dieser Stelle das llioilum der Römer gestanden habe. Der Ort, zwarnicht eigentliches Kastell, war mit Mauern umschlossen, die selbst durch dieim Mittelalter angelegten Vertheidigungswcrke nicht ganz unkenntlich wur-den. Die Lage des Städtchens in reizender Ebene, am Fuße des soge-nannten Vorgebirgs, ist angenehm, und es wird dadurch begreiflich, daßschon zu Ende des 13. Jahrh, die Erzbischöfe hier ein Schloß hatten, wel-ches die Kölner im I. l3lg vier Monate lang belagert hielten. Starkund schön hatte dasselbe mehrere Thurme, zwei Haupt- und viele Neben-gebäude. Dabei lag ein Thiergarten, in welchem man Edelwild hegte.Seit Engelbert v. Falkenburg pflegten die Kirchenfürsten öfters hier zuresidiren undz so ward Brühl wichtiger, doch behielt es in einigen Theilenbis heute ein dorfmäßiges Aussehen. Die hübsche Collegiatkirche, 1491gebaut, hat einige-Stcindcnkmäler und mittelmäßige Bilder. Im I. 1647wurde der Ort von hessischen Truppen eingenommen und geplündert; siekonnten aber des Schlosses nicht Meister werden. Auch vor- und nachherhatte es Belagerungen auszustehen. Am meisten litt es mit dem gesamm-ten Erzstift, nur die Stadt Köln ausgenommen, in dem zweiten Raub-kriege Ludwigs XIV. durch Brandschatzungen, Mißhandlung der Einzelnen,Plünderung und Verheerung, was man dazum l „französisch-militärischeBranderekution" zu nennen beliebte. Das kursürstl. Schloß ward mit demgrößten Theil des Städtchens bei dieser Belagerung ein Raub der Flam-men. Allmählich jedoch erhob es sich wieder aus Schutt und Trümmern,als die Wunden des Orleansschen Raubkriegs vernarbt waren, und Kur-fürst Clemens August legte Anfangs Juli 1725 den Grundstein zu demgegenwärtigen Schlosse. Dies, ein schönes Gebäude im französ. Geschmacke,richtet seine Haupttheilc gegen die Stadt und die Flügel nach der Eisen-bahn. Sehenswerth ist die Vorhalle, und die Marmortreppe in ihr, miteinem Freskogemälde von Carlone. Derselbe Künstler verfertigte auch dieDeckengemälde im Rittersaal. Vom Erbauer und seinem Nachfolger wardieser Pallast so reich als bequem eingerichtet. Hier fand der bekannteStaatsmann, Cardinal Mazarin, aus Frankreich verbannt, Zuflucht. Dieverruchte Hand der Franzosen ruinirte 1794 auch dies Gebäude. AuchDavoust, dem die Domainc 1899—1813 gehörte, stellte nur das Aller-nöthigste zur Wohnung her. Im I. 1814 ward dies Schloß königl. Do-mainc und in neuester Zeit wieder nach seiner vormaligen Bestimmungeingerichtet. So diente es 1843 dem König, der Königin und Ihren ho-hen Gästen während der Herbstlager als Aufenthalt. Es gehört zu dem-selben ein großer Park, doch ist auch Manches verödet. Auf der Rhcin-seite, nahe dem Schloß liegt das Stationsgebäude der Eisenbahn. DieEinwohner Brühls treiben Feldbau und Kleinhandel. Im ehemal. Fran-ziskancrkloster war früher eine Handlungs- und Sekundärschule; seit 1822enthält dasselbe ein kathvl. Schullehrerseminar, aus welchem die Schul-stellen der 4 Regierungsbezirke Koblenz, Köln, Düsseldorf und Aachen be-setzt werden. Der Anstalt stehen 1 Direktor, 1 Inspektor und 2 Hülfs-lehrer vor. Die Zahl der Zöglinge ist auf 199 festgesetzt. Der Bcgräb-nißplatz zu Melaten liegt V» St. von dem Hahnenthor entfernt. ImI. 1811 angelegt, mußte er 1832 erweitert werden. Einige Denksteinespreche» mehr an, als das Leichenhaus. An Tagen der sogenannten Mc-latcr-Andacht, im Sommer und Frühhcrbst wird dieser Kirchhof und dienahebei gelegene alte Kapelle häufig besucht. Die rheinisch-belgischeEisenbahn ist wiederholt in diesen Mittheilungen erwähnt worden; wirwollen ihrem Zuge von Köln aus folgen. Von der Stadt bis zu demHöhenstriche der Bill begreift die Ebene etwa 3 St. Breite. Zur Rechtenhat man das nördliche Fort der Festung und die Dorfschaftcn Nippes,Merrheim und Nicl; zur Linken die vielen Thürme der Stadt, das Fortbeim Gerconsthor, den Hof Mechtern und den Weiler Melaten an derStraße »ach Aachen. Drüben liegt der Hof Subbelrath, die Weiler Os-sendors und Bickendorf; zwischen letztern und Müngersdors führt die Bahnüber einen Damm, dann folgt von dem Stationshause der Durchstich durchdie Müngersdorfer Anhöhe. Jenseits erblickt man wieder einige Orte, vondenen Brauweiler durch feine 1924 gestiftete und 1892 aufgehobene Bene-diktinerabtci wichtig ist. Daselbst ist jetzt eine Arbcits- und Besserungs-anstalt, mit etwa 799 Individuen jährlich, davon 259 gebessert entlassenund durch ebensoviel Neue ersetzt werden. Bon dem 49 Fuß hohen Dammgenießt man eine herrliche Nebersicht der zwar einförmigen, doch schönen
Ebene bis an den Rhein hin. Gerade hinter dem Stationshause beginntdie Durchgrabung der Bill — wo die Agrippinenser ihre Villen hatten.Zuerst gewahrt man eine Bogenbrücke, dann eine Holzbrücke. Unterhalbdes Klosters Königsdorf verwandelt sich der Durchstich in einen Tunnel,(unterirdischen Weg). Derselbe ist 29 Minuten (5169 Fuß» lang 26 Fußhoch und 24 breit, liegt 139 Fuß unter der Oberfläche des Berges, ist mitdreifacher Backsteinlage gewölbt und wird in 4—5 Minuten durchfahren.Trotz der Beleuchtung in der Mitte befindet man sich 2 Minuten in völligerFinsterniß. Die Kosten dieses Durchbruchs belaufen sich über 199.999 Tha-ler. Jenseits des Tunnels führt ein Durchstich bis zur Station Horrem.Durch das ganze Vorgebirg zieht ein hier zu bemerkendes Braunkohlcn-lager, welches ganze Bäume, Elephantcnzähne und Knochen zu Tage för-dert. Das Dorf Horrem liegt rechts; auf 3 einander folgenden Brücken,deren letzte sich über die Erst wölbt, hat man eine angenehme Aussicht.Das von der Erst bewässerte Thal zeigt rechts mehre Dörfer und rasStädtchen Berghcim, sowie die wieder aufgebaute Burg Hammersbach unddas Schloß Frenz, links mehre Orte, Höfe und das Städtchen Kerzen.An der Stelle von Quadrath stand Ousllribuiiu,» der Römer, wichtigerStationsort, von wo die noch sichtbare Heerstraße in gerader Linie nachJülich zog. Ueber dem Dorfe liegt das Schloß Schlenderhahn, weiterhindas ehemalige Kloster Bethlem, zu dessen Füßen Bergheimerdorf mit schö-ner byzantinischer Kirche. Ziverich ist das 7ib«rii>c»n> der Römer. Jen-seits Sindorf zeigt sich Heppendorf, Geburtsort der Brüder Franz undJoseph Ales, berühmten Rechtsgelehrten des vorigen Jahrhunderts. Vor-über an einigen Höfen und Dörfern gelangt die Eisenbahn auf hohem undlangem Damm an die Station bei dem Dorfe Buir, 6^/, St. von Köln,8'/, St. von Aachen. Links ist die Gegend abwechselnder. Man sieht dieDörfer Türnich und Balthausen, ersteres mit schönem Schlosse, beide mitBraunkohlenwerken. Auf der Höhe gruppiren sich Dörfer; durch Möderathund das Städtchen Kerzen führt die alte Kaiserstraße von Düren nachKöln. Im Weiler Lörsfeld und zu Bergerhausen sind Burghäuser, letztereseiner der ältesten Rittersitze des Landes ward 1829 in altdeutscher Bauartwieder hergestellt. Im nahen Dorfe Platzheim hatte der deusche Orden frühereine bedeutende Kommanderie. Das Städtchen Lechenich, lleckoni-wnm,dessen Schloß noch einem Kastell ähnelt und von dem mehrgedachten Erz-bischof Heinrich von Birneburg am Eingang des 14. Jahrh, erbaut wurde.Den Rittersaal schmücken alte Bilder; man sieht das Bild des KurfürstenTrnchseß. dem die holde Agnes lieber war, als sein Bischofsstab. Der sonststark befestigte Ort mußte im 39jährigen Krieg mehre Belagerungen aus-halten. Jenseits Buir beginnt wieder ein Durchschnitt, dann führt dieEisenbahn über einen Damm, wo man das Städtchen Düren bemerkt.Distelrath hat die älteste Pfarrkirche der Gegend, und 4 St. entfernt liegtZülpich: lolgincum. Von Düreu pasfirt man noch einen Durchschnitt.Die Stadt, ölsrcolluium der Römer, hatte das feste Kastell Xrx Vipss-mim-, in der Nähe der jetzigen Annenkirche; es scheint ausgedehnt gewesenzu sein. Hier grub man öfters römische Alterthümer aus, auch erkenntman in verschiedenen Richtungen die Reste von Nömerstraßen. UnterKarl d. Gr. ward aus dem Kastell ein Jagdschloß. Zu Düren hielt manmehre Reichstage und Synoden. Bei 8999 Seelen hat es: 2 katholischePfarr- und 3 Klosterkirchen, 3 evangel. Kirchen und 1 Synagoge; einGymnasium mit 11 Lehrern und 159 Schülern, ein Bergamt, Friedens-gericht und 3 Nonnenklöster. Die Tuch- und Wollenzeug-Manufakturen,außerdem einige Fabriken find bekannt. Die Stadt hat große Gebäudeund schöne Spaziergänge. Sie ist Geburtsort des GeschichtsforschersFabricius, des Theologen Koutzen, der Professoren Esse, Fuß und I.<-jeune-Dereeclilei. Jenseits Düren krümmt sich die Eisenbahn stark und führtauf hoher Brücke, von 6 Bogen und 226 Fuß Länge, über die Ruhr. VonDüren hat man 2'/- St. nach dem Flecken Niedecken, in dessen Burg derGraf von Jülich den Erzbischof Engelbert II. eingekerkert hielt. Links ei-nige Dörfer z. B. Gürzenich, bei welchem die Landstraße auf einer Brückeüber die Bahn geht. Dann kommt man zu einem hohen Damm mit schönerAussicht. Man sieht Mariaweiler mit Tuchfabriken. Links bei Lenders-dorf große Eisenwerke, die sich schon weithin durch ihr Tosen und Häm-mern dem Wanderer ankündigen. Bei dem Dorfe Thorn, welches die Eisen-bahn durchschneidet, sieht man zur Linken das Dorf Schlich und hinter ihm