Nömermaucr springt gegen die Straße vor und die nördliche Häuserreihesteht aus ihr. Durch die Straße hohe Pforte kommt man zur Sternen-gasse, mehr schmal als breit, fast durchweg mit ältern ansehnlichen Häu-sern bepflanzt und stark belebt. In ihr das Haus auf der Stelle desältern, worin Rubens geboren und Maria von Medicis gestorben ist. Seiten-gassen sind krummer Buchel und die Kämmcrgasse, unbedeutend, schmutzigunv winklig. Der kleine Griechen markt ist dem größern ähnlich. Ersteht mit der Baiengasse und dem Neumarkt in Berührung. Ei» offenerThorbogen, über den ein Haus gebaut ist und neben dein ein alter Rö-merthnrm steht, heißt Griechen- oder Kriegpforte. Die beiden Griechen-märkte habe» ungeachtet ihres ärmlichen Zustandes einen alterthümlichenAnstrich; die meiste» Häuser ruhen auf römischen Grundmauern, habenuralte Keller und stecken tief im Boden, woraus man sieht, daß die vor-übergehenden Gassen immer mehr erhöhet wurden. Die alte StraßeMauritius-Steinweg, die früher nur Gärten durchschnitt, ist in neusterZeit regelmäßig angelegt und mit schönen Häusern bebaut worden. Wei-terhin sind Kirche und Kloster gleiches Namens. Im La ach, Straßeund mit Bäumen bepflanzter Platz, war früher ein Teich oder eine Lache.Neue schöne Gebäude werden diese einst ungesunde Gegend bald in eineder angenehmsten umwandeln. Hier findet sich die Apostelkirchc und Klo-ster, ei» schöner, mit Bäumen bepflanzter Erercierplatz, mit dem Laachdurch die Mittelstraße verbunden, und schöne Gärten. Am Marsilstein istein kleiner Platz, die dazu gehörige Straße, von Ackerleuten bewohnt,scheint aus einem Dorfe nach Köln versetzt, weshalb denn Alles in der-selben ein ländliches Ansehen hat. Am Marsilstein beginnt auch die Hah-nerstraße und endet am Hahnerthor, durch das man nach Düren ge-langt. Hier ist starker Verkehr von Landleuten, sowie in der Ehren- undBenesis-Straße. Vier Thore, nahe beisammen, fördern diesen Verkehrmit dem Landvolke. Die Ehrenstraße beginnt ani Ehrenthor, durchwelches die Landstraße nach Bergheim, Jülich und Aachen geht, und er-streckt sich bis zur Breitestraße. Je weiter man in ihr vorschrcitet, destolebendiger ist der städtische Verkehr; die anbiegende Apostelstraße dientzum Gemüsemarkt. Durch St. Aposteln alte Mauer gelangt man nachdem Neu markt, einem großen länglich viereckigen Platz, innen mitLinden umpflanzt und niit einem Steingitter eingeschlossen. Rings ziehensich breite Fahrstraßen, größtentheils mit schönen Wohnungen besetzt. DerNeumarkt, wen» auch nicht der belebteste, ist der größte, schönste undregelmäßigste Platz der Stadt, dient zur Promenade und zum Erercicr-und Paradeplatz. Im Mittelalter ein Wein- und Gemüsegarten, erhieltderselbe erst 1740 seine jetzige Gestalt. Die ansehnlichsten Gebäude sind:Apostelnkirche, Garnisonsverwaltung, die große Jnfanteriekaserne Nr. l,das Zuchthaus die blcchene Bor und viele Privathäuser mit Altanen.Auch sind einige Wirthschaften hier. Zur Streitzcuggasse und Breitestraßezieht von hier die Richmondstraße, breit und mit schönen Bürgerstei-gen vor glänzenden Häusern; auf der andern Seite steht der Neumarktin Verbindung mit dem Laach und durch St. Mauritius alte Mauer mitdem Mauritiussteinweg u. s. w. In östlicher Richtung führt die Cäcilien-straße nach dem neuen Bürgerhospital, aus der Stelle des ehemaligenCäcilienklosters. Sie scheint »ach Beendigung des großartigen Gebäudeseine der angenehmsten im Mittelpunkt der Stadt zu werden. Belebterzieht in derselben Richtung die Schildcrgasse; hier drängen sich Kauf-läden der verschiedensten Art an einander. Die evangelische Kirche istziemlich unansehnlich und ihr Raum für die Gemeinde viel zu klein. Jeweiter man in der Schildcrgasse fortschreitet, desto lebhafter ist sie. Dieanstoßenden Nebengasse» sind gänzlich unbedeutend. Man gelangt durchdie von vielen Handwerkern bewohnte Herzogsstraße in die Streitzeug-gasse, welche nicht zu den lebhaftesten gehört und größtentheils vonHandwerkern bevölkert ist. Sie endet an der Jnfanteriekaserne Nr. 2,dem ehemaligen Franziskanerkloster, dessen Nebengebäude sich bis zurFilzengasse erstrecken und dessen Kirche ein Proviantmagazin ward. DieGlockengasse ist eine der schönen, wiewohl weder besonders lang, nochbreit. Sie ist sehr geränschvoll und hat schöne unv große Häuser, z. B.die Polizcidirektion und das Oberpostamt; auch finden sich Fabrikgebäudeund Gasthöfe von Belang in derselben. Ihre unmittelbare Fortsetzung istdie Brückenstraße, welche sich bis zu den vier Winden an der Hoch-
straße erstreckt. An der Ecke der Columbastraße ist die gleichnamige Kirche.Hier sind schöne und bedeutende Gebäude. An alten Häusern bemerktman Steinköpfe von Ungeheuern mit offenem Rachen und großen weitvorstehenden Zähnen — was wahrscheinlich aus den Bürgerkämpfen zuerklären und Anspielung auf eine der Parteien ist. Die Columbastraßeführt in die Breite Straße, welche sich von der Ehrcnstraße bis zumMinoritenplatz erstreckt und nicht viele Läden, aber einige ansehnliche Ge-bäude, z. B. das Hauptsteueramt enthält. Die Verbindungsstraßen sindim Begriff, sich in schönere und breitere zu verwandeln. An der Kupfer-gasse ist die Kirche Maria zur Kupfergasse. Die neu durchgebrochene He-lenenstraße verspricht recht schön zu werden; die Schwabengasse behältaber noch zur Zeit ihr unfreundliches Aussehen. Die Straße am Nömer-thor zeigt noch Umschloß und Mauer der ältesten Stadt und man gelangtzum Musivthurm, dessen unterer Theil ebenfalls römischen Ursprungs ist.Die Fricsengasse ist schmutzig und nur von Ackerleuten bewohnt. DerGereon sdriesch, ein. viereckiger Platz mit Linden, dient als Prome-nade, wird aber wenig besucht. An der Abcndseite die Gereonskirche unddie Gebäude des ehemaligen Klosters gleichen Namens; überall leerePlätze, Alles still und menschenleer. Auch die nach GereonSthor füh-rende Christophstraße, wen» schon sie neue Hänser hat, ist sehr still. An-genehmer dagegen ist die gegen Ost gerichtete Gereonsstraße, in derMitte mit 2 Reihen Linde» besetzt, welche eine hübsche Promenade bilden.Sie hat einige große Häuser, den erzbischöflichen Palast, das neue Civil-Arrcst- unv Correktionshaus; ein Durchgang führt in die Unter Sach-se »Hausen, links der Maria-Ablaßplatz, in dessen Mitte die kleineMaria-Ablaßkirche sich befindet. Hier, sowie in den Nebenstraße» ist esauch ziemlich still. Die Straßen an den Dominikanern, die Zeughaus-straße und Komödienstraße bieten nichts Merkwürdiges. In letzterer stehtder neue große Justizpalast in Mitte eines geräumigen Platzes, welcherder Appelhof genannt wird, auch das Theater »nd viele Wirthschaften,am untern Ende die Andreaskirche. In der Gasse Burgmauer ist nochder alte Umschluß der Römerstadt bemerklich. Durch die Mariengarten-gasse kommt man von hier nach der breiten aber kurzen Drususstraße unddem Minoriten- oder Scotusplatz. Er ist mit Bäume» bepflanzt undsehr belebt, die Minoriteukirche und andere schöne Gebäude befinden sich da.Klein ist der Laurenzplatz, fast in der Mitte der Stadt; seine Kirche ist abgebro-chen. Der einem Hofe nicht unähnliche Stadthausplatz steht mit der Ju-dengasse in Verbindung. Hier standen die 1429 von ihren Eigenthümern,den verzweifelten Juden, selbst angesteckte» Häuser; der Bezirk war injener Zeit ungemein belebt. Man gelangt nach dem Altmarkt. Dieserlänglich viereckige, mit Akazien bepflanzte Platz dient zum täglichen Ge-müsemarkt, auch werden Dienstags und Freitags die beiden Hauptwochen-märkte gehalten. Früherhin hatte er viele merkwürdige Gebäude, wovonnur noch das Stadthaus und einige mit hohen Spitzgiebeln erhalten sind.Jetzt reiht sich hier ein Laden an den Andern, und reich ausgestattet sindunter denselben ganz vorzüglich viele von Gold- und Silberarbeitern.Für Fremde merkwürdig ist der schmale Durchgang des Becherergäßchenszwischen hier und dem Altmarkt. Kaum können sich darin 2 Personenausweichen und doch wird er täglich von etwa 30,Ml) Menschen betreten;auf beiden Seiten sind dichtgedrängte Läden. Breit ist die Straße amHof, an deren Südseite die Häuser im Mittelalter den Hof der Herzogevon Vrabant bildeten. Sie ist gut gepflastert und mit ansehnlichen Häu-sern besetzt, aber nicht besonders lebhaft. Der Wallrafsplatz hat einigegroße Häuser, von ihm kommt man auf den fast dreimal größern Dom-klosterplatz, der kehr still ist und den Hanptcingang zum Dom hat; ei»schmales Gäßchen führt zum Domhof, ein Platz, welcher nach Beseiti-gung einiger alten Gebäude noch mehr erweitert werden wird. An diesemPlatz liegt das Archiv des Regierungsbezirks Köln. Im Gasthans zumKölner Dom und in dessen Nähe hat man die beste Ansicht der ganzenMasse des nahe gelegenen Doms. Seitwärts viele kleine Läden. Durchdie sehr belebte Sporergasse kommt man nach dem erst entstandene» Fran-ke »platz; er beginnt an dem Ueberrest dee alten Römermauer, unmit-telbar unter dem schönen Chor des alten Domes, und erstreckt sich bis indie Nähe des Rheins, von dem er nur durch den Freihafen geschiedenwird. Nahe bei ist das Frankenthor, Eingangs der breiten Trankgasse,