Der verwiesene Bürgermeister Heinrich von Stave kehrte nun zurück undwurde sogleich hingerichtet. Im Jnni 1396 sammelten sich die Anhänger,seinen Tod zu rächen. Inzwischen verrieth Einer ihr Vorhaben, die Bür-ger überfielen mit großer Macht ihre Versammlung, und Tod oder Ver-bannung traf die Angesehensten von den Geschlechtern. Die Gemeinde gabsich eine neue Verfassung, in dem „Verbund-Briefe" enthalten, der amFeste der Krenzerhöhung 1396 beschworen wurde. Sofort faßte der Ratheine Gerichtsordnung ab, welche die Parteien genehmigten und der Kaiserbestätigte. Der Erzbischof sollte 2 Paläste in der Stadt haben, doch nurmit kleinem Gefolge kommen, und nicht über 3 Tage verweilen. DieStadt behauptete ihre Neichsfreihcit, gelobte zwar dem Bischof Treue, em-pfing aber auch seinen Schwur, sie in ihre» Freiheiten zu schützen. Eineglückliche Ruhe hob nun das Wohl der Stadt; in diesen Jahren warAlles so wohlfeil, daß man einmal das Fuder Wein für einen Guldenkaufte. Städtische Bauten wurden unternommen, z. B. 1467 — 1414der Rathhausthurm, 1441 — 1456 der Gürzenich, das Stadtzeughausund viele Andere. Aeneas Sylvius äußerte, daß keine andere Stadt inEuropa etwas Achnliches aufzuweisen habe. Die damals noch junge Buch-druckerkunst hatte in Ulrich Zell seit 1464 einen Pfleger; seine Werkstättewar neben der Lyskirche. Die Jsraeliten mußten 1429 abermals für län-gere Zeit Köln meiden. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts stritt Erzbi-schof Rupert mit dem Domkapitel; Ersterer unterstützte Karl den Kühnenvon Burgund, welcher 1474 Neus belagerte, das aber von seinen Bür-gern und den mit ihnen verbündeten Kölnern auf das tapferste vertheidigtwurde. 1475 wurde auf dem Hansatage zu Lübeck ein Zerwürfniß zwischenKöln und den andern Hansestädten geschlichtet, die jenes vom Bunde aus-geschlossen hatten. Unter Hermann dem Friedfertigen, der 1480 bis1568 Erzbischof war, herrschte Ruhe und Segen; selbst eine vorüberge-hende Empörung, wodurch 1481 der Rath gestürzt worden, hatte keineweitern Nachwehen. Aber von dem Versuch, neue Zölle auf dem Rheinzu heben, mußten die Kölner abstehen, weil die rheinischen Fürsten denStrom für den Kölner Handel sperrte». Mit dem Beginn der Reforma-tion, 1517 saß Hermann zu Wied auf den, Kurstuhl. Er schützte zwarmit aller Macht die katholische Lehre gegen Neuerung, konnte aber diereuchlinischen Händel nicht hintertreiben. Ein getaufter Jude aus Köln,Namens Pfefferkorn, erregte den Streit, indem er verlangte, man sollealle Schriften der Juden verbrennen, weil sie Lästerungen auf Christusenthielten. Der gelehrte Nenchlin nahm sich der Jude» an und nun wen-dete sich der Streit gegen ihn. Die Dominikaner zu Köln hätten ihmgern den Prozeß gemacht, allein sie schwiegen vor den Waffen des Spot-tes, die Hütten in seinen Briefen der Dunkelmänner se>>lstvlne obscuro-rum virvrum) gegen sie schwang, sowie vor Sickingens Drohung, erwollte sie am Rhein heiuisuche», wenn sie den Nenchlin nicht in Ruheließen. Sie bezahlten jetzt sogar die Prozcßkosten. Dieser Streit, beidem die Kölner Geistlichkeit den Kürzern zog, schürte den Fanatismus undals die Anhänger der neuen Lehre zunahmen, wurden 1529 sogar zweiprotestantische Prediger, Älarenbach uns Flistädt als Ketzer hinge-richtet. Aus ihrem Blute erstanden neue Anhänger und die Henker mußtensich lange verbergen. Es erfolgten sogar blutige Streitigkeiten; der Rathwußte sich nicht zu helfen. Melanchthon wollte ein Neligionsgesprächveranlassen, aber man gab den Bescheid, daß es die erste Pflicht einesehrsamen Rathes sei, Zwist und Zwietracht in der Stadt zu vermeiden.Noch bewahrt man diese» Bescheid im Archiv auf; auch der Einfluß desErzbischofs änderte ihren Entschluß nicht. Die Zahl der Protestanten nahmschnell überHand. Hermanns Nachfolger schaffte wieoer die kirchliche Ord-nung; er verbot alle Zusammenkünfte der Lutheraner und Wiedertäuferund drohte mit Eril. — Gcbhard Truchseß wünschte aus Liebe zu derschönen Gräfin Agnes von Mansfeld, die geistliche Herrschaft zu verwelt-lichen, er gestattete seinen Unterthanen freien Uebertritt. Die Protestantenwandten sich an den Rath mit der Bitte um freie Neligionsübung, alleinman schlug es ab, kerkerte die Wortführer ein und b.fahl den Uebrigen,in bestimmter Frist die Stadt zu meiden. Viele gehorchten und zogen insBergische, wo ihr Fleiß reichen Segen trug, die aber in Köln zurllck-bsieben, hielten sich geheim. Es mögen deren noch viele gewesen sein,denn 16l l beschuldigte man sie, die Neligionsstrcitigkeiten in Aachen und
Lille erregt zu haben. Hausenweise wanderten sie vor der Wuth des stetsaufgehetzten Pöbels aus, was dem Handel und Wohlstand sehr nachrheiligwurde. Von 1613 — 1618 wurden jährlich die strengen Verordnungengegen die Wiedertäufer vorgelesen, kein protestantischer Prediger durste inKöln auftreten, Niemand nach Mühlheim gehen, einen solchen zu hören.Den Protestanten wurde der Kleinhandel untersagt und Schußgeld ab-verlangt. Noch 1685 zwang diese Intoleranz über 1466 Familien zurAuswanderung. Die übrigen Handelsstädte, meist der Reformation zu-gethan, wurden dadurch kalt gegen Köln. Sein Handel begann zu sinken,dies dauerte während des ganzen dreißigjährigen Krieges. Der wcstphä-lische Friede gab den Hansestädten große Vortheile der Schifffahrt und desHandels, welcher letztere nach dem Innern Deutschlands allmählig einenandern Weg suchte, so daß Bremen und Hamburg die größern Sta-pel- und Handelsplätze wurden. Zwischen 1636 und 1685 geschah derletzte Kampf des Adels und der Bürger. Der Rath, die verbundenenStädte nicht schonend und dadurch Kölns Wohlstand untergrabend, legtegleichwohl dem Bürgerstande immer neue Abgaben auf und erregte denVerdacht, daß die öffentlichen Gelder veruntreut würden. Wahrscheinlichhatte Ludwigs XIV. Eroberungssucht große Opfer nöthig gemacht, alleindaran dachte der Unwille des Volkes nicht, man murmelte von bedeuten-den Unterschlagungen. Ein Bandkrämer Gülich veranlaßte eine Unter-suchung, die zu nichts führte; er ward verhaftet und wieder frei gegeben.Der Pöbel waffnete sich und die Unruhen dauerten bis Ostern 1683, wosie in hellen Flammen aufschlugen. Doch erst auf Johanni setzte man denRath ab, Gülich und seine Anhänger ergriffen das Ruder. Einer tollenPöbelherrschaft folgte die kaiserliche Achtserklärung, August 1685. ImNovember nahm der vorige Rath seine Stelle wieder ein und Gülich miteinem Genossen ward 1686 zu Mnhlheim enthauptet; sein Haus abge-brochen, eine Schandsänle an die Stelle gesetzt, darüber sein in Erz ge-gossener Kopf. In der Revolution stürzte man 1797 diese Säule um,trug den Kopf als den eines Märtyrers der Freiheit herum und schickteihn hinauf nach Bonn. Die Kriege im Laufe des 18. Jahrhunderts be-rührten Köln nicht. Allmählig zeigte sich — o Wunder! — sogar hierDuldung gegen die Protestanten, welche 1788 sich ein Bethaus einrichtenDurften. Der Pöbel hinderte das Beginnen und sie mußten nach wie vorin Mühlheim ihre kirchlichen Bedürfnisse befriedigen. Der letzte milde undaufgeklärte Kurfürst Maximilian Franz stand nicht in bessern, Ver-hältniß zur Stadt, wie seine Vorgänger. Das Erzstift hatte sammt undsonders damals 126 Quadratmeilen, 236,666 Seelen und 666,666 Thlr.jährliche Einkünfte. Inzwischen verfielen Handel und Gewerbe Zusehens,die Armuth und Nahrungslosigkeit brach als ein immer drohenderes Ge-spenst über die niedern Bürgerklassen ein. Während der Revolution be-setzten die Franzosen unter Jourdan die Stadt; eine provisorische Ver-waltung gab unter Anderin allen religiösen Glanbensmeinungen gleicheRechte. Ein Jakobinerklnbb entstand aber hier nicht. Durch den Friedenvon Campo Formio 1797 wurde Köln ein Schalten seiner frühern GrößeMunizipalstavt im Ruhr-Departement, dessen Hauptort Aachen war. ImJahr 16 der Republik — 1862 — wurden Klöster und geistliche Stiftun-gen aufgehoben, ihr Vermögen eingezogen. Die Haupt- und Pfarrkirchenblieben verschont. Den evangelischen Gemeinden gab man die Antonius-kirche, welche sie 1366 einweihten. In diesem Jahr wurde die StadtSitz einer Untcrpräfektur, einer Centralschnle, eines ersten Instanz- »ndeines Handels-Gerichts.
Am 14. Januar 1814 räumten die Franzosen Köln, da? die Verbün.deten unmittelbar darauf besetzten. Der 24. Artikel der Wiener Congreßaktetheilte es mit Andern der preußischen Monarchie zu. Bald hierauf wurdees Sitz des Oberpräsivenien der Provinzen Jülich, Kleve und Berg undeiner königlichen Negierung. Ein für die gesummte Nheinprovinz 1822errichtetes Oberpräsidinm erhielt seinen Sitz in Koblenz. Auf den solange erledigten erzbischöflichen Stuhl ward 1825 der hochwürdige GrafSpiegel zum Desenberg erhoben. Ihm folgte 1835 der FreiherrD roste Vischering, welcher in bedenkliche Streitigkeiten mit der Re-gierung geriet!) und deshalb ans seinem Sitze entfernt wurde. Im Jahr>842 wurden die kirchlichen Zerwürfnisse und Störungen dadurch beseitigt,daß der bisherige Bischof von Geissel zum Coadjutor des Erzbischofs und