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6 (1846)
Entstehung
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dorich von Mors seinen guten Willen; er ließ 1473 die Glocken in demschon zu bedeutender Höhe geführten südlichen Thurm aufhängen. Auch10 Jahre nachher wurden zwei solche neu gegossen, die eine von 12,000,die Andere von 22,400 Pfund. Im lg. Jahrhundert wölbte man dienördlichen Seitenschiffe und brachte den Thurm auf dieser Seite einige Fußüber den Voren. Die Fenster waren jedoch kaum fertig und mit passen-den Glasmalereien verziert, so erfolgte die religiöse Spaltung, der Bauunterblieb gänzlich. Man muß dieß insofern als e n Glück betrachten, dader Geschmack jener Zeit sehr verdorben war, wie aus dem Wenigen,waS zur Ausführung kam, leider ersichtlich ist. Nicht einmal das Prakti-sche des Baus war zu loben, weil man, weder die Wasserablcitungen,noch das eiserne Klammerwerk mit Umsicht anbrachte und eine Steinartzum Fortba» benutzte, Trachit vom Drachenfels welche leicht ver-wittert. Erst im l8. Jahrhundert richtete sich die öffentliche Aufmersam-keit zunächst auf die Erhaltung des denkwürdigen Gebäudes. Seit 1735nahm man einzele Ausbesserungen vor und verwendete dazu eine durch

Vermächtnisse gewonnene Summe von 4200 Thalern! Leiver benutzte

Geschmacklosigkeit die Gelegenheit, sich an dem Dom zu verewigen, wel-ches besonders seit I7Kti geschehen war. So wurde z. B. das schönsteSakramentshäuschen in Deutschland, der herrliche alkdeutsche Frohnwalm(Walm ist Wölbung, Einbiegung, Giebelscite eines Daches) abgebrochenund die Trümmer desselben in den Rhein geworfen, an deren Stelle aberein französisches Gartcnhäuschen auf den Altan gesetzt. Drei Jahre nach-her beseitigte man das schöne alte Eisengitter »m den Hochaltar undbrachte ein geschmackloses Schnörkelgeländer an. Die herrliche» Wand-gemälde, bewundernswerthe Denkmäler altdeutscher Malerei, verbarg manunter Gobelintapete». Früher schon war, altem guten Geschmack zumHöhne, das drei Königcnchörchen, die Kapelle der drei Weisen, durchHeinrich von Baiern aufgeführt worden. Viele der schönsten gemaltenScheiben wurden ausgebrochen und weiße eingesetzt. Auch zerbrach manden ehrwürdigen steinernen Bischofssitz, durchwühlte den Boden und setzteein schnörkelhaftes Palastparket hin was Alles wieder weg muß, umdie alte Lauterkeit herzustellen, und doch mit einem Auswand von nahean l00,000 Thaler» verbunden war. Ja man hatte sogar den närrischenEinfall, den nördlichen Thurm ganz wegzubrechen, damit man bequemeram Dom vorfahren könne. Bald nach der französischen Besitznahme wardder Dom ein Fouragemagazin. Das Blei der Dachrinnen und der übri-gen Bedeckung ward gestohlen. Der von Napoleon ernannte AachenerBischof Verdolet ließ Pappeln um die Kirche pflanzen, damit die gothischeRuine ein pittoreskes Ansehen bekäme. Unter preußischer Herrschaftbefahl sogleich der König und der Kronprinz, dies herrliche Denkmal alt-deutscher Baukunst der Nachwelt zu erhalten. Vom König beauftragt un-tersuchte Oberbaurath Schinkel den Dom und war bis zu seinem 1840erfolgten Tod thätig für das Gebäude. An die Stelle des alten morschenDaches sollte ein neues treten, bei welcher Gelegenheit man mit Schreckenwahrnahm, welche Zerstörung die eindringende Feuchtigkeit schon angerich-tet habe. Die anfangs ausgeworfenen 15,000 Thaler wurden nun auf22,300 erhöht; der König bewilligte 1824 die Suinme von 105,000 Tha-lern , die auf 5 Jahre zur Ausbesserung aller schadhaften Stellen zu ver-wenden sei. Dann sollte erst die Wiederherstellung beginnen. Das Erz-stift erhielt l825 in dem Grafen Spiegel einen Bischof, der mit demStaatsminister, dem Oderpräsidenten der Nheinprovinz und andern hoch-achtbaren Männern große Verdienste um den Dombau hat. Unter derobersten Leitung des Regierungs- und Bauraths Frank zu Koblenz unter-nahm der Bauinspeklor Alert die praktischen Arbeiten. Nach Wiederher-stellung der Bleidächer des Chors und der nördlichen Mauer des Lang-daches, wie der südlichen des Empors, wurden 1829 die ersten Strebe-wände und Bogen von außen neu geschaffen, wozu der König jährlichl0,000 Thaler mit der Bedingung aussetzte, daß aus der Taufsteuer undaus milde» Beiträgen eine gleiche Summe zu demselben Zwecke beige-bracht werbe. Seit l833, wo Alert starb, trat Bauinspcctor Zwirner andessen Stelle, welcher neuerdings den Bau leitet. Für die innere Ver-schönerung der Domkirche wurde seit 1834 durch mehre Prinzen undPrinzessinnen des königl. Hauses Vieles gethan. Bis zum Jahr l840waren die Mauern und Bogen des Gebäudes still und allmählich empor-

gewachsen, als der jetzige König Friedrich Wilhelm IV., der schon alsKronprinz den lebhaftesten Eifer für Bewahrung alter Bau- und Ku st-werke bethätigte, den Entschluß faßte, diesen Bau zu vollenden. Er über-wies sofort einen jährlichen Beitrag von 50,000 Thalern und befahl, un-unterbrochen das Werk zu fördern. Ein Dombauverein zu Köln hatte invielen Städten des deutschen Baterlandes, selbst bis zum fernen Königs-berg, ähnliche Vereine zur Folge, die sich verpflichteten, während einerbestimmten Zahl von Jahren für den Weitcrbau des Doms namhafteSummen einzusenden. Die Poesie und Literatur verherrlichte den Gedan-ken eines Ausbaus durch einige gelungene Schriften; man sah in derVollendung des Kölner Doms eine deutsche Nationalangelcgcnheit. Ausder andern Seite erhoben sich auch einige, obschon nur wenige Stimmen,die eine Nichtvollenvung für ein Zeichen der Zeit und ihres Geistes aus-schreien wollten. Am 4. September 1342 begann der Ausbau im großenMaasstabe, nachdem der König in eigener Person die Grundsteinlegungvollzogen und dabei die oben schon mitgetheilte Rede gehalten hatte.

Wir versuchen, den Dom näher zu beschreiben. Zuerst das Aeußere.Auf einem fast 30 Fuß über die untern Stadttheile und 55 Fuß über denRhein sich erhebenden Hügel nimmt der Dom den für einen so großarti-gen Bau vortheilhaftcsten Play ein. Einige Gebäude, die sich anlehntenund ihn verdeckten, sind schon abgebrochen, andere, die schon gelegentlichangeführt wurde», müssen noch weichen, um diese große Kirche vollkom-men offen zu stellen und ihre Ansicht auf allen Seiten frei zu geben. DerBau steigt in gewaltigen doch zierlichen Massen schmucklos hinan, vondreifach abgestuften Strebepfeilern umschlossen, welche sich zu einem starkenBiättersimse vereinigen, woraus sich 12 Baldachine entwickeln, die miteiner durchbrochen gearbeiteten Brustwehr verbunden sind. Die Fenstersind zweilichtig, nämlich durch eine senkrechte Säule in 2 Theile geschie-den, und enden oben in 3 Kleeblättern. Vor Allem prächtig tritt derEingang der Westseite, der allein fertig geworden, in seiner reichen Aus-stattung hervor. Wilhelm von Waldbrühl sagt darüber (in seinem Führerim Dom, S. 18):Die Thorwölbungcn ziehen sich in vier Tiefungen,die reich gemuldet mit edlem Bildwerk geschmückt sind, zurück. Unten inden Tiefungen und neben ihnen zur Seite, bis zur Thürhöhe, die nichtspitzbogig, sondern ablang ist, daß sie noch ein Giebelfeld, eine Timpe,von dem Spitzbogen absondert, stehe» in einer Reihe neben einander12 Apostelbilder, von tüchtiger Bildnerarbeit; dann folgen in der äußer-ste» Tiefung zu jeder Seite 5 musizirende Engel über einander, jeder voneinem Tester (flachen Baldachin) überragt, auf einer zierlichen Verkragungruhend. In der zweiten Tiefung schichten sich jederseits auf ähnlichenKragsteinen, mit den Testen überwölbt, fünf Künstler, verschiedene Zeichender alten Freimaurerei haltend. In der folgenden sind auf jeder Seitevier Kirchenväter und in der innersten jederzeit drei Erzväter, welche,gleich den erst bezeichneten Bildern, großen Fleiß und tüchtige Gewand-heit des Meißels bekunden. Das Giebelfeld ist durch eine zierliche Mul-dung in 2 Felder getheilt, wovon das obere in vortretendem Bildwerkden ewigen Vater, umgeben von seinen Frommen, das untere die Kreu-zigung des Apostels Petrus und die Enthauptung des Paulus zeigt."Dicht neben deni Domeingang ist an der Wand des Domthurms der miteiner Pumpe versehene Dombrunnen, von dem man sich in frühern Zeitenviel Sagenhaftes erzählte, woran das Volk zum Theil noch heute glaubt.Es soll iu ihm aus dem Bach bei Trier, woher er angeblich sein Wassererhält, eine von dort bis hierher unter der Erde geschwommene Ente nichtallein lebendig, sondern selbst fröhlich schnatternd gefunden worden sein. Wieman dieses mit andern Sagen vom Baumeister zusammenbrachte, ist bereitserzählt. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist dieser Brunnen eine der altenheiligen Quellen, welche unsere deutschen Vorfahren immer in der Näheihrer Opferstätten halten. Diese Vermuthung wird durch den Umstandbestätigt, daß fast alle an uralter heiliger Stätte erbauten Kirchen ihreBrunnen haben, so die Münster zu Straßburg, Freiburg im Breisgau,Heilbron», Ulm und Andere; ebenso in Köln außerdem die Kirchen Mariaam Bühel, das Jvasbrünnchen, St. Gereon seinen Driesch, Kunibertseine Psutze u. s. w. Will man diese Brunnen nicht aus altheibnischemGebrauch herleiten, so hat auch die Vermuthung einigen Grund, daß sieeine Nachahmung der uralten Baplisierien oder Taufwasserbehältcr gewe-