N ö l n.
^ine der vier Hauptstädte der preußischen Monarchie, Festung erstenRanges und wichtigster Handelsplatz am Rhein, breitet sie sich als großerHalbbogen, in der fruchtbaren Ebene am linken Stromufer, in einemUmfange von 2'/ St. aus. Gerade vor der Stadt ist der Thalweg desRheins von Süd gegen Nord gerichtet, ein Grund, daß ihre größte Län-gestraße vom Severins- bis Eigelsteinerthor dieselbe Richtung hat. DerRhein, 1400 Fuß breit, im Durchschnitt 17 tief, hat bei der Schiffbrücke115 Fuß über der Nordsee. Den Windungen des Flusses nach ist es vonKoblenz 5 Meilen oder 8'/, St., von Düsseldorf 8 M. oder >3'/, St. DerBoden besteht nur in angeschwemmtem Erdreich, Lehm und Sand, darun-ter einzele Schichten kleiner Bimssteine, die zweifelsohne von den Aus-würfen des Laacher Vulkans und anderer nachbarlicher Feuerberge herrüh-ren. Man findet sie gewöhnlich in einer Tiefe von 8 —ll) Fuß unter denjünger» Sand- und Lehmlagen, zu deren Anschwemmung leicht 2-3 Jahr-tausende erforderlich waren. Der älteste höhere Stadttheil liegt auf einemlanggedehnten alten Uferrand, der sich überall, besonders auf der Ostseitedes Doms, sehr bemerklich gegen den Rhein senkt. Von hier steigt derBoden zwar kaum sichtbar bis zu dem Kulminationspunkt der Stadt, demneuen Justizgebäude, das 66 Fuß über dem mittlcru Wasserstand des Rheinsliegt. Auf diesem Hügel, dessen Umfang Man noch ziemlich gut erkennt,lag die römische Kolonie, aus der unsere Stadt erwuchs. Wie in allenflachliegenden Orten am Niederrheiu ändert sich auch hier im Herbst undFrühling das Wetter häufig und ist im Sommer und Winter beständiger.Die Nordwestwinde sind rauh und regnerisch, die Nordoste schneidend kaltund unangenehm. In der schönen Jahrszeit wechselt gewöhnlich Südwestund Südost, die angenehmes Wetter bringen. Daher ist im Allgemeinendas Klima mild und gesund, was in den winkeligen Gäßchen, bei denoffenen Rinnsteinen, mit allen Zuflüssen und Auswürfen der bevölkertstenGegend viel heißen will. Weder örtliche, noch ansteckende Krankheitenherrschen und es gilt überhaupt, was man von dem Gesundheitszustandanderer großer Städte an Flüssen annimmt, auch von Köln. Ringsumist ein fetter, schlammiger Grund, der leicht vom Regen durchweicht undbei anhaltender Trockenheit in Staub sich auflöst, dennoch ist er fruchtbaran Getraide, Gemüse, Obst und Küchenkräutern. Nur an geschützten Or-ten und am Spalier gedeiht die Rebe, die man deshalb nur selten in derUmgebung der Stadt gewahrt. Tabak und Oelpflanzen kommen auch nichtoft vor, überhaupt bietet Köln in botanischer Beziehung nichts beachtenswer-thes. Die Festungswerke auf der Landseite sind mit Pappeln, Linden, Weiden,Akazien n. a. bepflanzt. Die römische Colonie Agrippina hatte wohl nurein Drittel der Ausdehnung des jetzigen Köln, leicht aber mit Einschlußder nächsten Umgebungen 30.666 Einwohner. Die Kriegsstadt, zunächstam Rheine auf der Stelle des heutigen Doms, mochte deren 8666 zählen;die bürgerliche Stadt erstreckte sich mehr gegen das Innere des Landeshin. Von den Normanne» zerstört mochten Beide nicht mehr die Hälftehaben. Das allmählige Wiederaufblühcn der Stadt läßt sich nicht genau
ermitteln, doch soll Köln gegen Ende des l4. Jahrhunderts innerhalbseiner Ringmauern nahe bei 266 666 Seelen und 36 666 streitbare Män-ner gehabt haben. Diese Angabe dürfte freilich übertriebe» sein, indessenzeigen manche verödete Straßen in dem Raum, den die mittelalterlicheStadtmauer umfaßt, hier müsse sich sonst eine viel größere Bevölkerungals jetzt herumgetrieben haben. Sowohl die unablässigen Kämpfe derBürger mit den Erzbischösen, als innere Zwiste untergruben die Machtder reichsfreien Bürgerschaft und hatten Verbannungen oder freiwilligeAuswanderungen zur Folge, welche feit dem 16. Jahrhundert so verderb-lich wirkten, daß mit dem Anfang der französischen Revolution Köln kaumetwa 46,666 Einwohner — und diese zum Drittel als Bettler — hatte.Die Vereinigung mit dem französischen Reiche konnte ihr keine neue Blütebringen, und als sie daher I8l4 an Preußen kam, hatte sie nicht einmalvolle 47,666 Seelen. Desto rascher wurde seither ihr Fortgang, so daßsie nach 15 Jahren schon über 66 666 faßte und im Jahre 1844 auf78,666 gestiegen war; dazu kommen noch nahe an 4666 Mann Besatzungund etwa 6666 Fremde. Aus Zeitungsnachrichten und den veröffentlichtenVerhandlungen des Kölner Stadtraths ersieht man, daß sich die Nieder-lassungsgesuche von Auswärtigen außerordentlich mehren; ja ein Correspon-dent im Frankfurter Journal meint, wenn dieser gewaltige Andrang vonaußenher fortdauere, müsse binnen 5 bis 6 Jahren die Einwohnerzahl auf166,666 gestiegen sein — jedenfalls eine übertriebene. Neber 76,666 be-kennen sich zur katholischen, 6566 zur evangelischen Kirche, auch gibt esMitglieder einiger Sekten und an 866 Jsraelitcn. Die Stadt enthält226 öffentliche Gebäude, mit Einschluß der Kirchen, Kapellen und dergl.8166 Häuser, wovon jedoch etwa 66 leer stehen, 176 Fabriken, Mühleu,Lagerhäuser — zusammen dann 8466 Gebäude; ferner hat Köln 7 be-wohnte Wallgänge, 277 Straßen und Gassen, wovon jedoch >6 unbe-wohnte, 34 größere und kleinere Plätze und 11 Werften. Jede Straßehat ihre eigene Folge der Hausnummern. — Wir überblicken die an wich-tigen Ereignissen und bedeutungsvollem Wechsel so reiche Geschichtedieser Stadt. In frühster Zeit mögen hier Trevirer gehauset haben. Baldnach Eroberung des Landes durch die Römer waren die Nbier aus ihremLande am rechten Nheinufer zwischen Wipper und Lahn herübergewandertund erstreckten sich jetzt von hier nach der Ruhr und Mosel. Sie wolltenaber vor anreru deutschen Stämme» in Sicherheit sein und hatten, wieman sagt, schon den Beistand des Julius Cäsar angesprochen, aber erstVipsanius Agrippa gab ihnen, etwa 37 v. Chr. Geburt, die Erlaubniß zum»eberzug. Seitdem waren die Ubier den Römern treu ergeben und nann-ten sich sogar Agrippinenser, wodurch sie sich den Haß anderer deutschen,das Fremde und den Änechtsinn hassenden Stämme in hohem Grade zu-zogen. Von diesem Volke und einer römischen Legion wurde die Stadtgegründet und als Hauptstadt des ubischen Landes, wie später des unternGermaniens, angesehen. Julia Agrippina, die Tochter des Germanikusund Gemahlin des römischen Kaisers Claudius, war in dieser Stadt ge-