Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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aus der Höhe die Ruine des ehemaligen Klosters Schwarzenbroich, welchesnebst der dazu gehörigen Alaun- und Bitriolfabrik vor einigen Jahrenabgebrannt ist. Weiterhin erblickt man Schloß und Dorf Mcrode, denStammort der belgischen Grafen dieses Namens. Das alte, großartigeGebäude ziert die Gegend. Unsern eines kurzen Durchstichs liegt Jün-gerSdorf, dann gelangt man über einen Damm und eine Brücke über denWchebach. Der Jungersdorfer Bach wird durch ein Eisenrohr von >5 ZollDurchmesser unter der Bahn weggeführt und sprudelt jenseits mächtig her-vor. Die Brücke hat 7 Bogen und 25 Fuß Höhe. Rechts liegt das großeDorf Langerwehe, mit Topfbäckereien, die weit versandte Arbeit liefern;es ist 4'/z St. von Aachen und 10'/, St. von Köln entlegen. Ein tieferErdeinschnitt führt nun durch einen vorspringenden Hügel mit kurzer Un-terbrechung bis zu dem Wäldchen bei dem Dorfe Hüchcln. Von demDamme, den man am Weisweiler Berge betritt, zeigt sich eine schöneAussicht in die fruchtbare Gegend. Man sieht Heistern mit einer Nadel-favrik, Gressenich auf der Höhe mit Eisen-, Blei- und Kupfergruben,welche schon die Römer kannten, die sich hier niedergelassen. Werth istder Geburtsort Johanns von Werth, der sich im 30jährigen Kriege alsGeneral auszeichnete. Auch weiterhin zeigen sich mehre Ortschaften. ZuLamersvorf fand man einige römische Alterthümer und bei Palant einenSteinsarg mit menschlichen Gebeinen und einem Bronzegesäß, einer Flasche,einem Lämpche», einem Teller von Siegelerde und andere ähnliche Ge-genstände. Die im 9. Jahrh, erbaute Burg Palant, ein stattliches Ge-bäude, ward 1825 abgebrochen. Von der Burg Nothbcrg ist noch derMittelbau mit vier starken Thürmen vorbanden. Vom Orte gleichen Na-mens zieht die Bahn über einen hohen Damm »ach der Station bei Esch-weiler. Dies Städtchen, an der von Düren nach Aachen gehenden Land-straße, ziemlich weit ausgedehnt und von der von Jülich nach Stolbergführenden Straße durchschnitten, hat gegen 4000 Einwohner und bedeu-tende Fabriken. Das alte Schloß der Ritter von Eschweiler gehört jetztdem reichen Grubenbesitzer Englert, der es wieder aufbaute. Der Orthat schöne Häuser, eine große katholische und eine neue evangelische Kirche.Ganz nahe bei dieser Station führt die Eisenbahn wieder durch einen810 Fuß lange» Tunnel, welcher 24 Fuß breit uud 22 hoch, den Jchen-berg durchschneidet und darin einen Ellenbogen macht. Gleich dahintererhebt sich ein hoher Dainm und eine nicht minder hohe Brücke wölbt sichüber die Jnde. Die Aussicht auf die schönen Waldungen rechts und denKohlenvezirk links ist so überraschend als angenehm. Bei dem HausePumpchen ist eine Eisenhütte und bei dem nahen Dorf Pumpe eine großeEisenfabrit, hart an der Bahn. Aus dem Hochwalde des nahen Bergesragen die mächtigen Schornsteine der Dampfmasch nen hervor, durch welcheletzrern das Wasser, vermittelst einer Menge auf einander gesetzten Pum-pe» aus einer Tiefe von >000 bis 1660 Fuß im Christinaschacht gehobenwirb. Die Station der Kambachcr Mühle, bei der sich das schöne Stol-berger Thal öffnet, ist noch zwei Stunden von Aachen entfernt. In diesemThal reihen sich Mühlen und Fabriken dicht an einander, dazwischen Land-häuser der Fabrikherrn, Gärten und Wiesen in lieblichem Wechsel. Stol-berg hat über 3000 Einw. mit 2 katholischen und 1 evangelischen Kirche,jede auf einem Hügel gelegen. Auf einem steilen Berge über der Stadtliegt das alte, noch bewohnte Schloß, welches eins der Jagdschlösscr Karlsdes Großen gewesen sein soll. Im Orte herrscht viel Gewerbtsätigkeit,besonders blühend sind Fabriken in Messing, Drath- und Walzmühlen; ihrewcirversandteu Erzeugnisse sollen in manchen Jahren 1,800,000 Thlr.einbringen. In den hiesigen Fettkohlengruben werden doppelte Dampf-maschinen gebraucht und das gewonnene Material auf schon seit mehrenJahren erbauten Eisendahnen fortgeschafft. Zu Stolberg befinden sich auchPotaschesiedereien, Gerbereien und nahe an Steinkohlen-, Galmei-, Blei-,Kupfererz- und Eisenstcingruben. Nach einem Durchstich zieht die Eisen-bahn fast in grader Linie durch einen schönen Hochwald, worin die Seba-,stiauskapelle. Am Ende führt sie durch den 2280 Fuß (9 Minuten) langenNirmer Tunnel, der 21 Fuß hoch und 22 breit ist. Jenseils zeigt sichein hübsches Thal, llebersteigt man den Berg, so kommt man nach demDorf Korneli-Münster, mit einer alten Kirche, deren hochgehaltene Reli-quie» gleich jenen im Dom zu Aachen nur alle 7 Jahre, vom I I.25. Juli, gezeigt werden. Die Gebäude der berühmten, 1815 gestiftetenBenediktiner-Abtei sind jetzt Privateigenthum. Am Corneliustage, 10. Sep-tember, kommen von alle» Seite» Pilger, um aus dem Becher zu trinken,dessen sich schon der Heilige bediente. Gleichzeitig wird ein 8 Tage langerJahrmarkt gehalten. Der Ort hat mehre Fabriken, einen Eisenhammer,eine Eisen- und Bleihütte uud große Steinbrüche. In der Nähe liegt aufeinem Hügel eine herrliche Einsiedelei, mit einer Mineralquelle. Von derEisenbahn sieht man, nachdem man den Durchschnitt zwischen den HöfenHöls und Nötgen verlassen, zur Linken an der von Aachen nach Korneli-Münster führenden Straße, die Trümmer der Burg Schönforst. Auf derandern Seite Dorf Forst, wo nebe» der Kirche eine Linde von 8'/) FußDurchmesser steht. Aus der zum Dorfe Brand gehörigen Haide werdengroße Pferderennen gehalten. Bei dem Hause Rothe Erde zieht sich dieEisenbahn über einen Damm, von dem man das nahe Aachen und seineUmgegend sehr gut übersieht. An der romantischen Frankenburg vorüberführt die Bah» auf hohem Viadukt 70 Fuß hoch, 20 breit und 892lang nach dein Bahnhof zwischen Aachen und Burtscheid.

Das Städtchen Worringen kurunoum, liegt 3'/, St. unterhalbKöln am linken Rheinufer. Hier fand man mehrere römische Alterthümer.Von der im Mittelalter entstandenen Feste sind noch Mauern und Thürmevorhanden. In der bekannten Schlacht >288 wurde vom Grafen Adolphv. Berg der Bischof Siegfried von Westerburg gefangen. Nachmals kamWorringen zurück und ist jetzt unbedeutend. Eine Stunde davon liegtDormagen, 1>», nomnvns, wo man ebenfalls viele Alterthümer aus derRömerzeit auffand. Das Städtchen Zons, ehemals 8o»ii»um, wurdeim Mittelalter so stark befestigt, daß es noch im 17. Jahrhundert denBelagerungen der Franzosen und Hessen Widerstand zu leisten vermochte.Es lag einst dicht am Rhein, der aber seinen Lauf so änderte, daß esjetzt weit entfernt ist. Zwischen Worringen und Köln liegt das DorfRhcinkasscl gegenüber der Mündung des Wupperflnsses. Auch hiersollen römische Niederlassungen und Befestigungswcrke gestanden haben.Dasselbe gilt von dem, eine Stunde unterhalb Köln gelegenen Niel.Der wichtigste dieser Punkte scheint von jeher das, Köln gegenüber, amrechten Ufer des Stroms gelegene, Städtchen Dcutz, tlnsirum Ilivilensa,oder luiiiu», gewesen zu sein. Constanlin der Gr. ließ es im Anfangdes 4. Jahrhunderts erbaue». Der Name wird von einem König Tuiskooder von den Deutschen überhaupt abgeleitet. Alle Spuren von Römer-bauten sind verschwunden, während man auf der Kölncrseite die Brücken-pfeiler noch bemerken will. Im Mittelalter war es fest, doch ließ Erz-dischof Bruno schon im >0. Jahrhundert die Mauern abreißen, und mehr-mals wieder gebaut und zerstört, wurden sie 1083 von den Oestrcicherngeschleift. Zur französ. Zeit blieb Deutz offen, erst seit 1315 ward es stärkerals jemals vorher befestigt, um Köln von dieser Seite her zu decken.Neuerdings zählt es gegen 5000 Einw., wobei an 1000 dem Militär-stande angehören und 000 Zsraeliten find. Außer dem gewöhnlichen Fe-stungspersonal steht ein Dragoncrregiment hier in Besatzung. In neuesterZeit hat Deutz einige Fabriken, unter welchen Bruckmanns Porzellanfabrikund Malerei an 200 Menschen beschäftigt. Im Nebrigen treibt die Ein-wohnerschaft Ackerbau, die Gewerbsthätigkeit ist im Steigen. Wenn manüber die 500 Schritte lange Schiffbrücke von Köln nach Deutz gelangt,es ist ein Lieblingsgang der Kölner so bietet sich südwestlich ein neueshübsches Gestade mit der köstlichsten Ansicht von Köln. Das Städtchenwird von der breiten Freiheitsstraßc mitte» durchschnitten, welche unteneinen Platz bildet und weiter oben sich in 3 Abtheilungen scheidet, derenmittlere mit Basaltabwehren umschlossen und mit Bäumen bepflanzt, alsSpazicrgang dient; die beiden andern sind Fahrstraßen. Hier reiht sichGasthaus an Gasthaus. An der Freiheitsstraße befindet sich auch das neueeinstöckige Stadthaus und ganz oben die neue Dragonerkaserne, mit großerReitbahn und Stallung für 700 Pferde. Der Bering der Festung um-schließt viele Gärten und selbst ausgedehnte Felder. Die Siegburgerstraßeist lang, krumm und unbedeutend. Die ziemlich große Heribcrtskirche,1001 gegründet, wurde mehrmals verändert, nur der untere Theil scheintnoch im alten Zustande, denn man steigt vom Platze auf 5 Stufen indenselben hinab. Die gleichfalls vom Erzbiichofe Heribert gestiftete Bene-diktinerabtei und die Kirche St. Nrban sind eine Artilleriewerkstätte, zuderen Besuch man besonderer Erlaubniß bedarf. Am schönsten nimmt sichKöln aus den Sälen und von den Altanen des Gasthauses kelw-vue aus,auch der Garten ist gegen den Rhein gerichtet. Von Deutz gelangt manin 1 Stunde nach der Stadt

Mühlheim; man kann mit der Post in Deutz ein- und aussteigenund braucht nicht St. Die Verbindung ist sehr lebhaft. Mühlheimmit mehr als 0000 Einw. ist sehr alt. Nach unverbürgter Sage soll sieHauptort der Ubier gewesen sein, ehe diese nach dem linken Rheinuferübersiedelten. Wahrscheinlich ist dies von Siegburg anzunehmen. Als im10. Jahrhundert eine große Anzahl von Kölner Bürgern wegen Verschie-denheit der religiösen Confession sich hier niederlasse» mußten, war es nochDorf; es hob sich aber durch den Fleiß seiner Bürger und erhielt 1587Stadtrccht. Regelmäßig gebaut hat es breite, gerade Straßen und schöneGärten. Handel und Fabriken blühen immer mehr auf; der Strunverbach,der sich oberhalb der Stadt in den Rhein ergießt, treibt die Mnhlwerkemehrer Färb-, Lcl- und Papiermühlen. Bei rein Eisgang 1784 litt dieseStadt außerordentlich: 101 Häuser wurden von Grund aus zerstört, 21Menschen verloren ihr Lebe» und an 1800 wenigstens Obdach und Unter-halt. Drei Viertelstunden unterhalb Mühlheim bemerkt man nahe am Rheindas Dorf Stamm heim, oder Stammet, mir einem schönen Schloß desGrasen v. Fürstenberg, welcher die nahe am Fluß gelegene neue Kircheim altdeutschen Styl bauen ließ; äußerst gefällig beurkundet sie seinenGeschmack. Großartiger ist die 2 St. weiter unten liegende Kirche derehemaligen Cisterzienserabtei Altenburg, welche Eberhard Graf v. Al-tcna und Berg 1133 gestiftet. Sie diente diesen Vorfahren des preuß. Ne-gentenhauscs zur Grabstätte. Die Kirche, zu welcher 1255 der Grund-stein gelegt ward, ist i» kleinem Maasstabe Nachahmung des KölnerDoms, hat aber im Innern nur 2 Säulenreihen. Die Klostergebäudesind eine Berlinerblau-Fabrik. Hier kam 1815 Feuer aus, wodurch derDachstuhl der schönen Kirche verbrannte, allein sie ward 1817 wiedervöllig hergestellt und dem Dorfe Altenberg zum Gottesdienst angewiesen.In östlicher Richtung liegt, 3 St. von Köln, das königliche Schloß Bens-berg. Weithin sichtbar gewährt es eine herrliche Aussicht in die Ebene,