(Sonntags) im Verlag der Kölner Zeitung erscheint, und fortlaufendeNachrichten über den Dombau und damit zusammenhängende Angele-genheiten bringt. — Gesellige Bereine zählt Köln ebenfalls mehre,die einer Erwähnung verdienen. Zunächst drei Freimaurerlogen, zusam-men mit ohngefähr 400 Mitgliedern Die Castnogesellschaft hat über500, die beiden Ressourcen und 6 andere bürgert. Gesellschaften mehrals 700 Mitglieder; dazu kommt noch ein Militärcasino, dessen Mitglie-der sich gegenwärtig auf 200 belaufen. Wiewohl Geselligkeit bis in dieuntersten Stände allgemein hier verbreitet ist, so zieht sich doch der Köl-ner Gewerbsstand von den geschlossenen Gesellschaften zurück oder nimmtnur der Frauen und Töchter wegen, spärlichen Antheil; die Männer fin-den sich Winters schon am Abend lieber in Bier- und Weinhäuscrn zu-sammen ; im Sommer dagegen ist das beliebteste Vergnügen dieses Stan-des der Besuch der Kirchweihen oder Kirmessen, welche von Pfingstenbis zu Michaeli jeden Sonntag und Montag abgehalten werden und einHauptgrund sind, warum während der schönsten Jahreszeit der gewöhnt.Kölner Bürger fast nur die Vergnügungsorte in der Stadt besucht. Ammuntersten geht es dann zu in den Gartenwirthschaften, Hier nun trifftman seltener den Handclsstand, welcher die schönen Sonntage mehrzu Ausflügen außerhalb der Stadt benutzt. Auch bethciligt er sich fastausschließlich bei den Karnevalslustbarkeiten, welche der Gewerbstandwohl zu seiner Unterhaltung, aber meist nur als ein müssiger Zuschauerbesucht. — Die Wohlthätigkeitsanstalten erfreuen sich einerüberaus trefflichen Einrichtung, was in unserer Zeit freilich immer we-sentlicher wird, je mehr der Pauperismus voran schreitet. Schon im17, Jahrh, war Kölns Mevicinalverfassung berühmt, seit l8l7 erhieltsie bedeutende Verbesserungen und läßt jetzt gewiß nur wenig zu wün-sche» übrig. Die Medicinalbehörden bestehen aus dem Kreisphvsikatund der Jmpfanstalt. Köln hatte im I. 1844 überhaupt 56 Aerzte,17 Wund-, 2 Zahn- und 3 Thierärztc; in der Provinzialhebammen-lehranstalt befanden sich 17 Hebammen; Apotheken zählte man 17 undArzeiwaarenhandlungen 6. In Folge des von ihnen geleisteten Gelüb-des unterziehen sich der Krankenpflege in Privathäusern die 12 Mit-glieder der Alerianer- oder Cölitenbrüderschaft, welche man nicht zurGeistlichkeit rechnet und für deren Vermögen die ArmenverwaltungSorge tragen muß. Dieselbe Brüderschaft hat eine Versorgungsanstaltfür Blödsinnige. Auch die sogenannten Wartnonnen, deren es 3 Con-vcnte gibt, widmen sich demselben Geschäfte und mit gleichem Erfolge.Außerdem gibt es noch 15 weibliche Versorgungsconvente. An die Stelledes Wohlthätigkeitsburcaus, das in der französ. Zeit entstand, trat 18i8eine vorzüglichere Armcnordnung; ihre Verwaltung umfaßt drei Abthei-lungen und hat auch das Bürgerhospital für bürgerliche einheimischeKranke, Invaliden und Irren zu leiten. Letzteres ist schon seit 1805in dem ehemaligen Cäcilien- und Michaclsklvster unfern St. Peter.Man führt ein neues Haus auf, in welchem statt der bisher durchschnitt-lich aufgenommene» 160 verarmten Bürger oder Bürgersfrauen mehrals doppelt so viel Platz finden sollen, denn in diesem Verhältniß wächstmit der steigenden Bevölkerung auch die Zahl der Verarmten. Dasdamit verbundene Hospital, bisher nur für 60 dürftige Kranke,soll für mindestens 150 erweitert und eingerichtet werden. Die Kostenfür das Bürgerspital belaufen sich jährlich auf 20 bis 25,000 Thlr.Unter derselben Verwaltung steht auch die Unterstützung der sehr zahl-reichen Hausarmen. Man hofft, daß in Betreff der Letztcrn sich nachdem Beispiel anderer kleinerer Städte, wie Stuttgart und Darmstadt,ein besonderer Verein bilden werde, da aus begreiflichen Gründen dieArmenverwaltung nicht immer die Noth der verschämten Armen kennt.—Das Militärlazareth, im ehemaligen Karthäuserkloster, bat eine sehrtreffliche Einrichtung und kann, wie bereits oben bemerkt wurde, in36 geräumigen Sälen über 400 Kranke aufnehmen.
Die Spaziergänge, an welchen Köln nicht eben reich ist, wurdenmeistens schon gelegentlich und bei Angabe der sie betreffenden Oertlich-keiten erwähnt. „Die Lage der Stadt, das breite und offene Feld umdieselbe, bieten allerdings dem Auge wenig Abwechslung dar, und dergroße Umfang der Stadt sowie die engen Straßen erschweren es häusig,wenn man schnell vor das Thor gelange» will. Auch hielt man in Köln
noch im 18. Jahrh, nur wenig vom Spaziergehen, der beschränkte Raumdes Hauses genügte, der Gang zur Kirche am Sonntag, eiu Spazier-gang zu Verwandten in die Klöster, welche besonders für die Jugendwahre Festgänge waren, da sie sich dort mit Musik und andern Spielenunterhalten konnte, reichte vollkommen hin. Selten ward eine größereSpazierfahrt nach dem Wcidenpesch, der Kötschburg, dem Tönishäus-chen, Rodenkirche», nach der Poller Weide, »ach Melaten oder eineinandern Orte in der Umgegend vorgenommen." Vielleicht den schönstenSpaziergang bietet die Rheinbrücke nach Dcutz. Besonders an Sonnta-gen gegen Abend, in der schönen Jahreszeit auch an Wochenabenden,trifft man hier ein reges Gewimmel von Spazierenden; „und der breiteschöne Strom, die vielen Menschen auf der Brücke, das gegenüber lie-gende Dcutz mit seinen Gärten und freundliche» Häusern bieten in derThat ein vielfarbiges und bewegliches Gemälde dar." An solchen Ta-gen begegnet man auch in Deutz überall vergnügungslustigen Kölnernund selbst der gewöhnliche Bürgersmann, der sonst nicht gern die Stadtverläßt, wagt sich dann hierher oder nach Mühlhcim. Zu den größern,wiewohl seltner» Vergnügungen gehört das niederrheinische Mu-sikfcst, zu dessen abwechselnder Feier sich die Städte Köln, Aachen,Düsseldorf und Elberfeld verbanden. Am ersten dieser zu Köln gehal-tenen Musikfeste in den Pfingsttagen 1821 ward unter Direktion Burg-müllers aus Düsseldorf das „Weltgericht" von F. Schneider aufgeführt,am zweiten 1824 leitete derselbe das Oratorium „die Sündfluth", amdritten aber, 1828 waren die Direktoren Ferd. Ries, B. Klein un?Leibl, welche das Oratorium Jephtha und andere großartige Composi-tionen leiteten. Der rege, uneigennützige Eifer, womit die Anordnerund Mitwirkenden sich diesen seltenen Festen widmen, verdienen dievolle Anerkennung, welche ihnen auch auswärts zu Theil geworden. —In der Stadt selbst find als Volksfeste die schon erwähnten Kirmessenund der Karneval zu betrachten. Was die Erster» betrifft, so hat be-kanntlich jede Pfarrkirche ihr eigenes Kirchweihfest und weil diese nurbei den wenigsten auf Einen Tag zusammentreffen, so werden dieselben,wie schon oben bemerkt, von Pfingsten bis in den September hineinfast wöchentlich an den Sonntagen gefeiert, wozu dann die geringereVolksklasse noch eine Nachfeier auf den Montag, bisweilen sogar denDienstag ausdehnt. Das Fest selbst beginnt mit einer großen Proccs-sion durch den Pfarrbezirk, am Abenv versammelt man sich zu Tanz,Schmaus und Trinkgelagen. Im Frühling ist hier der Maitrank —ein mit verschiedenen starkduftenden Kräutern gewürzter Wein — ambeliebtesten. Der Carneval hat weit mehr Eigenthümliches und zogdadurch auch die Aufmerksamkeit des Auslandes auf sich. Die Bände —so nennt der Kölner kleinere Gesellschaften — hatten schon vor der französ.Zeit im Carneval viel komisches Leben entwickelt, wenn sich auch niedie Theilnehmer zur Durchführung Einer gemeinschaftlichen Idee ver-banden und die besten Einfälle nur improvisirte Raketen waren. Diefranzös. Republik verbot diese Lustbarkeit; trotz der Freiheit und Gleich-heit hielt man diese Mummerei für staatSgefährlich. Man hob späterzwar dieses Verbot auf, doch war der Carneval einmal aufgelöst undschien nicht mehr zu einem allgemeinen Volksfest sich zu gestalten. Stattdessen griffen die Fastnachtsspiele in Familienkreisen Platz. Dabei wech-selten Scherze und Lust, in hochdeutscher und plattkölnischer Mundart,zwanglos ab. Aeltere Leute erinnern sich mit besondern, Vergnügendieser harmlosen Spiele. Erst unter preuß. Herrschaft sollte Köln wie-der eine große Carnevalsfreude in seinen Mauern sehen. Im I. 1823verband sich eine Gesellschaft und führte sehr ansprechend die Idee aus,welche zunächst lag, nämlich des Helden Carneval Wieoerbesitznahmcseines alten Reichs oder die Thronbesteigung des Helden. Für dasfolgende Jahr ward die Versinnlichung des mit dem Norden überein-stimmenden Süden oder die Vereinigung des Prinzen Carneval niit derPrinzessin Venetia gewählt, eine Idee, welche von Göthc sehr belobtwurde. Und so folgten auch in den nächsten Jahren ansprechende Ideenin bunter Abwechslung und machen den Kölner Karneval zum wahrenVolksfeste. Aus nähern und entfernter» Städten strömen gewöhnlichviele Fremde hinzu. „Alle Geschäfte, aller Handel und Wandel ruhen,die Straßen wimmeln von Menschen, die Wirthshäuser sind von früh