oder Lehrerinnen gebildet werden. Nur eine derselben ist der evangel.Gemeinde zugetheilt. Die Jsraeliten besitzen neuerdings auch eine zweck-mäßig eingerichtete Anfangsschulc. Man zählt sodann 8 Armenschulen,mit gleichviel Lehrern und Lehrerinnen, 3 Schulen der Fraucnvercine,ferner 2l Sonntags-, und 12 Abendschulen, worin sehr viele Zöglinge, diezum Theil schon einen gewerbliche» Beruf erwählt und begonnen haben,weitern Unterricht erhalten oder das Versäumte nachholen. Daß eineStadt wie Köln auch vorzügliche Privatlehra» stalten aufzuweisenhabe, kann keine Frage sein. Man nennt das praktische HandelsinstitutOchs, am Frankenplatz, die Gewerbschule des Prof. Mengclbcrg, diehöhere Zeichnenschulc und Maleranstalt von F. Katz, die unter Leitungdes evangel. Pfarrers Engel stehende höhere Töchterschule, einige weibl.Pensionate u. A. Das Waisenhaus an der Südostseite der Straßegleichen Namens, welche zum Bahnhof der Bonn-Kölner Eisenbahn führt.Es bildet mit seinen Zubehörungen ein rechtwinkliges, gleichseitigesViereck, hat helle und gesunde Zimmer und Säle. Nicht allein die Wai-sen wirklicher Stadtbürger, sondern auch Findlinge können in diese An-stalt aufgenommen werden. In der Regel treten sie nicht vor dem6. Jahre ein, und Findlinge übergibt man rechtlichen Leuten, bis sie diesAlter erreichten. Der Austritt geschieht, wenn nicht ihre Gesundheits-umstände besondere Rücksichten nöthig machen, zwischen dem 17. und18. Jahre, worauf die Knaben meist zu Handwerkern in die Lehre kom-men, die Mädchen aber in Dienste bei achtbaren Familien treten. DasWaisenhaus behält sich aber auch dann noch eine gewisse Aufsicht überdie Zöglinge vor, die es entlassen hat. Die Anstalt ertheilt nicht alleineinen sehr zweckmäßigen Schulunterricht, sondern in der seit 1826 mitihr verbundenen Industrieschule, auch je nach dem Alter und Geschlechtder Kinder, Unterweisung in verschiedenen Handarbeiten, so daß die Kna-ben in Klassen getheilt sind, z. B. Schuhmacher, Schneider, Leinweber,Wollgarnspinner u. A., die Mädchen aber im Nähen, Stricken, Spinnen,Kochen u. s. w. geübt und unterrichtet werden. Ueber dem Eingang desGebäudes liest man die Inschrift: „Kölns Pflege- und Erziehungshausfür arme, verwaiste und Hülflose Kinder." Darüber stehen die Worte:„Bürger, hier messet, ob Wohlstand und Fleiß und sittliche Menschheitherrsche im Volke, oder ob sich's entnerve durch Trägheit und Leichtsinn.Euch fällt zur Last die verwaiste Unschuld, doch sie sei euch heilig." —Die sämmtlichen Kosten für das Waisenhaus, welche dem Armenfondzur Last fallen, betrugen im I. >828 jährlich an 11,300 Thlr.
Von dem Baienthurm, der schon weithin sichtbar ist, war bereitsoben die Rede. Es soll hier im Mittelalter ein Dorf Baien gestandenhaben, wovon der Thurm ein Ueberrest sein und den Namen führen mag.Er wurde >262 von Engelbert v. Falkenburg aufgeführt. Die alte KölnerChronik berichtet: Er habe diesen Thurm und die entgegenstehende Festeaus keinem andern Grund errichten lassen, als um die Bürger besser imZaum zu halten. So ist denn der Thurm eine Zwingburg gewesen. Erist 100 Fuß hoch, hat oben eine schöne Zinne, darunter einen großenWappenschild und aus der Mittclhöhe einen kleinen Anbau; theilweiscdient er jetzt als Militärgefängniß. Unter dem Thurm auf der Stadt-mauer gewahrt man ein Steinbild des heil. Nikolaus und darunter dieWorte: „Gib ihn, Hüter der Menschen, zum Schutzgeist denen, die sichdem Wasser anvertrauen." An dieser Stelle erhebt sich der Wall zu30 Fuß Höhe und endet mit einem hübschen vorspringenden Schilderhaus.Der Thurm springt weit in den Rhein vor und sein mächtiges, ausgroßen Steinen zusammengesetztes Fundament bildet einen Eisbrecher.Zu frühern Zeiten mochte dieser Untersatz noch weiter in den Fluß sprin-gen und vielleicht einen Hafendamm bilden, welchen ein starker Eisgangzertrümmerte. Denn noch ist ein Rest übrig, der einem Brückenbogenähnelt und bei niederm Wasserstand gibt sich viel altes Mauerwerk imRhein zu erkennen, das vermuthlich dazu gehörte. Die Aussicht vondiesem Thurm überhaupt, zumal von seiner Zinne, ist ausgezeichnet.Zwar ist das gegenüber liegende Ufer flach und nur wenig belebt; dochzeigt sich weiter oben das Dörfchen Poll, rheinabwärts Dcutz mit Kircheund großen Gebäulichkeiten. Außerdem sieht man den Dom, St. Martin,Kunibert und andere Kirchen. Am linken Ufer den Ort Hübenmühle, dieholländ. Windmühlen und großen Holzlager. — Die Schiffbrücke ist
seit 1822 an die Stelle der frühern fliegenden Brücke getreten; sie ruhtauf 33 Schiffen und führt von dem Friedrich Wilhelmsthor nach demjenseits des Stroms gelegenen Städtchen Deutz. Dieselbe hat eine Längevon 500 Schritt oder 1250 Fuß und ist 24 Fuß breit. Die Unterhaltungund Ueberwachung hat die Fcstungsbehörde zu besorgen. Der Bau dieserBrücke ist so fest, daß sie selbst die schwersten, in der Stadt und Umge-gend üblichen Lastkarrcn (120 bis 150 Ctr. Ladung) ohne die mindesteGefahr zu tragen vermag. Sobald der Rhein eine Höhe von 25 Fußam Pegel hat, wird die Brücke abgefahren und die Verbindung zwischenden beiden Flußufern wird alsdann durch Kähne unterhalten. Die Brückeist während der angenehmsten Monate des Jahres ein Lieblingsspazier-gang der Kölner und deshalb häusig auch von Fremden besucht. DerBrückenzoll, welcher für den erwachsenen Fußgänger bei einmaligemUebergang 2 Pfennige beträgt, wird auf der Seite von Köln und vonDeutz erhoben; er soll jährlich dreimal so viel eintragen, als die Erhal-tung der Brücke, die man auf 20,000 Thlr. annimmt, kostet. Auf derSeite von Deutz und an der Rheinaue kann man in fließendem WasserNheinbäder nehmen, wozu die Anstalten sehr zweckmäßig sind. In derNähe dieser Bäder unterhalb Deutz ist die Militärschwimmschule, in wel-cher auch Andere Unterricht in der Schwimmkunst erhalten können. An-dere Badeanstalten in der Stadt sind ebenfalls passend eingerichtet, mithübschen Gärten verbunden; auch findet man in den Wartesälcn die Tags-blätter und kann Erfrischungen erhalten. Der Sicherheitshafen liegtam Peterswerft, zwischen dem Thürmchen- und Eigelsteinthor. Bei denfurchtbar verheerenden Eisgängen der Jahre 1783 und 1784 zeigte sichdie Nothwendigkeit eines geeigneten Winterhafens. Doch verging nochlange Zeit, bis 1810 der Bau begonnen wurde. Die Größe derSohle des Hafens war auf 1600 Fuß Länge und 150—180 Fuß derBreite festgestellt. Er wurde im I. 1813 zum Gebranch eröffnet und istfür die Kölner Schifffahrt sehr nützlich, obgleich Manches daran vonKennern getadelt wird. Winters wird er durch 17 große Gaslaternenerhellt und durch 4 Nachtwächter, desgleichen durch einen Hafcnaufseherund Hafenmeister bewacht. Bei seiner Ausdehnung vermag er alle Dampf-und Segelschiffe der Stadt und eine bedeutende Zahl auswärtiger Fahr-zeuge zu überwintern. Seinen Eingang deckt eine hohe Brücke und anihr stehen einige hölzerne Häuschen, denen ganz ähnlich, welche die holländ.Schiffer am Zupdersee bewohnen. Die jährl. Unterhaltungskosten unddie Gehalte der bei diesem Hafen Angestellten betragen etwa 1700 Thlr.
Unter den zahlreichen Vereine» der Stadt Köln, welche wir un-möglich alle anführen können, mögen folgende kurz erwähnt werden, dieentweder durch ihren Zweck oder durch die Zahl der Mitglieder die ersteStelle einnehmen: Der Kunstverein; er besteht seit >816, zählt zwi-schen 5 und 600 Mitglieder mit einem jährlichen Beitrag von 5 Thlrn.und hat einen Ausschuß von 23 und eine Direction von 7 Mitgliedern.Würde sich Köln, was zu erwarten steht, mit den 5 Städten: Karlsruhe,Darmstadt, Mainz, Mannheim und Strasburg, die bisher für sich denrheinischen Kunftverein bildeten, in eine nähere Verbindung setzen, somüßte daraus nicht nur seinem besondern Verein, sondern auch demGanzen ein großer Vortheil erwachsen und Köln würde jedenfalls dieerste Rolle spielen. — Auch der musikalische Verein umfaßt über500 Mitglieder, die einen Jahresbeitrag von 1 Thlr. entrichten. Erhält seine Uebungen, Proben und Versammlungen in dem großen Saaldes sogenannten Neubaues, am Rathhausplatz. Die Geschäfte leitet einVorstand aus 12 Mitgliedern. — Noch zahlreicher, als die beiden ge-nannten und jedenfalls über 600 Mitglieder zählend, ist der Gew erb-verein unter einem Vorstand von 10 und einem Ausschuß von 20 Per-sonen; er gibt zugleich das gemeinnützige Wochenblatt heraus. Köln hatauch eine Lokalsektion des niederrheinischen landwirthschaftl. Vereins;der Gesammtverein begreift über 5000 Mitglieder, die jährl. 1 Thlr.beitragen. Nur freiwillige Beiträge entrichten die etwa 100 Mit-glieder des Verschönerungsvercins, welcher mit dem Kölncrdvmbau-verein in Verbindung steht. Dieser letztere bildete sich 1842 und zähltbereits weit über 2000 Theilnehmer, deren Beiträge ungleich sind, je-doch 1 Thlr. übersteigen. Sei» Zweck ist den Weiterbau des Doms zufördern; sein Organ, das Kölner Domblatt, welches wöchentlich einmal
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