Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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üb- und zugehende Kranke auf. Das Kabinct der chirurgische» Instru-mente undBandagen ist gut versehen Nebenan im zweiten Stock des Haupt-gebäudes ist die geburtshülfliche Anstalt, worin zu gleicher Zeit 12 bis >6Personen verpflegt werden können. Die anatomischen Vorlesungen werdenim anatonu chen Theater im Schloßgarten gehalten, unv damit es zu denpraktischen Erläuterungen nicht an Körpern und Präparaten fehlt, müssendie bleichen aller Selbstmörder, sowie alle in der Strafanstalt Brauweilerbei Köln sterbende Verbrecher hierher geliefert werden. Das physika-lische Kabiuet, gleichfalls im Universitätsgebäude, hat treffliche Appa-rate, zumal für das optische Fach. Die Universitätsbibliothek,welche jetzt etwa 100,000 Bände faßt, ist im großen Gallcriesaal undden Nebengemächern, gegen das Michaelsthor aufgestellt. Da sie erstseit Stiftung der neuen Universität besteht, ist sie als ganz neue Samm-lung zu betrachten. Die kurfürstliche Bibliothek wurde kurz vor demEinrücken der Franzosen, nach Hamburg gefluchtet und daselbst 1808öffentlich versteigert, und von der alten Bonner Universitätsbibliotbckkamen nicht einmal 200 Bände in die jetzige. Dagegen bat sie vonder aufgehobenen Universität Duisbnrg, aus" den Stadtbibliothcken zuTrier unv Düsseldorf, sowie durch Schenkungen von verschiedener SeiteZuwachs erhalten. Im Iabr <822 enthielt sie erst über 44,000 Bände.Vortrefflich ist die orientalische Literatur versorgt; dies Fach umfaßteine» großen Theil der in London, Paris und Calcutta gedrucktenarabischen und versischen Werke, besonders auch grammatische und Wör-terbücher. Zu jährlichen Ankäufen werden 2000 Thlr. verwendet. Sieist mit Ausnahme Sonntags täglich Vormittags von 9-12 geöffnet.Das akademische Kunstmuseum, im Erdgeschoß des Galleriegebän-des, hat treffliche Gypsabgüsse, Basreliefs, Vasen und eine ziemlichvollständige, voraus an römischen Münzen reiche Münzsammlung. DasMuseum der vaterländischen Alterthümer befindet sich nebender Klinik, im Erdgeschoß des Hauptgebäudes. Es enthält unter An-dern: fünf Altäre aus Tufstein ohne Verzierung und Figuren, zwanzigAltäre von Stein, großentheils mit trefflich gearbeiteten Götterbildernversehen; neun Grabsteine, meist mit Figuren, unter ihnen den Grab-stein eines Legaten Varus, welcher in der Teutburger Schlacht siel.Diesen Srein ziert das lebensgroße Bild jenes Führers im vollen Kriegs-schmuck; die bet Zanten ausgegrabenen Alterthümer, bestehend ans mehrals hundert Gefäßen aller Art und Form, Gläsern, Schüsseln, Ringen,steinernen Streitäxten, römischen Ziegeln mit Zeichen der daselbst sta-tionirten Legionen u. s. w ; die in Bonn selbst gefundenen Alterthümerenthält das Museum sämmtlich Diese Sammlungen sind Montagsunv Freitags, Vor- und Nachmittags, dem heimischen Publikum offen;Fremde können dieselben täglich ansehen. Die naturhistorischen Samm-lungen und Anstalten, das chemische und technologische Laboratorium,ingleichen der botanische Garten, sind bei dem Schlosse zu Poppels-dorf. - Das Gpmnasium enthält sechs Classen, mit zweijährigemLchrkursus für die obern und einjährigem für die untern Classen. Außerdem Direktor ertheilen II ordentliche und Hülfslehrer den Unterricht.Das Lehrgeld beträgt in den untern 12, in den obern 10 Thaler jähr-lich. 1822 besuchten noch 180 Schüler diese gute Anstalt, neuerdingssind es an 250. In den katholischen Stadtschulen werden etwa 440Schüler und 400 Schülerinnen von 4 Lehrern und S Lehrerinnen un-terrichtet. Die evangelische Pfarrschule zählt 3 Lehrer und über 200Knaben und Mädchen. Die Armen- oder Freischule hat 700 Kinder,mit gleichem Verhältniß der Geschlechter und zählt 3 Lehrer »nd ebenso viel Lehrerinnen. Außer diesen finden noch einige Hundert Zöglingein Privatanstalten, worunter eine Handlungslehranstalt, Unterricht.Zwei Frauenvereine, ein katholischer und ein evangelischer, deren Er-sterer etwas zahlreicher, das Waisenhaus leitet, erfreuen sich regerTheilnahme. Seit 1840 hat Bonn auch eine Kleinkinderbewahranstalt,wo 180 Kinder unter Aussicht von 4 Lehrern und Lehrerinnen stehen.Nicht minder finden sich einige Anstalten für Armenpflege und Unter-stützung, allein Sparkassen, Pfandhaus und Sterbekassen gibt es nochnicht, oder letztere doch erst bei Gewerbslcutcn.

Unter den wissenschaftlichen Vereinen steht die kaiserl.Akavemie der Naturforscher voran. Sie ward 1052 zu Schwein-fnrt gestiftet und von den Kaisern Karl VII. und Leopold I. mit be-sondern Privilegien begabt, weshalb sie sich .Ve-Klemi-, Ones-ne-, bc-o-poiäimi-Larolln!, mUm-cm euriosorm» nennt. Sie hatte ihren Sitz nachErlangen verlegt und wurde mit ihrem Präsidenten Nees von Esen-beck nach Bonn verpflanzt, wo ihr aus königl. Kasse bedeutende Geld-unterstützung zufließt. Ihre ansehnliche Büchersammlung meist aus demnaturhistorischen Fache ist im großen Saal zu Poppelsdorf aufgestellt.Der Verein für rheinische Geschichtsforschung und Alterthumskunde be-steht zwar erst seit 1842, zählt aber etwa 120 Mitglieder und gibteine eigene Zeitschrift heraus. Unter den gemeinnützigen Vereinenist die Bonner Lokal-Abtheilung des niederrhcinischen landwirthschastl.Vereins der Gcsammtverein zählt 5000 Mitglieder, die jährlich1 Thlr. beitragen. Ein Gewerbverein nebst Sonntagsschnle sind imEntstehen begriffen. Der Bonner Gesangverein, dessen Lokal schonbezeichnet ward, hat 100 Mitglieder.

Unter den geselligen Vereinen nennen wir zuerst das Ca-sino, verbunden mit der Lese- und Erholungsgesellschaft, welches

270 Mitglieder hat, viele deutsche, 2 französische und ein englischesBlatt hält und im Winter Bälle, Concerte »nv häufige Abendunter-haltungen gibt. Auch das Bürgercasino hat 200 Mitglieder «nd istmit einem Musikverein verbunden, welcher öfters zu mildthätigenZwecken wirkt. Wie in allen Rheinstädten ist auch hier im Winter eineCarncvalsgcsellschaft, an welcher die Studenten mit besonderm InteresseTheil nehmen.

Unter den in Vorstehendem noch nicht bemerkten Sehenswürdigkei-ten der Stadt dürfen wir Dr. Wolfs interessante Sammlung vonPortraits der berühmtesten Personen des Alterthums und der Neuzeitnicht übergeben, die einen Werth von 10,000 Thlr». haben soll. Eben-falls sebenswcrth ist die Falkensteinische Sammlung von Gemälde»,Kupferstichen und geschnittenen Steinen. Andere sind entweder derUniversität zugehörig oder für Fremde nicht zugänglich.

Der Handelsverkehr der Stadt erstreckt sich über die aus derEifel hierher gebrachte», weit versenveten Bleierze, ferner Wein, Ge-traide, Oel, Wolle- und Baumwolleuzeug, Siamoicn, baumwolleneTaschen- und Halstücher, seivenc Tücher, Favenze, Vieh, Steinkohlen,Holz, Manufakturwaare», Tabak, Bier, Bücher, Musikalien u. s. w.Die Sckifffahrt ist wenig bedeutend und wird mit 0 großen Schiffenvon 1200 bis 4000 Ceutner Ladung betrieben. Täglich außer Sonn-tags ist Wochenmarkt, die vier Jahrmärkte sind genannt. Die Ge-werbe sind blühend und einzelne Arbeiter liefern Ausgezeichnetes.

Die Einwohner Bonns sind wie alle Rheinländer Freunve schönerSpaziergänge und solcher Orte, wo mit ungezwungener Geselligkeitsich der Genuß der freien Natur leicht verbinden läßt. Und in derThat ladet schon in der Stadt selbst der von Lindenalleen umgebeneMünsterplatz dazu ein, der veswegen zumal an schönen Sommerabcn-den häufig besucht wird. Die arbeitende Classe treibt sich Abends aufdem Markt, in einigen Gassen und am Rhein umher. Der Hofgarten,über 400 Schritt lang und beinahe ebenso breit, wird zu jeder Tags-zeit von Spaziergängern und Naturfreunden besucht; er ist von achtReihen schöner hoher Bäume beschattet, deren vier sich auf jever Seiteeines Wiesenplans befinden; ein Kanalwciher in demselben wird vomGodcsberger Bach gefüllt. Unmittelbar neben dem Koblenzerthor ge-gen den Rhein erstreckt sich eine Promenade, die zwar nicht breit, aberschattig und darum beliebt ist und zur Höhe des alte» Zolls, einerbeliebten Fernsicht, führt. Auch die Koblenzer Straße bis zum Eschen-bäumchen wird, wenn das Wetter gut und die Hitze noch erträglichist, von Spazierenden belebt. Durch die Maarfläche geht es nach derPoppclsdorfer Allee, die am Nenthor anfängt und bet Schloß Cle-mensruhe, am Anfange von Poppelsdorf, endigt. Die Allee bestehtaus vierfacher Reihe riesiger Kastanien, die besonders zur Blütezeitsehr angenehm sind. Die ganze Promenade, etwa V» Stunde lang,ist zu jeder Tagszeit nngemein belebt, wozu die Verbindung zwischenden naturwissenschaftlichen Anstalten zu Poppelsdorf und dem Univer-sitätsgebäude am meisten beiträgt. Zur Rechten geht eine Seitenallcenach der Baumschule mit einige» angenehmen Partien. Der Mühl-beimer Fußpfad durchschneidet das Feld wo im Mittclalter ei» DorfMiihlbeim stand und der Meckenheimer Weg, vom Sternenthornach Poppelsdorf, umschließen den Bahnhof der Bonn-Kölner Eisen-bahn. Näher an der Stadt, auf der andern Seite, ist der Graben-weg, am Knabengarten beginnend »nd längs der Reihe hübscher Gär-ten im ehemaligen Stadtgraben bis zum Sternenthor, wie von hierbis zum Kölnerthor sich erstreckend, wird als kurzer und doch abwechseln-der Spaziergang besucht. Nahe bei den Wegen nach Endenich, Drans-dorf »nd Bornheim sind in der Nähe der Stadt einige Gartenwirth-schaften, die sowie dcr Grabcnwcg längs der Paulsfläche, auf dem manzum Johanniskreuz an der Kölnerstraße gelangt, fleißig besucht werden.Letztere, von hohen Nüstern beschattet, ist während der 8 Tage nachOstern am belebteste», wo die Bonner nach der Fastenandacht auf demKreuzberge zur Lazarnskapelle wallfahren. Diese Kapelle, ein altesGebäude an der Straße, in deren Nähe das jetzige Waisenhaus, stammtans dem Mittelalter »nd war damals vermuthlich ein Leprosenhaus,denn im Mittelalter herrschte in vielen Orten Deutschlands der ausdem Orient verschleppte eigentliche Aussatz und man verwies, wie diesauch bei den alten Israeliten geschah, die Kranken zur Sicherung derübrigen Bewohner in abgesonderte Häuser vor ven Städten, derenSchutzheiliger St. Lazarus war. Zu den Volkslustbarkeiten in derStadt gehört vor Allem die Kuhler Kirchweihe, die sich in alten Ge-bräuchen erhalten hat. Nächst ihr die Wallfahrt und der große Marktzu Pützchcn, dem ehemaligen Kloster Adelheit, seitwärts von der nachSiegburg führende» Straße. Auch Scheiben- und Vogelschießen, ächtrheinländischr Volksbelustigungen, sind bei dem Mittelstande noch hochgehalten. Dieser Stand findet sich am liebsten in den Gasthäusern zuPoppelsdorf, bei der Baumschule, in Godesberg u. s. w., und ver-säumt nicht leicht die Kirchweihen in diesen und andern noch entfern-ter» Dörfern, wo es dann immer lustig hergeht. Die höher» Ständemachen ihre Ausflüge nach dem Schloßgarten zu Poppelsdorf, denBädern zu Godesberg, nach Königswciler, Nonnenwerth, dem Sie-bengebirg, sehr häufig auch nach Köln. Die Studenten finden sich wieüberall in verschiedenen Vergnügungsorten, zumal bei den öffentlichen