Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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muth; ffe wollten in den Erzbischöfen nicht mehr ihre Oberherrn erkennen.Sie brachte» es, da oft streitige Fälle vorkamen, wahrscheinlich schon inder letzten Hälfte des 12. Jahrhunderts dahin, daß man ihnen die Er-wählung ihrer Obrigkeit zur Verwaltung der städtischen Angelegenheitenzugestand, und bei dieser Ernennung hatte weder der Erzbischof, nochsein Bogt Antheil. Große und Macht wuchs und nun wollte» sie auchkeine Besatzung des Erzbischofs mehr, Er und seine Geistlichkeit möchte inihren Mauern wohnen. Klug genug erstrebten sie demnach allen Vor-theil einer freien Reichsstadt und einer bischöflichen Residenz. Konradvon Hochstätten, welcher 1237 den erzbischöflichcn Stuhl bestieg, suchtemit List oder Gewalt die Rechte wieder zu gewinnen, welche seine Vor-gänger, meist auf den Römerziigcn der Hohenstanfen abwesend, einge-büßt hatten. Er betrachtete die Stadt als Hauptsitz seiner Macht undthat viel für sie; er verlieh ihr Stapelgerechtigkeit und begann 1248 denheutigen Dom, der alle Gebäude der Art durchaus übertreffen sollte.Leivcr schadete aber der fortwährende Hader dem raschen Gang des Un-ternehmens; erst nach 75 Jahren war nur der Chor, ein kleiner Theildes Ganzen, vollendet. Gar in der Folgezeit gerieth der Bau insStocken, wovon wir noch reden werden. Die Verleihung des Stapel-rechts nutzte der Stadt ungemein. Als nach Friedrichs ll. Tode Wilhelmvon Holland deutscher König war, hielt Konrad den Zeitpunkt günstig,sich Köln ganz zu unterwerfen. Wie sollte er auch nicht? Jeder dachtein der Verwirrung des deutschen Reiches zunächst nur an sich und seinenVortheil. Die Rheinstädte erneuerten 1254 ihren Bund und schloffensich enger an die Hansa. Köln gewann an Sicherheit im Innern, nachAußen an Kraft. Konrad hoffte, daß Bürger und Adel ihm gegenübernicht lange einig sein würden. Er hatte sich nicht getäuscht. Der Adelsah mit trotziger Anmaßung auf die Bürgerschaft. 1258 gestalteten sichdie längst gährenden Unruhen zum offenen Kampfe zwischen den Zünf-ten und den Geschlechtern. Konrad und Engelbert II. wußten dieszu nutzen und gewannen die reichen Wollweber, auch andere Unzufriedeneunter den Bürgern, für sich. Konrad ging weiter, er ließ Kölner Mün-zen schlagen, ein Recht, was die sogenannten Münzer Hausgenossen alsererbt für sich ansprachen. Sie drohten schwer, er nahm die Flucht undsagte ihnen Fehde an. Beide Theile litten Verlust und der Bischof vonTrier brachte einen Vergleich zu Stande, den die Bürger mit 6999 MarkSilber bezahlten. Am Ostersonntag 1259 entstand zwischen Zünften undGeschlechtern, wegen Entfernung der alten Schöffen, in der Weißfrauen-kirchc offener Zwist und zuerst floß Bürgerblut. Der Adel siegte. Will-kommener Anlaß für den Bischof, der ganzen Bürgerschaft eine Buße, zu-gleich in Geld, aufzulegen. Doch wählten die Bürger ihre Schöffen selbstund trafen freilich nicht eben kluge Köpfe dazu. Der Adel wollte wiederm sein Recht; die Zünfte schickten Abgeordnete an den Erzbischof, worun-ter ein Fischer Hermann; der Erzbischof lud die Adeligen vor und als die12 Vertreter in seinem Palast erschienen, ließ er sie gefangen nehmen undnach der Ahrburg in Gewahrsam führen. Viele vom Adel, solchen Ver-rath verfluchend und auch um sich besorgt, verließen die Stadt. Konradhatte gegen die Bürger leichteres Spiel. Sein Nachfolger Engelbert ver-fuhr ebenso. Er ließ die Gefangenen nicht los, errichtete an beiden En-den der Stadt Zwingburgen, heischte Zoll und Schoß von den Bürgernund hielt keinerlei Ding, was er ihnen zugesagt. Auch die bürgerlichenSchöffen, außer dem schlauen Hermann, setzte er ab, endlich 1262 er-klärte Engelbert der versammelten Bürgerschaft, er wolle von nun an Einender Bürgermeister und einen Schöffenamtmann selbst ernennen, zugleichverlangte er Abgabe von allen Lebensmitteln und eine Vermögenssteuervon 6990 Mark Silber. Ein schlichter Bürger, Eberhard vom Butter-markt, trat hervor und rief zu den Waffen gegen solche Anmaßung. DieGefangenen, indeß aus der Ahrburg entkommen, stellten sich an die Spitzeund die bciven Zwingburgen fielen. Der Erzbischof kam noch in demsel-ben Jahr mit großer Heeresmacht vor Köln, erlangte aber nur einenVergleich, wonach ihm die Bürger jene 6900 Mark zahlten, aber allevom Kaiser verliehenen Rechte zurück erhielten. Entrüstet hierüber schluger seinen Sitz zu Brühl auf. Im folgenden Jahr scheiterte ein Ueber-fall der Stadt, auch die 1266 auf dem Griechenmarkt entstandene We-berverschwörung half ihm nichts. Der Rath ließ zur Strafe die meisten

Webstühle verbrennen, und Engelbert wünschte sich den Tod: denn Gotthabe seiner vergessen, weil ihm alle Pläne, der Stadt Meister zu wer-den, mißlängen. Ein Mönch Wolfrath, dies hörend, erbot sich, dieGeschlechter zu entzweien. Die sogenannten Weißen durften sich nicht,wie die Overstolzen, in Scharlach mit grünem Untcrfutter kleiden.Darüber hetzte sie Wolfrath auf, und sie behaupteten, dasselbe Rechtvom Erzbischof zu habe». Der Graf von Jülich stiftete Friede, aberohne Nachhalt. Die Overstolzen wurden 1267 in den Straßen vonihren mit den Zünften vereinigten Gegnern überfallen, schlugen sieaber zurück und die Weißen wurden verbannt. Sie wendeten sich anden Erzbischof, der mit ihrer Hülfe in die Stadt zu kommen gedachte.Ein Schuhflicker Havenit (Habenichts) grub bei seiner Wohnung ander Ulrichspforte ein Loch unter die Stadtmauer, so daß Herzog Walrafvon Limburg in einer sturmischen Oktobernacht 1267 eindringen konnte.Ein Denkmal verewigt den Kampf, in welchem die Overstolzen den-noch siegten, ihre Gegner zurückwarfen und Hermann »ebst andern Vcr-räthcrn erschlagen ward. Nun herrschte mehr Einigkeit in der Stadt;sie wählte die Grafen von Jülich, Berg, Geldern und Katzenelnbogenzu Schirmvögten. Ersterer fing in gedachtem Jahr den Erzbischof, gabihn zu Köln dem Spotte der Bürger preis, führte ihn hierauf inseine Burg an der Eifel, wo er ihn in eisernem Käsig eingesperrt hielt.Engelbert kam erst 1273 auf Alberts des Großen Verwendung wiederin Freiheit. Als der Herzog von Brabant mit dem Grafen von Geldernwegen der Limburger Erbschaft stritt, waren die Kölner für den Ersten,der Erzbischof Siegfried für Letztern; in einem Treffen siegte der Herzogund fing seinen Gegner nebst vielen Rittern und dem Erzbischof. Dieserdagegen wälzte alle Schule auf die Kölner, belegte sie mit dem Bannund hob diesen, so lang er lebte, nicht wieder auf. Sein Nachfolgersöhnte sich nach 11 Jahren mit der Stadt aus und brachte es dahin, daßder Papst 1299 den Bann aufhob. Trotz dieser Reibungen und Kämpfepflegte Köln damals Gewerbe und Künste mit trefflichem Erfolge. Eshatte Gold- und Silberarbeiter, Bildhauer, Tcppichweber; es hatte eineeigene Malerschule, die zwischen der altdeutschen und altniederländischenMalerei die Mitte hielt. Johann van Eyck, Wilhelm von Hcrle (Malerdes berühmte» Dombildes) erwarben sich unsterbliche Namen. Zugleichzeugen Denkmale der Baukunst, Bildhauerei, Glasmalerei u. s. w. vondem Kunstsinne und der feinen Fertigkeit der Kölner, von da ab bis ins16. Jahrhundert. Die vollste Blüte war im 14. Jahrhundert; die Erz-bischöfe führten auswärtige Kriege und ließen die Stadt in Ruhe. Diesewetteiferte mit Lübeck, Braunschweig und Danzig, ihren Mitvorsteherin-ncn im Hansabund. Kölnisches Geld und Gewicht galt allenthalben. Diealten Geschlechter nahmen ab, Ansehen und Reichthum der Zünfte zu.Der Gewerbstand sah sich seit 1321 im Rath vertreten und wollte sogardie Oberhand gewinnen. Um die Mitte des Jahrhunderts verfolgte manallerorten die Juden: in Mainz, Trier, Worms, Speier u. s. w. verfuhrman sehr grausam. Die zu Köln besorgten, vielleicht aus dem GeschreiEiniger vom Pöbel, gleiches Loos und verbrannten sich im August 1349mit Weib und Kind, mit Haus und Hof. Die Reichsten kamen so um,die andern wurden zur Auswanderung gezwungen, ihre Häuser verkaufteman. Zuerst nach 13 Jahren durften sie wieder in die Stadt, mußtenaber lange Zeit ein jährliches Schutzgeld von 79 Mark Silber entrichten,wozu sie sich auch sehr gerne verstanden haben. Die Geistlichkeit weigertesich 1359 die von Karl IV. ihnen auferlegten Steuern zu bezahlen; derRath ging sie hart an, sofort sprachen sie 1367 den Bann aus und ver-ließen die Stadt. Erst nach 2 Jahre» kamen sie wieder. Die Tuchmacherempörten sich 1371 und nöthigten den Stadtrath sich aufzulösen, wobeidem Adel die vollstreckende Gewalt blieb. Er sollte sich noch 59 Mit-glieder beigesellen und that es nicht, 1372 entbrannte ein blutiger Kampf,im November verloren 33 Häupter der Empörten ihr Leben. Die Stadtblieb 14 Tage gesperrt, und nachdem noch viele Weber in ihren Häusernund sogar in Kirchen und Klöstern erschlagen waren, verbannte man dieUebrigen. An 1399 derselben wanderten »ach Bonn, Aachen, Ander-nach u. a. Orten aus. Die Stadt ward 1377 von der Acht, die Karl IV.verhängt hatte, und vom Bann des Papstes gelöst. Elf Jahre nachhergründete sie die Universität, die bald ein Hauptsitz der Scholastik war.

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