmalen Thalgrund, zwischen dem Abhang des Gebirgs und der Lahn hingedrängte Dorf Obernhof, und den durch das enge Thal sich windenden Strom, gegen sich über, fast in gleicher Höhe, die weitläuftigen schönen Klostergcbäude der ehemaligen Prämonstratenscrn-Abtei mit ihren prächtigen Thürmen. Nicht minder belohnend ist der Ausflug nach der Kapelle von Winden, ebenfalls eine Stunde von Nassau. Der beste Weg dahin führt aus letzterm Ort durch ein fruchtbares freundliches Thal mit einigen Mühlen, von dessen Ende an aber steil durch den Wald bis Winden. Auf eine halbe Stunde im Umkreis trifft das Auge hier zwar blos auf Feld und Wiesen, und es scheint sich der Mühe nicht zu lohnen, hierher gegangen zu sein, allein nur wenige Minuten weiter bei der Kapelle selbst eröffnet sich plötzlich der überraschendste Anblick: man sieht hier nämlich auf einmal die höchst mannigfaltig und seltsam geformten Gipfel von wenigstens zehn Bergkolossen tief unter seinen Füßen liegen! Einen reichen Genuß gewährt endlich auch der Ausflug zur Mündung der Lahn in den Rhein, unter der Ruine Lahneck, besonders wenn man denselben bis Koblenz ausdehnt, wohin man auch über einen steilen Berg in l'/z Stunde gelangt, und auf den Höhen über Thal-Ehrenbreitstein stehend ein entzückendes Panorama vor sich ausgebreitet sieht. Wir fügen zum Schlüsse noch die wichtigsten Momente zur Geschichte von Ems hinzu. Emö war seiner warmen Quellen wegen ohne Zweifel schon den Römern bekannt, wie dies die aufgefundenen Ueberreste von Befestigungswerken, Legionssteine (der 22. Legion), römische Gräber, Münzen, Urnen, Krüge, Lampen ic. darthun. Nach der Zeit der Römer scheint es, soweit aus Urkunden hervorgeht, zu den Besitzungen der Grafen des Niederlahngaus und zwar zum Einrich (Anirich, Airich, d. i. die von der Ahr durchströmte Gegend) gehört zu haben. Die älteste Urkunde, die wir von Ems besitzen, vom I. 1173, zeigt es uns im Besitz des Grafen von .Nassau, Ruprechts II. oder des Streitbaren, der auch bereits wegen der Emser Bergwerke mit dem Erzbischof Hittin von Trier eine ernsthafte, aber siegreiche Fehde hatte. Als warmes Bad kommt es urkundlich indeß nicht früher als im I. 1355 vor, in welchem der Erzbischof Wilhelm von Köln den Grafen Johann von Nassau mit dem Dorfe und warmen Bade Ems (Eimetz) belehnt. Im I. 1324 erhielt Graf Em- mich I. von Hadamar von König Ludwig von Baiern Stadt- sreiheit für Ems, wovon aber kein Gebrauch gemacht wurde. Im I. 1403 kam durch die Heirath des Grafen Ruprechts kinderlose Wittwe Anna mit Graf Diether VI. von Katzeneln- bogen der Antheil an der Vogtei Ems vermittelst eines Kauf- contracts an des letztern Sohn früherer Ehe, Johann von Katzen- elnbogen. Mit diesem vertrug sich 1438 Graf Johann mit der Haube von Dillenburg, nebst seinem Bruder Engelbert, über vier neu anzulegende Bäder in Ems, welche vas abgetheilte Oranisch- Nassauische Badehaus begründeten, da das frühere Badchaus gemeinschaftlich war. Durch Erbverträge kam endlich auch Hessen- Darmstadt in Mitbesitz von Ems, und zwischen 1570 und 1580 baute Landgraf Wilhelm VI. ein Badehaus zu EmS, den jetzigen Lahnbau, welchen 1696 Landgraf Ernst Ludwig theils reparirte, theils neu aufbaute und vergrößerte. Zu Anfang des 18. Jahrhunderts baute Nassau-Oranien das große obere Kurhaus. Ziemlich frühe wurden übrigens die Aerzte auf die großen Heilkräfte der Emser Quellen aufmerksam; denn bereits 1535 werden die Bäder in EmS von dem gelehrten Professor in Marburg, Johann Dryander als „berühmte" Bäder beschrieben. Am weitläuftigsten unter allen älteren Beschreibungen dieser Art ist die des „Embsischcn Bades" von Marsilius Wcigel 1627, worin nicht blos die Badeanlagen in Ems nach ihrer damaligen Beschaffenheit ausführlich beschrieben, sondern auch die 32 Krankheiten namentlich angegeben werden, in denen der Gebrauch der Emser Bäder heilsam sei. In jenen Zeiten scheinen übrigens alle Bäder unbedeckt gewesen zu sein. Denn nach Mcrian's Hessischer Topographie fand man noch nach 1627 dort theils bedeckte, theils unbedeckte Bäder, „die nur jeden Abend einmal wie Fischweiher abgelassen und mit Besen gekehrt wurden, damit ganz keine Unsauberkcit darinnen bleibe." Nach Weigcl ist der berühmteste Lobredner von Ems Johann Daniel Horst aus Gießen (ä 1685 zu Frankfurt als erster Stadtarzt, welcher neben seinen vielen gelehrten Schriften auch eine kleine Abhandlung (deutsch und französisch) über die Emser Bäder herausgab. Er besuchte Ems seit 1638 persönlich 42 Jahre lang und erwähnt, daß damals diese Bäder, trotz derer in Schweden, doch von vielen schwedischen Ministern und ausländischen Potentaten gebraucht worden wären. In historischer Hinsicht ist Ems durch die sogenannte Emser Punctation bekannt. Man bezeichnet mit dieser Benennung den Congrcß, zu welchem im Sommer 1786 die vier deutschen Erz- bischöfe, von Mainz, Trier, Köln und Salzburg gegen die Anmaßungen der römischen Kurie sich hier versammelten, ohne jedoch, trotz des ihnen von Kaiser Joseph II. ihnen zugesagten Schutzes, Etwas dagegen auszurichten. K i m b tt r g. ^iese Stadt, zugleich Hauptort eines Amts, hat 3500 Einwohner. Sie liegt an beiden Ufern der Lahn und zwar der ältere Theil, oder die eigentliche Stadt, am linken und die Neu- oder Vorstadt am rechten Ufer des Flusses, über den eine steinerne Brücke von 7 Bogen führt. Neben derselben ist eine Schleuse angelegt, wodurch die zu Berg und zu Thal gehenden Schiffe fahren, da der Fluß, behufs der Mühlen, von einem Wehr durchschnitten wird. Die Zugehörungen des Ortes sind: die beiden Heiligenkreuz-Kapellen, an der nach Koblenz führenden Straße und auf dem Hammerberge, die Ober- und Untermühle, 4 Loh-, 5 Gyps-, 2 Oel- und 3 Walkmühlen, 3 Ziegelhüttcn und Kalkofen und 9 Töpfer-Werkstätten mit Brennofen. Die Stadt, in frühern Zeiten Lindpurk genannt, entstand allmälig unter dem Schutze der auf dem Felsen, in einiger Entfernung vom linken Ufer der Lahn, thronenden Burg Konrad Kurzbold des Saliers. Von diesem Dynasten wurde auch von 910 bis 940 die noch stehende Domkirche, aufgeführt. Man steigt zu der freien Höhe, auf welcher sich dies herrliche Denkmal alter Baukunst erhebt, aus den engen winkligen Straßen der Stadt auf 46 Stufen in mehren Absätzen hinan. Die Ueberschrift des Hauptportals der Kirche ist: „kZasiliea Lancti (leorgii iVIarHrig." Nichts imposanteres als dies Portal im reinsten byzantinischen Styl, über das sich auf der Vorderseite zwei Thürme erheben. Außer denselben ist das 1766 erneuerte Gotteshaus noch mit einem spitzen Mittelthurm und einem kleinen Seitenthurm (der zweite noch fehlende soll ebenfalls erbaut werden) geschmückt. Das Innere des höchst merkwürdigen Gebäudes ist, wenn auch nicht so großartig wie das der Dome zu Köln, Straßburg, Speier zc>, doch sehr eigenthümlich, sowohl in seiner Form überhaupt, als in den ringsum laufenden Empor-Bühnen und der anderweitigen architektonischen Ausschmückung. Seine beachtungswerthesten Denkmale sind: ein uralter Taufstein und das Grabmal des ersten deutschen Kaisers Konrad, der 32'/? Jahr alt, vor Vollendung des Doms starb. Ein gutes Holzbild, Christus die Brode segnend, ist von 1599. Die schöne Holzkanzel von 1609, mit vielen Figuren geschmückt, wurde von einem Schäfer geschnitzt. Auch das Wappen der Grafen von Diez, von 1638, ist sehenöwerth; eben so verdienen einige altdeutsche Bilder nicht unbeachtet zu bleiben. Die Aussicht pom südöstlichen Thurm des DomS, dessen oberster Theil auf einer äußern Gallerie ganz umgangen werden kann, ist eben so abwechselnd als interessant. Man überblickt die ganze Stadt und ihre freundliche Umgebung. Am nächsten gelegen in der ersten ist der Konradsbau, die alte Kaiserpfalz, hinter der Kirche, wovon ein geringer Theil in dem alten Zustande (doch wohl nur aus dem des 14. oder 15. Jahrhunderts) sich befinden soll, während alles Uebrige Anbau aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist. Man sieht auf dem Thurm auch die alte Templer-Kirche und das dazu gehörige ehemalige Kloster, die Johannis-Kirche, die bischöfliche Kapelle, früher Kirche des Franziskaner-Klosters, worin sich einige gute altdeutsche Gemälde befinden, den wal- derdorfer Hof, das Seminar und die Stadtschule, die uralte Lahnbrücke, die Münze, den in der Stadt gelegenen Begräbniß- platz, der in neuester Zeit erweitert worden, und viele andere Gegenstände. Die vorzüglichsten der benachbarten Orte, welche man gewahrt, sind: Holzheim, mit der Burg Arteck, Flacht, Freien- diez, Diez, Altendiez, die Peters - Kirche, Heistenbach, Aull, Oranicnstein, Hambach, Gückingen, Staffel, Elz, Nieder- Hadamar, Hadamar, Offheim, Dietkirchen, Dehrn mit seiner Burg, Eschhofen, Mühlen, Ennerich, Ahlbach, Ober-Tiefenbach, Mercnberg w. Auf der Seite gegen Diez nnd die Lahn hat sich Limburg in den letzten Jahren bedeutend verschönert. Eine neue breite Straße, an der Lahnbrücke beginnend, zieht sich um den alten Stadttheil und führt, mit Umgehung der bisherigen engen, höckerigen und schlechtgepflasterten Hauptstraße, zur Post. Sie ist auf der Seite gegen Diez gerade und breit, mit mehreren schönen Häusern bebaut und wird binnen einigen Jahren einen auffallenden Kontrast mit den Gassen bieten, woraus der ältere Stadttheil besteht. Bedeutender Kleinhandel, durch einen Wochenmarkt, mehrere Jahrmärkte und große Viehmärkte belebt, zahlreiche Gewerbe und nicht unbeträchtlicher Feldbau, verbreiten ziemlichen Wohlstand. Schon im 13. Jahrhundert wird Limburg eine Stadt genannt; ihr Gebiet erstreckte sich jedoch nicht über ihre Mauern hinaus und die Gemarkungen der Dörfer Kreuch, Esch- hofen und Freiendiez reichten bis an dieselben, weshalb der Ort bei jeder Zwistigkeit der Gefahr preisgegeben war, von den Grafen von Die; umschlossen und berannt zu werden, was auch oft genug geschah. Allein eben dieser Beschränkung wegen konzentrirten sich die Einwohner auf sich selbst, verdoppelten ihre Kraft und gaben ihrer Gewerbthätigkeit eine solche Entwickelung, daß Limburg bald der Mittelpunkt alles Verkehrs für die ganze Umgegend, bis zum Westerwald, der montabaurer Höhe und dem Taunus wurde. Die natürliche Folge davon war, daß seine Bewohner zu nicht geringem Wohlstande gelangten, der 1356 durch Abschaffung der kaiserlichen Zollstätte, durch Karl IV., noch vermehrt wurde, während die Stadt im folgenden Jahre das Recht erhielt, zu ihrem eignen Vortheil einen Brückenzoll erheben zu dürfen. Die Namen Brod-, Fisch-, Roß- und Schuhmarkt, welche einzelne Plätze und Gassen der Stadt bezeichnen, wann schon im 13. Jahrhundert im Gebrauch. Mit ihren Dynasten, den Herren von Limburg (einer Seitenlinie des Hauses Jsenburg), hatten die Bürger 1279 und in den spätern Jahren blutige Kämpfe um ihre Freiheit und Selbstständigkeit zu bestehen. Es gelang ihnen endlich ihre Gegner auf den alleinigen Besitz der Burg, womit sie zugleich die Verbindlichkeit der Beschützung der Stadt übernahmen, und den Bezug der Bede zu beschränken. Im Uebrigen hatten die Bürger ihre sclbstständige Verwaltung und ihr eignes Stadtgericht. Dem wohlwollenden Einflüsse der Kurfürsten von Trier hat Limburg die Erweiterung seines Weichbildes, bis zu den jetzigen Grenzen desselben, die 1494 durch den bertramschen Vertrag erfolgte, zu verdanken. Auch die zahlreiche Burgmannschaft, welche am Fuße des Schlosses ihre Burghäuser hatte, trug nicht wenig zur Vermehrung des allgemeinen Wohlergehens bei. Das Georgsstift beim Dom bestand aus 16 Chorherren, welche während der ersten Jahrhunderte unter einem Probst in klösterlicher Gemeinschaft lebten. Von der uralten Nikolai- Kirche, die um 836 durch den Erzbischof Hetti von Trier eingeweiht wurde, ist keine Spur mehr vorhanden, eben so wenig als von der Laurentius-Kirche, die 1607 einstürzte. Auch das Wilhclmiten-Kloster, auf einer Insel in der Lahn, ist nicht mehr vorhanden. Es wurde 1322 in die Stadt verlegt und die neuen Gebäulichkeitcn desselben 1573 an die Bürgerschaft abgetreten. Die Mönche zogen in die Burg, wo sie bis zur Auflösung ihrer Gemeinschaft blieben. Die Franziskaner bauten ihre Kirche um Mitte des 13. Jahrhunderts. Sie standen dem in neuern Zeiten hier errichteten Gymnasium als Lehrer vor. — Limburg ist 10 Stunden von Koblenz, 9 St. von Wiesbaden, 14 St. von Frankfurt, 6 St. von Weilburg und 12 St. von Dillenburg entfernt. WN e i l b u r s Ehemalige Residenz der Fürsten von Nassau-Weilburg, von denen, nach dem Aussterbcn aller übrigen Zweige der walramschcn Linie, die gegenwärtigen Herzoge von Nassau abstammen. Die äußerst malerisch auf einem Vorhügel, am linken Lahnufer, gelegene Stadt, enthält, ohne die Garnison, eine Bevölkerung von 2600 Seelen. Seit der Verlegung der herzoglichen Residenz nach Wiesbaden und Biebrich, hat Weilburg sowohl an Lebhaftigkeit, als an Wohlstand und Annehmlichkeit viel verloren. Die schmale Hügel-Halbinsel, worauf es liegt, und die auf drei Seiten von der Lahn umschlungen ist, der äußere Anblick der Stadt, mit dem hochgelegenen herrschaftlichen Residenz-Schlosse und die schönbebüschtcn, mit Landhäusern geschmückten Höhen am rechten Ufer, verleihen ihm eine gewisse Aehnlichkeit mit Bern, jedoch nur im verkleinerten Maßstabe. Im Innern der Stadt hört die Aehnlichkeit auf. Nachdem man von der schönen Steinbrücke über den Fluß den Abhang angestiegen, welcher dreimal länger, aber weniger bebaut ist als der Stalden zu Bern, gelangt man auf eine geräumige Terrasse, unter welcher die ziemlich große Kaserne des in Wcil- burg in Besatzung stehenden Theiles des ersten Infanterie-Regiments erbaut ist. Zur Rechten zieht sich eine mittelbreite, 5 Minuten lange Straße bis zum frankfurter Thor. Gradeaus erhebt sich eine andere nicht zum besten gepflasterte Straße gegen den viereckigen Markt und das etwas höher gelegene herzogliche Schloß. Alle übrigen Gassen sind schmal, winklig, bald bergansteigend, bald ziemlich steil sich hinabsenkend. Die Häuser sind im Durchschnitt gut gebaut, größtentheils zwei- und dreistöckig. Man sieht es ihnen auf den ersten Blick an, daß sie früher stärker bewohnt und daß ihre Eigenthümer ehemals wohlhabender waren. Das Schloß bietet keine imposante Vorder-Seite, doch ist es nicht ohne Geschmack gebaut, geräumig, im Innern fürstlich eingerichtet und von reizenden Gärten, in verschiedenen Abtheilungen und Terrassen, umschlossen. Es wurde zu Anfang des 18. Jahrhunderts, nebst dem schönen Marstall, dem Rcithanse und andern Gebäuden aufgeführt. Säle und Zimmer sind schön möblirt und enthalten manche Knnstgegenstände von Werth. Der schön angelegte Garten ist mit Bildsäulen, Vasen, Springbrunnen, Gallerten, einer Orangerie und vielen seltenen Pflanzen geziert. Gegen die Lahn ruht er auf einer hohen Mauer, die bald nach ihrer Erbauung einstürzte, aber stärker und fester wieder hergestellt wurde. Sehenswcrth ist auch die Kirche im Schloßgarten. Sie ist mit einer hölzernen Wölbung versehen, woran die Arbeit recht gut ist. Kanzel und Orgel sind Meisterwerke. Von dem am Markt stehenden Glockcnthurm hat man eine befriedigende Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebung. Im obern Theile des Thurms ist ein großer kupferner Behälter, in welchem sich das von jenseit der Lahn über eine hölzerne Brücke hergeleitete Wasser sammelt, welches die Lauf- und Springbrunnen im Schlosse, im Lustgarten und in der Stadt versorgt. Neben dem Tburm ist das hübsche Rathhaus. In der Mitte des von freundlichen Häusern umschlossenen Marktplatzes erhebt sich ein großer, mit Bildhauereien verzierter Laufbrunncn. Die evangelische Pfarrkirche ist größer und ansehnlicher als die katholische. Beide enthalten einige gute ältere und neuere Gemälde, Steindenkmale und Holzschnitzereien. Das seit 1817 bestehende Landes-Gymnasium *), bisher das einzige im ganzen Herzogthum, dem nun ein zweites in Wiesbaden zur Seite gestellt werden soll, ist eine eigentliche Vorbereitungs - Anstalt für die Universität. Als solche steht sie unter der Leitung eines Direktors, der den Titel Oberschulrath hat. Fünf ordentliche Lehrer oder Professoren und mehrere Neben-Lehrer sind dabei angestellt. Der Unterricht wird in 4 Hauptklasscn ertheilt, in deren jeder in der Regel die Schüler ein Jahr verweilen. Die Zahl der letzten beträgt zwischen 14V und 15V. Das Gymnasial-Gebäude ist von 1780. Gcwcrbthätigkeit und Handel sind in Wcilburg nicht von Bedeutung. Die Stadt hält einen Wochenmarkt und fünf Jahrmärkte. Viel wichtiger sind die in der Umgegend in großer Zahl bearbeiteten Eisen-Bergwerke und Gruben. Auch die Baumschule, welche ziemlich starke Versendungen macht, darf nicht übersehen werden, eben so wenig als die in der Nähe der Stadt am Wcilbach, in reizender Gegend, gelegene wimpfische Anlage, bestehend aus einer großen Papier-Mühle und Steingut-Fabrik, einer Mahl- und Walk-Mühle und mehreren Nebcn- Gebäude». Das weilburgcr Steingut-Geschirr ist sehr geschätzt, wird weithin ausgeführt und dem von Wedgwood gleich geachtet. Die neuen verbesserten Buchdrucker-Pressen, welche aus der Eisenhütte zu Löhnberg hervorgehen, dürfen ebenfalls nicht *) Es war seit der Kirchen-Reformation eine lateinische Schule und seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts Gymnasium für die nafsan-wcilburgschen Lande. unbeachtet bleiben. Der eben genannte Flecken von 70V Einw. liegt s/4 Stunden nordöstlich von Weilburg, am rechten Lahn- Ufer. Seine Burg, deren Erbauer Graf Johann von Nassau- Dillenburg war, ist ganz verfallen. Die in dem Hütten- und Hammer-Werke zu Audenschmiede, Weiler von 60 Einwohnern, s/4 Stunden oberhalb Weilmünster, verfertigten Zirkulir-Oeftn werden ziemlich weit verschickt. Durch die beabsichtigte vollständige Schiffbarmachung der Lahn bis Gießen oder Marburg, würden auch Handel und Verkehr von Weilburg sich vermehren, und die jetzt noch wenig bedeutende Schiffbauerei auf der hiesigen Werft könnte zu größerer Entwickelung gelangen. Hinsichtlich dieser Schiffbarmachung beabsichtigt man ein Weilburg unmittelbar betreffendes großartiges Unternehmen, nämlich einen Tunnel, oder unterirdischen Kanal, der von der Gegend des untersten Wehrs dieses, wie das oberste Wehr, mit Inbegriff der Wasser-Leitungs- und der eigentlichen Lahnbrücke, umgehen, und unter der nach Wetzlar und Frankfurt führenden Straße hindurch geführt werden soll. Der Kosten-Anschlag für die beabsichtigten Arbeiten beläuft sich auf 120,000 fl. Gewiß ist es Weilburg zu wünschen, daß es wieder zu einiger Aufnahme gelange, was, im Verein mit einer regelmäßigen Beschiffung der Lahn, durch leicht gebaute Dampfbote, von der Mündung dieses Flusses bis hierher, auch durch eine noch größere Entwickelung des Bergbaues und der Ausbeutung der schönen Wälder in der Umgegend, erzielt werden kann. Die Umgebung der Stadt gehört zu den malerischsten und reizendsten im Hcrzogthnm Nassau. Auf keinem Punkte bieten sich so mannigfache und großartige Fluß-, Fels- und Waldpartien, als bei Weilburg. Die vielfach sich wiederholenden Krümmungen der Lahn, die auf eine kaum einstündige Strecke viermal nach der Richtung, von woher sie gekommen, zurückzuströmen scheint; die tiefeingeschnittcnen Thäler und Schluchten zu beiden Seiten, namentlich der Thalgrund des Weilbaches, der bis zum Feldberg hinanreicht, und wo es von Ortschaften wimmelt, wovon der Flecken Weilmünster, mit 1500 Seelen, die bedeutendste ist; der I V4 Stunde von der Stadt entfernte Thiergarten, bei Hirschhausen, ein von einer hohen Mauer umschlossenes Viereck von Stunde im Umfang, worin nicht allein das verschiedenartigste Edelwild gehegt wird, sondern auch mehrhundertjährige Eichen und Buchen ihre gewaltigen Laubdächer ausbreiten: das sind nicht von Menschenhand, sondern von der Natur geschaffene, prachtvolle Gegenstände, welche man nirgend so nahe zusammengedrängt und in solchem Vollmaße genießen kann, wie hier. Dadurch sowohl, als durch seine eigenthümlich romantische und schöne Lage, hat Weilburg viel Anziehendes für den Reisenden, und es ist außer allem Zweifel, daß wenn die Verbin- dungs-Mittel, namentlich auf der Lahn, zu größerer Erleichterung gediehen sein werden, diese so idyllisch gelegene Stadt in der schönen Jahreszeit ein Licblings-Aufenthalt wohlhabender Fremden werden wird. Die Geschichte dieser Stadt ist nicht ohne besonderes Interesse. Als Wilinaburg wird sie schon im 9. Jahrhundert genannt. Sie war der Hauptsitz des salisch-konradinischen Geschlechts, wo der 905 im Treffen bei Fritzlar gebliebene Graf Konrad von seiner Gattin und seinen Söhnen beerdigt wurde. Auch erblickte hier sein Sohn Konrad, der nachherige König der Deutschen, das Licht der Welt, doch schon 918 trugen ihn die trauernden Franken in seiner Stadt (in Livitsto su->) Wilinaburg zu Grabe. Sechs Jahre vorher war hier von ihm das Walburgisstift gegründet worden, welches im Jahr 1000, nebst dem Orte, an das Bisthum Worms vergabt wurde. Eine eigentliche Stadt war damals noch nicht vorhanden, in so fern man nicht die am Fuße des Schloßberges zerstreuten einzelnen Gebäude als solche betrachten will. Erst 1195 wurde die benachbarte Höhe bebaut, an deren Abhang gegen die Lahn allmälig eine Straße entstand. Ob König Adolf den Ort zur Stadt erhoben, ist ungewiß, nur so viel weiß man, daß er ihm bürgerliche Vorrechte zugestand. Jedenfalls muß seine Vergrößerung im Laufe der Zeit ziemlich rasch von statten gegangen sein, denn zu Anfang des 14. Jahrhunderts galt Weilburg schon als ein hübscher Ort, der seit 1355 die gewöhnliche Residenz der gräflichen Linie von Nassau-Weilburg und später auch Sitz der höhern Landes-Kollegicn war. Fürst Johann Ernst erbaute zu Anfang des 18. Jahrhunderts, nach den damaligen Begriffen ziemlich großartig und prachtvoll, das jetzige Schloß und die 1711 eingeweihte hübsche evangelische Kirche. Sein Verschönerungssinn dehnte sich über die ganze Stadt aus, die sich bald mit vielen freundlichen Gebäuden schmückte und eine der schönsten an der Lahn wurde. Sein Sohn Karl August vergrößerte Weilburg 1736 durch Anlegung einer Vorstadt, außerhalb der ZHalbinsel, worauf die eigentliche Stadt liegt. Er versprach den sich hier Niederlassenden völlige Religions - Freiheit und andere Vortheile. Seitdem wurde auch die breite schöne Linden-Allee angelegt, welche in der Richtung gegen Kubach hinansteigt und durch welche die Landstraße nach Frankfurt und Wetzlar sich zieht. Die hübschgebaute Vorstadt, deren Häuser jedoch nicht zusammenhängen, erstreckt sich vom frankfurter Thor bis zum Anfang dieser breiten Allee auf eine Länge von 1700 Fuß. Neuwied. ^!age. Zwischen zwei Wendungen von Morgen gegen Abend, welche der Rhein bei Urmitz und Andernach beschreibt, fließt der Strom bei Neu wird von Mittag gegen Mitternacht. Auf dem rechten Ufer ligt diese Stadt unter 50" 25' der Breite und 27° 7' 40" der Länge. Rings um dieselbe dehnt sich eine freundliche Ebene aus, die eine Länge von 2, und eine Breite von ^ Stunden hat. Sie wird von den äußersten Vorsprüngen des Wester-Waldes, dem Sapn-, dem Wiedbach und dem Rhein begrenzt. Das linke Stromufcr ist höher, nur gegen Andernach eben, sonst von mehren Hügel-Reihen durchzogen, welche zu dem System der Vorder-Eifel und des laacher Vulkans gehören. Boden. Es ergibt sich aus dem eben gesagten, daß der Kessel um Neuwied theils aus angeschwemmten Erdreich, theils aus vulkanischen Erzengnissen besteht. Wirklich kommen, selbst am rechten User, namentlich bei Engers, Bendorf, Hcimbach, Weiß, :c. häufig bedeutende vulkanische Aschen-, oder Tuff- und Bimsstein-Ablagerungen vor, während am linken Ufer theils schon verwitterte, theils noch feste Lava, vulkanischer Sand, Tuff, Schlacken, zc. zu Tage gehen. Die von dem laacher Feuerberg geschleuderten vulkanischen Bombe» sind tief in die Kalktnff-Lage» des Brohlthals versenkt; die meisten Eruptions- Tuffe befinden sich dagegen bei Plaidt, Kretz und Kruft, wo sie zur Traßbercitung ausgebeutet werden. Weiter oben bei Bell gräbt man die feuerfesten Backofen-Steine und die sogenannte» Weiber-Steine. Die Abhänge des Wcster-Waldes bieten Grauwacke; Basalte zc. zeigen sich erst auf der Höhe des Gebirges. Klima. Ein beständiger Luftzug, der durch die viele» Seiten- Thäler und den Streit der wärmern Luft in der Ebene mit der kältern des Wester-WaldeS entsteht, ist das am meisten auffallende Wahrzeichen der Witterung von Neuwied. Obschon im Winter die Kälte manchmal bis auf l5, ja 2V Grad R. steigt, friert der Rhein doch selten zu, und zu Schlittenbahn kommt es nicht oft. Schon im Februar wehen milde Lüfte, dagegen wird selbst im Sommer, bei 25 bis 27 Grad R., die Hitze nie drückendschwül Der heitern Tage sind im allgemeinen doppelt so viele, als der bedeckten. Im Herbst hat man starken Morgen-Nebel und schöne warme Nachmittage. Vegetation. Unter solchen Bedingungen kann der Boden des Kessels von Neuwied nicht anders als sehr fruchtbar sein. Die Ebene und das Ncttethal erzeugen Getreide und Hülsen-Früchte in großer Menge. Zn jenem Thale, wie bei Heddesdorf, Jrlich, Nieder- und Ober-Biber, Gladbach :c. ist der Obstertrag bedeutend. Auf der Hügel-Kette von Jrlich, bis Leudeödorf, wird viel Wein gebaut, der jedoch nicht zu den prciswürdigen Sorten gehört. Bevölkerung. In den ersten Jahren nach seiner Gründung (1649), hatte das aus dem Orte Langendorf erwachsene Städtchen Neuwied kaum 200 Einw,, eine Zahl, die sich bis zum Tode des Grafen Friedrich, gegen Ende des l7. Jahrhunderts, bis auf ll00 oder l200 vermehrt hatte. Seitdem stieg sie allmälig, vorzüglich um Mitte des vorigen Jahrhunderts, durch häufige Einwanderungen gcwerbsamer Menschen, die fast allen christlichen Glaubcns-Meinungen angehörten, und von deren friedlichen Zusammen-Lcben auch die Jsracliten nicht ausgeschlossen waren. Daher kam es denn, daß 1300 der Ort bereits 4000 Seelen enthielt, daß 1820 seine Bevölkerung sich auf 4657 und 1340 auf 6002 Seelen belief. Von der letzten Zahl waren Katholiken 1726, Evangelische und Herrnhuter 3945, Menvnitcn 51 und Juden 230. Jetzt (1344) kann man im Ganzen 6300 Einw. annehmen. Die Zahl der Gebäude bcläust sich auf 23 öffentliche, 538 mcistentheils zweistöckige Wohn-, 525 Wirthschafts-Häuser und 14 Fabriken, zusammen auf >100 Gebäude. Geschichte. Wie bereits erwähnt, befand sich an der Stelle des heutigen Neuwied ein dem Grafen zu Wicd gehöriger Ort, des Namens Lang endorf. Im 30jährigen Kriege zerstört, wurde er durch den Grafen Friedrich, der für sich selbst hier ein Haus erbaute, wieder hergestellt. Ein schöner Weingarte» umgab des Gründers Wohnsitz, in dessen Nähe mehre andre Häuser entstanden, welche eine» Weiler bildeten, der ebenfalls den Name» Langendorf erhielt. Es erwachte nun um jene Zeit eine Auswanderungslust in Deutschland, deren Ziel die freien Niederlande waren. Da faßte Graf Friedrich den Gedanken, wo möglich die fleißigsten dieser Auswanderer in seinem Lande, durch ihnen zu bietende überwiegende Vortheile, zurückzuhalte». Zu solchem Zweck beabsichtigte er die Gründung einer Stadt, welche ursprünglich auf der Höhe bei Jrlich, oberhalb des von ihm begonnenen Schlosses Friedrichsstein, entstehen sollte, der zweckmäßigern Lage wegen aber endlich hart am rechten Ufer des Rheins erbaut wurde. Der Graf nannte sie Neuwied. Er verschenkte ansehnliche Ländereien zu Baustellen, lies auf eigne Kosten Häuser aufführen und trat sie Kauflustigen zu geringen Preisen ab, oder belehnte rechtliche Leute damit. Die von West gegen Ost sich erstreckende Schloßstraße, wie die von Nord gegen Süd gerichtete Rheinstraße waren die zuerst bebauten Stellen. Bei Friedrichs Ableben bestand die Stadt aus 170 bis 130 Häusern, mit beiläufig 1100 bis 1200 Einwohnern. Neuwied sollte, nach einem vorher entworfenen Plane, regelmäßig angelegt werden und die Straßen sich im Rechtwinkcl durchschneiden, ein Vorhaben das, mit geringen Ausnahmen, wirklich in Ausführung gebracht wurde, als 1653 die kaiserliche Genehmigung eintraf. Die Gerechtsame, welche der Graf 1622 Neuwied gewährte, bestanden in vollkommener Ncligions-Freihcit, Befreiung von Leibeigenschaft, wie von alle» Frohndiensten; Verlegung der Jahrmärkte von Ober-Biber nach Neuwied, Handels-Freiheit, Beseitigung aller Monopole, freier Fischfang im Rhein und Jagd auf demselben, Zugcstehung einer eignen Ortsvbrigkeit, zc. :c. So blühte das Städtchen rasch und freudig empor, obgleich zu Ende des 17. Jahrhunderts die militärischen Räuber-Banden, welche Ludwig XIV. an Mosel und Rhein geschickt, den neuen Ort fast eben so hart mitnahmen, als uralte Städte, unter andern das nahe Andernach. Sie zündeten das Schloß und viele Häuser an, brandschatzten und plünderten die Einwohner, und verfolgten weithin den mit Mühe entfliehenden Grasen Friedrich *). Ungeachtet der fortwährenden Kriegsdrangsale, stellte dessen Nachfolger Friedrich Wilhelm das Schloß von 1707 bis 1712 wieder her, und gab 24 Jahre nachher der Stadt eine neue Polizei-Ordnung, welche Graf Alexander vervollkommnete. Unter der Regierung des letztgenannten, von 1737 bis 1791, erfreute sich Neuwied eines sehr gedeihlichen Zustandes. Der Graf lies viele Häuser bauen, legte Fabriken an, beförderte Ackerbau und Ge- werb-Thätigkeit und wurde, seiner ausgezeichneten Verdienste wegen, 1734 in den Reichsfürstenstand erhoben. Drei Jahre nachher begingen Stadt und Land das 50jährige Jubelfest der Regierung ihres Wohlthäters und 1788 das seiner 50jährigen glücklichen Ehe. Er starb den ') Tret angesehnc Bürger von Neuwied wurden als Geisseln na» Mont-Royal geschleppt, wo man sie > Jahr ,o Monate als Kriegs.Gcfangne behandelte, bis sie gegen Erlegung von aävo Thlr. ausgclost wurden. Hätte man sich des Gra, fcn bemächtigen können, würde er dasselbe Schicksal getheilt haben. 7, August 1791, in einem Alter von S5 Jahren. Das zu seinem Andenken errichtete Monument trägt die Inschrift: „Zu groß, ersetzt; zu gut, vergesse» zu werden." Hundert Jahre nach der ersten Verwüstung durch die Franzosen, wurde Neuwied von denselben wieder heimgesucht. Viele Personen, von dem während der Revolution ausgewanderten französischen Adel, fanden hier während der Jahre 1791 und l792 eine Zufluchts-Stätte, wodurch viel Geld in Umlauf kam. Es bildeten sich Reiter-Geschwader aus ihnen, welche in der Umgegend ihre Uebungen anstellten. Die Heerhaufen der Republik verscheuchten sie >795 und folgende Jahre. Die letzten standen anfänglich auf dem linken, die der Oestreicher (Kaiserlichen) auf dem rechten Rhcinufer, weshalb die Stadt, vorzüglich vom 5. Juni 1795 bis in die Mitte des Septembers 1797, die Schrecken des Krieges, selbst die eines Gefechts in ihrer Nähe und i» ihren Straßen und die einer mehrmals wiederholten thcilweisen Beschießung, zu ertragen hatte. Zu den Kriegsverheerungen gesellte sich noch der Aufenthalt einer Räuber-Bande, uuter dem berüchtigten Fetzer, die nicht allein in der Umgegend, sondern auch in der Stadt selbst, viele Verbrechen verübte. Von 1803 bis 1815 unter nassauischer und seitdem unter preußischer Landes-Hoheit, nach wie vor als Standes- Herrschaft jedoch immer unter wiedischer Negierung stehend, hat sich der blühende Zustand von Neuwied stets vermehrt, und diese Stadt gehört jetzt zu denen, welche man als eine der freundlichsten und ge- werbigsten am Rhein betrachten kann; da ihr Wohlstand allein auf dem Fleiß ihrer Bewohner beruht und sonst keine Zuflüsse hat. Der Billigkeit der Wohnungen und Lebensmittel wegen, halten sich ziemlich viele Fremde, namentlich Engländer, hier auf, die der Reiz der Umgegend längere Zeit fesselt und die selbst am fürstlichen Hofe freundliche Aufnahme und Zutritt finden. Wappen. Es besteht aus einem Thorthurm, mit einer darüber befindlichen fürstliche» Krone. Alterthums-Ucberreste. Schon bei der Gründung von Neuwied wußte man, daß während der Römer-Herrschaft in dieser Gegend bei Nicder-Biber eine Kricgsstadt der alten Eroberer gestanden habe. Auf einigen Punkten waren die Ueberreste derselben noch ziemlich gut auf der Oberfläche der Felder zu erkennen. Es erschien darüber 1687 eine erste Schrift, von N. Duillius. Später wurde Fürst Alexander durch den Pfarrer Caesar, in Heddesdorf, auf jene Ueberbleibsel aufmerksam gemacht; regelmäßige Nachgrabungen begannen jedoch erst 1791, unter der Leitung des Jngcnieur-Hauptmanns Hoffmann, der darüber ein eigenes Schriftchen veröffentlicht hat. Die Lage des Dorfes Nieder-Biber, ^ Stunden vom Rhein, auf einer schönen Hochebene, war, nach den strategischen Begriffen der Römer, vortrefflich zur Anlegung eines Kriegsplatzes geeignet. Dieser, dessen Name nicht geschichtlich festgestellt ist, hatte eine regelmäßige, länglich-viereckige Form, mit abgerundeten, Ecken und war von Nord gegen Süd gerichtet. Seine Länge betrug 840 und seine Breite 631 rhein. Fuß. Es war von einer 5 Fuß dicken Mauer (größ- teuthcils Guß- und Kastenwerk), mit vorspringenden Thürmen, umschlossen. Die Port» ,>raotori» war auf der nördlichen, die Port» llecu»,»»» auf der südlichen Seite. Außerdem hatte dies befestigte Winter-Lager noch 4 andre Pforten: die Port» princi,.»Iis sioistr» und die Port» guiotona gegen Abend, wie die Port» priireijislis «Irxtra und die zweite Quillt»»» gegen Morgen. Auf der Ebene bei Heddesdorf, zum Theil noch auf der Stelle dieses letzten, stand eine bürgerliche Niederlassung, von der man zahlreiche Ueberreste entdeckt hat. Von diesem Vieus, oder Weiler, ging eine Römer-Straße in grader Richtung gegen den Rhein. Da sie fast überall 6 bis 10 Fuß unter der gegenwärtigen Oberfläche sich befindet, läßt sich daraus folgern, daß das Rheinbette damals tiefer ligen mußte als jetzt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Trümmer der von den Deutschen zerstörten Römerstadt zu verschicdncn Bauten in der Umgegend verwendet. So ist namentlich die Kirche in Nieder-Biber augenscheinlich aus römischen 'Bruchstücken aufgeführt worden. Daß, was von jenen auf der Oberfläche und nahe unter derselben noch vorhanden war, auf solche Weise sich sehr vermindern mußte, begreift sich leicht. Wurden, wie Hoffmann annimmt, die meisten benachbarten Burgen, Wartthürme, rc. aus den Ueberbleibscln des Kastells erbaut, so darf man sich nicht wundern, daß jetzt von jenem wenig mehr zu sehen ist, und Kornfelder die Oertlichkeit decken, wo es stand. Wie gesagt, wurde» die Nachgrabungen 1791 auf regelmäßige Weise begonnen und bis 1826 fortgesetzt. Aeußerer Umfang und innre Gestalt des Kriegs- Platzes wurden dadurch festgestellt, Grundmauern von Tempeln, Bädern, rc. entdeckt, und endlich das Ganze wieder zugeschüttet. Die hier gefundnen Bildhauer-Arbeiten, Steinschriften, Gefäße, Waffen, Münzen und andre Gegenstände sind in einem Seiten- Gebäude des Schlosses aufgestellt. Von Dorow und Hundeshagen wurden neue Nachforschungen vorgenommen und das Ergebniß,derselben in der Schrift: „Römische Alterthümer in und um Neuwied," niedergelegt. Die in dem Kastell ausgegrabne» Gegenstände sind vorzüglich: 1) Münzen von Gold, Silber (322 Stück), Groß-, Mittel- und Äleinerz (zusammen nahe an 300 Stück).' Diese Münze» erstrecken sich von Augustus bis Konstantin dem Großen, doch fehlen in der Reihefolge solche von mehren Kaisern. 2) Schilde, Silber-Platten, Ringe, Medaillons und Pasten, von Gold und Silber. 3) Gegenstände aus Bronze, namentlich ein trefflich gearbeiteter Genius, der Inschrift nach aus dem Jahr 246 nach Christi Geburt, oder 999 nach Gründung Roms; ein kleiner Merkur, ein Minervakopf und sehr viele andre Bruchstücke; ferner solche aus Blei und aus Eisen. 4) Waffen und Kriegs-Geräthe. 5) Instrumente, Zaumzeug, Werkzeuge verschiedener Handwerker, besonders von Schuhmachern, Tischlern, Fleischern, Sattlern, Straßen-Pflasterern, :c. 6) Eine Pflugschaar. 7) Götzen- Bilder und andre Figuren aus Thon, Gefäße, rc. 8) Glas-Gefäße. 9) Steindenkmale, Gelübde-Steine, Bildsäulen und Bruchstücke von solchen, Mühl- und Schleifsteine, rc. 10 Siegelwachs, Griffel, Falzbeine, rc. Außerdem wurden noch mehre Römer-Gräber eröffnet und darin sowohl Gebeine als Lampen, Glasflaschen, rc. gefunden. Von alten Römer-Straßen hat man, sowohl, im Bereiche der Stadt Neuwied selbst (namentlich beim Bau der Menoniten-Kirche und der benachbarten Häuser, im Schloßhofe und in einem der Husaren-Kaserne gegenüber befindlichen Garten), als auch zu Heddesdorf und in der Richtung von diesem letzten gegen Gladbach, wie von Nieder- Biber gegen Gladbach und Rommersdorf, mehr oder weniger gut crhaltne Ueberreste entdeckt. Die oben erwähnten Gräber waren in der Nähe dieser Straßen gelegen. Oertlichkeits - Zustände. Neuwied besteht aus 5 Längen- Straßen, vom Rhein gegen die Berge, und-4 Querstraßen, von Süd nach Nord. Die Stadt wird also von 9 Straßen durchschnitten, wodurch 25 zum Theil noch nicht ganz bebaute Quadrate entstehen. Diese Straßen find nachstehende: Marktstraße, die schönste und belebteste von allen. Sie beginnt an dem Punkte, wo die fliegende Brücke anlegt und erstreckt sich auf eine Länge von 776 Schritt oder 1940 Fuß, bis zum Anfang der nach Heddesdorf führenden Landstraße. Ihre Breite beträgt 22 Schritt oder 55 Fuß. Es befinden sich in ihr mehre Gasthäuser zweiten und dritten Preises, nämlich wilder Mann, Lamm, Sonne, rother Ochs und goldnes Roß, die Bierbrauereien von Hcrrmann und zum weißen Stern, die Konditoreien von Groth, Wclcker und Kaiser, welcher letzte auch eine Schokoladen-Fabrik hat; ferner, bis zur Luisen- Straße, viele Kaufladen, wovon der des Hofteppichmachers Habernicht der ansehnlichste ist. In dieser Straße befinden sich auch, am Markt, die reformirte und weiter oben die katholische Kirche. Mittel-Straße, beginnend an der Rheinstraße und endigend an der obern nach Heddesdorf führenden Straße, die zum Theil ebenfalls mit Häusern besetzt ist. Es befinden sich darin die Gasthäuser zweiten und dritten Preises: Nassauer Hof, schwarzes Roß, weiße Taube, weißes Roß, Gutenberg, goldner Ring, goldner Stern, schwarzer Ochs, drei Könige, Lilie, Jäger, :c., die Hofbuch- und Kunst-Handlung von G. A. van der Beeck, die Buchdruckerei, Buchhandlung und Leihbibliothek von Lichtfers, die Schreib - und Zeichnen- Materialien-Handlung von Heuser, die Engel-Apotheke, die Möbel- Fabrik von Thiel und das k. Steueramt; nebstdcm noch viele Kaufladen und Werkstätten. Schloßstraße. Sie beginnt am Rhein, unmittelbar vor dem fürstlichen Schlosse, und endet an der Erziehungs-Anstalt von de Haen. Zur Linken, jenseit des Schloßhofes, ist das fürstl. Schloß, mit 2 Seiten-Gebäuden, und das der fürstl. wied'schen Regierung. Zur Rechten sind die Gasthäuser zweiten und dritten Preises: Riese, Dahl, Stadt Köln, gold- ner'Karpfen, Hepmann^Salomon, goldner Pflug und Engel, die Wein- und Billard-Wirthschaft zu den drei Schweizern, die Hof-Apotheke, das Kasino und das große Gebäude, worin sich die obengenannte Erziehungs-Anstalt befindet. Auch wird diese Straße durch ziemlich viele Laden und Werkstätten belebt. An ihrem obersten Ende hat man eine schöne Aussicht gegen Heddesdorf, Jrlich und das Lustschloß Monrcpos, wie über das Feld, welches die alte Römer-Straße durchschnitt. Pfarrstraße, südlich von der Marktstraße, mit einigen großen und hübschen Häusern, namentlich das vom Grafen Alexander zu einer Armen-Anstalt erbaute, später als GesundhcitS-Geschirr-Fabrik von Remp und Barensfeld verwendete Gebäude, das 1795 von den Franzosen in Brand gesteckt und 1890 neu aufgebaut wurde. Man liest an ihm noch die Steinschrift: „Gedenket der Armen." Ferner das der Familie Bianchi, am Eck der Engers-Straße, und das des k. Schullehrer- Seminars, mit einer großen Freitreppe. In dieser ruhigen Straße ist auch das Gasthaus dritten Preises: Stadt Trier. Friedrichs-Straße, dic^südlichste der 5 Länge-Straßen. Es befinde» sich in ihr die Brüder- und Schwester-Häuser, nebst der Kirche der Herrnhuter-Gemeinde. Uebrigcns sind hier, wie in der Pfarrstraße, keine Laden, weshalb beide ein wenig belebtes Ansehen haben. — Die Querstraßen sind, vom Rhein hinweg: Rhein straße, beginnend a» der Schloßstraße und etwas über die Friedrichs-Straße hinausreichend. Es sind in ihr die Gasthäuser ersten Preises: rheinischer Hof und goldner Anker, nebst den zweiten und dritten Preises: wilder Mann, Engelsburg, goldner Karpfen, guter Mann, die Weinwirthschaft zum deutschen Haus, die Bierbrauereien bei H. Michel, rother Löwe und C. Michel, die Konditorei von Mütter und die k. Salzfaktorei. Kirchstraße, ebenfalls von der Schloß- bis zur Friedrichs- Straße reichend. Sie enthält mehre Kaufladen und das Gasthaus zweiten Preises: goldne Krone. ES wohnen viele Handwerker und Lohnkutscher in dieser Straße, welche sich an dem Markt vorüberzieht. Derselbe ist mit sechs Reihen Platanen auf den vier Seiten bepflanzt. Er bildet ein längliches Viereck von 119 Schritt oder 275 Fuß Länge und 52 Schritt oder 139 Fuß Breite. Auf diesem Platze, an welchem die ältere evangelische oder reformirte Kirche steht, werden am Mittwoch und Samstag die Wochen-Märkte und die sieben Jahrmärkte gehalten. Auf der Westseite dieses Platzes ist die Möbel-Fabrik und Eisenwaaren-Handlung von I. W. Vetter. Engers-Straße. Sie beginnt an der Schloßstraße, durchschneidet sämmtliche Länge-Straßen der Stadt und endet an dem Garten der Hcrrnhuter-Gemeinde, von wo die Landstraße weiter nach En- gers führt. Ohne die Sackgasse bei der Juden-Schule, hat sie eine Länge von 749 Schritt, oder 1859 Fuß und eine Breite von 19 Schritt oder 49 Fuß. Mit Ausnahme der Markt- und der Luisen-Straße ist obige Breite die aller übrigen Straßen von Neuwied. Obgleich nicht ganz ohne Laden und Werkstätten, ist die EngerS-Straße, worin sich nur ein Gasthaus zweiten Preises: der alte Riese, befindet, doch ziemlich still, vorzüglich an ihrem Ende, wo sie mit den Schwester-Häusern zur Linken und hübschen Privat-Häusern zur Rechten besetzt ist. Luisen-Straße, oder Luiscnplatz, von ungleicher Breite, die jedoch, so weit die mit vier Reihen junger Linden bepflanzten Abtheilungen reichen, welche früher drei kanalähnlichc Schwanen-Teiche bildeten, mit Einschluß der Bürgersteige zu beiden Seiten, 44 Schritt oder 119 Fuß beträgt. Der mittlere ungepflasterte Theil dient als Fahrstraße. Am obern Ende sind mehre schöne Häuser, deren Zahl »och durch ein von der Negierung zu erbauendes Schullehrer-Seminar vermehrt wird. Es sind an diesem Platze die Gasthäuser dritte» Preises: wildes Schwein, goldnes Roß und Viehhof, nebst der Konditorei von Ries, den Laden des Hoftapezierers Knecht und des Hofklempners Straßburger. — Die letzte oder obere Straße, an welcher die Schloß-, Mittel- und Marktstraßen enden, und wo die nach Heddesdorf und Dierdorf führende Landstraße beginnt, hat noch keinen Namen. Merkwürdige Gebäude. Das fürstliche Schloß zeichnet sich weniger aus durch Größe und imposante Bauart, als durch geschmackvolle innere Einrichtung. Durch den Grafen Friedrich Wilhelm zu Wied-Neuwied von 1797 bis 1722 erbaut, besteht es aus einem Mittel-Gebäude von 189 Fuß Länge, vor welchem sich, gegen die Stadt, inmitten des Schloßhofes, ein großer, runder Rasenplatz befindet, um den sich der durch 4 vergoldete Laternen erleuchtete Fahrwog zieht. Zwei Seiten-Gebäude, unzusammenhängend mit dem Wohnhause des regierenden Fürsten, Herrmann, jedes ebenfalls von 189 Fuß Länge, find auf beiden Seiten des Vorplatzes gegen die Stadt hin gebaut und von dieser durch ein hohes Eisen-Gitter geschieden, neben dessen Eingang, über welchem das fürstliche Wappen angebracht ist, sich 2 achteckige Pavillons erheben. Gegen den Rhein, neben dem Gebäude, worin die Rentei, die Kellerei und Beschließerei sich befinden, ist eine mit 5 Baumreihe» bepflanzte Terrasse, die sich, mit nur einer Baumreihe, hinter dem eben bezeichneten Seiten-Gebäude bis zur Batterie zieht, auf welcher 3 eiserne Fünfpfünder aufgepflanzt sind. Man hat von hier eine hübsche Aussicht auf das linke Rheinufer, die fliegende Brücke, den Ludwigshof, die Nette, den Hummerich bei Plaidt, den Kamillenberg, sieben andre Gipfel der Vorder-Eifel, den Hochsimmer, Gänsehals und die übrigen Höhen am laacher See, Andernach, Fahr, Jrlich, :c. ic. Hinter dem Hauptgebäude beginnt der Schloßgartcn oder fürstliche Park, der auch durch eine schöne Allee bis zu dem zweiten Seiten-Gebäude reicht, worin sich das Hofmarschallamt und der Marstall befinden. Daneben, gegen den Garten gerichtet, ist das Wohnhaus des berühmten Reisenden in Brasilien, des Prinzen Maximilian, und seines Bruders, des Prinzen Karl, welcher letzte ein trefflicher Maler, auch im Portrait, ist. Jener ist 68, dieser 64 Jahre alt. Im untern Stockwerk dieses Hauses ist die fürstliche Bibliothek und die sehenswerthe Alterthümer-Sammlung aufgestellt. Etwas tiefer im Garten ist das ehemalige Fasaneric-Gebäude, mit dem schönen Naturalien- Kabinet des Prinzen Max. Der fürstliche Garten ist vor einigen Jahren bis zum Wiedbach, bei Jrlich vergrößert worden. Er enthält einzelne zerstreute Häuser, Alleen, Ruheplätze, -c. und bietet abwechselnde, bald aussichtreiche, bald schattige Spaziergänge für Einheimische und Fremde, da er stets offen ist und der Eintritt niemand verweigert wird. Sehr reizend ist vorzüglich dieser Park im Frühling, wo er seine Blüthen in Fülle streut und von vielen Nachtigallen, wie von andern Singvögeln, belebt ist. Aeltere evangelische oder reformirte Kirche. Sie wurde 1671 von dem Grafen Friedrich, nach dem von Cancrini entworfenen Plane, gegründet und 1684 vollendet, 1819 mit einer neuen Emporbühne und Orgel geschmüekt, 1837 im Innern und Aeußern erneuert und mit einem Ofen zur Winter-Heizung versehen. Ein einfach hübsches Gebäude, hat sie einen niedrigen mit Schiefer bekleideten Thurm und steht zwischen dem Markt, der Markt- und der Engcrö-Straße. — Jüngere evangelische oder lutherische Kirche, in der Rhein- straßc, erbaut 1763, und 1822 bis 1824 ganz neu wieder hergestellt. Sie hat einen schönen ziemlich hohen Spitzthnrm und eine treffliche Orgel. — Die von 1698 bis 1728 aufgeführte wenig große und ansehnliche katholische Kirche, im obern Theile der Marktstraße, ist im Innern wie im Aeußern sehr einfach und für die dazu gehörige starke Gemeinde fast zu klein. — Das Gotteshaus der evangelischen Brüder- oder Herrnhuter-Gemeinde, am östlichen Ende der Friedrichs-Straße, wurde von 1783 bis 1785 erbaut. Es zeichnet sich besonders durch seine Einfachheit und innere Reinlichkeit aus, enthält nur eine Orgel, Stühle und einen Tisch, woran der Geistliche sitzt, dagegen keinen Altar, noch andre Ausschmückungen. Auf der Außen- Seite kommt dazu blos ein kleiner Schieferthurm. — Die thurmlose Menoniten-Kirche, 1774 erbaut, ist dem Schloß gegenüber, am Eck der Schloß- und Rheinstraße, gelegen. Sie unterscheidet sich auf der Außen-Seite nicht von einem gewöhnlichen Hause und hat eine kleine Orgel. — Der Bctsaal der Jnspirirten ist in einem Pri- vathausc. — Die Synagoge, in der schmälern Verlängerung der Engers-Straße gegen den Park, hat, nächst ihrer eigenthümlichen inner» Einrichtung, nichts merkwürdiges, als die hebräische Inschrift: „Morgens stehe ich auf, Dich Gott anzubeten", wovon das erste Wort zugleich die Jahrzahl 5593 nach Erschaffung der Welt, oder l747 der christlichen Zeitrechnung, in welchem das Gebäude aufgeführt worden, andeutet. — Das 1825 und >826 erbaute Kasino, in der Schloßstraße, ist ein hübsches Gebäude, mit einem auf 4 rothen gerippten Säulen ruhenden Altan. Auch das 13l9 durch Wenz gebaute fürstliche Regierungs-Gebäudc, das Rath Haus von 1699, die Brüder- Häuser von 1759 und die Schwester-Häuser von 1787 (erstere von etwa 199 ledigen Brüdern — größtenthcilS Handwerkern — und erwachsenen Knaben, letztere von ledigen Frauenzimmern und Mädchen bewohnt); das v. pölckensche Haus, an der nach Heddcsdorf führenden Straße (zugleich Zeughaus für das hier stehende I. Bat. des 29. Landwehr-Regiment), dieses wie jene mit schönem Garten; das bianchische Haus in der Engers-Straße, das Schullehrer-Seminar, das Gasthaus zum rheinischen Hof, u. m. a. gehören zu den schönern Gebäuden der Stadt. Sehenswürdigkeiten. Die Sammlung römischer Alterthümer, im Erdgeschoß des Seiten-Gebäudes neben dem Marstall, enthält verschied»? sehr wichtige und interessante Gegenstände, wovon die vorzüglichsten bereits oben angedeutet sind. Um sie i» Augenschein zu nehmen hat man sich a» den Aufseher Dietz zu wenden, durch den man auch in die aus mehren tausend Bänden bestehende fürstliche Bibliothek in demselben Gebäude und in das naturhistorische Museum, Kuriositäten-Kabinet, ie. des Prinzen Maximilian zu Wied, welches seit 1817 in dem Fasanerie-Gebäude des Schloßgartcns aufgestellt ist, eingeführt wird. Bekanntlich sind sämmtliche hier vorhandne Gegenstände von dem Prinzen selbst, während seiner ersten Reise von 1317 bis 1821 durch die unbekannten Wälder und Einöden Brasiliens, wie auf seiner zweiten, vor einigen Jahren beendeten, Reise im Innern Nordamerika'S, gesammelt, beschrieben und mit schönen Stahlstichen, nach Zeichnungen von Bodmer (des Prinzen Begleiter) veröffentlicht worden. Die seltensten der hier befindlichen ausgestopften Thiere sind viele Quadrumanen (Affen), fliegende Säugethiere, Bären, Vielfraße, u. a. Raubthierc; ferner sehr viele kleinere Vierfüßler, Wiederkäuer, Vögel, Amfibien, zc., nächstdem noch eine Menge cthnografischer Gegenstände, besonders Waffen, Geräthschaften und Anzüge amerikanischer Völker. Anstalten. Die vorzüglichste Unterrichts - Anstalt in Neu- wicd ist das seit 182l vollkommen konstituirte und aus k. Kassen fun- dirtc evangelische Schullehrer-Seminar für die Regierungs-Bezirke Koblenz, Köln, Trier und Aachen. Sein Lokal befindet sich in der Pfarrstraße, in dem ehemals der Familie von Röntgen gehörige» Hause, worin Lehrer und Zöglinge wohnen. Die Zahl der ersten beträgt 3 und die der letzten 36. Diese werden nach vorhergegangener Prüfung, Behufs der erforderlichen Kenntnisse, aufgenommen und haben einen zweijährigen Kursus zu machen. Seit einiger Zeit ist mit dem Seminar noch eine Vorbereitungs-Klasse verbunden, worin Knaben von 14 bis 17 Jahren während zwei Jahren für das Seminar herangebildet werden. — Die höhere Bürger-Schule im Rathhause besteht seit 1825 in 3 Klassen, der drei Lehrer vorstehen. Sie zählt im Ganzen 75 Schüler. Das Schulgeld beträgt 12 Thaler jährlich. — Jede der drei Hauptgemeinden, die evangel. rcform., die cvangel. luther. und die kathol., hat ihre besondere Anfangs-Schule i» 3 Klassen, mit 3 bis 4 Lehrern, wovon 1 Oberlehrer. Jede Klasse enthält 199 bis 119 Kinder, Knaben und Mädchen. Das jährliche Schulgeld beläuft sich auf 2 Thlr. Die Schule der evangel. reform. Gemeinde wird gewöhnlich nur die Stadtschule genannt; die der evangelisch luther. Gemeinde ist seit 1835 zugleich Seminar-UebungSschule. Sie besteht seit 1729; das jetzige Schulhaus wurde 1773 erbaut. Erstere Gemeinde hat auch eine Armen-Schule. Menoniten und Jnspirirtc schicken ihre Kinder in die Schule der reformirten Gemeinde. — Pri- vat-Erziehungs-Anstalten sind: 1. die der Herrnhuter oder der Brüder- Gemeinde. In den für Knaben bestimmten Klassen befinden sich 79 Schüler, unter 12 Lehrern, und in den für Mädchen 49 Schülerinnen unter 7 Lehrerinnen. Die jährliche Pension beträgt 113 Thlr. 2. Die Haen'sche Erziehnngs-Anstalt und höhere Töchter-Schule, errichtet 1827, bestehend aus 3 Klassen, mit 6 Lehrern, 5 Lehrerinnen, 29 Pensionärinnen und 23 Externen. Diese Anstalt befindet sich in einem großen und schönen, 1849 zu einer Erziehungs-Anstalt eigens erbauten Hause, am ober» Ende der Schloßstraße, mit herrlicher Aussicht über die Umgegend und den Rhein. 3. Weil'sche ErziehungS-Anstalt und höhere Töchter-Schule, dem fürstl. Schlosse gegenüber, errichtet 1834, mit 4 Lehrern und 4 Lehrerinnen (wovon 1 Französin und 1 Engländerin) und 24 Pensionärinnen. 4. Knaben-Erziehungs-Anstalt des zweiten Predigers der evangel. ältern Gemeinde A. Meß, i» der Rheinstraße, worin sich gewöhnlich 19 bis 29 junge Ausländer, namentlich Briten, befinden. 5. Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt von P. E. van Mark, in der Schloßstraße, ebenfalls für Knaben, mei- stentheils Ausländer. — Andere Lehranstalten sind: die Sonntags- Schule für Handwerker, namentlich Bauhandwerker-Lehrlinge und Gesellen, seit dem 1. August 1841, mit durchschnittlich 62 Schülern und 4 Lehrern, und eine Schule für ganz kleine Kinder. Wohlthätigkeits-An stalten. Die allgemeine Armen-Anstalt wurde 1894 errichtet. Das Versorgungshaus in der Friedrichs-Straße, worin sich 48 Personen (einschließlich 16 Kinder) befinden, steht unter einem Verwalter, die oberste Leitung aber unter der Armen-Kommis- sion. Es ist damit ein Krankenhaus für fremde Gesellen verbunden. Die bürgerliche Krankenverpflege - Gesellschaft erwuchs 1326 ans einer frühern Stiftung von 1794. Ein Verein zur Erziehung sittlich verwahrloster Kinder bildete sich 1829. In demselben Jahre entstand auch der Frauen-Verein. Das Kleinsche Legat von 18,599 Thlr. wird in seinen Zinsen zur Unterstützung an HauSarme verwendet. Außer diesen allgemeinen städtischen Anstalten hat noch jede Gemeinde ihre besondern Armen- und Kranken-Kassen. Auch besteht seit 18l6 eine Bibel-Gesellschaft und seit 1826 ein Missions-Verein. Uwischen Neuwied und ZSonn. Ä^ndernach, mit 3300 Seelen. Es gehören dazu noch die Irren-, Armen- und Kranken-Anstalt S. Thomas, die gleichnamige Leder-Fabrik, die Häuser-Gruppen Briickenhaus, Ludwigshaus, Nctterhaus und Nette oder Netterhof, Neuwied gegenüber, die Wirthshäuser Bungenerhvf, Krahncnhaus, das Bleichhaus Autel, nebst mehren Höfen und Mühlen, welche zusammen noch von etwa 200 Jndiv. bewohnt werden. Andernach ist ei» sehr alter Ort. Schon unter Zul. Cäsar soll hier ein Römer-Kastell gestanden haben und 55 Jahr vor Christi Geburt eine Brücke über den Rhein erbaut worden sei», also noch 2 Jahre früher, als die bei Engcrs errichtete. Soviel ist gewiß, daß diese Stadt damals ^»wniic»!» (wahrscheinlich 8>mio ante IVacuin oder die Station vor der Nette) genannt mit zu den Römer-Festen gerechnet worden, welche unter Drusus am Rhein entstanden. Als Kastell wurde es 355 von den Alle- manncn erstürmt und zerstört. Vier Jahre nachher stellte es Julian wieder her. Allein schon 407 nahmen es die Franken, oder ihre Bundes- Genofscn, abermals ein und schleiften es bis auf den Grund. Welche Schicksale der nach diesen Ereignissen gewiß sehr unbedeutende Ort bis zum Anfang des Mittelaltcrs gehabt, läßt sich nicht genau bestimmen. In einer Schlacht zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Jüngern von Deutschland, welche 870 bei Andernach geliefert wurde, erlitt der erste eine vollständige Niederlage und verlor seinen tapfer» Heerführer Reginhard. Otto der Große schlug 63 Jahre nachher in dieser Gegend die fränk. und lotharing. Herzöge Eberhard und Giselbrccht. Kaiser Heinrich V. wurde hier lll-t von dem Erzbischvf Friedrich von Köln besiegt, und aus Verwendung des letzten der Ort 12 Jahre nachher zur Stadt erhoben, deshalb mit Mauern und Graben umschlossen, nichts desto weniger aber 1199 durch Kaiser Philipp von Hohenstaufen geplündert und verbrannt. Schon unter der Regierung der austrasischeu Könige war ein Königshof entstanden, den zuletzt Siegbcrt bewohnte. Allmälig war die Macht der Stadt gewachsen, die sich 1255 unabhängig erklärte und im 14., besonders aber iin 15. Jahrhundert, eine der bedeutender» des rhein. Städte-Bundes war, in welchem sie eine gewichtige Rolle spielte- Im 30jährigen Kriege wurde sie 1632 von den Schweden erstürmt und geplündert, im orleansschrn Mordbrenner-Kriege aber von den Franzosen an 6 Orten angezündet und größtentheils in Asche gelegt. Mehrmals zerstört und auf seinen Trümmern wieder aufgebaut, hat Andernach keine Ueberrcste aus der Römcrzcit mehr auszuweisen. Selbst das sogenannte Römerthor, auf der Seite gegen Koblenz, ist nicht römisch, was schon aus dem Spitzbogenstpl desselben zu erkennen, hauptsächlich aber durch eine im städtischen Archiv zu Andernach aufbewahrte Urkunde von 1100 erwiesen ist, indem sich daraus ergibt, daß Erzbischvf Friedrich I. von Köln die Ringmauer der Stadt aufgeführt. Lage, Bauart und das ganze Verhältniß, worin das Thor zu der Stadtmauer steht, beweisen, daß es gleichzeitig mir der letzten entstanden ist. Die größtentheils noch vvrhand- nen Stadtgraben, welche zu Garte» verwendet sind, wurden, laut einer andern Urkunde, 1300 unter Erzbischvf Wichbold von Köln angelegt. Die großartigen Ueberreste der im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts, von Erzbischvf Friedrich I. erbauten und 1638 im niederländisch- französ. Kriege von den Franzosen zerstörten crzbischöfl. Pfalz stehen nicht auf dem austrasischeu Königshofe, wahrscheinlich aber auf den Trümmern der kaiserl. Pfalz, welche Friedrich der Rothbart seinem Großkanzlcr Reinold schenkte. Der vorbezeichnete Königshof erhob sich auf der nord- weftl. Seite der Stadt, an der Stelle der jetzt der Familie Armbruster gehörige» Garten-Anlage, bei deren Einrichtung in neuerer Zeit, sich in ziemlicher Tiefe beträchtliche Grundmauern und andere Ueberrcste (namentlich ein wohlerhaltenes Thor, einzig in seiner Art aus der Frankenzeit, welches auf dem Gute Pomerhof, bei Plaidt, 1 St. von Andernach, wieder aufgebaut ist) vorgefunden worden. Ob die Sage, daß zur Zeit der Karolinger ein Tempel auf dem südl. von Andernach sich erhebenden Kirchberge gestanden, gegründet sei, läßt sich weder behaupten noch verneinen. Soviel ist gewiß, daß man selbst noch in neuester Zeit große Sandstein-Särge auf jenem Berge ausgegraben. In diesen Särgen befinden sich gewöhnlich, nebst geringen menschlichen Ueberresten, Aschcnkrüge von röthlichem Thon, Thränen-Fläschchen, Lämp- chen und Münzen. Es scheint somit erwiesen, daß dieser Friedhof von den Römern herrührt. Vielleicht diente er auch noch zu spätern Beerdigungen. Durch die Zerstörung der Stadt, gegen Ende des 17. Jahrhunderts, wurden mehre der vorzüglichsten hier gcstandnen Edclhöfe vernichtet, namentlich die der Hußmann von Andernach, Benrat, Nickcnich, Harff, Dall- wig, Rheineck, Hammerstein, Wolf-Metternich w. Nachstehende Höfe blieben bei jenem Brande verschont: der des nachhcrigen Fürsten von der Lepcn, jetzt Eigenthum des Kreisphysikus v> . Moll; jener der Schilling von Lahnstci», der vor einigen Jahren abgebrochen wurde, der in der Pfaffen-Gasse gelegne Meringerhof, jetzt Anfangs-Schule für Mädchen, und der in der Biirrcsheimcr-Straße befindliche Hof der Grafen von Bürresheim, wovon nur noch die Ringmauern, nebst zwei Thoren, sichtbar sind; ferner sind aus frühern Zeiten noch vorhanden: der runde Thurm auf der Nordwcstscite der Stadt, von 1414 bis 1468 erbaut; das Rheinthor, von Erzbischvf Hermann aufgeführt (das daraufstehcnde Zollhaus ist aus dem letzten Viertel des 17. Jahrh.); das Franziskaner- Kloster, unter Erzbischvf Theodorich erbaut. Es dient jetzt als Zeughaus für den Landwchrstamm und als Kaserne einer Batterie rettender Artillerie. Die dazu gehörige große Kirche, die in baulicher Beziehung thcilweisc merkwürdig ist, wird als Pfcrdestall und Magazin benutzt. Gebäude aus spätern Zeiten sind: der 1554 errichtete Krahnen; das Deutschherrcnhaus, in der Ncugasse, 1573 erbaut; das in der Hauptstraße von Andernach, der Hochstraße (welche die Stadt der Länge nach durchschneidet) bereits erwähnte lepische Haus, angeblich von 1620; das Rathhaus von 1560, i» derselben Straße, in dessen Hintcrhof sich daö sogenannte Judenbad befindet; das sogenannte Graunonnen-Kloster, von 1583, in der Nonnen-Gasse, welches, nebst der dazugehörigen Kirche, die hübsche Fresken enthält, jetzt als städtisches Hospital dient, in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erbaut. Bis 1842 enthielt dies Kloster das Lokal der höhern Bürgerschule, für welche seitdem ein großartiges Gebäude an der Hochstraße errichtet worden. Diese Gebäude, nebst der große» Pfarrkirche, dem schönen hohen 1683 beschädigten Mauerthurm auf der Nordost-Seite, dem Meringerhof, den Gasthäusern zur Lilie und zum russ. Kaiser, in der Hochstraße, dem PostHause, der dem Kloster Mal- mcdie früher gehörigen Probstei, dem Zehntcrhof des ehemaligen Klosters St. Thomas, den Gasthäusern zur Glocke und zum Stern, der Löwen- Apotheke und dem Himeroderhof, sind die vorzüglichsten der Stadt. Andernach trägt den Stempel seines Alters auch »och auf sich iu seinen engen nicht in gradcr Linie gebauten Gassen, seinen ziemlich hohen Häusern, deren Spitzgiebel häufig nach vorn gerichtet sind und einem allgemeinen etwas düstern Anstrich, der es besonders auffallend von dem nahen Neuwied unterscheidet. Die kurfürstliche Pfalz besteht aus dicken von nur wenigen Fenster-Oeffnuugen durchbrochenen Mauern, überragt von einem hohen und starken viereckigen, noch bewohnten und einem runde» verödeten Thurme, die Zeit und Wetter Trotz zu bieten scheinen. Ein sehr beschädigtes Steinbild ist auf der Außenseite eingemauert. Von der Kaiserpfalz auf derselben Stelle find nur noch einige halbe Gewölbe und andre Maucr-Ucberreste im Stadtgraben zu sehe». Die schöne, aus Bimsstein erbaute St. Genofeva-Pfarrkirche, mit ihren 4 Thürmen (wovon die gegen Nvrdwest, an der Hanptscite des ehrwürdigen Gebäudes, die beiden höhern und die auf der entgegengesetzten oder Stadtseite die niedrigern sind), ist augenscheinlich sehr alt, wenn sie auch nicht in ihrem Hauptbau, wie behauptet wird, aus den Zeiten der Karolinger herrührt. Nach Browcr (-4nmü. 'I'rev. I., S. 445) schenkte Kaiser Ludwig das Kind diese Kirche 911 dem Erzbischvf Ratbod zu Trier. Man vermuthet daher, daß sie von dem cbengenanntcn Kaiser erbaut worden, und zwar um 908. Aus dieser Zeit kann aber, der Bauart nach n»r noch der nördl. Chorthurm herrühren; der Chor, das Schiff und eie drei übrigen Thürme, sämmtlich im Rnndbogcnstpl erbaut, sind später» Ursprungs. Wahrscheinlich wuree die Kirche in dem Kriege zwischen Philipp von Hohcnstausen und Otto von Brannschweig ein Raub der Flammen. Die jetzige Kirche kann, ihrer Bauart nach, frühestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrh, erbaut worden sein. Sehenswcrth sind in ihr die Marmor-Reste eines alten Altars, besonders die 12 Apostel, deren Gesichtszlige sehr ausdrucksvoll sind; ferner die auf grauen Sandstein dargestellte Kontrovers-Predigt, welche ein Karmelitcrinönch aus dem Klvstcr Tönnistein gegen Buzer hielt. Dies in geschichtlich-religiöser Beziehung für Andernach wichtige Denkmal befindet sich neben der Grablegung. Eine durchaus ähnliche Darstellung in Stein sieht man auch an den sogenannten drei Kreuzen, 10 Minuten vom koblenzer Thore, unfern St. Thomas. Endlich ist noch das 1341 errichtete Grabmal eines Ritters Schilling von Lanstcin bemerkenswerth. Die Kanzel, worauf die vier Evangelisten mit Christus an der Mitte, sehr schön in Holz geschnitzt sind, ist 1803 aus der Abtei Laach »ach Andernach gebracht worden. Die Fresko-Bilder, außerhalb am westl. Haupteingange der Kirche, sind ohne besondern Kunstwcrth, wenn schon V. Hugo in seinem „Rhein" das Gegentheil versichert. Interessanter ist das Steinbild von 1324, die Sterbe-Scene einer Frau vorstellend, worin die >2 Figuren bunt bemalt sind. Auch das Steinbild von 1338 an der nördl. Thür, der Erlöser seine Wundmale zeigend, verdient beachtet zu werden. Die Orgel ist, sowohl in quantitativer als qualitativer Beziehung, ein Pracht- und Kunstwerk. Sie befand sich früher in der Franziskaner-Kirche. Von den alten bunten Scheibe» sind nur wenige übrig geblieben. Die ehemalige Angnstiner-Nonnen-Abtci St. Thomas, außerhalb der Stadt gegen Koblenz, welche schon um Mitte des 12. Jahrhunderts bestanden haben soll, wurde 1794 von den Franzosen in Brand gesteckt. Die davon noch vorhandncn oder neu aufgeführten Gebäude enthalten zum Theil eine Armen-, Kranken - und Irren-Anstalt, zum Theil eine Lcder-Fabrik, die etwa 299 Gruben hat, nnd worin vortreffliches Sohl- lcdcr von amerikanischen Wildhänten verfertigt wird. Sowohl dieser Artikel als, und zwar mehr noch, die vulkanischcn Produkte von Plaidt, Nicder-Mcndig, Kottenheim, Bell ?e., bestehend in Tuff, daraus verfertigtem Mörtel oder Traß, Miihl-, Pflaster-, Thür- n. Fenster-Steinen :e., wovon Herr S. La »bau, von Koblenz, der am Krahncn ein hübsches Landhans hat, und Herr Bianchi, von Nenwied, die bedeutendsten Versendungen machen, bilden, nebst Getreide, Wein, Potasche, Holzkohlen nnd Obst die vorzüglichsten Gegenstände des hiesigen Verkehrs. Andernach hat zwei Wochenmärktc, näm'ich Dienstags einen sehr bedeutende» Fruchtmarkt und Sonnabends Gemüsemarkt; ferner sieben Jahrmärkte, wovon der sogenannte Birnkrautemarkr um Michaeli, der mehre Tage dauert nnd in der schönen langen Pappel-Allee am Rhein gehalten wird, der besuchteste, ei» wahres Volksfest, ist, wobei viele tausend Menschen aus der Nmgcgcnd sich ctnsinde». Es wird dabei sehr viel gekochter Apfel- vder Birnsaft feilgeboten und verbraucht. Von jeher, auch noch in neuester Zeit, wurden in und um Andernach, bei Bauten, in Gärten und Feldern, häufig römische Münzen gefunden. Die meisten sind von Konstantin. Bei den Acker-Arbeiten auf dem oben erwähnten Kirchbcrge werden fast alljährlich Steinsärge re. entdeckt. Der Vorstand des Museums rhein. Alterthümer, in Bonn, beabsichtigt Nachgrabungen daselbst anzustellen. Eme schöne Sammlung von Alterthümern, welche in und um Andernach gesunden worden, besaß der frühere Rektor der höher» Bürgerschule in dieser Stadt, Jak. Richter. Er hat dieselbe vor seinem Tode dem Museum zu Bonn geschenkt. Die vorzüglichste» Gegenstände dieser Saminlnng waren alte Steinschriften, mehr oder weniger verstümmelte Bildsäulen, Münzen, Aschenkrüge w. Es befindet sich in der Stadt, außer den städtische» Behörden, noch ein Fricdensgertcht und ein Postmeistcramt. Das alte Wappen von Andernach besteht in zwei krenzwcis über einanvcrgelegien großen Schlüsseln. Gleich unterhalb Andernach fließt der Rhein, der von Jrlich bis hierher die nordwestliche Richtung verfolgt, wieder direkt gegen Nord. Den Fuß des Krähn en-Berges bespülend, der, korrcspondirend mit rcr Höhe am rechten llfcr, durch seine scharf vorspringenden Felsen das Thal sehr verengt, nnd sich steil über dem Krahnen erhebt, bildet hier der Strom eine mit Pap- peln bepflanzte nnd durch ein -Haus geschmückte Insel, hart am linken Ufer. Laachor See und Abtei Laach. Von Nieder-Mendig erreicht man bequem in 1'/, Stunden, über den Kratcrrand des laachcr Vulkans, diesen selbst, und zwar an der Stelle, wo die Abtei Laach gelegen ist. Schon 2l1 Jahre vor der Niederlassung der Römer am Rhein war der cbengcnannte Fcuerberg höchst wahrscheinlich ausgebrannt und für immer erloschen. Sein Krater, dessen höchster, 399 bis 699 Fuß über die jetzige Thalsohle ansteigender Rand einen Umfang von zwei Stunden hat, umschließt den ganze» Kessel, dessen länglich runde Form sich sehr gut erhalten hat. Der untere, ohne Zweifel umgekehrt konisch sich verengende Theil des Kraters, der sich allmälig mit Wasser füllte und jetzt einen See von 8994 rhein. Fuß Länge, 7899 Fuß Breite und 214 Fuß mittlerer Tiefe bildet, während seine Oberfläche einen Raum von 1433 Morgen 94 Ruthen 39 Fuß einnimmt, befindet sich 999 Fuß über dem Rheinspiegcl bei Andernach. Dieser merkwürdige Wasser-Behälter soll, der Sage nach, durch mehrmals 39999 theils sichtbare, theils unsichtbare Quellen genährt werden, eine Zahl, welche wenigstens auf die -Hälfte vermindert werden dürfte. Die Römer kannten den laacher See, was durch in seiner Umgebung gefundne Münzen der alte» Eroberer bewiesen wird. Er befand sich also schon im Beginn unsrer Zeitrechnung ungefähr in demselben Zustande wie jetzt. Bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts hatte er keinen Abflug; erst als nach langen nnd heftigen Regen-Güssen das hoch anschwellende Wasser der 1993 von Heinrich II. von Laach gestifteten gleichnamigen Abtei, am westlichen Ufer des Sees, den Untergang drohte, wurde durch die Mönche, von 1152 bis 1172, ein unterirdischer Abzugs-Graben angelegt, der gewöhnlich trocken ist, nnd nur beim Schmelzen des Schnees, oder nach heftige» Gewittern, den Wasser-Ueberfluß des Sees der Nette zuführt. — Die Altcnbnrg, worauf Psalzgraf Heinrich hauste, stand dem Kloster gegenüber, an der östlichen Seite des Sees. Sie ist spurlos verschwunden. Die alleinige menschliche Ansiedelung, welche gegenwärtig in dem alten Krater besteht, ist die ehemalige reiche Benetiktincr-Abtei Laach, welche 1892 aufgehoben wurde nnd sich seitdem in eine große Meierei verwandelt bat. Mit Ausnahme der Kirche und der Waldungen, die Staatsdomäne geblieben sind, gehört das Ganze seit 1329 der Familie v. Delius. Mehre Nebcn-Gebäudc wurden abgebrochen, andre haben sich in eine Branntwein-Brennerei, Stallnngcn ?e. verwandelt. Die schöne Kirche sworin sich das Grabmal des 1993 gestorbnen Stifters befindet, und die auch an andern Denkmalen reich war, welche theils zertrümmert, theils nach andern Orten versetzt worden), wird auf königl. Kosten wieder hergestellt. Bis jetzt ist sie indeß merkwürdiger durch ihre Außenseite als durch ihr Inneres. Das Gebäude ist im schönsten Nnnd- bogenstpl regelmäßig gebaut und mit 9 größern und kleinern Thürmen geschmückt. Der Eindruck, den diese zugleich imposante und malerische Gebäude-Masse auf den unterrichteten Besucher hervorbringt, in der einsamen stillen Gegend, über dem dunkelblauen Spiegel des geheimniß- vollen Sees, von dem sie kaum 499 Schritte entfernt ist, umschlossen einerseit von dem Rahmen eines dunkeln Waldes, auf der andern Seite (nach welcher in der Vorzeit die letzte» Lava-Strömungen sich ergossen) von den nackten Höhen der vier Kunsköpfe, ist ein eben so ergreifender, als nachhaltiger. Das jetzige Hofgnt Laach, aus 13 Gebäuden bestehend, hat nur 12 Bewohner. Während den letzte» Jahren des Bestehens der Abtei, befanden sich in derselben nabc an 39 Geistliche und fast eben so viele Dienstlente. Die ansehnliche Bibliothek, worin sich seltne Drucke, Handschriften und Urkunden befanden, ist verschwunden, ebenso die nicht unbedeutende Gemälde - Sammlung. Haminerstcin, auf einem gewaltige» düstern Felsen, dessen Fug der Rhein bespült. Die Ucberrcstc der Burg sind wenig bedeutend. Sie bestehen aus einige» zersplitterten Mauern, ohne Thürme, oder überragende Giebel. Der Sage nach stand diese Reichsfeste schon zn Anfang des 19. Jahrhunderts. 1929 wurde sie von Kaiser Heinrich II. belagert nnd zerstört. Die Ableitung ihres Namens von Karl Martcl ist nnbc- ^ gründet! vielmehr rührt derselbe von den benachbarten -Hammerwerken her. Der von seinem treulosen Sohne verfolgte Heinrich IV. fand, nach seiner Entweichung aus dem Saal zn Nieder-Jngelheim, 1193 auf dieser Burg eine sichere Zufluchts-Stättc. Auch blieben die Reichsklcinodien hier so lange im Verwahr, bis Heinrich V. sie abholen ließ. Ritter von Hammcrstcin komme» urkundlich unt II45 vor. Sie und ihre Nachkomm en besaßen die Feste als kaiscrl. Lehen »nd erhielten von Karl IV. das Recht, eigne Münzen z» prägen. Seit 1374 wurden sie tricri'chc Lehnsleute; ihr Geschlecht starb 1418 ans. Im 30jährigen Kriege war Ham- inerstein »och sehr fest. Abwechselnd von Kaiserliche», Schweden, Franzosen und Spaniern besetzt, hatten es zuletzt Lothringer inne, denen Kurfürst Karl Kaspar von Trier 1644 es wieder abnahm. Die Franzosen überrumpelten es in dem verhängnißvolleii Jahre 1688 und schleifte» es vollkommen. Die Burg Rkieinock zeigt sich zuerst unterhalb Brohl, am linke» Ufer. Dies aus 3 Gebäuden bestehende Schloß, welches der fetzige Besitzer, Herr von Bethmann-Hollweg, Kurator der Universität Bonn, seit 1832 durch den Bauinspektor von Lassaulr in byzantinischem Geschmack wieder hat aufbauen lassen, hieß früher Rp neck und soll aus den Trümmern einer Römer-Warte entstanden sein. Jedenfalls war es schon im l l. Jahrhundert vorhanden und wurde in Mitte des folgenden von Konrad III. zerstört. Die Burggrafen von Rpneck starben 1548 aus. Der Kurfürst von Köln eignete sich nun ihr Schloß zn, welches jedoch von dem Kaiser dem Freiherrn von Warsbcrg zugesprochen wurde, weil seine Gattin, die aus dem rvncckschcn Geschlecht abstammte, die nächsten Ansprüche darauf geltend machen konnte. Ein Graf von Sinzcndorf kaufrc 1654 die Burg, welche 34 Jahre nachher die Franzosen in die Luft sprengten. Abermals ausgebant, ward sie 1785 böswillig angezündet und gänzlich eingeäschert. Wie gesagt, schmückt sie fetzt wieder den Gipfel des etwa 406 Fuß über den Rhein erhöhten Bcrgvorsprunges, zwar nicht in ihrer früher» Gestalt, sondern mit 2 runden »nd einem Spitzgiebel, neben einem niedrigen byzantinischen Thurm, während ein vereinzelter viereckiger Thurm die alte Banart andeutet. Das Innere ist theils i» mittelalterlichem, theils in neuerm Geschmack eingerichtet. Vorzüglich schön ist die runde Kapelle, deren äußere Form ein Achteck bildet und deren Gewölbe sich auf eine Mittel-Säule stützt. Ihre trefflichen Fresko-Gemälde sind von Steinlc. Ein Krnzifir von karrarischcm Marmor, von Achtermann, einige alte bunte Scheiben und eine hübsche kleine Orgel sind ihre übrige» Merkwürdigkeiten. In dem heitern Speisc- saal, der eine herrliche Aussicht rheinabwärtS bis zum Sicbcn-Gcbirg und bis Ober-Winter bietet, ist ein schönes Gemäloc von BegaS, Heinrich IV. im Büßcrgcwand, barfuß stehend an der verschlossenen Thür des Papstes, der, umringt von seinen Hoflcnte», triumphircnd vom Altar herabschaut. Hier befindet sich auch ein hübscher Humpenschrank, nebst einigen bunten Scheiben. Im größern Wohnzimmer steht ei» chinesischer Tisch »nd an den Wänden hängen einige gute Gemälde. Der Schrank auf dem Flur enthält nur chinesische Waffen. Im achteckigen Saal, über der stapelte, sind vier neuere Glaswappen von Besitzern von Rheineck und zwei schöne Marmor-Vase». Außerdem enthält daö Schloß noch manche andere interessante Gegenstände, namentlich alte Möbel, bunte Scheibe», eine Bibliothek, gute Gemälde w. Wirklich entzückend ist die Aussicht von dem 80 Fuß hohen Thurm, auf die herrliche Rheingegend. Tief unter sich erblickt man, an der Mündung seines hübschen Wiesen- Thales, das Dorf Rheincck, am Pfingstbach, mit >50 Einw.; weiterhin, Ober- und Nieder-Brcisig, gegenüber Nheinbrohl und Hönningen, unten die Ruine Ockenfels, Argendorf, Lcnbsdorf, Linz und Kripp. Ueber diese Orte erheben sich die Verberge des Westcr-WalbeS, vor ihnen ist die spiegelnde Straße des breiten Rheins und in der Ferne zeigen sich Ober- Winter und die Gipfel des Sicbcn-Gebirgs. Am nördlichen Fuße von Rheincck, auf beiden Ufern des Pfingstbachcs, befinden sich die Gasthäuser Schloß Rheincck und Weinberg. Sin zig, mit 1900 Einw. Es gehören dazu noch die beiden Rittergüter Ahrenthal »nd Godenhaus. Dieser 7 Meile» von Köln und 4'/, Meile» von Koblenz entfernte Ort ist sehr alt und soll, obgleich röni. Geschichtschreiber seiner nicht gedenke», dennoch ein Kastell »nd eine der größer» Niederlassungen der alten Eroberer, des Namen Sonünoni» sun- «er welchem er in Urkunden von 762 vorkommt) gewesen sein. Die Voraussetzung, daß die Römer hier einen festen Wohn- und Waffenplatz gehabt, wird nicht allein durch die überaus günstige Lage ans einem kleinen Hügel, und den Umstand, daß grade auf diesem Punkte das röm. Nieder- Dentschland begann, sondern auch durch mehre hier entdeckte Alterthümer bescheinigt. Nach Einigen soll Sinzig sogar der Ort sei», wo Konstantin der Große, vor der Bcsiegung seines Gegners Magnensius, das Kreuz am Himmel gesehen. Diese Angabe ist jedoch »»gegründet. Ans den Trümmern des Römer-Kastells, dessen Spuren ganz verschwunden sind, entstand ein Königshof der Franken, der sich später in eine» Reichssaal verwandelte. Karls des Große» Vater, Pipin, erließ in dieser Pfalz mehre Befehle, wovon einige noch in alten Urkunden- Saminlnngcn nachgesehen werden können. Heinrich III. und vcrschiedne seiner Nachfolger, residirten in Sinzig, dessen Palast Albrecht von Oestreich dem Erzbischof Wigbold von Köln schenkte. Die Stadt wurde im Laufe der Zeiten durch Belagerungen, Erstürmungen und andre KriegS- drangkale hart mitgenomme». Ihre mit hohen Thürme» versehenen Mauern wurden bald zerstört, bald wieder aufgeführt. Jetzt ist sie von niedrige» halbzcrfallencn Mauer», ans nicht hohe» Erdwällen »nd größ- tenthcilö zugeschütteten Graben umschlossen, und kann beinahe als ein offener Ort betrachtet werden. Ans dem Hclencn-Berge, der später ein Minoriten-Kloster trug, soll ein Bethaus der Kaiserin Helena gestanden haben; auch gibt es zn Sinzig noch eine Helenen-Psorte und ein Hcle- ncnfeld. Die alte, aus Tuff- oder Bimsstein im Rnndbogenstpl erbaute, schön gezeichnete Ktrche, ist ein im Aenßern und Innern sehenswerthcs, durch einen ziemlich hohen Thurm und einen kleinern geschmücktes Gebäude. Sie hat die Form eines regelmäßigen Kreuzes, mit achteckigem, gegen den Rhein gewendeten Empor, hinter dem man eine entzückende Aussicht anf die schöne Gegend hat. Ein darin befindliches Altarblatt, worauf Kaiser Konstantin, das Kreuz erblickend, dargestellt ist, hat Veranlassung gegeben zu dem Schluß, daß sich dies Wunder in hiesiger Gegend ereignet habe, obgleich es erwiesen ist, daß der Kaiser nie hierher gekommen. Der Sage nach soll eine ältere Kirche anf der Stelle der gegenwärtigen, aus den, >2. Jahrhundert herrührenden, von Konstantins Mutter, Helena, erbaut worden sein. Die Stadt war ehemals größer und bevölkerter als fetzt. Ihr Wahrzeichen, oder vielmehr eine eigenthümliche Merkwürdigkeit von Sinzig, ist der alte oder heilige Vogt, eine christliche Mumie, die in einer Kapelle in der Kirche zu sehen ist. Nirgend wird gesagt, daß man ihr Wunder zugeschrieben, vielmehr wurde sie während den Fastnachts-Posse» seltsam herausgeputzt herumgetragen und männiglich hatte seine Freude daran, daß der alte Herr sich so schön steif hielt. Die Franzosen, die dem alten Vogt, man weiß nicht aus welche» Beweggründen, eine Wichtigkeit beilegten, die er nicht hatte, entführten ihn »ach Paris, wo man ihn im Natnralicn-Kabinct des Pflanzen-Gartens aufstellte. Durch den pariser Frieden, nebst mehre» andern Reliquie» seiner Vaterstadt wieder zurückgegeben, wurde er von dieser im September 1815 feierlich in Empfang genommen. Er bewohnt wieder seine alte Kapelle, wird jedoch nicht mehr zum Fastnachts-Narren gebraucht. Bei Rcmage» geht eine Fähre hin und her, da der Verkehr zwischen beide» Ufern anf diesem Punkte ziemlich lebhast ist. Das letztgenannte ist ein Städtchen von 1900 Einw, wovon etwa 150 Evangelische und 60 Juden. Es ist sehr alt und wird auf Peutingcrs Karte der Römer-Straßen unter dem Namen N^unm-rn- angedeutet. Eigentlich besteht es nur aus einer langen, mittelbreiteu gepflasterten Hauptstraße, welche sich von Sndos« nach Norewcst zieht »nd einige» gegen den Rhein sich hinabsenkenden, oder gegen die Kirche und die Berge sich ziehenden kleinen Ncben-Gassen. Voni Rhein gesehen scheint der Ort sehr düster, ärmlich und wenig angenehm; in seiner Hauptstraße ist er jedoch ziemlich freundlich und wird von heitern, fleißige» Menschen bewohnt. Sein kleiner unregelmäßiger Marktplatz, woran das nenc zweistöckige Nathhans steht, ist allein des runden Lanfbrnnnens wegen beachtungswerth, weil er a»S alten Uebcrrestcn erbaut sein soll, an welchem unter einer Steinmadonna das Stadtwappen, im ober» Felde ein schwarzer Adler über drei weißen Thürmen, im unter» ein weißes Lamm mit einem grünen Baum, angebracht ist. Der beigefügten Jahrzahl nach ist dies Werk von 1718. Merkwürdiger ist auf jeden Fall die Kirche ans dem 13. Jahrhundert, welche im Innern neu hergestellt und von den Schnörkel» und Zierrathcn befreit wird, die verdorbncr Geschmack darin angebracht. »W Ma» bewahrt in ihr ein altes Gemälde» den h. Apollinaris darstellend, welches sich friiher in der gleichnamigen Kirche auf der nahen Höhe befunden. In einem sehr hübsche» gothischen, leider verstümmelten Heiligen-Häuschen, wird der Schädel desselben Heiligen aufbewahrt. Ein Abendmahl in ganzen Figuren, mit schönen Säulen und Laubwerk, eine interessante Grablegung, der todte Heiland und 7 Reben-Figuren, alle von Stein, welche ma» am Schwalberberg, zwischen Nemagen und Einzig, im 17. Zahrhundert unter der Erde gefunden, ein gutes Bild (Apollinaris Kranke heilend» einige alte bunte Scheiben von 1662, die Kanzel mit schönen Holzschnitzereien aus dem 12. Jahrhundert und die neuen bunte» Fenster hinter dem hübsche» Altar, sind die übrigen Sehenswürdigkeiten dieses mit einem ziemlich hohen Kappenthurm versehenen Gotteshauses. In weniger als 10 Minute» steigt man von hier zur Apollinaris-Kirche hinan. Dies herrliche Gebäude, welches der Graf von Fürstenberg in den letzten Jahren von Grund aus neu hat aufbauen lassen, nachdem die alte zu baufällige Kirche vollkommen abgetragen worden, ist die höchste Zierde dieser Gegend und verdient nicht allein von jedem Kunstverstänrigen, sondern von jedem Reisende» von Geschmack besucht zu werden. I» regelmäßiger Kreuzform aufgeführt, bildet das Hauptportal den Fuß des Kreuzes, und der gegen den Rhein gewendete halbrunde Chor den Knopf desselben. Zwei hohe durchbrochene Spitzthürmc erheben sich auf der Vorder-Seitc. Zwischen beide» ist ein Spitzbogen-Fenster in vier Abtheilungen, darüber ein Spitz- gicbel, mit davor befindlichem Altan und reicher Laubverzierung. Ueber einer kleinen Thür in der Mitte steht ein Steinbischof, mit goldnem Krumstab, geschützt durch ein gothisches Spitzdach. Ganz oben ans dem Spitzgicbcl der Kirche ragt ein schönes vergoldetes Kreuz aus vergoldeten Blumen hervor. Am Hauptgebäude sind zwei schöne zugemauerte Rose», daneben zwei offne sehr geschmackvolle, ebenso an den Krcuzvor- sprüngen zu beiden Seiten, die mit herrlichem Spitzgiebel, doppelten Lanbkranz und >2 Thürmchen geschmückt sind. Das Langhaus springt vor gegen den Rhein, und ist mit zwei schlanken, etwas niedrigern Thürmen , als am Hauptpvrtal, versehen. Dazwischen befindet sich ebenfalls ei» Spitzgicbel mit einem Goldkreuz, unter dem der Chor ein Sechseck mit schönen Spitzgiebel-Verzierungcn bildet. Auf beide» Seiten sind die Winkel des Kreuzes durch zwei Kapellen von rheinischer Basalt-Lava, mit flachen Altan-Dächern ausgefüllt. Rings um das Dach der Kirche zieht sich eine Gallerte, mit schöne»! durchbrochenen Geländer und prächtiger Laubvcrzierung. Unter dem Chor befindet sich ein Krypta, in drei Abtheilungen. Außerhalb am Chor ist das fürstcnbergsche Steinwappen angebracht. Sehr reizend ist die Aussicht, welche man von dem Apollinaris- Berge hat. Sie erstreckt sich einerscit über Nemagen hinaus bis zur Ahrmündung, dem Dorfe Kripp, dem gegenüber gelegnen Städtchen Linz und den Dörfern bis nach Erpel, über welchem letzten man das von löst Seelen bevölkerte Dörfchen Orsberg sieht. Rhcinabwärts zeigt sich Unkel, nebst den benachbarten Ortschaften. Nonncuwertb, mit einem ehemaligen Bcncdiktincr-Nonnen-Klostcr, das 1120 durch den Erzbischof von Köln, Friedrich I. von Kärnten, gestiftet und mit einem Hospital verbunden wurde. Allmälig sehr reich geworden, hatte es vor dem Brande von 177Z das Anseh» eines Palastes. Nach demselben wurde es zwar etwas kleiner, doch immer noch sehr weitläufig aufgebaut. Während dem 30 ährigcn Kriege hatten es Schweden und Spanier sehr mitgenommen. Die Gebäude bestehen ans einer Kirche und einem Thurm mit Doppelkappe, beide im Schnörkclstyl, ans drei großen zusammenhängenden Gebäuden, die durch Brandmauern von einander geschieden sind und mehren Ncben-Gebäudcn. Das Ganze bildet ein längliches Viereck, wovon die Nord- und Südseite 120 Fuß, die West- und Ostseite aber eine Ausdehnung von 230 Fuß haben. Im Innern dieses Vierecks befindet sich eincrseit ein Blumen-Garten und auf der andern Seite der Ocko- nomiehof. Das Hauptgebäude enthält große Säle und Gänge, nebst 60 größern und kleinern Zimmern, aus denen man auf der Nordseite eine schöne Aussicht auf das Sieben^-Gcbirg hat. Angenehm ist ein hübscher Garten und ein Park, oder Nachtigallen-Wäldchen, hinter den Gebäuden. Der untere Theil der Insel aber besteht aus Wiesen und Ackerland. Die Gebäude sind jetzt zu einer Gastwirth- schast eingerichtet, die im Sommer stark besucht wird, und wo sich Familie» theils aus der Umgegend, theils aus weiter Ferne, Monate lang aufhalte». Denn nicht allein ist die Umgegend überaus reizend und bietet Veranlassung zu viele» und angenehmen Ausflügen in das Sicben-Gcbirg, nach dem Westcrwald, dem Ahrthal, dem laacher See, der Mosel und dem Niederrhcin, auch die Lage selbst ist überaus gesund, was durch das hohe Alter bescheinigt wird, welches die meisten Nonnen des 1802 aufgehobenen Klosters erreichten. Napoleons erste Gemahlin, Josefina, verwendete sich so eifrig für diese Nonnen, daß sie, der Aufhebung ihres Klosters ungeachtet in demselben bis zu ihrem Ende bleiben durften. Die Regierung verkaufte 1822 die 66 Morgen große Insel an einen Privatmann, der die Gebäude zu einem Gasthause einrichtete, dessen gegenwärtiger Eigenthümer, alle» billigen Wünschen seiner Gäste zu entspreche» bemüht ist. Die Insel hat einen Umfang von Stunden. Die Dampfschiffe haben hier eine Nachen- Station. Ueber Rvlandswcrth erhebt sich, auf einem vorspringenden ziemlich steilen Felsen, die Ruine des Schlosses Roletiidscck, nebst einigen unbedeutende» Trümmern nur noch aus einem großen thorähnlichen Mauerstock bestehend, der fast eine Ehrenpforte zu sein scheint, durch die man eine herrliche Aussicht sowohl gegen Bonn als gegen Unkel hat. Am schönsten zeigt sich eben hier das Siebengcbirg in seinen Verzweigungen, mit den vereinzelten, mannigfach gestalteten Gipfeln und den kleinen Thälern. Rolandseck soll, der Sage nach, von dem gewaltigen Roland, Karls des Großen Neffen, erbaut worden sein, der hier um seine Geliebte, welche in dem nahe» Insel-Kloster den Schleier genommen, zeitlebens getrauert. Besucht zu werden verdient der seitwärts von der Ruine befindliche Ro- derb erg. mit einem vor Jahrtausenden erloschenen Krater, worin jetzt ein Bauernhof, inmitten fruchtbarer Felder liegt. Drachenfels. Das hier befindliche Schloß wurde 1117, gleichzeitig mit dem auf dem nächst gelegenen Berge Wolkenburg, von Friedrich 1., Erzbischof von Köln, erbaut. Im 13. Jahrhundert kam eö als Lehen an Burgmänner, welche sich danach benannten und 1380 in männlicher Linie ausstarbeu. Durch die Frauen ging nun der Drachcn- ftls an die Waltbott von Bassenheim über und wurde in den Fehden mit Franz von Sickingen zerstört. Im Alterthum soll hier eine Römer- Warte gestanden habe», wovon man jedoch keine Spur mehr bemerkt. Sicbcn-Gebirg. Dies merkwürdige Gcbirg, in dessen Schoße noch mehr als eine geologische Merkwürdigkeit verborgen ist, nimmt den Raum von etwa einer deutschen Geviert-Meile ein. Zwei Hauptthäler durchschneiden eS von Abend gegen Morgen. Eine Menge Gipfel, wovon die meisten die Gestalt eines abgestumpften Zuckcrhuts haben, erheben sich über den buckelkörinigen Rücken, die nach allen Seiten abgerundet sind, und dem Rhein zunächst von 7 Haupthöhcn überragt werden, welche dem Ganzen seinen Namen verliehen haben. ZK n n. Diese königlich preuß. Kreis- und Universitätsstadt, zum Regierungsbezirk Köln und der k, preuß. Provinz des Großherzogthums Nicderrhein gehörig, liegt in einer schönen und fruchtbaren Ebene auf dem linken Ryeinufer, etwa 21« Stunden von den Quellen und «6 St. von dem Ausflüsse des Stroms in das Meer. Man gibt die Breite des Rheins, der hier eine leichte Krümmung macht, auf 1440, die Tiefe auf 15 und die Geschwindigkeit auf 8 Fuß in der Sekunde an. Die^öhe dcS Stadtbodens auf dem Münsterplatz wird auf 170 Fuß über der M berechnet. Von Berlin ist die Entfernung 83'/» Postmci- len oder 138'/» Wegstunden. In alten Zeiten soll die Stelle auf der Bonn liegt, ein Theil einer großen Rheininscl gewesen sein, deren Gränzen sich jedoch nicht mehr bestimmen lassen. Spuren des alten Rheinbettes, das jedoch schon zur Zeit der Römerhcrrschaft in dieser Gegend ausgetrocknet sein mochte, lassen sich nachweisen. Der Boven ist angeschwemmtes Erdreich jüngster Bildung und besteht aus lehmiger Sanderde, Thon und Letten, gemischt mit vulkanischem Bimsstein, auch feiner Sand mit Kies vcrinengt findet sich; Quellen aber fehlen und fast alle Brunnen ziehe» ihr Wasser aus dem Rhein. Auf der Westseite bestehen die nächsten Berge aus Grauwacke und Thonschiefer, auf der Südseite ist der Godesbcrg, der Noderberg und das Siebcngebirg am andern Flußufer jedenfalls vulkanischen Ursprungs. Die Gegend, dem Südost und Sürwcst geöffnet und dem Ostwinde zugekehrt, hat ein gesundes und nur rheumatischen Uebeln ungünstiges Klima. Der „bönnsche Wind" ist im Munde des Volkes bekannt uno berufen. Im Frühjahr, Herbst und Winter sind die Nebel häufig, aber nicht andauernd, in der milden und reinen Luft zählt man noch einmal so viel heitere, als düstere und regnerische Tage. Der fruchtbare Boden erzeugt Wein; ober- balb und unterhalb der Stadt und auf beiden Rheiuufcrn wird jedoch nur ein mit wenigen Ausnahmen geringer, meist rother Wein gebaut; Getreide, Obst, Gemüse, Hülscnfrüchle fehlen nicht. Der Garten z» Poppelsdorf hat die meisten Gewächse der milden Zone. Die Einwohnerzahl aus der Römcrzeit läßt sich nicht angeben; später nach den Verheerungen durch die Franken mag sie noch geringer gewesen sein. Bor dem dreißigjährigen Krieg und nach der Belagerung von 1703 soll es höchstens 3-6000 Einwohner gehabt haben. Mir dem Beginn der französischen Revolution betrug die Bevölkerung 9500 Seele», im Anfang 1844 dagegen 13,600 oder mit Einschluß von 750 Studenten und einer Besatzung von 650 Mann zusammen 15,000 Seelen. Mit Ausnahme von 1800 Protestanten und etwa 400 Jsraeliten bekennen sich die Bonner zur katholischen Kirche. Die Stadt hat 42 öffentliche, 7 Fabrikhäuser, zusammen I4lg Gebäude. Aus der Geschichte Bonns dürfte Folgendes am meisten bemerkenswerth sein. Im Jahre 10 vor Chr. Geb. ließ der römische Feldherr Drusns bei Bonn, am Wichels-Hofe, nach Bcfiegung der Katten und Sigambern, ein regelmäßiges Kastell (.'»swu ->>>»ui»u-, gut — oder wie z B. Arndt will, vom keltisch-deutschen kuk», VVnnn rm fruchtbares Acker- und Wiescnfeld, abzuleiten, wollen wir nicht ermitteln. Die Römer nannten die bei dem Kastrum gelegene Munizipalstadt Verona, was man aus den Inschriften nzchrcrcr in und bei Bonn ausgegrabenen Denksteine erweist. In Bonn soll auch der X,-> oder Hauptaltar der Ubier gestanden haben, welche Annahme dadurch nicht umgestoßen wird, daß die Weglänge, welche der Historiker Tacitus für dessen Entfernung von Vaters (Büde- rich) angibt, eher auf Köln zu passe» scheint. — Im I. 70 nach Chr. hatten sich d c Bataver unter Claudius Civilis gegen die Zwingherrschaft Roms erhoben. Damals erlitten die Römer bei Bonn eine Niederlage, die sehr blutig ward; bei diesem 0«»nenso ^roelin,», wie Tacitus berichtet: Qnuul-Nua corgnrilius snssua, (waren die Gräben mit Körpern der Erschlagenen angefüllt). Wiewohl schon zwischen 38 und 96 der h. Matcrnus, Bischof von Köln, das Christenthum in Bonn gelehrt haben soll, so breitete sich doch erst zu Constantins des Große» Zeit die neue Lehre hier aus, die Mutter des Kaisers, die h. Helena, wird als Gründerin der um 316 gebauten ersten Münsterkirche genannt. Auch nachher bis zum Sturze des weströmischen Kaiserthums 476 wird die Stadt noch etliche Male erwähnt, allein sie hatte durch die Ueber- sälle der Deutschen und bei dem Raubzug des Hunnenkönigs Attila viel zu leiden. Gar vom Anfange des fünften bis zum Ende des neunten Jahrhunderts blieb es nur schwach bevölkert und in Trümmern; die Bewohner flüchteten, wenn Feinde einbrachen, in die nahen Forste oder i» die Eifel. — Im Mittclalter hatte zuerst 92l der deutsche König Heinrich I., der Finkler, hier mitten auf dem Rheine, im Angesicht der Stadt, eine Zusammenkunft mit dem französ. König Karl dem Einfältigen, in welcher der lange Kampf wegen Lotharingen beendigt wurde. 942 hielt man eine Synode, an welcher 20 deutsche und lothring. Bischöfe Theil nahmen. Der Bruder Kaiser Otto'S l., der Erzbischof Bruno von Köln, erhielt 954 die Stadt, welche aber ohne Mauern, schutzlos und unbedeutend war. Erst 1240 gab ihr Erzbischof Konrad von Hochstätten Mauern, Wall und Graben, zugleich einige Freiheiten. Im I. 1254 trat es dem Bunde der Hansa bei, den 66 Städte schloffen, und wurde auch dadurch blühender. Die geistlichen Herren gewannen in ihren beständigen Fehden mit der kölner Bürgerschaft Bonn immer lieber; sie erweiterten und verschönerten es mit Vorliebe. Vergebens war es 1324 von Johann von Böhmen, der für Ludwig den Baier stritt, belagert. Nachmals war eö die erste Stadt am linken Rheinufer, wo die deutschen Reichshäupter sich ausschifften, wenn sie zur Krönung nach Aachen zogen; ja Friedrich v. Oesterreich und König Karl IV. (Letzterer 1346> wurden im Bonner Münster gekrönt. In der Reformationszeit hielt Erzbischof Hermann, Graf zn Wied, hier 1542 eine öffentliche Zusammenkunft katholischer und protestantischer Theologen, um sich auszugleichen, wofür ihn der Papst nachher absetzte. Einer seiner Nachfolger, Salcntin, Graf von Jlen- burg, baute ein Schloß, das vom alten Koblenzer Thor bis zum Rhein reichte, aber nur 20 Jahre stand. Sein Nachfolger, der bekannte Gcdhard, Graf von Truchseß-Waldburg, wollte ans Liebe zn der reizenden Agnes von Mannsfeld die geistliche Herrschaft in eine weltliche umwandeln. Er ließ sich hier trauen und versuchte selbst, als ihn das Domkapitel ausschloß, sich mit Gewalt in Bonn zu halten, w.'di» er seinen Bruder als Befehlshaber einer starken Besatzung gerufen hatt«. Bonn wurde vom Mai >583 bis Februar 1584 von Ernst von Baiern belagert; Gebhard mußte weichen. Allein einer seiner Freunde, Schenk von Nideck, nahm in der Nacht vom 22. auf den 23. Decbr. 1587 die Feste Bonn für seinen Herrn weg, plünderte sie, konnte sich aber nur bis zum September des folgenden Jahres halten. Die Trnp- penzügc im dreißigjährige» Kriege belästigte» die Stadt vielfach. Gegen Ende des >7. Jahrhunderts schloffen sich die Kölner Kurfürsten ans schiefer Politik an Ludwig XIV. von Frankreich; dadurch kam großes Elend über das Land und Bon» mußte drei Belagerungen, in den Iahren 1673, 1689 und 1793 ausstehen. Zuerst 1673 hatte es von ! einer aus Spaniern, Holländern und Kaiserlichen bestehenden Armee eine harte Belagerung ansznhalten und wurde zuletzt durch Capitula- tion gewonnen; 16v9 war besonders ein Unglücksjahr, denn der Kurfürst von Brandenburg, nachher König von Preußen, äscherte ihre Kirchen, Klöster und die meisten Häuser ein. Verderblich war auch die Belagerung von 1793, in welcher Coehorn unter Marlboroughs Oberbefehl stand; am 16. Mai mußte sich die Feste übergeben. Im Frieden zu Rastadt 1714 verlangte Holland, daß Bonn aufhöre Festung zusein. Erst nachdem 1717 die Festungswerke geschleift worden, konnte sich Blüte und Wohlstand heben. Der Fürst Clemens August — 1723 bis 1761 — wirkte segensvoll kür die Stadt, baute die neuen Schlösser zu Pop- pelsdorf und Brühl und brachte dadurch große Summen in Umlauf. Ihm folgte der gelehrte Maximilian Friedrich, welcher 1789 die Akademie zu Bonn stiftete und größtentheils mit den Gütern des dalv nachher aufgehobenen Jesuitenordens dotirte. Die erste Einweihung dieser Akademie war am ll. Nov. 1783. Die Vorlesungen wurden alle un- entgcldlich gehalten, daher eilte aus verschiedenen Gegenden des Rheinlandes die wißbegierige Jugend hinzu, um die Anstalt zu benutzen. Die Theilnahme wuchs in dem Maaße, daß Maximilian Friedrich beschloß, die Akademie zu einer hohen Schule zu erheben. Allein ehe noch die von ihm sehnlichst erwartete Bestätigungsurkunde von Wien eintraf, übereilte ihn 1784 der Tod. Sein Nachfolger Maximilian Franz, Erzherzog von Oesterreich, übernahm nun die Regierung. Bald nach dem Antritt derselben kam die Urkunde von Wien an, und am 29. November 1786 wurde die Universität mit aller möglichen Pracht eingeweiht. Ausgezeichnete Lehrer berief man hierher; z. B. Dereser, geb. 1757, war er von 1783—1791 hier Professor der Hermeneutik und orientalischen Literatur und kam hierauf nach Straßburg u. s. w. Daniels, geb. 1754 zu Köln, ward 1783 Professor der Rechtswissenschaft in Bonn ^ und blieb dies bis die Universität aufgehoben wurde; Wurzer, geb. 1765 zu Brücl, war von 1789 an Professor der Medicin und ging später nach Marburg. Auch die Namen Hedderich, Rougemont, Fischen ich, Necb u. a. stehen in gutem Andenken. Der Curator war Freiherr von Spiegel, der besonders schlummernde Talente zu entdecken und zu unterstützen wußte. Er förderte z. B. ungemein das Talent der Zwillingsbrüder Gerhard und Karl von Kügelgen, welche 1772 zu Bacharach geboren waren und damals in Bonn studirten. Auf Spiegels Veranlassung wagten sie es, sich der Kunst ganz zu widmen, was man in jener Zeit noch für so bedenklich und fast entehrend hielt. Ihre Leistungen als Maler und Zeichner sind rühmlich bekannt. — Der Kurfürst lebte ganz für die neue Hochschule. Die französische Revolution zertrat auch seine cdeln Saaten; er mußte Bonn schon 1794 verlassen. Die französische Herrschaft begann und zwar 1797 eine voni General Hoche eingesetzte Jntermediar-Com- mission. Bonn ward nachher Hauptort eines gleichnamigen Arrondis- semcnts, bestehend aus Landestheilen, die vordem zu Trier, Köln oder Kurpfalz gehörten. Mit dem Aufhören der kurfürstlichen Hofhaltung versiegten die meisten Erwerbsquellen und die Bevölkerung verminderte sich in etlichen Jahren um zweitausend Einwohner. Nur die Uebersiedc- lung einiger Bergischen Fabrikanten, sowie der Umstand, daß Bonn später Sitz einer Unter-Präfektur, eines Gerichts erster Instanz und zweier Friedensgcrichte wurde, half wieder etwas auf. Durch den I Frieden zu Paris kam es an Preußen, wodurch es im Innern und Aeußern gewann. Neue Straßen entstanden, z. B. die vor dem Mi- chaelS-Thore. Auf der Seite gegen Koblenz und gegen Köln traten Verschönerungen ein, die frühern Festungswerke verschwanden, oder wurden zu Gartenanlagen benutzt. Eine Eisenbahn zwischen Bonn und Köln wird auf der Seite gegen Poppelsdorf gewiß Neubauten und eine Umgestaltung zur Folge haben. Bonn ist gegenwärtig Sitz eines Ober-Bergamts für das Groß- hcrzogthum Niederrhein, einer Landraths-Behörde, eines Oberzollamts, Postamts, Untersuchungsamts, Hypotheken-Bureaus, zweier Friedensgerichte, einer Ober-Bürgermeisterei und anderer Behörden. Ein Regiment Uhlancn macht die Besatzung. Der vorige König, Friedrich Wilhelm III. verordnete unterm 18. Oktober 1818 die Stiftung und sofortige Eröffnung der rheinischen Universität, wodurch der Wohlstand Bonns neue» Schwung erhielt. Die Uebcrresie aus dem Alterthum, woran die Stadt reich war, sind in den vier Belagerungen meistentheils vernichtet worden. Außer der Münsterkirche und ihrem hohen Thurm ist wenig oder nichts mehr von ältern Bauwerken anzutreffen. Trotz der vielen Spitzgiebel ihrer Häuser muß doch die Stadt in ihrer Bauart zur neuern und neuesten Zeit gerechnet werden. Das alte Verona dehnte sich aus der einen Seite über den Martins- und Münsterplatz, das Dreieck und die Zuchthausgasse bis zum Rhein, auf der andern über den alten Zoll, das Universitätsgebäude, den Martinsplatz und die Sünst, bis zu den Maar- und Langgassen, dem Juden-, Wurst- und Neugäßchen aus; mithin bildete es ein längliches Viereck von etwa einer halben Stunde Ausdehnung. IZonim. die Kriegsstadt, lag mehr nordwärts, auf der Seite gegen Köln, zwischen dem Johanniskrenz und dem Jesuitenhof am Rhein. Man konnte hier die Gegend übersehen und leicht den Fluß beherrschen. Von viescr Kriegsstadt führte Drusus eine Schiffbrücke über den Rhein nach dem heutigen Dörfchen Gerssen, von wo aus noch jetzt ein „Brückenweg" nach dem Strom führt. Bon der Römerstadt aus der Nordscite Bonns wußte das Volk nichts mehr, als 1818 und 1819 Nachgrabungen vorgenommen wurden, welche die Entdeckung von kleinen Zellen, vermuthlich Soldatenwohnungen, wie auch von größern Gebäuden veranlaßten; sie lagen 7—12 Fuß unter der jetzigen Oberfläche, ein aus Quaderstein erbauter Brunnen führte 46' unter den Spiegel des Rheins. Man fand sich jedoch bei diesen Nachforschungen für Zeit und Geld nicht hinreichend belohnt und warf, nachdem man einen Plan der aufgegrabenen Stadttheile aufgenommen, die Stellen wieder zu. Die Alterthümer und Kunstgegenstände, welche man bei dieser Gelegenheit auffand, sind im Universitätsgebäude aufgestellt. Auch an andern Stellen entdeckte man schätzbare Ueberreste, die jetzt in der rheinischen Alterthümer-Sammlung der Universität gezeigt werden. Das merkwürdigste stück ist der angebliche Xrn Vbivram, der Hauptaltar der Ubier, 'den dies vom rechten zum linken Rheinufer übersiedelnde Volk nach Bonn mitbrachte. Er wird als ächt angenommen, stand 1893 auf dem Nömerplatze, wurde aber 1822 in das Museum gebracht, um ihn vor Beschädigungen sicher zu stellen. Auf der Hauptseite trägt er die Inschrift: Ileae vicwi'ise »serum sder Siegsgöttin heilig); auf der linken Seite zeigt sich ein Mann mit Messer und Art, auf der rechten ein Jüngling mit einem Henkelgefäß in der einen und einer Schüssel in der andern Hand; auf der Rückseite befinden sich drei Delphine und unten ein Opferstier. Man fand diesen Altar (wohl nur römischer Siegsaltar) im Schloßgarten von Blankenheim, wo er mit andern Alterthümern, an welchen die ehemal. Reichsgrafen von Blankenheim seit zwei Jahrhunderten gesammelt hatten, aufgestellt war. Unter den merkwürdigen Gebäuden und Denkmälern betrachten wir zuerst die Münsterkirche. Sie liegt im südwestlichen Stadttheile, zwischen dem Münster-, dem Martins- und dem S. Gangolfsplatze, soll von der Kaiserin Helena gegründet sein und war bis 965 mit einem Kloster verbunden. Das Gotteshaus scheint seinem Styl nach dem 12. Jahrhunderte anzugehören; ein starker Hauptthurm mit langgestreckter Spitze, zwei kleine Spitzthürmchen über dem Orgelchor und zwei gleichfalls zugespitzte Vorthürme gegen den Martinsplatz erheben sich über dasselbe. Das Innere der Kirche ist würdig, aber nicht düster. Vom Platze steigt man 8 Stufen hinab. Im Verhältniß zu ihrer Breite ist die Kirche fehr lang gestreckt und erscheint deshalb schmal; das Hauptschiff ist nicht fehr hoi^ und die Wölbung des Chors noch niedriger. Die bronzene Bildsäule der h. Helena, etwas theatralisch, mahnt an den Geschmack des Zeitalters Ludwig XIV., in welchem sie in Italien gegossen wurde. Der Hochaltar, vor welchem die genannten 2 Kaiser gekrönt wurden, hat ein großes versilbertes Kreuz — woran der Erlöser vergoldet dargestellt ist — auf Purpurgrund, mit Wolken, in welchen der h. Geist schwebt, indeß ein Engel das Kreuz hält. Vier helle Chorfenster beleuchten ihn grell, und wenn seine 19 Stufen mit lebenden Gewächsen bei Festlichkeiten bedeckt find, scheint es ein heiliger Hain, über welchem der in goldenem Lichte fchwimmende Hochaltar emporragt. Zwei andere Altäre stehe» im Chor. Der alte Taufstein, einige Gemälde und Glaswappen verdienen Beachtung, die vergoldete Holzkanzel dagegen paßt nicht zu Ganzen. Unter der Orgel ist das Grabmal des Erzbischofs, welcher 1268 die kurfürstl. Residenz von Köln nach Bonn verlegte; hier übersiebt man die ganze Kirche am besten. Noch einige Anbauten sind im alten Zustande. Der Münsterplatz lag früher öde und wurde der grüne Platz genannt. Die Länge des Münsters beträgt 259' die Breite 125' und die Höhe, den großen Thurm mitgerechnet, 399'. Die evangelische Kirche ist die sonstige Schloßkapelle, im Universitätsgebäude. Klein aber hübfch hat sie an drei Seiten Emporbühnen auf hohen Steinpfeilern. Der halbrunde Chor an der vierten Seite enthält die Kanzel, den Altar mit gegossene» Leuchtern von Eisen, wie auch der Taufstein und dessen Deckel. Die St. Rcmigius- kirche in der Brüdergasse, im altdeutschen Styl, ersetzt die ältere zum Minoritenkloster gehörige Kirche, ist groß und schön, mit hohem langem Mittelschiff und zwei Abseiten. Den Hochaltar schmückt ein Gemälde von van Spielberg, die Taufe Klodwigs, welches früher in der St. Remykirche sich befand. Andere Gemälde und Verzierungen sind unerheblich, allein die große Orgel ist sehenswerth. Breit ist'der mit Fenstern versehene ehemalige Kreuzgang. Die Jesuiten- oder Gymnasiumskirche, gegen Ende deo 17. Jahrhunderts von den Jesuiten gebaut, richtet ihre schöne Vorderseite, mit 2 Kappeuthürmen geschmückt, nach der Bonngasse. Nur von außen ist sie großartig, das Innere mißfällt durch den gelben Anstrich der Säulen und des Gewölbes. Die Bilder aus dem frühern Kapuzinerkloster sind werthlos. In vieler Kirche sammeln sich die Schüler des gegenüber liegenden Gymnasiums zum Gottesdienst, auch wird sie von den Bürgern fleißig besucht. In dem ehemaligen Kollegiatgebäude, welches die Jesuiten bis zur Aufhebung des Ordens bewohnten, sind nun die Amtswohnungen der Gymnasiallehrer. Die Stifts- oder Dietkirche, 1689 auf der Stelle erbaut, wo I früher eine Kapelle des h. Petrus stand, liegt westlich nah am Ende i! der Kölnerstraße im Hintergrunde eines kleinen Platzes. Sie war mit der Garnison, und in seiner Mitte wird Beethovens Denkmal stehen. Hier werden im Februar, Mai, August und November große Jahrmärkte gehalten. Außer dem Münster begränzen noch ansehnliche Gebäude den Platz. Ein alter Denkstein zeigt die Stelle, wo die Arbeiter am Münsterbau (so berichtet die Sage) mit ledernem Geld bezahlt wurden. Südöstlich vom Münsterplatz zeigt sich der gleichfalls ein unregelmäßiges Viereck bildende Martinsplatz. Von ihm führt eine enge Gasse zur Poppelsdorfer Pforte. Klein und unbedeutend ist der Gangolfsplatz, auf der Abendseitc der Münsterkiche. Von hier kommt man in die Sünst, eine enge, unregelmäßige Gasse. Wird die Durchfahrt vom Münsterplatz nach dem Bahnhof eröffnet, so muß sich die Sünst durchaus verändern. Der Münsterplatz ist in nordwestlicher Richtung verbunden mit der Sternenstraße und dem Vieh- markt. Letzterer, länglich viereckig, ist meist ungepflastert und an der Nordscitc nur zum Theil bebaut. Mittwoch und Freitag wird hier Viehmarkt gehalten. An ihn stößt das neue und alte Sternentbor, die große Cavalleriekasernc u. s. w. Auch ist hier der Eingang in die Sackgasse: der Eselsgraben. Die Sterne» st raße ist eine sehr belebte Hauptstraße und führt vom Sterncnthor nach dem Markt. Kaufläden, Werkstätten und Gasthöfe finden sich hier häufig. Sehr klein ist das Dreieck, ein Platz mit Kaffeeschenken. Die Aachenerstraße führt zum Remyplatz. Durch die Brücke kommt mau wieder auf den Markt, an dessen Nordwestende, am Anfang der Sternenstraße, rechts die Bonngasse beginnt. Sie ist sehr belebt und geht in nördlicher Richtung bis zur Kölncrstraße. In der Bonncrstraße liegt das Gymnasium und seine Kirche, auch einige Handlungen und Werkstätten. Die Kölnerstraße, noch breiter als die Bonner, hat große Häuser und Gasthöfe. Der Friedrich-Wilhelmsplatz mit dem Kölnerthore, durch welches man in 5V- Stunden nach Köln gelangt. Erst in neuester Zeit angelegt und mit schönen Wohnungen geschmückt ist die Friedrich-Wilhelmsstraße, vom gleichnamigen Platze bis zum Liehmarkt reichend. Die lange Straße unter den Kasernen geht von der Windmühle bis zum alten Sternenthor. Die Welsch non- nenstraße hängt mit der Sandkaule unmittelbar zusammen. Im Innern der Stadt gibt es viele Gärten, die bedeutendsten derselben gehören jedoch zu den ehemaligen Klöstern. — Der Stadtbezirk vor dem Kölnerthor umfaßt die zerstreuten Häuser an der Wachsbleiche, am Wichclshof, am Johanniskreuz und dem Kraut- oder Krausfeld, wozu viele Obst- und Gemüsegärten. Hier war zum Theil die römische Kricgsstadt, im Mittelalter eine Vorstadt, jetzt ist meistens Weinland dort. Das Johanniskreuz ist ein großes Passionskreuz, an der Stelle einer frühern Taufkapelle. Der Bezirk vor dem Sternenthor begreift etwa 9ll Häuser, das Gra- bengäßcheu, die Häuser am Sternenthor, im Stadtgraben u. s. w. Hier findet sich das Gasbereitungslokal. Von den" diese Vorstadt durchschneidenden Straßen führt die eine nach Poppclsdvrf, die zweite nach Endenich u. f. w. An letzterer liegt der Begräbniß- platz. Der Bezirk an der Poppelsdorfer Allee begreift etwa nur 30 Wohnhäuser. Die Allee geht vom Ncuthor lder Poppelsdorfer Pforte) nach dem V, Stunde entlegenen Dorf. Nordwestlich davon liegt der Bahnhof. Die Vorstadt a» der Koblenzer Straße zieht sich, von Gärten unterbrochen, an der breiten nach Koblenz führenden Landstraße hin. Hier ist der große königliche Gasthof, ein Prachtgebäude, worin viel Lurus herrscht. Die Häuser, nahe an hundert, liegen vor schönen Gärten oder in solchen und gewähren reizende Aussicht. Von der Koblenzer Straße gegen Poppelsdorf erstreckt sich die Maarfläche; seitwärts vom Kessenichcrweg heißt es am Schwarzwasser, von wo ein Pfad längs des Hofgartens wieder zur Koblenzer Straße führt. Der Umfang der ganzen Stadt innerhalb ihrer alten Ringmauer wird auf 8630 Fuß oder 34 Minuten angegeben, durch die Vorstädte freilich ist er mehr als verdoppelt; die östliche Außenseite, längs des Rheins, vom alten Zoll bis zum rheinische» Wall ist länger als die übrigen. Von den neun Basteien der alten Festung sind noch 3 in ihrer Gestalt vorhanden, haben sich aber im Innern in schöne Gärte» umgewandelt. Die größte Länge der innern Stadt, vom Universitäts- gebäude bis zum Kölnerthor, beträgt in gerader Linie etwa 2700 Fuß, und ihre größte Breite, vom Rheinthor bis zum Sünstthurm 2300 Fuß. Das gute Straßenpflaster besteht aus Basalt, welcher häufig hier in größer» und kleinern Säulen und zu verschiedenen Zwecken verwendet ist. Der beste geometrische Plan Bonns ist der von I. I. Hackhausen, worauf auch die nächste Umgebung angedeutet ist, die jedoch seither einige Veränderungen erlitt; ein kleiner Plan, ebenfalls von Hackhau- scn, kam 1337 bei I. H. Müller zu Koblenz heraus. — Die rheinische Friedrich Wilhelms Universität ward durch eine königliche Verordnung vom 13. Oktober 1818 gestiftet. Zum Mittelpunkt war derselben das vormalige kurfürstliche Schloß mit allem Zubehör, serner das wiederhergestellte Schloß und der Garten zu Poppelsdorf überwiesen worden. Auf königliche Kosten entstand späterhin das schöne achteckige Anatomiegebäude im Hofgarten, in neuster Zeit aber die Sternwarte bei Poppelsdorf. Die königliche Fürsorge berief ausgezeichnete Lehrer hierher und so stieg im ersten Jahre ! die Zahl der Studenten schon über 200, im folgenden bis nahe an 900, welche jedoch nicht gleich hoch blieb, wie überhaupt die Frequenz der deutschen Hochschulen in neuster Zeit sich verminderte. Der erste Curator war der Reichsgraf von Solms-Laubach und ihr erster Rcctor Gehcimerath Hüllmann. Der jetzige Curator ist der geh. Ober-Ne- gicrnngsrath von Bethmann-Hollweg. Unter den an der Universität beschäftigten bedeutender» Gelehrten wollen wir nur einige namhaft machen: August Wilhelm von Schlegel, geb. 1763 zu Hannover, kam nach dem Tode der Frau von Staöl, deren Begleiter er lange Zeit war, als Professor nach Bonn. Seine Verdienste als Dichter, Kritiker und Uebersctzer find zu allgemein bekannt, als daß ein Wort zur nähern Bezeichnung nöthig wäre. Ernst Moritz Arndt, geb. >769 auf der Insel Rügen, ward 13i8 ordentlicher Professor der Geschichte zu Bonn, allein bald nachher in politische Untersuchungen verwickelt und der Lehrfreiheit beraubt, welche erst der gegenwärtige König ihm wiedergab. Arndt ist der Verfasser ausgezeichneter Lieder, die zu den Volksliedern im edelsten Style gehören, auch seine Erinnerungen und seine historischen Arbeiten weisen ihm eine bedeutende Stelle in der neuen Literatur an. Barthold Georg Niebuhr, Sohn des berühmten Reisenden Niebuhr, war 1777 zu Meldorf im Holsteinischen geboren, lebte seit 1816 als prenß. Gesandter am römischen Hofe, nachher als Professor der Alterthumskunde zu Bon», wo er 183l starb. Bei der Erwähnung des Begräbnißplatzes gedachten wir seines Grabmals, welches die Liebe des vorigen Königs dem persönlich von ihm geschätzten Mann setzte. Niebuhrs römische Geschichte, seit 18li, in wiederholten Auflagen, ist ein Meisterwerk. Friedrich Diez, geboren zu Gießen 1794, ward 1822 Lehrer der südlichen Sprachen und 1836 ordentlicher Professor der neuern Literatur; er ist berühmt durch seine Untersuchungen über die Sprache und Poesie der Troubadours, durch seine Grammatik der romanischen Sprache und durch äußerst geschmackvolle Ueber- setznngen aus südlichen Dichtern, besonders des Mittelalters. Philipp Joseph von Rehflics, geb. 1799 zu Tübingen, ward 1814 Kreis- direetor in ^onn, 1819 Regierungsrath und Comuiissarius der Universität. Er ist allgemein bekannt durch viele Schriften, besonders fanden die Romane: Scipio Cicala, die ne»e Medea u. a. einen un- gctbeilteu Beifall. Karl Simrock, geb. zu Bonn >799, ist zwar unsers Wissens nickt mit der dasigen Universität in Verbindung gewesen; allein dennoch kennt man seine trefflichen „Rhcinsagen" und „Gedichte" am ganzen Strom; als gründlicher Kenner und großer Verehrer der mitteldeutschen Literatur und Sprache bat er sich durch eine Uebcrsetzung des Nibelungenliedes, deren Werth schon Göthe anerkennend rühmt, sowie durch Uebersetzungen des Heldenbuchs, Parzivals und anderer derzeitigen Dichtungen großes Verdienst erworben Friedrich Christoph Dablmann, geb 1783 zu Wismar, war erst seil 1813 Professor in Kiel, dann seit 1828 in Göttingen ordentlicher Professor der Geschichte, von wo er später mit 6 seiner Coilegen vertrieben wurde; er lebrt neuerdings zu Bonn. Seine historischen Arbeiten (wovon die neuste: Geschichte der englischen Revolution einigemal aufgelegt ward» zeichnen sich durch tiefes Quellenstudium, Scharfsinn, Klarheit und freien sinn aus. — Andere Gelehrte trugen nicht weniger zum Ruhm der rheinischen Universität bei. Im vorigen Jahre sil844» lehrten an derselben 41 ordentliche Professoren, wovon 4 der katholischen, 4 der evangelischen Theologie, 6 der juristischen, 9 der medizinische» und 20 der philosophischen Fakultät angehören. An diese schließen sich 12 außerordentliche Professoren, 15 Privatdozenten und einige Fachlehrer. Ein- zele der jüngern, hier wirkenden Lehrer haben bereits einen bedeutenden Namen und versprechen Zierden der Wissenschaft zu werden. Nur die naturwissenschaftlichen Vorlesungen werden^in dem Schloß zu Pop- relsdorf gehalten, für alle übrigen sind 15 Säle des Universitätsge- bäudes bestimmt. Die Zahl der Studenten betrug im Sommer 1844 nur 760. Man berechnet, daß Einer derselben für seine körperlichen Bedürfnisse 250 bis 300 Tblr. jährlich nöthig hat, mitbin Bon» zwar nicht zu den wohlfeilsten, keineswegs aber auch zu den theuersten Universitätsstädten zu zählen ist. Verbunden ist mit der Universität: 1) Das katholisch-theologische Conviktorium, mit einem Director und 3 Professoren. Durchschnittlich leben hier 70-80 Seminaristen, welche Wohnung, Tisch, Bedienung u. s. w. in der Anstalt finden. Neuere Zeitungsberichte haben behauptet, die Resultate dieser Anstalt seien nicht entsprechend; man muß dies aus Mangel an Beweisen dahin gestellt seyn lassen. Es ist mit dem Seminar eine Lesegesellschaft verbunden, an der sämmtliche katholische Theologen Theil nehmen. 2) Das Seminar der evangelisch-theologischen Fakultät mit 4 Professoren. Es hat eine philologische und historische Classe, Stipendien und Prämien. 3) Das homiletisch-katechetische Seminar derselben Fakultät. 4) Das philologische Seminar, wo sich Studierende für die Alter- tbumswissenschaften gehörig vorbereite» sollen. 5) Das 1825 gestiftete Seminar für die gesammte Naturwissenschaft. 6) Das seit 1832 bestehende akademische Museum. — Die medizinischen Anstalten befinden sich im südwestlichen Flügel des Universitätsgebäudes und begreifen das medizinische und chirurgische Clinikum, wovon für das Erste 8 Zimmer mit 30 Betten im ersten Stock bestimmt sind. Die drei andern Zimmer im Erdgeschoß nehmen üb- und zugehende Kranke auf. Das Kabinct der chirurgische» Instrumente undBandagen ist gut versehen Nebenan im zweiten Stock des Hauptgebäudes ist die geburtshülfliche Anstalt, worin zu gleicher Zeit 12 bis >6 Personen verpflegt werden können. Die anatomischen Vorlesungen werden im anatonu chen Theater im Schloßgarten gehalten, unv damit es zu den praktischen Erläuterungen nicht an Körpern und Präparaten fehlt, müssen die bleichen aller Selbstmörder, sowie alle in der Strafanstalt Brauweiler bei Köln sterbende Verbrecher hierher geliefert werden. Das physikalische Kabiuet, gleichfalls im Universitätsgebäude, hat treffliche Apparate, zumal für das optische Fach. Die Universitätsbibliothek, welche jetzt etwa 100,000 Bände faßt, ist im großen Gallcriesaal und den Nebengemächern, gegen das Michaelsthor aufgestellt. Da sie erst seit Stiftung der neuen Universität besteht, ist sie als ganz neue Sammlung zu betrachten. Die kurfürstliche Bibliothek wurde kurz vor dem Einrücken der Franzosen, nach Hamburg gefluchtet und daselbst 1808 öffentlich versteigert, und von der alten Bonner Universitätsbibliotbck kamen nicht einmal 200 Bände in die jetzige. Dagegen bat sie von der aufgehobenen Universität Duisbnrg, aus" den Stadtbibliothcken zu Trier unv Düsseldorf, sowie durch Schenkungen von verschiedener Seite Zuwachs erhalten. Im Iabr <822 enthielt sie erst über 44,000 Bände. Vortrefflich ist die orientalische Literatur versorgt; dies Fach umfaßt eine» großen Theil der in London, Paris und Calcutta gedruckten arabischen und versischen Werke, besonders auch grammatische und Wörterbücher. Zu jährlichen Ankäufen werden 2000 Thlr. verwendet. Sie ist mit Ausnahme Sonntags täglich Vormittags von 9-12 geöffnet. Das akademische Kunstmuseum, im Erdgeschoß des Galleriegebän- des, hat treffliche Gypsabgüsse, Basreliefs, Vasen und eine ziemlich vollständige, voraus an römischen Münzen reiche Münzsammlung. Das Museum der vaterländischen Alterthümer befindet sich neben der Klinik, im Erdgeschoß des Hauptgebäudes. Es enthält unter Andern: fünf Altäre aus Tufstein ohne Verzierung und Figuren, zwanzig Altäre von Stein, großentheils mit trefflich gearbeiteten Götterbildern versehen; neun Grabsteine, meist mit Figuren, unter ihnen den Grabstein eines Legaten Varus, welcher in der Teutburger Schlacht siel. Diesen Srein ziert das lebensgroße Bild jenes Führers im vollen Kriegsschmuck; die bet Zanten ausgegrabenen Alterthümer, bestehend ans mehr als hundert Gefäßen aller Art und Form, Gläsern, Schüsseln, Ringen, steinernen Streitäxten, römischen Ziegeln mit Zeichen der daselbst sta- tionirten Legionen u. s. w ; die in Bonn selbst gefundenen Alterthümer enthält das Museum sämmtlich Diese Sammlungen sind Montags unv Freitags, Vor- und Nachmittags, dem heimischen Publikum offen; Fremde können dieselben täglich ansehen. Die naturhistorischen Sammlungen und Anstalten, das chemische und technologische Laboratorium, ingleichen der botanische Garten, sind bei dem Schlosse zu Poppels- dorf. - Das Gpmnasium enthält sechs Classen, mit zweijährigem Lchrkursus für die obern und einjährigem für die untern Classen. Außer dem Direktor ertheilen II ordentliche und Hülfslehrer den Unterricht. Das Lehrgeld beträgt in den untern 12, in den obern 10 Thaler jährlich. 1822 besuchten noch 180 Schüler diese gute Anstalt, neuerdings sind es an 250. — In den katholischen Stadtschulen werden etwa 440 Schüler und 400 Schülerinnen von 4 Lehrern und S Lehrerinnen unterrichtet. Die evangelische Pfarrschule zählt 3 Lehrer und über 200 Knaben und Mädchen. Die Armen- oder Freischule hat 700 Kinder, mit gleichem Verhältniß der Geschlechter und zählt 3 Lehrer »nd eben so viel Lehrerinnen. Außer diesen finden noch einige Hundert Zöglinge in Privatanstalten, worunter eine Handlungslehranstalt, Unterricht. Zwei Frauenvereine, ein katholischer und ein evangelischer, deren Ersterer etwas zahlreicher, das Waisenhaus leitet, erfreuen sich reger Theilnahme. Seit 1840 hat Bonn auch eine Kleinkinderbewahranstalt, wo 180 Kinder unter Aussicht von 4 Lehrern und Lehrerinnen stehen. Nicht minder finden sich einige Anstalten für Armenpflege und Unterstützung, allein Sparkassen, Pfandhaus und Sterbekassen gibt es noch nicht, oder letztere doch erst bei Gewerbslcutcn. Unter den wissenschaftlichen Vereinen steht die kaiserl. Akavemie der Naturforscher voran. Sie ward 1052 zu Schwein- fnrt gestiftet und von den Kaisern Karl VII. und Leopold I. mit besondern Privilegien begabt, weshalb sie sich .Ve-Klemi-, Ones-ne-, bc-o- poiäimi-Larolln!, mUm-cm euriosorm» nennt. Sie hatte ihren Sitz nach Erlangen verlegt und wurde mit ihrem Präsidenten Nees von Esen- beck nach Bonn verpflanzt, wo ihr aus königl. Kasse bedeutende Geldunterstützung zufließt. Ihre ansehnliche Büchersammlung meist aus dem naturhistorischen Fache ist im großen Saal zu Poppelsdorf aufgestellt. Der Verein für rheinische Geschichtsforschung und Alterthumskunde besteht zwar erst seit 1842, zählt aber etwa 120 Mitglieder und gibt eine eigene Zeitschrift heraus. — Unter den gemeinnützigen Vereinen ist die Bonner Lokal-Abtheilung des niederrhcinischen landwirthschastl. Vereins — der Gcsammtverein zählt 5000 Mitglieder, die jährlich 1 Thlr. beitragen. Ein Gewerbverein nebst Sonntagsschnle sind im Entstehen begriffen. Der Bonner Gesangverein, dessen Lokal schon bezeichnet ward, hat 100 Mitglieder. Unter den geselligen Vereinen nennen wir zuerst das Ca- sino, verbunden mit der Lese- und Erholungsgesellschaft, welches 270 Mitglieder hat, viele deutsche, 2 französische und ein englisches Blatt hält und im Winter Bälle, Concerte »nv häufige Abendunter- haltungen gibt. Auch das Bürgercasino hat 200 Mitglieder «nd ist mit einem Musikverein verbunden, welcher öfters zu mildthätigen Zwecken wirkt. Wie in allen Rheinstädten ist auch hier im Winter eine Carncvalsgcsellschaft, an welcher die Studenten mit besonderm Interesse Theil nehmen. Unter den in Vorstehendem noch nicht bemerkten Sehenswürdigkeiten der Stadt dürfen wir Dr. Wolfs interessante Sammlung von Portraits der berühmtesten Personen des Alterthums und der Neuzeit nicht übergeben, die einen Werth von 10,000 Thlr». haben soll. Ebenfalls sebenswcrth ist die Falkensteinische Sammlung von Gemälde», Kupferstichen und geschnittenen Steinen. Andere sind entweder der Universität zugehörig oder für Fremde nicht zugänglich. — Der Handelsverkehr der Stadt erstreckt sich über die aus der Eifel hierher gebrachte», weit versenveten Bleierze, ferner Wein, Ge- traide, Oel, Wolle- und Baumwolleuzeug, Siamoicn, baumwollene Taschen- und Halstücher, seivenc Tücher, Favenze, Vieh, Steinkohlen, Holz, Manufakturwaare», Tabak, Bier, Bücher, Musikalien u. s. w. Die Sckifffahrt ist wenig bedeutend und wird mit 0 großen Schiffen von 1200 bis 4000 Ceutner Ladung betrieben. Täglich außer Sonntags ist Wochenmarkt, die vier Jahrmärkte sind genannt. Die Gewerbe sind blühend und einzelne Arbeiter liefern Ausgezeichnetes. Die Einwohner Bonns sind wie alle Rheinländer Freunve schöner Spaziergänge und solcher Orte, wo mit ungezwungener Geselligkeit sich der Genuß der freien Natur leicht verbinden läßt. Und in der That ladet schon in der Stadt selbst der von Lindenalleen umgebene Münsterplatz dazu ein, der veswegen zumal an schönen Sommerabcn- den häufig besucht wird. Die arbeitende Classe treibt sich Abends auf dem Markt, in einigen Gassen und am Rhein umher. Der Hofgarten, über 400 Schritt lang und beinahe ebenso breit, wird zu jeder Tagszeit von Spaziergängern und Naturfreunden besucht; er ist von acht Reihen schöner hoher Bäume beschattet, deren vier sich auf jever Seite eines Wiesenplans befinden; ein Kanalwciher in demselben wird vom Godcsberger Bach gefüllt. Unmittelbar neben dem Koblenzerthor gegen den Rhein erstreckt sich eine Promenade, die zwar nicht breit, aber schattig und darum beliebt ist und zur Höhe des alte» Zolls, einer beliebten Fernsicht, führt. Auch die Koblenzer Straße bis zum Eschen- bäumchen wird, wenn das Wetter gut und die Hitze noch erträglich ist, von Spazierenden belebt. Durch die Maarfläche geht es nach der Poppclsdorfer Allee, die am Nenthor anfängt und bet Schloß Clemensruhe, am Anfange von Poppelsdorf, endigt. Die Allee besteht aus vierfacher Reihe riesiger Kastanien, die besonders zur Blütezeit sehr angenehm sind. Die ganze Promenade, etwa V» Stunde lang, ist zu jeder Tagszeit nngemein belebt, wozu die Verbindung zwischen den naturwissenschaftlichen Anstalten zu Poppelsdorf und dem Universitätsgebäude am meisten beiträgt. Zur Rechten geht eine Seitenallce nach der Baumschule mit einige» angenehmen Partien. Der Mühl- beimer Fußpfad durchschneidet das Feld — wo im Mittclalter ei» Dorf Miihlbeim stand — und der Meckenheimer Weg, vom Sternenthor nach Poppelsdorf, umschließen den Bahnhof der Bonn-Kölner Eisenbahn. Näher an der Stadt, auf der andern Seite, ist der Grabenweg, am Knabengarten beginnend »nd längs der Reihe hübscher Gärten im ehemaligen Stadtgraben bis zum Sternenthor, wie von hier bis zum Kölnerthor sich erstreckend, wird als kurzer und doch abwechseln- der Spaziergang besucht. Nahe bei den Wegen nach Endenich, Drans- dorf »nd Bornheim sind in der Nähe der Stadt einige Gartenwirth- schaften, die sowie dcr Grabcnwcg längs der Paulsfläche, auf dem man zum Johanniskreuz an der Kölnerstraße gelangt, fleißig besucht werden. Letztere, von hohen Nüstern beschattet, ist während der 8 Tage nach Ostern am belebteste», wo die Bonner nach der Fastenandacht auf dem Kreuzberge zur Lazarnskapelle wallfahren. Diese Kapelle, ein altes Gebäude an der Straße, in deren Nähe das jetzige Waisenhaus, stammt ans dem Mittelalter »nd war damals vermuthlich ein Leprosenhaus, denn im Mittelalter herrschte in vielen Orten Deutschlands der aus dem Orient verschleppte eigentliche Aussatz und man verwies, wie dies auch bei den alten Israeliten geschah, die Kranken zur Sicherung der übrigen Bewohner in abgesonderte Häuser vor ven Städten, deren Schutzheiliger St. Lazarus war. — Zu den Volkslustbarkeiten in der Stadt gehört vor Allem die Kuhler Kirchweihe, die sich in alten Gebräuchen erhalten hat. Nächst ihr die Wallfahrt und der große Markt zu Pützchcn, dem ehemaligen Kloster Adelheit, seitwärts von der nach Siegburg führende» Straße. Auch Scheiben- und Vogelschießen, ächt rheinländischr Volksbelustigungen, sind bei dem Mittelstande noch hoch gehalten. Dieser Stand findet sich am liebsten in den Gasthäusern zu Poppelsdorf, bei der Baumschule, in Godesberg u. s. w., und versäumt nicht leicht die Kirchweihen in diesen und andern noch entfernter» Dörfern, wo es dann immer lustig hergeht. Die höher» Stände machen ihre Ausflüge nach dem Schloßgarten zu Poppelsdorf, den Bädern zu Godesberg, nach Königswciler, Nonnenwerth, dem Sie- bengebirg, sehr häufig auch nach Köln. Die Studenten finden sich wie überall in verschiedenen Vergnügungsorten, zumal bei den öffentlichen Tanzbelustigungen, wo sie die Bonner Schönen aus dem Bürgerstande angenehm unterhalten; am muntersten sollen sie bei der Weinlese sein, die hier 6 Tage dauert. Wir durchstreifen die reizende Umgegend dieser Stadt und machen mit dem linken Rheinufer den Anfang. Hier liegt auf der Königsstraße, die von Bonn nach Koblenz führt, l'/, Stunde vom Michaelsthor an gerechnet, das Dorf Godesberg mit über 1200 Einwohner. Drei andere aber längere Nebenwege führen gleichfalls dahin. Unterwegs, indem man dem malerischen Siebengebirg sich nähert, berührt man das eine Stunde von Bonn entlegene Denkmal im altdeutschen Styl, das Hochkreuz genannt. Eine 30' hohe «pitzsäule, in neuster Zeit zum Theil wieder hergestellt, besteht aus 3 Absätzen, jeder mit 4 Nischen, worin kleine Heiligen standen, die theils verstümmelt, theils ganz verschwunden sind. Auf der Ostseite sind deren noch zwei und auf der Nordseite ebenfalls zwei, aber kopflos; der Sockel, von Eisen- gitter umschlossen, besteht aus 5 Stufen. Zweck und Errichtung dieses Monuments sind nicht historisch ermittelt; man glaubt »ach der Kölner Chronik, der Erzbischof Walram von Jülich habe es 1333 aus demselben Gestein, wie der Kölner Dom, aufführen lassen. Wie an alle Bauwerke dieser Art, deren Bestimmung räthsclhaft ist, knüpft sich auch an das Hochkrcu; die Sage: Ein Edler von Hochkirchen habe an dieser Stelle einen Ritter im Zweikampf erschlagen, und der Erzbischof Theodorich von Heinsberg habe ihm aufgegeben, zur Sühne dieses Kreuz mit schweren Kosten aufzurichten. Daher habe es sonst Hochkirchenkreuz geheißen. Nach Andern war hier der ehemalige Markt Bonns. Die Godesberger Heilquelle entspringt Stunde südwestlich von der Mitte des Ortes, ist schon aus alten Zeiten bekannt, und es wird ihr vom Volke, welches sie den Draitsch nennt, bedeutende Heilkraft zugeschrieben. Die Anlagen um den Brunnen und die Gebäulichkeiten dabei entstanden nach und nach, seitdem in der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Kurfürst Clemens August den Brunnen näher untersuchen und mit einer Einfassung versehen ließ; Platanen und Pappelalleen verbinden den Brunnen, dessen tiefliegendes Becken von Terrassen umgeben wird, mit den Häusern, die zum Theil sehr schön sind. Der Besuch dieser Heilquelle soll indessen in den letzten Jahren abgenommen haben. Längs des Baches gelangt man auf romantischem Wege zu dem V, Stunde entfernten ehemaligen Kloster Marie nfor st. Das Godesberger Mineralwasser, dessen Bestandtheile sehr verschieden sind, eignet sich nicht zur Versendung, stärkt aber erschlaffte Theile und soll bei hypochondrischen und hysterischen Leiden erprobt sein. Die Einrichtung der großen Badewirthscha'tcn ist anständig und steht auch im Preis nicht hinter denen von Aachen, Eins, Wiesbade» zurück. Billiger lebt man in den Gast- und Privathäusern an der Landstraße, sowie in ländlichen Wohnungen, wozu sich treffliche Gelegenheit darbietet. Nördlich vom Dorf steht ein vereinzelter Hügel mit einem über 100 Fuß hohe» runden Thurm, den Ueberrest einer längst zerstörten Burg. Er ist nicht römisch; dagegen will die Ueberlieferung, daß auf dieser Höhe sonst ei» Odins- oder Wodausaltar, ein Opferplatz der Urbcwohner der Gegend gestanden und danach das Dorf seinen noch beibehaltene» Namen Godesberg empfange» habe. Reizend ist die Aussicht. Unterbalb des Thurmes steht eine dem heil. Michael geweihte Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Begräbnißplatz liegen mehrere der in Godesberg verstorbenen Kurgäste. Der Weg vom Dorfe ist nicht ermüdend. Ein hier gefundener Votivstei» aus der Römerzeit scheint zu zeigen, daß sonst hier ein römisches Bauwerk war. 1210 soll der Erzbischof von Köln ein Schloß da erbaut haben. 1558 starb Erzbischof Anton von Schauenburg auf dieser Burg. Kurfürst Gebhard hatte sie inne und als nach seiner Entfernung sich die Besatzung nicht ergeben wollte, sprengten die Baiern 1583 die Feste durch eine Mine. Neuerdings hat sie der König der Prinzessin von Preußen geschenkt — Auf sehr augenehmen Wegen über Muffendorf und Lannesdorf gelangt man an den I Stunde südlich von Godesberg, dem Drachenfels gegenüber gelegenen Roderberg, einem ehemalige» Vulkan, dessen Krater aber durch Umbau unkenntlich geworden. Seine Höhe bildet einen Kran; von etwa Stunde Umfang und die fast senkrechte Vertiefung beträgt innen nahe an 100 Fuß. Mitten in diesem Krater liegt der Roderhof; man sieht noch am Rande des Kraters die emporgestiegene Lava und findet überall poröse Brocken derselben. Kehrt man von Godesberg nach Bonn zurück, so kann man das Alaunwerk mitbesuchen, welches 1803 von Näggerath angelegt worden und dessen Alaun von vorzüglicher Reinheit ist. Setzt man den Weg über die bewaldete Höhe fort, so kommt man zum Kluchterhof, am Putzberg, nach der Friesdorfer Höhe und von da zu einem schönen Aussichtspunkt über dem einsamen Dottendorf — die Klippe genannt —; zuletzt an den Vcnusbcrg (auch Sonncnberg), an dessen Fuß Kes- senich und Poppelsdorf liegen. Kein Ort zeigt die Umgegend Bonns in so reizendem Lichte, als diese 400 Fuß über dem Rhein gelegene Anhöhe. Zwischen Weinhügeln und Obstgärten liegt unten Kcsscnich, ein freundliches Dorf mit malerischer Kirche und schonen Landhäusern, das sehr häusig von den Bonnern besucht wird. Woher übrigens der Venusberg seinen Namen hat, wird nicht angegeben. Von hier erreicht man bald den Kreuzbcrg. Hier soll im Alterthum ein heiliger Hain mit sehr besuchter Opfcrstättc gewesen sein. In späterer Zeit nach Einführung des Christenthums war es ein Ding- oder Gerichtsplatz, denn das altdeutsche <1i»<: bezeichnet jede öffentliche Zusammenkunft, Gericht und was darin beschlossen wird. In der Mitte erhob sich ein Kreuz. Nach der Kölner Chronik waren noch >429 hier an 50,000 Menschen beisammen. In, 10 Jahrhundert veranstaltete man aus der Marienkirche zum Kapital in Köln eine Wallfahrt nach diesem Kreuzberge. Der Kurfürst Ferdinand beschloß im Anfang des 17. Jahrhunderts das Heiligthum in eine Kirche umzuwandeln, die jedoch in einer offnern Stelle näher bei Bonn erbaut wurde. Näheres darüber ist Folgendes: Neu ausgebrochene Unruhen hielten den Kurfürsten bis 1627 von der Ausführung seines Vorsatzes ab. Endlich entschloß er sich, eine ganz neue Kirche an einem gelegenern und nähern Orte zu erbauen. Die Meinungen wegen des Platzes — so erzählt die Chronik — waren getheilt. Endlich ritt Ferdinand eines Tages selbst dahin, die Lage des obern Berges zu beschauen und wegen des Platzes der neuen Kirche mit sich einig zu werden — siehe! da stand sein Leibroß urplötzlich still, war trotz aller angewendeten Versuche nicht von dem Platze wegzubringen und schlug sogar mit dem Hufe eine Grube etliche Spannen breit und tief in den Boden. Hierauf befahl Ferdi- n nd, dies für ein Wahrzeichen haltend, ungesäumt an derselben Stelle den Grund zu dem Neubau aufzugraben. Am 3. Mai 1628 fand in Gegenwart des Kurfürsten und einer unzähligen Volksmenge die Einweihung statt. Andächtige in Menge strömten hierher und es ward ein Kloster mit der Kirche verbunden, dessen Aufhebung aber zu Ende des letzten Jahrhunderts erfolgte. Alle Leichname, die in den Gewölben der heil. Kreuzkirche beigesetzt worden, sind vermuthlich wegen des trocknen Sandbodens unverweslich; man kann die Mumien der Mönche, die auf offenen Laden in ihren Orvenskleidern liegen, noch jetzt in Augenschein nehmen. Während der Fasten, zumeist Charfrei- tags ist starker Zudrang zu dieser Kirche. Daher noch andere Wege, worunter der niit den Stationen der Leidensgeschichte besetzte Hohlweg. Der dritte führt zum östlichen Ende der Kirche, wo ein 1746 aufgeführtes Gebäude mit c ner hohen Prachttreppe von Marmor, einer Nachahmung der heil. Stiege zu Rom. Unter der Treppe ist das heil. Grab; in der Charwoche kann sie nur auf den Knieen erstiegen werden. Das Portal des Hauses ist angeblich dem des Pilatus nachgeahmt, wo der Erlöser dreimal die Treppe auf- und abgegangen. Kreuze bezeichnen an drei Orten die Stellen, welche sein Blut roth gefärbt. In der Mitte des Altans das Bild des Heilands in Lebensgröße mit Purpurmantel und Dornenkrone; hinter ihm römische Soldaten, welche den Judenkönig verspotten; rechts Pilatus, sei» „occe liniuo" sprechend, links der Kriegsknecht, der den Herrn am Stricke zieht. Im Hintergrunde einige Pharisäer und Schriftgclehrtcn, darunter Einer Schmerz zeigt; das Ganze ist von Stein. Die aus schönstem italienischem Marmor criaute Treppe zählt 28 Stufen, jede 10' lang. Stukkaturarbeiten und Malereien der Decke erhöhen den innern Schmuck. Auch die ehemalige Klosterkirche ward durch Clemens August ein Kunstwerk. Ihre Fresken verdienen Beachtung. Unfern des Predigerstuhls ist der Eingang in das Todtengewölbe. Das dritte Quadrat der Kirche bildet den Hochort, wo bei feierliche» Gelegenheiten ein prächtig gekleidetes Bild der schmerzenvollen Mutter steht. Inmitten ist der große Hochaltar mit dem Holzbilve der Maria, die den Heiland auf den Knieen hält; unter dem Tabernakel steht das Bild der heil. Helena, das wahre Kreuz emporhaltend; sie ist zwar Nachahmung der Helena im Bonner Münster, allein besser ausgeführt. Ueber ihr ein Thronhimmel und Ordensbilder. Zwei Eingänge führen von hier nach dem heil. Grade. Charfreitags ist die Felsengrotte zauberisch erleuchtet. Zwar liegen grimmige Wächter vor dem Eingange, doch deuten Engel dahin, wo der schwarzverhüllte Leichnam ruht. Man zeigt die kostbar eingefaßte Reliquie des wahre» Kreuzes, der Priester reicht sie dar, um sie mit den Lippen zu berühren — »nd so ist die Wallfahrt beendigt. Die meisten Klostergebäude sind abgebrochen, der vormalige Prachtbau steht »och. Der tiefe Brunnen hat bei feuchter Witterung wenig, bei trockener vieles Wasser. Während der Belagerung von Bonn im Jahr 1689 hatte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg auf dem Kreuzbcrg sein Hauptquartier. Auf dem untern Borsprunge liegt die Mordkapelle, wo die Heiligen Cassius, Florcntius und Malusius hingerichtet und beerdigt wurden Der Erzbischof Reinhold schenkte ihre Gebeine schon 1167 der Münsterkirchc zu Bonn, wo man sie noch aufbewahrt. Die jetzige Kapelle ward I72l erbaut. Im Oktober, Sonntags nach dem Todcsfestc jener Märtyrer, begiebt sich eine lange Prozession, meist Frauen und Mädchen, Abends mit farbigen Laternen hierher und dann nach Endenich. Eine halbe Stunde von da ist Poppelsdorf mit mehr als 1000 Einwohnern. Jahrmärkte und Gasthöfe werden häufig besucht; viele Studenten, welche den Vorlesungen im Schlosse beiwohnen, lassen sich hier nieder. Die Kirche ist auch aus Steine» des Rundbaues der in Bonn abgebrochenen Martinskirche errichtet. Höher liegt die Sternenburg, jetzt ein Landgut, in dessen Garten ein Römertempel gestanden haben soll. Die Fayence- und Steingut-Fabrik Rosenkranz beschäftigt über 70 Arbeiter. Am äußersten Ende baute Clemens August das Schloß, das nach ihm, mitunter auch nach dem Dorfe benannt wird. Hier war schon im frühsten Mittelalter ei» kaiserliches Gebäude, das nachher an den Kölner Erzbischof kam. Nach mancherlei Veränderungen ward es um die Mitte des 17. Jahrhunderts ganz abgetragen und die Stelle in einen kurfürstlichen Garte» umgcschaffen. Erst <715 begann der Bau des Schlosses Clcmenshof genannt, und Clemens August vollendete eS 1746 und hieß es ClemenSruhe. Auch errichtete er damals Herzogsfrcude, ein Jagdschloß 1 Stunde von hier im Kattenforst, das nachmals abgebrochen wurde und spurlos verschwand. Zur französischen Zeit war das Schloß Lazareth, darauf Lyceum, endlich eine der Senatorien des Kaiserreichs und besser erhalten. >814 wurde es, wiederum Lazareth, zum Theil Raub der Flammen. Nothdürftig hergestellt bestimmte man es für die klinische» Anstalten Bonns. Nachher wurde es völlig hergestellt und eingerichtet; es bewahrt nunmehr die naturhistorischcn Sammlungen, ist Wohnung der Professoren ». f. w. Das naturhistorische Museum, sehr reichhaltig und vortrefflich geordnet, ist in 9 Sälen im untern Stocke aufgestellt und besonders reich an Mineralien. Das chemische und technologische Laboratorium nimmt mit Apparaten und Sammlungen 2 große Säle ein; drei Säle dienen den Borlesungen. Der Grotten- oder Muschelnsaal beschäftigte den Verfertiger sieben Jahre und ist wirklich sehenswerth. In den Seitenflügeln wohnen die Professoren. Hinter dem Schloß ist der botanische Garten, etwa 29 Morgen Landes, mit seine» Gewächshäusern. Das landwirthschaftliche Institut findet sich rechts a» der Straße von Bonn nach Weckcnheim; gegenüber wohnt der Garteninspektor und ist die Baumschule. An ihr vorbei geht von Poppelsdorf ein schöner Weg nach dem Stunde entfernten Dorfe Enden ich mit 999 Einwohnern und seiner Obstgärten wegen der „Bonner Kirschgarten" genannt. Es soll seinen Namen von einem römischen Heerführer Eonius erhalten haben. Die Straße nach Aachen führt durch, daher viele Gasthöfe. Mehr feldein läuft der alte Heerwcg, auf welchem Karl der Große gegen die Sachsen zog; er geht durch die Berghänge bis zum Rhein. Eine halbe Stunde von Endenich in nördlicher Richtung liegt Dransdorf oder Transdorf, angeblich von 7inj->»> Villa abzuleiten; Thurm und Gemäuer scheinen Ueberrcste eines alte» Kastells. Das freundliche Alftcr am Fuß des Berges erreicht man in Stunden, hier hat der Fürst von Sälen ein Schloß mit großen Wirthschaftsgebäudcn und Gärten. Steigt man den Schloßbcrg hinan, so gelangt man in schönen Wald, der das Gebirg stundenweit bedeckt und hier und dort reizende Aussichten gewährt. Von hier wenig über Stunde liegt Roisdorf mit >999 Einwohnern und 2 Mineralquellen, die Trinkquellc und der Stahlbrunnen, deren Letztere unbenutzt ist. Die Bestandtheile der Erster« sind dem Wasser zu Niederselters ähnlich. Bei ihr sind Magazine, durch Gitter und Flügelthüre verbunden, welche den Brunnen einschließen. Das Badehans ist hübsch und bequem. Ueberaus freundlich und abwechselnd durch Wiesen und Buchwald, Wcinhöhen und Obstgärten ist die Lage dieses Dorfes und seiner nächsten Umgebungen. Verschiedene Punkte eröffnen wunderschöne Aussichten auf das bergische Land, im Vordergrunde desselben Schloß Bensbcrg. Gerade gegenüber auf vereinzeltem Berg die ehemalige Abtei Siegburg, rechts Bonn und das Sie- bcngebirg. Jenseit des Waldes liegt das Landgut der Familie von Wittgenstcin, dessen Park Freunden immer offen steht; mehr in der Ebene der Landsitz Wolfburg. Bei Bremig bietet sich eine malerische Fernsicht gegen Köln. Auch der Rest eines römischen Kanals in dieser Gegend ist sehenswerth; er zieht von Waldorf längs des Vorgebirgs bis Walberberg und bis zum Kastell bei Nodenkirchcn oberhalb Köln. Man kann ihn auch in entgegengesetzter Richtung verfolgen; irrthümlich nannte man ihn den Trier-Kölnischen, den» der ssch an den Quellen der Kylb längs der alten Heerstraße bis Trier zog, ist ein Anderer. Zieht man nicht vor, auf der Eisenbahn, sondern auf der Rheinstraße nach Bonn zurückzukehren, so besucht man Hersel oder Rheindorf, wo zu verschiedenen Zeiten römische Alterthümer ausgegraben wurden, von welchen sich jedoch nur wenig noch in Bonn vorfindet. Wir wenden uns zum reckten Rbeinufer und zunächst der nördlichen, östlichen und südöstlichen Seite. In 19 Minuten langt man mit der fliegenden Brücke in Bcuel an. Das Dorf hängt mit Kombahn und Villich, Rheindorf unmittelbar zusammen. Diesen Theil des rechten Ufers, das von hier ab einförmiger wird, machen die Baumgruppen am Zollhaus und die zerstreuten Gehöfte noch malerisch. Nördlich führen zwei Wege in V- Stunde nach der schönen Doppelkirchc zu Schwarz- Rheindorf. An sich unbedeutend, verdient es Beachtung wegen der alten Stiftskirche, die sonst hart am Rhein lag, »u» wohl 1999 Fuß ab. Am alten Ufer sind Häuser einer sonst großern Dorfschaft Geusen, was bei Florus tiosoni» hieß. Zwischen diesem und dem alten kn„n!> soll des Drusus fliegende Brücke gewesen sein. Die westliche Ringmauer ist aus alten römischen Bruchstücken gebaut, an sie schließt sich der Herenkeller, Ueberrest eines Thurms mit Gewölben. Andere Bauten des Klosters sind abgetragen. Die Kirche gehört zu den seltenen Doppelkirchc», wo wie bei der ehemaligen Schloßkapelle zu Bonn zwei Kirchen über einander liegen. Der ganze Bering der 1892 aufgehobenen Abtei ist eine Feldwirthschaft. Der Staat hat 1829 die Kirche angekauft und wiederherstellen lassen. Ihr Stifter war Arnold II. Erzbischof von Köln, der zweimal in Griechenland war, und 1156 seinem Wunsche gemäß hier begraben wurde; ein von Clemens August 1747 gesetzter Denkstein gibt dies an. Von den 2 Abtheilunge» ist eine Sommer-, die andere Winterkirche; auf einer fast 799 Jahre alt n Wendeltreppe steigt man aus der untern in die obere. Die Aussicht ist sehr belohnend. Unweit ist Villich, dessen Stiftskirche schon 985 gegründet ward. Damit war ein Nonnenkloster vereint, gegenüber lag ein anderes bet Grau-Nheindorf, und so befanden sich nie unterhalb Koblenz 3 Klöster so nahe bei einander, daß ihr Gesang zusammenfließen konnte. Sie wurden 1892 aufgehoben. Die Einwohner von Grau-Rhcindorf sind Bürger von Bonn. Auch in dem Pützchcn, nicht weit davon, war ein Kloster, neben einer wunderthätige» Quelle, das in deinselben Jahre aufgehoben wurde. Im September ist hier Wallfahrt und Jahrmarkt. Die kleine Stadt Siegburg liegt am Flüßchen Sieg, das hier schon kleine Schiffe trägt, und an der Hauptstraße von Köln nach Frankfurt. Hier soll Haupwrt der Ubier und auf einer Anhöbe ihre 4r-> gewesen sein. Segest, der Schwiegervater Hermanns, habe hier gehaust, Thusnelda sei auf diesem Stammsitz geboren. Anno II., Bischof von Köln, baute zwischen 1969 und 1964 die Abtei, wo er >975 begraben ist. Dies ist derselbe, welcher durch das als sprachliches Denkmal aus dem II. Jahrhundert wichtige Annolied verherrlicht wird. Das Klost.r wurde am Ende des vorigen Jahrhunderts aufgehoben und 1824 erhielten die Gebäude ihre Bestimmung zu einer Heilanstalt für Irre. Der Berg, 299 Fuß über dem Städtchen, macht die Lage schön und gesund! die Gebäude sind äußerst zweckmäßig und die Gcsammteinrichtunge» dürften mit den ausgezeichnetsten wetteifern, welche man für Unglückliche dieser Art nur kennt. Zährlich sind an 299 Irre beiderlei Geschlechts hier, etwa halb so viel werden geheilt entlapen oder neu aufgenommen. Ein angenehmer, abwechselnder Weg geht von hier über einige Dörfer nach der Ruine der Abtei Heistcrbach. Der noch stehende Chor zeugt von der Pracht, die das Ganze gehabt haben muß, bis es am Eingang des >9. Jahrhunderts zerstört worden. Die Mönche hatten es >188 bezogen. An diese Ruine knüpft sich folgende tiefsinnige Ortssage. Ein junger Mönch lustwandelte im Klostergarten, indem er über die Worte des heil. Petrus nachdachte, vor dem Herr» seien tausend Jahre wie Ein Tag. Zweifelnd verlor er sich in den Wald, er sah und hörte nicht, was um ihn vorging. Erst als die Vesper schallte, mahnt es ihn an seine Pflicht. Schnell erreicht er den Garten, ein Unbekannter öffnet ihm das Thor. Er stutzte, weil er aber die Kirche schon hell sah, verweilte er sich nicht und trat ein, nach seinem Stuhle gehend. Hier saß ein Anderer, fragend blickte er die Mönche an, nur Unbekannte fand er. Man betrachtete auch ihn und fragte verwundert nach seinem Namen. Als er ihn nennt, murmelt es durch den Chor: „So hieß kein Bruder seit dreihundert Jahren; der Letzte dieses Namens war ein Zweifler und verkam dort im Walde!" — Eiskalt überschauerte es ihn, er nannte den Abt und das Jahr; man schlug im Klosterbuch nach, und — o Wunder! Er war es, der vor dreihundert Jahren verschwunden. Da sank er in die Kniee: Ich erkenne Dich, Herr! — rief er: nun weiß ich es, daß vor Dir tausend Jahre sind wie Ein Tag, und Ein Tag wie tausend Jahre. — In der Nähe der Abtei ist besonders der Stenzelberg durch ungeheure Basaltlager merkwürdig. Diese, die beste «teingattung des Siebengebirges, werden in Menge weit verschickt. Von Sicgburg bis Heisterbach rechnet man 3 Stunden, von Königswinter bis an die Abtei nur IV, Stunde. Die ehemalige Deutschordens-Kommandcric Ramersdorf liegt gleichfalls in Ruinen. "Die fliegende Brücke führt den Wanderer nach Bonn zurück. Die Drachenfähre war einst bestimmt, die Leichname aller in Bonn gestorbenen Regenten des Erzstifts mit zahlreichem Gefolge nach Köln zu bringen. Die Landstraße» und Entfernungen Bonns deuten wir nur kurz an. Vier Landstraßen erster Classe und zwei Nebenwege gehen unmittelbar von Bonn aus. Die Hauptstraße nach dem 8 Meilen ober 13'/z Stunden entfernten Koblenz geht durch das Koblenzer oder Michaelsthor über Godes- berg, Obcrwinter. Remagen, Einzig, Nicderbreisig, Brohl und Ander- nach. In entgegen gesetzter Richtung geht über Hersel, Niederwesseling und Gororf die am Kölnerthor beginnende Landstraße nach dem 3'/, Meilen oder 5'/, Stunden entfernten Köln. Ain Sternenthor nimmt der sogenannte Meckenheimer Weg seinen Ansang, der 2 Meilen oder 3'/, Stunde lang, über Poppelsdorf, Jppcndorf und Nötigen nach dem Städtchen Meckenheim in Meilen führt, von wo er, die nach Düren über Remagen und Nhcinbach führende Straßen durchkreuzend, das 2 Meilen entfernte Altenahr und das '/, Meile weiter gelegene Odenau berührt. Die vierte Landstraße fängt ebenfalls am Sternenthor an, zieht durch Endenich, Duisdorf und Rettekoven bis Buchhoven. 1'/- Meile lang. Dann trennt sie sich in 2 Arme, deren südlicher Meilen lang über Morenhoven nach dem Städtchen Rheinbach geht, der westliche über Miel, Ludendorf, Essig und Kuchenhcim, 2 Meilen lang nach Euskirchen führt, von wo man über Frauenberg und Növemich in 1'/, Meilen oder 3 Stunden nach Zülpich gelangen kann. Von den beiden Nebenwegen geht der Erste von dieser eben bezeichneten Landstraße nahe bei Bonn ab und führt sowohl über Botzvorf, Bornheim und Sechten, als über Noisdorf, Waldorf, Hemmerich, Werten, Trippelsdorf, Valberberg und Pinzdorf nach Brühl. von wo die von Enskirchen herabkommcnde Hauptstraße in 2'/, Stunden nach Köln bringt. Der zweite Nebenweg geht zwischen Bonn und Ende- nich nack Dransdorf, Alfter und Roisdorf. Auch von Poppelsdorf und Endcnich führen Nebenwege nach Nhcinbach. Am rechten Nheinufcr gehen von Beuel nur 2 Straßen zweiter Clane aus. Die eine führt über Han- gelahr und Mülldorf in 2'/« Stunden nach Siegburg, und stößt hier auf die Hauptstraße von Frankfurt nach Köln. Die andere, eben ko lang, geht über Limperich, Küdinghoven, Hosterbach, Oberkassel, Niederdollendors und Langenburg nach Königswinter. Cin Nebenweg bringt zugleich von Beuel über Kombahn, Villich-Nheindorf, Villich, Geislar, Meindorf, Sieg- brücken, und Sieglahr nach Spich auf der Frankfurt-Kölnerstraßc; er ist 2'/, Stunde lang, — Die Postverbindungen kann der Reisende leicht bei den Erpeditionen erfragen; auch zu andern Fahrgelegenheiten bietet sich Anlaß; so gehen sogenannte Botenwagen nach den nachbarlichen Städtchen, und mit dem Marklschiff von Königswinter zahlt man 2—3 Sgr. Die Dampfschiffe der verschiedenen Gesellschaften legen Vor- nnd Nachmittags bei Bonn an. Die Bonn-Kölner Eisenbahn, welche am 16. Febr. 1844 dein Publikum eröffnet wurde, hat in ihrer ganzen Ausdehnung vom Bahnhof vor dem Neuthor zu Bonn, bis zum Bahnhof im Innern des Mrichthors zu Köln, eine Länge von 93,750 Fuß, d. h. 3'/, Meile oder 6'/, Stunde. Ohne den Aufenthalt bei den Stationen ist die mittlere Schnelligkeit 8 Wegminutcn in einer Minute Zeit. Der Aufenthalt ist gewöhnlich nicht viel über > Minute, mir Ausnahme der Station Sechtcn, wo der zuerst ankommende Wagenzug die Ankunft des Andern abwarten muß, da die Bah» nur einspurig ist; der Reisende wird daher in 5V Minuten Köln erreicht haben. Bei Bonn ist der Bahnhof 7 Minuten vom Mittelpunkt der Stadt entfernt, der zu Köln aber ist 15 Minuten von der Hochstraße (beim Casino) gelegen. Während des Sommers gehen zwischen Bonn nnd Köln täglich 5 Züge hin und her. Für litcrarische und künstlerische Bedürfnisse sorgen einige Buch- und Kunsthandlungen, Leihbibliotheken, lithographische Anstalten. Das Jahrbuch der Rheinuniversität vertritt die Interessen der Wissenschaft; ein Archiv des Vereins für rheinische Geschichtsforschung und AlterthumSkunde erscheint in freie» Heften und zu unbestimmten Zeitpunkten; die Zeitschrift des landwirthschaftlichen Vereins für Rhcinpreußen, rcdigirt und herausgegeben von lir. Kanfmann, Professor zu Bonn, erscheint monatlich und besteht bereits im dreizehnten Zahre. Denjenigen unserer Leser, welche noch ausführlichere Nachrichten über Bonn zu haben wünschen, empfehlen wir l> Malten» Handbuch für Rheinreisende, auf der Strecke zwischen Mainz und Köln. Darmstadt und Wiesbaden, 1844. Die sehr gründliche Schrift verbreitet sich S. 527— 643 über die Rheinstadt und gibt die vollständigsten Nachweisungen. Gegenwärtige Skizze ist in vielen Stellen Auszug aus Malten, wobei jedoch andere ältere und neuere Schriften zu Rath gezogen wurden. 2) Bonn und seine Umgebungen, von Aug. Gebauer. Main; 162V(in Couimissio» bei F. Kupferbcrg). Das mit poetischer Wärme und mit lebhaftem Interesse für die Stadt nnd ihre Bewohner abgefaßte Werkchen erschien, als die Rheinuniversität noch in ihrem ersten Entstehen war; ver Herausgeber streut überall Poesie ein, nnd hängt zugleich eine Errurston i» das Sie- bengebirg, sowie eine Schilderung von Brühl und Köln an, die fast die Hälfte des Buchs einnehmen. 3) Willibald Rhein eck Nheiiirciie von Mainz bis Düsseldorf, nebst, ausführlichen Gemälden von Frankfurt, Mainz, Koblenz, Bonn, Köln und Düsseldorf mit ihren Umgebungen. Mainz, 1842. 4) Schreiber, Handbuch für Reisende am Rhein von Schaffhausen bis Holland. Heidelberg 1822. 5) Die Stadt und Universität Bonn am Rhein, mit ihren Umgebungen, von B. Hundeshagen Derselbe Alterthumsforscher, welcher mit Prof. Ruckstuhl und Andern die Ausgrabungen nach römischen Alterthümer» leitete. Um Bonns Antheil an den wissenschaftlichen Bewegungen der Zeit, sowie an der Kunst- uns Literaturgeschichte einig rmaßcn gehörig zu würdigen, wollen wir hier nur mit kurzen Worten den Herm esia nische» Streit erwähnen und schließlich die Künstler u. f. w. namhaft machen, welche in Bon» geboren wurden oder ihre Jugend verlebten; wir bescheiden uns dabei gerne, nur in so weit vollständig zn sein, als unser Zweck hier es vergönnl. Die taiholiiche Kirche erlaubt bekanntlich der Philosophie durchaus keine Einmischung i» ihre Dogmen, nicht einmal wenn die Philosophie wie eine treue Magd nur unterstützen und bekräftigen will, was die Herrin sagt. Daher war es in der That unerhört, daß in diesem Streit die Kirchenlehre mit der Spekulation zusammentraf. Georg Hermes wurde 1775 im ehemalige» Amte Bevergcru des Fürstenthnms Münster geboren- man entdeckte frühe die Fähigkeiten des armen Knabe» und ließ ihn stu- diren; er warv Professor zu Münster, dann 1819 nicht ohne Widerstreben zu Bonn, wo er 1831 starb. Sein Hauptstreben war, alle Lehren der katholischen Kirche durch philosophische Beweise zu stützen; die Philosophie solle den Beweis für die Wahrheit des katholischen Systems führen, dann aber zurücktreten und der Offenbarung ihr Recht lassen. Durch einen seiner Coliegen in Rom verklagt, wurde die Lehre des Hermes 1835 und 1836 durch päpstliche Decrcte verdammt, allein der Streit damit noch nicht beschlossen. Andere katholische Theologen, besonders Elvcnich, igeb. 1796 zu Embke im Regierungsbezirk Aachen, 1826 Professor zu Bonn) Brau», Achtcrfeldt, Heinrich Klee lgeb. I8VV bei Koblenz, 1829 Prof. in Bonn), nahmen den thätigste» Antheil und in Schriften und auf Kathedern wird der Kampf noch fortgesetzt, wenn auch die Her- mesianer sich als gläubige Söhne der Mutterlirche zeige». Im Grunde sind diese Hermcsiancr nur was die frühern Rationalisten der Protestanten; sie wiederholten mithin, was in der protestantischeil Kirche seit 3V Jahren ausgesprochen uns somit veraltet war. Unter den Künstlern, deren Wiege Bonn ist, steht Ludwig von Beethoven allen voran. Er ist daselbst 1772 geboren, sein Vater war Tenorist und und ein beliebter Sänger. Was die deutsche Musik dem Sohne verdankt, kann hier nicht erörtert werden — und »nbezweifelt bleibt es, daß man in der Folgezeit seinen Genius noch mehr begreifen und würdigen wird, wenigstens scheint die neuste Richtung der Musik dies vorzubereiten. Ferdinand Ries ist 1784 zu Bonn geboren, wo sein Vater Ca- pelldirector war; frühzeitig suchte er die große Welt auf, bereiste einen Theil Europa's, doch währte es lange, bis seine Musik die gebührende Anerkennung fand. 1824— 1826 lebte er in stiller Zurückgezogcnbeit mit seiner Familie zu Godesberg. Seine Opern z. B. die ,,Nänberbraut", sein Oratorium und seine Verdienste um die rheinischen Musikscste sind zn bekannt, um hier noch einmal besprochen zu werden. N ö l n. ^ine der vier Hauptstädte der preußischen Monarchie, Festung ersten Ranges und wichtigster Handelsplatz am Rhein, breitet sie sich als großer Halbbogen, in der fruchtbaren Ebene am linken Stromufer, in einem Umfange von 2'/ St. aus. Gerade vor der Stadt ist der Thalweg des Rheins von Süd gegen Nord gerichtet, ein Grund, daß ihre größte Längestraße vom Severins- bis Eigelsteinerthor dieselbe Richtung hat. Der Rhein, 1400 Fuß breit, im Durchschnitt 17 tief, hat bei der Schiffbrücke 115 Fuß über der Nordsee. Den Windungen des Flusses nach ist es von Koblenz 5 Meilen oder 8'/, St., von Düsseldorf 8 M. oder >3'/, St. Der Boden besteht nur in angeschwemmtem Erdreich, Lehm und Sand, darunter einzele Schichten kleiner Bimssteine, die zweifelsohne von den Auswürfen des Laacher Vulkans und anderer nachbarlicher Feuerberge herrühren. Man findet sie gewöhnlich in einer Tiefe von 8 —ll) Fuß unter den jünger» Sand- und Lehmlagen, zu deren Anschwemmung leicht 2-3 Jahrtausende erforderlich waren. Der älteste höhere Stadttheil liegt auf einem langgedehnten alten Uferrand, der sich überall, besonders auf der Ostseite des Doms, sehr bemerklich gegen den Rhein senkt. Von hier steigt der Boden zwar kaum sichtbar bis zu dem Kulminationspunkt der Stadt, dem neuen Justizgebäude, das 66 Fuß über dem mittlcru Wasserstand des Rheins liegt. Auf diesem Hügel, dessen Umfang Man noch ziemlich gut erkennt, lag die römische Kolonie, aus der unsere Stadt erwuchs. Wie in allen flachliegenden Orten am Niederrheiu ändert sich auch hier im Herbst und Frühling das Wetter häufig und ist im Sommer und Winter beständiger. Die Nordwestwinde sind rauh und regnerisch, die Nordoste schneidend kalt und unangenehm. In der schönen Jahrszeit wechselt gewöhnlich Südwest und Südost, die angenehmes Wetter bringen. Daher ist im Allgemeinen das Klima mild und gesund, was in den winkeligen Gäßchen, bei den offenen Rinnsteinen, mit allen Zuflüssen und Auswürfen der bevölkertsten Gegend viel heißen will. Weder örtliche, noch ansteckende Krankheiten herrschen und es gilt überhaupt, was man von dem Gesundheitszustand anderer großer Städte an Flüssen annimmt, auch von Köln. Ringsum ist ein fetter, schlammiger Grund, der leicht vom Regen durchweicht und bei anhaltender Trockenheit in Staub sich auflöst, dennoch ist er fruchtbar an Getraide, Gemüse, Obst und Küchenkräutern. Nur an geschützten Orten und am Spalier gedeiht die Rebe, die man deshalb nur selten in der Umgebung der Stadt gewahrt. Tabak und Oelpflanzen kommen auch nicht oft vor, überhaupt bietet Köln in botanischer Beziehung nichts beachtenswer- thes. Die Festungswerke auf der Landseite sind mit Pappeln, Linden, Weiden, Akazien n. a. bepflanzt. Die römische Colonie Agrippina hatte wohl nur ein Drittel der Ausdehnung des jetzigen Köln, leicht aber mit Einschluß der nächsten Umgebungen 30.666 Einwohner. Die Kriegsstadt, zunächst am Rheine auf der Stelle des heutigen Doms, mochte deren 8666 zählen; die bürgerliche Stadt erstreckte sich mehr gegen das Innere des Landes hin. Von den Normanne» zerstört mochten Beide nicht mehr die Hälfte haben. Das allmählige Wiederaufblühcn der Stadt läßt sich nicht genau ermitteln, doch soll Köln gegen Ende des l4. Jahrhunderts innerhalb seiner Ringmauern nahe bei 266 666 Seelen und 36 666 streitbare Männer gehabt haben. Diese Angabe dürfte freilich übertriebe» sein, indessen zeigen manche verödete Straßen in dem Raum, den die mittelalterliche Stadtmauer umfaßt, hier müsse sich sonst eine viel größere Bevölkerung als jetzt herumgetrieben haben. Sowohl die unablässigen Kämpfe der Bürger mit den Erzbischösen, als innere Zwiste untergruben die Macht der reichsfreien Bürgerschaft und hatten Verbannungen oder freiwillige Auswanderungen zur Folge, welche feit dem 16. Jahrhundert so verderblich wirkten, daß mit dem Anfang der französischen Revolution Köln kaum etwa 46,666 Einwohner — und diese zum Drittel als Bettler — hatte. Die Vereinigung mit dem französischen Reiche konnte ihr keine neue Blüte bringen, und als sie daher I8l4 an Preußen kam, hatte sie nicht einmal volle 47,666 Seelen. Desto rascher wurde seither ihr Fortgang, so daß sie nach 15 Jahren schon über 66 666 faßte und im Jahre 1844 auf 78,666 gestiegen war; dazu kommen noch nahe an 4666 Mann Besatzung und etwa 6666 Fremde. Aus Zeitungsnachrichten und den veröffentlichten Verhandlungen des Kölner Stadtraths ersieht man, daß sich die Niederlassungsgesuche von Auswärtigen außerordentlich mehren; ja ein Correspon- dent im Frankfurter Journal meint, wenn dieser gewaltige Andrang von außenher fortdauere, müsse binnen 5 bis 6 Jahren die Einwohnerzahl auf 166,666 gestiegen sein — jedenfalls eine übertriebene. Neber 76,666 bekennen sich zur katholischen, 6566 zur evangelischen Kirche, auch gibt es Mitglieder einiger Sekten und an 866 Jsraelitcn. Die Stadt enthält 226 öffentliche Gebäude, mit Einschluß der Kirchen, Kapellen und dergl. 8166 Häuser, wovon jedoch etwa 66 leer stehen, 176 Fabriken, Mühleu, Lagerhäuser — zusammen dann 8466 Gebäude; ferner hat Köln 7 bewohnte Wallgänge, 277 Straßen und Gassen, wovon jedoch >6 unbewohnte, 34 größere und kleinere Plätze und 11 Werften. Jede Straße hat ihre eigene Folge der Hausnummern. — Wir überblicken die an wichtigen Ereignissen und bedeutungsvollem Wechsel so reiche Geschichte dieser Stadt. In frühster Zeit mögen hier Trevirer gehauset haben. Bald nach Eroberung des Landes durch die Römer waren die Nbier aus ihrem Lande am rechten Nheinufer zwischen Wipper und Lahn herübergewandert und erstreckten sich jetzt von hier nach der Ruhr und Mosel. Sie wollten aber vor anreru deutschen Stämme» in Sicherheit sein und hatten, wie man sagt, schon den Beistand des Julius Cäsar angesprochen, aber erst Vipsanius Agrippa gab ihnen, etwa 37 v. Chr. Geburt, die Erlaubniß zum »eberzug. Seitdem waren die Ubier den Römern treu ergeben und nannten sich sogar Agrippinenser, wodurch sie sich den Haß anderer deutschen, das Fremde und den Änechtsinn hassenden Stämme in hohem Grade zuzogen. Von diesem Volke und einer römischen Legion wurde die Stadt gegründet und als Hauptstadt des ubischen Landes, wie später des untern Germaniens, angesehen. Julia Agrippina, die Tochter des Germanikus und Gemahlin des römischen Kaisers Claudius, war in dieser Stadt ge- boren; sie bewog ihren Gemahl eine Veteranenkolonie — voloni» Xgrip- pina genannt — Hergusenden, wodurch die Stadt vergrößert und ihr bisheriger Name oppilluni Ubiorum sUbierstadt) in Vergessenheit gebracht wurde. Bald gelangte die Kolonie zu Ansehen und ward in Untergcrma- nien Hauptsitz der römischen Macht. Sie hatte das Recht freier Verfassung, wählte selbst ihre Behörden und zahlte keinerlei Abgaben. Als der Bataverheld Civilis die Macht der Römer am Rhein stürzen wollte, zögerten die Agrippinenser, dem Bunde zur Gründung eines neuen Gallierreichs beizutreten, weshalb Classicus die Plünderung ihrer Stadt befahl, die jedoch Civilis hinderte. Die Römer drangen bald nenverstärkt vor, nun gaben die Agrippinenser ein Fest, zu welchem sie auch Gattin und Tochter des Civilis einluden. Sie bemächtigten sich Beider, sie den Römern zu überliefern, und tödteten alle andern feindlichen Gäste. Der Krieg gewann ein schnelles Ende. Tacitus berichtet diese That der Agrippinenser ausführlich; nachher erwähnt er Köln nur noch einigemal. Das Christenthum soll auch hier durch den h. Maternus l »ach der Sage war es der von Jesu erweckte Jüngling aus Nain), Schüler des Apostels Petrus und ersten Bischof von Köln, der von Trier hierher kam, schon am Ende des tten Jahrhunderts eingeführt worden sein. Das Annolied erzählt in der Strophe 32 so: „St. Peter, der heilige Bote, den Teufel überwand er zu Rom. Er richtete auf des h. Kreuzes Zeichen, er schrieb die Stadt zu Christo eigen. Dann sandte er drei heilige Männer, den Franken zu predigen, Eucharius und Kalerius, der dritte zMaternus) endigte sei» Leben auf dem Wege. Da kehrten die zwei wieder, St.^Pcter das zu klagen. Daher sandte er seinen Stab, den legten sie auf Mater- nus Grab; sie hießen ihn wieder vom Tod erstehen, in St. PetersWcbot mit ihnen zu den Franken gehen. Da er seines Meisters Namen vernahmward er ihnen gleich gehorsam. Er schüttelte sich den Staub (nwlm, die weiche Erde) ab, wie Gott es wollte; er faßte sich am Grase, schnell eilt' er aus dem Grabe. Da er 40 Tage hatte gelegen, mußte er noch 40 Jahre leben. Zuerst sie die zu Trier lehrten, nachher sie Köln bekehrten, der Bischof ward derselbe Mann, der vom Tode war erstanden." — So das Lied, allein sehr kundige Geschichtsforscher bestreiten und wohl mit Recht, daß die christliche Lehre so früh hier vorgetragen worden sei. Sicher waren auch hier nachher Verfolgungen der Christen und es gab viele Märtyrer. In folgender Zeit mögen auch Kaiser in diese Stadt gekommen sei». PostHumus, den die Legionen am Rhein zum Kaiser ausriefen, residirte 7 Jahre hier. Konstantin befahl 308 die Erbauung einer Brücke über den Rhein, die aber nicht fertig geworden zu sein scheint, da man Spuren der Pfeiler wohl auf der Kölner, aber nicht auf der Deutzer Seite bemerkt. Noch unter Konstantin treten auf dem arelatischen Concil 314 die ersten Bischöfe von Trier und Köln auf. Auch beschränkte er 32l die Rechte der Jsraelitcn zu Köln. Unter Konstantius legte sich Silvanus, römischer Feldherr, in Köln 354 den kaiserl. Purpur selbst an, fiel aber bald durch Meuchlerhand, nach Einigen in der Severins-, Columba- oder Cäciliakirche. Die Franken benutzten die Unzufriedenheit der Soldaten am Rhein, gingen über den Fluß und belagerten die Stadt. Julian, von seinem Vetter 355 gegen die Feinde gesandt, konnte ihnen Köln nicht mit Gewalt nehmen, er bestach also den Frankenfürsten, der ihm die Feste gab, nachdem die Werke geschleift waren. Die Franken kamen seitdem öfter und Valentinia» III. wies ihnen zuletzt 370 feste Wohnsitze am linken Nheinufer bis zum Ardennerwald und den Vogesen an. Dies verschlimmerte die Lage Galliens, weil nun auch andere Feinde ungehindert herüberdrangen. Honorius nannte sich zwar, noch Herr Galliens, doch herrschten in der Wirklichkeit die Franken von der Mittelmosel bis zur Saone. Dies bestätigt sich auch daraus, daß am Ende des 4ten und Anfang des 5tcn Jahrhunderts Mainz und die Städte am Oberrhei» noch als Römerbesitzung genannt werden, Kölns aber keine Erwähnung ist. — Nach dem Sturz des weströmischen Reichs herrschte Klodwig über Frankreich, wozu Köln gehörte. Hier ward Klodwig 508 zum König ausgerufen und hier war ein Bischofssitz. Als Klodwig unter seine Söhne das Reich getheilt, gehörte seit 5ll Köln dem zu Meß rcsidirendeu Theuderich. Nachher kam es zu Australien und wird als eine der vornehmsten Städte desselben bezeichnet. Eine bessere Zeit kam erst, als es unter den Karolingern zwischen 794 und 799 Erzbisthum wurde. Karl verweilte hier oft und begünstigte die Stadt. Anders ging es unter seinen Nachfolgern; die Normannen verheerten das Land. Kaiser Lothar zog es vor, ihren Führer Rudolf durch Geschenke zum Rückzug zu bewegen. Schlimmer ging es 881 und 882, Köln und Bonn wurven verwüstet, nur die Römer- maucrn trotzten dem Fall. Bald hob es sich von Neuem. Nun machte der Erzbischof Bruno, Herzog von Lothringen, mit Hülfe seines Bruders die Gerichtsbarkeit, nicht ohne Widerstreit von Seiten der Bürgerschaft, ganz von sich abhängig; auch seine Nachfolger betrachteten sich als Herrn der Stadt. Handel und Gewerbe hoben den Wohlstand. Die Erzbischöfe gingen in ihrem Streben weiter, besonders Anno II. — 1056—1075 — der sie mit Gewalt unterwarf. Zwar flohen 600 reiche Kaufleute zu Kaiser Heinrich IV., der auch zu Hülfe kam, aber erst »ach dem Tode des Unterdrückers. Dafür hing die Bürgerschaft diesem Kaiser noch an, als der Bannstrahl sein flüchtig Haupt getroffen und des Sohnes Undank ihm das Haar gebleicht hatte. Der Erzbischof Reinold, Graf von Dassel — 1159 bis 1169 — übertraf an ritterlichem Muth und Geisteskraft alle seine Vorgänger, so daß man ihn den deutschen Cicero nannte. Er begleitete den Rothbart nach Italien, wo er in dem erstürmte» Mailand die Reliquien der h. drei Könige gewann, die er seinen Kölnern schenkte. 1168 langten die Heiligthümer an und wurden in dem damaligen Dom (Unsr. l. Frauen zu den Stufen) aufbewahrt. Auch Reinolds Nachfolger, Philipp von Heinsberg, stand dem Kaiser gegen Heinrich den Löwen bei und erhielt einige Besitzungen desselben zum Dank. Während seiner Abwesenheit in Italien wurden die Kölner keck, bauten Häuser ans den Grund und Boden ihres geistlichen Oberherrn und beschlossen die Stadt recht fest zu machen. Der Ban der 14 Burgen oder Hauptthürme begann 1138, wurde aber nicht gleich rasch fortgesetzt, so daß der ganze ttmschluß erst 1440 völlig zu Ende war. Philipp verklagte die Bürger bei vem Kaiser und Barbarossa entschied, jedes Haus auf bischöflichen Grundeigcn- thum müsse versteuert werden, sonst könnten die Kölner nach Belieben sich befestigen. Man glaubt, daß er über diese hohenstaufische Entscheidung mit Philipp zerfiel; nun unterstützte der Kaiser die unruhigen Bürger. Nachher jedoch versöhnte» sich die Fürsten und die Bürger mußten — alle Kriegskosten tragen und sollten ihre Ringmauern abreißen. Dessen weigerten sie sich hartnäckig. In dem Streite Philipps von Schwaben und Ottos von Braunschweig spielten Stadt und Erzbischof eine Rolle. Die Stadt hielt zu Otto, der flüchtig nach Köln kam und da vieles Geld borgte, welches Maria von Brabant, seine Gemahlin, an lockere Gesellen verspielte. Endlich mußte Otto verkleidet fliehen, seine Gläubiger hatten das Nachsehen und setzten durch, daß die Bürgerschaft 1215 mit Friedrich II. sich versöhnte. Engelbert, Graf von Berg, erhielt den erzbischöflichen Stuhl, ein strenger Mann, doch Beförderer des Ackerbaues, des Handels und der Gewerbe. Ihn überfiel >227 sein Feind, Friedrich Graf von Jsenbnrg, bei Schwelln mit mörderischer Rotte und brachte ihn schmählich um. Acht und Bann folgte dem Mörder; die strafende Hand des Nichters ereilte ihn ein Jahr nachher, wo er in Köln aufs Rad geflochten wurde. Mehr und mehr stieg Handel und Wohlstand; die Stadt soll 100,000 Einwohner gezählt haben, und gewann dadurch an Halt, daß sie mit den übrigen Rheinstädten zusammen den rheinischen Städtebund bildete. Köln war Mittelpunkt der Industrie und in vortheilhaftester Berührung mit den überreichen Niederlanden. Vom 12. bis 14. Jahrhundert hielt der Handel in Deutschland die Wasserstraßen der Donau und des Rheins ein. Alle Erzeugnisse niederländischen Fleißes, Waffen, Wollenzeuge, Tücher, die über NegenSburg nach Ungarn und Griechenland, wie über Straßburg nach Frankreich und Oberdeutschland kamen, gingen durch die Hände der Kölner, welche sie weiter förderten und zugleich die von den Veiretianern an den Rhein geschafften Produkte Asiens versandten. Handelsfreiheit wünschten sie aber nur für sich; alle Schiffe mußten bei ihrer Stadt ausladen und Zoll zahle», Kölnische Fahrzeuge brachten dann die Waaren weiter. Einen Beweis für den großen Wohlstand der Stadt geben die Feierlichkeiten in verschwenderischer Pracht, womit sie die Braut Friedrichs II., die holde Jsabelle von England empfingen. Allmählig lies Köln ganze Geschwader in See gehen, schloß mit Nationen Handelsverträge und hatte in London seine Niederlage, im 13. Jahrhundert die Hansa der Kölner genannt. Reichthum macht Ueber- muth; ffe wollten in den Erzbischöfen nicht mehr ihre Oberherrn erkennen. Sie brachte» es, da oft streitige Fälle vorkamen, wahrscheinlich schon in der letzten Hälfte des 12. Jahrhunderts dahin, daß man ihnen die Erwählung ihrer Obrigkeit zur Verwaltung der städtischen Angelegenheiten zugestand, und bei dieser Ernennung hatte weder der Erzbischof, noch sein Bogt Antheil. Große und Macht wuchs und nun wollte» sie auch keine Besatzung des Erzbischofs mehr, Er und seine Geistlichkeit möchte in ihren Mauern wohnen. Klug genug erstrebten sie demnach allen Vortheil einer freien Reichsstadt und einer bischöflichen Residenz. Konrad von Hochstätten, welcher 1237 den erzbischöflichcn Stuhl bestieg, suchte mit List oder Gewalt die Rechte wieder zu gewinnen, welche seine Vorgänger, meist auf den Römerziigcn der Hohenstanfen abwesend, eingebüßt hatten. Er betrachtete die Stadt als Hauptsitz seiner Macht und that viel für sie; er verlieh ihr Stapelgerechtigkeit und begann 1248 den heutigen Dom, der alle Gebäude der Art durchaus übertreffen sollte. Leivcr schadete aber der fortwährende Hader dem raschen Gang des Unternehmens; erst nach 75 Jahren war nur der Chor, ein kleiner Theil des Ganzen, vollendet. Gar in der Folgezeit gerieth der Bau ins Stocken, wovon wir noch reden werden. Die Verleihung des Stapelrechts nutzte der Stadt ungemein. Als nach Friedrichs ll. Tode Wilhelm von Holland deutscher König war, hielt Konrad den Zeitpunkt günstig, sich Köln ganz zu unterwerfen. Wie sollte er auch nicht? Jeder dachte in der Verwirrung des deutschen Reiches zunächst nur an sich und seinen Vortheil. Die Rheinstädte erneuerten 1254 ihren Bund und schloffen sich enger an die Hansa. Köln gewann an Sicherheit im Innern, nach Außen an Kraft. Konrad hoffte, daß Bürger und Adel ihm gegenüber nicht lange einig sein würden. Er hatte sich nicht getäuscht. Der Adel sah mit trotziger Anmaßung auf die Bürgerschaft. 1258 gestalteten sich die längst gährenden Unruhen zum offenen Kampfe zwischen den Zünften und den Geschlechtern. Konrad und Engelbert II. wußten dies zu nutzen und gewannen die reichen Wollweber, auch andere Unzufriedene unter den Bürgern, für sich. Konrad ging weiter, er ließ Kölner Münzen schlagen, ein Recht, was die sogenannten Münzer Hausgenossen als ererbt für sich ansprachen. Sie drohten schwer, er nahm die Flucht und sagte ihnen Fehde an. Beide Theile litten Verlust und der Bischof von Trier brachte einen Vergleich zu Stande, den die Bürger mit 6999 Mark Silber bezahlten. Am Ostersonntag 1259 entstand zwischen Zünften und Geschlechtern, wegen Entfernung der alten Schöffen, in der Weißfrauen- kirchc offener Zwist und zuerst floß Bürgerblut. Der Adel siegte. Willkommener Anlaß für den Bischof, der ganzen Bürgerschaft eine Buße, zugleich in Geld, aufzulegen. Doch wählten die Bürger ihre Schöffen selbst und trafen freilich nicht eben kluge Köpfe dazu. Der Adel wollte wieder m sein Recht; die Zünfte schickten Abgeordnete an den Erzbischof, worunter ein Fischer Hermann; der Erzbischof lud die Adeligen vor und als die 12 Vertreter in seinem Palast erschienen, ließ er sie gefangen nehmen und nach der Ahrburg in Gewahrsam führen. Viele vom Adel, solchen Verrath verfluchend und auch um sich besorgt, verließen die Stadt. Konrad hatte gegen die Bürger leichteres Spiel. Sein Nachfolger Engelbert verfuhr ebenso. Er ließ die Gefangenen nicht los, errichtete an beiden Enden der Stadt Zwingburgen, heischte Zoll und Schoß von den Bürgern und hielt keinerlei Ding, was er ihnen zugesagt. Auch die bürgerlichen Schöffen, außer dem schlauen Hermann, setzte er ab, endlich 1262 erklärte Engelbert der versammelten Bürgerschaft, er wolle von nun an Einen der Bürgermeister und einen Schöffenamtmann selbst ernennen, zugleich verlangte er Abgabe von allen Lebensmitteln und eine Vermögenssteuer von 6990 Mark Silber. Ein schlichter Bürger, Eberhard vom Buttermarkt, trat hervor und rief zu den Waffen gegen solche Anmaßung. Die Gefangenen, indeß aus der Ahrburg entkommen, stellten sich an die Spitze und die bciven Zwingburgen fielen. Der Erzbischof kam noch in demselben Jahr mit großer Heeresmacht vor Köln, erlangte aber nur einen Vergleich, wonach ihm die Bürger jene 6900 Mark zahlten, aber alle vom Kaiser verliehenen Rechte zurück erhielten. Entrüstet hierüber schlug er seinen Sitz zu Brühl auf. Im folgenden Jahr scheiterte ein Ueberfall der Stadt, auch die 1266 auf dem Griechenmarkt entstandene Weberverschwörung half ihm nichts. Der Rath ließ zur Strafe die meisten Webstühle verbrennen, und Engelbert wünschte sich den Tod: denn Gott habe seiner vergessen, weil ihm alle Pläne, der Stadt Meister zu werden, mißlängen. Ein Mönch Wolfrath, dies hörend, erbot sich, die Geschlechter zu entzweien. Die sogenannten Weißen durften sich nicht, wie die Overstolzen, in Scharlach mit grünem Untcrfutter kleiden. Darüber hetzte sie Wolfrath auf, und sie behaupteten, dasselbe Recht vom Erzbischof zu habe». Der Graf von Jülich stiftete Friede, aber ohne Nachhalt. Die Overstolzen wurden 1267 in den Straßen von ihren mit den Zünften vereinigten Gegnern überfallen, schlugen sie aber zurück und die Weißen wurden verbannt. Sie wendeten sich an den Erzbischof, der mit ihrer Hülfe in die Stadt zu kommen gedachte. Ein Schuhflicker Havenit (Habenichts) grub bei seiner Wohnung an der Ulrichspforte ein Loch unter die Stadtmauer, so daß Herzog Walraf von Limburg in einer sturmischen Oktobernacht 1267 eindringen konnte. Ein Denkmal verewigt den Kampf, in welchem die Overstolzen dennoch siegten, ihre Gegner zurückwarfen und Hermann »ebst andern Vcr- räthcrn erschlagen ward. Nun herrschte mehr Einigkeit in der Stadt; sie wählte die Grafen von Jülich, Berg, Geldern und Katzenelnbogen zu Schirmvögten. Ersterer fing in gedachtem Jahr den Erzbischof, gab ihn zu Köln dem Spotte der Bürger preis, führte ihn hierauf in seine Burg an der Eifel, wo er ihn in eisernem Käsig eingesperrt hielt. Engelbert kam erst 1273 auf Alberts des Großen Verwendung wieder in Freiheit. Als der Herzog von Brabant mit dem Grafen von Geldern wegen der Limburger Erbschaft stritt, waren die Kölner für den Ersten, der Erzbischof Siegfried für Letztern; in einem Treffen siegte der Herzog und fing seinen Gegner nebst vielen Rittern und dem Erzbischof. Dieser dagegen wälzte alle Schule auf die Kölner, belegte sie mit dem Bann und hob diesen, so lang er lebte, nicht wieder auf. Sein Nachfolger söhnte sich nach 11 Jahren mit der Stadt aus und brachte es dahin, daß der Papst 1299 den Bann aufhob. Trotz dieser Reibungen und Kämpfe pflegte Köln damals Gewerbe und Künste mit trefflichem Erfolge. Es hatte Gold- und Silberarbeiter, Bildhauer, Tcppichweber; es hatte eine eigene Malerschule, die zwischen der altdeutschen und altniederländischen Malerei die Mitte hielt. Johann van Eyck, Wilhelm von Hcrle (Maler des berühmte» Dombildes) erwarben sich unsterbliche Namen. Zugleich zeugen Denkmale der Baukunst, Bildhauerei, Glasmalerei u. s. w. von dem Kunstsinne und der feinen Fertigkeit der Kölner, von da ab bis ins 16. Jahrhundert. Die vollste Blüte war im 14. Jahrhundert; die Erz- bischöfe führten auswärtige Kriege und ließen die Stadt in Ruhe. Diese wetteiferte mit Lübeck, Braunschweig und Danzig, ihren Mitvorsteherin- ncn im Hansabund. Kölnisches Geld und Gewicht galt allenthalben. Die alten Geschlechter nahmen ab, Ansehen und Reichthum der Zünfte zu. Der Gewerbstand sah sich seit 1321 im Rath vertreten und wollte sogar die Oberhand gewinnen. Um die Mitte des Jahrhunderts verfolgte man allerorten die Juden: in Mainz, Trier, Worms, Speier u. s. w. verfuhr man sehr grausam. Die zu Köln besorgten, vielleicht aus dem Geschrei Einiger vom Pöbel, gleiches Loos und verbrannten sich im August 1349 mit Weib und Kind, mit Haus und Hof. Die Reichsten kamen so um, die andern wurden zur Auswanderung gezwungen, ihre Häuser verkaufte man. Zuerst nach 13 Jahren durften sie wieder in die Stadt, mußten aber lange Zeit ein jährliches Schutzgeld von 79 Mark Silber entrichten, wozu sie sich auch sehr gerne verstanden haben. Die Geistlichkeit weigerte sich 1359 die von Karl IV. ihnen auferlegten Steuern zu bezahlen; der Rath ging sie hart an, sofort sprachen sie 1367 den Bann aus und verließen die Stadt. Erst nach 2 Jahre» kamen sie wieder. Die Tuchmacher empörten sich 1371 und nöthigten den Stadtrath sich aufzulösen, wobei dem Adel die vollstreckende Gewalt blieb. Er sollte sich noch 59 Mitglieder beigesellen und that es nicht, 1372 entbrannte ein blutiger Kampf, im November verloren 33 Häupter der Empörten ihr Leben. Die Stadt blieb 14 Tage gesperrt, und nachdem noch viele Weber in ihren Häusern und sogar in Kirchen und Klöstern erschlagen waren, verbannte man die Uebrigen. An 1399 derselben wanderten »ach Bonn, Aachen, Ander- nach u. a. Orten aus. Die Stadt ward 1377 von der Acht, die Karl IV. verhängt hatte, und vom Bann des Papstes gelöst. Elf Jahre nachher gründete sie die Universität, die bald ein Hauptsitz der Scholastik war. 1» Der verwiesene Bürgermeister Heinrich von Stave kehrte nun zurück und wurde sogleich hingerichtet. Im Jnni 1396 sammelten sich die Anhänger, seinen Tod zu rächen. Inzwischen verrieth Einer ihr Vorhaben, die Bürger überfielen mit großer Macht ihre Versammlung, und Tod oder Verbannung traf die Angesehensten von den Geschlechtern. Die Gemeinde gab sich eine neue Verfassung, in dem „Verbund-Briefe" enthalten, der am Feste der Krenzerhöhung 1396 beschworen wurde. Sofort faßte der Rath eine Gerichtsordnung ab, welche die Parteien genehmigten und der Kaiser bestätigte. Der Erzbischof sollte 2 Paläste in der Stadt haben, doch nur mit kleinem Gefolge kommen, und nicht über 3 Tage verweilen. Die Stadt behauptete ihre Neichsfreihcit, gelobte zwar dem Bischof Treue, empfing aber auch seinen Schwur, sie in ihre» Freiheiten zu schützen. Eine glückliche Ruhe hob nun das Wohl der Stadt; in diesen Jahren war Alles so wohlfeil, daß man einmal das Fuder Wein für einen Gulden kaufte. Städtische Bauten wurden unternommen, z. B. 1467 — 1414 der Rathhausthurm, 1441 — 1456 der Gürzenich, das Stadtzeughaus und viele Andere. Aeneas Sylvius äußerte, daß keine andere Stadt in Europa etwas Achnliches aufzuweisen habe. Die damals noch junge Buchdruckerkunst hatte in Ulrich Zell seit 1464 einen Pfleger; seine Werkstätte war neben der Lyskirche. Die Jsraeliten mußten 1429 abermals für längere Zeit Köln meiden. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts stritt Erzbischof Rupert mit dem Domkapitel; Ersterer unterstützte Karl den Kühnen von Burgund, welcher 1474 Neus belagerte, das aber von seinen Bürgern und den mit ihnen verbündeten Kölnern auf das tapferste vertheidigt wurde. 1475 wurde auf dem Hansatage zu Lübeck ein Zerwürfniß zwischen Köln und den andern Hansestädten geschlichtet, die jenes vom Bunde ausgeschlossen hatten. Unter Hermann dem Friedfertigen, der 1480 bis 1568 Erzbischof war, herrschte Ruhe und Segen; selbst eine vorübergehende Empörung, wodurch 1481 der Rath gestürzt worden, hatte keine weitern Nachwehen. Aber von dem Versuch, neue Zölle auf dem Rhein zu heben, mußten die Kölner abstehen, weil die rheinischen Fürsten den Strom für den Kölner Handel sperrte». Mit dem Beginn der Reformation, 1517 saß Hermann zu Wied auf den, Kurstuhl. Er schützte zwar mit aller Macht die katholische Lehre gegen Neuerung, konnte aber die reuchlinischen Händel nicht hintertreiben. Ein getaufter Jude aus Köln, Namens Pfefferkorn, erregte den Streit, indem er verlangte, man solle alle Schriften der Juden verbrennen, weil sie Lästerungen auf Christus enthielten. Der gelehrte Nenchlin nahm sich der Jude» an und nun wendete sich der Streit gegen ihn. Die Dominikaner zu Köln hätten ihm gern den Prozeß gemacht, allein sie schwiegen vor den Waffen des Spottes, die Hütten in seinen Briefen der Dunkelmänner se>>lstvlne obscuro- rum virvrum) gegen sie schwang, sowie vor Sickingens Drohung, er wollte sie am Rhein heiuisuche», wenn sie den Nenchlin nicht in Ruhe ließen. Sie bezahlten jetzt sogar die Prozcßkosten. Dieser Streit, bei dem die Kölner Geistlichkeit den Kürzern zog, schürte den Fanatismus und als die Anhänger der neuen Lehre zunahmen, wurden 1529 sogar zwei protestantische Prediger, Älarenbach uns Flistädt als Ketzer hingerichtet. Aus ihrem Blute erstanden neue Anhänger und die Henker mußten sich lange verbergen. Es erfolgten sogar blutige Streitigkeiten; der Rath wußte sich nicht zu helfen. Melanchthon wollte ein Neligionsgespräch veranlassen, aber man gab den Bescheid, daß es die erste Pflicht eines ehrsamen Rathes sei, Zwist und Zwietracht in der Stadt zu vermeiden. Noch bewahrt man diese» Bescheid im Archiv auf; auch der Einfluß des Erzbischofs änderte ihren Entschluß nicht. Die Zahl der Protestanten nahm schnell überHand. Hermanns Nachfolger schaffte wieoer die kirchliche Ordnung; er verbot alle Zusammenkünfte der Lutheraner und Wiedertäufer und drohte mit Eril. — Gcbhard Truchseß wünschte aus Liebe zu der schönen Gräfin Agnes von Mansfeld, die geistliche Herrschaft zu verweltlichen, er gestattete seinen Unterthanen freien Uebertritt. Die Protestanten wandten sich an den Rath mit der Bitte um freie Neligionsübung, allein man schlug es ab, kerkerte die Wortführer ein und b.fahl den Uebrigen, in bestimmter Frist die Stadt zu meiden. Viele gehorchten und zogen ins Bergische, wo ihr Fleiß reichen Segen trug, die aber in Köln zurllck- bsieben, hielten sich geheim. Es mögen deren noch viele gewesen sein, denn 16l l beschuldigte man sie, die Neligionsstrcitigkeiten in Aachen und Lille erregt zu haben. Hausenweise wanderten sie vor der Wuth des stets aufgehetzten Pöbels aus, was dem Handel und Wohlstand sehr nachrheilig wurde. Von 1613 — 1618 wurden jährlich die strengen Verordnungen gegen die Wiedertäufer vorgelesen, kein protestantischer Prediger durste in Köln auftreten, Niemand nach Mühlheim gehen, einen solchen zu hören. Den Protestanten wurde der Kleinhandel untersagt und Schußgeld abverlangt. Noch 1685 zwang diese Intoleranz über 1466 Familien zur Auswanderung. Die übrigen Handelsstädte, meist der Reformation zugethan, wurden dadurch kalt gegen Köln. Sein Handel begann zu sinken, dies dauerte während des ganzen dreißigjährigen Krieges. Der wcstphä- lische Friede gab den Hansestädten große Vortheile der Schifffahrt und des Handels, welcher letztere nach dem Innern Deutschlands allmählig einen andern Weg suchte, so daß Bremen und Hamburg die größern Stapel- und Handelsplätze wurden. Zwischen 1636 und 1685 geschah der letzte Kampf des Adels und der Bürger. Der Rath, die verbundenen Städte nicht schonend und dadurch Kölns Wohlstand untergrabend, legte gleichwohl dem Bürgerstande immer neue Abgaben auf und erregte den Verdacht, daß die öffentlichen Gelder veruntreut würden. Wahrscheinlich hatte Ludwigs XIV. Eroberungssucht große Opfer nöthig gemacht, allein daran dachte der Unwille des Volkes nicht, man murmelte von bedeutenden Unterschlagungen. Ein Bandkrämer Gülich veranlaßte eine Untersuchung, die zu nichts führte; er ward verhaftet und wieder frei gegeben. Der Pöbel waffnete sich und die Unruhen dauerten bis Ostern 1683, wo sie in hellen Flammen aufschlugen. Doch erst auf Johanni setzte man den Rath ab, Gülich und seine Anhänger ergriffen das Ruder. Einer tollen Pöbelherrschaft folgte die kaiserliche Achtserklärung, August 1685. Im November nahm der vorige Rath seine Stelle wieder ein und Gülich mit einem Genossen ward 1686 zu Mnhlheim enthauptet; sein Haus abgebrochen, eine Schandsänle an die Stelle gesetzt, darüber sein in Erz gegossener Kopf. In der Revolution stürzte man 1797 diese Säule um, trug den Kopf als den eines Märtyrers der Freiheit herum und schickte ihn hinauf nach Bonn. Die Kriege im Laufe des 18. Jahrhunderts berührten Köln nicht. Allmählig zeigte sich — o Wunder! — sogar hier Duldung gegen die Protestanten, welche 1788 sich ein Bethaus einrichten Durften. Der Pöbel hinderte das Beginnen und sie mußten nach wie vor in Mühlheim ihre kirchlichen Bedürfnisse befriedigen. Der letzte milde und aufgeklärte Kurfürst Maximilian Franz stand nicht in bessern, Verhältniß zur Stadt, wie seine Vorgänger. Das Erzstift hatte sammt und sonders damals 126 Quadratmeilen, 236,666 Seelen und 666,666 Thlr. jährliche Einkünfte. Inzwischen verfielen Handel und Gewerbe Zusehens, die Armuth und Nahrungslosigkeit brach als ein immer drohenderes Gespenst über die niedern Bürgerklassen ein. Während der Revolution besetzten die Franzosen unter Jourdan die Stadt; eine provisorische Verwaltung gab unter Anderin allen religiösen Glanbensmeinungen gleiche Rechte. Ein Jakobinerklnbb entstand aber hier nicht. Durch den Frieden von Campo Formio 1797 wurde Köln ein Schalten seiner frühern Größe Munizipalstavt im Ruhr-Departement, dessen Hauptort Aachen war. Im Jahr 16 der Republik — 1862 — wurden Klöster und geistliche Stiftungen aufgehoben, ihr Vermögen eingezogen. Die Haupt- und Pfarrkirchen blieben verschont. Den evangelischen Gemeinden gab man die Antonius- kirche, welche sie 1366 einweihten. In diesem Jahr wurde die Stadt Sitz einer Untcrpräfektur, einer Centralschnle, eines ersten Instanz- »nd eines Handels-Gerichts. Am 14. Januar 1814 räumten die Franzosen Köln, da? die Verbün. deten unmittelbar darauf besetzten. Der 24. Artikel der Wiener Congreßakte theilte es mit Andern der preußischen Monarchie zu. Bald hierauf wurde es Sitz des Oberpräsivenien der Provinzen Jülich, Kleve und Berg und einer königlichen Negierung. Ein für die gesummte Nheinprovinz 1822 errichtetes Oberpräsidinm erhielt seinen Sitz in Koblenz. Auf den so lange erledigten erzbischöflichen Stuhl ward 1825 der hochwürdige Graf Spiegel zum Desenberg erhoben. Ihm folgte 1835 der Freiherr D roste Vischering, welcher in bedenkliche Streitigkeiten mit der Regierung geriet!) und deshalb ans seinem Sitze entfernt wurde. Im Jahr >842 wurden die kirchlichen Zerwürfnisse und Störungen dadurch beseitigt, daß der bisherige Bischof von Geissel zum Coadjutor des Erzbischofs und dessen Stellvertreter in Köln ernannt wurde. In demselben Jahre legte König Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein zum neuen Fortbau des Dom?, (4. September) für dessen Erhaltung schon sein Vater große Summen verwilligt hatte. In Gegenwart vieler hohen Gäste und einer ungeheuern Volksmenge sprach der König: „Ich ergreife diesen Augenblick, um die vielen lieben Gäste herzlich willkommen zu heißen, die als Mitglieder der verschiedenen Dombauvereine aus unserm und dem ganzen deutschen Lande hier zusammengekommen sind, um diesen Tag zu verherrlichen. „Meine Herrn von Köln! Es begibt sich Großes unter Ihnen. Dies ist, Sie fühlen es, kein gewöhnlicher Prachibau. ES ist das Werk des Brudersinns aller Deutschen, aller Bekenntnisse. Wenn ich dies bedenke, so füllen sich meine Augen mit Wonnethränen und ich danke Gott, diesen Tag zu erleben. Hier, wo der Grundstein liegt, dort mit jenen Thürmen zugleich, sollen sich die schönsten Thore der ganzen Welt erheben. Deutschland baut sie; so mögen sie für Deutschland, durch Gottes Gnade, Thore einer neuen, großen, guten Zeit werden. Alles Arge, Unächte, Unwahre und darum Undentsche bleibe feLn von ihnen. Nie finde diesen Weg der Ehre das ehrlose Untergraben der Einigkeit deutscher Fürsten und Völker, das Rütteln an den, Frieden der Confessionen und der Stände, nie ziehe jemals wieder der Geist hier ein, der einst den Bau dieses Gotteshauses, ja den Bau des Vaterlandes hemmte. Der Geist, der diese Thore baut, ist derselbe, der vor 29 Jahren unsere Ketten brach, die Schmach des Vaterlandes, die Entfremdung dieses Ufers wandte, derselbe Geist, der gleichsam befruchtet von dem Segen des scheidenden Vaters, des lehren der drei großen Fürsten, vor zwei Jahren der Welt zeigte, daß er in ungeschwächter Jugendkraft da sei. Es ist der Geist deutscher Einigkeit und Kraft. Ihm mögen die Kölner Dompforten Thore des herrlichsten Triumpfes werde». Er baue! Er vollende! Uno das große Werk verkünde den spätesten Geschlechtern von einem durch die Einigkeit seiner Fürsten und Völker großen, mächtigen, ja den Frieden der Welt unblutig erzwingenden Deutschland; von einem durch die Herrlichkeit des großen Vaterlandes und durch eigenes Gedeihen glücklichen Preußen, von dem Brudersinne verschiedener Bekenntnisse, der inne geworden, daß sie Eins sind in dem einigen göttlichen Haupte. Der Dom von Köln, das bitte ich von Gott, rage über diese Stadt, über Deutschland, über Zeiten, reich an Menschenfriede», reich an Gottesfrieden bis an das Ende der Tage. Meine Herrn von Kölni Ihre Stadt ist durch diesen Bau hoch bevorrechtet vor allen Städten Deutschlands und sie selbst hat dies auf die würdigste Weise erkannt. Heute gebührt ihr dies Selbstlob. Rufen Sie mit mir — und unter diesem Rufe will ich die Hammerschlägc auf den Grundstein thun, rufen Sie mit mir das tausendjährige Lob der Stadt: Alaaf Köln!" — Die preußisch-rheinische Dampfschifffahrtsgesellschaft, die sich >825 zu Köln bildete und am l. Mai 1827 die regelmäßige Fahrt zwischen Köln und Mainz eröffnete, hat den Verkehr auf dem Rhein, zumal den von Köln, erstaunlich gehoben. Ihre 25 Dampfvoote scheuen auch die thätige Concurrenz der Düsseldorfer und der Niederländer Gesellschaft nicht. Die Segelschifffahrt gewinnt immer mehr Ausdehnung, und die rheinische, belgische Eisenbahn zwischen Antwerpen und Köln wird für letztere Stadt die herrlichsten Folgen haben. Diesen Aufschwung nahm Köln als Handels-, Stapel- und Fabrikplatz in den letzten Jahrzehnten. Seit 1814 hat die'Bevölkerung sich verdoppelt; neue Straßen entstehen und der lebhafte Verkehr läßt die traurigen Zeiten von 1794—1814 ganz vergessen. Auch das geistige Leben dieser Stadt, wie es sich im Mittelalter eigenthümlich gestaltete, mag hier unsere Aufmerksamkeit verdienen. Köln war eine der wichtigsten Universitäten jener Zeit. Außer den drei Fakultäten derselben fand sich eine Vorschule für höhere Wissenschaften, Scliolg ariiuni hier, wo Philosophie, Geschichte, Naturkunde, Mathematik, theoretische Musik, sowie die orientalischen und oecidentalischen Sprachen gelehrt wurden. Zum Besuche derselben bereiteten in verschiedenen Gegenden der Stadt öffentliche Lchrhäuser vor, z. B. äomus äo Lsmpis, llomns äe lleicu, äomus mvntis, äomus liubon» prima et seeimllu, von welchen einige nachher den Namen Gymnasien oder Bursen führten. Noch im ' zweiten Jahrhundert der Universität gab es s. w. Hohe und schöne Häuser bilden die Mehrzahl der Gebäude. Große und kleine Gassen führen vom Heumark aus, z. B. die Fischkarreg mit Frachtwagen und Ballen überdeckt, der Malzbüchel mit hübschen Läden, der Hessenhof still; durch die Bolzengasse kommt man zum Gürzcnich, durch die Salzgasse zum Rotherberg. Durch den Vorbau einiger Häuser gegen den Heumarkt entstand die ihn unregelmäßig machende Gasse Unter- Hutmachern, sie hat viele Läden und ist sehr belebt. Noch mehr ist dies Unter-Seidenmacher, wo sich die verschiedensten Läden dicht aneinander reihen und die am nordwestlichen Eck des Heumarktes beginnt. Mars- platz ist ein kleines Viereck mit einem Steinbrunnen und vielen Läden. Rechts ist der Altmarkt, links zieht der Steinweg nach der Fleischhalle. Die Marspforten, etwas ansteigend, hat Läden an Läden; rechts die Juden, links die Martinsgasse (Oben Mauern). Auch der Gülich platz ist ein kleines Viereck, wo das Hans des lösb Hingerichteten Gülich stand, den ich in der Geschichte Kölns erwähnte. Oben-Marspforten ist eine Fortsetzung der durch den Gülichplatz unterbrochenen Straße, hat viele Läden und mitunter sehr schöne Häuser. Die Hochstraße, von Süd nach Nord, von der Hochpforte bis zum WallrafSplatz hat an 2400 Fuß. Sie war wohl Hauptstraße in der Römerstadt, ist sehr lebhaft und hat Läden und Handlungen jeder Art; man kann sie recht eigentlich den Mittelpunkt des städtischen Verkehrs nennen. Oestlich an ihr auf der Stelle eines ehemaligen Klosters ist der Augustinerplatz, ein längliches Viereck. Das Hauptgebäude an demselben ist das neue Casino. Westlich führt die Blindgasse nach dem Cäeilienklostcr, östlich die Augustinerstraße nach dem Hcumarkt und dem Rhein. Zwischen dem Augustinerplatze und der Hochpforte heißt die Straße: Unter Pfanncnschläger. Sie ist lebhaft, hat viele Läden und besonders Weinschenken. Wo die Stephans- und die Sternenstraße sich begegnen, verbindet sie die Hochpforte, die zu den schöner» der Stadt gehört. Sie hat weniger Läden, aber schöne Häuser. Die Stephansstraße führt auf den Marienplatz, ei» nicht ganz regelmäßiges Biereck, mit zwei Baumreihen in der Mitte; er dient als Promenade. Der Malzbüchel ist eine breite, platzähnliche Straße, mit vielen Kaufläden und ansehnlichen Häusern. Sie ist verbunden mit der Rhein- straße, welche sich bis zum Thurmmarkt erstreckt und außer dem Tempelhaus mehre Gasthöfe enthält. Der Lichthos steht in Verbindung mit dem Malzbüchel durch eine breite Treppe, und mit dem Maienplatze durch ein Spitzbogenthor, ebenfalls mit einer Treppe hinabführend. Die Martinsstraße ist ziemlich breit und gut gepflastert. Der Martinsplatz ist ein länglich Viereck, worauf früher die Klein-Martinskirche stand, wovon nur noch der ziemlich hohe Spitzthurm vorhanden ist. Daran liegen die Straße Oden-Mauern nach der Marspforten, die Fleischhalle und die Äönigs- straße nach dem Hcumarkt und der Steinweg nach Marsplatz und Altmarkt. Diese letztern werden durchschnitten von der Bolzengasse, die vom Heumarkt nach dem Gürzcnich ansteigt und sind sehr lebhaft. Unterhalb der Hochpforte rechts der Blaubach, links der Mühlbach, gegen Süd der Waidmarkt. Ein unregelmäßiges Viereck mit Fortsetzung bis zum Kar- melitergpmnasium ist er eigentlicher Obst- und Gemüsemarkt der Stadt. Der Eine Theil hat 3 Reihen Platanen und ist an Markttagen mit einer Wagenburg bedeckt. Der eigentliche Waidmarkt erstreckt sich nur bis zur Georgskirche, wo die stille Georgsstraße anfängt. Vom verlängerte» Platz führt die Wcisbüttengasse zum Blaubach und Perlengraben. Am Südende des Platzes beginnt die Sevcrinsstraße, bis zum Severinsthor 2950 Fuß lang. Sie ist ziemlich breit und gerade. An große mid schöne Gebäude reihen sich viele Läden und Handlungen. Vor der St. Johann Baptistkirche ist ein kleines Plätzchen, daneben die Straße an St. Katha- rinen, wo man die de Grootsche Familienkirche erblickt. Zur Rechten beginnt der Perlgraben, der sich bis zur Waisenhausgasse, dem Blau- und Rothgerberbach zieht. Der Josephsplatz zur Linken ist unbedeutend und die gegenüberstehende ehemalige Klosterkirche gleichen Namens ist nun Proviantmagazin. Dahinter die neue Josephsstraße mit schönen Häusern. Von da weniger Verkehr und Läden, statt deren Holzplätze, Gärte» oder leere Räume. Am Ende der Straße links sieht man die SeverinSkirche; das Severinsthor überragt ein alter Thurm. Aus der Sevcrinsstraße führen in östlicher und nordöstlicher Richtung mehre ungepflasterte Gasse» gegen den Rhein, z. B. am Severinswall, mit Gärten und einer Windmühle, dann die der heiligen drei Könige, eine Arr Feldweg, die Baiengaffe im Innern längs der Stadmauer, vom Baien- bis zum Nächelsthor; auch die Zuggaffe ähnelt einem Feldwege. Die Scgengasse bietet den kürzesten Weg vom Severinsthor zum Rheinwerft. Die Achterstraße enthält nichts Merkwürdiges. Der Katharinengraben, gerade und gut gepflastert, wird von Handwerkern und Hafenarbeitern bewohnt. Nächclskaul ist eine Fortsetzung der Baieustraße und von ihr geht die übelriechende Klappergasse und die Spulmannsgasse, von Arbeitern bewohnt, aus. Der Holzmarkt ist eine ziemlich breite Straße von der großen bis zur kleinen Witschgasse. Unser» derselben beginnt die neue Rheinaustraße mit Bürgersteigen und hohen schönen Gebäuden, deren meiste Altane haben. Die schmale und gekrümmte Straße an Lpskirchen geht vom Holzmarkt bis zum Mühlenbach und ist nach der in ihr stehenden Kirche benannt. Von da bis zur Hochpfortc und dem Waidmarkt reicht die Straße Mühlbach, breit aber unregelmäßig. Sie hat im untern Theil mehre Mühlen, der obere ist mit Frachtwagen angefüllt. Der Filzengraben zieht von hier zum Rheinthor. Man bemerkt hier bedeutende Ueberreste alter Bauten, mit Steinsäulen und einem zugemauerten Thor, von der ältern Befestigung dieses Stadttheils herrührend. In einem alten Thurm ist jetzt ein Eisen- lager. Der von hier gegen West aufsteigende Rheinberg ist höckerig und mit hohen Häusern besetzt. Sehr belebt durch Gasthäuser und den starken Hafenverkehr ist der Thurmmarkt, eine mittelbreite, vom Rheinthor bis zur Friedrich Wilhelmsstraße reichende, mit hohen Häusern besetzte Straße. Hier sind einige Wechsel- und Handelshäuser und die Sitze der Direktion der Kölner Dampfschifffahrtsgesellschaft, sowie der Düsseldorfer Dampfschiff-Agentur. Durch schmale Gäßchen verbindet sich die schmutzige Kühgasse, die reinliche Straßburgergasse und der Sassenhof. Westlich der Sevcrinsstraße längs der Mauer ist zuerst der Kart Häuserwall, vom Severinsthor über die früher vermauerte Ulrichspforte (durch welche jetzr die Eisenbahn nach Bonn zieht) bis zum Weierthor. Auf diesem Wall befinden sich l2 halbrunde Thürme, 2 Windmühlen und große Seilerdahnen; der Weg ist »»gepflastert und nur bei trocknem Wetter zu gehen. Die Äarthäusergasse ist einsam und enthält in dem ehemaligen Kloster das große Militärlazareth, dazu gehört der frühere Garten und die Anlagen, welche nunmehr eine große Wiese sind. Folgt man der Ulrichsgasse, die mit zwei Reihen Linden besetzt ist und zur Karthäusermühle führt, so hat man ein schönes Gemälde, die SeverinSkirche und ihre 3 Thürme, vor sich. Auf der Gallcrie der nahen Windmühle sieht man nächst dem Dom fast alle Kirchen der Stadt, 2 oder 3 der äußern Forts und einige Dörfer. Schmutzig ist die Eulengasse, nach der Severinsstraße hin; die Gasse vor den sieben Burgen ist sehr still. Man gelangt zwischen hohen Gartenmauern zur Schnurgasse mit der Mariakirche. Weiterhin ist der neue Bahnhof und es steht zu gewarten, daß diese Stadtgcgend durch die Bonn-Kölner Eisenbahn, welche hier beginnt, bald ein ganz anderes Ansehen wie jetzt gewinnen werde. Schon sind an der Waisenhausgasse und in deren Umgebung die geeignetsten Plätze zu Neubauten angekauft und diese so ruhige und abgelegene Straße mit Einemmal eine der belebtesten geworden. Die breite chaussirte Straße Perlengrabe» senkt sich vom Johannsplätzchen an der Severinsstraße abwärts und steigt gegen die Waisenhausstraße, den Blau- und Rothgerberbach wieder hinan. Unter ihr fließt in bedecktem Kanal der Perlenbach, der sich unfern des Rheinthors in den Rhein ergießt. Sie ist mit kleinen Häusern besetzt, einige alte Gebäude sind unbewohnt. Vom Eisenbahnhof führt die Gasse Pan- taleonsberg zum gleichnamigen Klosterplatz und der Straße am Weidcn- dach. Sie wird von einem schmalen Kanal durchschnitten. Hier ist die Pionierkaserne; gegenüber die evangelische Garnisonskirche, auf deren Thurm der Telegraph angebracht ist. Der Weidenbach ist am nördlichen Ende mit schönen neuen Häusern besetzt, wie auch die Weierstraße, mit Weinschenken, Läden und Werkstätten. Schön und breit ist die Telegraphenstraße, unbedeutend die Taubengasse. Gegen Ost schließt sich der Rothgerberbach an, mit Rothgerbercien und Lederhandlungen, aber wenig Läden. Unmittelbar dahinter ist die alte Römermauer, deren ganze Breite eine schmale Gasse bildet. Die Straße Blaubach wird von dem weiter oben herkommenden Bach bewässert, dessen Leitung theilweise höher als das Straßenpflaster ist und an dem sich Lindenreihen hinziehen. Die alte Nömermaucr springt gegen die Straße vor und die nördliche Häuserreihe steht aus ihr. Durch die Straße hohe Pforte kommt man zur Sternen- gasse, mehr schmal als breit, fast durchweg mit ältern ansehnlichen Häusern bepflanzt und stark belebt. In ihr das Haus auf der Stelle des ältern, worin Rubens geboren und Maria von Medicis gestorben ist. Seitengassen sind krummer Buchel und die Kämmcrgasse, unbedeutend, schmutzig unv winklig. Der kleine Griechen markt ist dem größern ähnlich. Er steht mit der Baiengasse und dem Neumarkt in Berührung. Ei» offener Thorbogen, über den ein Haus gebaut ist und neben dein ein alter Rö- merthnrm steht, heißt Griechen- oder Kriegpforte. Die beiden Griechenmärkte habe» ungeachtet ihres ärmlichen Zustandes einen alterthümlichen Anstrich; die meiste» Häuser ruhen auf römischen Grundmauern, haben uralte Keller und stecken tief im Boden, woraus man sieht, daß die vorübergehenden Gassen immer mehr erhöhet wurden. Die alte Straße Mauritius-Steinweg, die früher nur Gärten durchschnitt, ist in neuster Zeit regelmäßig angelegt und mit schönen Häusern bebaut worden. Weiterhin sind Kirche und Kloster gleiches Namens. Im La ach, Straße und mit Bäumen bepflanzter Platz, war früher ein Teich oder eine Lache. Neue schöne Gebäude werden diese einst ungesunde Gegend bald in eine der angenehmsten umwandeln. Hier findet sich die Apostelkirchc und Kloster, ei» schöner, mit Bäumen bepflanzter Erercierplatz, mit dem Laach durch die Mittelstraße verbunden, und schöne Gärten. Am Marsilstein ist ein kleiner Platz, die dazu gehörige Straße, von Ackerleuten bewohnt, scheint aus einem Dorfe nach Köln versetzt, weshalb denn Alles in derselben ein ländliches Ansehen hat. Am Marsilstein beginnt auch die Hah- nerstraße und endet am Hahnerthor, durch das man nach Düren gelangt. Hier ist starker Verkehr von Landleuten, sowie in der Ehren- und Benesis-Straße. Vier Thore, nahe beisammen, fördern diesen Verkehr mit dem Landvolke. Die Ehrenstraße beginnt ani Ehrenthor, durch welches die Landstraße nach Bergheim, Jülich und Aachen geht, und erstreckt sich bis zur Breitestraße. Je weiter man in ihr vorschrcitet, desto lebendiger ist der städtische Verkehr; die anbiegende Apostelstraße dient zum Gemüsemarkt. Durch St. Aposteln alte Mauer gelangt man nach dem Neu markt, einem großen länglich viereckigen Platz, innen mit Linden umpflanzt und niit einem Steingitter eingeschlossen. Rings ziehen sich breite Fahrstraßen, größtentheils mit schönen Wohnungen besetzt. Der Neumarkt, wen» auch nicht der belebteste, ist der größte, schönste und regelmäßigste Platz der Stadt, dient zur Promenade und zum Erercicr- und Paradeplatz. Im Mittelalter ein Wein- und Gemüsegarten, erhielt derselbe erst 1740 seine jetzige Gestalt. Die ansehnlichsten Gebäude sind: Apostelnkirche, Garnisonsverwaltung, die große Jnfanteriekaserne Nr. l, das Zuchthaus die blcchene Bor und viele Privathäuser mit Altanen. Auch sind einige Wirthschaften hier. Zur Streitzcuggasse und Breitestraße zieht von hier die Richmondstraße, breit und mit schönen Bürgersteigen vor glänzenden Häusern; auf der andern Seite steht der Neumarkt in Verbindung mit dem Laach und durch St. Mauritius alte Mauer mit dem Mauritiussteinweg u. s. w. In östlicher Richtung führt die Cäcilienstraße nach dem neuen Bürgerhospital, aus der Stelle des ehemaligen Cäcilienklosters. Sie scheint »ach Beendigung des großartigen Gebäudes eine der angenehmsten im Mittelpunkt der Stadt zu werden. Belebter zieht in derselben Richtung die Schildcrgasse; hier drängen sich Kaufläden der verschiedensten Art an einander. Die evangelische Kirche ist ziemlich unansehnlich und ihr Raum für die Gemeinde viel zu klein. Je weiter man in der Schildcrgasse fortschreitet, desto lebhafter ist sie. Die anstoßenden Nebengasse» sind gänzlich unbedeutend. Man gelangt durch die von vielen Handwerkern bewohnte Herzogsstraße in die Streitzeuggasse, welche nicht zu den lebhaftesten gehört und größtentheils von Handwerkern bevölkert ist. Sie endet an der Jnfanteriekaserne Nr. 2, dem ehemaligen Franziskanerkloster, dessen Nebengebäude sich bis zur Filzengasse erstrecken und dessen Kirche ein Proviantmagazin ward. Die Glockengasse ist eine der schönen, wiewohl weder besonders lang, noch breit. Sie ist sehr geränschvoll und hat schöne unv große Häuser, z. B. die Polizcidirektion und das Oberpostamt; auch finden sich Fabrikgebäude und Gasthöfe von Belang in derselben. Ihre unmittelbare Fortsetzung ist die Brückenstraße, welche sich bis zu den vier Winden an der Hochstraße erstreckt. An der Ecke der Columbastraße ist die gleichnamige Kirche. Hier sind schöne und bedeutende Gebäude. An alten Häusern bemerkt man Steinköpfe von Ungeheuern mit offenem Rachen und großen weit vorstehenden Zähnen — was wahrscheinlich aus den Bürgerkämpfen zu erklären und Anspielung auf eine der Parteien ist. Die Columbastraße führt in die Breite Straße, welche sich von der Ehrcnstraße bis zum Minoritenplatz erstreckt und nicht viele Läden, aber einige ansehnliche Gebäude, z. B. das Hauptsteueramt enthält. Die Verbindungsstraßen sind im Begriff, sich in schönere und breitere zu verwandeln. An der Kupfergasse ist die Kirche Maria zur Kupfergasse. Die neu durchgebrochene He- lenenstraße verspricht recht schön zu werden; die Schwabengasse behält aber noch zur Zeit ihr unfreundliches Aussehen. Die Straße am Nömer- thor zeigt noch Umschloß und Mauer der ältesten Stadt und man gelangt zum Musivthurm, dessen unterer Theil ebenfalls römischen Ursprungs ist. Die Fricsengasse ist schmutzig und nur von Ackerleuten bewohnt. Der Gereon sdriesch, ein. viereckiger Platz mit Linden, dient als Promenade, wird aber wenig besucht. An der Abcndseite die Gereonskirche und die Gebäude des ehemaligen Klosters gleichen Namens; überall leere Plätze, Alles still und menschenleer. Auch die nach GereonSthor führende Christophstraße, wen» schon sie neue Hänser hat, ist sehr still. Angenehmer dagegen ist die gegen Ost gerichtete Gereonsstraße, in der Mitte mit 2 Reihen Linde» besetzt, welche eine hübsche Promenade bilden. Sie hat einige große Häuser, den erzbischöflichen Palast, das neue Civil- Arrcst- unv Correktionshaus; ein Durchgang führt in die Unter Sachse »Hausen, links der Maria-Ablaßplatz, in dessen Mitte die kleine Maria-Ablaßkirche sich befindet. Hier, sowie in den Nebenstraße» ist es auch ziemlich still. Die Straßen an den Dominikanern, die Zeughausstraße und Komödienstraße bieten nichts Merkwürdiges. In letzterer steht der neue große Justizpalast in Mitte eines geräumigen Platzes, welcher der Appelhof genannt wird, auch das Theater »nd viele Wirthschaften, am untern Ende die Andreaskirche. In der Gasse Burgmauer ist noch der alte Umschluß der Römerstadt bemerklich. Durch die Mariengarten- gasse kommt man von hier nach der breiten aber kurzen Drususstraße und dem Minoriten- oder Scotusplatz. Er ist mit Bäume» bepflanzt und sehr belebt, die Minoriteukirche und andere schöne Gebäude befinden sich da. Klein ist der Laurenzplatz, fast in der Mitte der Stadt; seine Kirche ist abgebrochen. Der einem Hofe nicht unähnliche Stadthausplatz steht mit der Judengasse in Verbindung. Hier standen die 1429 von ihren Eigenthümern, den verzweifelten Juden, selbst angesteckte» Häuser; der Bezirk war in jener Zeit ungemein belebt. Man gelangt nach dem Altmarkt. Dieser länglich viereckige, mit Akazien bepflanzte Platz dient zum täglichen Gemüsemarkt, auch werden Dienstags und Freitags die beiden Hauptwochen- märkte gehalten. Früherhin hatte er viele merkwürdige Gebäude, wovon nur noch das Stadthaus und einige mit hohen Spitzgiebeln erhalten sind. Jetzt reiht sich hier ein Laden an den Andern, und reich ausgestattet sind unter denselben ganz vorzüglich viele von Gold- und Silberarbeitern. Für Fremde merkwürdig ist der schmale Durchgang des Becherergäßchens zwischen hier und dem Altmarkt. Kaum können sich darin 2 Personen ausweichen und doch wird er täglich von etwa 30,Ml) Menschen betreten; auf beiden Seiten sind dichtgedrängte Läden. Breit ist die Straße am Hof, an deren Südseite die Häuser im Mittelalter den Hof der Herzoge von Vrabant bildeten. Sie ist gut gepflastert und mit ansehnlichen Häusern besetzt, aber nicht besonders lebhaft. Der Wallrafsplatz hat einige große Häuser, von ihm kommt man auf den fast dreimal größern Domklosterplatz, der kehr still ist und den Hanptcingang zum Dom hat; ei» schmales Gäßchen führt zum Domhof, ein Platz, welcher nach Beseitigung einiger alten Gebäude noch mehr erweitert werden wird. An diesem Platz liegt das Archiv des Regierungsbezirks Köln. Im Gasthans zum Kölner Dom und in dessen Nähe hat man die beste Ansicht der ganzen Masse des nahe gelegenen Doms. Seitwärts viele kleine Läden. Durch die sehr belebte Sporergasse kommt man nach dem erst entstandene» Franke »platz; er beginnt an dem Ueberrest dee alten Römermauer, unmittelbar unter dem schönen Chor des alten Domes, und erstreckt sich bis in die Nähe des Rheins, von dem er nur durch den Freihafen geschieden wird. Nahe bei ist das Frankenthor, Eingangs der breiten Trankgasse, wo außer andern schönen Gebäuden das Wallraffsche Museum und der Eingang zum botanischen Garten, beide dem Dom gegenüber. Das mit Linden bepflanzte Lupusplätzchen ist nichts als eine Erweiterung der Straße; das Lupuseck das nordöstliche Eck der alten Römerfeste. Auf dem Lupus- plätzchen ist die Ansicht des Doms besonders schön. Der eigentliche Eingang in denselben ist am Litsch, wo man auf einem breiten Wege über den Römerumschluß zum Domkloster hinansteigt. Einige Schritte weiter oben ist die Straße unter fetten Hennen. Am letzten Hause gegen die Trankgasse besagt eine lateinische Inschrift, hier das Nömerthor, das die Kölner Pfaffenthor (porm p->pbi->) heißen. Nun folgt die Marcellen- straße in zwei ungleichen Theilen; in ihr liegt das große Gebäude des Gymnasiums, gegenüber die Jesuitcnkirche mit ihren breiten Thürmen, das Gebäude des Priestcrseminars, ein ehemaliges Jesuitenkollegium, hinter welchem der botanische Garten gelegen ist. Die Marcellcnstraße ist übrigens still und hat wenig Läden. Am Ende, wo der Eigelstein beginnt, ist links die breite Ursulastraße und rechts der Klosterplatz. Die Ursulakirche ist durch ihre Reliquien merkwürdig. Der Eigelstein, breit und gut gepflastert, ist die Straße von hier bis zum Eigelstciuthor. Sie ist als Hauptweg zum Bahnhof der rheinisch-belgischen Eisenbahn sehr belebt, wird jedoch diesen Vortheil verlieren, wenn der Bahnhof vom Thttrmchen, wo er sich gegenwärtig befindet, nach dem Kuuibcrtswerft verlegt wird. Hier finden sich Speise- und Wcinwirthschaften, Brauereien und Läden in großer Zahl, auch Werkstätten in Menge. Am Eigelsteinbrunnen liegt die Allerheiligen-Stiftskirche. An die Stelle der alten Gebäude treten hier immer mehr neue, schöne und zweckmäßige. Verbunden wird der Eigelstein z. B. durch die Entcnpfuhlgasse mit dem alten Graben, wo man sich in ein Dorf versetzt glaubt, das sich allmählig in ein Städtchen verwandelt. Der mit Linden bepflanzte Platz am Kuuibertsklostcr zeigt die Kunibertskirche. Man hat hier eine herrliche Aussicht auf deu Rhein und den obern Theil von Köln. Die breite Maccabäerstraßc enthält die Ursulinerstiftskirchc und eine Jnfanteriekaserne. Im Uebrigen ist diese Straße noch nicht vollständig bebaut. Nach dem Innern der Stadt führen von hier 2 Gassen, wovon die Eine Johannisstraße unter vielen alten und neuen Häusern die Cadettenschule und das städtische Schlachthaus enthält. Andere angrenzende Gassen sind unerheblich; die Mariminenstraße, zwar schmal und gekrümmt, wird doch häufig begangen, weil sie den Haupteingang zum botanischen Garten in ihrer Mitte hat. — Köln hat 20 Thore, 8 auf der Land- und 12 auf der Rheinseitc; einige sind zugemauert. Die bewohnten Wälle und Plätze sind genannt. Unter den unbewohnten 16 Gassen sind: Achler-, Alten-, Graben-, Börsen-, Kuniberts-, Dom-, Domhofs-, Halbmond-, Himmelreichs-, Jerusalems- u. s. w. Gäßchen. Die längsten Straßen sind: Sevcrius-, Breite-, Hohe-, Thiebolds-Straße, großer Griechenmarkt u. a. m. Der Umfang der jetzigen Ringmauer mißt auf der Landseite, vom Baienthurm bis zum Kuni- bertsthürmche» 8424 Schritt oder 21,060 Fuß und auf der Nhcinseite 4624 Schritt oder ll,470 Fuß; im Ganzen also 13,043 Schritt oder 32,620 Fuß oder 2'/z Stunden. Der innerhalb dieser Mauer befindliche Flächenraum der Stadt beträgt 72,822,000 Fuß. Die alte Ringmauer hatte 83 Thürme, wovon nur noch die der Thore in wrer ehemaligen Gestalt erhalten sind. Der Bau der jetzigen Festungswerke wurde i» Folge einer königl. Kabinetsordre vom 1l. März 1815, unter der obersten Leitung des Generallieutenants v. Rauch begonnen; er wird in den die Stadt auf der Landseite umschließenden Fisteu noch fortgesetzt. — Unter den merkwürdigen Gebäuden und Denkmälern der Stadt nehmen in der frühern crzbischöflichen Residenz wie begreiflich die Kirchen die erste Stelle ein, von ihnen ist aber der Doni dasjenige Bauwerk des gesammten Mittelalters, über welches in der jüngsten Zeit am meisten geschrieben und gesprochen ward, dergestalt, daß sich eine Dombauliteratur aufstellen ließe, wie man schon ein Domblatt besitzt. Im Alterthum war, wo sich heute der Dom erhebt, die nordöstliche Ecke der Nömerfestung. Sie befand sich unmittelbar über dem schmalen Nheinarm, welcher die langgestreckte Insel vom Nächels- bis zum Kunibertswerft, von dem linken Ufer absonderte. Man schließt aber, das ein altes Hauptgebäude auf dieser Stelle gestanden, aus dem Umstände, daß später auf römischen Trümmern eine fränkische Königspfalz aufgeführt wurde, die dem Frankcuplatz uns Köln. einem alten vor langer Zeit abgebrochenen Thurm den Name» gab. Karl der Große schenkte dem von ihm auf den bischöflichen Stuhl erhobenen Hildebold seinen Saal an der Trankgasse, zur Erbauung einer Domkirche, deren Grnndstein 784 gelegt, die dem h. Petrus gewidmet, aber erst nach 89 Jahren beendet und geweiht wurde. Als in folgenden Zeiten der gegenwärtige Dom gebaut werden sollte und man Fundamente legte, ergab sich, daß bis zu 20 Fuß Tiefe, wo erst die undurchwühlt gebliebenen Sand- und.Kieslagcn anfingen, der Boden mit Dammerde und Bauschutt war aufgefüllt worden, uud man unterschied in Den Dach- und Mauerziegeln, Säulenresten rc. noch römische und fränkische Arbeit. Es scheint, daß die Verheerungen der Normannen 882 — 890 den alte» Dom nicht betrafen. Später, als Erzbischof Anno sich in seinem Bering eingeschlossen, hatte er eine Belagerung von Seiten der Kölner Bürger zu leiden. Und wieder 6 Jahre darauf, unter Hidolf, wurde ein großer Theil des Gebäudes von den Flammen verzehrt und dadurch die Haltbarkeit des Ganzen sehr gefährdet. Es ist ausgemacht, daß schon seit 1100 der Spitzbogenstyl hier und dort angewendet wurde, wo Wölbungen oder Oeffnnngen große Lasten tragen mußten, dennoch herrschte im 13. Jahrhundert der fränkische Nundbogenstyl im Allgemeinen noch vor. Otto der Heilige von Bamberg wird als der Erste genannt, welcher 1202 Rundbogen mit spitz- bogigen Lichter» füllte. Wir haben erzählt, wie Erzbischof Neinhold von Dassel die Reliquie der heil, drei Könige gewann und nach Köln gab; dadurch nun, daß so viele Pilger aus allen Gauen Deutschlands zur Verehrung derselben nach Köln strömten, sowie durch den mit dem Handel und Gewerbflciß der Stadt sich mehrenden Wohlstand war auch die alte Domkirche so reich geworden, daß man auf kühne Erweiterung oder Erneuerung sinnen durfte. Erzbischof Engelbert I. beschloß 1216 einen neuen, großartigen Bau aufzuführen. Doch erst, als die alte baufällige Kirche 1248 zum Theil abbrannte, wurde unter Engelberts Nachfolger, Konrad von Hochstätten, am l4. August des nämlichen Jahres, in Gegenwart des neu erwählten Kaisers Wilhelm von Holland, des Herzogs Heinrich von Brabant, vieler ander» regierenden Fürsten uud Dynasten, eines päpstlichen Legaten, mehrer Bischöfe und einer zahllosen Volksmenge der Grundstein zu dem jetzt noch nicht beendigten Gotteshause gelegt. Rasch erhob sich anfangs unter Leitung des Meisters Gerhard von Riet der Bau auf seinen 40 Fuß tiefen Grundmauern. Verschiedene Sagen knüpfen sich an die Grundsteinlegung. Nach Einer derselben war der Teufel neidisch und wettete mit dem Baumeister Gerhard, er wolle eher einen Bach von Trier nach Köln leiten, als Gerhard seinen Bau vollende. Der Böse bedang sich zugleich, wenn er die Wette gewönne, des Meisters Seele aus. Darauf machte» sich Beide an ihr Werk. Gerhard verzagte einst ob der ungeahnten Schwierigkeiten, die sich seiner Arbeit entgegenstellten, und stieg auf den Thurm zu sehen, wie weit der Teufel mit seiner Wasserleitung gekommen sei. Da flogen schon Enten von dem Bache, den der Teufel herbeigeführt hatte. Gerhard stürzte sich kopfüber herab, der Teufel in Gestalt eines schwarzen Hundes sprang ihm nach, seine Seele zu erHaschen. Aber der eigentliche Teufel, welcher den Fortbau ins Stocken brachte, war der Hader zwischen der Bürgerschaft und dem herrschsüchtigen Kurfürsten, der die Stadt sogar verlasse» imrßte. Bei seinem Tode war der Bau nicht über die Seitenschiffe des Empors gekommen. Auch unter Engelbert II., von Falkenburg, seinem Nachfolger, konnte der Dom nicht rasch weiter geführt werden, weil dieser Fürst in offner Fehde mit Köln, von dem Bundesgenosse» der Stadt, dem Grafen von Jülich gefangen, auf der Burg zu Niedecken in strenger Haft gehalten, das widerspenstige Köln aber mit dem Bann der Kirche belegt wurde. Als nach 1276 Siegfried von Westerburg — gleichfalls ein streitlustiger Kirchenfürst — bei Worringen im Kampfe unterlegen, gericth der Bau gar in Stocken. Doch konnte sei» friedlicher Nachfolger Heinrich von Virneburg den vollendeten Empor oder Chor der Kirche den 27. September 1322 einweihe». Einige Zeit setzte man den Bau des übrigen Theils noch mit Eifer fort; man verstand es aber schon, durch Sammlung von Beiträgen sich betrügerischen Gewinn zu verschaffen; ein Grund, warum Erzbischof Friedrich von Saarwerden 1370 genöthigt war, alle Sammelbricfc seiner Vorgänger durchaus zu widerrufen und als nicht gültig zu erklären. Neue Fehden zwischen den Erzbischösen und Bürgern leerten die Kassen. Indessen zeigte Thcko- 2 dorich von Mors seinen guten Willen; er ließ 1473 die Glocken in dem schon zu bedeutender Höhe geführten südlichen Thurm aufhängen. Auch 10 Jahre nachher wurden zwei solche neu gegossen, die eine von 12,000, die Andere von 22,400 Pfund. Im lg. Jahrhundert wölbte man die nördlichen Seitenschiffe und brachte den Thurm auf dieser Seite einige Fuß über den Voren. Die Fenster waren jedoch kaum fertig und mit passenden Glasmalereien verziert, so erfolgte die religiöse Spaltung, der Bau unterblieb gänzlich. Man muß dieß insofern als e n Glück betrachten, da der Geschmack jener Zeit sehr verdorben war, wie aus dem Wenigen, waS zur Ausführung kam, leider ersichtlich ist. Nicht einmal das Praktische des Baus war zu loben, weil man, weder die Wasserablcitungen, noch das eiserne Klammerwerk mit Umsicht anbrachte und eine Steinart zum Fortba» benutzte, — Trachit vom Drachenfels — welche leicht verwittert. Erst im l8. Jahrhundert richtete sich die öffentliche Aufmersam- keit zunächst auf die Erhaltung des denkwürdigen Gebäudes. Seit 1735 nahm man einzele Ausbesserungen vor und verwendete dazu eine durch Vermächtnisse gewonnene Summe von 4200 Thalern! Leiver benutzte Geschmacklosigkeit die Gelegenheit, sich an dem Dom zu verewigen, welches besonders seit I7Kti geschehen war. So wurde z. B. das schönste Sakramentshäuschen in Deutschland, der herrliche alkdeutsche Frohnwalm (Walm ist Wölbung, Einbiegung, Giebelscite eines Daches) abgebrochen und die Trümmer desselben in den Rhein geworfen, an deren Stelle aber ein französisches Gartcnhäuschen auf den Altan gesetzt. Drei Jahre nachher beseitigte man das schöne alte Eisengitter »m den Hochaltar und brachte ein geschmackloses Schnörkelgeländer an. Die herrliche» Wandgemälde, bewundernswerthe Denkmäler altdeutscher Malerei, verbarg man unter Gobelintapete». Früher schon war, altem guten Geschmack zum Höhne, das drei Königcnchörchen, die Kapelle der drei Weisen, durch Heinrich von Baiern aufgeführt worden. Viele der schönsten gemalten Scheiben wurden ausgebrochen und weiße eingesetzt. Auch zerbrach man den ehrwürdigen steinernen Bischofssitz, durchwühlte den Boden und setzte ein schnörkelhaftes Palastparket hin — was Alles wieder weg muß, um die alte Lauterkeit herzustellen, und doch mit einem Auswand von nahe an l00,000 Thaler» verbunden war. Ja man hatte sogar den närrischen Einfall, den nördlichen Thurm ganz wegzubrechen, damit man bequemer am Dom vorfahren könne. Bald nach der französischen Besitznahme ward der Dom ein Fouragemagazin. Das Blei der Dachrinnen und der übrigen Bedeckung ward gestohlen. Der von Napoleon ernannte Aachener Bischof Verdolet ließ Pappeln um die Kirche pflanzen, damit die gothische Ruine — ein pittoreskes Ansehen bekäme. Unter preußischer Herrschaft befahl sogleich der König und der Kronprinz, dies herrliche Denkmal altdeutscher Baukunst der Nachwelt zu erhalten. Vom König beauftragt untersuchte Oberbaurath Schinkel den Dom und war bis zu seinem 1840 erfolgten Tod thätig für das Gebäude. An die Stelle des alten morschen Daches sollte ein neues treten, bei welcher Gelegenheit man mit Schrecken wahrnahm, welche Zerstörung die eindringende Feuchtigkeit schon angerichtet habe. Die anfangs ausgeworfenen 15,000 Thaler wurden nun auf 22,300 erhöht; der König bewilligte 1824 die Suinme von 105,000 Thalern , die auf 5 Jahre zur Ausbesserung aller schadhaften Stellen zu verwenden sei. Dann sollte erst die Wiederherstellung beginnen. Das Erz- stift erhielt l825 in dem Grafen Spiegel einen Bischof, der mit dem Staatsminister, dem Oderpräsidenten der Nheinprovinz und andern hochachtbaren Männern große Verdienste um den Dombau hat. Unter der obersten Leitung des Regierungs- und Bauraths Frank zu Koblenz unternahm der Bauinspeklor Alert die praktischen Arbeiten. Nach Wiederherstellung der Bleidächer des Chors und der nördlichen Mauer des Langdaches, wie der südlichen des Empors, wurden 1829 die ersten Strebewände und Bogen von außen neu geschaffen, wozu der König jährlich l0,000 Thaler mit der Bedingung aussetzte, daß aus der Taufsteuer und aus milde» Beiträgen eine gleiche Summe zu demselben Zwecke beigebracht werbe. Seit l833, wo Alert starb, trat Bauinspcctor Zwirner an dessen Stelle, welcher neuerdings den Bau leitet. Für die innere Verschönerung der Domkirche wurde seit 1834 durch mehre Prinzen und Prinzessinnen des königl. Hauses Vieles gethan. Bis zum Jahr l840 waren die Mauern und Bogen des Gebäudes still und allmählich emporgewachsen, als der jetzige König Friedrich Wilhelm IV., der schon als Kronprinz den lebhaftesten Eifer für Bewahrung alter Bau- und Ku st- werke bethätigte, den Entschluß faßte, diesen Bau zu vollenden. Er überwies sofort einen jährlichen Beitrag von 50,000 Thalern und befahl, ununterbrochen das Werk zu fördern. Ein Dombauverein zu Köln hatte in vielen Städten des deutschen Baterlandes, selbst bis zum fernen Königsberg, ähnliche Vereine zur Folge, die sich verpflichteten, während einer bestimmten Zahl von Jahren für den Weitcrbau des Doms namhafte Summen einzusenden. Die Poesie und Literatur verherrlichte den Gedanken eines Ausbaus durch einige gelungene Schriften; man sah in der Vollendung des Kölner Doms eine deutsche Nationalangelcgcnheit. Aus der andern Seite erhoben sich auch einige, obschon nur wenige Stimmen, die eine Nichtvollenvung für ein Zeichen der Zeit und ihres Geistes ausschreien wollten. Am 4. September 1342 begann der Ausbau im großen Maasstabe, nachdem der König in eigener Person die Grundsteinlegung vollzogen und dabei die oben schon mitgetheilte Rede gehalten hatte. Wir versuchen, den Dom näher zu beschreiben. Zuerst das Aeußere. Auf einem fast 30 Fuß über die untern Stadttheile und 55 Fuß über den Rhein sich erhebenden Hügel nimmt der Dom den für einen so großartigen Bau vortheilhaftcsten Play ein. Einige Gebäude, die sich anlehnten und ihn verdeckten, sind schon abgebrochen, andere, die schon gelegentlich angeführt wurde», müssen noch weichen, um diese große Kirche vollkommen offen zu stellen und ihre Ansicht auf allen Seiten frei zu geben. Der Bau steigt in gewaltigen doch zierlichen Massen schmucklos hinan, von dreifach abgestuften Strebepfeilern umschlossen, welche sich zu einem starken Biättersimse vereinigen, woraus sich 12 Baldachine entwickeln, die mit einer durchbrochen gearbeiteten Brustwehr verbunden sind. Die Fenster sind zweilichtig, nämlich durch eine senkrechte Säule in 2 Theile geschieden, und enden oben in 3 Kleeblättern. Vor Allem prächtig tritt der Eingang der Westseite, der allein fertig geworden, in seiner reichen Ausstattung hervor. Wilhelm von Waldbrühl sagt darüber (in seinem Führer im Dom, S. 18): „Die Thorwölbungcn ziehen sich in vier Tiefungen, die reich gemuldet mit edlem Bildwerk geschmückt sind, zurück. Unten in den Tiefungen und neben ihnen zur Seite, bis zur Thürhöhe, die nicht spitzbogig, sondern ablang ist, daß sie noch ein Giebelfeld, eine Timpe, von dem Spitzbogen absondert, stehe» in einer Reihe neben einander 12 Apostelbilder, von tüchtiger Bildnerarbeit; dann folgen in der äußerste» Tiefung zu jeder Seite 5 musizirende Engel über einander, jeder von einem Tester (flachen Baldachin) überragt, auf einer zierlichen Verkragung ruhend. In der zweiten Tiefung schichten sich jederseits auf ähnlichen Kragsteinen, mit den Testen überwölbt, fünf Künstler, verschiedene Zeichen der alten Freimaurerei haltend. In der folgenden sind auf jeder Seite vier Kirchenväter und in der innersten jederzeit drei Erzväter, welche, gleich den erst bezeichneten Bildern, großen Fleiß und tüchtige Gewand- heit des Meißels bekunden. Das Giebelfeld ist durch eine zierliche Muldung in 2 Felder getheilt, wovon das obere in vortretendem Bildwerk den ewigen Vater, umgeben von seinen Frommen, das untere die Kreuzigung des Apostels Petrus und die Enthauptung des Paulus zeigt." — Dicht neben deni Domeingang ist an der Wand des Domthurms der mit einer Pumpe versehene Dombrunnen, von dem man sich in frühern Zeiten viel Sagenhaftes erzählte, woran das Volk zum Theil noch heute glaubt. Es soll iu ihm aus dem Bach bei Trier, woher er angeblich sein Wasser erhält, eine von dort bis hierher unter der Erde geschwommene Ente nicht allein lebendig, sondern selbst fröhlich schnatternd gefunden worden sein. Wie man dieses mit andern Sagen vom Baumeister zusammenbrachte, ist bereits erzählt. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dieser Brunnen eine der alten heiligen Quellen, welche unsere deutschen Vorfahren immer in der Nähe ihrer Opferstätten halten. Diese Vermuthung wird durch den Umstand bestätigt, daß fast alle an uralter heiliger Stätte erbauten Kirchen ihre Brunnen haben, so die Münster zu Straßburg, Freiburg im Breisgau, Heilbron», Ulm und Andere; ebenso in Köln außerdem die Kirchen Maria am Bühel, das Jvasbrünnchen, St. Gereon seinen Driesch, Kunibert seine Psutze u. s. w. Will man diese Brunnen nicht aus altheibnischem Gebrauch herleiten, so hat auch die Vermuthung einigen Grund, daß sie eine Nachahmung der uralten Baplisierien oder Taufwasserbehältcr gewe- sen seien und nachmals das Waffer zur Weihe geliefert haben. — Wir wenden uns zur Betrachtung des Innern. Die Vorhalle des DomS ist »och nicht überwölbt, doch ist der Eindruck, welchen der Säulcnwald des Innern erzeugt, deshalb nicht minder ergreifend und einzig in seiner Art. Die Grundmauern find überall 22 Fuß und an Stellen, welche große Lasten zu tragen haben, über 40 Fuß tief gelegt. Die ganze Länge des Gebäudes mißt 44g und die Breite 150 Fuß. Die gesammte Breite zerfällt in 5 Schiffe, die des Kreuzdurchschnittes und des Kreuzes dagegen nur in zwei. Das Hauptschiff, der mittlere Säulengang, hat eine Breite von 50 Fuß und die beiden Seitenschiffe jedes eine Breite von 25 Fuß. Die Höhe des Mittelschiffes ist der Gesammtbreite gleich, und die Höhe der Thürme — 525 Fuß, wenn sie ausgebaut sein werden — ragt nur wenig über die Gesammtlänge hinaus. Die Höhe der Seitenschiffe beträgt 05 Fuß. Im Ganzen enthält die Kirche 102 Säulcnbündcl, die einen Längendurchschnitt von 5'/, Fuß haben. Alle Knäufe sind mit schö° nem Laubwerk von verschiedener Art geschmückt und dieses, ungemein sinnig und bezeichnend, von solchen Pflanzen gewählt, welche in und um Köln wild wachsen. Einen großen Eindruck machen die über 43 Fuß hohen und 1k Fuß breiten bunten Fenster, durch welche das Tageslicht nur sehr gemildert eindringt. Das erste Halbfenster zeigt 0 Vorstellungen aus der Leidensgeschichte des Heilandes, das zweite ebenfalls 0 Bilder aus dem Leben des Apostels Petrus, ferner Abrahams Stammbanm und den Blutzeugen Gereon. Im dritten ist die Verkündigung der Hirten dargestellt, nebst den 4 heiligen Streitern Georg, Gereon, Moriz und Reinold, und den beiden Bannerträgern von Köln: Marcell jlllnrsilius) und Agrippa. Im vierten Fenster ist die Königin von Saba vor Salomo, die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande, der heilige Engelbert, Maria mit dem Kinde, ^Elisabeth und Christoph mit dem Kinde. Das fünfte Halb- senster zeigt Maria mit der Dreieinigkeit, den Evangelisten Johannes, die Heiligen Petrus, Agatha und Michael. An demselben Fenster sind noch die Wappen: der Landgrafen von Nassau, der Burggrafen von Zollern, der Herzoge von Sachsen-Weißenfels, der Grafen von Braunschwcig- Lüneburg, Sponheim, Saarwerden, Jülich, Braun, die Wappen von Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Kurbaiern, Löwenstein-Werthheim, Vrabant, Königseck, Truchseß von Waldburg und Zeil, Greifenberg. Aus dem obersten Haibfenster sind die Wappen von Wartenberg und der Grafen von Virneburg und Jülich. — Im Kreuzdurchschnitte befinden sich, vor dem Abschlüsse des Empors, zwei bemerkenswerthe Altäre, wovon der in Flügelgestalt, mit einem zierlichen Tester, aus dem 10. Jahrhundert ist. Neben dem Altar ist das 8 Fuß hohe Standbild des Erzbischofs Wilhelm von Gennep, aus schwarzem Marmor gearbeitet. Hier befindet sich auch an ver Säule, dicht vor dem Abschlußgitter des Krings eine dem letzten mittelalterlichen Baumeister des Doms, Konrad Kupn, gewidmete Denkschrift von 146... ldie letzte Zahl fehlt). An der nach Norden führenden Ausgangshalle hängen die Goldstäbe, welche nach alter Sitte die Zahl der Regierungsjahre der Erzbischöfe andeuten, lieber der Wölbung ist die vom Bilchof.. Hildebold begonnene Bücher- und Handschristensaminlung, welche durch Verschleppung und Zerstörung unter französischer Herrschaft sehr gelitten^ hat, wo man einzele der wichtigsten Urkunden zu Flinten- patroncn und Schncidermaßen zerschnitt. Zur Seite des Südeingangs steht der aus der Kirche Maria zu den Staffeln hierher gebrachte Flügelaltar, der im Innern mit Schnitzarbeit reich verziert ist und andeutet, auf welcher Höhe die Kunst der Schnitzerei im 15. Jahrhundert sich noch behauptete. Gegenüber lehnt sich an eine» Säulcnbund der Niese Chri-- stoph, das Wahrzeichen von Köln. Er hat eine Höhe von 10 Fuß und war früher geschmackvoll bemahlt. Vor ihm steht ein altes Weihwasser- Gefäß, aus schwarzem Marmor gefertigt, das schon in den« ältern Dome im Gebrauch gewesen sein soll. — Bemerken wir Einiges über den Chor. Er besteht anfänglich aus 2 Schiffen bis zu den großen Kapelle», hinter welchen die Wendeltreppen zu den obern Räumen führen, wonach erst der eigentliche Kring beginnt. Dieser ist aus 7 fünfseitigen Nischen zusammengesetzt, die in einem Halbkreise den Schluß des östlichen Baues bilden, der westliche von den beiden Thürmen geschlossen wird. Die erste der größer» Kapellen an der Nordseite ist die der Kümmcrniß, auf deren geschmacklosem Altar sich ein Kreuzbild aus dem alten Dom befindet, welches aus dem 10. Jahrhundert herrühren soll und den h. Wilgefort vorstellt. Hier ist auch der Eingang zur Drehse jder Schatzkammer) und dem Sitter lKapitelsaal) des Doms, ferner das Grabmal Engelberts III. von der Mark, der 1368 starb, dasselbe aber noch bei seinen Lebzeiten errichten ließ. Das Steinbild des geistlichen Herrn ruht auf einer schwarzen Marmorplatte. Von den 24 Figuren in den Nischen sind nur noch 8 unbeschädigt vorhanden. Die zweite Kapelle, in der ersten Nische des KringS, ist dem ersten Urheber des heutigen Doms, dem h. Engelbert, gewidmet. Er wurde 1308 hier beerdigt, allein >633 unter dem Hochaltar beigesetzt. In der dritten oder h. Matcrnuskapelle ist das Grabmal des 1191 gestorbenen Erzbischofs Philipp von Heinsberg. Leiber ist die rechte Hand des schönen Steinbildes durch einen muthwilligen Buben abgeschlagen worden. Die vierte oder Johanniskapelle enthält vor dem Altar das Grabmal des 1257 gestorbenen eigentlichen Domgründcrs, des Erzbischofs Konrad von Hochstätten. Das kolossale Bild desselben ist i» Erz gegossen und ruht auf einem niedern Steinsockcl. Die französischen Soldaten haben es schmählich verstümmelt. Der Altar ist mit einem Bilde in Flügelform geschmückt, das sich früher in dem Hauptaltar der >306 erbauten Clarakirche befand, bei Entweihung derselben durch Boisscrbe angekauft und von ihm dem Dom geschenkt wurde. Es ist eins der ältesten und schönste» Denkmale der altveutschen Kunst. — Die Kapelle der h. drei Könige bildet die mittelste der Nischen des Krings, hinter dem Hochaltar. Ihr heil. Schrein umschließt die Häupter der morgenländischen Weisen, welche Reinold von Dassel, Erzbischof von Köln, der wie schon oben erzählt wurde, mit Kaiser Friedrich Barbarossa nach Italien gezogen war, nebst den Gebeinen der h. Felix, Nabor und Gregor, 1163 von Spoleto nach Köln sendete. Sie wurden >337 aus dem alten in den neuen Dom gebracht, in der für sie eigens bestimmte» Kapelle aufgestellt und diese durch ein schönes, vergoldetes Eisengitter vom Kring abgesondert. Erzbischof Mar Heinrich von Bayern ließ um >660 dies Gitter wegbringen n»d statt dessen eine sehr geschmacklose, den ganzen Dom verunstaltende und die schönen Glasfenster verbergende Kapelle erbauen, deren baldige Beseitigung jeder Freund wahrer Kunst dringend wünschen muß. Der Schrein der h. drei Könige wurde gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, beim Heranrücken der französischen Truppen, über den Rhein gefluchtet und büßte bei dieser Gelegenheit viele seiner kostbarsten Kleinodien ein, welche man durch falsche Steine ersetzte. Ei» anderer Kirchendieb beraubte ihn 1820, doch wurden die meisten der entwendeten Gegenstände entdeckt und das Ganze möglichst wieder hergestellt. Der Schrein ist > on fränkischer, also voraltdeutscher Arbeit, hat eine Länge von 5, eine Breite von 3 und eine Höhe von 4 Fuß, ist aus getriebenen Goldblech zusammengesetzt und mit der reichsten Schmelzarbeit verziert. Innen ruhen im untern Theile hinter einem Silbergitter die Schädel der h. drei Könige, worüber die mit Rubinen gezeichnete» Namen an dem Gitter selbst stehen. Ueber den Häuptern schimmern Kronen, die früher aus Gold und mit Diamanten besetzt waren, jetzt aber nur vergoldet und mit böhmischen Steinen verziert sind. Ein Deckel, mit kostbaren Steinkleinodien geschmückt, schließt diesen Raum ab. In der obern Truhe sind die Gebeine der h. Felix und Nabor, und in der obersten Vcrdachung wird die Asche des h. Gregor aufbewahrt. Die Wände wie die Verdachungen sind mit getriebenem Bildwerk, Gemälden und Steinverzierungcn geschmückt, wovon die beiden Giebelseitcn die ausgezeichnetsten enthalten Die Zahl der geschnittenen alten Steine, Perlen und derartigen Kleinodien, welche sich a» der vorder» Giebelwand befinden, wird auf 587, an der hintern auf 313 und am ganzen Schrein auf 1540 Slück angegegeben. Vor der Plünderung durch die raubgierigen und das alte Heiligthum verhöhnenden Franzosen soll er fast doppelt so viel gehabt haben. Der inschriftlose Stein vor der Kapelle der h. drei Könige deckt das Herz und die Eingeweide der in Köln als Flüchtlingin gestorbenen Königin von Frankreich, Maria von Medicis, deren Leichnam nur einige Zeit hier blieb, sodagn in die Königsgruft zu St. Denps versetzt wurde. Eine über der Kapelle angebrachte Inschrift sagt, daß während des verheerenden Sturmes am 17. Oktober 1434 ein Balken durch das Gewölbe herunterstürzte, mit welchem nach einer in Köln noch verbreiteten Volkssage der Teufel die Häupter der drei Heiligen zerschmettern wollte. — I» der nun folgende» Agneskapelle, der fünften Nische des 2* Krings, ist das Grabmal einer ausgezeichneten Wohlthäterin des Doms, der 1273 gestorbenen h. Jrmgard von Ziitphen. Es ist seiner leichten und zierlichen Form wegen beachtungswerth. — Auf dem gegenüber sich erhebenden Altar ist das berühmte Dombild, das eigentlich für die Naths- kapelle bestimmt war. Durch die auf den Deckenflügeln angebrachte Jahrszahl sieht man, daß es 1410 beendet worden. Der Ungeschmack des vorigen Jahrhunderts hatte dies herrliche Bild aus der Kirche entfernt. Erst 1810 wurde es, nach vorheriger Säuberung durch den Maler Fuchs, wieder hier aufgestellt. Es hat die Form eines Flügelaltars, auf dessen 8 Fuß hohem und 9 Fuß breitem Mittelstück die Huldigung der h. drei Könige vor dem ChristuSkiude dargestellt ist. Auf den beiden Flügeln, von denen jeder eine Breite von 4 Fuß hat — so daß demnach das ganze Gemälde eine Entfaltung von l8 Fuß erhält — erblickt man die übrigen Schirmheiligen der Stadt Köln, einerseits der h. Gereon und seine Todesgenossen, anderseits die h. Ursula nebst ihrem Verlobten Aetherius und den Heiligen Cpriak und Pantalus. Das ganze auf Goldgrund gemalte Bild, dem mit der Luft auch der Schatten ermangelt, macht einen angenehmen Eindruck und beweist, bis zu welcher hohen Stufe der Vollkommenheit die altdeutsche Kunst iu jenem Jahrhundert sich noch erhoben hatte. Das Dcckbild versinnlicht die Verkündigung, neben welcher man die Zahlen öMttX oder illlVVX — 1410 — liest. Als den Urheber dieses Bildes nennt Wallraf eine» Philipp Kalf, dessen Namen er auf der Säbelscheide des weißgekleideten linken Bannerträgers im Hauptbilde gelesen haben will. Andere lesen Wilhelm Kalf; »ach wieder Andern sind die römischen Buchstaben keine Ziffern, sondern der Name des Malers, der aber ganz verschieden Or, Vor oder Nor enträthsclt wird. Albrecht Dürer erzählt in seinen Neisebcmerkungen, er habe zwei Weißpfennige gegeben, um das Bild des Meisters Stefan vo! Köln sich aufschließen zu lassen. Allein mußte dies gerade das Dombild sein? Kann sich die Notiz nicht auf ein Anderes beziehen? Nach der Limburger Chronik lebte seit 1380 in Köln ein Maler, Wilhelmus, der in der Christenheit seines Gleiche» nicht mehr gehabt. Derselbe führte den Zunamen von Herl, nach einem Rittersitz im ehemaligen Herzogthum Berg, welcher einen Schröter oder Hirschkäfer im Wappen trug. Ein solcher Käfer befindet sich auch auf dem rechten Flügel, unten am linke» Fuße des Geleitsman- nes, zur Linken des h. Gereon. Vermuthlich hat aso Wilhelm von Herl das Dombild gemalt; auch will man sein eigenes Bild in der Figur wieder finden, welche gerade über dem Käfer zwischen dem Heiligen und dessen Begleiter bemerkt wird. — Die dem heil. Michael gewidmete siebente Kapelle, oder die sechste Kringnische, enthält das Grabmal des 1439 gestorbene» Erzbischvfs Walram, Grafen von Jülich. Auf einer schwarzen Marmorplatte ruht das Bild des Kirchcusürsten von weißen Marmor. In dem hübschen Schnitzwerk des Altars ist das Leben des Heilands, von der Gebnrt bis zur Kreuzigung, dargestellt; eins der schönsten Kunstwerke dieser Art. In der nun folgenden Stephanskapellc ist das Grabmal des 970 gestorbenen Erzbischofs Gero, des Enkels Kaiser Otto'S I- Dies befand sich sonst in der alten Domkirche und wurde hierher versetzt. Beachtenswert!) ist daran die musivische Arbeit von farbigen Marmorstückchen, durch lauge, weiße Stäbe abgetheilt. Die der Jungfrau Maria geweihte Kapelle ist die letzte in dieser Reihe. Das Standbild der Mutter des Heilandes auf dem Altar verdient als Denkmal mittelalterlicher Kunst wohl betrachtet zu werde». Der Erzbischof Neinold soll eS ebenfalls aus Italien nach Köln geschickt haben; doch sind einige Kunstkenner der Meinung, es sei deutsche Arbeit und früher in dem alten Dom aufgestellt gewesen. Zur Seite des Altars, welcher noch ein Bild von Overbeck erwartet, steht das Grabmal des Stifters der Universität Köln, Friedrich von Saarwerden, der 14l4 hier als Erzbischof verstarb. Das Erzbild des Verstorbenen ruht auf dem vortrefflich gearbeiten Sarge, ist aber auch durch verruchte Hände verstümmelt worden. Am unter» Ende der Kapelle sind »och zwei andere Steingräber, wovon das schönere rechts an der Wand das des 1107 geschiedenen und mehrfach erwähnten Neinold von Dassel ist. Die räuberischen Franzosen haben es der schönen Gußplatte von Erz, worauf der Bischof dargestellt war, längst beraubt. In ähnlicher Weise zeigt sich zur Linke» das Grabmal des 1370 gestorbenen Grasen Gottfried von Arensbcrg, welcher kinderlos alle seine Lande und Güter dem Erzstift hin- > herließ. Es trägt oben das Steinbild des Ritters, liegend, ist durch ein Eisengitter geschützt und ziemlich gut erhalten. Die fünf mittlern Nischen oder Kapellen haben bunte Scheiben und zwar die älteste» im Dom. Sie zeichnen sich weniger durch Farbenreichthum, als durch richtige Uebereinstimmung aus. Das älteste bunte Fenster ist das in der 3 Königskapelle, welches nach dem Urtheil bedeutender Kunstkenner schon 1322 vorhanden gewesen sein soll. Der Glasmaler Gras von Köln arbeitet an Wiederherstellung dieser vielfach beschädigten und durch die Domherrn des vorigen Jahrhunderts muthwillig zerstörten Fenster. — Das Innere des Chors oder das Empor ist der einzige Haupttheil des Doms, den man als vollendet betrachten kann und der, mit dem ihn umgebenden Kringe ein Ganzes bildet, nach welchem man sich einen Begriff von dem gesammten Niesenbau machen kann, wie er nach seiner Vollendung sein wird. Acht Säulenbunde, auf jeder Seite 4, durch eine 16 Fuß hohe Steinwand verbunden, schließen die Sitze des Domkapitels ein, wogegen 8 andere im Halbkreis den Hochaltar umgeben und die Empore abrunden. Dicht über den Scheidbogen, welche die Seitenschiffe absondern, läuft innen wie außen eine Wallei rund, welche 06V, Fuß über denf Boden des ChorS erhöht und deren innere Brüstung mit einem goldenen, erhaben gemeißelten Blättersimse verziert ist. Ueber dem Lopgang zieht sich ein zweites goldenes Sims, dessen fein gearbeitetes Laub auf hellrothem oder hellbraunem Grunde angebracht ist; (vgl. Führer im Dom von Waldbrühl, S. 33 f.) Die Fenster der Wallei des LopgangeS wurden im vorigen Jahrhundert ausgeschlagcn, werden aber durch Gras wieder ersetzt. Höher hinauf springen die Säulenrohre, gestalten sich ganz oben zu zierlichen Laubknäufen, beugen sich dann und verweben sich 150 Fuß über dem Boden zum Kreuzgewölbe. In den Rosen oder Kreuzblumen der Krönung wechseln Baudverzierungen, Epheu und Eichenkränze u. s. w. Das Mittelfenster unterbricht allein die Königsreihe durch die Darstellung der 3 Wessen vor der Jungfrau Maria, über welchen es statt des Teppichs, 18 Ostereier mit Königsbilvern gefüllt bis zum Kreuze schichtet. Zwischen dem erste» Gurtbogcn und dem Buckel, in welchem die Gewölbrippcn der Abruudung zusammentreffen, ist das h. Osterei gemalt, in welchem der Erlöser, mit zum Segen erhobener Rechten, der Heilbotschaft in der Linken, abgebildet, welches Bild, sehr beschädigt und verwaschen, durch den ! Maler G. Lasinsky d. j. wieder hergestellt worden; vgl. Waldbrühl, S. 34. Unter der Uebermalung der letzten Jahrhunderte entdeckte man im Sommer 1841 alte Malereien, die aus der ersten Zeit herrühren und kurz vor der Einweihung des Chors, im Jahr 1322 vollendet sein mögen. Sie sind so sehr beschädigt, daß sie nicht wieder hergestellt werden können und sollen durch Steinles Meisterpinsel »> kiese» ersetzt werden. Zwischen den Säulenknäusen erheben sich auf stattlichen, aus Laubwerk geflochtenen Tragsteineu an den Säulen die riesigen Standbilder des Erlösers, seiner Mutter und der zwölf Apostel. Sie sind älter als der Dom und sollen aus Walthelms Schule hervorgegangen sein. Alle sind auf das reichste bemalt und l»it Vergoldungen geziert. Ueber den Bildsäulen springen schöne Traghimmel aus den Pfeilern. Die untere Einfassungswand bietet die ältesten Malereien des Doms. Zu beiden Seiten zeigen die Wände ebenfalls rechts Bildnisse von Bischöfen, links von Königen, über welchen sich in größern Bogen Darstellungen aus der Geschichte der Einführung des Christenthums in Deutschland befinden. Sie waren längere Zeit unter Teppichen verborgen, sind daher noch ziemlich gut erhalten und ohne große Mühe wieder herzustellen. Die Menge der übrigen Verzierungen des Chors anzudeuten, wäre zu weitläufig. — Der alte Hochaltar steht noch im Hei- ligthum. Er ist von schwarzem Marmor und etwas beschädigt, könnte aber nach Beseitigung des neuern geschmacklosen Aufbaues wieder in ursprünglicher Gestalt an das Licht treten und würde in großartiger Einfachheit gewiß die Schönheit des Chors erhöhen. Die vom Altare sichtbare Rückwand des Empors, einstweilen durch eine bis zur Höhe hinaufreichende Mauer von der noch nicht vollendeten Kirche abgesondert, wird durch die ebenfalls nur vorläufig aufgestellte, schöne Orgel geschmückt. Neben und über den Fenstern ist die Wand mit Malereien verziert, welche der schon oben genannte G. Lasinsky d. j. entsprechend wieder hergestellt hat. Ganz oben ist der Heiland als Weltrichtcr und zu seinen Füßen Petrus und Paulus. Vor dem Ersten kniet der Stifter der Bilder, wahrscheinlich der Erzbsschof von Virncburg. Unter und neben dem andern Apostel find die Wappen der sieben Kurfürsten und das der Stadt 'Köln. (Letzteres ein in zwei Hälften geschiedener, von der Mauerkrone gedeckter Schild; in der obern Hälfte drei goldene Kronen in rothem Feld, unten eilf goldene Flammen in weißem Feld). Die Schnitzarbeiten an den Stühlen des Domkapitels, zu beiden Seiten des Chors sind der verschiedenen trefflichen Fratzen wegen beachtungswerth, worin der Künstler das Mönchthum und den Pfaffenstolz seiner Zeit auf die keckste und bezeichnendste Weise darstellte. — Wir werfen einen Blick auf das Kapitelhaus und den Schatz. Auf der Wendeltreppe in der Kümmernißkapelle gelangt man in die große Gcrkammer, die Sakristei, deren alte hohe Eichenschränke durch ihre schöne Tischlerarbeit beachtenswerth sind. Darin werden 20 Chormäntel, eben so viel Meßgewänder und 22 Levitenröcke, alle ausgezeichnet durch Reichthum der Stoffe und Pracht der Stickerei, aufbewahrt. Die kostbarsten sind 22 Pricstergewänder, welche der Kurfürst Clemens August, als Kaiser Karl IV., sein Bruder, gekrönt wurde, in Lyon fertigen ließ. Der Arbeitslohn an denselben soll allein an 62,009 Thlr. gekostet haben. Der in einem Seitenraum befindliche Frohnwalm bietet nichts Besonderes. Die weiterhin gelegene Schatzkammer enthält noch mehrere Kostbarkeiten, welche der Habgier der Franzosen und den Gefahren auf der Flucht entgangen sind und wovon man als die vorzüglichsten folgende bemerkt: der silberne, reich vergoldete Sarg des Domgründers Engelbert; eils Heiligenschreine oder Reliquienbehälter aus verschiedenen Zeiten; ein Stab mit altem Schnitzwerk, dessen Knopf aus den Zeiten der Apostel herrühren soll; ein altes Altarkreuz in Schmelzarbcit, mit Edelsteinen geziert; eine Monstranz von vergoldetem Silber, mit einem Diamantkreuz, woran der kostbare Halsschmuck befestigt ist, welche» das von Erzbischof Gero geschenkte 80 Pfund schwere, silberne — später entwendete — Marienbild trug; ein goldner Zweig mit in Schmelz gearbeiteten Blumen und Blättern, den eben jenes Bild in der Hand hielt; zehn geschnitzte Elfenbeintafcln, woran der im letzten Jahrhundert gestorbene Künstler Melchior Paul 30 Jahre arbeitete; sie enthalten nach Vorbildern berühmter Meister ausgeführte Darstellungen aus Jesu Leidensgeschichte. Außerdem findet man hier 2 silberne Rauchfässer, Geschenke des vorletzten, schon wiederholt genannten Erzbischofs, Grafen Ferdinand Spiegel von Desenberg; ein Standkrcuz von vergoldetem Silber, über 3 Fuß hoch, mit vielen Kleinodien und einer Grablegung aus neuerer Zeit verziert; ein acht Fuß hohes silbernes Kapitelkrcuz aus dem letzten Jahrhundert; das 7 Fuß lange schöne crzbischöfliche Prunkkreuz, mit Silber und Schmclzarbeit belegt; der Stab des Chorbischofs Hugo von ll73, bestehend aus einem 6 Fuß langen Dreizack, worauf die heil. 3 Könige und die Jungfrau angebracht sind; ein Krumnistab der ersten altdeutschen Zeit, aus Silber, mit schöner Schmelzarbeit, 6 Fuß lang und angeblich von Neinold von Dassel geschenkt; ein zweiter Krnmmstab von 1800, 6'/, Fuß hoch, dessen sich der französische Bischof von Aachen, Bcrdolet, bediente; ein schönes Schmclzgemälde im Geschmack Albrecht Dürers, aus vem 16. Jahrhundert; ein aus vergoldetem Silber getriebener l Fuß hoher Kelch, mit Schale und Deckel von gediegenem Golde; ein kleinerer ssilber vergoldeter Kelch, mit einem Schmclzgemälve; ein 16 Zoll hohes Chorbuch von l23l, mit schönen, nur etwas beschädigten Biloern; eine 18 Pfund schwere, 1s/, Fuß hohe, mit vielfarbigen Edelsteinen besetzte Monstranz; ein 2 Fuß hohes Krcuzbild, welches der 1810 gestorbene Domvikar Hardi selbst gegossen; ein Grund- und Aufriß des Doms in der Vollendung; das Kurschwert, welches bei öffentlichen Feierlichkeiten dem Kirchenfürsten vorgetragen wurde; endlich zwei Gedenktafeln, welche eine Verordnung Engelberts von Falkenderg enthalten, — von 1266 —, die Duldung und den Schutz der Juden betreffend. — Neben der Schatzkammer ist der Sittcr- oder Sitzungssaal des Kapitels, eine ziemlich große, mit den Bildnissen der letzte» Erzbischöfe geschmückte Halle. Hier hielten die unter Karl V. vom Papst Leo X. eingeführten Ketzcrrichter ihre Sitzungen, wodurch eine große Aufregung im Volke entstand, die nur durch Androhung der Neichsacht beschwichtigt werden konnte. Neben an ist der Eingang zum Jnquisitionsgefängnisse, dem sogenannten St. Petersloche, in welchem Klarenbach und Flistävt, die beiden als Opfer für ihren protestantischen Glauben gefallenen Prediger, von welchen wir bei der Geschichte Kölns sprachen, vor ihrer Hinrichtung eingekerkert waren. — Wir ersteigen zuletzt mit dem freundlichen Leser den Domthurm, um zugleich die Aussicht zu genießen, welche sich dort u»S darbietet. I» den beiden großen Kapellen des Krings führen Wendeltreppen hinter den Altären bis zur ersten Wallci des Doms, während i» dem südliche» Thurm eiuc Wendeltreppe bis zum Krähn hinansteigt. Schon in der ersten Wallet hat man alle Hänser, Kirchen und sonstigen Gebäude der Stadt unter sich. Noch größer und umfassender aber ist die Aussicht auf der Höhe des unvollendeten Thurms, der sich bis auf 220 Fuß über den Boden cihebt. (Nach dem ursprünglichen Plane sollte jeder von beiden Thürmen 222 Fuß werden; der zweite oder nördliche Thurm istZnur 27 Fuß hoch). Hier überschaut man nicht nur die ganze Stadt, sondern die ganze weite Rheingegend, in welcher Städte und Dörfer, Dampfschiffe und Eisenbahnen sich sehr gut ausnehmen. Gegen Norden gewendet sieht man zunächst unter sich die Mariä Himmclfahrtskirche, welche sonst die Jesuiten in Besitz hatten und an welche sich die Gebäude des Priesterscminars, der botanische Garten und gegenüber das Gymnasium anschließen. Weiterhin ist die alte Ilrsulakirche mit ihrem gekrönten Thurm bemerklich, daneben die Allerheiligenstiftskirche am Eigelstcin, weiterhin die UrsulinerstiftSkirche und das dem h. Kunibert geweihte Gotteshaus, nah am Rhein und am Ende der Stadt. Dahinter zeigen sich in den Bollwerken der neuen Festung die Neste der alten Bischofsburg Ryle und der Bahnhof der rheinisch-belgischen Eisenbahn, über welche hinaus Mülheim, 1 Stunde von Köln entfernt liegt; inglcichcn das nahe Schloß Stauimheim, mehre Dörfer und die Städtchen Worringe» und Zons. Neus und Düsseldorf liegen unter dem Gesichtskreis, wohl aber erkennt man die Gebäude der Eisenbahn auf der Höhe zwischen Erkerath und Elberseld, die Kirchthürme von Solingen und andern Städten, auch über den Höhen des bergischen Gebirgs. Nach Morgen blickend hat man unmittelbar zu Füßen den Frankenplatz, den Rhein und jenseits das Städtchen Deutz mit dem alten Heribertsmiinster. Zwischen Deutz und Mülheim zeigt sich in Trümmern das alte Buchhcim, der Buchforst init seiner Kapelle, wo Siegbert von seinem Sohn Chlode- rich erschlagen ward. Weiterhin hübsche Dörfer und Höfe, wobei auch Hcrl, das Stammhaus des wahrscheinlichen Dombildmalers Wilhelm von Herle. Ueber dem Franken- und Königsforst sieht man auf waldiger Anhöhe die köuigl. Militärschule Bensberg, über welche der Liiverich, der bcoeutendste Gipfel in der Nähe von Köln emporragt, an dem sich nachher die Scheiterhöhe, sowie auch Herckerode und Marialindcn anschließen. Stromaufwärts gegen Süden hat man den größten Theil der Stadt vor sich ausgebreitet. Durch die Hochstraße blickt man nach dem Waidmarkt und der Severinsstraße, man unterscheidet das alterthümliche Haus Etzweiler, das Stad.'ralhhaus mit seinem Thurm, die Kirche Groß St. Martin, St. Alban, den Gürzenich und andere Kirchen, sowie den Baicnthurm am obersten Theil der Stadt. Drüber hinaus Poll, Milote, Hubenmühle und viele Dörfer; den Saum des Horizontes faßt Siegburg, Blankcn- heim, Bonn, der Kreuzberg, das Siebcngebirg, die Berge des Ahrthals, unter welchen sich zumeist der Kelberg hervorhebt und die der höhern Eifel. Abendwärts endlich hebt sich über hohen Giebeln der Thurm der Andreaskirche, die Maria Ablaßkapelle, das neue Civilarrest- und Korrektionshaus, der erzbischöfliche Palast mit Garten, Gereonsmünster und andere Kirchen- und Äloflergcbäude; mehr in der Ferne die des heil. Mauritius, seitwärts die Garnison - oder Pantaleonskirche mit ihrem Telegraphen und die St. Maria zur Schnurgasse, zwischen denen sich die Gebäude des Bahnhofs der Eisenbahn zwischen Bonn und Köln zeigen, überragt von den hochstehenden Pantaleons- und Karthäuser-Windmühlen, die sich nebst den Bott- und Gereonsmühlen auf der hohen Stadtmauer erheben. Mehr in der Nähe sind die zierlichen Thürme der Burghäuser von Adocht (Stadt Prag) und Berlippe, und in der Ferne die Börde von Köln, mit den Thürmen von Brauweiler, dem Schlachtfeld? von Worringe», die Waldungen von Brühl und Lachenich, das hinter ihnen aufragende sogenannte Vorgebirg und die bewaldete Bill, welche sich gegen Nord in der Rhein- ebene verliert. — Auch der Blick auf den allmählig emporwachsenden Dom selbst ist höchst interessant. Hier auf dem Domthurm macht man sich erst einen genauern Begriff von dem so großen Raum, den das Ganze einnehmen, von den ungeheuern Sleinmassen, aus denen es hervorleben wird. Bis 1817 stand auf der Ostseite am Chor die Margreden- oder Maricngredenkirche, ^abgeleitet von 8is älnris nä xrnckus), durch deren Abbruch der Chor, freigestellt, sich nun auf dem Frankenplatz in seiner ganzen Größe und Pracht zeigt. — Wenn auch bis zur Vollendung des Kölner Doms noch viele Jahre verstreichen dürften, möglich ist sie doch und bedeutend erleichtert, indem es erst unserm Jahrhundert aufbehalten war, den Originalriß des herrlichen Gebäudes wieder aufzufinden. Dies geschah 1814 auf dem Speicher eines Gasthofes zu Darmstadt, wohin das Pergament, sman weiß nicht genau woher, wahrscheinlich nach der Theilung der kölnischen Archive, die nach dem Lüneviller Frieden zu Darmstadt vorgenommen wurde) mit ander» alten Papieren war in den Kricgs- zeiten gebracht worden. Ein bauverständigcr Handwerker bekam die Zeichnung in seine Hände und mochte ahnen, er habe einen guten Fund gethan; deswegen brachte er das Pergament zu dem als Kenner altdeutscher Baukunst rühmlich bekannten Oberbaurath v>. Moller, welcher es ankaufte und nachher in einer besondern Schrift I8t3 veröffentliche. Das Original selbst war später im Besitz Sr. Majestät des Königs von Preußen. Ilr. Moller veranlaßte nachher durch v>. Boisseröe die Auffindung eines zweiten NisseS in Paris, welcher das zu ergänzen vermochte, was jenem Erster» fehlte, selbst aber wohl nur, wie auch Ilr. Moller annimmt, der von einem Schüler ausgefertigte ArbeitSriß war. Unter den andern Kirchen der Stadt bietet sich nach dem Dom vorerst Groß St. Martin, südöstlich vom Dom und östlich von der Mitte des Altmarktes, von dem ein Durchgang unter einer ganzen Reihe Häuser hinwegführt, welche man beseitigen will, um die Ansicht der Kirche frei zu geben. Im Jahr 69» gestiftet, lag die Kirche auf einer Rheininscl, welche unter Erzbischof Bruno mit dem linken Ufer verbunden ward. Dazu gehörte bis 1892 ein Benediktinerklostcr, dann wurde die Kirche einer Gemeinde zugetheilt. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erneuerte man das Innere, gegenwärtig ist man mit dem Aeußcrn und besonders den eingestürzten Nebenthürmen beschäftigt. Der Hauptthurm — 1826 vom Blitz getroffen und seither mit einer vergoldeten Metallkugel versehen — ist nach den Dom das größte Bauwerk Kölns. Auffallend ist die eigenthümliche Form des langgestreckten Spitzdaches, inmitten der vier schlanken Minaretthürmchen, (wovon jetzt nur 2 stehe») welche von unten bis zur Höhe an den vier Ecken vorspringen. Großartig ist das hohe, ans viereckigen Pfeilern ruhende Schiff; am Eingang stehen in übernatürlicher Größe die Bilder von Moses und Johannes, vom Bildhauer Jmhof verfertigt. Bcmerkenswerth ist der Taufstein, das Deckengemälde von Hoffmann, welches die vier Haupttugenden darstellt, und eine Kreuzabnahme von Bois, mit bewun- derswerthen Farbentönen; auch die sehr hohen Emporbühnen mit Nischen, der auf 6 Säulen gestützte Orgelchor, welcher eine mittelmäßig große, doch volltönende Orgel trägt, die von Jmbof geschnitzte schöne Kanzel und die vier Marmorsäulen, welche als Armleuchter dienen, ziehen die Aufmerksamkeit an. Der Künstler und Menschenkenner betrachtet sich noch die Gemäldereihe der einstigen Acbte des Martinsstiftes. Die Kirche hat eine große Vorhalle, durch ein hohes Eisengitter in 2 Theile geschieden, so daß man das Innere, selbst wen» sie geschlossen ist, noch sehen kann. — Am Quattermarkt, südlich vom Dom liegt die kleine Kirche St. Alban, gegenüber das ehmals dazu gehörige Stiftsgebäude, mit der kleinen Bildsäule des h. Alban, seinen Kopf tragend, über der Thür. Darunter die Jahrszahl >784. — St. Maria im Kapital erhebt sich wie der Dom unmittelbar über dem Abhang des Hügels, den die Mauer der alten Rö- merstadt umschloß und dessen Fuß nur ein schmaler Rhcinarm bespülte. Hier hat der Hügel noch mehr seine alterthümliche Form, nach der Volkssage stand das Kapital der Agrippincnser an dieser Stelle; widerlegen läßt sich dies so wenig, als beweisen. Plektrudis, Gemahlin des fränkischen Hausmeiers Pipin, stiftete »ach ihres Gatten Tod 7l4 dies Gotteshaus. Um ihren Sohn Theobald auf den Thron zu heben, hatte sie Karl, nachher Martcll genannt, den Stiefsohn eingekerkert; Theobald starb aber, Karl entkam und zwang sie, sein Vatererbe herauszugeben, worauf sie der Welt entsagte und aus Resten eines Römergebäudes diese Kirche schuf. Sie fügte em adeliges Nonncnstift hinzu, dessen Jungfrauen zwar der Regel St- Bencdikts folgten, allein von Rom die Erlaubniß hatten, in die Welt zurückzukehren und sich vermählen zu dürfen. Ihre Tracht war mehr weltlich, ihr Ansehen so groß, daß die Erzbischöfe, so lange sie in Köln wohnten, das erste Hochamt in der Christnacht hier lasen, alsdann in St. Peter unv zuletzt im jünger» Dom. Nachher feierten Gräve und Schöffen hier den Vorabend des Osterfestes, und bis 1794 zog der städtische Rath bei jedem Regierungswechsel zum Gottesdienst hierher und ließ sich dann das Bild ihres Vorgängers Hardenrath in der Kapelle gleichen Namens, als preiswürdiges Muster, zeigen. Seit 1894 ist sie Hauptpfarre der ersten Sektion. In Folge eines beträchtlichen Vermächtnisses wurde 1818 unter cko öin«Is Leitung das Innere verschönert. Die Mitte der Kirche, von einer hohen Kuppel überwölbt, wird auf schönen Säulen getragen, so auch die vier abgerundeten Arme des Kreuzes, welche dem mittlern Rundbau sich anschließen. An das schöne die Orgel stützende Portal fügen sich die Seitenflügel einer prächtigen 1625 von den Familien Haqueney, Hardenrath, Merle und Salm erbau- ten Kapelle. Sie stand bis 1767 zwischen dem Schiffe der Kirche und dem Pfarrhause. Ein ausgezeichnetes Bild von Scoreel, Marias Tod, welches ihren Altar schmückte, befindet sich jetzt in der Gemäldegallerie zu München. Auch uiiter den übrigen Bildern zeichnen sich einige z. B. von Lcbrün, BopS, Buschop u. A. Braun aus. Neben der südlichen Eingangsthür ist eine Kapelle, wo die Familie von Hardenrath 1464 eine Musikschule gestiftet hatte, auch hier sind beachtenswcrthc Wandgemälde, die man sowie die bunte» Scheibe» hinter dem Altare der Schule Israels von Meckenheim zuschreibt. Auf der entgegengesetzten Seite, in der Kapelle der Ritter Schwarz von Hirsch ist ein künstliches Gewebe und ein schönes Altarblatt, Maria's Tod, welches Albrecht Dürers Monogramm hat. Zu beiden Seiten sind die erwähnten Bilder des Bürgermeisters Hardenrath und seiner Gattin. Sehenswerth sind auch einige, fast erloschene Fresken der ältesten Zeit in der Chorgruft, desgleichen herrliche Glasgemälde, die mit prächtigem Schnitzwerk gezierte Eingangsthür an der Nordscite und das außerhalb des Chors eingemauerte Steinbild der Plektrudis, wahrscheinlich Deckel ihres Sargs. Als altes Wahrzeichen gilt ein doppeltes Eisenband, welches früher den Chor mit dem Schiffe und dem Thurm zusammenhielt. Der Kreuzgang an der westlichen Thüre hat zum Theil noch seine ursprüngliche Gestalt und enthält in siebenfach verschiedenem Baustple Stationen und andere Grabdenkmäler. — Das kleine Gotteshaus, St. Maria in Lyskirchen, zwischen der gleich, namigen Straße und der Rheinwerft, inmitten des Rhein- und Holzthors die alte Stadtmauer überragend, sott das älteste Kultusgebäude im jetzigen Köln sein. Einst war es die Pfarrkirche eines eigenen Dorfes, oder einer Vorstadt Nothhausen und heißt in Urkunden auch Lpsolphs- kirche. Maternus, erster kölnischer Bischof, soll sie 97 gestiftet haben, wogegen jedoch der Umstand spricht, daß nicht das Mindeste von römischer Bauart an ihr sich zeigt. Hauptthüre und Glasgemälde der Fenster gehöre» der ersten Hälfte des 16. Jahrbunderts an und sind viel beschädigt. Das berühmte Gemälde von Johann von Maubeugc, die Grablegung Christi, das den Seitenallar zur Linke» schmückte, ist abhanden gekommen, ebenso die Kreuzabnahme von Barvccw, im allen Hochaltar und der Engelgruß, von unbekanntem Meister, wovon nur das erste durch eine verdienstvolle Nachahmung von Beckenkamp ersetzt worden. Auch der alte Taufstein ist sehenswerth. Die Kirche St. Georg ließ der Erzbischof Hanno (sowie seine Burg, das in der Georgsstraße gelegene jetzige Salzamt) der Bürgerschaft zum Trotz 1974 und in folgenden Jahren bauen und weit auf den Waidmarkt vorspringen, damit Kölns Bürger sehen sollte», daß er in ihren Mauern noch Herr sei und eS bleiben wolle. Der starke, aber niedrige Thurm sollte zugleich als Befestigung dienen. Kirche und Thurm ist in Verfall und durch ihren Abbruch müßte der Waidmarkt sehr gewinnen. — Die kleine Kirche St. Johann Baptist findet sich auf dem Plätzchen gleichen Namens, einer Erweiterung der Severinsstraße. Eingang und Spitzgiebcl geben ihr das Ansehen eines Psrundhauses. Sie hat ein gutes Altarblatt aus der niederländische» Schule, eine durch van Helmont geschnitzte Kanzel und ein bronzenes Taufbecken. Die Wollweber, deren Pfarrkirche sie sonst war, schmückten sie reichlich aus. In ihrer Nähe stand die schöne, altdeutsche Kirche des deutschen Ordens, welche von den Franzosen abgebrochen wurde. Die unter vem Namen Elend bekannte Kirche der Familie von Groote liegt hinter der Johanniskirche, am obersten Theil des Katharinengrabens. Bis 1369 war hier der jüngere Kirchhof, wo man junge Verbrecher aus angesehenen Häusern heimlich enthauptete und beerdigte. Jakob von Groote umzog den Ort im 17. Jahrhundert mit einer Mauer. Später wurde die häufig besuchte Kirche erweitert und 1765 neu aufgeführt. Sie ist blutroth, im holländischen Stpl erbaut und mit rothem Thurm versehe». Ueber der Thüre erblickt man ein kolossales, räthselhaftcs Steinbild. Nahe bei ist ein Kirchhof und das Dreifaltigkeitskloster. Unfern des gleichnamigen Thors und ver nach ihr benannten Straße liegt St. Severin. Hier läßt die Sage den Silvanus, der sich unter Konstantins zum Kaiser ausrufen ließ, erschlagen werden. Wahrscheinlich ist die Kirche aber ans dem 11. oder 12. Jahrhundert. Ein Abendmahl, mit zwei Seitenflügeln, von de Brupn und andere Kunstwerke sind beachtcnswerth. Am Eingang stehen 4 Heiligenbilder, unter welchen Severin. Das Innere ist heiter, das Schiff hochgewölbt. Der sehr erhöhte Chor macht durch seine vielen Säulen einen guten Eindruck. Unter der Kirche ist eine Krypta. Der Umgang oder Kreuzgang von St. Severin, welcher in der That sehr baufällig ist, soll, wie man hört, zur Versteigerung kommen und abgebrochen werden, wodurch viel Raum gewonnen würde. Man hatte dem Stadtrath vorgeschlagen, ihn anzukaufen und etwa zur Aufstellung von Grabdenkmälern oder einem städtischen Nebenmuseum zu verwenden; dieser Vorschlag fand aber keinen Anklang und wäre bis zur Ausführung mit etwa 16,660 Thalern Kosten verknüpft gewesen. — Eine fast ländliche Lage hat St. Maria zur Schnurgasse, 1643 erbaut und I7l6 geschmacklos erneuert. Sie ist in der Nähe des Eisenbahnhofes und war ursprünglich Bethaus für die Nonnen des Karmeliten Baarfüßerklostcrs; sie ist reinlich, heiter und bunt. Als größte Merkwürdigkeit zeigt man ein uraltes Marienbild von Holz, das nebst einem kleinen Oelbild Maria von Medicis dieser Kirche schenkte. St. Pantaleon, zwischen der Waisenhausgasse und dem Weidenbach, soll 954 vom Erzbischof Bruno aus Steinen der von Constantin errichteten Rheinbrücke aufgeführt worden sein, gehört aber vermuthlich dem l3. Jahrhundert an. Sie ist seit 1819 für den evangelischen Militärgottesdienst eingerichtet. Ein über dem Altar befindliches Glasgemälde hat Kunstwerth. Auf dem nicht besonders hohen T urm ist der Telegraph. St. Mauritius am gleichnamigen Stcinwcg hat zwei schlanke, unten achteckige, oben runde Thürmchen, die Form eines Kreuzes und bewahrt einige hübsche Bilder. Die Bauart des St. Peter, die am Ende des 15. Jahrhunderts gestiftet worden, hat nichts Besonders, allein sie bewahrt das schöne Bild von Rubens, die Kreuzigung des Apostels Petrus. Es war, von den Franzosen geraubt, bis 1815 im Louvre zu Paris. Auch hat die Kirche Glasgemälde. Das Taufbecken von gelber Bronze betrachtet der Reisende theils wegen der Vorrichtung, womit der schwere Deckel mittels einer eisernen Winde abgehoben wird, theils weil 1577 am Peter Pauls-Tage Rubens hier getauft worden. Sehr alt, aber nicht merkwürdig ist die daneben stehende Kirche der h. Cäcilie, die sonst zu einem Nonnenkloster gehörte. Auch St. Elisabeth ist »»bedeutend. Die evangelische Pfarrkirche, zu klein für die Gemeinde, enthält ein schönes Gemälde, die Kreuzigung des Erlösers, von Joh. von Aachen, auch hübsche Glasmalereien in den Fenstern. St. Columba hat eine eigenthümliche Bauart, denn ihre Länge besteht aus 4, die Breite dagegen aus 5 Bogen. Im klebrigen bietet sie wenig Interessantes. Schön und hell, in Gestalt eines doppelten Kreuzes erbaut, ist die Minoriten- kirche am Platze gleichen Namens, sie enthält viele Holzbildsäulen, Gemälde u. s. w. ohne Kunstwerth, zugleich aber auch das Grab des berühmten Scholastikers Duns Scotus, welcher 1275 geboren war und 1363 starb. St. Maria zur Kupfergasse erregt keine besondere Aufmerksamkeit. Dagegen ist die zu St. Aposteln, nordwestlich vom Neumarkt, von großartiger Bauart. Den Grundstein legte 1661 Erzbischof Heribert, sein Nachfolger Pilgram weihte 25 Jahre nachher das vollendete Gotteshaus ein. Schön und imposant ist der Glockenthurm über dem Eingang. Der Chor, nach dem Muster der Sophienkirche zu Constantinopel, wird durch 3 halbe Rundungen gebildet, über welche sich 3 Kuppeln wölben. Zwei schlanke Minaretthürme zieren die mittlere Rotunde am Ende des Chors. Ueber den 3 andern Rotunden erhebt sich die achteckige Hauptkuppel. Vom Neumarkt gesehen, nimmt sie sich sehr gut aus und scheint Sie wob ein schön Gebilde Mit eigner zarler Hand, Das sie dann fromm und milde Zu ihrer Kirche sandt! Da war es lang zu sehen Es hing zur gailenjeit Im Ehorc von den Höhen In Prachl und Künstlichkeit. aus mehren, über einander sich erhebenden Kirchen zu bestehen. Der Haupttheil entging glücklicherweise den Flammen, welche 1699 und 1199 die Kirche' ergriffen. Der Styl des Langhauses weist in den Anfang des 13. Jahrhunderts hin. Eine Himmelfahrt der Jungfrau, von Hülzmann, und der Märtyrertod der h. Katharina, von Pottgießer sind sehenswerth, sowie der Ueberrest eines Fastentuches, das Frau Nichmuth von Adocht webte. Diese verfiel während der Pest 1357 in Starrkrampf und wurde in der Familiengruft ihres Gatten lebendig beigesetzt. In der nächsten Nacht wollte der arme Küster ihren Trauring stehlen, zerrte am Finger und brachte so die Scheintotste in das Leben. Als sie sich aufsetzte, floh er und ließ Schlüssel und Laterne zurück. Richmuth erhob sich mit Mühe und gelangte an das Thor ihres nahegelegenen Wohnhauses. Sie klopfte und nannte ihren Namen. Entsetzt meldete es der Diener dem Herrn. Dieser rief, eher würden seine Schimmel aus dem Stalle auf de» Söller steigen, als daß sein Weib aus dem Grabe zurückkehre. Sogleich hörte man das Poltern der Rosse, welche die Treppe hinauf sprangen. Der Ritter, freudig überzeugt, öffnete selbst und empfing das wunderbar gerettete Weib, das noch lange mit ihm in glücklicher Ehe lebte und ihm mehrere Kinder schenkte. Einige Dichter, z. B. E. von Groote haben dieses wunderbare Ereigniß besungen und des Tuches gedacht. Groote sagt: Am Kreuze liegt der Schädel, Auf dem die Kosen blühn; Und rechts und links hochedel Die Rittersleute knien. Und aus den Rosen heben Drei Englcin sich empor. Die zu dem Heiland schweben In wundersüßem Chor. Maria und die Jünger So hat uns zum Gedächtniß Sah man am Kreuze siehn, Richmod das Tuch gestickt. Wie sie zum starken Ringer Und es dann zum Vermächtniß Für's Heil der Menschheit flehn In jenes Stift geschickt. Die steinernen Schimmel, welche Adocht nachher zur Erinnerung aus seinem Dachfenster sehe» ließ, wurden von den Franzose» beseitigt, allein seit einigen Jahren hat man sie durch hölzerne ersetzt, die im Dachfenster des Hauses zur Stadt Prag — an der Ecke des Neumarktes und der Nichmondstraße — noch jetzt stehen. — Eine der größten Baumerkwürdig, leiten der Stadt ist St. Gereon, nördlich von der Apostelnkirche. Gereon war Anführer einer christliche» Legion und starb in der wüthenden Verfolgung unter dem Kaiser Diokletian den Märtyrertod. Die Kirche, einfach, schön und regelmäßig, in Form eines doppelten griechischen Kreuzes, soll von der Kaiserin Helena erbaut worden sein und zuerst einen mit Goldplatten bedeckten Fußboden gehabt haben. Doch weist die Bauart auf spätere Jahrhunderte hin. Zuverlässig ist, daß Erzbischof Hanno um 1666 zu dem bereits stehenden Zeheneck die beiden am Chor sich erhebenden Seitenthürme und das Pfarrhaus fügte. Ein Zeheneck bildet auch die Vorkirche. Der Boden im Innern erhebt sich staffelförmig und vom Zeheneck steigen 7 Stufen gegen den Hochaltar an, wonach man auf 13 Stufen zum Chor gelangt. Eine Stiftung des Chorherr» von Eyck veranlaßte, daß man sie zu reich ausschmückte und so den großartigen Eindruck des Ganzen schmälerte. Zu bedauern ist die Zerstörung des Kreuzganges, des schönsten, den die Stadt besaß. In der wiederhergestellten Vorhalle sind die Neste von mehr als 466 Märtyrern, die im Jahr 286 mit Gereon hier starben. Die am Eingang stehende Granitsäule, aus der Helenenkirche herrührend, wurde 1794 von den Franzosen, die sie nach Paris schleppen wollten, zerbrochen. Glasmalereien und Altarbilder sind schön. Bis 1862 war mit der Kirche ein Collegiatstift verbunden, seitdem ist sie Pfarrkirche geworden. — St. Maria Ablaß ist klein und kapellenartig; St. Andreas war uralt, brannte 1226 und ließ nur Ruinen byzantinischer Bauart. Einige Gemälde sind darin sehcnswerth. St. Mariä Himmelfahrt war ehemals Jesuitenkirche und hing mit dem Collegium zusammen. Sie ist mit Schnörkeln überlaben, hat aber doch etwas Großartiges und Gefälliges, und erinnert überall an die Väter der Gesellschaft Jesu, die hier sogar bei der Auferstehung der Todten erscheinen, und über die der h. Geist sein Licht ausgießt. Die Allerheiligenkirche ist sehr klein und einfach. Westlich von ihr liegt St. Ursula am gleichnamigen Kloster. Sie ist alt und erlitt so viele Schicksale, daß von dem ursprünglichen Bau wenig mehr zu sehen ist Sonst waren im Innern die Särge und Gebeine der 11,999 Jungfrauen aufgeschichtet, welche mit St. Ursula — der Schutzpatronin Kölns — den Märtyrertod starben. Man hat fie meist entfernt. Das Grab der Schutzheiligen in schwarzem Marmor ist 1659 durch das Ehepaar Hegemilcren gestiftet. Zugleich findet sich eine Alabastcrbildsäule der Heiligen in Lebensgröße. Auch ihr Tod ist durch ein Blatt im Hauptaltar — von Schutt — gut dargestellt. Andere Bilder, besonders die Apostelbilder auf Schieferplatten, aus dem Anfang des lZ. Jahrhunderts und Andere find beachtenöwerth. In einer Seitenkapelle, der goldenen Kammer, sowie rings an den Wänden sind in vielen Schreinen die Gebeine aufgestellt, auch ein kolossales Grab neben dem der Patronin enthält solche. Noch ist St. Kunibert mit ihren beiden Thürmen nahe am Rhein zu beachten. Der eingestürzte Hauptthurm soll hergestellt werden. Der Sage nach weihte der Erbauer, Bischof Kunibert, im 7. Jahrhundert dies Gotteshaus dem h. Clemens. Ihr Hochaltar mit 4 Bildsäulen, hinter dem sich fünf Rundbogenfenstcr mit schönen Glasgemälden aus dem 13. Jahrhundert — die ältesten in Köln — befinden, wird durch die Pracht und den Farbenreichthum der letzten noch interessanter, obgleich es mühsam ist, sich in der langen Reihe von Darstellungen aus dem Leben der Heiligen zurechtzufinden. — Andere Kirche» oder Kapelle» sind unbedeutend oder sonst verwendet. Wenn nun auch sonst das „heilige Köln" nicht — was die Sage behauptet — so viel Kirchen als Tage im Jahr hatte, so mögen es doch nahe an 29V gewesen sein. Noch vor dem Einfall der Franzosen 1794 zählte man ll Stifts- und 19 Pfarrkirchen, 49 Kapellen, 19 Mönchs- und 39 Nonnenklöster. Die Synagoge mitgerechnet sind jetzt für den Gottesdienst 29 Gebäude bestimmt, davon für die Katholiken 4 Haupt- und 15 Succursal-Pfarrkirchen, desgleichen 7 Oratorien und Kapellen. — Außer diesen gottesdienstlichen Bauten, die kaum in einer andern deutschen Stadt so viel Aufmerksamkeit verdienen, bemerken wir noch andere Gebäude und Denkmäler. Der Römer- oder Musivthurm gilt als das älteste noch aufrechtstehende Bauwerk der Stadt und erhebt sich auf der alten Burgmauer, nahe am Nömerthor. Sein unterer Theil, etwa 12 Fuß hoch und aus mehrfarbigen Steinen, die Figuren bilde», ist sehr alt, wcßhalb ihn auch manche aus der fränkischen Periode herleiten; der Neberbau von rothen Backsteinen, zwei Drittel der ganzen Höhe, ist neu; er wird von einem Privatmann bewohnt und ist im Innern nach dein Geschmack der Neuzeit eingerichtet. Unfern desselben in der Zeughausstraße liegt das großartige, 1839 und 1831 aufgeführte Regiern ngsgebäud e. Es hat ein schönes Balkenportal auf 4 Säulen und 2 Nebenaltanc. Außer den Geschäftszimmern und der Präsidcn- tenwohnung enthält es auch Gemächer zur Aufnahme des Königs oder einzcler Mitglieder seiner Familie. Gegenüber das Zeughaus, ehemals Kornhaus genannt. Die ältere Abtheilung, 1594 bis 1691 gebaut, enthielt sonst alte Waffen und Kriegsgeräthc, welche aber meist von den Franzosen verschleppt oder muthwillig zerstört wurden. Neber der Thüre des mit dem Zeughaus verbundenen Thurms ist ein Basrelief, den Kampf des Bürgermeisters Gryn mit dem Löwen darstellend. Der Bischof Engelbert II. , mit der Bürgerschaft im Streite, lud nämlich diesen Gryn zu sich ein, um eine Aussöhnung zu bereden. Verrätherisch führten aber zwei Domherrn den Ehrenmann an ein Pförtchen am Pfaffenthor und als er eintrat, sah er sich im Löwenzwinger- Unerschrocken kämpft er den stärksten Leu nieder und wird alsdann von seinen Mitbürgern, denen indeß eine dunkle Kunde von seiner Gefahr zukam, mit Gewalt befreit. Auch am Nathhaus erinnert ein Basrelief an Gryns Muth. — Die größere, als Wagenhaus verwendete Hälfte des Zeughauses ist in neuerer Zeit erbaut. Neben dem Regierungsgebäude liegt die Hebammenlehranstalt, verbunden mit einer Entbindungsanstalt. Ihr Wirkungskreis dehnt sich fast über die ganze Nheinprovinz. Hier werden jährlich 49 Hebammen gebildet und beim Austritt aus der Anstalt geprüft; auch nahe an 299 Personen entbunden. Hinter dem Zeughause, am Appclhof erblickt man den 1824 bis 1826, meist auf städtische Kosten erbauten Justizpalast, worin verschiedene Gerichtshöfe ihren Sitz haben. Das Schauspielhaus, in der Komödienstraßc, ganz nahe bei dem Justizgebäude gelegen, wurde im Jahr 1828 nach dem Muster des Hofrheaters zu Darmstadt beendet, ist Eigenthum einer Aktiengesellschaft und kann 1899 Zuschauer aufnehmen, was freilich kein rechtes Verhältniß zur Bevölkerung der Stadt ist; auch macht es weder von außen, noch von innen einen besondern Eindruck. Der erzbischöfliche Palast, auf der Nordseite der Gereonsstraße, ist ein hübsches Gebäude, das ehemalige Haus der Familie Heereman von Zuydwick, welches der Bürgermeister I. B. von Mülheim im letzten Jahrhundert aufgeführt. Ein großer, weitläufiger Garten, welchen der Erzbischof Spiegel mit Geschmack angelegt, befindet sich unmittelbar hinter dem Palaste. In der Nähe ist das neue Civilarrest- und Correktionshaus, das, von 1835 bis 1338 erbaut, aus einem großen Rundbau, mit vorspringendem Portal in der Mitte, drei großen Seitenflügeln und einem Nebenbau, nebst einem kleinern an der Straße belegenen Hause besteht. Der Mittelbau enthält die Kapelle und die großen Arbeitsstile. Die Gefängnisse sind, je nach Art und Weise der Verurtheilung, gesondert und die noch nicht Verurtheilten von den klebrigen streng geschieden. Die durchschnittliche Bevölkerung des Hauses, die Beamten ausgenommen, beträgt 259 bis 399 Individuen. Das alte Zucht- und Correktionshaus, die sogenannte Ble- chenpor (Blechbüchse?) am Neumarkt, hat etwa 199 Gefangene und eine Krankenanstalt. Die Artilleriekaserne in den Räumen des ehemalige» Dominikanerklosters hat einen großen Doppelhof. Das erzbischöfliche Priesterseminar, im Gebäude des ehemaligen Jesuitencollegiums neben der Mariä Himmelfahrtskirchc. Der Erzbischof Ferdinand I. stiftete diese Anstalt und führte 1612 — 1659 das Gebäude auf, welches nun die Jesuiten bis zur Auflösung ihres Ordens inne hatten. Das Seminar wurde 1827 wieder hierher verlegt. Das Gebäude besteht aus drei großen Flügel», deren lange sich an die Kirche lehnen, während der kürzere einen würfelförmigen Anbau gegen den botanischen Garten hat. Zwischen 69 und 65 Seminaristen besuchen diese Anstalt, deren Aermere Alles unend- geldlich erhalten. Im Südbau ist die Bibliothek des katholischen Gymnasiums aufgestellt. Sie enthält die Reste der sämmtlichen Klosterbibliotheken der Stadt, vermehrt durch die für die französische Centralschule und in neuster Zeit aus Zuschüssen der Staatsregierung gemachten Ankäufe. Zusammen 65,999 Bände, darunter 2999 Jncnnabeln, alte Kupferstiche und dergl. Die öffentliche Benutzung dieser Bibliothek ist mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage täglich 2 St. gestattet. Auch die Scminarsbibliothck im gleichen Gebäude mag aus 18,999 Bänden bestehen. Der botanische Garten von etwa 5 Morgen Land, liegt hinter der Himmelfahrtskirchc und dem Jesuitencollcgium. Seit dem Sommer 1343 ist in diesem Garte» das Lokal der künstlichen Mineralwasseranstalt eröffnet. Auf der Westseite der Marcellenstraße in einem ziemlich großen und schönen Gebäude ist das Jesuitengymnasinm. Im I. 1816 hatte es nur 173 Schüler und 12 ordentliche Lehrer. Beinahe 599 Schüler beider Confessionen besuchen jetzt diese Anstalt, die in 11 Classen getheilt ist und neuerdings außer einem Director, 6 Oberlehrer, 9 ordentliche, 5 außerordentliche und technische Lebrer hat. Dies Gymnasium ist ungemein reich dotirt und kann sich aus eignen Mitteln erhalten, indem seine Jahreseinkünfte gegen 29.999 Thlr. ausmachen. Unabhängig davon ist der Schul- und Stiftungsfonv, den man auf 39,999 Thlr. anschlagen kann und der für die Besoldungen der Lehrer und zur Bestreitung anderer Bedürfnisse der Anstalt verwendet wird. Zugleich ist derselbe für einzelne Familienberechtigte, sowie für arme und dürftige Schüler bestimmt. Außer diesem Gymnasium gibt es in Köln noch ein zweites, im ehemaligen Karmeliterkloster am Waidmarkt. Letzteres- heißt auch Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, wurde 1829 als höhere Stadtschule mit vier Abtheilungen gestiftet, allein 1825 in ein Gymnasium erster Classe verwandelt, weil das Jesuitengymnasium nicht hinreichte. Damals wurde dasselbe von 239 Schülern besucht und hatte soviel Lehrer wie jetzt. Auch diese jüngere Anstalt wird in 11 Classen getheilt, hat einen Director, 3 Oberlehrer, 6 ordentliche Lehrer, 2 Religions- und 2 technische Lehrer; sie faßt aber gegenwärtig über 399 Schüler. Die Bedürfnisse werden aus einem Drittel des vorhin bezeichneten Stiftungsfonds am Jesuitengymnasium bestritten, wozu der Staat 5999 Thaler schießt. Die königl. Cadetten schule scheidet sich durch ihre Einrichtung in Divisionsund Brigadeschule. Die erstere bildet Fähnriche und Officiere, Hai 2 Classen, eine» neuiimoiiatlichen Lchrcursus und etwa 59 Zöglinge. Ihr stehen ei» Stabsvfficier als Militärdirector, ein Studien- und ein Mitdirector, nebst st Officicren als Hülkslehrer vor. Sie hat eine kleine Bibliothek von 2999 Bände», viele Karten, Pläne ». s. w. Die Vrigadeschule bildet Artilleristen und besitzt bedeutende Lehrapparate. Ein schönes Gebäude auf der Nordseite der Trankgassc, dem Domeingang am Lilsch gegenüber ist Wallrafs- Museuni. Der >824 gestorbene Prof. Wallraf hinterließ der Stadt Köln seine ausgezeichnet reichen Sammlungen zum Geschenk. Sie bestehen aus der Bibliothek, einer Sammluug von Kupferstichen, Landkarten, Handzeich- nungen ». s.w., ferner Rüstungen und Waffen, Marmorantiken, über löst vaterländische Alterthümer, geschnittene Steine, Münzen, über l600 Gemälde und aus einem Naturalicnkabinet, welches Alles beständig noch vermehrt wird. Unter den Antike» sind einige sehr schöne Büsten, Basreliefs und merkwürdige Steinschriften. Unter den Gemälden finden sich Meisterwerke von Albrecht Dürer, Scorcel, Luk. Kranach, Guido Reni, Rubens, Teniers, van Dyk, bis zu den lebenden Meistern Lessing, Bendcmann u. a. m. Eine Sammlung alter Kölnischer Familienbildnisse ist in 2 Zimmern aufgestellt und zunächst des AuSgangS: Wallrafs Portrait. Jeden Sonntag ist dies Museum für das Publikum offen, wer es in der Woche besuchen will, löset auf dem RathhauS eine Einlaßkarte. Uebrigens ist es Pflicht gegen einen edeln Todten und großen Patrioten wie der Stifter dieses Museums war, einige Worte persönlicher Anerkennung beizufügen. Ferdinand Franz Wallraf, 1748 zu Köln geboren, war Sohn eines bemittelten Schneidermeisters. Nach Beendigung der gewöhnlichen Schul- und Universitätsstudien, wobei er außer der Theologie, noch Mathematik und Phvfik mit besonderm Eifer betrieb, ward er 1772 Priester und gleich darauf Professor am damaligen Montaner Gymnasium. Später, 1786 erhielt er als Canonikus zu St. Maria im Capitel noch die Professur der Naturgeschichte, Botanik und Aesthetik, sowie die Aufsicht über den botan. Garte». Seit 1794 war er Rektor der Universität, und 1799 Professor an der Centralschule. Sein Leben und Streben war nun fast einzig der Forschung in Geschichte und Alterthum seiner Vaterstadt gewidmet und es gelang ihm, mitunter durch persönliche Entbehrungen und die rastlosesten Anstrengungen viele der Kunstschätze zu retten, die den habgierigen Blick der räuberischen Franzosen anzogen. So erhielt er z. B. die prächtigen Fenster der Domkirche, deren Wegnahme beschlossen war; auch bei der 1892 erfolgten Aufhebung der Klöster würde mancher werthvollc alterthümliche Gegenstand verloren gegangen sein, wenn Wallraf nicht schützend zuvorgekommen wäre. Volle Anerkennung und von allen Seiten fand der siebzigjährige Greis, als Köln preußisch geworden. Allein auch jetzt setzte er seine Sammlungen fort, lebte im Winter oft sogar ohne Heitzung, nur um sich nichts Seltenes entgehen zu lassen. Er starb allgemein betrauen am 18. März 1824. In seinem Testamente hatte er sein theures Köln „zur Erbin seines sämmtlichen Nachlasses, er bestehe, worin er wolle", ernannt und zwar unter der unerläßlichen Bedingung, daß seine Sammlung „zu ewigen Tagen bei dieser Stadt zum Nutzen der Kunst und Wissenschaft verbleiben, derselbe» erhalten und unter keinem erdenklichen Vorwande veräußert, anders wohin verlegt, aufgestellt und derselben entzogen werden soll". — Die Taubstummenanstalt, in der Straße an der Rechtsschule, ist ein nicht besonders großes Gebäude, worin seit 1831 etwa 69 Taubstumme von 7 Lehrern und 1 Lehrcnn Unterricht empfangen. Das Etzweilersche Haus an der Ecke der Dranggasse ist dem Gürzenich ähnlich, mit Thürmchen, Zinnen und Schießscharte». Obwohl die innere Einrichtung in neuerer Zeit wesentliche Veränderungen erfuhr, so bietet es doch noch viel VeachtenSwerthes. Der altdeutsche Tester über der Nische, in welcher an der Ecke des Hauses ein steinernes Marienbild steht, ist besonders schön. Das schöne RathhauS an dem gleichnamigen Platz wurde im 12. Jahrhundert aufgeführt, war aber anfänglich nicht so groß als jetzt. Die ältesten Theile sind das Erdgeschoß und wahrscheinlich der Hansesaal im ersten Stock. Dieser, im altdeutschen Styl, enthält neun hohe Standbilder von Vertretern hanseatischer Bundesgenossen, was durch die Wappenschilde neben ihnen angedeutet wird. In diesem Saal wird noch Wallrafs Bibliothek und seine Sammlung von'Kupferstichen u. s. w. aufbewahrt. Die sogenannte Muschel, ein zweiter Saal, worin jetzt der Stadtrath seine Sitzungen hält, war früher Lokal für Gastmähler. Die Wände sind mit Gobelinstapc- »en, Landschaften nach Wouvermans, geschmückt; an der Decke sind die vier Elemente in schonen Verzierungen angebracht. Ueber diesem Saal befindet Köln. sich die ziemlich bedeutende Bibliothek des Syndikats und das Stadtarchiv. Der Rathhausthurm wurde 1497—1414 erbaut; seine Steinbilder und die Gallerie, die ihn umgab, mußte man der Verwitterung wegen herabnehmcn. Die Ausdehnung des RathhauseS gegen den Altmarkt rührt von >649 her, und der Ban des schönen Marmorportals am NathhauSplatze, aus 2 übereinander gestellten Säulenreihen mit Arkaden bestehend, von 1569—1571. An der Brüstung der obern Reihe gewahrt man mehre Basreliefs, nebst Dankinschriften, welche dem I. Cäsar, August, Agrippa, Constantin, Justinian und Marimilian gewidmet sind. Das mittlere Basrelief ist wieder der Lö- wcnkampf Gryns, dessen wir bei der Beschreibung des Zeughauses gedacht. Die Rathskapclle ist im südwestl. Winkel des Rathhausplatzes, an der Stelle der frühern Synagoge, als welche der Raum 414 Jahre gedient hatte. Sie wurde 1426 von dem Senat als Kapelle eingeweiht und ihr der Name Jerusalem beigelegt. Auf ihrem Altar stand das berühmte Dombild, welches jetzt im Dom hängt. Die Gebäude am nordwestl. Theil des Platzes sind aus dem 17. Jahrh, uns werde» nur der Neubau genannt. Ehemals fanden sich hier die Geschäftszimmer städtischer Behörden, dann die von verschiedene» Gerichten. Jetzt pflegt der Musikvercin in dem großen Saal seine Uebungen und Proben vorzunehmen. In dem Hause an der Bürgerstraße hält das Handwerksgericht seine Sitzungen. Das Lagerhaus — von 1836—1838 erbaut — ist ein fünfstöckiges, sehr hohes Gebäude im Styl des Gürzenich, mit zwei gewaltigen Spitzbogenthüren, runden Fenstern und einer hohen Zinne, worauf zwei Bildsäulen neben dem Wappenschild der Stadt stehen. Schon sein Unterstock hat die Höhe eines gewöhnlichen Hauses. Es enthält sehr große Waarenlager, die sich in mehre Abtheilungen scheiden, welche für die darin niederzulegenden Gegenstände auf das Zweckmäßigste eingerichtet sind. Zur Seite steht das ältere Lagerhaus aus dem 17. Jahrhundert, zwar an sich groß, allein durch das neue, es weit überragende Gebäude, ganz in den Schatten gestellt. — Das städtische Pfandleihhaus a» der Nechtsschule. Sieben Beamte besorgen die Leitung der Geschäfte. UcbrigenS wird die Anstalt nach denselben Vorschriften verwaltet, wie in andern Städten. Ein Gleiches gilt von der städtischen Sparkasse, bei welcher 5 Beamte angestellt sind. Die Hauptwache, auf dem »ördl. Theil des Heumarklcs ist ein 1849 erbautes, schönes Gebäude. Der Dachkranz ist mit 4 Steinadlern geschmückt, deren Krallen sich an Kanonenläufe fest anklammern. Auf demselben Platz ist die ehemalige, nicht besonders ansehnliche Börse, ein hallenarliges und mit Eisengitter umschlossenes, einstöckiges Gebäude, welches den Platz verengt und sich in neuster Zeit in ei» Vaurhall, oder eine Speise- und Kaffeewirthschaft verwandelt hat. Schon im 16. Jahrh, soll an derselben Stelle oder doch in der Nähe ein ähnliches Haus gestanden haben. Das jetzige wurde 1739 erbaut, in unserm Jahrhundert angemessen verschönert und 1829 feierlich wieder eröffnet. Es diente inzwischen gar nicht lange zu dem vorausbestimmten Zweck, wahrscheinlich weil es für die meisten Kaufleute zu entlegen war und diese es daher natürlich vorzogen, an einem andern gelegner» Orte sich zu versammeln. Der Handelsstand beabsichtigt gegenwärtig, eine neue und viel großartigere Börse aufzuführen, womit vielleicht zugleich die Kölner Kunst-, Industrie- und Freuden-Halle rereinigt werden könnte, deren Bau unverweilt ausgeführt werden soll. Man begibt sich von hier nach der Bolzengasse und steht am Ende derselben vor dem Gürzenich. Zu diesem großen, eigenthümlich gebauten, städtischen Kaufhause wurde am Ende des >4. Jahrh, schon der Grundstein gelegt, allein erst später beendete man dasselbe. Noch sind die Rechnungen vorhanden, nach welchen der Bau die für jene Zeiten ungeheuere Summe von 39,999 fl. kostete. Den Namen erhielt es von einem alten Adelsgeschlechte, dessen Stammhaus zuvor auf dieser Stelle gestanden. Es erhebt sich unmittelbar über der ehemaligen Nömer- mauer, an der darnach genannten Straße Oben-Mauern, jetzt St. Martin. Das Erdgeschoß dient als Waarenlager für die landeinwärts zu v rsenden- den Kaufmannsgüter. Der obere Stock bildet einen einzigen Saal, 175 Fuß lang, 79'/. Fuß breit und 29 Fuß hoch, der von jeher bei festlichen Gelegenheiten benutzt ward. Kaiser Friedrich III. und sein Sohn Marimilian I. gaben hier der Stadt zu Ehren 1474, 1486 und 1595 sehr glänzende Feste, und auch ihr Nachfolger Karl V. veranstaltete am Sonntag nach Allerheiligen 1529 in diesem Saal einen Fürstcntanz. Schon 1452 beschloß der Stadtrath, daß die Bürgermeister von Köln ihren jährl. Dienst, d. h. ein 3 großes Festessen beim Antritt ihres Amtes auf dem neuen „unsrer Herrn Haus Obenmauern" halten sollten. Der genannte Kaiser Friedrich III. saß 1473 hier auch zu Gericht über den Herzog zu Jülich, weil dieser sich gegen Karl den Kühnen von Burgund ins Feld zu ziehen weigerte. Marimilians Wahl zum römischen König wurde I I Jahre später mit ungeheuerm Pomp hier von der reichen und prachtliebcnden Stadt gefeiert. Nachdem derselbe Fürst als Kaiser I5l>3 auf dem Henmarkt ein glänzendes Turnier gehalten, folgte am 13. Juli ein großes Banket auf dem Gürzenich. Diese Erinnerungen knüpfen sich an das alterthümliche Lokal. In neuester Zeit wird cö zu den großen Musikfcsten, den Kunstausstellungen, den Carnevalsversammlun- gen und zu Bällen benutzt. Das Gebäude ist aus Basaltquadern und Tuffsteinen aufgeführt. Ueber den beiden großen Eingangsthoren gewahrt man die Steinbilder des Agrippa, als des Gründers dieser Stadt, und eines gewissen Marsilius, welcher der Stadt wichtige Dienste geleistet und reffen Andenken sich in der Feier des Holzfahrtstages (Donnerstag nach Pfingsten) noch bis heute bewahrt hat. Aus dem Saale selbst befinden sich zwei große Kamine mit mancherlei Bildern und Vorstellungen, welche auf den Zweck desselben hinweisen sollen. Die ganze Bauart des Saales, sowie seine Größe eignet sich vortrefflich zu den Festlichkeiten, zu welchen er neuerdings bestimmt ist. Die den verschiedenen Festen jedesmal angepaßten Wandverzierungcn, die schöne Erleuchtung, sowie die Plafondirung ves Saales (seit dem Jahre 1823) vereinigen sich, auch die Umgebungen würdig und ansprechend zu machen. Der Kaiser Friedrich III. ließ hier jenen oben erwähnten Tanz im Januar 1474 anstellen, damit er „die schönsten Frauenzimmer der Stadt beisammen sähe." An diese Absicht erinnert sich auch heut zu Tage manches Männerherz mit Vergnügen, obgleich es nicht unter kaiserlichem Hermelin schlägt. Die festlichen Versammlungen im Gürzenich lassen bekanntlich in dieser Hinsicht kaum Etwas zu wünschen übrig und dürfen sich unbedingt mit allen jener Hauptstädte Deutschlands messen, deren weibliche Einwohnerschaft seit alten Zeiten den Ruhm besonderer Schönheit, Anmuth und Zierlichkeit in Anspruch nehmen konnte. Einige Jahre nach dem Gürzenich scheint das sogenannte Tempelhaus in der Rheingasse Nr. 8 erbaut worden zu sein. Es zeigt den byzantinischen Styl, hat einen hohen Staffelgiebel und ist in den letzten Jahren seiner ursprünglichen Gestalt gemäß wieder hergestellt worden. Früher trug die Außenseite eine unbedeutende Inschrift, welche jetzt aber verdeckt ist. Im Innern bewahrte es noch großentheils die alterthümliche Form und Einrichtung. Die Zimmer und Säle sind geräumig und in Einem derselben, im untern Stock, wurde jene von dem Bürgermeister Hardenrath herrührende Urkunde ausgestellt/ welche wir bei der Kirche St. Maria im Kapitol bereits erwähnt haben. — Das Casino ist ein neues, großes und schönes Gebäude am Augustinerplatz und der gleichnamigen Straße, mit einem Balkonportal und geräumigen Sälen. Es ist Eigenthum der aus mehr als 3lZl) Mitgliedern bestehenden Casinogesellschaft. Lese- und Erholungssäle, eine Speise- und Kaffeewirthschaft, zu der Gesellschaft gehörig, findet sich im Erdgeschoß. Die Gesellschaft hält die beliebtesten Tagblätter in verschiedenen Sprachen und besitzt außerdem Bücher, Karten u. s. w., wie es in solchen Gesellschaftslokalen neuerdings überall üblich ist. Im Winter finden auch wöchentliche Dainenunterhaltungen statt; Bälle, Konzerte wechseln mit andern gesellschaftlichen Vergnügungen. Das Geburtshaus des Rubens liegt in der Sternenstraße. Das gegenwärtige Gebäude, aus dem vorigen Jahrhundert stammend, ist ansehnlich, enthält aber nichts Merkwürdiges, als die beiden grünlich angestrichenen Sandstcintafeln, mit deutscher Inschrift in latein. Buchstaben. Der gelehrte Wallraf hat zuerst ermittelt, daß dies Haus und nicht ein anderes in derselben Straße, das die alte Ueberlieferung bezeichnete, das Geburtshaus des großen Malers und das Sterbehaus einer Königin sei, auf Wailrafs Veranlassung sind auch die beiden Inschriften an der Fayade des Hauses angebracht worden; die zum Andenken von Rubens befindet sich zur Rechten der Rundbogenthüre; das ziemlich gute Bild von Rubens ist in rundem Rahmen angebracht u. die Unterschrift sagt: Peter Rubens, geb. 29. Juni 1377, starb im 64. Jahre zu Antwerpen, den 36. Mai 1646. Zur Linken ist die Inschrift für Maria v. Medicis starb den 3. Juli 1642, 68 Jahre alt. Sie war Gemahlin Heinrichs IV. von Frankreich gewesen und verbrachte nach einem bewegten Lebe» hier ihre letzten Tage in großer Dürftigkeit. Sonst nahm man die St. Marienkirche im Capital fälschlich als den letzten Aufenthaltsort dieser Königin an, wo fie auch beigesetzt sei. Allein dem ist nicht so, und wir haben bereits nach dem Borgange der glaubwürdigsten Geschichtschreiber behauptet, daß ihre Leiche nach Frankreich gebracht worden sei. — Die Landwehrcaserne und das Mi- litärarrcsthaus findet sich in der Agathastraße, ein Gebäude des ehemaligen Agatha-Nonnenklosters, dessen Kirche zu demselben Zwecke verwendet worden. — Die Jnfanteriekascrne Nr. 1 ist groß und aus 2 Abtheilungen bestehend; fie liegt neben dem mehrerwähntcn Hause: Stadt Prag, das dem Ritter von Adocht gehörte. Unmittelbar hinter der ersten, in der Streitzeuggassc, ist die beinahe eben so große Jnsan- teriekaserne Nr. 2. Sie befindet sich im ehemaligen Franziskanerkloster. Neben der ersten Kaserne ist das alte Zucht- und Correktionshaus, die Blcchenpotz, ein weitläufiges Gebäude, das ich schon erwähnte. Das Oberpostamt in der Glockenstraße, dessen weite Anbauten sich bis zur Streitzeuggassc erstrecken und einen Hof umgeben, »m welchen die Geschäfts- und Erpeditionszimmer vertheilt find, enthält für zahlreiche Reisende die erforderlichen Bequemlichkeiten in großen Passagierstuben. Das Hauptgebäude ohne allen Schmuck ist Wohnung des Oberpostdirektors; gegen den Hof sind 2 große Altane gerichtet; ein Thürmchen, mit Abends erleuchtetem Zifferblatt und Schlaguhr, trägt mit zur Regelmäßigkeit des Dienstes bei. Die Remisen, mit zahlreichen Postwagen angefüllt, find am Eck der Streitzeug- und Krebsgaffe. Dagegen ist die Polizeidirektion in der Glockenstraße ein wenig ansehnliches Gebäude, es enthält auch die Polizeiwache. Jeder der 6 Stadtbezirke hat einen besondern Polizeikommissär mit eigenem Büreau. Das Hauptsteueramt in der Breitestraße, ist ein schönes und ansehnliches Gebäude, worin fich das Geschäftslokal der Steuerbeamten befindet. Dem ehemaligen Cäcilienkloster gegenüber liegt die königl. Bank, das Kloster selbst hat fich in ein B ü rger h osp ita l oder Stadtarmenhaus verwandelt und soll zu diesem bemeldeten Zwecke umgebaut werden. Die ältern Gebäude sind fast sämmtlich niedergelegt und diejenigen nur beibehalten worden, welche mit geringerm Auswande für den Neubau verwendet werden könnnen. Ein Theil des Gebäudes ist auf der innern Seite als Gefängniß für Wahnfinnige u. s. w. eingerichtet, ein anderer dient als Krankenhaus. Ringsum werden Promenaden angelegt, was den Nachbarstraßen besondern Vortheil bringen muß. Die Pionierkaserne am Weidenbach ist ein neues ansehnliches Gebäude in 2 Abtheilungen, wozu ein großer Hof gehört. Gegenüber neben St. Pantaleon ist der Fcstungsbauhof, der einen großen Theil der ehemaligen Klosterräumlich- keitcn umfaßt. Ganz in der Nähe ist der Bahnhof der Bonn-Kölner Eisenbahn, am Ende der Waisenhausstraßc. Er besteht in einem größern Erpeditionsgebäude mit den Geschäftszimmern und Wartesälcn, dann mehren Häusern zum Aufstellen der Wagen, Maschinen und endlich einer hohen bedeckten Halle, wo die Züge halten und die Passagiere aus- und einsteigen. — Einsam, aber angenehm liegt das Garnisonslazareth, im frühern Karthäuserkloster und der Straße gleichen Namens. Die sehr bedeutende» Räumlichkeiten sind i» neuester Zeit noch durch ein dreistöckiges Haus vermehrt worden, so daß die ganze Anstalt jetzt in ihren 36 Sälen über 466 Kranke recht wohl aufnehmen kann. Die ehemalige Josephskirche dient, in Verbindung mit einem dahinter stehenden großen und einigen kleinen Häusern, als Proviantmagazin. — Außer den beiden schon oben genannten Gymnafien der Stadt find hier noch folgende Schulen und Lehranstalten zu erwähnen: Die höhere Bürgerschule, wozu 1828 ein besonderes Haus auf dem Quattermarkt erbaut wurde. Das Bedürfniß derselben hatte sich schon früher herausgestellt und war dringend, als das Karmeliter (Friedrich Wilhelms) Gymnasium zu dem Rang, den es gegenwärtig einnimmt, erhoben wurde. Die höhere Bürgerschule hat in 3 Classen ohngefähr 366 Schüler, über die l Direktor, 2 Oberlehrer, 6 Lehrer, 2 Religionsund 2 technische Lehrer gesetzt find. Dazu kommt die P.rovinz'ial- gewerdschule, welche 6 Lehrer und im Durchschnitte etwa 166 Schüler hat, meistens Jünglinge, welche fich einem höhern Gewerbe oder dem Baufachc widmen wollen. Gewöhnliche Volks- oder Pfarrschulen hat Köln an 36, deren jede von etwa 366 Knaben und Mädchen besucht wird, die in 2 besondern Abtheilungen, jede zu 3—4 Classen, von 4—6 Lehrern oder Lehrerinnen gebildet werden. Nur eine derselben ist der evangel. Gemeinde zugetheilt. Die Jsraeliten besitzen neuerdings auch eine zweckmäßig eingerichtete Anfangsschulc. Man zählt sodann 8 Armenschulen, mit gleichviel Lehrern und Lehrerinnen, 3 Schulen der Fraucnvercine, ferner 2l Sonntags-, und 12 Abendschulen, worin sehr viele Zöglinge, die zum Theil schon einen gewerbliche» Beruf erwählt und begonnen haben, weitern Unterricht erhalten oder das Versäumte nachholen. Daß eine Stadt wie Köln auch vorzügliche Privatlehra» stalten aufzuweisen habe, kann keine Frage sein. Man nennt das praktische Handelsinstitut Ochs, am Frankenplatz, die Gewerbschule des Prof. Mengclbcrg, die höhere Zeichnenschulc und Maleranstalt von F. Katz, die unter Leitung des evangel. Pfarrers Engel stehende höhere Töchterschule, einige weibl. Pensionate u. A. Das Waisenhaus an der Südostseite der Straße gleichen Namens, welche zum Bahnhof der Bonn-Kölner Eisenbahn führt. Es bildet mit seinen Zubehörungen ein rechtwinkliges, gleichseitiges Viereck, hat helle und gesunde Zimmer und Säle. Nicht allein die Waisen wirklicher Stadtbürger, sondern auch Findlinge können in diese Anstalt aufgenommen werden. In der Regel treten sie nicht vor dem 6. Jahre ein, und Findlinge übergibt man rechtlichen Leuten, bis sie dies Alter erreichten. Der Austritt geschieht, wenn nicht ihre Gesundheits- umstände besondere Rücksichten nöthig machen, zwischen dem 17. und 18. Jahre, worauf die Knaben meist zu Handwerkern in die Lehre kommen, die Mädchen aber in Dienste bei achtbaren Familien treten. Das Waisenhaus behält sich aber auch dann noch eine gewisse Aufsicht über die Zöglinge vor, die es entlassen hat. Die Anstalt ertheilt nicht allein einen sehr zweckmäßigen Schulunterricht, sondern in der seit 1826 mit ihr verbundenen Industrieschule, auch je nach dem Alter und Geschlecht der Kinder, Unterweisung in verschiedenen Handarbeiten, so daß die Knaben in Klassen getheilt sind, z. B. Schuhmacher, Schneider, Leinweber, Wollgarnspinner u. A., die Mädchen aber im Nähen, Stricken, Spinnen, Kochen u. s. w. geübt und unterrichtet werden. Ueber dem Eingang des Gebäudes liest man die Inschrift: „Kölns Pflege- und Erziehungshaus für arme, verwaiste und Hülflose Kinder." Darüber stehen die Worte: „Bürger, hier messet, ob Wohlstand und Fleiß und sittliche Menschheit herrsche im Volke, oder ob sich's entnerve durch Trägheit und Leichtsinn. Euch fällt zur Last die verwaiste Unschuld, doch sie sei euch heilig." — Die sämmtlichen Kosten für das Waisenhaus, welche dem Armenfond zur Last fallen, betrugen im I. >828 jährlich an 11,300 Thlr. Von dem Baienthurm, der schon weithin sichtbar ist, war bereits oben die Rede. Es soll hier im Mittelalter ein Dorf Baien gestanden haben, wovon der Thurm ein Ueberrest sein und den Namen führen mag. Er wurde >262 von Engelbert v. Falkenburg aufgeführt. Die alte Kölner Chronik berichtet: Er habe diesen Thurm und die entgegenstehende Feste aus keinem andern Grund errichten lassen, als um die Bürger besser im Zaum zu halten. So ist denn der Thurm eine Zwingburg gewesen. Er ist 100 Fuß hoch, hat oben eine schöne Zinne, darunter einen großen Wappenschild und aus der Mittclhöhe einen kleinen Anbau; theilweisc dient er jetzt als Militärgefängniß. Unter dem Thurm auf der Stadtmauer gewahrt man ein Steinbild des heil. Nikolaus und darunter die Worte: „Gib ihn, Hüter der Menschen, zum Schutzgeist denen, die sich dem Wasser anvertrauen." An dieser Stelle erhebt sich der Wall zu 30 Fuß Höhe und endet mit einem hübschen vorspringenden Schilderhaus. Der Thurm springt weit in den Rhein vor und sein mächtiges, aus großen Steinen zusammengesetztes Fundament bildet einen Eisbrecher. Zu frühern Zeiten mochte dieser Untersatz noch weiter in den Fluß springen und vielleicht einen Hafendamm bilden, welchen ein starker Eisgang zertrümmerte. Denn noch ist ein Rest übrig, der einem Brückenbogen ähnelt und bei niederm Wasserstand gibt sich viel altes Mauerwerk im Rhein zu erkennen, das vermuthlich dazu gehörte. Die Aussicht von diesem Thurm überhaupt, zumal von seiner Zinne, ist ausgezeichnet. Zwar ist das gegenüber liegende Ufer flach und nur wenig belebt; doch zeigt sich weiter oben das Dörfchen Poll, rheinabwärts Dcutz mit Kirche und großen Gebäulichkeiten. Außerdem sieht man den Dom, St. Martin, Kunibert und andere Kirchen. Am linken Ufer den Ort Hübenmühle, die holländ. Windmühlen und großen Holzlager. — Die Schiffbrücke ist seit 1822 an die Stelle der frühern fliegenden Brücke getreten; sie ruht auf 33 Schiffen und führt von dem Friedrich Wilhelmsthor nach dem jenseits des Stroms gelegenen Städtchen Deutz. Dieselbe hat eine Länge von 500 Schritt oder 1250 Fuß und ist 24 Fuß breit. Die Unterhaltung und Ueberwachung hat die Fcstungsbehörde zu besorgen. Der Bau dieser Brücke ist so fest, daß sie selbst die schwersten, in der Stadt und Umgegend üblichen Lastkarrcn (120 bis 150 Ctr. Ladung) ohne die mindeste Gefahr zu tragen vermag. Sobald der Rhein eine Höhe von 25 Fuß am Pegel hat, wird die Brücke abgefahren und die Verbindung zwischen den beiden Flußufern wird alsdann durch Kähne unterhalten. Die Brücke ist während der angenehmsten Monate des Jahres ein Lieblingsspaziergang der Kölner und deshalb häusig auch von Fremden besucht. Der Brückenzoll, welcher für den erwachsenen Fußgänger bei einmaligem Uebergang 2 Pfennige beträgt, wird auf der Seite von Köln und von Deutz erhoben; er soll jährlich dreimal so viel eintragen, als die Erhaltung der Brücke, die man auf 20,000 Thlr. annimmt, kostet. Auf der Seite von Deutz und an der Rheinaue kann man in fließendem Wasser Nheinbäder nehmen, wozu die Anstalten sehr zweckmäßig sind. In der Nähe dieser Bäder unterhalb Deutz ist die Militärschwimmschule, in welcher auch Andere Unterricht in der Schwimmkunst erhalten können. Andere Badeanstalten in der Stadt sind ebenfalls passend eingerichtet, mit hübschen Gärten verbunden; auch findet man in den Wartesälcn die Tagsblätter und kann Erfrischungen erhalten. Der Sicherheitshafen liegt am Peterswerft, zwischen dem Thürmchen- und Eigelsteinthor. Bei den furchtbar verheerenden Eisgängen der Jahre 1783 und 1784 zeigte sich die Nothwendigkeit eines geeigneten Winterhafens. Doch verging noch lange Zeit, bis 1810 der Bau begonnen wurde. Die Größe der Sohle des Hafens war auf 1600 Fuß Länge und 150—180 Fuß der Breite festgestellt. Er wurde im I. 1813 zum Gebranch eröffnet und ist für die Kölner Schifffahrt sehr nützlich, obgleich Manches daran von Kennern getadelt wird. Winters wird er durch 17 große Gaslaternen erhellt und durch 4 Nachtwächter, desgleichen durch einen Hafcnaufseher und Hafenmeister bewacht. Bei seiner Ausdehnung vermag er alle Dampfund Segelschiffe der Stadt und eine bedeutende Zahl auswärtiger Fahrzeuge zu überwintern. Seinen Eingang deckt eine hohe Brücke und an ihr stehen einige hölzerne Häuschen, denen ganz ähnlich, welche die holländ. Schiffer am Zupdersee bewohnen. Die jährl. Unterhaltungskosten und die Gehalte der bei diesem Hafen Angestellten betragen etwa 1700 Thlr. Unter den zahlreichen Vereine» der Stadt Köln, welche wir unmöglich alle anführen können, mögen folgende kurz erwähnt werden, die entweder durch ihren Zweck oder durch die Zahl der Mitglieder die erste Stelle einnehmen: Der Kunstverein; er besteht seit >816, zählt zwischen 5 und 600 Mitglieder mit einem jährlichen Beitrag von 5 Thlrn. und hat einen Ausschuß von 23 und eine Direction von 7 Mitgliedern. Würde sich Köln, was zu erwarten steht, mit den 5 Städten: Karlsruhe, Darmstadt, Mainz, Mannheim und Strasburg, die bisher für sich den rheinischen Kunftverein bildeten, in eine nähere Verbindung setzen, so müßte daraus nicht nur seinem besondern Verein, sondern auch dem Ganzen ein großer Vortheil erwachsen und Köln würde jedenfalls die erste Rolle spielen. — Auch der musikalische Verein umfaßt über 500 Mitglieder, die einen Jahresbeitrag von 1 Thlr. entrichten. Er hält seine Uebungen, Proben und Versammlungen in dem großen Saal des sogenannten Neubaues, am Rathhausplatz. Die Geschäfte leitet ein Vorstand aus 12 Mitgliedern. — Noch zahlreicher, als die beiden genannten und jedenfalls über 600 Mitglieder zählend, ist der Gew erbverein unter einem Vorstand von 10 und einem Ausschuß von 20 Personen; er gibt zugleich das gemeinnützige Wochenblatt heraus. Köln hat auch eine Lokalsektion des niederrheinischen landwirthschaftl. Vereins; der Gesammtverein begreift über 5000 Mitglieder, die jährl. 1 Thlr. beitragen. Nur freiwillige Beiträge entrichten die etwa 100 Mitglieder des Verschönerungsvercins, welcher mit dem Kölncrdvmbau- verein in Verbindung steht. Dieser letztere bildete sich 1842 und zählt bereits weit über 2000 Theilnehmer, deren Beiträge ungleich sind, jedoch 1 Thlr. übersteigen. Sei» Zweck ist den Weiterbau des Doms zu fördern; sein Organ, das Kölner Domblatt, welches wöchentlich einmal 3* (Sonntags) im Verlag der Kölner Zeitung erscheint, und fortlaufende Nachrichten über den Dombau und damit zusammenhängende Angelegenheiten bringt. — Gesellige Bereine zählt Köln ebenfalls mehre, die einer Erwähnung verdienen. Zunächst drei Freimaurerlogen, zusammen mit ohngefähr 400 Mitgliedern Die Castnogesellschaft hat über 500, die beiden Ressourcen und 6 andere bürgert. Gesellschaften mehr als 700 Mitglieder; dazu kommt noch ein Militärcasino, dessen Mitglieder sich gegenwärtig auf 200 belaufen. Wiewohl Geselligkeit bis in die untersten Stände allgemein hier verbreitet ist, so zieht sich doch der Kölner Gewerbsstand von den geschlossenen Gesellschaften zurück oder nimmt nur der Frauen und Töchter wegen, spärlichen Antheil; die Männer finden sich Winters schon am Abend lieber in Bier- und Weinhäuscrn zusammen ; im Sommer dagegen ist das beliebteste Vergnügen dieses Standes der Besuch der Kirchweihen oder Kirmessen, welche von Pfingsten bis zu Michaeli jeden Sonntag und Montag abgehalten werden und ein Hauptgrund sind, warum während der schönsten Jahreszeit der gewöhnt. Kölner Bürger fast nur die Vergnügungsorte in der Stadt besucht. Am muntersten geht es dann zu in den Gartenwirthschaften, Hier nun trifft man seltener den Handclsstand, welcher die schönen Sonntage mehr zu Ausflügen außerhalb der Stadt benutzt. Auch bethciligt er sich fast ausschließlich bei den Karnevalslustbarkeiten, welche der Gewerbstand wohl zu seiner Unterhaltung, aber meist nur als ein müssiger Zuschauer besucht. — Die Wohlthätigkeitsanstalten erfreuen sich einer überaus trefflichen Einrichtung, was in unserer Zeit freilich immer wesentlicher wird, je mehr der Pauperismus voran schreitet. Schon im 17, Jahrh, war Kölns Mevicinalverfassung berühmt, seit l8l7 erhielt sie bedeutende Verbesserungen und läßt jetzt gewiß nur wenig zu wünsche» übrig. Die Medicinalbehörden bestehen aus dem Kreisphvsikat und der Jmpfanstalt. Köln hatte im I. 1844 überhaupt 56 Aerzte, 17 Wund-, 2 Zahn- und 3 Thierärztc; in der Provinzialhebammen- lehranstalt befanden sich 17 Hebammen; Apotheken zählte man 17 und Arzeiwaarenhandlungen 6. In Folge des von ihnen geleisteten Gelübdes unterziehen sich der Krankenpflege in Privathäusern die 12 Mitglieder der Alerianer- oder Cölitenbrüderschaft, welche man nicht zur Geistlichkeit rechnet und für deren Vermögen die Armenverwaltung Sorge tragen muß. Dieselbe Brüderschaft hat eine Versorgungsanstalt für Blödsinnige. Auch die sogenannten Wartnonnen, deren es 3 Con- vcnte gibt, widmen sich demselben Geschäfte und mit gleichem Erfolge. Außerdem gibt es noch 15 weibliche Versorgungsconvente. An die Stelle des Wohlthätigkeitsburcaus, das in der französ. Zeit entstand, trat 18i8 eine vorzüglichere Armcnordnung; ihre Verwaltung umfaßt drei Abtheilungen und hat auch das Bürgerhospital für bürgerliche einheimische Kranke, Invaliden und Irren zu leiten. Letzteres ist schon seit 1805 in dem ehemaligen Cäcilien- und Michaclsklvster unfern St. Peter. Man führt ein neues Haus auf, in welchem statt der bisher durchschnittlich aufgenommene» 160 verarmten Bürger oder Bürgersfrauen mehr als doppelt so viel Platz finden sollen, denn in diesem Verhältniß wächst mit der steigenden Bevölkerung auch die Zahl der Verarmten. Das damit verbundene Hospital, bisher nur für 60 dürftige Kranke, soll für mindestens 150 erweitert und eingerichtet werden. Die Kosten für das Bürgerspital belaufen sich jährlich auf 20 bis 25,000 Thlr. Unter derselben Verwaltung steht auch die Unterstützung der sehr zahlreichen Hausarmen. Man hofft, daß in Betreff der Letztcrn sich nach dem Beispiel anderer kleinerer Städte, wie Stuttgart und Darmstadt, ein besonderer Verein bilden werde, da aus begreiflichen Gründen die Armenverwaltung nicht immer die Noth der verschämten Armen kennt.— Das Militärlazareth, im ehemaligen Karthäuserkloster, bat eine sehr treffliche Einrichtung und kann, wie bereits oben bemerkt wurde, in 36 geräumigen Sälen über 400 Kranke aufnehmen. Die Spaziergänge, an welchen Köln nicht eben reich ist, wurden meistens schon gelegentlich und bei Angabe der sie betreffenden Oertlich- keiten erwähnt. „Die Lage der Stadt, das breite und offene Feld um dieselbe, bieten allerdings dem Auge wenig Abwechslung dar, und der große Umfang der Stadt sowie die engen Straßen erschweren es häusig, wenn man schnell vor das Thor gelange» will. Auch hielt man in Köln noch im 18. Jahrh, nur wenig vom Spaziergehen, der beschränkte Raum des Hauses genügte, der Gang zur Kirche am Sonntag, eiu Spaziergang zu Verwandten in die Klöster, welche besonders für die Jugend wahre Festgänge waren, da sie sich dort mit Musik und andern Spielen unterhalten konnte, reichte vollkommen hin. Selten ward eine größere Spazierfahrt nach dem Wcidenpesch, der Kötschburg, dem Tönishäus- chen, Rodenkirche», nach der Poller Weide, »ach Melaten oder einein andern Orte in der Umgegend vorgenommen." Vielleicht den schönsten Spaziergang bietet die Rheinbrücke nach Dcutz. Besonders an Sonntagen gegen Abend, in der schönen Jahreszeit auch an Wochenabenden, trifft man hier ein reges Gewimmel von Spazierenden; „und der breite schöne Strom, die vielen Menschen auf der Brücke, das gegenüber liegende Dcutz mit seinen Gärten und freundliche» Häusern bieten in der That ein vielfarbiges und bewegliches Gemälde dar." An solchen Tagen begegnet man auch in Deutz überall vergnügungslustigen Kölnern und selbst der gewöhnliche Bürgersmann, der sonst nicht gern die Stadt verläßt, wagt sich dann hierher oder nach Mühlhcim. Zu den größern, wiewohl seltner» Vergnügungen gehört das niederrheinische Mu- sikfcst, zu dessen abwechselnder Feier sich die Städte Köln, Aachen, Düsseldorf und Elberfeld verbanden. Am ersten dieser zu Köln gehaltenen Musikfeste in den Pfingsttagen 1821 ward unter Direktion Burg- müllers aus Düsseldorf das „Weltgericht" von F. Schneider aufgeführt, am zweiten 1824 leitete derselbe das Oratorium „die Sündfluth", am dritten aber, 1828 waren die Direktoren Ferd. Ries, B. Klein un? Leibl, welche das Oratorium Jephtha und andere großartige Composi- tionen leiteten. Der rege, uneigennützige Eifer, womit die Anordner und Mitwirkenden sich diesen seltenen Festen widmen, verdienen die volle Anerkennung, welche ihnen auch auswärts zu Theil geworden. — In der Stadt selbst find als Volksfeste die schon erwähnten Kirmessen und der Karneval zu betrachten. Was die Erster» betrifft, so hat be- kanntlich jede Pfarrkirche ihr eigenes Kirchweihfest und weil diese nur bei den wenigsten auf Einen Tag zusammentreffen, so werden dieselben, wie schon oben bemerkt, von Pfingsten bis in den September hinein fast wöchentlich an den Sonntagen gefeiert, wozu dann die geringere Volksklasse noch eine Nachfeier auf den Montag, bisweilen sogar den Dienstag ausdehnt. Das Fest selbst beginnt mit einer großen Proccs- sion durch den Pfarrbezirk, am Abenv versammelt man sich zu Tanz, Schmaus und Trinkgelagen. Im Frühling ist hier der Maitrank — ein mit verschiedenen starkduftenden Kräutern gewürzter Wein — am beliebtesten. Der Carneval hat weit mehr Eigenthümliches und zog dadurch auch die Aufmerksamkeit des Auslandes auf sich. Die Bände — so nennt der Kölner kleinere Gesellschaften — hatten schon vor der französ. Zeit im Carneval viel komisches Leben entwickelt, wenn sich auch nie die Theilnehmer zur Durchführung Einer gemeinschaftlichen Idee verbanden und die besten Einfälle nur improvisirte Raketen waren. Die französ. Republik verbot diese Lustbarkeit; trotz der Freiheit und Gleichheit hielt man diese Mummerei für staatSgefährlich. Man hob später zwar dieses Verbot auf, doch war der Carneval einmal aufgelöst und schien nicht mehr zu einem allgemeinen Volksfest sich zu gestalten. Statt dessen griffen die Fastnachtsspiele in Familienkreisen Platz. Dabei wechselten Scherze und Lust, in hochdeutscher und plattkölnischer Mundart, zwanglos ab. Aeltere Leute erinnern sich mit besondern, Vergnügen dieser harmlosen Spiele. Erst unter preuß. Herrschaft sollte Köln wieder eine große Carnevalsfreude in seinen Mauern sehen. Im I. 1823 verband sich eine Gesellschaft und führte sehr ansprechend die Idee aus, welche zunächst lag, nämlich des Helden Carneval Wieoerbesitznahmc seines alten Reichs oder die Thronbesteigung des Helden. Für das folgende Jahr ward die Versinnlichung des mit dem Norden übereinstimmenden Süden oder die Vereinigung des Prinzen Carneval niit der Prinzessin Venetia gewählt, eine Idee, welche von Göthc sehr belobt wurde. Und so folgten auch in den nächsten Jahren ansprechende Ideen in bunter Abwechslung und machen den Kölner Karneval zum wahren Volksfeste. Aus nähern und entfernter» Städten strömen gewöhnlich viele Fremde hinzu. „Alle Geschäfte, aller Handel und Wandel ruhen, die Straßen wimmeln von Menschen, die Wirthshäuser sind von früh bis Abend mit Gästen angefiillt und kleinere Gesellschaften führen in Privatcirkeln maskirte Darstellungen auf. Nach drei Tagen kehrt Alles wieder in die gewöhnliche Ordnung zurück, den» daß ein solches Fest kurz sein müsse, haben die Unternehmer richtig eingesehen. Der Ueberschuß der Einnahme wird zu wohlthätiger Unterstützung des Waisenhauses und der Armenschulcn beider Confesssonen verwendet." — Unter den besondern Sehenswürdigkeiten Kölns dürfen wir das Diorama der Gebrüder Meister nicht übergehen. Das Lokal ist in der Wolfsstraße nicht weit vom Nenmarkt in einem runden, von oben erleuchteten und zweckmäßig im Innern eingerichteien Gebäude. Die Vorstellungen wechseln; vas Diorama ist täglich von 8 Uhr Morgens bis 5 Uhr Abends geöffnet. — Beträchtliche Sammlungen seltener und guter Oelbilder, Kupferstiche, seltener Bücher, Handschriften und dergl. findet man bei mehren Privatpersonen. Höchst interessant ist die Sammlung von rvlographischc» Werken und alten Drucken des Kanonikus von Büllingen, die Gemäldesammlung des Kunsthändlers Willmes, die der Herrn Oppenheim, sin welcher ein Velasguez de Silva, Quintin Mcsfis, Salvator Rosa und andere ausgezeichnete Stücke) sowie anderer achtbarer Kunstliebhaber. Eine große, nach dem Svstem geordnete Pflanzensammlung besitzt der Apotheker Söhlmever, welcher auch eine oryktog- nostische Sammlung von etwa 3000 Eremplaren hat. Eine ähnliche, wichtig für Kölns Umgegend, die Eifel und den Laacher See — vulkanischen Ursprungs — zeigt Apotheker Heis, sowie auch in der Wohnung des Malers Mcinertshagen eine schöne und große Naturaliensammlung aufgestellt ist. Dem Handel Kölns müssen wir noch besondere Bemerkungen widmen, wenn gleich schon aus dem Ueberblick der Geschichte dieser Stadt Vieles darauf Bezügliche zu ersehen ist. Namentlich haben wir darzuthun versucht, wie im Laufe des l7. und 18. Jahrh, durch das Eintreten höchst ungünstiger Conjunkturcn der Handel immer tiefer sank, und unter der französ. Verwaltung beinahe gänzlich z» Grunde gerichtet war. Seit Köln, vom I. 1814 an, wicver zu Deutschland gehört, hoben sich auch Handel und Verkebr von Neuem, und durch Dampfschifffahrt und Eisenbahnen gefördert, sind sie jetzt zu einer Entwicklung gelangt, welche in mehr als Einer Beziehung der in den schönsten Zeiten des Mittelaltcrs gleich kommt, ja demnächst dieselbe noch übertreffen dürfte. Man hat neuerdings angefangen, Köln das deutsche Venedig zu heiße». Offenbar hat der Rheinhandel am meisten gewonnen, wodurch denn als natürliche Folge auch die Schifffahrt sich vermehrte. Die rheinisch-preuß. Dampfschifffahrtsgcsellschaft, deren Direktion in Köln ihren Sitz hat, befährt den Strom von Straßburg bis Wesel mit 24 Schiffen, die schwächsten zu 30 und die stärksten zu 120 Pferdekraft. Hierzu kommt der Verkehr der 8 Düsseldorfer Dampfschiffe, der 7 niederländischen und der 3 der Rhein-Mel-Gesellschaft, nebst dem der zahlreichen Segelschiffe, wovon Köln allein über 40 hat, die an 4000 Laste» tragen. Nicht minder sind in neuester Zeit die Dampfschleppschiffe als Verkehrsmittel von Belang geworden. Köln versendet hauptsächlich Oel, Getraide, Wein, Tabak, Manufaktur- und Kolonialwaaren, Farbcstoffe, Baumwolle, Häute, Leser, Holz und Steinkohlen, auch Traß, Pfeisenerde, Potasche, ider Chemiker Liebig soll in diesem Jahre an 36 000 Centner für eine neue Guanofabrik gekauft haben), Alaun und diesen ähnliche Gegenstände. Die Versendung und Zufuhr über Land hat sich seir Eröffnung der beiden mehrerwähnten Eisenbahnen verdreifacht. Wird die Eisenbahnlinie gegen Minden die ostrheinische eröffnet und somit der Zusammenhang mit den norddeutschen Linien bewerkstelligt, dann läßt sich die Steigerung des Verkehrs kaum berechnen. Vierzehn Handlungen der Stadt machen ausschließend ihre Geschäfte in Geld, Papieren und Wechseln; Großhändler und Cvmmissionshandlungen gibt es nahe an 200; Geld-, Waaren- und Schiffsmakler >2, Kaufleute mit offnen Läden über 650, wovon allein 170 Gewürz-, Spezerci- und Materialhäudler; außerdem 82 Weinhändler, 25 Getraidehändler, 26 Hvlzhändler, >5 Buch- und Kunsthandlungen, über 600 Krämer ohne kaufmännische Rechte. Auch die Zahl der Fabriken beläuft sich gegen 80, worunter 10 chemische Fabriken und 12 Zuckerraffinerien. Sehr zahlreich sind die Webstühle, von denen allein an 190 in Seide und Halbseide arbeiten. Die Kölner Seiler liesern gute Arbeit und die in jüngster Zeit gegründete Fabrik platter und runder Taue setzt ihre Waare weithin in Menge ab. Im Uebrigcn trägt die Verfertigung und der Absatz des Kölnischen Wassers s>n» c»n> der Römer. Jenseits Sindorf zeigt sich Heppendorf, Geburtsort der Brüder Franz und Joseph Ales, berühmten Rechtsgelehrten des vorigen Jahrhunderts. Vorüber an einigen Höfen und Dörfern gelangt die Eisenbahn auf hohem und langem Damm an die Station bei dem Dorfe Buir, 6^/, St. von Köln, 8'/, St. von Aachen. Links ist die Gegend abwechselnder. Man sieht die Dörfer Türnich und Balthausen, ersteres mit schönem Schlosse, beide mit Braunkohlenwerken. Auf der Höhe gruppiren sich Dörfer; durch Möderath und das Städtchen Kerzen führt die alte Kaiserstraße von Düren nach Köln. Im Weiler Lörsfeld und zu Bergerhausen sind Burghäuser, letzteres einer der ältesten Rittersitze des Landes ward 1829 in altdeutscher Bauart wieder hergestellt. Im nahen Dorfe Platzheim hatte der deusche Orden früher eine bedeutende Kommanderie. Das Städtchen Lechenich, lleckoni-wnm, dessen Schloß noch einem Kastell ähnelt und von dem mehrgedachten Erz- bischof Heinrich von Birneburg am Eingang des 14. Jahrh, erbaut wurde. Den Rittersaal schmücken alte Bilder; man sieht das Bild des Kurfürsten Trnchseß. dem die holde Agnes lieber war, als sein Bischofsstab. Der sonst stark befestigte Ort mußte im 39jährigen Krieg mehre Belagerungen aushalten. Jenseits Buir beginnt wieder ein Durchschnitt, dann führt die Eisenbahn über einen Damm, wo man das Städtchen Düren bemerkt. Distelrath hat die älteste Pfarrkirche der Gegend, und 4 St. entfernt liegt Zülpich: lolgincum. Von Düreu pasfirt man noch einen Durchschnitt. Die Stadt, ölsrcolluium der Römer, hatte das feste Kastell Xrx Vipss- mim-, in der Nähe der jetzigen Annenkirche; es scheint ausgedehnt gewesen zu sein. Hier grub man öfters römische Alterthümer aus, auch erkennt man in verschiedenen Richtungen die Reste von Nömerstraßen. Unter Karl d. Gr. ward aus dem Kastell ein Jagdschloß. Zu Düren hielt man mehre Reichstage und Synoden. Bei 8999 Seelen hat es: 2 katholische Pfarr- und 3 Klosterkirchen, 3 evangel. Kirchen und 1 Synagoge; ein Gymnasium mit 11 Lehrern und 159 Schülern, ein Bergamt, Friedensgericht und 3 Nonnenklöster. Die Tuch- und Wollenzeug-Manufakturen, außerdem einige Fabriken find bekannt. Die Stadt hat große Gebäude und schöne Spaziergänge. Sie ist Geburtsort des Geschichtsforschers Fabricius, des Theologen Koutzen, der Professoren Esse, Fuß und I.<-jeune- Dereeclilei. Jenseits Düren krümmt sich die Eisenbahn stark und führt auf hoher Brücke, von 6 Bogen und 226 Fuß Länge, über die Ruhr. Von Düren hat man 2'/- St. nach dem Flecken Niedecken, in dessen Burg der Graf von Jülich den Erzbischof Engelbert II. eingekerkert hielt. Links einige Dörfer z. B. Gürzenich, bei welchem die Landstraße auf einer Brücke über die Bahn geht. Dann kommt man zu einem hohen Damm mit schöner Aussicht. Man sieht Mariaweiler mit Tuchfabriken. Links bei Lenders- dorf große Eisenwerke, die sich schon weithin durch ihr Tosen und Hämmern dem Wanderer ankündigen. Bei dem Dorfe Thorn, welches die Eisenbahn durchschneidet, sieht man zur Linken das Dorf Schlich und hinter ihm aus der Höhe die Ruine des ehemaligen Klosters Schwarzenbroich, welches nebst der dazu gehörigen Alaun- und Bitriolfabrik vor einigen Jahren abgebrannt ist. Weiterhin erblickt man Schloß und Dorf Mcrode, den Stammort der belgischen Grafen dieses Namens. Das alte, großartige Gebäude ziert die Gegend. Unsern eines kurzen Durchstichs liegt Jün- gerSdorf, dann gelangt man über einen Damm und eine Brücke über den Wchebach. Der Jungersdorfer Bach wird durch ein Eisenrohr von >5 Zoll Durchmesser unter der Bahn weggeführt und sprudelt jenseits mächtig hervor. Die Brücke hat 7 Bogen und 25 Fuß Höhe. Rechts liegt das große Dorf Langerwehe, mit Topfbäckereien, die weit versandte Arbeit liefern; es ist 4'/z St. von Aachen und 10'/, St. von Köln entlegen. Ein tiefer Erdeinschnitt führt nun durch einen vorspringenden Hügel mit kurzer Unterbrechung bis zu dem Wäldchen bei dem Dorfe Hüchcln. Von dem Damme, den man am Weisweiler Berge betritt, zeigt sich eine schöne Aussicht in die fruchtbare Gegend. Man sieht Heistern mit einer Nadel- favrik, Gressenich auf der Höhe mit Eisen-, Blei- und Kupfergruben, welche schon die Römer kannten, die sich hier niedergelassen. Werth ist der Geburtsort Johanns von Werth, der sich im 30jährigen Kriege als General auszeichnete. Auch weiterhin zeigen sich mehre Ortschaften. Zu Lamersvorf fand man einige römische Alterthümer und bei Palant einen Steinsarg mit menschlichen Gebeinen und einem Bronzegesäß, einer Flasche, einem Lämpche», einem Teller von Siegelerde und andere ähnliche Gegenstände. Die im 9. Jahrh, erbaute Burg Palant, ein stattliches Gebäude, ward 1825 abgebrochen. Von der Burg Nothbcrg ist noch der Mittelbau mit vier starken Thürmen vorbanden. Vom Orte gleichen Namens zieht die Bahn über einen hohen Damm »ach der Station bei Eschweiler. Dies Städtchen, an der von Düren nach Aachen gehenden Landstraße, ziemlich weit ausgedehnt und von der von Jülich nach Stolberg führenden Straße durchschnitten, hat gegen 4000 Einwohner und bedeutende Fabriken. Das alte Schloß der Ritter von Eschweiler gehört jetzt dem reichen Grubenbesitzer Englert, der es wieder aufbaute. Der Ort hat schöne Häuser, eine große katholische und eine neue evangelische Kirche. Ganz nahe bei dieser Station führt die Eisenbahn wieder durch einen 810 Fuß lange» Tunnel, welcher 24 Fuß breit uud 22 hoch, den Jchen- berg durchschneidet und darin einen Ellenbogen macht. Gleich dahinter erhebt sich ein hoher Dainm und eine nicht minder hohe Brücke wölbt sich über die Jnde. Die Aussicht auf die schönen Waldungen rechts und den Kohlenvezirk links ist so überraschend als angenehm. Bei dem Hause Pumpchen ist eine Eisenhütte und bei dem nahen Dorf Pumpe eine große Eisenfabrit, hart an der Bahn. Aus dem Hochwalde des nahen Berges ragen die mächtigen Schornsteine der Dampfmasch nen hervor, durch welche letzrern das Wasser, vermittelst einer Menge auf einander gesetzten Pumpe» aus einer Tiefe von >000 bis 1660 Fuß im Christinaschacht gehoben wirb. Die Station der Kambachcr Mühle, bei der sich das schöne Stol- berger Thal öffnet, ist noch zwei Stunden von Aachen entfernt. In diesem Thal reihen sich Mühlen und Fabriken dicht an einander, dazwischen Landhäuser der Fabrikherrn, Gärten und Wiesen in lieblichem Wechsel. Stolberg hat über 3000 Einw. mit 2 katholischen und 1 evangelischen Kirche, jede auf einem Hügel gelegen. Auf einem steilen Berge über der Stadt liegt das alte, noch bewohnte Schloß, welches eins der Jagdschlösscr Karls des Großen gewesen sein soll. Im Orte herrscht viel Gewerbtsätigkeit, besonders blühend sind Fabriken in Messing, Drath- und Walzmühlen; ihre wcirversandteu Erzeugnisse sollen in manchen Jahren 1,800,000 Thlr. einbringen. In den hiesigen Fettkohlengruben werden doppelte Dampfmaschinen gebraucht und das gewonnene Material auf schon seit mehren Jahren erbauten Eisendahnen fortgeschafft. Zu Stolberg befinden sich auch Potaschesiedereien, Gerbereien und nahe an Steinkohlen-, Galmei-, Blei-, Kupfererz- und Eisenstcingruben. Nach einem Durchstich zieht die Eisenbahn fast in grader Linie durch einen schönen Hochwald, worin die Seba-, stiauskapelle. Am Ende führt sie durch den 2280 Fuß (9 Minuten) langen Nirmer Tunnel, der 21 Fuß hoch und 22 breit ist. Jenseils zeigt sich ein hübsches Thal, llebersteigt man den Berg, so kommt man nach dem Dorf Korneli-Münster, mit einer alten Kirche, deren hochgehaltene Reliquie» gleich jenen im Dom zu Aachen nur alle 7 Jahre, vom I I.— 25. Juli, gezeigt werden. Die Gebäude der berühmten, 1815 gestifteten Benediktiner-Abtei sind jetzt Privateigenthum. Am Corneliustage, 10. September, kommen von alle» Seite» Pilger, um aus dem Becher zu trinken, dessen sich schon der Heilige bediente. Gleichzeitig wird ein 8 Tage langer Jahrmarkt gehalten. Der Ort hat mehre Fabriken, einen Eisenhammer, eine Eisen- und Bleihütte uud große Steinbrüche. In der Nähe liegt auf einem Hügel eine herrliche Einsiedelei, mit einer Mineralquelle. Von der Eisenbahn sieht man, nachdem man den Durchschnitt zwischen den Höfen Höls und Nötgen verlassen, zur Linken an der von Aachen nach Korneli- Münster führenden Straße, die Trümmer der Burg Schönforst. Auf der andern Seite Dorf Forst, wo nebe» der Kirche eine Linde von 8'/) Fuß Durchmesser steht. Aus der zum Dorfe Brand gehörigen Haide werden große Pferderennen gehalten. Bei dem Hause Rothe Erde zieht sich die Eisenbahn über einen Damm, von dem man das nahe Aachen und seine Umgegend sehr gut übersieht. An der romantischen Frankenburg vorüber führt die Bah» auf hohem Viadukt — 70 Fuß hoch, 20 breit und 892 lang — nach dein Bahnhof zwischen Aachen und Burtscheid. Das Städtchen Worringen kurunoum, liegt 3'/, St. unterhalb Köln am linken Rheinufer. Hier fand man mehrere römische Alterthümer. Von der im Mittelalter entstandenen Feste sind noch Mauern und Thürme vorhanden. In der bekannten Schlacht >288 wurde vom Grafen Adolph v. Berg der Bischof Siegfried von Westerburg gefangen. Nachmals kam Worringen zurück und ist jetzt unbedeutend. Eine Stunde davon liegt Dormagen, 1>», nomnvns, wo man ebenfalls viele Alterthümer aus der Römerzeit auffand. Das Städtchen Zons, ehemals 8o»ii»um, wurde im Mittelalter so stark befestigt, daß es noch im 17. Jahrhundert den Belagerungen der Franzosen und Hessen Widerstand zu leisten vermochte. Es lag einst dicht am Rhein, der aber seinen Lauf so änderte, daß es jetzt weit entfernt ist. Zwischen Worringen und Köln liegt das Dorf Rhcinkasscl gegenüber der Mündung des Wupperflnsses. Auch hier sollen römische Niederlassungen und Befestigungswcrke gestanden haben. Dasselbe gilt von dem, eine Stunde unterhalb Köln gelegenen Niel. Der wichtigste dieser Punkte scheint von jeher das, Köln gegenüber, am rechten Ufer des Stroms gelegene, Städtchen Dcutz, tlnsirum Ilivilensa, oder luiiiu», gewesen zu sein. Constanlin der Gr. ließ es im Anfang des 4. Jahrhunderts erbaue». Der Name wird von einem König Tuisko oder von den Deutschen überhaupt abgeleitet. Alle Spuren von Römer- bauten sind verschwunden, während man auf der Kölncrseite die Brückenpfeiler noch bemerken will. Im Mittelalter war es fest, doch ließ Erz- dischof Bruno schon im >0. Jahrhundert die Mauern abreißen, und mehrmals wieder gebaut und zerstört, wurden sie 1083 von den Oestrcichern geschleift. Zur französ. Zeit blieb Deutz offen, erst seit 1315 ward es stärker als jemals vorher befestigt, um Köln von dieser Seite her zu decken. Neuerdings zählt es gegen 5000 Einw., wobei an 1000 dem Militärstande angehören und 000 Zsraeliten find. Außer dem gewöhnlichen Festungspersonal steht ein Dragoncrregiment hier in Besatzung. In neuester Zeit hat Deutz einige Fabriken, unter welchen Bruckmanns Porzellanfabrik und Malerei an 200 Menschen beschäftigt. Im Nebrigen treibt die Einwohnerschaft Ackerbau, die Gewerbsthätigkeit ist im Steigen. Wenn man über die 500 Schritte lange Schiffbrücke von Köln nach Deutz gelangt, — es ist ein Lieblingsgang der Kölner — so bietet sich südwestlich ein neues hübsches Gestade mit der köstlichsten Ansicht von Köln. Das Städtchen wird von der breiten Freiheitsstraßc mitte» durchschnitten, welche unten einen Platz bildet und weiter oben sich in 3 Abtheilungen scheidet, deren mittlere mit Basaltabwehren umschlossen und mit Bäumen bepflanzt, als Spazicrgang dient; die beiden andern sind Fahrstraßen. Hier reiht sich Gasthaus an Gasthaus. An der Freiheitsstraße befindet sich auch das neue einstöckige Stadthaus und ganz oben die neue Dragonerkaserne, mit großer Reitbahn und Stallung für 700 Pferde. Der Bering der Festung umschließt viele Gärten und selbst ausgedehnte Felder. Die Siegburgerstraße ist lang, krumm und unbedeutend. Die ziemlich große Heribcrtskirche, 1001 gegründet, wurde mehrmals verändert, nur der untere Theil scheint noch im alten Zustande, denn man steigt vom Platze auf 5 Stufen in denselben hinab. Die gleichfalls vom Erzbiichofe Heribert gestiftete Benediktinerabtei und die Kirche St. Nrban sind eine Artilleriewerkstätte, zu deren Besuch man besonderer Erlaubniß bedarf. Am schönsten nimmt sich Köln aus den Sälen und von den Altanen des Gasthauses kelw-vue aus, auch der Garten ist gegen den Rhein gerichtet. Von Deutz gelangt man in 1 Stunde nach der Stadt Mühlheim; man kann mit der Post in Deutz ein- und aussteigen und braucht nicht St. Die Verbindung ist sehr lebhaft. Mühlheim mit mehr als 0000 Einw. ist sehr alt. Nach unverbürgter Sage soll sie Hauptort der Ubier gewesen sein, ehe diese nach dem linken Rheinufer übersiedelten. Wahrscheinlich ist dies von Siegburg anzunehmen. Als im 10. Jahrhundert eine große Anzahl von Kölner Bürgern wegen Verschiedenheit der religiösen Confession sich hier niederlasse» mußten, war es noch Dorf; es hob sich aber durch den Fleiß seiner Bürger und erhielt 1587 Stadtrccht. Regelmäßig gebaut hat es breite, gerade Straßen und schöne Gärten. Handel und Fabriken blühen immer mehr auf; der Strunverbach, der sich oberhalb der Stadt in den Rhein ergießt, treibt die Mnhlwerke mehrer Färb-, Lcl- und Papiermühlen. Bei rein Eisgang 1784 litt diese Stadt außerordentlich: 101 Häuser wurden von Grund aus zerstört, 21 Menschen verloren ihr Lebe» und an 1800 wenigstens Obdach und Unterhalt. Drei Viertelstunden unterhalb Mühlheim bemerkt man nahe am Rhein das Dorf Stamm heim, oder Stammet, mir einem schönen Schloß des Grasen v. Fürstenberg, welcher die nahe am Fluß gelegene neue Kirche im altdeutschen Styl bauen ließ; äußerst gefällig beurkundet sie seinen Geschmack. Großartiger ist die 2 St. weiter unten liegende Kirche der ehemaligen Cisterzienserabtei Altenburg, welche Eberhard Graf v. Al- tcna und Berg 1133 gestiftet. Sie diente diesen Vorfahren des preuß. Ne- gentenhauscs zur Grabstätte. Die Kirche, zu welcher 1255 der Grundstein gelegt ward, ist i» kleinem Maasstabe Nachahmung des Kölner Doms, hat aber im Innern nur 2 Säulenreihen. Die Klostergebäude sind eine Berlinerblau-Fabrik. Hier kam 1815 Feuer aus, wodurch der Dachstuhl der schönen Kirche verbrannte, allein sie ward 1817 wieder völlig hergestellt und dem Dorfe Altenberg zum Gottesdienst angewiesen. In östlicher Richtung liegt, 3 St. von Köln, das königliche Schloß Bens- berg. Weithin sichtbar gewährt es eine herrliche Aussicht in die Ebene, aus deren Mittelpunkt Köln sich erhebt. Der Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz baute 1710 und in folgenden Jahren dies Schloß im italienischen Geschmack! das Hauptgebäude hat zwei große Flügel, die Säle zeichnen sich durch schöne Stuckaturarbeit aus. Ehemals zeigte man hier außerordentlich schöne Gemälde von Bellucci, Pelegrini. Werninr u. a. Die des Letztern rühmte besonders Göthe. Alle sind seit 1800 der Gallerte zu München einverleibt. Das alte, im Anfang des 13. Jahrh, erbaute Schloß bewohnt ein Rentmeister; in dem neuen ist eine königl. Cadetienschule. Vom Belvedere der Kuppel erblickt man im Umkreis von 18—20 Meilen eine der mannichfaltigsten, blühendsten, angebautesten und städtereichsten Landschafte» Europa's, durch deren Mitte der Rhein majestätisch dahinfließt. In dem am Fuße des Berges gelegenen Dorf Bens- berg ist die naturgeschichtliche Sammlung des D>. Halsbach sehenswerth. In der Nähe des im Kvnigsforst gelegenen Dorfes Lauscheide jLausheidc) wird der meiste Kalk gebrannt, welchen man in Köln und der Umgegend verbraucht. Der zu diesem Zweck verwendete Kalkstein ist dem Naturforscher wichtig durch seine Menge der verschiedenartigsten Versteinerungen, von denen, außer einigen Privaten das Bonner Museum einen sehr großen Reichthum besitzt. Endlich liegt südöstlich von Köln — 5'/- St. entfernt — das Städtchen Siegburg mit seiner zu einer großartigen Irrenanstalt eingerichteten ehemaligen Abtei, deren wir schon bei Bonn erwähnten und die sehr häufig von Reisenden in Augenschein genommen wird. — Von Köln aus gehen 6 Landstraßen erster Classe und mehre Nebenwege. l) Hauptstraße »ach Bonn, 3'/, M. oder 5"/, St. lang. 2) Hauptstraße nach Trier, >3'/- M. oder 22'/, St. 3l Hauptstraße nach Zülpich, 4'/, M. oder 8 St. 4j Hauptstraße nach Aachen, l l M. oder 18'/« St. 5s Hauptstraße nach der Festung Jülich, t> M. oder lO St. von Köln, ti) Hauptstraße nach Düsseldorf, 3 M. oder 8'/« Stunden. — Auch von Deutz gehen Hauptstraßen und Nebenwege. — Außer den PostVerbindungen bieten sich dem Reisenden zu Köln noch sehr verschiedene andere Fahrgelegenheiten; so gehen täglich nach Bergheim, Zons und Worringen, sowie nach Neus und Grcvcnbroich die Omnibus und mitunter einigemal des Tages ab. Die Lohnkuticher nach Mülheim, Siegburg u. s. w. sind noch immer sehr beschäftigt, obgleich die beiden Eisenbahnen Manches beseitigt haben. Die Preise des Stadtfuhrwerks mit Droschken, Eisenbahnwagen und Omnibus sind festgestellt. Eine ein- zele Fahrt in der Stadt zahlt, je nach der Entfernung, für '/« oder Stunde; Kinder, in Begleitung von Erwachsenen, gehe» frei aus. Bei Fahrten nach der Zeit muß der Kutscher dem Fahrenden die Uhr vorzeigen. Neber die Nheinbrückc bleibt derselbe Preis, nur muß hin und zurück der Brückenzoll vergütet werden. Zur Nachtzeit ist jeder Kutscher verpflichtet, die Laternen anzuzünden. In Köln erscheinen unter andern folgende Zeitungen und Zeitschriften: Kölnische Zeitung, redigirt von Dr. Andree! sie kommt täglich in groß Folio — mit Feuilleton und Beilagen 2 bis 2'/z Bogen stark — bei Joseph Du Mont-Schauberg heraus und kostet im Abonnement vierteljährlich > Thlr >5 Sgr. Sie hat einen großen Kreis von Lesern besonders i» den Rheinlanden und ein ausgewähltes Beiblatt, welches Novellen, Reiseberichte, Kritiken und aus dem Gebiete der schönen Künste und der Tagesliteratur leitende Artikel von sehr verschiedenem Werthe enthält; die beliebtesten der jünger» Schriftsteller und Dichter, z. B. Gutzkow, Datier, Mügge, Püttmann, Schücking, Stahr u. a. nehmen an diesem Blatte Theil und haben mitunter ihre gelungensten kleineren Aufsätze an dasselbe eingesandt. Die lyrischen Dichtungen Freiligraths sind in den letzten Jahren zum Theil in dieser Zeitung zuerst abgedruckt worden. — In demselben Verlag erscheint wöchentlich einmal das Kölner Domblatt, '/, bis l Quartbogen stark, welches den Abonnenten der Kölner Zeitung unentgeltlich geliefert wird. — DaS Amtsblatt der königl. Regierung und der Kölner Anzeiger, nebst dem Kölner Frcmdcnblatt. — Allgemeines Organ für Handel und Gewerbe, nebst wöchentlichem Beiblatt für das Transportwesen. Der Preis ist halbjährlich in Köln 3 Thlr.. durch die Post im ganze» preuß. Staat, 3 Thlr. 12 Sgr. Im Buchhandel durch L. Kohnen jährlich 6 Thlr. 20 Sgr. Unter den Zeitschriften ist die für Philosophie u. kathol. Theologie, welche von den im Hermesianischen Streit genannten Professoren Achterfeld und Braun redigtrt wird, ferner das Archiv für Civil- und Criminalrechl in der Rheinprovinz, bei Peter Schmitz erscheinend, zu nennen — Der Rheinische Beobachter, eine Zeitung von Prof. Dr. Bercht redigirt, Erpedition St. Agatha, Nr. 12 kommt mit ihren» Beiblatt täglich heraus und hat bereits unter den deutschen Blättern eine ehrenvolle Stelle eingenommen. DaS neuerdings gegründete „Allgemeine Volksblatt" soll communisti- schen Ansichten huldigen und in seinen meist gut geschriebenen Aufsätzen die wunden Flecke» der bestehenden Gesellschaft angreisen. Ueber Topographie, Geschichte und Merkwürdigkeiten der Stadt und ihres Doms werde» einige litcrarische Nachweisungen genügen: 1) Malten's Handbuch für Rheinreiscnde auf der Strecke zwischen Mainz und Köln. Darmstadt und Wiesbaden. (Verlag von G. G. Lange) 1844. Ist sehr ausführlich und gibt in jedem Betracht die zuverlässigsten Nachrichten und Nachweise. Vorliegende Beschreibung ist meistens ein Auszug aus Mallen's verdienstlichem Werke, da wir nicbts BegerS geben zu können glaubten; nur hier und da sind nöthige Zusätze und Erweiterungen beigefügt. Malten folgt zum Theil einem ältern Geleitsmann: 2» Köln und Bonn init ihren Umgebungen, für Freindc und Einheimische. Aus den beste» und vorzüglich aus noch unbenutzten Quellen bearbeitet. Köln 1828 (Verlag von I. P. Bachem). Der Verfasser hat sich nicht genannt, ist aber zumal in histor. Angaben genau und ausführlich und bringt Manches bei, was Mallen für überflussig erachtete. Da sich indesten Köln, wie schon bemerkt, mehr als irgend eine andere Nheinstadt in den letzte» 20 Jahren veränderte, so macht diese Schrift keineswegs die Neuern entbehrlich. Ein Grundriß von Köln ist beigegeben und darin auch der Umfang der alten Römerstadt bezirkt. — Unter andern ältern Werken sind die wichtigsten Quellen und fast allgemein bekannt: BoisscrocS Geschichte und Beschreibung des Doms zu Köln nebst Untersuchungen über die alte Kirchenbaukunst; dann: WallrafS Beiträge zur Geschichte der Stadt Köln und ihrer Umgebungen; ferner NoelS historisch-archäologische Beschreibung des Doms zu Köln; sowie Brewers vaterländische Chronik der königl. preuß. Rheinprovinzen im Allgemeinen und der Siadt Köln insbesondeie. Es genügt, diese nur anzuführen. Um über den Dom und seine Geschichte sich zu belehren, empfehlen wir: I) Bemerkungen über die aufgefundene Originalzeichnung des Domes zu Köln von G. Moller. Nebst 9 Kupfertafeln i» groß Folio. Darinstadt 1818. Der Verfasser theilt nicht allein die von uns beuütztc Nachricht über die Aufsindung des Originalrisses mit, sondern er spricht sich auch mit gediegenster Sachkenntniß über die Composition dieses Aufrisses des Doms aus, und erläutert zum Schlüsse die Fragen: Kann der Dom ausgeführt werden L Hier sagt Möller z. B. sehr treffend in Bezug auf die Kosten: „Die Kosten des Baues lassen sich mit Bestimmtheit unmöglich berechnen. Man darf sich nicht verhehlen, daß sie sehr bedeutend sein werden, aber sobald ein längerer Friede die Wunden der Völker geheilt hat, kann der Staat an Unternehmungen der Art denken, um so mehr, wenn dieselben, wie hier der Fall ist, dem Geiste des Volks angemessen sind und unmittelbar auf dasselbe wohlthätig wirken. Das sicherste Mittel sie zu bestreiten, ist den Aufwand auf eine gewisse Reihe von Jahren zu vertheilen. Würde z. B. eine halbe Million Gulden jährlich dazu bestimmt, so dürfte diese Summe hinreichend sei», um die Arbeit so weit zu fördern, daß nach einigen Jahren der Zeitpunkt der Vollendung, sowie der ganze Aufwand nicht schwer zu bestimmen wäre." — 2) Geschichte des Domes zu Köln für gebildete Freunde der Kirche, des Vaterlandes und der Kunst mitgetheilt von E. H. Pfeilschmidt, Halle 1842. Diese mit vieler Wärme und nach tüchtigen Studien geschriebene Geschichte beginnt mit der Veranlassung und Vorbereitung des Dombaues und schließt mit einer ganz ausführlichen Schilderung der Festlichkeiten bet der Grundsteinlegung durch den König von Preußen, am 4. September >842, die Rede des Königs, bei der Feier abgesungene Verse u. s. w. findet man hier mitgetheilt. Ein beigefügter Stahlstich zeigt die Ansicht des Doms in seiner Vollendung, von der Abendseite betrachtet. — In ganz anberer Hinsicht hat den Meisterbau des Doms angesehen. 3) Der Kolner Dom als freie deutsche Kirche. Gedanken über Nationalität, Kunst und Religion beim Wiederbeginn des Baues, von M. Carriere. Stuttgart 1843. Der Verfasser schlägt vor, „den Kölner Dom zu unserer Westminsterabtei zu machen, und allen großen Männern des Vaterlandes, den Helden der Schlacht, wie den Meistern des Lieds oder den Weisen, dort ihre Bilder zu errichten" — Schließlich ist ei» Album zu ewähnen, das durch den Eifer für den Ausbau des Doms hervorgerufen wurde. A. Lcwald bot i» Verbindung mit den Besitzern des artistischen Instituts zu Carlsruhe den deutschen Dichtern, Schriftstellern, Coinpoiiisten und zeichnenden Künstlern in seinem 1843 unter dem Titel: Domba ustein c erschienenen Taschenbuche eine beständige Gelegenheit, durch freiwillige Beiträge den Bau fördern zu helfen. Alle dazu Beisteuernden, sowohl Dichter als Zeichner verzichteten auf jedes Honorar; Hanfstängl in Dresden spendete eine Lithographie ebenfalls unentgeltlich und die Verlagshandlung rechnete für Kapitalauslage und die Mühe des Vertriebs nichts an. Die Beiträge von Duller, Carriere, Gräfin Hahn- Hahn, Hackländer, Leutner, Lewald und mehren Andern bezogen sich nicht gerade auf die Idee, welche das Taschenbuch anregte. Von der Theilnahme des Publikums und von einer Forisetzung des Unternehmens hat bis jetzt nichts verlautet. . Wer Vom zu M ö l n. Heilige Schauer durchleben, Bewundcrungs-Schaucr, die Brust mir. Seh' ich Colonia's Dom, dich, erhabenstes Ricscnzcbäude! Ob der begeisterte Blick zum hundertsten Mal auch zurückkehrt. Neues gewahret er stets! Mit Tausenden künstlicher Arme Strebst du zum Himmel hinan, ziehst Irdisches mächtig empor- Wer doch zählet mir dort die zahllos ragenden Thürmlcin, Zierlich geformct? wer zählet deine Gebilde mir alle? Was! o Wunder! crspricßen von selbst zur Pflanze die Felsen? Blühen aus hartem Gestein die zierlichsten Blüthen und Blumen? Wie! und der Spitzen Gewcb', aus zierlichen Fäden der Seide Sonst mühsam auf Kissen gewirkt, sie wirkte die Kunst in Granitfcls? — Also durchwallct mir Staunen und Wonne mächtig die Seele, Schau ich Colonia's Dom, dich, edelsten Tempel der Gottheit! (^in Werk, das, obgleich unvollendet, die deutsche Baukunst in ihrer reichsten, prachtvollsten Entwickelung zeigt, ist der Dom ?u Köln, zu allen Zeiten ein angestauntes Wunderwerk der Baukunst, und deßhalb auch vor allen der Ehre würdig, in dieser glänzenden Reihe der herrlichsten deutschen Baudenkmäler gleichsam die Krone zu bilden. Schon in früher Zeit erhielt das alte, ehrwürdige Köln einen Dom — St. Peters - Munster —, welcher mit Genehmigung Karls des Großen von dem Erzbischof Hildebold 816 — 817 angelegt und von seinem Nachfolger Willibert im Jahr 873 vollendet und eingeweiht wurde. Einen Theil desselben brannten die Normannen nieder, welche in den Jahren 851 bis 882 von dem Meere her das Land überschwemmten, ein anderer Theil wurde 1680 in Asche gelegt, und im Jahr 12-18 brannte die Kirche vollends ab. Ungeachtet dieser ungünstigen Schicksale stand der Dom zu Köln bereits damals in hohem Ansehen, welches er besonders dem Besitz des kostbaren Sarkophags der heiligen drei Könige aus dem Morgenlande verdankte, den Kaiser Friedrich 1. bei der Eroberung von Mailand 1162 dieser Stadt genommen und dem um ihn vielverdienten Erzbischof Rcinald von Köln geschenkt hatte. Seitdem zog dieses Heiligthum viele Frommen, und darunter Fürsten und Grafen, herbei, welche den Dom auf das reichlichste beschenkten. Die auf solche Weise angehäuften beträchtlichen Schätze glaubte schon Erzbischof Engelbert nicht besser anwenden zu können, als zu der Errichtung eines neuen Domgebäudes, dessen Größe und Pracht der Würde und Heiligkeit eines Denkmals vollkommen entsprechend wäre. Wirklich forderte er auch seine Geistlichkeit zu dem Baue auf; er selbst versprach, sogleich 560 Mark Silbers zum Anfang des Werks und bis zu dessen Vollendung jährlich dieselbe Summe zu geben. Aber, da er schon im Jahr 1225 eines gewaltsamen Todes starb, blieb daö große Unternehmen bis zum Jahr 1218 ausgesetzt, wo eine Feuersbrunst, wie schon bemerkt, die alte Domkirche einäscherte. Jetzt faßte der damalige Erzbischof Conrad, Graf von Hochstedcn, ein Mann von hochstrcbendem Geiste und dem größten Einfluße in Deutschland, den Riesenplan, ein Domgc- bäude zu errichten, welches alle zu seiner Zeit bestehenden Kirchen an Größe und Pracht weit übertreffen sollte; denn es sollte im Ganzen 500 Fuß lang, im Schiff und Ehor 180, im Kreuz 290 Fuß breit werden, und der Dachfirst sich über 200 Fuß, die Thürme aber, jeder auf einem Grunde von 100 Fuß Breite, sich über 500 Fuß erheben. Schon am 14. August 1248 wurde, der gewöhnlichen Annabme gemäß, der Grundstein zu diesem erhabensten Denkmal germanischer Baukunst gelegt. Am Schlüsse der Feierlichkeit wurde ein Brief des Papstes verkündigt, des Inhalts, daß allen, welche mit wahrer Reue ihre Sünden bekennen, zu dem kostbaren Baue beisteuern und hülfrciche Hand leisten würden, ein Jahr und vierzig Tage Kirchenbuße erlassen sein sollte, Solche Aufforderung mußte die günstigste Wirkung hervorbringen. Von allen Seiten kamen Geschenke, den schon längst zu diesem Zwecke gesammelten Schatz zu vermehren. Viel gab auch ohne Zweifel der sehr reiche Erzbischof aus seinen eignen Mitteln her. Ebenso erlaubte König Heinrich III. von England in einem offenen Briefe den Boten des kölnischen Dombaues, in seinem ganzen Lande Beiträge zu sammeln. Nicht minder förderlich war endlich dem außerordentlichen Unternehmen der große Reichthum der Stadt Köln. Unter diesen Umständen konnte es nicht an Mitteln zur Förderung des großen Bauwerks fehlen. Auch schritten die Arbeiten in den ersten Jahren ohne Zweifel rasch voran; und, so viel wir aus den wenigen urkundlichen Nachrichten darüber vermuthen dürfen, mag wol in den ersten neun Jahren nicht nur die Grundfeste, sondern auch ein großer Theil des untern Geschosses vollendet worden sein. Als Urheber des ebenso er- habenen als kunstreich gedachten Entwurfs gilt wol am wahrscheinlichsten Meister Gerhard, der Steinmetz; wenigstens leitete er, sicheren Nachrichten nach, das ganze Werk. In den nachherigen'unheilvollen Zeiten verloren sich die Anfangs so glänzenden Aussichten für den Dombau. Ein solches Werk hätte anhaltenden Friedens und der ganzen Fürsorge wohlwollender Fürsten bedurft. Allein der Erzbischof Conrad gerieth in einen so heftigen Streit mit der Stadt, daß der Dombau, wenn auch nicht völlig unterbrochen, doch fühlbar gehemmt wurde. Dasselbe Schicksal erlitt er unter seinem nächsten Nachfolger, bis endlich der dritte, Erzbischof Wichbold von Holte, sich wieder in den Stand gesetzt sah, das erhabene Werk weiter zu führen. Geistliche beredte Männer wurden mit offenen Briefen wieder als Sammler ausgesendet, und ein eigener, zur Förderung des Werkes von Männern und Frauen gebildeter, Verein, die Brüderschaft des heil. Petrus genannt, machte sich zu jährlichen Beiträgen anheischig. Auch führten die, nach dem Tode Rudolphs von Habsburg häufig auf einander folgenden, Kaiserkrönungen wieder viele Fürsten nach Köln, die reichliche Beisteuer gaben. So wurde denn endlich der Bau so weit gebracht, daß unter dem Erzbischof Heinrich von Virneburg 1322 der Chor eingeweiht werden konnte. Von nun an schritt man mit stets lebhafterer Thätigkeit zur Fortsetzung des Baues; und begünstigte auf alle Weise die Sammler des Werkes und die zu Beiträgen verbundene Brüderschaft des heil. Petrus. Unter diesen Umständen scheinen die Fortschritte so rasch vorgerückt zu sein, daß man die Säulen des Kreuzes bis zu den Capitälcn der Nebengänge aufführte und die Thüre zu den nördlichen Kreuzflügel anlegte; welcher Raum dann, einstweilen mit einem Dach bedeckt, zu einer Vorhalle mag gedient haben. Auch arbeitete man an dem Schiff und vorzüglich an der Aufführung eines der beiden Hauptthürme. Die Thätigkeit der Banleute wurde jedoch bald wieder gelähmt. Die bei dem Sammeln der Beiträge Angerissenen Mißbräuche schreckten Viele von ferneren Schenkungen ab. Auch erneuerten sich von Zeit zu Zeit die Streitigkeiten zwischen dem Erzbischof der Stadt und den benachbarten Fürsten. Ja, Theodorich von Mörs, welcher der Kirche 48 Jahre lang (von 14>4 — 1463) vorstand, führte so viele und so erschöpfende Kriege, daß bei seinem Tode das Domcapitcl sich mit den Ständen vereinigte, von nun an jedem zu erwählenden Erzbischof einen Eid abzunehmen, daß er ohne ihre Einwilligung weder Krieg führen, noch Güter der Kirche veräußern und verpfänden, noch Abgaben ausschreiben wolle. Indessen war zur Zeit Theodorichs von Mörs der Bau des südlichen Thurmes bis zum dritten Geschosse vorgerückt, so daß in dem Jahr 1437 und 1438 die Glocken, wovon die großen neu gegossen wurden, aus dem neben dem Chor stehenden alten hölzernen Thurm in diesen neuen versetzt werden konnten. Der Krähn, mit dem man die Bausteine hinaufzog, wurde nun nach Art der Krahnc, die man zum Ausladen der Waaren an Flüssen errichtet, mit einem Dache versehen, und diente zugleich den Glocken zur Deckung. Seitdem wurde wol nur wenig mehr an den südlichen Thurm und an dem Schiffe weiter gebaut, der nördliche Thurm aber blieb bei seiner ersten, nur etwa 27 Fuß hohen, Anlage. Nachdem nun noch im 16. Jahrhundert das Schiff bis zur Capitälhöhe der Nebengänge vollendet, die nördliche Nebenhalle gewölbt und der sich mit diesftt verbindende Theil des nördlichen Thurmes so weit gebaut worden war, als es zu diesem Zwecke nothwendig waV, so wurde der Bau gänzlich eingestellt, und somit der Riesenplan des Ganzen nicht einmal zur Hälfte ausgeführt. Ja, man versäumte es sogar, dem allmähligen Verfall des Bestehenden, wozu der beim Bau angewandte, mit Feldspath häufig durchwebte, Drachenfelser Trachyt das meiste beitrug, durch zeitige Reparaturen vorzubeugen; und schon hatte über fünf Jahrhunderte lang die Verwitterung an den unzähligen Knäufen, Thürmchen, Geländern, Wasserrinnen, Standbildern und den diese umschließenden Schutz- gehäuscn genagt und durch die abgelös'tcn Bruchstücke den Dächern und Gewölben beträchtlichen Schaden zugefügt, als endlich durch die gnädigste Unterstützung des gegenwärtigen Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm III., die baufällig gewordenen Theile des Chors, auf der südlichen Seite, sowie der Dachstuhl wieder gänzlich hergestellt wurde, wobei sich besonders die jüngsten unter der Leitung des königlichen Bauiu- spectors Zwirner vorgenommenen Reparaturen durch gewissenhafte Nachahmungen der alten Modelle vor den frühern vortheilhaft auszeichnen. Möchten es, wcun erst die noch sonst nöthigen vielen und kostspieligen Reparaturen sämmtlich vorgenommen sind, die bis dahin gesammelten Geldmittel verstatten, wenigstens den theilweisen Ausbau vorzunehmen, wodurch der Chor mit den vordem unvollendeten Kirchenräumen in eine harmonische Verbindung träte; denn die Vollendung beider Thürme bis zu fünf Geschossen, sowie die Ausführung der Kirchenschiffe mit ihren künstlichen Wölbungen, Fenstern und Portalen nach dein ursprünglichen Plane möchte wol bei der dafür aufzuwendenden außerordentlichen Summe von 5 Millionen Thalern für alle Zeiten ein frommer Wunsch bleiben. Aber auch in seiner Unvollcndung ist uns der Dom zu Köln ein erhabenes Symbol der ins Unendliche und Unerreichbare hinanstrebenden christlich-religiösen Begeisterung. Um sich davon zu überzeugen, werfe man zunächst nur einen Blick in die große weite Halle des Domgebäudes, die von 64 freistehenden Riesensäulen getragen und auf den Seiten von einer Menge Pilastern gestützt wird. Die vier mittlern Hauptstützen haben jede 3V Fuß im Umkreise, und jede besteht aus 16 Säulen und Säulchen; jede der 24 Säulen des innern Schiffes 1>at 20 Fuß im Umfang, und besteht aus 12 kleinern Säulen, sowie jede der 36 Säulen im äußern Schiffe aus 8. Denke man hierzu nun noch die Säulen an den Pilastern und alle diese Seiten und Linien, die in mehrere taufende laufen, im vollendetsten Paral- lclismus, durch Schlag-, Nundschatten und Licht erleuchtet und gehoben! Welchen hohen Genuß, welchen ernsten Eindruck bewirkt dieser vollendete Gleichlauf, diese strenge Einheit in der Gesammtheit! Aber noch höher steigt unsere andächtige Bewunderung, unser heiliges Staunen, wenn wir in den prächtigen Chor treten, dessen kühne, 150 Fuß hohe Wölbung sich in vollendeter Herrlichkeit darstellt. Besonders günstig, um einen vollständigen Ueberblick davon zu gewinnen, ist der dem Hochaltar zugewandte Standpunkt unweit der Glasthüre unter der Orgel. Die himmelan strebenden Bogen, auf ihre rohrartigen schlanken Säulen gestützt, die unzähligen Abwechselungen an den Säu- lenknäufcn, die 66 Fuß hoch um den Chor herumlaufende Gal- lerie, die an die Säulenstämme sich lehnenden Apostelbilder mit ihren goldenen Prachtgewändern, ihre eben so reich verzierten und gemalten Consolen und Thurmbedachungen mit musicirenden Engeln, die herrlichen Glasgemälde mit ihren tausendfältigen Kaleidoskop-Figuren, die kolossalen Abbildungen der alttcstamentarischen Könige, die am Fußende angebrachten Wappen der Fürsten, Grafen und Herren, welche sich an der Anfertigung der Gläser betheiligten, das magische Licht, welches dieser von allen Seiten den Sonnenstrahlen zugänglichen Welt von unbeschreiblichen Verhältnissen, Formen und Farben den höchsten Zauber verleiht, — Alles das bildet ein majestätisches Ganze, fähig, die Seele in tiefstes Staunen zu versenken. Kommen nun endlich die so mächtig und hinreißend ergreifenden Tone der herrlichen Orgel dazu, so wandelt selbst den kälteren Beschauer ein unwiderstehlicher Drang stiller Erbauung an; man findet sich gleichsam auf einen überirdischen Standpunct versetzt, und unwillkürlich mabnt das Vorhandene an eine höhere Idealwelt. Nur eine Störung ergreift bei diesen Gefühlen schmerzhaft den Ortskundigen: es ist die Lücke des an der Nord- oder Evangeliums-Seite des Altars ehemals vorhandenen Tabernakel-Gehäuses. Dort nämlich, wo nun der Erzbischof seinen Sitz hat, erhob sich einst vom Boden bis fast in die Spitze des Bogens als Monstranz-Behälter eine auf das kunstreichste von Stein geformte Kegelgruppc aus vielfach über einander gethürmten Heiligenblenden, Säulchen, Bogen, Thürmchen, Laubknäufen und Vegetabilien. Dieses weltkundige Meisterwerk der architektonischen Sculptur, das Höchste, was der Meisel in dieser Art jemals hervorgebracht haben mag, mußte i. I. 1766, in einer Zeit, wo man, den Rath und die Abmahnung der Kunstverständigen verachtend, das Unnachahmliche der Tagcsmode opferte, unter den Hammerschlägen der Rohheit sein Haupt neigen; die herabgeschlagenen Bruchstücke wurden als Schutt in den Rhein gefahren, gleichsam als hätte mit den letzten Spuren des Meisterwerks auch die Schande seiner Zerstörer getilgt werden sollen. Die rechts und links im Cbore sich gegenüber stehenden Grabmäler, aus schwarzem Marmor und Alabaster gefertigt, gehören, wie ihre Inschriften besagen, den beiden kölnischen Erzbischöfcn und Kurfürsten aus dem gräflichen Hause Scha- wenburg an. Das südliche oder rechts stehende gilt dem Kurfürsten Adolph, erwählt am 81. Jan. 1517, gestorben am 20. Sept. 1556. Das nördliche gehört dem Kurfürsten Anton von Scha- wenburg, erwählt i. I. 1556, gestorben am 18. Juni 1558. Diese Denkmäler, welche der i. I. 1558 erwählte und 156S zu Brüssel verstorbene Johann Gebhard I. von Mans- feld, gleichfalls Erzbischof und Kurfürst von Köln, seinen beiden Verwandten als Nachfolger i. I. 1561 errichtete, sind in dem nicht ganz ungefälligen, so genannten Cinque-Centisten- Stile geformt, den die Franzosen mit der Benennung: Stil der Wiedergeburt, bezeichnen. Die zu beiden Seiten neben diesen Monumenten Hangenden Tapezicreien enthalten vier alttestamentarische Scenen und vier kirchlich-sinnbildliche Darstellungen in kolossalem Maaßstabe. Auf den an den beiden äußersten Enden befindlichen nämlich sind oben links: Der Prophet Elias mit dem ibm Nahrung spendenden Engel, oben rechts: Der Mannaregen in der Wüste, unten links: Ein israelitisches Schlachtopfer, Unten rechts: Der Hohepriester Melchisedech mit den Schaubroden, vorgestellt; die vier mittleren erklären sich durch die darauf vorhandenen Inschriften: links: ^mor äivinus, und Lvclesiae triumplrus. rechts: Hoo ost eorpus, und kllles eatboliea. Diese Tapeten rühren aus der von einem gewissen Gobelin i. I. 1170 in Paris angelegten Kunstfärberei her, welche Ludwig XIV. i. I. 1617 zur königlichen Tapeten-Manufactur ausdehnte und unter die Leitung seines Hofmalers Carl Le Brün stellte, woher diese Gattung von Tapeten Gobelin-, richtiger aber nach der Art ihrer Ausführung entweder Basse- odcr Hauptelisse-Tapeten heißt. Die in Rede stehenden acht Ercmplare wurden i. I. 1687 von dem Cardinal und Fürstbischöfe von Straßburg, Herrn Egon von Fürstenberg, als Concurrenten des zur erzbischöflichen Würde gelangten Baicr- fürsten Joseph Clemens dem Dome verehrt; sie gehören einer viel früheren Epoche der nun zur höchsten Vollkommenheit ge- diehenen Manufactur an und haben in Bezug auf die Musterbilder von P. P. Rubens, welchen sie nachgebildet sind, einen erhöhten Werth. Leider hat ihr Farbenglanz durch die Zeit bedeutend eingebüßt, woran die ungehinderte Einwirkung der Mittagssonne ihren Theil haben mag. Nebenbei verdient hier bemerkt zu werden, daß sich hinter diesen Tapeten noch alte Wandgemälde in Tempera-Farben vorfinden. Angenommen, daß bei der Einweihung des Chors die Chorwände nicht ungeschmückt geblieben sein dürften, kann man beim Anblick dieser Wandgemälde der Versuchung nicht wol entgehen, deren Verfertigung in den Anfang des vierzehnten Jahrhunderts zn setzen. Sollte einst dem herrlichen Domchor auch seine alte Einfassung wieder werden, so würde durch die Unterbringung der ihm etwas fremdartigen Wand- bedcckung an einer andern schicklichen Stelle sein eigenthümlicher Charakter nur gewinnen. In dem untern Theile des Chors erwähnen wir noch den beim Eingänge liegenden Leichenstein des am 15. Sept. 1Z72 verstorbenen Erzbischofs Wilhelm von Gennep. Nicht das Capitel, sondern ausnahmsweise der Papst Clemens VI. erhob ihn zu dieser Würde und weihte ihn i. I. 1349 selbst. Ihm verdankt der Chor den setzt noch stehenden, 1356 errichteten, Altartisch. Ferner verdient noch die an der gedoppelten Reihe von Chorstühlen befindliche Schnitzarbeit die Aufmerksamkeit des Beschauers. Der daran wahrnehmbare Aufwand von Menschen, Thieren, Phantasiegebilden und Laubgewinden dient zum Beweise, in welchem Grade man auf die Ausschmückung selbst untergeordneter Theile dieser Kirche bedacht war — und welche Fülle von längst verschwundenen Kunstgegenständen jeder Art Chor und Kirche vor fünf Jahrhunderten noch mehr verherrlicht haben mag. Ehe wir nun aus dem untern Theile des Chors zu dessen höher gelegenem Theile schreiten, möchten wir dem Besucher des Domes einen Sitz in dem südlichen Theile des Chorge- stühls anweisen, um ihn in Stand zu setzen, den Blick desto bequemer noch einmal nach dem Gewölbe zu erheben: ein neues Staunen wird sich hier des Fühlenden bemeistern. Dieses Zeltdach, von dünnen Rohrstäben gleichsam getragen, läßt uns fast wähnen, es stsige noch immer sich hebend aus dem Boden hervor, und es läßt sich nicht läugnen, daß in dem lanbenartigen Geflechte der Gewölbrippen eine wunderbare Magie liegt. Und nun diese Glasteppiche, welche in feierlichem Ernst, dem Auge alles Irdische entrückend, was außer dem Raume des Tempels liegt, den Gläubigen auf sich und sein Gebet beschränken, und dennoch seine Sinne durch jenen Farbenhim- mcl geistig entschädigen: wen ergreift nicht ihr Zauber? — Um viel wirksamer wird aber diese Farbenpracht sich aussprechen, wenn die sämmtlichen Chorfenster von ihrer fünfhnndert- jährigen Verkalkungs-Kruste befreit sein werden, wie man jetzt schon die Reinigung an sechs derselben auffallend wahrnimmt. Daß man übrigens schon bei der Einweihung des Chors, i. I. 1322 nämlich, die planmäßige Ausbauung des Domes nicht zu den nächsten Erwartungen gezählt haben mag, scheint aus der einstweiligen Giebelmauer und den wohl nicht viel später darauf gemalten kolossalen Wandgemälden hervorzugehen, welche wir über der Orgel erblicken. Sie stellen in der Charakteristik jener Zeit den Heiland, in einem Thronsessel sitzend, dann die beiden hh. Apostelfürsten Petrus und Paulus, über 26 Fuß messend, dar. Dem Kasten der sehr vortrefflichen, übrigens nicht ganz vollständigen, Orgel wird der Stilkundige bald abmerken, daß derselbe nicht dem Zeitalter augehört, in welchem der Chor geschaffen wurde; denn Form und Anstrich zeugen auffallend von jüngern Epochen, deren eine durch die im Schnitzwerk angebrachte Jahreszahl, 1572, bestätigt wird. Störender aber noch, als von dem Orgelkasten, wird das knnstgcübte Auge von dem unter der Hrgel befindlichen Portal und seinen Glas- fiügcln berührt; wenigstens wäre ihm ei» Spitzbogen und eine dem Baustil des Domes mehr entsprechende Gestaltung zu wünschen gewesen. — Betritt man nun das um fünf Staffeln erhöhte Presbyte- rinm, so gelangt man auf einem mit lüttichcr Marmorplatten würfelartig ausgelegten Boden zum Hochaltar. Ihn bedeckt eine 16 Fuß lange, 8 Fuß breite und 1 Fuß starke schwarze Marmorplatte von Dinant, welche aber an einigen Stellen kaum noch 3, an andern 5 Fuß in der Tiefe sichtbar ist. Die Vorderseite des Altartisches zeigt die Apotheosis der Jungfrau Maria und zwölf Apostelbilder in äußerst zierlichen Prachtgehäusen, alles aus weißem Marmor hoch erhaben gearbeitet und schwarz unterlegt. Leider wurde aber auch der Hochaltar bei Gelegenheit seiner modernen Anfputzung, i. I. 1776, eines Theils seines ursprünglichen Schmuckes beraubt; denn an der Rückseite desselben befanden sich in ähnlicher Arbeit die Propheten, welche dem von der ersten Anordnung des Altars so fremdartig abstechenden Um- und Anbaue weichen mußten. Ueber dem Altartische befanden sich zu der Zeit, in welcher die Erzbischöfe, das Antlitz zum Volke gewendet, an der Rückseite des Altars das Opfer verrichteten, nur ein Crucifix und einige Leuchter. Bei der Modernisirung des Chors i. I. 1776 aber ge- rieth man auf den Gevankcn, hier den Spruch zu versinnlichen: „Die Weisheit hat sich ein Haus erbaut und sieben Säulen dazu gehauen." Auf diese Weise ist nun der Altartisch mit dem gegenwärtigen, aus cararischem Marmor und vergoldeter Bronce gefertigten, auf sieben gereiften korinthischen Säulen ruhenden, tempelförmigen Aufsatze überbaut worden, dessen Untersatze an den beiden Seiten noch zwei schneckenförmige Auswüchse angefügt wurden, auf welchen links die Jungfrau Maria mit dem Jesuskinde und rechts der h. Petrus sitzend dargestellt sind. An dem Hintertheile deS Altars hat man in dem Untersatze die Abbildung des h. Eugelbertus in ruhender Stellung mit zwei Engeln, aus weißem Marmor gefertigt, angebracht, und den Zugang zn dem Innern des Aufsatzes vermittelst einer Marmortreppe von sieben Staffeln bewerkstelligt. Von den beiden Seitenallären des Chors, welche gleichzeitig mit dem Aufsatze des Hochaltars entstanden, ebenfalls aus weißem carrarischcm, röthlichem St. Remmy-Marmor und vergoldeter Bronce gearbeitet sind, ist der rechts stehende dem h. Patroclns *), »nd jener an der linken Seite dem h. Antonius, Einsiedler, gewidmet, deren Abbildungen sie tragen. Gemäß den daran angebrachten Wappen haben sie die Grafen Fuggcr und von Oswald zu Stiftern. Auch diestn Altären, welche bei ihrem kostbaren Material in einer modernen und minder hohen Kirche einen nahmhaften Eindruck zu machen geeignet sind, wäre zn wünschen, daß sie in einem dem großartigen Charakter des Domchors mehr zusagenden Stile gebildet wären. Nach M. D. dc Noel, der Dom zu Köln. 2. Aufl. Köln 1857. *) Nach Crombach dem h. Jvo. Diese Angabe setzt zwei frühere Altäre an denselben Stellen voraus.