Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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wird. Bis 1817 stand auf der Ostseite am Chor die Margreden- oderMaricngredenkirche, ^abgeleitet von 8is älnris xrnckus), durch derenAbbruch der Chor, freigestellt, sich nun auf dem Frankenplatz in seinerganzen Größe und Pracht zeigt. Wenn auch bis zur Vollendung desKölner Doms noch viele Jahre verstreichen dürften, möglich ist sie dochund bedeutend erleichtert, indem es erst unserm Jahrhundert aufbehaltenwar, den Originalriß des herrlichen Gebäudes wieder aufzufinden. Diesgeschah 1814 auf dem Speicher eines Gasthofes zu Darmstadt, wohin dasPergament, sman weiß nicht genau woher, wahrscheinlich nach der Thei-lung der kölnischen Archive, die nach dem Lüneviller Frieden zu Darm-stadt vorgenommen wurde) mit ander» alten Papieren war in den Kricgs-zeiten gebracht worden. Ein bauverständigcr Handwerker bekam dieZeichnung in seine Hände und mochte ahnen, er habe einen guten Fundgethan; deswegen brachte er das Pergament zu dem als Kenner altdeutscherBaukunst rühmlich bekannten Oberbaurath v>. Moller, welcher es ankaufteund nachher in einer besondern Schrift I8t3 veröffentliche. Das Originalselbst war später im Besitz Sr. Majestät des Königs von Preußen.Ilr. Moller veranlaßte nachher durch v>. Boisseröe die Auffindung eineszweiten NisseS in Paris, welcher das zu ergänzen vermochte, was jenemErster» fehlte, selbst aber wohl nur, wie auch Ilr. Moller annimmt, dervon einem Schüler ausgefertigte ArbeitSriß war. Unter den andernKirchen der Stadt bietet sich nach dem Dom vorerst Groß St. Martin,südöstlich vom Dom und östlich von der Mitte des Altmarktes, von demein Durchgang unter einer ganzen Reihe Häuser hinwegführt, welche manbeseitigen will, um die Ansicht der Kirche frei zu geben. Im Jahr 69»gestiftet, lag die Kirche auf einer Rheininscl, welche unter ErzbischofBruno mit dem linken Ufer verbunden ward. Dazu gehörte bis 1892 einBenediktinerklostcr, dann wurde die Kirche einer Gemeinde zugetheilt.Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erneuerte man das Innere, gegen-wärtig ist man mit dem Aeußcrn und besonders den eingestürzten Neben-thürmen beschäftigt. Der Hauptthurm 1826 vom Blitz getroffen undseither mit einer vergoldeten Metallkugel versehen ist nach den Domdas größte Bauwerk Kölns. Auffallend ist die eigenthümliche Form deslanggestreckten Spitzdaches, inmitten der vier schlanken Minaretthürmchen,(wovon jetzt nur 2 stehe») welche von unten bis zur Höhe an den vierEcken vorspringen. Großartig ist das hohe, ans viereckigen Pfeilern ru-hende Schiff; am Eingang stehen in übernatürlicher Größe die Bilder vonMoses und Johannes, vom Bildhauer Jmhof verfertigt. Bcmerkenswerthist der Taufstein, das Deckengemälde von Hoffmann, welches die vierHaupttugenden darstellt, und eine Kreuzabnahme von Bois, mit bewun-derswerthen Farbentönen; auch die sehr hohen Emporbühnen mit Nischen,der auf 6 Säulen gestützte Orgelchor, welcher eine mittelmäßig große,doch volltönende Orgel trägt, die von Jmbof geschnitzte schöne Kanzel unddie vier Marmorsäulen, welche als Armleuchter dienen, ziehen die Auf-merksamkeit an. Der Künstler und Menschenkenner betrachtet sich nochdie Gemäldereihe der einstigen Acbte des Martinsstiftes. Die Kirche hateine große Vorhalle, durch ein hohes Eisengitter in 2 Theile geschieden,so daß man das Innere, selbst wen» sie geschlossen ist, noch sehen kann.Am Quattermarkt, südlich vom Dom liegt die kleine Kirche St. Alban,gegenüber das ehmals dazu gehörige Stiftsgebäude, mit der kleinen Bild-säule des h. Alban, seinen Kopf tragend, über der Thür. Darunter dieJahrszahl >784. St. Maria im Kapital erhebt sich wie der Domunmittelbar über dem Abhang des Hügels, den die Mauer der alten-merstadt umschloß und dessen Fuß nur ein schmaler Rhcinarm bespülte.Hier hat der Hügel noch mehr seine alterthümliche Form, nach der Volks-sage stand das Kapital der Agrippincnser an dieser Stelle; widerlegenläßt sich dies so wenig, als beweisen. Plektrudis, Gemahlin des fränki-schen Hausmeiers Pipin, stiftete »ach ihres Gatten Tod 7l4 dies Gottes-haus. Um ihren Sohn Theobald auf den Thron zu heben, hatte sieKarl, nachher Martcll genannt, den Stiefsohn eingekerkert; Theobaldstarb aber, Karl entkam und zwang sie, sein Vatererbe herauszugeben,worauf sie der Welt entsagte und aus Resten eines Römergebäudes dieseKirche schuf. Sie fügte em adeliges Nonncnstift hinzu, dessen Jungfrauenzwar der Regel St- Bencdikts folgten, allein von Rom die Erlaubnißhatten, in die Welt zurückzukehren und sich vermählen zu dürfen. Ihre

Tracht war mehr weltlich, ihr Ansehen so groß, daß die Erzbischöfe, solange sie in Köln wohnten, das erste Hochamt in der Christnacht hierlasen, alsdann in St. Peter unv zuletzt im jünger» Dom. Nachherfeierten Gräve und Schöffen hier den Vorabend des Osterfestes, und bis1794 zog der städtische Rath bei jedem Regierungswechsel zum Gottes-dienst hierher und ließ sich dann das Bild ihres Vorgängers Hardenrathin der Kapelle gleichen Namens, als preiswürdiges Muster, zeigen. Seit1894 ist sie Hauptpfarre der ersten Sektion. In Folge eines beträchtlichenVermächtnisses wurde 1818 unter cko öin«Is Leitung das Innere verschö-nert. Die Mitte der Kirche, von einer hohen Kuppel überwölbt, wirdauf schönen Säulen getragen, so auch die vier abgerundeten Arme desKreuzes, welche dem mittlern Rundbau sich anschließen. An das schönedie Orgel stützende Portal fügen sich die Seitenflügel einer prächtigen1625 von den Familien Haqueney, Hardenrath, Merle und Salm erbau-ten Kapelle. Sie stand bis 1767 zwischen dem Schiffe der Kirche unddem Pfarrhause. Ein ausgezeichnetes Bild von Scoreel, Marias Tod,welches ihren Altar schmückte, befindet sich jetzt in der Gemäldegalleriezu München. Auch uiiter den übrigen Bildern zeichnen sich einige z. B.von Lcbrün, BopS, Buschop u. A. Braun aus. Neben der südlichen Ein-gangsthür ist eine Kapelle, wo die Familie von Hardenrath 1464 eineMusikschule gestiftet hatte, auch hier sind beachtenswcrthc Wandgemälde,die man sowie die bunte» Scheibe» hinter dem Altare der Schule Israelsvon Meckenheim zuschreibt. Auf der entgegengesetzten Seite, in der Ka-pelle der Ritter Schwarz von Hirsch ist ein künstliches Gewebe und einschönes Altarblatt, Maria's Tod, welches Albrecht Dürers Monogrammhat. Zu beiden Seiten sind die erwähnten Bilder des BürgermeistersHardenrath und seiner Gattin. Sehenswerth sind auch einige, fast er-loschene Fresken der ältesten Zeit in der Chorgruft, desgleichen herrlicheGlasgemälde, die mit prächtigem Schnitzwerk gezierte Eingangsthür ander Nordscite und das außerhalb des Chors eingemauerte Steinbild derPlektrudis, wahrscheinlich Deckel ihres Sargs. Als altes Wahrzeichengilt ein doppeltes Eisenband, welches früher den Chor mit dem Schiffeund dem Thurm zusammenhielt. Der Kreuzgang an der westlichen Thürehat zum Theil noch seine ursprüngliche Gestalt und enthält in siebenfachverschiedenem Baustple Stationen und andere Grabdenkmäler. Daskleine Gotteshaus, St. Maria in Lyskirchen, zwischen der gleich,namigen Straße und der Rheinwerft, inmitten des Rhein- und Holz-thors die alte Stadtmauer überragend, sott das älteste Kultusgebäudeim jetzigen Köln sein. Einst war es die Pfarrkirche eines eigenen Dor-fes, oder einer Vorstadt Nothhausen und heißt in Urkunden auch Lpsolphs-kirche. Maternus, erster kölnischer Bischof, soll sie 97 gestiftet haben,wogegen jedoch der Umstand spricht, daß nicht das Mindeste von römischerBauart an ihr sich zeigt. Hauptthüre und Glasgemälde der Fenster ge-höre» der ersten Hälfte des 16. Jahrbunderts an und sind viel beschädigt.Das berühmte Gemälde von Johann von Maubeugc, die GrablegungChristi, das den Seitenallar zur Linke» schmückte, ist abhanden gekommen,ebenso die Kreuzabnahme von Barvccw, im allen Hochaltar und der En-gelgruß, von unbekanntem Meister, wovon nur das erste durch eine ver-dienstvolle Nachahmung von Beckenkamp ersetzt worden. Auch der alteTaufstein ist sehenswerth. Die Kirche St. Georg ließ der ErzbischofHanno (sowie seine Burg, das in der Georgsstraße gelegene jetzige Salz-amt) der Bürgerschaft zum Trotz 1974 und in folgenden Jahren bauenund weit auf den Waidmarkt vorspringen, damit Kölns Bürger sehensollte», daß er in ihren Mauern noch Herr sei und eS bleiben wolle.Der starke, aber niedrige Thurm sollte zugleich als Befestigung dienen.Kirche und Thurm ist in Verfall und durch ihren Abbruch müßte derWaidmarkt sehr gewinnen. Die kleine Kirche St. Johann Baptistfindet sich auf dem Plätzchen gleichen Namens, einer Erweiterung derSeverinsstraße. Eingang und Spitzgiebcl geben ihr das Ansehen einesPsrundhauses. Sie hat ein gutes Altarblatt aus der niederländische»Schule, eine durch van Helmont geschnitzte Kanzel und ein bronzenesTaufbecken. Die Wollweber, deren Pfarrkirche sie sonst war, schmücktensie reichlich aus. In ihrer Nähe stand die schöne, altdeutsche Kirche desdeutschen Ordens, welche von den Franzosen abgebrochen wurde. Dieunter vem Namen Elend bekannte Kirche der Familie von Groote liegt