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6 (1846)
Entstehung
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hinter der Johanniskirche, am obersten Theil des Katharinengrabens. Bis1369 war hier der jüngere Kirchhof, wo man junge Verbrecher aus an-gesehenen Häusern heimlich enthauptete und beerdigte. Jakob von Grooteumzog den Ort im 17. Jahrhundert mit einer Mauer. Später wurde diehäufig besuchte Kirche erweitert und 1765 neu aufgeführt. Sie ist blut-roth, im holländischen Stpl erbaut und mit rothem Thurm versehe». Ueberder Thüre erblickt man ein kolossales, räthselhaftcs Steinbild. Nahe beiist ein Kirchhof und das Dreifaltigkeitskloster. Unfern des gleichnamigenThors und ver nach ihr benannten Straße liegt St. Severin. Hier läßtdie Sage den Silvanus, der sich unter Konstantins zum Kaiser ausrufenließ, erschlagen werden. Wahrscheinlich ist die Kirche aber ans dem 11.oder 12. Jahrhundert. Ein Abendmahl, mit zwei Seitenflügeln, vonde Brupn und andere Kunstwerke sind beachtcnswerth. Am Eingang stehen4 Heiligenbilder, unter welchen Severin. Das Innere ist heiter, das Schiffhochgewölbt. Der sehr erhöhte Chor macht durch seine vielen Säulen einenguten Eindruck. Unter der Kirche ist eine Krypta. Der Umgang oderKreuzgang von St. Severin, welcher in der That sehr baufällig ist, soll,wie man hört, zur Versteigerung kommen und abgebrochen werden, wo-durch viel Raum gewonnen würde. Man hatte dem Stadtrath vorge-schlagen, ihn anzukaufen und etwa zur Aufstellung von Grabdenkmälernoder einem städtischen Nebenmuseum zu verwenden; dieser Vorschlag fandaber keinen Anklang und wäre bis zur Ausführung mit etwa 16,660 Tha-lern Kosten verknüpft gewesen. Eine fast ländliche Lage hat St. Mariazur Schnurgasse, 1643 erbaut und I7l6 geschmacklos erneuert. Sieist in der Nähe des Eisenbahnhofes und war ursprünglich Bethaus für dieNonnen des Karmeliten Baarfüßerklostcrs; sie ist reinlich, heiter und bunt.Als größte Merkwürdigkeit zeigt man ein uraltes Marienbild von Holz,das nebst einem kleinen Oelbild Maria von Medicis dieser Kirche schenkte.St. Pantaleon, zwischen der Waisenhausgasse und dem Weidenbach,soll 954 vom Erzbischof Bruno aus Steinen der von Constantin errichte-ten Rheinbrücke aufgeführt worden sein, gehört aber vermuthlich deml3. Jahrhundert an. Sie ist seit 1819 für den evangelischen Militärgot-tesdienst eingerichtet. Ein über dem Altar befindliches Glasgemälde hatKunstwerth. Auf dem nicht besonders hohen T urm ist der Telegraph.St. Mauritius am gleichnamigen Stcinwcg hat zwei schlanke, untenachteckige, oben runde Thürmchen, die Form eines Kreuzes und bewahrteinige hübsche Bilder. Die Bauart des St. Peter, die am Ende des15. Jahrhunderts gestiftet worden, hat nichts Besonders, allein sie be-wahrt das schöne Bild von Rubens, die Kreuzigung des Apostels Petrus.Es war, von den Franzosen geraubt, bis 1815 im Louvre zu Paris.Auch hat die Kirche Glasgemälde. Das Taufbecken von gelber Bronzebetrachtet der Reisende theils wegen der Vorrichtung, womit der schwereDeckel mittels einer eisernen Winde abgehoben wird, theils weil 1577am Peter Pauls-Tage Rubens hier getauft worden. Sehr alt, aber nichtmerkwürdig ist die daneben stehende Kirche der h. Cäcilie, die sonst zueinem Nonnenkloster gehörte. Auch St. Elisabeth ist »»bedeutend.Die evangelische Pfarrkirche, zu klein für die Gemeinde, enthält einschönes Gemälde, die Kreuzigung des Erlösers, von Joh. von Aachen,auch hübsche Glasmalereien in den Fenstern. St. Columba hat eineeigenthümliche Bauart, denn ihre Länge besteht aus 4, die Breite dagegenaus 5 Bogen. Im klebrigen bietet sie wenig Interessantes. Schön undhell, in Gestalt eines doppelten Kreuzes erbaut, ist die Minoriten-kirche am Platze gleichen Namens, sie enthält viele Holzbildsäulen, Ge-mälde u. s. w. ohne Kunstwerth, zugleich aber auch das Grab des be-rühmten Scholastikers Duns Scotus, welcher 1275 geboren war und 1363starb. St. Maria zur Kupfergasse erregt keine besondere Aufmerk-samkeit. Dagegen ist die zu St. Aposteln, nordwestlich vom Neumarkt,von großartiger Bauart. Den Grundstein legte 1661 Erzbischof Heribert,sein Nachfolger Pilgram weihte 25 Jahre nachher das vollendete Gottes-haus ein. Schön und imposant ist der Glockenthurm über dem Eingang.Der Chor, nach dem Muster der Sophienkirche zu Constantinopel, wirddurch 3 halbe Rundungen gebildet, über welche sich 3 Kuppeln wölben.Zwei schlanke Minaretthürme zieren die mittlere Rotunde am Ende desChors. Ueber den 3 andern Rotunden erhebt sich die achteckige Haupt-kuppel. Vom Neumarkt gesehen, nimmt sie sich sehr gut aus und scheint

Sie wob ein schön GebildeMit eigner zarler Hand,Das sie dann fromm und mildeZu ihrer Kirche sandt!

Da war es lang zu sehenEs hing zur gailenjeitIm Ehorc von den HöhenIn Prachl und Künstlichkeit.

aus mehren, über einander sich erhebenden Kirchen zu bestehen. DerHaupttheil entging glücklicherweise den Flammen, welche 1699 und 1199die Kirche' ergriffen. Der Styl des Langhauses weist in den Anfang des13. Jahrhunderts hin. Eine Himmelfahrt der Jungfrau, von Hülzmann,und der Märtyrertod der h. Katharina, von Pottgießer sind sehenswerth,sowie der Ueberrest eines Fastentuches, das Frau Nichmuth von Adochtwebte. Diese verfiel während der Pest 1357 in Starrkrampf und wurdein der Familiengruft ihres Gatten lebendig beigesetzt. In der nächstenNacht wollte der arme Küster ihren Trauring stehlen, zerrte am Fingerund brachte so die Scheintotste in das Leben. Als sie sich aufsetzte, floher und ließ Schlüssel und Laterne zurück. Richmuth erhob sich mit Müheund gelangte an das Thor ihres nahegelegenen Wohnhauses. Sie klopfteund nannte ihren Namen. Entsetzt meldete es der Diener dem Herrn.Dieser rief, eher würden seine Schimmel aus dem Stalle auf de» Söllersteigen, als daß sein Weib aus dem Grabe zurückkehre. Sogleich hörteman das Poltern der Rosse, welche die Treppe hinauf sprangen. DerRitter, freudig überzeugt, öffnete selbst und empfing das wunderbar ge-rettete Weib, das noch lange mit ihm in glücklicher Ehe lebte und ihmmehrere Kinder schenkte. Einige Dichter, z. B. E. von Groote habendieses wunderbare Ereigniß besungen und des Tuches gedacht. Groote sagt:

Am Kreuze liegt der Schädel,

Auf dem die Kosen blühn;

Und rechts und links hochedelDie Rittersleute knien.

Und aus den Rosen hebenDrei Englcin sich empor.

Die zu dem Heiland schwebenIn wundersüßem Chor.

Maria und die Jünger So hat uns zum Gedächtniß

Sah man am Kreuze siehn, Richmod das Tuch gestickt.

Wie sie zum starken Ringer Und es dann zum Vermächtniß

Für's Heil der Menschheit flehn In jenes Stift geschickt.

Die steinernen Schimmel, welche Adocht nachher zur Erinnerung aus sei-nem Dachfenster sehe» ließ, wurden von den Franzose» beseitigt, alleinseit einigen Jahren hat man sie durch hölzerne ersetzt, die im Dachfensterdes Hauses zur Stadt Prag an der Ecke des Neumarktes und derNichmondstraße noch jetzt stehen. Eine der größten Baumerkwürdig,leiten der Stadt ist St. Gereon, nördlich von der Apostelnkirche. Gereonwar Anführer einer christliche» Legion und starb in der wüthenden Verfol-gung unter dem Kaiser Diokletian den Märtyrertod. Die Kirche, einfach,schön und regelmäßig, in Form eines doppelten griechischen Kreuzes, sollvon der Kaiserin Helena erbaut worden sein und zuerst einen mit Gold-platten bedeckten Fußboden gehabt haben. Doch weist die Bauart aufspätere Jahrhunderte hin. Zuverlässig ist, daß Erzbischof Hanno um 1666zu dem bereits stehenden Zeheneck die beiden am Chor sich erhebendenSeitenthürme und das Pfarrhaus fügte. Ein Zeheneck bildet auch dieVorkirche. Der Boden im Innern erhebt sich staffelförmig und vom Zehenecksteigen 7 Stufen gegen den Hochaltar an, wonach man auf 13 Stufenzum Chor gelangt. Eine Stiftung des Chorherr» von Eyck veranlaßte,daß man sie zu reich ausschmückte und so den großartigen Eindruck desGanzen schmälerte. Zu bedauern ist die Zerstörung des Kreuzganges, desschönsten, den die Stadt besaß. In der wiederhergestellten Vorhalle sinddie Neste von mehr als 466 Märtyrern, die im Jahr 286 mit Gereon hierstarben. Die am Eingang stehende Granitsäule, aus der Helenenkircheherrührend, wurde 1794 von den Franzosen, die sie nach Paris schleppenwollten, zerbrochen. Glasmalereien und Altarbilder sind schön. Bis 1862war mit der Kirche ein Collegiatstift verbunden, seitdem ist sie Pfarrkirchegeworden. St. Maria Ablaß ist klein und kapellenartig; St. An-dreas war uralt, brannte 1226 und ließ nur Ruinen byzantinischer Bauart.Einige Gemälde sind darin sehcnswerth. St. Mariä Himmelfahrtwar ehemals Jesuitenkirche und hing mit dem Collegium zusammen. Sieist mit Schnörkeln überlaben, hat aber doch etwas Großartiges und Ge-fälliges, und erinnert überall an die Väter der Gesellschaft Jesu, die hiersogar bei der Auferstehung der Todten erscheinen, und über die der h. Geistsein Licht ausgießt. Die Allerheiligenkirche ist sehr klein und einfach.Westlich von ihr liegt St. Ursula am gleichnamigen Kloster. Sie ist alt