Erzbsschof von Virncburg. Unter und neben dem andern Apostel find dieWappen der sieben Kurfürsten und das der Stadt 'Köln. (Letzteres einin zwei Hälften geschiedener, von der Mauerkrone gedeckter Schild; inder obern Hälfte drei goldene Kronen in rothem Feld, unten eilf goldeneFlammen in weißem Feld). Die Schnitzarbeiten an den Stühlen desDomkapitels, zu beiden Seiten des Chors sind der verschiedenen trefflichenFratzen wegen beachtungswerth, worin der Künstler das Mönchthum undden Pfaffenstolz seiner Zeit auf die keckste und bezeichnendste Weise dar-stellte. — Wir werfen einen Blick auf das Kapitelhaus und denSchatz. Auf der Wendeltreppe in der Kümmernißkapelle gelangt manin die große Gcrkammer, die Sakristei, deren alte hohe Eichenschränkedurch ihre schöne Tischlerarbeit beachtenswerth sind. Darin werden 20Chormäntel, eben so viel Meßgewänder und 22 Levitenröcke, alle ausge-zeichnet durch Reichthum der Stoffe und Pracht der Stickerei, aufbewahrt.Die kostbarsten sind 22 Pricstergewänder, welche der Kurfürst ClemensAugust, als Kaiser Karl IV., sein Bruder, gekrönt wurde, in Lyon ferti-gen ließ. Der Arbeitslohn an denselben soll allein an 62,009 Thlr. ge-kostet haben. Der in einem Seitenraum befindliche Frohnwalm bietetnichts Besonderes. Die weiterhin gelegene Schatzkammer enthält nochmehrere Kostbarkeiten, welche der Habgier der Franzosen und den Ge-fahren auf der Flucht entgangen sind und wovon man als die vorzüglich-sten folgende bemerkt: der silberne, reich vergoldete Sarg des Domgrün-ders Engelbert; eils Heiligenschreine oder Reliquienbehälter aus verschiede-nen Zeiten; ein Stab mit altem Schnitzwerk, dessen Knopf aus den Zeitender Apostel herrühren soll; ein altes Altarkreuz in Schmelzarbcit, mitEdelsteinen geziert; eine Monstranz von vergoldetem Silber, mit einemDiamantkreuz, woran der kostbare Halsschmuck befestigt ist, welche» dasvon Erzbischof Gero geschenkte 80 Pfund schwere, silberne — später ent-wendete — Marienbild trug; ein goldner Zweig mit in Schmelz gearbei-teten Blumen und Blättern, den eben jenes Bild in der Hand hielt;zehn geschnitzte Elfenbeintafcln, woran der im letzten Jahrhundert gestor-bene Künstler Melchior Paul 30 Jahre arbeitete; sie enthalten nach Vor-bildern berühmter Meister ausgeführte Darstellungen aus Jesu Leidens-geschichte. Außerdem findet man hier 2 silberne Rauchfässer, Geschenkedes vorletzten, schon wiederholt genannten Erzbischofs, Grafen FerdinandSpiegel von Desenberg; ein Standkrcuz von vergoldetem Silber, über3 Fuß hoch, mit vielen Kleinodien und einer Grablegung aus neuererZeit verziert; ein acht Fuß hohes silbernes Kapitelkrcuz aus dem letztenJahrhundert; das 7 Fuß lange schöne crzbischöfliche Prunkkreuz, mit Sil-ber und Schmclzarbeit belegt; der Stab des Chorbischofs Hugo von ll73,bestehend aus einem 6 Fuß langen Dreizack, worauf die heil. 3 Königeund die Jungfrau angebracht sind; ein Krumnistab der ersten altdeutschenZeit, aus Silber, mit schöner Schmelzarbeit, 6 Fuß lang und angeblichvon Neinold von Dassel geschenkt; ein zweiter Krnmmstab von 1800,6'/, Fuß hoch, dessen sich der französische Bischof von Aachen, Bcrdolet,bediente; ein schönes Schmclzgemälde im Geschmack Albrecht Dürers, ausvem 16. Jahrhundert; ein aus vergoldetem Silber getriebener l Fußhoher Kelch, mit Schale und Deckel von gediegenem Golde; ein kleinererssilber vergoldeter Kelch, mit einem Schmclzgemälve; ein 16 Zoll hohesChorbuch von l23l, mit schönen, nur etwas beschädigten Biloern; eine18 Pfund schwere, 1s/, Fuß hohe, mit vielfarbigen Edelsteinen besetzteMonstranz; ein 2 Fuß hohes Krcuzbild, welches der 1810 gestorbene Dom-vikar Hardi selbst gegossen; ein Grund- und Aufriß des Doms in derVollendung; das Kurschwert, welches bei öffentlichen Feierlichkeiten demKirchenfürsten vorgetragen wurde; endlich zwei Gedenktafeln, welche eineVerordnung Engelberts von Falkenderg enthalten, — von 1266 —, dieDuldung und den Schutz der Juden betreffend. — Neben der Schatzkam-mer ist der Sittcr- oder Sitzungssaal des Kapitels, eine ziemlich große,mit den Bildnissen der letzte» Erzbischöfe geschmückte Halle. Hier hieltendie unter Karl V. vom Papst Leo X. eingeführten Ketzcrrichter ihre Sitzun-gen, wodurch eine große Aufregung im Volke entstand, die nur durch An-drohung der Neichsacht beschwichtigt werden konnte. Neben an ist derEingang zum Jnquisitionsgefängnisse, dem sogenannten St. Petersloche,in welchem Klarenbach und Flistävt, die beiden als Opfer für ihren pro-testantischen Glauben gefallenen Prediger, von welchen wir bei der Ge-
schichte Kölns sprachen, vor ihrer Hinrichtung eingekerkert waren. — Wirersteigen zuletzt mit dem freundlichen Leser den Domthurm, um zugleichdie Aussicht zu genießen, welche sich dort u»S darbietet. I» den beidengroßen Kapellen des Krings führen Wendeltreppen hinter den Altärenbis zur ersten Wallci des Doms, während i» dem südliche» Thurm eiucWendeltreppe bis zum Krähn hinansteigt. Schon in der ersten Wallethat man alle Hänser, Kirchen und sonstigen Gebäude der Stadt untersich. Noch größer und umfassender aber ist die Aussicht auf der Höhe desunvollendeten Thurms, der sich bis auf 220 Fuß über den Boden cihebt.(Nach dem ursprünglichen Plane sollte jeder von beiden Thürmen 222 Fußwerden; der zweite oder nördliche Thurm istZnur 27 Fuß hoch). Hierüberschaut man nicht nur die ganze Stadt, sondern die ganze weite Rhein-gegend, in welcher Städte und Dörfer, Dampfschiffe und Eisenbahnensich sehr gut ausnehmen. Gegen Norden gewendet sieht man zunächstunter sich die Mariä Himmclfahrtskirche, welche sonst die Jesuiten in Be-sitz hatten und an welche sich die Gebäude des Priesterscminars, der bo-tanische Garten und gegenüber das Gymnasium anschließen. Weiterhin istdie alte Ilrsulakirche mit ihrem gekrönten Thurm bemerklich, daneben dieAllerheiligenstiftskirche am Eigelstcin, weiterhin die UrsulinerstiftSkirche unddas dem h. Kunibert geweihte Gotteshaus, nah am Rhein und am Endeder Stadt. Dahinter zeigen sich in den Bollwerken der neuen Festungdie Neste der alten Bischofsburg Ryle und der Bahnhof der rheinisch-bel-gischen Eisenbahn, über welche hinaus Mülheim, 1 Stunde von Köln ent-fernt liegt; inglcichcn das nahe Schloß Stauimheim, mehre Dörfer und dieStädtchen Worringe» und Zons. Neus und Düsseldorf liegen unter demGesichtskreis, wohl aber erkennt man die Gebäude der Eisenbahn auf derHöhe zwischen Erkerath und Elberseld, die Kirchthürme von Solingen undandern Städten, auch über den Höhen des bergischen Gebirgs. NachMorgen blickend hat man unmittelbar zu Füßen den Frankenplatz, denRhein und jenseits das Städtchen Deutz mit dem alten Heribertsmiinster.Zwischen Deutz und Mülheim zeigt sich in Trümmern das alte Buchhcim,der Buchforst init seiner Kapelle, wo Siegbert von seinem Sohn Chlode-rich erschlagen ward. Weiterhin hübsche Dörfer und Höfe, wobei auchHcrl, das Stammhaus des wahrscheinlichen Dombildmalers Wilhelm vonHerle. Ueber dem Franken- und Königsforst sieht man auf waldiger An-höhe die köuigl. Militärschule Bensberg, über welche der Liiverich, derbcoeutendste Gipfel in der Nähe von Köln emporragt, an dem sich nach-her die Scheiterhöhe, sowie auch Herckerode und Marialindcn anschließen.Stromaufwärts gegen Süden hat man den größten Theil der Stadt vorsich ausgebreitet. Durch die Hochstraße blickt man nach dem Waidmarkt undder Severinsstraße, man unterscheidet das alterthümliche Haus Etzweiler,das Stad.'ralhhaus mit seinem Thurm, die Kirche Groß St. Martin,St. Alban, den Gürzenich und andere Kirchen, sowie den Baicnthurmam obersten Theil der Stadt. Drüber hinaus Poll, Milote, Hubenmühleund viele Dörfer; den Saum des Horizontes faßt Siegburg, Blankcn-heim, Bonn, der Kreuzberg, das Siebcngebirg, die Berge des Ahrthals,unter welchen sich zumeist der Kelberg hervorhebt und die der höhern Eifel.Abendwärts endlich hebt sich über hohen Giebeln der Thurm der Andreas-kirche, die Maria Ablaßkapelle, das neue Civilarrest- und Korrektions-haus, der erzbischöfliche Palast mit Garten, Gereonsmünster und andereKirchen- und Äloflergcbäude; mehr in der Ferne die des heil. Mauritius,seitwärts die Garnison - oder Pantaleonskirche mit ihrem Telegraphen unddie St. Maria zur Schnurgasse, zwischen denen sich die Gebäude desBahnhofs der Eisenbahn zwischen Bonn und Köln zeigen, überragt vonden hochstehenden Pantaleons- und Karthäuser-Windmühlen, die sich nebstden Bott- und Gereonsmühlen auf der hohen Stadtmauer erheben. Mehrin der Nähe sind die zierlichen Thürme der Burghäuser von Adocht (StadtPrag) und Berlippe, und in der Ferne die Börde von Köln, mit denThürmen von Brauweiler, dem Schlachtfeld? von Worringe», die Waldun-gen von Brühl und Lachenich, das hinter ihnen aufragende sogenannteVorgebirg und die bewaldete Bill, welche sich gegen Nord in der Rhein-ebene verliert. — Auch der Blick auf den allmählig emporwachsenden Domselbst ist höchst interessant. Hier auf dem Domthurm macht man sich ersteinen genauern Begriff von dem so großen Raum, den das Ganze ein-nehmen, von den ungeheuern Sleinmassen, aus denen es hervorleben