dessen Stellvertreter in Köln ernannt wurde. In demselben Jahre legteKönig Friedrich Wilhelm IV. den Grundstein zum neuen Fortbau desDom?, (4. September) für dessen Erhaltung schon sein Vater große Sum-men verwilligt hatte. In Gegenwart vieler hohen Gäste und einer un-geheuern Volksmenge sprach der König: „Ich ergreife diesen Augenblick,um die vielen lieben Gäste herzlich willkommen zu heißen, die als Mit-glieder der verschiedenen Dombauvereine aus unserm und dem ganzendeutschen Lande hier zusammengekommen sind, um diesen Tag zu verherr-lichen.
„Meine Herrn von Köln!
Es begibt sich Großes unter Ihnen. Dies ist, Sie fühlen es, keingewöhnlicher Prachibau. ES ist das Werk des Brudersinns aller Deutschen,aller Bekenntnisse. Wenn ich dies bedenke, so füllen sich meine Augenmit Wonnethränen und ich danke Gott, diesen Tag zu erleben. Hier,wo der Grundstein liegt, dort mit jenen Thürmen zugleich, sollen sich dieschönsten Thore der ganzen Welt erheben. Deutschland baut sie; so mö-gen sie für Deutschland, durch Gottes Gnade, Thore einer neuen, großen,guten Zeit werden. Alles Arge, Unächte, Unwahre und darum Undentschebleibe feLn von ihnen. Nie finde diesen Weg der Ehre das ehrlose Un-tergraben der Einigkeit deutscher Fürsten und Völker, das Rütteln an den,Frieden der Confessionen und der Stände, nie ziehe jemals wieder derGeist hier ein, der einst den Bau dieses Gotteshauses, ja den Bau desVaterlandes hemmte. Der Geist, der diese Thore baut, ist derselbe, dervor 29 Jahren unsere Ketten brach, die Schmach des Vaterlandes, dieEntfremdung dieses Ufers wandte, derselbe Geist, der gleichsam befruchtetvon dem Segen des scheidenden Vaters, des lehren der drei großen Für-sten, vor zwei Jahren der Welt zeigte, daß er in ungeschwächter Jugend-kraft da sei. Es ist der Geist deutscher Einigkeit und Kraft. Ihm mögendie Kölner Dompforten Thore des herrlichsten Triumpfes werde». Erbaue! Er vollende! Uno das große Werk verkünde den spätesten Geschlech-tern von einem durch die Einigkeit seiner Fürsten und Völker großen,mächtigen, ja den Frieden der Welt unblutig erzwingenden Deutschland;von einem durch die Herrlichkeit des großen Vaterlandes und durch eigenesGedeihen glücklichen Preußen, von dem Brudersinne verschiedener Bekennt-nisse, der inne geworden, daß sie Eins sind in dem einigen göttlichenHaupte. Der Dom von Köln, das bitte ich von Gott, rage über dieseStadt, über Deutschland, über Zeiten, reich an Menschenfriede», reichan Gottesfrieden bis an das Ende der Tage. Meine Herrn von KölniIhre Stadt ist durch diesen Bau hoch bevorrechtet vor allen StädtenDeutschlands und sie selbst hat dies auf die würdigste Weise erkannt.Heute gebührt ihr dies Selbstlob. Rufen Sie mit mir — und unter die-sem Rufe will ich die Hammerschlägc auf den Grundstein thun, rufen Siemit mir das tausendjährige Lob der Stadt: Alaaf Köln!" —
Die preußisch-rheinische Dampfschifffahrtsgesellschaft, die sich >825 zuKöln bildete und am l. Mai 1827 die regelmäßige Fahrt zwischen Kölnund Mainz eröffnete, hat den Verkehr auf dem Rhein, zumal den vonKöln, erstaunlich gehoben. Ihre 25 Dampfvoote scheuen auch die thätigeConcurrenz der Düsseldorfer und der Niederländer Gesellschaft nicht. DieSegelschifffahrt gewinnt immer mehr Ausdehnung, und die rheinische, bel-gische Eisenbahn zwischen Antwerpen und Köln wird für letztere Stadtdie herrlichsten Folgen haben. Diesen Aufschwung nahm Köln als Han-dels-, Stapel- und Fabrikplatz in den letzten Jahrzehnten. Seit 1814hat die'Bevölkerung sich verdoppelt; neue Straßen entstehen und der leb-hafte Verkehr läßt die traurigen Zeiten von 1794—1814 ganz vergessen.Auch das geistige Leben dieser Stadt, wie es sich im Mittelalter ei-genthümlich gestaltete, mag hier unsere Aufmerksamkeit verdienen. Kölnwar eine der wichtigsten Universitäten jener Zeit. Außer den drei Fakul-täten derselben fand sich eine Vorschule für höhere Wissenschaften, Scliolgariiuni hier, wo Philosophie, Geschichte, Naturkunde, Mathematik, theo-retische Musik, sowie die orientalischen und oecidentalischen Sprachen gelehrtwurden. Zum Besuche derselben bereiteten in verschiedenen Gegendender Stadt öffentliche Lchrhäuser vor, z. B. äomus äo Lsmpis, llomns äelleicu, äomus mvntis, äomus liubon» prima et seeimllu, von welcheneinige nachher den Namen Gymnasien oder Bursen führten. Noch im 'zweiten Jahrhundert der Universität gab es <Z — 7 dieser Schulen; nach
und nach gingen sie ein. Es erhielten sich nur: das Gymnasium Monta-nnni. um l»29 von Gerhardus de Monte gestiftet und nach ihm benannt;das Gymnasium Laurentianum, gestiftet von Joh. Höltzfall und »ach seinein Nachfolger Laurentins von Gröningen benannt; das GymnasiumTricoronatum, von Joh. Kuick auf dem Eigelstcin errichtet, aber 1459 indie Mariminenstraße in das Haus zu den drei Kronen (daher sein Name)verlegt. Letzteres ging 1557 an die Jesuiten über, wo denn sogleich derbisherige Regens wegen seiner Neligivnsveränderung entfernt wurde. DieseLehranstalten waren wie die übrigen Jesuiteiischulen eingerichtet, allein dieübrigen Geistlichen wollte» die Anmaßung der Jesuiten, die Alles nachihrem System einrichteten, nicht dulden, und so gab eS mancherlei Zer-würfnisse. Näheres wissen wir darüber nicht, als daß Pius V. in einembesondern Brcve den Jesuiten die Befugniß zuerkennt, in alle» Zweigendes Unterrichts zu lehre». Seitdem war man friedlicher und fügte sichdem geistigen Uebergewicht jener Väter: die literarische Ausbildung Kölnsnahm aber begreiflicherweise einen ganz eigenchümliche» Ehar kter an.Welche Veränderungen die Stürme der Revolution hier im Gefolge hat-ten, ist bereits angedeutet. Kaum war Köln mit der französischen Re-publik vereinigt, so wurden die Universität und die 3 Gymnasien aufge-hoben. Gleich im Jahr 1798 trat die Centralschule — Mittelding zwischenUniversität und Gymnasium — an die Stelle. Wie unförmlich die An-stalt auch war; sie hatte tüchtige Lehrer an Daniels, Kramp, Fabcr,Wallraf, Best, Stoll, Haas, F. Schlegel u. a. Aber schon 1896 erfolgtedie Umwandlung in 2 Sekondärschulcn, eine des ersten und eine des zwei-ten Ranges, welche ganz den Zuschnitt der damaligen französische» Lyceenhaben sollten. Höchst einseitig, wie überhaupt im Kaiserreiche, war auchhier der Unierricht: man schaffte den öffentliche» Gebrauch der deutschenSprache ab; die französische Lektüre nahm zwei Drittel der Zeit weg, jaein von Paris hierher versetzter Maitre wollte die Schüler zwingen, dasLatein nach der französischen Aussprache zu lesen. Die Bestrebungen derverdienstvollsten und wissenschaftlichsten Lehrer wie Wallrafs, Cafsel's undA. stießen überall auf Hindernisse. Soviel fehlte, daß die Staatskassezum öffentlichen Unterricht zuschoß: sie wollte sogar noch jährliche Ein-künfte aus demselben beziehen. Anders ward es unter preußischer Regie-rung. Zwei Verordnungen, vom 8. September 1814 und 6. December1815 verfügte», daß die französischen Collegien gleich den Gymnasien inNorddcutschland eingerichtet und mit ihrem eignen Vermögen unter bes-sere Aufsicht gestellt werden sollten. So ward demnach anstatt der ehema-ligen drei Gymnasien das alte Tricoronatum mit vorläufiger Beibehaltungdes Namens „Jesuiten-Gymnasium" als das Eine Kölnische eingerichtet,demselben aber zur Vorbildung zwei Collegien, eins in der Anstalt selbstals Progymnasium, das Andere im Carmelitercolleginm im südlichen Theileder Stadt beigesellt. Nachher wurde das Erstere von Beiden aufgehobenund von 1829 an blieb das Earmelitercolleg als einzige Vorschule, inwelcher die Schüler bis zur Prima unterrichtet und dann in das eigent-liche Gymnasium versetzt werden sollten. Von der Einrichtung und Fre-quenz der beiden Gymnasien wird später die Rede sein. —
Wenden wir unsere Aufmerksamkeit auf die Ueberrcstc aus deinAlterthum. Die e»lonin ^xiippina nahm den Raum ein, den diesogenannte alte Burgmauer umschließt. Sie begann in der Nähe desLupusplätzchcns am Lupusmarkt, zog nördlich am Dom vorbei, zwischendiesem und der Trankgasse, über den Litsch, bis zur Mündung der Straßeunter fetten Henne» Hier stand ein altes Römerthor, die 1827 abge-tragene Pfaffenpforlc. Von da zog sie sich immer westlich zwischen derKomödien- und Zcughausstraße einerseits, und der Burgmanergasse, demAppelhof und der Straße am Römerthor anderseits, bis zum Musivthurni,der ihre nordwestliche Ecke bei dem vormaligen St. Clarenkloster erheb».Nun wendet sich die alte Mauer nach Süd und zieht i» fast gerader Liniebis in die Nähe der Weierstraße. Man sieht sie sehr genau an verschie-dene» Stellen; auch in Höfen und Gärten; ihre südwestliche Ecke befandsich in der Nähe der Weierstraße. Von da wendete sie sich gen Ost undzog sich über die Griechenpforte, ein ehemaliges Thor, längs der Hinter-straße, alten Nömerinauer, gleichlaufend mit den Straßen Rothgerbcrbach,Blaubach und Mühlenbach, bis zum Malzbühel, wo ihre südöstliche Eckesich be'and. Vom letztbezeichnetem Punkte zog sich der Römerumschlnß,