Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Krings, ist das Grabmal einer ausgezeichneten Wohlthäterin des Doms,der 1273 gestorbenen h. Jrmgard von Ziitphen. Es ist seiner leichten undzierlichen Form wegen beachtungswerth. Auf dem gegenüber sich erhe-benden Altar ist das berühmte Dombild, das eigentlich für die Naths-kapelle bestimmt war. Durch die auf den Deckenflügeln angebrachte Jahrs-zahl sieht man, daß es 1410 beendet worden. Der Ungeschmack desvorigen Jahrhunderts hatte dies herrliche Bild aus der Kirche entfernt.Erst 1810 wurde es, nach vorheriger Säuberung durch den Maler Fuchs,wieder hier aufgestellt. Es hat die Form eines Flügelaltars, auf dessen8 Fuß hohem und 9 Fuß breitem Mittelstück die Huldigung der h. dreiKönige vor dem ChristuSkiude dargestellt ist. Auf den beiden Flügeln,von denen jeder eine Breite von 4 Fuß hat so daß demnach das ganzeGemälde eine Entfaltung von l8 Fuß erhält erblickt man die übrigenSchirmheiligen der Stadt Köln, einerseits der h. Gereon und seine To-desgenossen, anderseits die h. Ursula nebst ihrem Verlobten Aetherius undden Heiligen Cpriak und Pantalus. Das ganze auf Goldgrund gemalteBild, dem mit der Luft auch der Schatten ermangelt, macht einen ange-nehmen Eindruck und beweist, bis zu welcher hohen Stufe der Vollkom-menheit die altdeutsche Kunst iu jenem Jahrhundert sich noch erhobenhatte. Das Dcckbild versinnlicht die Verkündigung, neben welcher mandie Zahlen öMttX oder illlVVX 1410 liest. Als den Urheber die-ses Bildes nennt Wallraf eine» Philipp Kalf, dessen Namen er auf derSäbelscheide des weißgekleideten linken Bannerträgers im Hauptbilde ge-lesen haben will. Andere lesen Wilhelm Kalf; »ach wieder Andern sinddie römischen Buchstaben keine Ziffern, sondern der Name des Malers,der aber ganz verschieden Or, Vor oder Nor enträthsclt wird. AlbrechtDürer erzählt in seinen Neisebcmerkungen, er habe zwei Weißpfennigegegeben, um das Bild des Meisters Stefan vo! Köln sich aufschließen zulassen. Allein mußte dies gerade das Dombild sein? Kann sich dieNotiz nicht auf ein Anderes beziehen? Nach der Limburger Chronik lebteseit 1380 in Köln ein Maler, Wilhelmus, der in der Christenheit seinesGleiche» nicht mehr gehabt. Derselbe führte den Zunamen von Herl,nach einem Rittersitz im ehemaligen Herzogthum Berg, welcher einenSchröter oder Hirschkäfer im Wappen trug. Ein solcher Käfer befindetsich auch auf dem rechten Flügel, unten am linke» Fuße des Geleitsman-nes, zur Linken des h. Gereon. Vermuthlich hat aso Wilhelm von Herldas Dombild gemalt; auch will man sein eigenes Bild in der Figur wie-der finden, welche gerade über dem Käfer zwischen dem Heiligen unddessen Begleiter bemerkt wird. Die dem heil. Michael gewidmete sie-bente Kapelle, oder die sechste Kringnische, enthält das Grabmal des 1439gestorbene» Erzbischvfs Walram, Grafen von Jülich. Auf einer schwarzenMarmorplatte ruht das Bild des Kirchcusürsten von weißen Marmor. Indem hübschen Schnitzwerk des Altars ist das Leben des Heilands, vonder Gebnrt bis zur Kreuzigung, dargestellt; eins der schönsten Kunstwerkedieser Art. In der nun folgenden Stephanskapellc ist das Grabmal des970 gestorbenen Erzbischofs Gero, des Enkels Kaiser Otto'S I- Dies be-fand sich sonst in der alten Domkirche und wurde hierher versetzt. Be-achtenswert!) ist daran die musivische Arbeit von farbigen Marmorstückchen,durch lauge, weiße Stäbe abgetheilt. Die der Jungfrau Maria geweihteKapelle ist die letzte in dieser Reihe. Das Standbild der Mutter desHeilandes auf dem Altar verdient als Denkmal mittelalterlicher Kunst wohlbetrachtet zu werde». Der Erzbischof Neinold soll eS ebenfalls aus Italiennach Köln geschickt haben; doch sind einige Kunstkenner der Meinung, essei deutsche Arbeit und früher in dem alten Dom aufgestellt gewesen. ZurSeite des Altars, welcher noch ein Bild von Overbeck erwartet, stehtdas Grabmal des Stifters der Universität Köln, Friedrich von Saarwer-den, der 14l4 hier als Erzbischof verstarb. Das Erzbild des Verstorbenenruht auf dem vortrefflich gearbeiten Sarge, ist aber auch durch verruchteHände verstümmelt worden. Am unter» Ende der Kapelle sind »och zweiandere Steingräber, wovon das schönere rechts an der Wand das des1107 geschiedenen und mehrfach erwähnten Neinold von Dassel ist. Dieräuberischen Franzosen haben es der schönen Gußplatte von Erz, woraufder Bischof dargestellt war, längst beraubt. In ähnlicher Weise zeigt sichzur Linke» das Grabmal des 1370 gestorbenen Grasen Gottfried vonArensbcrg, welcher kinderlos alle seine Lande und Güter dem Erzstift hin- >

herließ. Es trägt oben das Steinbild des Ritters, liegend, ist durch einEisengitter geschützt und ziemlich gut erhalten. Die fünf mittlern Nischenoder Kapellen haben bunte Scheiben und zwar die älteste» im Dom. Siezeichnen sich weniger durch Farbenreichthum, als durch richtige Ueberein-stimmung aus. Das älteste bunte Fenster ist das in der 3 Königskapelle,welches nach dem Urtheil bedeutender Kunstkenner schon 1322 vorhandengewesen sein soll. Der Glasmaler Gras von Köln arbeitet an Wieder-herstellung dieser vielfach beschädigten und durch die Domherrn des vorigenJahrhunderts muthwillig zerstörten Fenster. Das Innere des Chorsoder das Empor ist der einzige Haupttheil des Doms, den man alsvollendet betrachten kann und der, mit dem ihn umgebenden Kringe einGanzes bildet, nach welchem man sich einen Begriff von dem gesammtenNiesenbau machen kann, wie er nach seiner Vollendung sein wird. AchtSäulenbunde, auf jeder Seite 4, durch eine 16 Fuß hohe Steinwandverbunden, schließen die Sitze des Domkapitels ein, wogegen 8 andereim Halbkreis den Hochaltar umgeben und die Empore abrunden. Dichtüber den Scheidbogen, welche die Seitenschiffe absondern, läuft innenwie außen eine Wallei rund, welche 06V, Fuß über denf Boden des ChorSerhöht und deren innere Brüstung mit einem goldenen, erhaben gemeißel-ten Blättersimse verziert ist. Ueber dem Lopgang zieht sich ein zweitesgoldenes Sims, dessen fein gearbeitetes Laub auf hellrothem oder hell-braunem Grunde angebracht ist; (vgl. Führer im Dom von Waldbrühl,S. 33 f.) Die Fenster der Wallei des LopgangeS wurden im vorigenJahrhundert ausgeschlagcn, werden aber durch Gras wieder ersetzt. Höherhinauf springen die Säulenrohre, gestalten sich ganz oben zu zierlichenLaubknäufen, beugen sich dann und verweben sich 150 Fuß über dem Bo-den zum Kreuzgewölbe. In den Rosen oder Kreuzblumen der Krönungwechseln Baudverzierungen, Epheu und Eichenkränze u. s. w. Das Mit-telfenster unterbricht allein die Königsreihe durch die Darstellung der3 Wessen vor der Jungfrau Maria, über welchen es statt des Teppichs,18 Ostereier mit Königsbilvern gefüllt bis zum Kreuze schichtet. Zwischendem erste» Gurtbogcn und dem Buckel, in welchem die Gewölbrippcn derAbruudung zusammentreffen, ist das h. Osterei gemalt, in welchem derErlöser, mit zum Segen erhobener Rechten, der Heilbotschaft in der Lin-ken, abgebildet, welches Bild, sehr beschädigt und verwaschen, durch den! Maler G. Lasinsky d. j. wieder hergestellt worden; vgl. Waldbrühl,S. 34. Unter der Uebermalung der letzten Jahrhunderte entdeckte manim Sommer 1841 alte Malereien, die aus der ersten Zeit herrühren undkurz vor der Einweihung des Chors, im Jahr 1322 vollendet sein mögen.Sie sind so sehr beschädigt, daß sie nicht wieder hergestellt werden könnenund sollen durch Steinles Meisterpinsel »> kiese» ersetzt werden. Zwischenden Säulenknäusen erheben sich auf stattlichen, aus Laubwerk geflochtenenTragsteineu an den Säulen die riesigen Standbilder des Erlösers, seinerMutter und der zwölf Apostel. Sie sind älter als der Dom und sollenaus Walthelms Schule hervorgegangen sein. Alle sind auf das reichstebemalt und l»it Vergoldungen geziert. Ueber den Bildsäulen springenschöne Traghimmel aus den Pfeilern. Die untere Einfassungswand bietetdie ältesten Malereien des Doms. Zu beiden Seiten zeigen die Wändeebenfalls rechts Bildnisse von Bischöfen, links von Königen, über welchensich in größern Bogen Darstellungen aus der Geschichte der Einführungdes Christenthums in Deutschland befinden. Sie waren längere Zeit unterTeppichen verborgen, sind daher noch ziemlich gut erhalten und ohne großeMühe wieder herzustellen. Die Menge der übrigen Verzierungen des Chorsanzudeuten, wäre zu weitläufig. Der alte Hochaltar steht noch im Hei-ligthum. Er ist von schwarzem Marmor und etwas beschädigt, könnteaber nach Beseitigung des neuern geschmacklosen Aufbaues wieder in ur-sprünglicher Gestalt an das Licht treten und würde in großartiger Einfach-heit gewiß die Schönheit des Chors erhöhen. Die vom Altare sichtbareRückwand des Empors, einstweilen durch eine bis zur Höhe hinaufreichendeMauer von der noch nicht vollendeten Kirche abgesondert, wird durch dieebenfalls nur vorläufig aufgestellte, schöne Orgel geschmückt. Neben undüber den Fenstern ist die Wand mit Malereien verziert, welche der schonoben genannte G. Lasinsky d. j. entsprechend wieder hergestellt hat. Ganzoben ist der Heiland als Weltrichtcr und zu seinen Füßen Petrus undPaulus. Vor dem Ersten kniet der Stifter der Bilder, wahrscheinlich der