wo außer andern schönen Gebäuden das Wallraffsche Museum und derEingang zum botanischen Garten, beide dem Dom gegenüber. Das mitLinden bepflanzte Lupusplätzchen ist nichts als eine Erweiterung der Straße;das Lupuseck das nordöstliche Eck der alten Römerfeste. Auf dem Lupus-plätzchen ist die Ansicht des Doms besonders schön. Der eigentliche Ein-gang in denselben ist am Litsch, wo man auf einem breiten Wege überden Römerumschluß zum Domkloster hinansteigt. Einige Schritte weiteroben ist die Straße unter fetten Hennen. Am letzten Hause gegendie Trankgasse besagt eine lateinische Inschrift, hier das Nömerthor, dasdie Kölner Pfaffenthor (porm p->pbi->) heißen. Nun folgt die Marcellen-straße in zwei ungleichen Theilen; in ihr liegt das große Gebäude desGymnasiums, gegenüber die Jesuitcnkirche mit ihren breiten Thürmen,das Gebäude des Priestcrseminars, ein ehemaliges Jesuitenkollegium, hin-ter welchem der botanische Garten gelegen ist. Die Marcellcnstraße istübrigens still und hat wenig Läden. Am Ende, wo der Eigelstein beginnt,ist links die breite Ursulastraße und rechts der Klosterplatz. Die Ursula-kirche ist durch ihre Reliquien merkwürdig. Der Eigelstein, breit undgut gepflastert, ist die Straße von hier bis zum Eigelstciuthor. Sie istals Hauptweg zum Bahnhof der rheinisch-belgischen Eisenbahn sehr belebt,wird jedoch diesen Vortheil verlieren, wenn der Bahnhof vom Thttrmchen,wo er sich gegenwärtig befindet, nach dem Kuuibcrtswerft verlegt wird.Hier finden sich Speise- und Wcinwirthschaften, Brauereien und Läden ingroßer Zahl, auch Werkstätten in Menge. Am Eigelsteinbrunnen liegt dieAllerheiligen-Stiftskirche. An die Stelle der alten Gebäude treten hierimmer mehr neue, schöne und zweckmäßige. Verbunden wird der Eigel-stein z. B. durch die Entcnpfuhlgasse mit dem alten Graben, wo man sichin ein Dorf versetzt glaubt, das sich allmählig in ein Städtchen verwan-delt. Der mit Linden bepflanzte Platz am Kuuibertsklostcr zeigt die Ku-nibertskirche. Man hat hier eine herrliche Aussicht auf deu Rhein undden obern Theil von Köln. Die breite Maccabäerstraßc enthält dieUrsulinerstiftskirchc und eine Jnfanteriekaserne. Im Uebrigen ist dieseStraße noch nicht vollständig bebaut. Nach dem Innern der Stadt füh-ren von hier 2 Gassen, wovon die Eine Johannisstraße unter vielen altenund neuen Häusern die Cadettenschule und das städtische Schlachthausenthält. Andere angrenzende Gassen sind unerheblich; die Mariminen-straße, zwar schmal und gekrümmt, wird doch häufig begangen, weil sieden Haupteingang zum botanischen Garten in ihrer Mitte hat. — Kölnhat 20 Thore, 8 auf der Land- und 12 auf der Rheinseitc; einige sindzugemauert. Die bewohnten Wälle und Plätze sind genannt. Unter denunbewohnten 16 Gassen sind: Achler-, Alten-, Graben-, Börsen-, Ku-niberts-, Dom-, Domhofs-, Halbmond-, Himmelreichs-, Jerusalems-u. s. w. Gäßchen. Die längsten Straßen sind: Sevcrius-, Breite-, Hohe-,Thiebolds-Straße, großer Griechenmarkt u. a. m. Der Umfang der jetzi-gen Ringmauer mißt auf der Landseite, vom Baienthurm bis zum Kuni-bertsthürmche» 8424 Schritt oder 21,060 Fuß und auf der Nhcinseite4624 Schritt oder ll,470 Fuß; im Ganzen also 13,043 Schritt oder32,620 Fuß oder 2'/z Stunden. Der innerhalb dieser Mauer befindlicheFlächenraum der Stadt beträgt 72,822,000 Fuß. Die alte Ringmauerhatte 83 Thürme, wovon nur noch die der Thore in wrer ehemaligen Gestalterhalten sind. Der Bau der jetzigen Festungswerke wurde i» Folge einerkönigl. Kabinetsordre vom 1l. März 1815, unter der obersten Leitungdes Generallieutenants v. Rauch begonnen; er wird in den die Stadtauf der Landseite umschließenden Fisteu noch fortgesetzt. — Unter denmerkwürdigen Gebäuden und Denkmälern der Stadt nehmen in derfrühern crzbischöflichen Residenz wie begreiflich die Kirchen die erste Stelleein, von ihnen ist aber der Doni dasjenige Bauwerk des gesammtenMittelalters, über welches in der jüngsten Zeit am meisten geschriebenund gesprochen ward, dergestalt, daß sich eine Dombauliteratur aufstellenließe, wie man schon ein Domblatt besitzt. Im Alterthum war, wo sichheute der Dom erhebt, die nordöstliche Ecke der Nömerfestung. Sie be-fand sich unmittelbar über dem schmalen Nheinarm, welcher die langge-streckte Insel vom Nächels- bis zum Kunibertswerft, von dem linken Uferabsonderte. Man schließt aber, das ein altes Hauptgebäude auf dieserStelle gestanden, aus dem Umstände, daß später auf römischen Trümmerneine fränkische Königspfalz aufgeführt wurde, die dem Frankcuplatz unsKöln.
einem alten vor langer Zeit abgebrochenen Thurm den Name» gab.Karl der Große schenkte dem von ihm auf den bischöflichen Stuhl erhobe-nen Hildebold seinen Saal an der Trankgasse, zur Erbauung einer Dom-kirche, deren Grnndstein 784 gelegt, die dem h. Petrus gewidmet, abererst nach 89 Jahren beendet und geweiht wurde. Als in folgenden Zeitender gegenwärtige Dom gebaut werden sollte und man Fundamente legte,ergab sich, daß bis zu 20 Fuß Tiefe, wo erst die undurchwühlt gebliebenenSand- und.Kieslagcn anfingen, der Boden mit Dammerde und Bauschuttwar aufgefüllt worden, uud man unterschied in Den Dach- und Mauer-ziegeln, Säulenresten rc. noch römische und fränkische Arbeit. Es scheint, daßdie Verheerungen der Normannen 882 — 890 den alte» Dom nicht be-trafen. Später, als Erzbischof Anno sich in seinem Bering eingeschlossen,hatte er eine Belagerung von Seiten der Kölner Bürger zu leiden. Undwieder 6 Jahre darauf, unter Hidolf, wurde ein großer Theil des Ge-bäudes von den Flammen verzehrt und dadurch die Haltbarkeit des Gan-zen sehr gefährdet. Es ist ausgemacht, daß schon seit 1100 der Spitzbo-genstyl hier und dort angewendet wurde, wo Wölbungen oder Oeffnnngengroße Lasten tragen mußten, dennoch herrschte im 13. Jahrhundert derfränkische Nundbogenstyl im Allgemeinen noch vor. Otto der Heilige vonBamberg wird als der Erste genannt, welcher 1202 Rundbogen mit spitz-bogigen Lichter» füllte. Wir haben erzählt, wie Erzbischof Neinhold vonDassel die Reliquie der heil, drei Könige gewann und nach Köln gab;dadurch nun, daß so viele Pilger aus allen Gauen Deutschlands zur Ver-ehrung derselben nach Köln strömten, sowie durch den mit dem Handelund Gewerbflciß der Stadt sich mehrenden Wohlstand war auch die alteDomkirche so reich geworden, daß man auf kühne Erweiterung oder Er-neuerung sinnen durfte. Erzbischof Engelbert I. beschloß 1216 einen neuen,großartigen Bau aufzuführen. Doch erst, als die alte baufällige Kirche1248 zum Theil abbrannte, wurde unter Engelberts Nachfolger, Konradvon Hochstätten, am l4. August des nämlichen Jahres, in Gegenwart desneu erwählten Kaisers Wilhelm von Holland, des Herzogs Heinrich vonBrabant, vieler ander» regierenden Fürsten uud Dynasten, eines päpst-lichen Legaten, mehrer Bischöfe und einer zahllosen Volksmenge der Grund-stein zu dem jetzt noch nicht beendigten Gotteshause gelegt. Rasch erhobsich anfangs unter Leitung des Meisters Gerhard von Riet der Bau aufseinen 40 Fuß tiefen Grundmauern. Verschiedene Sagen knüpfen sich andie Grundsteinlegung. Nach Einer derselben war der Teufel neidisch undwettete mit dem Baumeister Gerhard, er wolle eher einen Bach vonTrier nach Köln leiten, als Gerhard seinen Bau vollende. Der Böse be-dang sich zugleich, wenn er die Wette gewönne, des Meisters Seele aus.Darauf machte» sich Beide an ihr Werk. Gerhard verzagte einst ob derungeahnten Schwierigkeiten, die sich seiner Arbeit entgegenstellten, undstieg auf den Thurm zu sehen, wie weit der Teufel mit seiner Wasserlei-tung gekommen sei. Da flogen schon Enten von dem Bache, den derTeufel herbeigeführt hatte. Gerhard stürzte sich kopfüber herab, der Teu-fel in Gestalt eines schwarzen Hundes sprang ihm nach, seine Seele zuerHaschen. Aber der eigentliche Teufel, welcher den Fortbau ins Stockenbrachte, war der Hader zwischen der Bürgerschaft und dem herrschsüchtigenKurfürsten, der die Stadt sogar verlasse» imrßte. Bei seinem Tode warder Bau nicht über die Seitenschiffe des Empors gekommen. Auch unterEngelbert II., von Falkenburg, seinem Nachfolger, konnte der Dom nichtrasch weiter geführt werden, weil dieser Fürst in offner Fehde mit Köln,von dem Bundesgenosse» der Stadt, dem Grafen von Jülich gefangen,auf der Burg zu Niedecken in strenger Haft gehalten, das widerspenstigeKöln aber mit dem Bann der Kirche belegt wurde. Als nach 1276 Sieg-fried von Westerburg — gleichfalls ein streitlustiger Kirchenfürst — beiWorringen im Kampfe unterlegen, gericth der Bau gar in Stocken. Dochkonnte sei» friedlicher Nachfolger Heinrich von Virneburg den vollendetenEmpor oder Chor der Kirche den 27. September 1322 einweihe». EinigeZeit setzte man den Bau des übrigen Theils noch mit Eifer fort; manverstand es aber schon, durch Sammlung von Beiträgen sich betrügerischenGewinn zu verschaffen; ein Grund, warum Erzbischof Friedrich von Saar-werden 1370 genöthigt war, alle Sammelbricfc seiner Vorgänger durch-aus zu widerrufen und als nicht gültig zu erklären. Neue Fehden zwischenden Erzbischösen und Bürgern leerten die Kassen. Indessen zeigte Thcko-
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