leicht gegen den Altmarkt gebogen, bis zu der nordöstliche Ecke am Lupus-plätzchen. Die Römerstadt, etwas mehr als ein Drittel des heutigenKöln, bildete inmitten desselben ein unregelmäßiges Viereck, SO Minutenim Umfang. Von der alten Burgmauer, die man bei verschiedenen Bau-ten beseitigte, finden sich noch bedeutende Neste. Die alten Thore befan-den sich auf der Nordseite, an der Stelle der Pfaffenpforte und des Zeug-hausthores, der Mündung des Kattenbugs gegenüber; auf der Westseite:beim Zusammentreffen der Ehren- und der Breitestraße, wo die Ehren-pforte (Ports Ilerse) gestanden haben soll, und unfern des Zusammen-treffens der Straßen Mauritius alte Mauer und Mauritius Steinweg;auf der Südseite: an der Stelle der noch vorhandenen Gricchenpforte undder beseitigten Hochpforte ll'nris slia oder äovi») am Waidmarkt; auf derOstseite am Marsplatze und an der Mündung der Straße unter Taschen-macher in die am Hof. Römerthürme, mehr oder weniger erhalten, be-finden sich in der Gaffe Burgmauer und an der Ecke der Zeughaus- undApernstraßen, wo der sogenannte Musivthurm, im untern Stock offenbarrömisch, dem entspricht, welcher sich an der Ecke des Neumarkts und desLaachs in einem Hofe zeigt. Zwischen Beide» noch zwei Andere in derApernstraße und in der Aposteln alte Mauer. Alle andern sind ganz, odereinige Fuß über der Oberstäche abgebrochen. Wo andere römische Bau-werke gestanden, läßt sich vermuthen, nicht nachweisen; einige Manerresteder auf Konstantins Befehl erbauten Rheinbrücke zeige» sich bei sehr niedri-gem Wasserstande, und zwar in der Richtung von der Salzgasse gegendie Heribertskirche in Deutz. Bor der Römerstadt lag eine Insel, diesich vom heutigen Baienthurm über den östlichen Raum der neuern Stadtbis in die Nähe der Trankgasse erstreckt haben mag. Ein nicht breiterRheinarm, der die spätern Heu- und Altmärkte überdeckte, sonderte sievom linke» Ufer. Die nachherigc Abtei Großmartin lag auf dieser Insel,nach welcher im Mtttelalter der Heumarkt noch der Jnselmarkt und derWeg längs der östlichen alten Mauer wurde Limpad d. h. Leinpfad genannt,weil hier die Schiffe gezogen wurden. Konstantin verband 393 diese Inselmit der Stadt durch eine Brücke, welche großartig gewesen sein mag, da sieEumenius mit der Brücke des ZlerreS über den Hellespont vergleicht. Ge-gen Ende des 9. Jahrhunderts soll sie bei den Einfällen der Normanenzerstört und mit ihrem Schutt der innere Rheinarm gefüllt worden sein.Später entstanden, weil die Oertlichkeit den Handel begünstigte, dort neueStraßen. Ein zweiter Anwuchs, das Niederrich (Niedcrreich) entstandspäter auf der Nordseite der Altstadt. Es erstreckte sich vom St. Lupusbis St. Kunibert und westlich über die jetzige Komödienstraße, den altenGraben u. s. w. Auf der Südseite kennt schon eine Urkunde von 348einige kleine Dörfer und Weiler z. V. Lyskirchen, Nothhausen, Dieden-hofen, Sapner Höfe. Am Katharinen- und Perlengraben lagen Bollwerke:die Oversburg, (obere Burg) woraus Ursburg oder Airsburg wurde. DieErzbischöfe sahen diese Erweiterung nicht gern, weil sie auf ihrem Grundund Boden vorgenommen wurde, sie verlangten sogar Abbruch der Ring-mauern. Die Bürger mußten endlich 2999 Mark Silber entrichten undalle Plätze unbebaut lassen, die unbestreitbar dein Erzbischof gehörten.Vorburgen und Altstadt waren vereinigt und ummauert; die Straßen engund schlecht; man drängte sich zusammen, während en.legcnere Stadttheileunbebaut blieben, oder zu Gärten und Feldern wurden. Die Menge derKirchen, Klöster, Stifter und Abteien — vor der Besitznahme durch dieFranzosen waren es nebst den 49 Kapellen zusammen 137 —verlieh außer-dem der Stadt einen eigenthümlichen Charakter.
Die Oertlichkeiten und ihre gegenwärtigen und frühern Zustände ver-anlassen uns zu folgenden Bemerkungen. Wir nehmen an, der Reisendelandet mit einem Dampfschiff der Kölner Gesellschaft oberhalb der Schiff-brücke am Rhein werft. Er hat dann zur Seite die Erpedition jenerGesellschaft, vor sich den Holländer Hof, ein großartiges Gasthaus. Ge-gen den Baienthurm gerichtet betritt er den inländischen Hafen, wo esvon Arbeitern und Fuhrwerken wimmelt; in zwei Eisenschoppen, vor denen3 Eisenkrahnen, sind die Waare» aufgestapelt. Hier liegen 69 —89 Se-gelschiffe und mehre Dampfboote. Zur Rechten Gasthäuser, dann derOrt, wo die Düsseldorfer Dampfboote anlegen, das Rheinthor mit einemalte» bewohnten Thurm, öffnet sich gegen die gleichnamige Straße. Indiesem Theil ist das alte Gotteshaus St. Maria in Lyskirchen. Bei der
Weinschenke Herger ist die Rheinhöhe von 1784 bis an die obern Fenster,39 Fuß über dem mittlern Wasserstande, angedeutet. Der Thurm amHolzthor ist gleichfalls Kaffee- und Wcinwirthschaft. Außerhalb diesesThors ist Obst- und Kartoffel-, innerhalb Holz-Markt. Unfern beginnteine lange Pappelallee, welche sich längs des Nächels-Werftes undder gegenüber befindlichen Rheinau bis gegen das Baieuthor erstreckt. DieRheinau oder das Werthchen (rvert heißt im Altdeutschen eine Fluß-insel, was nun Au, daher z. B. Nonnenwert) hat eine Länge von 1899,eine Breite von 275 Fuß; sie ist in einen Sommerlustgarten mit einerWirthschaft umgewandelt, im Winter geschlossen und die für Fußgängerbestimmte Brücke abgebrochen. Der Rheinarm zwischen dieser Insel, diebei hohem Wasser überschwemmt wird, und dem linken Ufer dient zumHafen und ist immer mit Fahrzeugen angefüllt. Der Brücke gegenüberist die Nächelspforte. Weiterhin am St. Nikolauswerft bemerkt man cmvermauertes Thor und einige vorspringende Thürme. Dann kommt dasunbedeutende Baienthor, zwischen welchem und dem schönen Vaienthurmein Militärgefängniß steht. Hier ist man am obersten Ende der Stadt,von dem man längs der gegen den Rhein vorspringenden Festungswerke zumBaienhaus gelangt. — Verfolgt man von dem Punkte, von dem wir vor-hin ausgingen, den Rhcinwerft in nördlicher Richtung, so muß man sichzwischen dem weit vorspringenden Rheinkavalier und dem Stadrmauer-thurm, ans welchem das Haus des Banquiers Cassel steht, nach demBrückewerft durchdrängen. Der Engpaß ist durch das stete Gedrängenicht ohne Gefahr; obgleich gut gepflastert, ist er bei Regenwettcr sehrschmutzig. Jenseits ist das große Stcinlager Herriger, am Ufer Hügelvon Kaufmannsgütern, 3 Krahncn, Wachlhäuschen. Zur Linken nebendem frühern Friedrich Wilhelmsthor, wo die Schiffbrücke nach Deutz führt,der Gasthof großer Rheinbcrg. Man betritt den 859 Fuß langen bis zumMühlcngassen- oder Hafenthor sich dehnenden Freihafen. Zuerst zeigtsich die offene Waarenhalle, deren Dach auf 12 Steinpfeilern ruht. Linksdie zugemauerte Salzgassenpforte und ein hoher runder, für den Freihafenbenutzter Thurm. Zwei andere Waarenhallen mit 19 und 14 Pfeilernund so viele Krahnen, daß gleichzeitig 12—16 große Schiffe aus- undeinladen können. Etwas zurück steht das neue fünfstöckige Lagerhaus, dessenErdgeschoß die Höhe eines gewöhnlichen Hauses hat. Dahinter bemerktman die St. Martinskirche, weiterhin das alte Lagerhaus, Hauptsteuer-amt und mehre andere Lagerhäuser. Alle Gebäude im Hafen sind zu La-gern verwandt und darum auf der Stadtseite zugemauert. Ein hohesEiscngittcr scheider hier den Freihafen in 2 Theile. Der unterste, kleinereenthält eine auf Eiseusäulcn ruhende Güterhalle und ein Wachthaus. Dergegen den Rhein vorspringende Bau wird beendet durch einen neuen ziem-lich hohen Zinnenthurm. Am Hafenthor ist ebenfalls ein schönes Gebäude..Die Stadtmauer, vom Franken - und Uferthor durchbrochen, zieht sich biszur St. Kunibcrispforte. Hier wird das Rheingestade, das für Anlegungdes Bahnhofs der rheinisch-belgischen Eisenbahn und für große Waaren-lager sehr erweitert worden, von einer breiten chanssirten Straße der Längenach durchschnitten und ist mit Bäumen schön bepflanzt, daher zu einemSpaziergange besonders geeignet. Die schöne und breite, erst in neusterZeit entstandene Friedrich Wilhelmsstraße erstreckt sich vom gleich-namigen Thor am Brückenwerft bis zum Heumarkt, etwa 319 Fuß; sieist mit breiten Vürgersteigen versehen und hat fast durchgehends schöne,neue Häuser. Anfangs liegt gegen Nord daran die düstere, schmutzigeHasengasse mit den Hinterhäusern des Buttermarktes, der gegen den Fisch-markt zieht. Auf der andern Seite der Thurmmarkt bis zum Rhcinthor.Gleichlaufend ist die schmutzige Kühgasse, weiter oben der Nothenberg mitmehren Brauereien und Wirthshäusern. Gegenüber kommt man durch dieAhr nach dem Sassenhof und weiter durch die Straßburger Gasse nachder Rhcinstraße. Nahe bei ist auch die Himmclreichgasse. Die FriedrichWilhelmsstraße hat einige Gasthöfe, Läse» und die Agentur der nieder-ländischen Dampfschiffsahrt. Der Hcumarkt ist ein nicht regelmäßiges,längliches Viereck, 359 Schritte lang, 72 breit, mit der Hauptwacheund dem Vaurhall. Die südliche Hälfte des Platzes, mit Bäumen be-pflanzt, ist Mittelpunkt eines lebhaften Verkehrs, meist mit Frachtwagenund andern Fuhrwerken bevcckt. An diesem für Güterversendung wichtigenPlatz finden sich viele Gasthöfc für Reisende und Herbergen für Fuhrleute