Stabsvfficier als Militärdirector, ein Studien- und ein Mitdirector, nebstst Officicren als Hülkslehrer vor. Sie hat eine kleine Bibliothek von 2999Bände», viele Karten, Pläne ». s. w. Die Vrigadeschule bildet Artilleristenund besitzt bedeutende Lehrapparate. Ein schönes Gebäude auf der Nordseiteder Trankgassc, dem Domeingang am Lilsch gegenüber ist Wallrafs-Museuni. Der >824 gestorbene Prof. Wallraf hinterließ der Stadt Kölnseine ausgezeichnet reichen Sammlungen zum Geschenk. Sie bestehen ausder Bibliothek, einer Sammluug von Kupferstichen, Landkarten, Handzeich-nungen ». s.w., ferner Rüstungen und Waffen, Marmorantiken, über löstvaterländische Alterthümer, geschnittene Steine, Münzen, über l600 Gemäl-de und aus einem Naturalicnkabinet, welches Alles beständig noch vermehrtwird. Unter den Antike» sind einige sehr schöne Büsten, Basreliefs undmerkwürdige Steinschriften. Unter den Gemälden finden sich Meisterwerkevon Albrecht Dürer, Scorcel, Luk. Kranach, Guido Reni, Rubens, Teniers,van Dyk, bis zu den lebenden Meistern Lessing, Bendcmann u. a. m. EineSammlung alter Kölnischer Familienbildnisse ist in 2 Zimmern aufgestelltund zunächst des AuSgangS: Wallrafs Portrait. Jeden Sonntag ist diesMuseum für das Publikum offen, wer es in der Woche besuchen will, lösetauf dem RathhauS eine Einlaßkarte. Uebrigens ist es Pflicht gegen einenedeln Todten und großen Patrioten wie der Stifter dieses Museums war,einige Worte persönlicher Anerkennung beizufügen. Ferdinand Franz Wall-raf, 1748 zu Köln geboren, war Sohn eines bemittelten Schneidermeisters.Nach Beendigung der gewöhnlichen Schul- und Universitätsstudien, wobei eraußer der Theologie, noch Mathematik und Phvfik mit besonderm Eifer be-trieb, ward er 1772 Priester und gleich darauf Professor am damaligenMontaner Gymnasium. Später, 1786 erhielt er als Canonikus zu St. Mariaim Capitel noch die Professur der Naturgeschichte, Botanik und Aesthetik,sowie die Aufsicht über den botan. Garte». Seit 1794 war er Rektor derUniversität, und 1799 Professor an der Centralschule. Sein Leben undStreben war nun fast einzig der Forschung in Geschichte und Alterthum seinerVaterstadt gewidmet und es gelang ihm, mitunter durch persönliche Entbeh-rungen und die rastlosesten Anstrengungen viele der Kunstschätze zu retten,die den habgierigen Blick der räuberischen Franzosen anzogen. So erhielter z. B. die prächtigen Fenster der Domkirche, deren Wegnahme beschlossenwar; auch bei der 1892 erfolgten Aufhebung der Klöster würde mancherwerthvollc alterthümliche Gegenstand verloren gegangen sein, wenn Wallrafnicht schützend zuvorgekommen wäre. Volle Anerkennung und von allenSeiten fand der siebzigjährige Greis, als Köln preußisch geworden. Alleinauch jetzt setzte er seine Sammlungen fort, lebte im Winter oft sogar ohneHeitzung, nur um sich nichts Seltenes entgehen zu lassen. Er starb allge-mein betrauen am 18. März 1824. In seinem Testamente hatte er seintheures Köln „zur Erbin seines sämmtlichen Nachlasses, er bestehe, woriner wolle", ernannt und zwar unter der unerläßlichen Bedingung, daß seineSammlung „zu ewigen Tagen bei dieser Stadt zum Nutzen der Kunst undWissenschaft verbleiben, derselbe» erhalten und unter keinem erdenklichenVorwande veräußert, anders wohin verlegt, aufgestellt und derselben ent-zogen werden soll". — Die Taubstummenanstalt, in der Straße ander Rechtsschule, ist ein nicht besonders großes Gebäude, worin seit 1831etwa 69 Taubstumme von 7 Lehrern und 1 Lehrcnn Unterricht empfangen.Das Etzweilersche Haus an der Ecke der Dranggasse ist dem Gürzenichähnlich, mit Thürmchen, Zinnen und Schießscharte». Obwohl die innereEinrichtung in neuerer Zeit wesentliche Veränderungen erfuhr, so bietet esdoch noch viel VeachtenSwerthes. Der altdeutsche Tester über der Nische,in welcher an der Ecke des Hauses ein steinernes Marienbild steht, ist be-sonders schön. Das schöne RathhauS an dem gleichnamigen Platz wurdeim 12. Jahrhundert aufgeführt, war aber anfänglich nicht so groß als jetzt.Die ältesten Theile sind das Erdgeschoß und wahrscheinlich der Hansesaalim ersten Stock. Dieser, im altdeutschen Styl, enthält neun hohe Standbildervon Vertretern hanseatischer Bundesgenossen, was durch die Wappenschildeneben ihnen angedeutet wird. In diesem Saal wird noch Wallrafs Biblio-thek und seine Sammlung von'Kupferstichen u. s. w. aufbewahrt. Die soge-nannte Muschel, ein zweiter Saal, worin jetzt der Stadtrath seine Sitzungenhält, war früher Lokal für Gastmähler. Die Wände sind mit Gobelinstapc-»en, Landschaften nach Wouvermans, geschmückt; an der Decke sind die vierElemente in schonen Verzierungen angebracht. Ueber diesem Saal befindetKöln.
sich die ziemlich bedeutende Bibliothek des Syndikats und das Stadtarchiv.Der Rathhausthurm wurde 1497—1414 erbaut; seine Steinbilder und dieGallerie, die ihn umgab, mußte man der Verwitterung wegen herabnehmcn.Die Ausdehnung des RathhauseS gegen den Altmarkt rührt von >649 her,und der Ban des schönen Marmorportals am NathhauSplatze, aus 2 über-einander gestellten Säulenreihen mit Arkaden bestehend, von 1569—1571.An der Brüstung der obern Reihe gewahrt man mehre Basreliefs, nebst Dank-inschriften, welche dem I. Cäsar, August, Agrippa, Constantin, Justinianund Marimilian gewidmet sind. Das mittlere Basrelief ist wieder der Lö-wcnkampf Gryns, dessen wir bei der Beschreibung des Zeughauses gedacht.Die Rathskapclle ist im südwestl. Winkel des Rathhausplatzes, an der Stelleder frühern Synagoge, als welche der Raum 414 Jahre gedient hatte. Siewurde 1426 von dem Senat als Kapelle eingeweiht und ihr der Name Je-rusalem beigelegt. Auf ihrem Altar stand das berühmte Dombild, welchesjetzt im Dom hängt. Die Gebäude am nordwestl. Theil des Platzes sindaus dem 17. Jahrh, uns werde» nur der Neubau genannt. Ehemals fandensich hier die Geschäftszimmer städtischer Behörden, dann die von verschiede-ne» Gerichten. Jetzt pflegt der Musikvercin in dem großen Saal seineUebungen und Proben vorzunehmen. In dem Hause an der Bürgerstraßehält das Handwerksgericht seine Sitzungen.
Das Lagerhaus — von 1836—1838 erbaut — ist ein fünfstöckiges,sehr hohes Gebäude im Styl des Gürzenich, mit zwei gewaltigen Spitz-bogenthüren, runden Fenstern und einer hohen Zinne, worauf zwei Bildsäulenneben dem Wappenschild der Stadt stehen. Schon sein Unterstock hat dieHöhe eines gewöhnlichen Hauses. Es enthält sehr große Waarenlager, diesich in mehre Abtheilungen scheiden, welche für die darin niederzulegendenGegenstände auf das Zweckmäßigste eingerichtet sind. Zur Seite steht dasältere Lagerhaus aus dem 17. Jahrhundert, zwar an sich groß, allein durchdas neue, es weit überragende Gebäude, ganz in den Schatten gestellt. —Das städtische Pfandleihhaus a» der Nechtsschule. Sieben Beamtebesorgen die Leitung der Geschäfte. UcbrigenS wird die Anstalt nach densel-ben Vorschriften verwaltet, wie in andern Städten. Ein Gleiches gilt vonder städtischen Sparkasse, bei welcher 5 Beamte angestellt sind. Die Haupt-wache, auf dem »ördl. Theil des Heumarklcs ist ein 1849 erbautes, schönesGebäude. Der Dachkranz ist mit 4 Steinadlern geschmückt, deren Krallensich an Kanonenläufe fest anklammern. Auf demselben Platz ist die ehemalige,nicht besonders ansehnliche Börse, ein hallenarliges und mit Eisengitterumschlossenes, einstöckiges Gebäude, welches den Platz verengt und sich inneuster Zeit in ei» Vaurhall, oder eine Speise- und Kaffeewirthschaft ver-wandelt hat. Schon im 16. Jahrh, soll an derselben Stelle oder doch in derNähe ein ähnliches Haus gestanden haben. Das jetzige wurde 1739 erbaut,in unserm Jahrhundert angemessen verschönert und 1829 feierlich wiedereröffnet. Es diente inzwischen gar nicht lange zu dem vorausbestimmtenZweck, wahrscheinlich weil es für die meisten Kaufleute zu entlegen warund diese es daher natürlich vorzogen, an einem andern gelegner» Ortesich zu versammeln. Der Handelsstand beabsichtigt gegenwärtig, eine neueund viel großartigere Börse aufzuführen, womit vielleicht zugleich die KölnerKunst-, Industrie- und Freuden-Halle rereinigt werden könnte, deren Bauunverweilt ausgeführt werden soll. Man begibt sich von hier nach der Bol-zengasse und steht am Ende derselben vor dem Gürzenich. Zu diesemgroßen, eigenthümlich gebauten, städtischen Kaufhause wurde am Ende des>4. Jahrh, schon der Grundstein gelegt, allein erst später beendete man das-selbe. Noch sind die Rechnungen vorhanden, nach welchen der Bau die fürjene Zeiten ungeheuere Summe von 39,999 fl. kostete. Den Namen erhieltes von einem alten Adelsgeschlechte, dessen Stammhaus zuvor auf dieserStelle gestanden. Es erhebt sich unmittelbar über der ehemaligen Nömer-mauer, an der darnach genannten Straße Oben-Mauern, jetzt St. Martin.Das Erdgeschoß dient als Waarenlager für die landeinwärts zu v rsenden-den Kaufmannsgüter. Der obere Stock bildet einen einzigen Saal, 175 Fußlang, 79'/. Fuß breit und 29 Fuß hoch, der von jeher bei festlichen Gele-genheiten benutzt ward. Kaiser Friedrich III. und sein Sohn Marimilian I.gaben hier der Stadt zu Ehren 1474, 1486 und 1595 sehr glänzende Feste,und auch ihr Nachfolger Karl V. veranstaltete am Sonntag nach Allerhei-ligen 1529 in diesem Saal einen Fürstcntanz. Schon 1452 beschloß derStadtrath, daß die Bürgermeister von Köln ihren jährl. Dienst, d. h. ein
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