großes Festessen beim Antritt ihres Amtes auf dem neuen „unsrer HerrnHaus Obenmauern" halten sollten. Der genannte Kaiser Friedrich III. saß1473 hier auch zu Gericht über den Herzog zu Jülich, weil dieser sich gegenKarl den Kühnen von Burgund ins Feld zu ziehen weigerte. MarimiliansWahl zum römischen König wurde I I Jahre später mit ungeheuerm Pomphier von der reichen und prachtliebcnden Stadt gefeiert. Nachdem derselbeFürst als Kaiser I5l>3 auf dem Henmarkt ein glänzendes Turnier gehalten,folgte am 13. Juli ein großes Banket auf dem Gürzenich. Diese Erinnerun-gen knüpfen sich an das alterthümliche Lokal. In neuester Zeit wird cö zuden großen Musikfcsten, den Kunstausstellungen, den Carnevalsversammlun-gen und zu Bällen benutzt. Das Gebäude ist aus Basaltquadern und Tuff-steinen aufgeführt. Ueber den beiden großen Eingangsthoren gewahrt mandie Steinbilder des Agrippa, als des Gründers dieser Stadt, und einesgewissen Marsilius, welcher der Stadt wichtige Dienste geleistet und reffenAndenken sich in der Feier des Holzfahrtstages (Donnerstag nach Pfingsten)noch bis heute bewahrt hat. Aus dem Saale selbst befinden sich zwei großeKamine mit mancherlei Bildern und Vorstellungen, welche auf den Zweckdesselben hinweisen sollen. Die ganze Bauart des Saales, sowie seine Größeeignet sich vortrefflich zu den Festlichkeiten, zu welchen er neuerdings bestimmtist. Die den verschiedenen Festen jedesmal angepaßten Wandverzierungcn,die schöne Erleuchtung, sowie die Plafondirung ves Saales (seit dem Jahre1823) vereinigen sich, auch die Umgebungen würdig und ansprechend zumachen. Der Kaiser Friedrich III. ließ hier jenen oben erwähnten Tanz imJanuar 1474 anstellen, damit er „die schönsten Frauenzimmer der Stadtbeisammen sähe." An diese Absicht erinnert sich auch heut zu Tage manchesMännerherz mit Vergnügen, obgleich es nicht unter kaiserlichem Hermelinschlägt. Die festlichen Versammlungen im Gürzenich lassen bekanntlich indieser Hinsicht kaum Etwas zu wünschen übrig und dürfen sich unbedingtmit allen jener Hauptstädte Deutschlands messen, deren weibliche Einwoh-nerschaft seit alten Zeiten den Ruhm besonderer Schönheit, Anmuth undZierlichkeit in Anspruch nehmen konnte. Einige Jahre nach dem Gürzenichscheint das sogenannte Tempelhaus in der Rheingasse Nr. 8 erbautworden zu sein. Es zeigt den byzantinischen Styl, hat einen hohen Staffel-giebel und ist in den letzten Jahren seiner ursprünglichen Gestalt gemäßwieder hergestellt worden. Früher trug die Außenseite eine unbedeutendeInschrift, welche jetzt aber verdeckt ist. Im Innern bewahrte es nochgroßentheils die alterthümliche Form und Einrichtung. Die Zimmer undSäle sind geräumig und in Einem derselben, im untern Stock, wurdejene von dem Bürgermeister Hardenrath herrührende Urkunde ausgestellt/welche wir bei der Kirche St. Maria im Kapitol bereits erwähnt haben. —Das Casino ist ein neues, großes und schönes Gebäude am Augustiner-platz und der gleichnamigen Straße, mit einem Balkonportal und geräumi-gen Sälen. Es ist Eigenthum der aus mehr als 3lZl) Mitgliedern bestehendenCasinogesellschaft. Lese- und Erholungssäle, eine Speise- und Kaffeewirth-schaft, zu der Gesellschaft gehörig, findet sich im Erdgeschoß. Die Gesellschafthält die beliebtesten Tagblätter in verschiedenen Sprachen und besitzt außer-dem Bücher, Karten u. s. w., wie es in solchen Gesellschaftslokalen neuerdingsüberall üblich ist. Im Winter finden auch wöchentliche Dainenunterhaltungenstatt; Bälle, Konzerte wechseln mit andern gesellschaftlichen Vergnügungen.Das Geburtshaus des Rubens liegt in der Sternenstraße. Das ge-genwärtige Gebäude, aus dem vorigen Jahrhundert stammend, ist ansehnlich,enthält aber nichts Merkwürdiges, als die beiden grünlich angestrichenenSandstcintafeln, mit deutscher Inschrift in latein. Buchstaben. Der gelehrteWallraf hat zuerst ermittelt, daß dies Haus und nicht ein anderes in dersel-ben Straße, das die alte Ueberlieferung bezeichnete, das Geburtshaus desgroßen Malers und das Sterbehaus einer Königin sei, auf Wailrafs Ver-anlassung sind auch die beiden Inschriften an der Fayade des Hauses ange-bracht worden; die zum Andenken von Rubens befindet sich zur Rechtender Rundbogenthüre; das ziemlich gute Bild von Rubens ist in rundemRahmen angebracht u. die Unterschrift sagt: Peter Rubens, geb. 29. Juni1377, starb im 64. Jahre zu Antwerpen, den 36. Mai 1646. Zur Linkenist die Inschrift für Maria v. Medicis starb den 3. Juli 1642, 68 Jahrealt. Sie war Gemahlin Heinrichs IV. von Frankreich gewesen und ver-brachte nach einem bewegten Lebe» hier ihre letzten Tage in großer Dürf-tigkeit. Sonst nahm man die St. Marienkirche im Capital fälschlich als
den letzten Aufenthaltsort dieser Königin an, wo fie auch beigesetzt sei.Allein dem ist nicht so, und wir haben bereits nach dem Borgange derglaubwürdigsten Geschichtschreiber behauptet, daß ihre Leiche nach Frank-reich gebracht worden sei. — Die Landwehrcaserne und das Mi-litärarrcsthaus findet sich in der Agathastraße, ein Gebäude desehemaligen Agatha-Nonnenklosters, dessen Kirche zu demselben Zweckeverwendet worden. — Die Jnfanteriekascrne Nr. 1 ist groß undaus 2 Abtheilungen bestehend; fie liegt neben dem mehrerwähntcn Hause:Stadt Prag, das dem Ritter von Adocht gehörte. Unmittelbar hinterder ersten, in der Streitzeuggassc, ist die beinahe eben so große Jnsan-teriekaserne Nr. 2. Sie befindet sich im ehemaligen Franziskanerkloster.Neben der ersten Kaserne ist das alte Zucht- und Correktionshaus, dieBlcchenpotz, ein weitläufiges Gebäude, das ich schon erwähnte. DasOberpostamt in der Glockenstraße, dessen weite Anbauten sich bis zurStreitzeuggassc erstrecken und einen Hof umgeben, »m welchen die Ge-schäfts- und Erpeditionszimmer vertheilt find, enthält für zahlreiche Rei-sende die erforderlichen Bequemlichkeiten in großen Passagierstuben. DasHauptgebäude ohne allen Schmuck ist Wohnung des Oberpostdirektors;gegen den Hof sind 2 große Altane gerichtet; ein Thürmchen, mit Abendserleuchtetem Zifferblatt und Schlaguhr, trägt mit zur Regelmäßigkeitdes Dienstes bei. Die Remisen, mit zahlreichen Postwagen angefüllt,find am Eck der Streitzeug- und Krebsgaffe. Dagegen ist die Poli-zeidirektion in der Glockenstraße ein wenig ansehnliches Gebäude,es enthält auch die Polizeiwache. Jeder der 6 Stadtbezirke hat einenbesondern Polizeikommissär mit eigenem Büreau. Das Hauptsteuer-amt in der Breitestraße, ist ein schönes und ansehnliches Gebäude, worinfich das Geschäftslokal der Steuerbeamten befindet. Dem ehemaligenCäcilienkloster gegenüber liegt die königl. Bank, das Kloster selbst hatfich in ein B ü rger h osp ita l oder Stadtarmenhaus verwandeltund soll zu diesem bemeldeten Zwecke umgebaut werden. Die ältern Ge-bäude sind fast sämmtlich niedergelegt und diejenigen nur beibehaltenworden, welche mit geringerm Auswande für den Neubau verwendet wer-den könnnen. Ein Theil des Gebäudes ist auf der innern Seite alsGefängniß für Wahnfinnige u. s. w. eingerichtet, ein anderer dient alsKrankenhaus. Ringsum werden Promenaden angelegt, was den Nach-barstraßen besondern Vortheil bringen muß. Die Pionierkaserneam Weidenbach ist ein neues ansehnliches Gebäude in 2 Abtheilungen,wozu ein großer Hof gehört. Gegenüber neben St. Pantaleon ist derFcstungsbauhof, der einen großen Theil der ehemaligen Klosterräumlich-keitcn umfaßt. Ganz in der Nähe ist der Bahnhof der Bonn-KölnerEisenbahn, am Ende der Waisenhausstraßc. Er besteht in einem größernErpeditionsgebäude mit den Geschäftszimmern und Wartesälcn, dannmehren Häusern zum Aufstellen der Wagen, Maschinen und endlich einerhohen bedeckten Halle, wo die Züge halten und die Passagiere aus- undeinsteigen. — Einsam, aber angenehm liegt das Garnisonslazareth,im frühern Karthäuserkloster und der Straße gleichen Namens. Die sehrbedeutende» Räumlichkeiten sind i» neuester Zeit noch durch ein drei-stöckiges Haus vermehrt worden, so daß die ganze Anstalt jetzt in ihren36 Sälen über 466 Kranke recht wohl aufnehmen kann. Die ehemaligeJosephskirche dient, in Verbindung mit einem dahinter stehenden großenund einigen kleinen Häusern, als Proviantmagazin. — Außer denbeiden schon oben genannten Gymnafien der Stadt find hier noch fol-gende Schulen und Lehranstalten zu erwähnen:
Die höhere Bürgerschule, wozu 1828 ein besonderes Haus aufdem Quattermarkt erbaut wurde. Das Bedürfniß derselben hatte sichschon früher herausgestellt und war dringend, als das Karmeliter (Fried-rich Wilhelms) Gymnasium zu dem Rang, den es gegenwärtig einnimmt,erhoben wurde. Die höhere Bürgerschule hat in 3 Classen ohngefähr366 Schüler, über die l Direktor, 2 Oberlehrer, 6 Lehrer, 2 Religions-und 2 technische Lehrer gesetzt find. Dazu kommt die P.rovinz'ial-gewerdschule, welche 6 Lehrer und im Durchschnitte etwa 166 Schülerhat, meistens Jünglinge, welche fich einem höhern Gewerbe oder demBaufachc widmen wollen. Gewöhnliche Volks- oder Pfarrschulen hatKöln an 36, deren jede von etwa 366 Knaben und Mädchen besucht wird,die in 2 besondern Abtheilungen, jede zu 3—4 Classen, von 4—6 Lehrern