boren; sie bewog ihren Gemahl eine Veteranenkolonie — voloni» Xgrip-pina genannt — Hergusenden, wodurch die Stadt vergrößert und ihr bis-heriger Name oppilluni Ubiorum sUbierstadt) in Vergessenheit gebrachtwurde. Bald gelangte die Kolonie zu Ansehen und ward in Untergcrma-nien Hauptsitz der römischen Macht. Sie hatte das Recht freier Verfas-sung, wählte selbst ihre Behörden und zahlte keinerlei Abgaben. Als derBataverheld Civilis die Macht der Römer am Rhein stürzen wollte, zö-gerten die Agrippinenser, dem Bunde zur Gründung eines neuen Gallier-reichs beizutreten, weshalb Classicus die Plünderung ihrer Stadt befahl,die jedoch Civilis hinderte. Die Römer drangen bald nenverstärkt vor,nun gaben die Agrippinenser ein Fest, zu welchem sie auch Gattin undTochter des Civilis einluden. Sie bemächtigten sich Beider, sie den Rö-mern zu überliefern, und tödteten alle andern feindlichen Gäste. DerKrieg gewann ein schnelles Ende. Tacitus berichtet diese That der Agrip-pinenser ausführlich; nachher erwähnt er Köln nur noch einigemal. DasChristenthum soll auch hier durch den h. Maternus l »ach der Sage wares der von Jesu erweckte Jüngling aus Nain), Schüler des ApostelsPetrus und ersten Bischof von Köln, der von Trier hierher kam, schonam Ende des tten Jahrhunderts eingeführt worden sein. Das Annoliederzählt in der Strophe 32 so: „St. Peter, der heilige Bote, den Teufelüberwand er zu Rom. Er richtete auf des h. Kreuzes Zeichen, er schriebdie Stadt zu Christo eigen. Dann sandte er drei heilige Männer, denFranken zu predigen, Eucharius und Kalerius, der dritte zMaternus) en-digte sei» Leben auf dem Wege. Da kehrten die zwei wieder, St.^Pcterdas zu klagen. Daher sandte er seinen Stab, den legten sie auf Mater-nus Grab; sie hießen ihn wieder vom Tod erstehen, in St. PetersWcbotmit ihnen zu den Franken gehen. Da er seines Meisters Namen vernahm-ward er ihnen gleich gehorsam. Er schüttelte sich den Staub (nwlm, dieweiche Erde) ab, wie Gott es wollte; er faßte sich am Grase, schnelleilt' er aus dem Grabe. Da er 40 Tage hatte gelegen, mußte er noch40 Jahre leben. Zuerst sie die zu Trier lehrten, nachher sie Köln be-kehrten, der Bischof ward derselbe Mann, der vom Tode war erstan-den." — So das Lied, allein sehr kundige Geschichtsforscher bestreiten undwohl mit Recht, daß die christliche Lehre so früh hier vorgetragen wordensei. Sicher waren auch hier nachher Verfolgungen der Christen und esgab viele Märtyrer. In folgender Zeit mögen auch Kaiser in diese Stadtgekommen sei». PostHumus, den die Legionen am Rhein zum Kaiser aus-riefen, residirte 7 Jahre hier. Konstantin befahl 308 die Erbauung einerBrücke über den Rhein, die aber nicht fertig geworden zu sein scheint, daman Spuren der Pfeiler wohl auf der Kölner, aber nicht auf der DeutzerSeite bemerkt. Noch unter Konstantin treten auf dem arelatischen Concil314 die ersten Bischöfe von Trier und Köln auf. Auch beschränkte er 32ldie Rechte der Jsraelitcn zu Köln. Unter Konstantius legte sich Silvanus,römischer Feldherr, in Köln 354 den kaiserl. Purpur selbst an, fiel aberbald durch Meuchlerhand, nach Einigen in der Severins-, Columba- oderCäciliakirche. Die Franken benutzten die Unzufriedenheit der Soldatenam Rhein, gingen über den Fluß und belagerten die Stadt. Julian, vonseinem Vetter 355 gegen die Feinde gesandt, konnte ihnen Köln nicht mitGewalt nehmen, er bestach also den Frankenfürsten, der ihm die Festegab, nachdem die Werke geschleift waren. Die Franken kamen seitdemöfter und Valentinia» III. wies ihnen zuletzt 370 feste Wohnsitze am lin-ken Nheinufer bis zum Ardennerwald und den Vogesen an. Dies ver-schlimmerte die Lage Galliens, weil nun auch andere Feinde ungehindertherüberdrangen. Honorius nannte sich zwar, noch Herr Galliens, dochherrschten in der Wirklichkeit die Franken von der Mittelmosel bis zurSaone. Dies bestätigt sich auch daraus, daß am Ende des 4ten und An-fang des 5tcn Jahrhunderts Mainz und die Städte am Oberrhei» nochals Römerbesitzung genannt werden, Kölns aber keine Erwähnung ist. —Nach dem Sturz des weströmischen Reichs herrschte Klodwig überFrankreich, wozu Köln gehörte. Hier ward Klodwig 508 zum König aus-gerufen und hier war ein Bischofssitz. Als Klodwig unter seine Söhne dasReich getheilt, gehörte seit 5ll Köln dem zu Meß rcsidirendeu Theude-rich. Nachher kam es zu Australien und wird als eine der vornehmstenStädte desselben bezeichnet. Eine bessere Zeit kam erst, als es unter denKarolingern zwischen 794 und 799 Erzbisthum wurde. Karl verweilte
hier oft und begünstigte die Stadt. Anders ging es unter seinen Nach-folgern; die Normannen verheerten das Land. Kaiser Lothar zog es vor,ihren Führer Rudolf durch Geschenke zum Rückzug zu bewegen. Schlimmerging es 881 und 882, Köln und Bonn wurven verwüstet, nur die Römer-maucrn trotzten dem Fall. Bald hob es sich von Neuem. Nun machteder Erzbischof Bruno, Herzog von Lothringen, mit Hülfe seines Brudersdie Gerichtsbarkeit, nicht ohne Widerstreit von Seiten der Bürgerschaft,ganz von sich abhängig; auch seine Nachfolger betrachteten sich als Herrnder Stadt. Handel und Gewerbe hoben den Wohlstand. Die Erzbischöfegingen in ihrem Streben weiter, besonders Anno II. — 1056—1075 —der sie mit Gewalt unterwarf. Zwar flohen 600 reiche Kaufleute zu KaiserHeinrich IV., der auch zu Hülfe kam, aber erst »ach dem Tode des Un-terdrückers. Dafür hing die Bürgerschaft diesem Kaiser noch an, als derBannstrahl sein flüchtig Haupt getroffen und des Sohnes Undank ihm dasHaar gebleicht hatte. Der Erzbischof Reinold, Graf von Dassel —1159 bis 1169 — übertraf an ritterlichem Muth und Geisteskraft alleseine Vorgänger, so daß man ihn den deutschen Cicero nannte. Er be-gleitete den Rothbart nach Italien, wo er in dem erstürmte» Mailand dieReliquien der h. drei Könige gewann, die er seinen Kölnern schenkte.1168 langten die Heiligthümer an und wurden in dem damaligen Dom(Unsr. l. Frauen zu den Stufen) aufbewahrt. Auch Reinolds Nachfolger,Philipp von Heinsberg, stand dem Kaiser gegen Heinrich den Löwen beiund erhielt einige Besitzungen desselben zum Dank. Während seiner Ab-wesenheit in Italien wurden die Kölner keck, bauten Häuser ans denGrund und Boden ihres geistlichen Oberherrn und beschlossen die Stadtrecht fest zu machen. Der Ban der 14 Burgen oder Hauptthürme begann1138, wurde aber nicht gleich rasch fortgesetzt, so daß der ganze ttmschlußerst 1440 völlig zu Ende war. Philipp verklagte die Bürger bei vemKaiser und Barbarossa entschied, jedes Haus auf bischöflichen Grundeigcn-thum müsse versteuert werden, sonst könnten die Kölner nach Beliebensich befestigen. Man glaubt, daß er über diese hohenstaufische Entscheidungmit Philipp zerfiel; nun unterstützte der Kaiser die unruhigen Bürger.Nachher jedoch versöhnte» sich die Fürsten und die Bürger mußten — alleKriegskosten tragen und sollten ihre Ringmauern abreißen. Dessen wei-gerten sie sich hartnäckig. In dem Streite Philipps von Schwaben undOttos von Braunschweig spielten Stadt und Erzbischof eine Rolle. DieStadt hielt zu Otto, der flüchtig nach Köln kam und da vieles Geldborgte, welches Maria von Brabant, seine Gemahlin, an lockere Gesellenverspielte. Endlich mußte Otto verkleidet fliehen, seine Gläubiger hattendas Nachsehen und setzten durch, daß die Bürgerschaft 1215 mit Fried-rich II. sich versöhnte. Engelbert, Graf von Berg, erhielt den erzbischöf-lichen Stuhl, ein strenger Mann, doch Beförderer des Ackerbaues, desHandels und der Gewerbe. Ihn überfiel >227 sein Feind, Friedrich Grafvon Jsenbnrg, bei Schwelln mit mörderischer Rotte und brachte ihnschmählich um. Acht und Bann folgte dem Mörder; die strafende Handdes Nichters ereilte ihn ein Jahr nachher, wo er in Köln aufs Rad ge-flochten wurde. Mehr und mehr stieg Handel und Wohlstand; die Stadtsoll 100,000 Einwohner gezählt haben, und gewann dadurch an Halt,daß sie mit den übrigen Rheinstädten zusammen den rheinischen Städte-bund bildete. Köln war Mittelpunkt der Industrie und in vortheilhafte-ster Berührung mit den überreichen Niederlanden. Vom 12. bis 14. Jahr-hundert hielt der Handel in Deutschland die Wasserstraßen der Donauund des Rheins ein. Alle Erzeugnisse niederländischen Fleißes, Waffen,Wollenzeuge, Tücher, die über NegenSburg nach Ungarn und Griechen-land, wie über Straßburg nach Frankreich und Oberdeutschland kamen,gingen durch die Hände der Kölner, welche sie weiter förderten undzugleich die von den Veiretianern an den Rhein geschafften ProdukteAsiens versandten. Handelsfreiheit wünschten sie aber nur für sich; alleSchiffe mußten bei ihrer Stadt ausladen und Zoll zahle», Kölnische Fahr-zeuge brachten dann die Waaren weiter. Einen Beweis für den großenWohlstand der Stadt geben die Feierlichkeiten in verschwenderischer Pracht,womit sie die Braut Friedrichs II., die holde Jsabelle von England em-pfingen. Allmählig lies Köln ganze Geschwader in See gehen, schloß mitNationen Handelsverträge und hatte in London seine Niederlage, im13. Jahrhundert die Hansa der Kölner genannt. Reichthum macht Ueber-