Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

aus deren Mittelpunkt Köln sich erhebt. Der Kurfürst Johann Wilhelmvon der Pfalz baute 1710 und in folgenden Jahren dies Schloß im ita-lienischen Geschmack! das Hauptgebäude hat zwei große Flügel, die Sälezeichnen sich durch schöne Stuckaturarbeit aus. Ehemals zeigte man hieraußerordentlich schöne Gemälde von Bellucci, Pelegrini. Werninr u. a.Die des Letztern rühmte besonders Göthe. Alle sind seit 1800 der Gal-lerte zu München einverleibt. Das alte, im Anfang des 13. Jahrh, er-baute Schloß bewohnt ein Rentmeister; in dem neuen ist eine königl.Cadetienschule. Vom Belvedere der Kuppel erblickt man im Umkreis von1820 Meilen eine der mannichfaltigsten, blühendsten, angebautesten undstädtereichsten Landschafte» Europa's, durch deren Mitte der Rhein maje-stätisch dahinfließt. In dem am Fuße des Berges gelegenen Dorf Bens-berg ist die naturgeschichtliche Sammlung des D>. Halsbach sehenswerth.In der Nähe des im Kvnigsforst gelegenen Dorfes Lauscheide jLausheidc)wird der meiste Kalk gebrannt, welchen man in Köln und der Umgegendverbraucht. Der zu diesem Zweck verwendete Kalkstein ist dem Natur-forscher wichtig durch seine Menge der verschiedenartigsten Versteinerungen,von denen, außer einigen Privaten das Bonner Museum einen sehr großenReichthum besitzt. Endlich liegt südöstlich von Köln 5'/- St. entferntdas Städtchen Siegburg mit seiner zu einer großartigen Irrenanstalt ein-gerichteten ehemaligen Abtei, deren wir schon bei Bonn erwähnten unddie sehr häufig von Reisenden in Augenschein genommen wird.

Von Köln aus gehen 6 Landstraßen erster Classe und mehre Neben-wege. l) Hauptstraße »ach Bonn, 3'/, M. oder 5"/, St. lang. 2) Haupt-straße nach Trier, >3'/- M. oder 22'/, St. 3l Hauptstraße nach Zülpich,4'/, M. oder 8 St. 4j Hauptstraße nach Aachen, l l M. oder 18'/« St.5s Hauptstraße nach der Festung Jülich, t> M. oder lO St. von Köln,ti) Hauptstraße nach Düsseldorf, 3 M. oder 8'/« Stunden. Auch vonDeutz gehen Hauptstraßen und Nebenwege.

Außer den PostVerbindungen bieten sich dem Reisenden zu Köln nochsehr verschiedene andere Fahrgelegenheiten; so gehen täglich nach Bergheim,Zons und Worringen, sowie nach Neus und Grcvcnbroich die Omnibusund mitunter einigemal des Tages ab. Die Lohnkuticher nach Mülheim,Siegburg u. s. w. sind noch immer sehr beschäftigt, obgleich die beidenEisenbahnen Manches beseitigt haben. Die Preise des Stadtfuhrwerksmit Droschken, Eisenbahnwagen und Omnibus sind festgestellt. Eine ein-zele Fahrt in der Stadt zahlt, je nach der Entfernung, für '/« oderStunde; Kinder, in Begleitung von Erwachsenen, gehe» frei aus.Bei Fahrten nach der Zeit muß der Kutscher dem Fahrenden die Uhr vor-zeigen. Neber die Nheinbrückc bleibt derselbe Preis, nur muß hin undzurück der Brückenzoll vergütet werden. Zur Nachtzeit ist jeder Kutscherverpflichtet, die Laternen anzuzünden. In Köln erscheinen unter andernfolgende Zeitungen und Zeitschriften: Kölnische Zeitung, redigirtvon Dr. Andree! sie kommt täglich in groß Folio mit Feuilleton undBeilagen 2 bis 2'/z Bogen stark bei Joseph Du Mont-Schauberg her-aus und kostet im Abonnement vierteljährlich > Thlr >5 Sgr. Sie hateinen großen Kreis von Lesern besonders i» den Rheinlanden und ein aus-gewähltes Beiblatt, welches Novellen, Reiseberichte, Kritiken und ausdem Gebiete der schönen Künste und der Tagesliteratur leitende Artikelvon sehr verschiedenem Werthe enthält; die beliebtesten der jünger» Schrift-steller und Dichter, z. B. Gutzkow, Datier, Mügge, Püttmann, Schücking,Stahr u. a. nehmen an diesem Blatte Theil und haben mitunter ihre ge-lungensten kleineren Aufsätze an dasselbe eingesandt. Die lyrischen Dich-tungen Freiligraths sind in den letzten Jahren zum Theil in dieser Zeitungzuerst abgedruckt worden. In demselben Verlag erscheint wöchentlicheinmal das Kölner Domblatt, '/, bis l Quartbogen stark, welches denAbonnenten der Kölner Zeitung unentgeltlich geliefert wird. DaS Amts-blatt der königl. Regierung und der Kölner Anzeiger, nebst dem KölnerFrcmdcnblatt. Allgemeines Organ für Handel und Gewerbe, nebstwöchentlichem Beiblatt für das Transportwesen. Der Preis ist halbjähr-lich in Köln 3 Thlr.. durch die Post im ganze» preuß. Staat, 3 Thlr.12 Sgr. Im Buchhandel durch L. Kohnen jährlich 6 Thlr. 20 Sgr. Unterden Zeitschriften ist die für Philosophie u. kathol. Theologie, welche von denim Hermesianischen Streit genannten Professoren Achterfeld und Braunredigtrt wird, ferner das Archiv für Civil- und Criminalrechl in derRheinprovinz, bei Peter Schmitz erscheinend, zu nennen Der Rheini-sche Beobachter, eine Zeitung von Prof. Dr. Bercht redigirt, ErpeditionSt. Agatha, Nr. 12 kommt mit ihren» Beiblatt täglich heraus und hatbereits unter den deutschen Blättern eine ehrenvolle Stelle eingenommen.DaS neuerdings gegründeteAllgemeine Volksblatt" soll communisti-schen Ansichten huldigen und in seinen meist gut geschriebenen Aufsätzen diewunden Flecke» der bestehenden Gesellschaft angreisen. Ueber Topographie,

Geschichte und Merkwürdigkeiten der Stadt und ihres Doms werde» einigelitcrarische Nachweisungen genügen:

1) Malten's Handbuch für Rheinreiscnde auf der Strecke zwischenMainz und Köln. Darmstadt und Wiesbaden. (Verlag von G. G. Lange)1844. Ist sehr ausführlich und gibt in jedem Betracht die zuverlässigstenNachrichten und Nachweise. Vorliegende Beschreibung ist meistens einAuszug aus Mallen's verdienstlichem Werke, da wir nicbts BegerS gebenzu können glaubten; nur hier und da sind nöthige Zusätze und Erweite-rungen beigefügt. Malten folgt zum Theil einem ältern Geleitsmann:2» Köln und Bonn init ihren Umgebungen, für Freindc und Einheimische.Aus den beste» und vorzüglich aus noch unbenutzten Quellen bearbeitet.Köln 1828 (Verlag von I. P. Bachem). Der Verfasser hat sich nicht ge-nannt, ist aber zumal in histor. Angaben genau und ausführlich und bringtManches bei, was Mallen für überflussig erachtete. Da sich indesten Köln,wie schon bemerkt, mehr als irgend eine andere Nheinstadt in den letzte»20 Jahren veränderte, so macht diese Schrift keineswegs die Neuern ent-behrlich. Ein Grundriß von Köln ist beigegeben und darin auch der Um-fang der alten Römerstadt bezirkt. Unter andern ältern Werken sinddie wichtigsten Quellen und fast allgemein bekannt: BoisscrocS Ge-schichte und Beschreibung des Doms zu Köln nebst Untersuchungen überdie alte Kirchenbaukunst; dann: WallrafS Beiträge zur Geschichte derStadt Köln und ihrer Umgebungen; ferner NoelS historisch-archäologi-sche Beschreibung des Doms zu Köln; sowie Brewers vaterländischeChronik der königl. preuß. Rheinprovinzen im Allgemeinen und der SiadtKöln insbesondeie. Es genügt, diese nur anzuführen. Um über den Domund seine Geschichte sich zu belehren, empfehlen wir: I) Bemerkungen überdie aufgefundene Originalzeichnung des Domes zu Köln von G. Moller.Nebst 9 Kupfertafeln i» groß Folio. Darinstadt 1818. Der Verfasser theiltnicht allein die von uns beuütztc Nachricht über die Aufsindung des Ori-ginalrisses mit, sondern er spricht sich auch mit gediegenster Sachkenntnißüber die Composition dieses Aufrisses des Doms aus, und erläutert zumSchlüsse die Fragen: Kann der Dom ausgeführt werden L Hier sagt Möl-ler z. B. sehr treffend in Bezug auf die Kosten:Die Kosten des Baueslassen sich mit Bestimmtheit unmöglich berechnen. Man darf sich nichtverhehlen, daß sie sehr bedeutend sein werden, aber sobald ein längerer Friededie Wunden der Völker geheilt hat, kann der Staat an Unternehmungender Art denken, um so mehr, wenn dieselben, wie hier der Fall ist, demGeiste des Volks angemessen sind und unmittelbar auf dasselbe wohlthätigwirken. Das sicherste Mittel sie zu bestreiten, ist den Aufwand auf einegewisse Reihe von Jahren zu vertheilen. Würde z. B. eine halbe MillionGulden jährlich dazu bestimmt, so dürfte diese Summe hinreichend sei»,um die Arbeit so weit zu fördern, daß nach einigen Jahren der Zeitpunktder Vollendung, sowie der ganze Aufwand nicht schwer zu bestimmenwäre." 2) Geschichte des Domes zu Köln für gebildete Freunde derKirche, des Vaterlandes und der Kunst mitgetheilt von E. H. Pfeil-schmidt, Halle 1842. Diese mit vieler Wärme und nach tüchtigen Stu-dien geschriebene Geschichte beginnt mit der Veranlassung und Vorberei-tung des Dombaues und schließt mit einer ganz ausführlichen Schilderungder Festlichkeiten bet der Grundsteinlegung durch den König von Preußen,am 4. September >842, die Rede des Königs, bei der Feier abgesungeneVerse u. s. w. findet man hier mitgetheilt. Ein beigefügter Stahlstichzeigt die Ansicht des Doms in seiner Vollendung, von der Abendseite be-trachtet. In ganz anberer Hinsicht hat den Meisterbau des Doms an-gesehen. 3) Der Kolner Dom als freie deutsche Kirche. Gedanken überNationalität, Kunst und Religion beim Wiederbeginn des Baues, vonM. Carriere. Stuttgart 1843. Der Verfasser schlägt vor,den Köl-ner Dom zu unserer Westminsterabtei zu machen, und allen großen Män-nern des Vaterlandes, den Helden der Schlacht, wie den Meistern desLieds oder den Weisen, dort ihre Bilder zu errichten" Schließlich istei» Album zu ewähnen, das durch den Eifer für den Ausbau des Domshervorgerufen wurde. A. Lcwald bot i» Verbindung mit den Besitzerndes artistischen Instituts zu Carlsruhe den deutschen Dichtern, Schriftstel-lern, Coinpoiiisten und zeichnenden Künstlern in seinem 1843 unter demTitel: Domba ustein c erschienenen Taschenbuche eine beständige Gele-genheit, durch freiwillige Beiträge den Bau fördern zu helfen. Alle dazuBeisteuernden, sowohl Dichter als Zeichner verzichteten auf jedes Honorar;Hanfstängl in Dresden spendete eine Lithographie ebenfalls unentgeltlichund die Verlagshandlung rechnete für Kapitalauslage und die Mühe desVertriebs nichts an. Die Beiträge von Duller, Carriere, Gräfin Hahn-Hahn, Hackländer, Leutner, Lewald und mehren Andern bezogen sich nichtgerade auf die Idee, welche das Taschenbuch anregte. Von der Theil-nahme des Publikums und von einer Forisetzung des Unternehmens hatbis jetzt nichts verlautet.