Tanzbelustigungen, wo sie die Bonner Schönen aus dem Bürgerstandeangenehm unterhalten; am muntersten sollen sie bei der Weinlese sein,die hier 6 Tage dauert.
Wir durchstreifen die reizende Umgegend dieser Stadt und machenmit dem linken Rheinufer den Anfang. Hier liegt auf der Königsstraße,die von Bonn nach Koblenz führt, l'/, Stunde vom Michaelsthor angerechnet, das Dorf Godesberg mit über 1200 Einwohner. Dreiandere aber längere Nebenwege führen gleichfalls dahin. Unterwegs,indem man dem malerischen Siebengebirg sich nähert, berührt mandas eine Stunde von Bonn entlegene Denkmal im altdeutschen Styl,das Hochkreuz genannt. Eine 30' hohe «pitzsäule, in neuster Zeitzum Theil wieder hergestellt, besteht aus 3 Absätzen, jeder mit 4 Ni-schen, worin kleine Heiligen standen, die theils verstümmelt, theilsganz verschwunden sind. Auf der Ostseite sind deren noch zwei und aufder Nordseite ebenfalls zwei, aber kopflos; der Sockel, von Eisen-gitter umschlossen, besteht aus 5 Stufen. Zweck und Errichtung diesesMonuments sind nicht historisch ermittelt; man glaubt »ach der KölnerChronik, der Erzbischof Walram von Jülich habe es 1333 aus dem-selben Gestein, wie der Kölner Dom, aufführen lassen. Wie an alleBauwerke dieser Art, deren Bestimmung räthsclhaft ist, knüpft sich auchan das Hochkrcu; die Sage: Ein Edler von Hochkirchen habe an dieserStelle einen Ritter im Zweikampf erschlagen, und der ErzbischofTheodorich von Heinsberg habe ihm aufgegeben, zur Sühne diesesKreuz mit schweren Kosten aufzurichten. Daher habe es sonst Hoch-kirchenkreuz geheißen. Nach Andern war hier der ehemalige MarktBonns. Die Godesberger Heilquelle entspringt Stunde südwest-lich von der Mitte des Ortes, ist schon aus alten Zeiten bekannt,und es wird ihr vom Volke, welches sie den Draitsch nennt, bedeu-tende Heilkraft zugeschrieben. Die Anlagen um den Brunnen und dieGebäulichkeiten dabei entstanden nach und nach, seitdem in der Mittedes vorigen Jahrhunderts der Kurfürst Clemens August den Brunnennäher untersuchen und mit einer Einfassung versehen ließ; Platanenund Pappelalleen verbinden den Brunnen, dessen tiefliegendes Beckenvon Terrassen umgeben wird, mit den Häusern, die zum Theil sehr schönsind. Der Besuch dieser Heilquelle soll indessen in den letzten Jahren ab-genommen haben. Längs des Baches gelangt man auf romantischemWege zu dem V, Stunde entfernten ehemaligen Kloster Marie nfor st.Das Godesberger Mineralwasser, dessen Bestandtheile sehr verschiedensind, eignet sich nicht zur Versendung, stärkt aber erschlaffte Theile undsoll bei hypochondrischen und hysterischen Leiden erprobt sein. DieEinrichtung der großen Badewirthscha'tcn ist anständig und steht auchim Preis nicht hinter denen von Aachen, Eins, Wiesbade» zurück.Billiger lebt man in den Gast- und Privathäusern an der Landstraße,sowie in ländlichen Wohnungen, wozu sich treffliche Gelegenheit dar-bietet. Nördlich vom Dorf steht ein vereinzelter Hügel mit einemüber 100 Fuß hohe» runden Thurm, den Ueberrest einer längst zer-störten Burg. Er ist nicht römisch; dagegen will die Ueberlieferung,daß auf dieser Höhe sonst ei» Odins- oder Wodausaltar, ein Opfer-platz der Urbcwohner der Gegend gestanden und danach das Dorf sei-nen noch beibehaltene» Namen Godesberg empfange» habe. Reizendist die Aussicht. Unterbalb des Thurmes steht eine dem heil. Michaelgeweihte Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Begräbnißplatzliegen mehrere der in Godesberg verstorbenen Kurgäste. Der Wegvom Dorfe ist nicht ermüdend. Ein hier gefundener Votivstei» ausder Römerzeit scheint zu zeigen, daß sonst hier ein römisches Bauwerkwar. 1210 soll der Erzbischof von Köln ein Schloß da erbaut haben.1558 starb Erzbischof Anton von Schauenburg auf dieser Burg. Kur-fürst Gebhard hatte sie inne und als nach seiner Entfernung sich dieBesatzung nicht ergeben wollte, sprengten die Baiern 1583 die Festedurch eine Mine. Neuerdings hat sie der König der Prinzessin vonPreußen geschenkt — Auf sehr augenehmen Wegen über Muffendorfund Lannesdorf gelangt man an den I Stunde südlich von Godesberg,dem Drachenfels gegenüber gelegenen Roderberg, einem ehemalige»Vulkan, dessen Krater aber durch Umbau unkenntlich geworden. SeineHöhe bildet einen Kran; von etwa Stunde Umfang und die fastsenkrechte Vertiefung beträgt innen nahe an 100 Fuß. Mitten in die-sem Krater liegt der Roderhof; man sieht noch am Rande des Kratersdie emporgestiegene Lava und findet überall poröse Brocken derselben.Kehrt man von Godesberg nach Bonn zurück, so kann man das Alaun-werk mitbesuchen, welches 1803 von Näggerath angelegt worden unddessen Alaun von vorzüglicher Reinheit ist. Setzt man den Weg überdie bewaldete Höhe fort, so kommt man zum Kluchterhof, am Putz-berg, nach der Friesdorfer Höhe und von da zu einem schönen Aus-sichtspunkt über dem einsamen Dottendorf — die Klippe genannt —;zuletzt an den Vcnusbcrg (auch Sonncnberg), an dessen Fuß Kes-senich und Poppelsdorf liegen. Kein Ort zeigt die Umgegend Bonnsin so reizendem Lichte, als diese 400 Fuß über dem Rhein gelegeneAnhöhe. Zwischen Weinhügeln und Obstgärten liegt unten Kcsscnich,ein freundliches Dorf mit malerischer Kirche und schonen Landhäusern,das sehr häusig von den Bonnern besucht wird. Woher übrigens derVenusberg seinen Namen hat, wird nicht angegeben. Von hier er-reicht man bald den Kreuzbcrg. Hier soll im Alterthum ein heiliger
Hain mit sehr besuchter Opfcrstättc gewesen sein. In späterer Zeitnach Einführung des Christenthums war es ein Ding- oder Gerichts-platz, denn das altdeutsche <1i»<: bezeichnet jede öffentliche Zusammen-kunft, Gericht und was darin beschlossen wird. In der Mitte erhobsich ein Kreuz. Nach der Kölner Chronik waren noch >429 hier an50,000 Menschen beisammen. In, 10 Jahrhundert veranstaltete manaus der Marienkirche zum Kapital in Köln eine Wallfahrt nach diesemKreuzberge. Der Kurfürst Ferdinand beschloß im Anfang des 17. Jahr-hunderts das Heiligthum in eine Kirche umzuwandeln, die jedoch ineiner offnern Stelle näher bei Bonn erbaut wurde. Näheres darüberist Folgendes: Neu ausgebrochene Unruhen hielten den Kurfürsten bis1627 von der Ausführung seines Vorsatzes ab. Endlich entschloß ersich, eine ganz neue Kirche an einem gelegenern und nähern Orte zuerbauen. Die Meinungen wegen des Platzes — so erzählt die Chro-nik — waren getheilt. Endlich ritt Ferdinand eines Tages selbst da-hin, die Lage des obern Berges zu beschauen und wegen des Platzesder neuen Kirche mit sich einig zu werden — siehe! da stand sein Leib-roß urplötzlich still, war trotz aller angewendeten Versuche nicht vondem Platze wegzubringen und schlug sogar mit dem Hufe eine Grubeetliche Spannen breit und tief in den Boden. Hierauf befahl Ferdi-n nd, dies für ein Wahrzeichen haltend, ungesäumt an derselben Stelleden Grund zu dem Neubau aufzugraben. Am 3. Mai 1628 fand inGegenwart des Kurfürsten und einer unzähligen Volksmenge die Ein-weihung statt. Andächtige in Menge strömten hierher und es wardein Kloster mit der Kirche verbunden, dessen Aufhebung aber zu Endedes letzten Jahrhunderts erfolgte. Alle Leichname, die in den Ge-wölben der heil. Kreuzkirche beigesetzt worden, sind vermuthlich wegendes trocknen Sandbodens unverweslich; man kann die Mumien derMönche, die auf offenen Laden in ihren Orvenskleidern liegen, nochjetzt in Augenschein nehmen. Während der Fasten, zumeist Charfrei-tags ist starker Zudrang zu dieser Kirche. Daher noch andere Wege,worunter der niit den Stationen der Leidensgeschichte besetzte Hohl-weg. Der dritte führt zum östlichen Ende der Kirche, wo ein 1746aufgeführtes Gebäude mit c ner hohen Prachttreppe von Marmor, einerNachahmung der heil. Stiege zu Rom. Unter der Treppe ist dasheil. Grab; in der Charwoche kann sie nur auf den Knieen erstiegenwerden. Das Portal des Hauses ist angeblich dem des Pilatus nach-geahmt, wo der Erlöser dreimal die Treppe auf- und abgegangen.Kreuze bezeichnen an drei Orten die Stellen, welche sein Blut rothgefärbt. In der Mitte des Altans das Bild des Heilands in Lebens-größe mit Purpurmantel und Dornenkrone; hinter ihm römische Sol-daten, welche den Judenkönig verspotten; rechts Pilatus, sei» „occeliniuo" sprechend, links der Kriegsknecht, der den Herrn am Strickezieht. Im Hintergrunde einige Pharisäer und Schriftgclehrtcn, darun-ter Einer Schmerz zeigt; das Ganze ist von Stein. Die aus schönstemitalienischem Marmor criaute Treppe zählt 28 Stufen, jede 10' lang.Stukkaturarbeiten und Malereien der Decke erhöhen den innern Schmuck.Auch die ehemalige Klosterkirche ward durch Clemens August ein Kunst-werk. Ihre Fresken verdienen Beachtung. Unfern des Predigerstuhlsist der Eingang in das Todtengewölbe. Das dritte Quadrat der Kirchebildet den Hochort, wo bei feierliche» Gelegenheiten ein prächtig ge-kleidetes Bild der schmerzenvollen Mutter steht. Inmitten ist der großeHochaltar mit dem Holzbilve der Maria, die den Heiland auf denKnieen hält; unter dem Tabernakel steht das Bild der heil. Helena,das wahre Kreuz emporhaltend; sie ist zwar Nachahmung der Helenaim Bonner Münster, allein besser ausgeführt. Ueber ihr ein Thron-himmel und Ordensbilder. Zwei Eingänge führen von hier nach demheil. Grade. Charfreitags ist die Felsengrotte zauberisch erleuchtet.Zwar liegen grimmige Wächter vor dem Eingange, doch deuten Engeldahin, wo der schwarzverhüllte Leichnam ruht. Man zeigt die kostbareingefaßte Reliquie des wahre» Kreuzes, der Priester reicht sie dar,um sie mit den Lippen zu berühren — »nd so ist die Wallfahrt be-endigt. Die meisten Klostergebäude sind abgebrochen, der vormaligePrachtbau steht »och. Der tiefe Brunnen hat bei feuchter Witterungwenig, bei trockener vieles Wasser. Während der Belagerung vonBonn im Jahr 1689 hatte Kurfürst Friedrich Wilhelm von Branden-burg auf dem Kreuzbcrg sein Hauptquartier. Auf dem untern Bor-sprunge liegt die Mordkapelle, wo die Heiligen Cassius, Florcntiusund Malusius hingerichtet und beerdigt wurden Der Erzbischof Rein-hold schenkte ihre Gebeine schon 1167 der Münsterkirchc zu Bonn, woman sie noch aufbewahrt. Die jetzige Kapelle ward I72l erbaut. ImOktober, Sonntags nach dem Todcsfestc jener Märtyrer, begiebt sicheine lange Prozession, meist Frauen und Mädchen, Abends mit farbi-gen Laternen hierher und dann nach Endenich. Eine halbe Stundevon da ist Poppelsdorf mit mehr als 1000 Einwohnern. Jahr-märkte und Gasthöfe werden häufig besucht; viele Studenten, welcheden Vorlesungen im Schlosse beiwohnen, lassen sich hier nieder. DieKirche ist auch aus Steine» des Rundbaues der in Bonn abgebrochenenMartinskirche errichtet. Höher liegt die Sternenburg, jetzt ein Land-gut, in dessen Garten ein Römertempel gestanden haben soll. DieFayence- und Steingut-Fabrik Rosenkranz beschäftigt über 70 Arbeiter.Am äußersten Ende baute Clemens August das Schloß, das nach ihm,