mitunter auch nach dem Dorfe benannt wird. Hier war schon im früh-sten Mittelalter ei» kaiserliches Gebäude, das nachher an den KölnerErzbischof kam. Nach mancherlei Veränderungen ward es um die Mittedes 17. Jahrhunderts ganz abgetragen und die Stelle in einen kurfürst-lichen Garte» umgcschaffen. Erst <715 begann der Bau des SchlossesClcmenshof genannt, und Clemens August vollendete eS 1746 und hießes ClemenSruhe. Auch errichtete er damals Herzogsfrcude, ein Jagd-schloß 1 Stunde von hier im Kattenforst, das nachmals abgebrochenwurde und spurlos verschwand. Zur französischen Zeit war das SchloßLazareth, darauf Lyceum, endlich eine der Senatorien des Kaiserreichsund besser erhalten. >814 wurde es, wiederum Lazareth, zum TheilRaub der Flammen. Nothdürftig hergestellt bestimmte man es für dieklinische» Anstalten Bonns. Nachher wurde es völlig hergestellt undeingerichtet; es bewahrt nunmehr die naturhistorischcn Sammlungen,ist Wohnung der Professoren ». f. w. Das naturhistorische Museum,sehr reichhaltig und vortrefflich geordnet, ist in 9 Sälen im unternStocke aufgestellt und besonders reich an Mineralien. Das chemischeund technologische Laboratorium nimmt mit Apparaten und Sammlun-gen 2 große Säle ein; drei Säle dienen den Borlesungen. Der Grot-ten- oder Muschelnsaal beschäftigte den Verfertiger sieben Jahre undist wirklich sehenswerth. In den Seitenflügeln wohnen die Professoren.Hinter dem Schloß ist der botanische Garten, etwa 29 Morgen Lan-des, mit seine» Gewächshäusern. Das landwirthschaftliche Institutfindet sich rechts a» der Straße von Bonn nach Weckcnheim; gegen-über wohnt der Garteninspektor und ist die Baumschule. An ihr vor-bei geht von Poppelsdorf ein schöner Weg nach dem Stunde ent-fernten Dorfe Enden ich mit 999 Einwohnern und seiner Obstgärtenwegen der „Bonner Kirschgarten" genannt. Es soll seinen Namenvon einem römischen Heerführer Eonius erhalten haben. Die Straßenach Aachen führt durch, daher viele Gasthöfe. Mehr feldein läuft deralte Heerwcg, auf welchem Karl der Große gegen die Sachsen zog;er geht durch die Berghänge bis zum Rhein. Eine halbe Stunde vonEndenich in nördlicher Richtung liegt Dransdorf oder Transdorf,angeblich von 7inj->»> Villa abzuleiten; Thurm und Gemäuer scheinenUeberrcste eines alte» Kastells. Das freundliche Alftcr am Fuß desBerges erreicht man in Stunden, hier hat der Fürst von Sälen einSchloß mit großen Wirthschaftsgebäudcn und Gärten. Steigt manden Schloßbcrg hinan, so gelangt man in schönen Wald, der das Ge-birg stundenweit bedeckt und hier und dort reizende Aussichten gewährt.Von hier wenig über Stunde liegt Roisdorf mit >999 Einwoh-nern und 2 Mineralquellen, die Trinkquellc und der Stahlbrunnen,deren Letztere unbenutzt ist. Die Bestandtheile der Erster« sind demWasser zu Niederselters ähnlich. Bei ihr sind Magazine, durch Gitterund Flügelthüre verbunden, welche den Brunnen einschließen. DasBadehans ist hübsch und bequem. Ueberaus freundlich und abwechselnddurch Wiesen und Buchwald, Wcinhöhen und Obstgärten ist die Lagedieses Dorfes und seiner nächsten Umgebungen. Verschiedene Punkteeröffnen wunderschöne Aussichten auf das bergische Land, im Vorder-grunde desselben Schloß Bensbcrg. Gerade gegenüber auf vereinzel-tem Berg die ehemalige Abtei Siegburg, rechts Bonn und das Sie-bcngebirg. Jenseit des Waldes liegt das Landgut der Familie vonWittgenstcin, dessen Park Freunden immer offen steht; mehr in derEbene der Landsitz Wolfburg. Bei Bremig bietet sich eine malerischeFernsicht gegen Köln. Auch der Rest eines römischen Kanals in dieserGegend ist sehenswerth; er zieht von Waldorf längs des Vorgebirgsbis Walberberg und bis zum Kastell bei Nodenkirchcn oberhalb Köln.Man kann ihn auch in entgegengesetzter Richtung verfolgen; irrthüm-lich nannte man ihn den Trier-Kölnischen, den» der ssch an den Quel-len der Kylb längs der alten Heerstraße bis Trier zog, ist ein Anderer.Zieht man nicht vor, auf der Eisenbahn, sondern auf der Rheinstraßenach Bonn zurückzukehren, so besucht man Hersel oder Rheindorf, wozu verschiedenen Zeiten römische Alterthümer ausgegraben wurden, vonwelchen sich jedoch nur wenig noch in Bonn vorfindet.
Wir wenden uns zum reckten Rbeinufer und zunächst der nördlichen,östlichen und südöstlichen Seite. In 19 Minuten langt man mit derfliegenden Brücke in Bcuel an. Das Dorf hängt mit Kombahn undVillich, Rheindorf unmittelbar zusammen. Diesen Theil des rechtenUfers, das von hier ab einförmiger wird, machen die Baumgruppenam Zollhaus und die zerstreuten Gehöfte noch malerisch. Nördlich führenzwei Wege in V- Stunde nach der schönen Doppelkirchc zu Schwarz-Rheindorf. An sich unbedeutend, verdient es Beachtung wegen deralten Stiftskirche, die sonst hart am Rhein lag, »u» wohl 1999 Fußab. Am alten Ufer sind Häuser einer sonst großern Dorfschaft Geu-sen, was bei Florus tiosoni» hieß. Zwischen diesem und dem altenkn„n!> soll des Drusus fliegende Brücke gewesen sein. Die westlicheRingmauer ist aus alten römischen Bruchstücken gebaut, an sie schließtsich der Herenkeller, Ueberrest eines Thurms mit Gewölben. AndereBauten des Klosters sind abgetragen. Die Kirche gehört zu den selte-nen Doppelkirchc», wo wie bei der ehemaligen Schloßkapelle zu Bonnzwei Kirchen über einander liegen. Der ganze Bering der 1892 auf-gehobenen Abtei ist eine Feldwirthschaft. Der Staat hat 1829 dieKirche angekauft und wiederherstellen lassen. Ihr Stifter war Arnold II.
Erzbischof von Köln, der zweimal in Griechenland war, und 1156 seinemWunsche gemäß hier begraben wurde; ein von Clemens August 1747 ge-setzter Denkstein gibt dies an. Von den 2 Abtheilunge» ist eine Som-mer-, die andere Winterkirche; auf einer fast 799 Jahre alt n Wendel-treppe steigt man aus der untern in die obere. Die Aussicht ist sehr be-lohnend. Unweit ist Villich, dessen Stiftskirche schon 985 gegründet ward.Damit war ein Nonnenkloster vereint, gegenüber lag ein anderes betGrau-Nheindorf, und so befanden sich nie unterhalb Koblenz 3 Klöster sonahe bei einander, daß ihr Gesang zusammenfließen konnte. Sie wurden1892 aufgehoben. Die Einwohner von Grau-Rhcindorf sind Bürger vonBonn. Auch in dem Pützchcn, nicht weit davon, war ein Kloster, nebeneiner wunderthätige» Quelle, das in deinselben Jahre aufgehoben wurde.Im September ist hier Wallfahrt und Jahrmarkt. Die kleine Stadt Sieg-burg liegt am Flüßchen Sieg, das hier schon kleine Schiffe trägt, undan der Hauptstraße von Köln nach Frankfurt. Hier soll Haupwrt derUbier und auf einer Anhöbe ihre 4r-> gewesen sein. Segest, der Schwie-gervater Hermanns, habe hier gehaust, Thusnelda sei auf diesem Stamm-sitz geboren. Anno II., Bischof von Köln, baute zwischen 1969 und 1964die Abtei, wo er >975 begraben ist. Dies ist derselbe, welcher durch dasals sprachliches Denkmal aus dem II. Jahrhundert wichtige Annoliedverherrlicht wird. Das Klost.r wurde am Ende des vorigen Jahrhundertsaufgehoben und 1824 erhielten die Gebäude ihre Bestimmung zu einerHeilanstalt für Irre. Der Berg, 299 Fuß über dem Städtchen, machtdie Lage schön und gesund! die Gebäude sind äußerst zweckmäßig und dieGcsammteinrichtunge» dürften mit den ausgezeichnetsten wetteifern, welcheman für Unglückliche dieser Art nur kennt. Zährlich sind an 299 Irrebeiderlei Geschlechts hier, etwa halb so viel werden geheilt entlapen oderneu aufgenommen. Ein angenehmer, abwechselnder Weg geht von hierüber einige Dörfer nach der Ruine der Abtei Heistcrbach. Der nochstehende Chor zeugt von der Pracht, die das Ganze gehabt haben muß,bis es am Eingang des >9. Jahrhunderts zerstört worden. Die Mönchehatten es >188 bezogen. An diese Ruine knüpft sich folgende tiefsinnigeOrtssage. Ein junger Mönch lustwandelte im Klostergarten, indem erüber die Worte des heil. Petrus nachdachte, vor dem Herr» seien tausendJahre wie Ein Tag. Zweifelnd verlor er sich in den Wald, er sah undhörte nicht, was um ihn vorging. Erst als die Vesper schallte, mahntes ihn an seine Pflicht. Schnell erreicht er den Garten, ein Unbekannteröffnet ihm das Thor. Er stutzte, weil er aber die Kirche schon hell sah,verweilte er sich nicht und trat ein, nach seinem Stuhle gehend. Hiersaß ein Anderer, fragend blickte er die Mönche an, nur Unbekannte fander. Man betrachtete auch ihn und fragte verwundert nach seinem Namen.Als er ihn nennt, murmelt es durch den Chor: „So hieß kein Bruderseit dreihundert Jahren; der Letzte dieses Namens war ein Zweifler undverkam dort im Walde!" — Eiskalt überschauerte es ihn, er nannte denAbt und das Jahr; man schlug im Klosterbuch nach, und — o Wunder!Er war es, der vor dreihundert Jahren verschwunden. Da sank er in dieKniee: Ich erkenne Dich, Herr! — rief er: nun weiß ich es, daß vor Dirtausend Jahre sind wie Ein Tag, und Ein Tag wie tausend Jahre. —In der Nähe der Abtei ist besonders der Stenzelberg durch ungeheure Ba-saltlager merkwürdig. Diese, die beste «teingattung des Siebengebirges,werden in Menge weit verschickt. Von Sicgburg bis Heisterbach rechnetman 3 Stunden, von Königswinter bis an die Abtei nur IV, Stunde.Die ehemalige Deutschordens-Kommandcric Ramersdorf liegt gleichfallsin Ruinen. "Die fliegende Brücke führt den Wanderer nach Bonn zurück.Die Drachenfähre war einst bestimmt, die Leichname aller in Bonn ge-storbenen Regenten des Erzstifts mit zahlreichem Gefolge nach Köln zubringen.
Die Landstraße» und Entfernungen Bonns deuten wir nur kurz an.Vier Landstraßen erster Classe und zwei Nebenwege gehen unmittelbar vonBonn aus. Die Hauptstraße nach dem 8 Meilen ober 13'/z Stunden ent-fernten Koblenz geht durch das Koblenzer oder Michaelsthor über Godes-berg, Obcrwinter. Remagen, Einzig, Nicderbreisig, Brohl und Ander-nach. In entgegen gesetzter Richtung geht über Hersel, Niederwesselingund Gororf die am Kölnerthor beginnende Landstraße nach dem 3'/, Mei-len oder 5'/, Stunden entfernten Köln. Ain Sternenthor nimmt der so-genannte Meckenheimer Weg seinen Ansang, der 2 Meilen oder 3'/, Stundelang, über Poppelsdorf, Jppcndorf und Nötigen nach dem StädtchenMeckenheim in Meilen führt, von wo er, die nach Düren über Re-magen und Nhcinbach führende Straßen durchkreuzend, das 2 Meilen ent-fernte Altenahr und das '/, Meile weiter gelegene Odenau berührt. Dievierte Landstraße fängt ebenfalls am Sternenthor an, zieht durch Endenich,Duisdorf und Rettekoven bis Buchhoven. 1'/- Meile lang. Dann trenntsie sich in 2 Arme, deren südlicher Meilen lang über Morenhoven nachdem Städtchen Rheinbach geht, der westliche über Miel, Ludendorf,Essig und Kuchenhcim, 2 Meilen lang nach Euskirchen führt, von woman über Frauenberg und Növemich in 1'/, Meilen oder 3 Stunden nachZülpich gelangen kann. Von den beiden Nebenwegen geht der Erstevon dieser eben bezeichneten Landstraße nahe bei Bonn ab und führt so-wohl über Botzvorf, Bornheim und Sechten, als über Noisdorf, Waldorf,Hemmerich, Werten, Trippelsdorf, Valberberg und Pinzdorf nach Brühl.von wo die von Enskirchen herabkommcnde Hauptstraße in 2'/, Stundennach Köln bringt. Der zweite Nebenweg geht zwischen Bonn und Ende-