Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

und erlitt so viele Schicksale, daß von dem ursprünglichen Bau wenigmehr zu sehen ist Sonst waren im Innern die Särge und Gebeine der11,999 Jungfrauen aufgeschichtet, welche mit St. Ursula der Schutz-patronin Kölns den Märtyrertod starben. Man hat fie meist entfernt.Das Grab der Schutzheiligen in schwarzem Marmor ist 1659 durch dasEhepaar Hegemilcren gestiftet. Zugleich findet sich eine Alabastcrbildsäuleder Heiligen in Lebensgröße. Auch ihr Tod ist durch ein Blatt im Haupt-altar von Schutt gut dargestellt. Andere Bilder, besonders dieApostelbilder auf Schieferplatten, aus dem Anfang des lZ. Jahrhundertsund Andere find beachtenöwerth. In einer Seitenkapelle, der goldenenKammer, sowie rings an den Wänden sind in vielen Schreinen die Ge-beine aufgestellt, auch ein kolossales Grab neben dem der Patronin ent-hält solche. Noch ist St. Kunibert mit ihren beiden Thürmen naheam Rhein zu beachten. Der eingestürzte Hauptthurm soll hergestellt wer-den. Der Sage nach weihte der Erbauer, Bischof Kunibert, im 7. Jahr-hundert dies Gotteshaus dem h. Clemens. Ihr Hochaltar mit 4 Bild-säulen, hinter dem sich fünf Rundbogenfenstcr mit schönen Glasgemäldenaus dem 13. Jahrhundert die ältesten in Köln befinden, wird durchdie Pracht und den Farbenreichthum der letzten noch interessanter, obgleiches mühsam ist, sich in der langen Reihe von Darstellungen aus dem Lebender Heiligen zurechtzufinden. Andere Kirche» oder Kapelle» sind unbe-deutend oder sonst verwendet. Wenn nun auch sonst dasheilige Köln"nicht was die Sage behauptet so viel Kirchen als Tage im Jahrhatte, so mögen es doch nahe an 29V gewesen sein. Noch vor dem Ein-fall der Franzosen 1794 zählte man ll Stifts- und 19 Pfarrkirchen, 49 Ka-pellen, 19 Mönchs- und 39 Nonnenklöster. Die Synagoge mitgerechnetsind jetzt für den Gottesdienst 29 Gebäude bestimmt, davon für die Ka-tholiken 4 Haupt- und 15 Succursal-Pfarrkirchen, desgleichen 7 Oratorienund Kapellen.

Außer diesen gottesdienstlichen Bauten, die kaum in einer anderndeutschen Stadt so viel Aufmerksamkeit verdienen, bemerken wir noch an-dere Gebäude und Denkmäler. Der Römer- oder Musivthurmgilt als das älteste noch aufrechtstehende Bauwerk der Stadt und erhebtsich auf der alten Burgmauer, nahe am Nömerthor. Sein unterer Theil,etwa 12 Fuß hoch und aus mehrfarbigen Steinen, die Figuren bilde», istsehr alt, wcßhalb ihn auch manche aus der fränkischen Periode herleiten;der Neberbau von rothen Backsteinen, zwei Drittel der ganzen Höhe, istneu; er wird von einem Privatmann bewohnt und ist im Innern nachdein Geschmack der Neuzeit eingerichtet. Unfern desselben in der Zeug-hausstraße liegt das großartige, 1839 und 1831 aufgeführte Regie-rn ngsgebäud e. Es hat ein schönes Balkenportal auf 4 Säulenund 2 Nebenaltanc. Außer den Geschäftszimmern und der Präsidcn-tenwohnung enthält es auch Gemächer zur Aufnahme des Königs odereinzcler Mitglieder seiner Familie. Gegenüber das Zeughaus, ehe-mals Kornhaus genannt. Die ältere Abtheilung, 1594 bis 1691 ge-baut, enthielt sonst alte Waffen und Kriegsgeräthc, welche aber meistvon den Franzosen verschleppt oder muthwillig zerstört wurden. Neberder Thüre des mit dem Zeughaus verbundenen Thurms ist ein Basrelief,den Kampf des Bürgermeisters Gryn mit dem Löwen darstellend. DerBischof Engelbert II. , mit der Bürgerschaft im Streite, lud nämlich diesenGryn zu sich ein, um eine Aussöhnung zu bereden. Verrätherisch führtenaber zwei Domherrn den Ehrenmann an ein Pförtchen am Pfaffenthor undals er eintrat, sah er sich im Löwenzwinger- Unerschrocken kämpft er denstärksten Leu nieder und wird alsdann von seinen Mitbürgern, denen indeßeine dunkle Kunde von seiner Gefahr zukam, mit Gewalt befreit. Auch amNathhaus erinnert ein Basrelief an Gryns Muth. Die größere, alsWagenhaus verwendete Hälfte des Zeughauses ist in neuerer Zeit erbaut.Neben dem Regierungsgebäude liegt die Hebammenlehranstalt, ver-bunden mit einer Entbindungsanstalt. Ihr Wirkungskreis dehnt sich fastüber die ganze Nheinprovinz. Hier werden jährlich 49 Hebammen ge-bildet und beim Austritt aus der Anstalt geprüft; auch nahe an 299 Per-sonen entbunden. Hinter dem Zeughause, am Appclhof erblickt man den1824 bis 1826, meist auf städtische Kosten erbauten Justizpalast, worinverschiedene Gerichtshöfe ihren Sitz haben. Das Schauspielhaus, inder Komödienstraßc, ganz nahe bei dem Justizgebäude gelegen, wurde im

Jahr 1828 nach dem Muster des Hofrheaters zu Darmstadt beendet, istEigenthum einer Aktiengesellschaft und kann 1899 Zuschauer aufnehmen,was freilich kein rechtes Verhältniß zur Bevölkerung der Stadt ist; auchmacht es weder von außen, noch von innen einen besondern Eindruck.Der erzbischöfliche Palast, auf der Nordseite der Gereonsstraße, ist einhübsches Gebäude, das ehemalige Haus der Familie Heereman von Zuydwick,welches der Bürgermeister I. B. von Mülheim im letzten Jahrhundert auf-geführt. Ein großer, weitläufiger Garten, welchen der Erzbischof Spiegelmit Geschmack angelegt, befindet sich unmittelbar hinter dem Palaste. Inder Nähe ist das neue Civilarrest- und Correktionshaus, das,von 1835 bis 1338 erbaut, aus einem großen Rundbau, mit vorspringen-dem Portal in der Mitte, drei großen Seitenflügeln und einem Nebenbau,nebst einem kleinern an der Straße belegenen Hause besteht. Der Mittel-bau enthält die Kapelle und die großen Arbeitsstile. Die Gefängnisse sind,je nach Art und Weise der Verurtheilung, gesondert und die noch nichtVerurtheilten von den klebrigen streng geschieden. Die durchschnittliche Be-völkerung des Hauses, die Beamten ausgenommen, beträgt 259 bis 399Individuen. Das alte Zucht- und Correktionshaus, die sogenannte Ble-chenpor (Blechbüchse?) am Neumarkt, hat etwa 199 Gefangene und eineKrankenanstalt. Die Artilleriekaserne in den Räumen des ehemali-ge» Dominikanerklosters hat einen großen Doppelhof. Das erzbischöf-liche Priesterseminar, im Gebäude des ehemaligen Jesuitencollegiumsneben der Mariä Himmelfahrtskirchc. Der Erzbischof Ferdinand I. stiftetediese Anstalt und führte 1612 1659 das Gebäude auf, welches nundie Jesuiten bis zur Auflösung ihres Ordens inne hatten. Das Seminarwurde 1827 wieder hierher verlegt. Das Gebäude besteht aus drei großenFlügel», deren lange sich an die Kirche lehnen, während der kürzere einenwürfelförmigen Anbau gegen den botanischen Garten hat. Zwischen 69und 65 Seminaristen besuchen diese Anstalt, deren Aermere Alles unend-geldlich erhalten. Im Südbau ist die Bibliothek des katholischen Gymna-siums aufgestellt. Sie enthält die Reste der sämmtlichen Klosterbibliothekender Stadt, vermehrt durch die für die französische Centralschule und inneuster Zeit aus Zuschüssen der Staatsregierung gemachten Ankäufe. Zu-sammen 65,999 Bände, darunter 2999 Jncnnabeln, alte Kupferstiche unddergl. Die öffentliche Benutzung dieser Bibliothek ist mit Ausnahme derSonn- und Feiertage täglich 2 St. gestattet. Auch die Scminarsbibliothckim gleichen Gebäude mag aus 18,999 Bänden bestehen. Der botanischeGarten von etwa 5 Morgen Land, liegt hinter der Himmelfahrtskirchc unddem Jesuitencollcgium. Seit dem Sommer 1343 ist in diesem Garte» dasLokal der künstlichen Mineralwasseranstalt eröffnet. Auf der Westseite derMarcellenstraße in einem ziemlich großen und schönen Gebäude ist dasJesuitengymnasinm. Im I. 1816 hatte es nur 173 Schüler und12 ordentliche Lehrer. Beinahe 599 Schüler beider Confessionen besuchenjetzt diese Anstalt, die in 11 Classen getheilt ist und neuerdings außer einemDirector, 6 Oberlehrer, 9 ordentliche, 5 außerordentliche und technischeLebrer hat. Dies Gymnasium ist ungemein reich dotirt und kann sich auseignen Mitteln erhalten, indem seine Jahreseinkünfte gegen 29.999 Thlr.ausmachen. Unabhängig davon ist der Schul- und Stiftungsfonv, den manauf 39,999 Thlr. anschlagen kann und der für die Besoldungen der Lehrerund zur Bestreitung anderer Bedürfnisse der Anstalt verwendet wird. Zu-gleich ist derselbe für einzelne Familienberechtigte, sowie für arme und dürf-tige Schüler bestimmt. Außer diesem Gymnasium gibt es in Köln nochein zweites, im ehemaligen Karmeliterkloster am Waidmarkt. Letzteres- heißtauch Friedrich-Wilhelms-Gymnasium, wurde 1829 als höhereStadtschule mit vier Abtheilungen gestiftet, allein 1825 in ein Gymnasiumerster Classe verwandelt, weil das Jesuitengymnasium nicht hinreichte. Da-mals wurde dasselbe von 239 Schülern besucht und hatte soviel Lehrerwie jetzt. Auch diese jüngere Anstalt wird in 11 Classen getheilt, hat einenDirector, 3 Oberlehrer, 6 ordentliche Lehrer, 2 Religions- und 2 tech-nische Lehrer; sie faßt aber gegenwärtig über 399 Schüler. Die Bedürfnissewerden aus einem Drittel des vorhin bezeichneten Stiftungsfonds am Je-suitengymnasium bestritten, wozu der Staat 5999 Thaler schießt. Diekönigl. Cadetten schule scheidet sich durch ihre Einrichtung in Divisions-und Brigadeschule. Die erstere bildet Fähnriche und Officiere, Hai 2 Classen,eine» neuiimoiiatlichen Lchrcursus und etwa 59 Zöglinge. Ihr stehen ei»