Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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der Garnison, und in seiner Mitte wird Beethovens Denkmal stehen.Hier werden im Februar, Mai, August und November große Jahr-märkte gehalten. Außer dem Münster begränzen noch ansehnliche Ge-bäude den Platz. Ein alter Denkstein zeigt die Stelle, wo dieArbeiter am Münsterbau (so berichtet die Sage) mit ledernem Geldbezahlt wurden. Südöstlich vom Münsterplatz zeigt sich der gleichfallsein unregelmäßiges Viereck bildende Martinsplatz. Von ihm führteine enge Gasse zur Poppelsdorfer Pforte. Klein und unbedeutend istder Gangolfsplatz, auf der Abendseitc der Münsterkiche. Von hierkommt man in die Sünst, eine enge, unregelmäßige Gasse. Wirddie Durchfahrt vom Münsterplatz nach dem Bahnhof eröffnet, so mußsich die Sünst durchaus verändern. Der Münsterplatz ist in nordwest-licher Richtung verbunden mit der Sternenstraße und dem Vieh-markt. Letzterer, länglich viereckig, ist meist ungepflastert und ander Nordscitc nur zum Theil bebaut. Mittwoch und Freitag wird hierViehmarkt gehalten. An ihn stößt das neue und alte Sternentbor, diegroße Cavalleriekasernc u. s. w. Auch ist hier der Eingang in die Sack-gasse: der Eselsgraben. Die Sterne» st raße ist eine sehr belebteHauptstraße und führt vom Sterncnthor nach dem Markt. Kaufläden,Werkstätten und Gasthöfe finden sich hier häufig. Sehr klein ist dasDreieck, ein Platz mit Kaffeeschenken. Die Aachenerstraße führtzum Remyplatz. Durch die Brücke kommt mau wieder auf den Markt,an dessen Nordwestende, am Anfang der Sternenstraße, rechts dieBonngasse beginnt. Sie ist sehr belebt und geht in nördlicher Rich-tung bis zur Kölncrstraße. In der Bonncrstraße liegt das Gymna-sium und seine Kirche, auch einige Handlungen und Werkstätten. DieKölnerstraße, noch breiter als die Bonner, hat große Häuser undGasthöfe. Der Friedrich-Wilhelmsplatz mit dem Kölnerthore,durch welches man in 5V- Stunden nach Köln gelangt. Erst in neue-ster Zeit angelegt und mit schönen Wohnungen geschmückt ist dieFriedrich-Wilhelmsstraße, vom gleichnamigen Platze bis zumLiehmarkt reichend. Die lange Straße unter den Kasernen gehtvon der Windmühle bis zum alten Sternenthor. Die Welsch non-nenstraße hängt mit der Sandkaule unmittelbar zusammen. ImInnern der Stadt gibt es viele Gärten, die bedeutendsten derselbengehören jedoch zu den ehemaligen Klöstern.

Der Stadtbezirk vor dem Kölnerthor umfaßt die zerstreutenHäuser an der Wachsbleiche, am Wichclshof, am Johanniskreuz unddem Kraut- oder Krausfeld, wozu viele Obst- und Gemüsegärten.Hier war zum Theil die römische Kricgsstadt, im Mittelalter eine Vor-stadt, jetzt ist meistens Weinland dort. Das Johanniskreuz ist eingroßes Passionskreuz, an der Stelle einer frühern Taufkapelle. DerBezirk vor dem Sternenthor begreift etwa 9ll Häuser, das Gra-bengäßcheu, die Häuser am Sternenthor, im Stadtgraben u. s. w.Hier findet sich das Gasbereitungslokal. Von den" diese Vorstadtdurchschneidenden Straßen führt die eine nach Poppclsdvrf, diezweite nach Endenich u. f. w. An letzterer liegt der Begräbniß-platz. Der Bezirk an der Poppelsdorfer Allee begreift et-wa nur 30 Wohnhäuser. Die Allee geht vom Ncuthor lder Pop-pelsdorfer Pforte) nach dem V, Stunde entlegenen Dorf. Nord-westlich davon liegt der Bahnhof. Die Vorstadt a» der KoblenzerStraße zieht sich, von Gärten unterbrochen, an der breiten nachKoblenz führenden Landstraße hin. Hier ist der große königliche Gast-hof, ein Prachtgebäude, worin viel Lurus herrscht. Die Häuser, nahean hundert, liegen vor schönen Gärten oder in solchen und gewährenreizende Aussicht. Von der Koblenzer Straße gegen Poppelsdorf er-streckt sich die Maarfläche; seitwärts vom Kessenichcrweg heißt es amSchwarzwasser, von wo ein Pfad längs des Hofgartens wieder zurKoblenzer Straße führt.

Der Umfang der ganzen Stadt innerhalb ihrer alten Ringmauerwird auf 8630 Fuß oder 34 Minuten angegeben, durch die Vorstädtefreilich ist er mehr als verdoppelt; die östliche Außenseite, längs desRheins, vom alten Zoll bis zum rheinische» Wall ist länger als dieübrigen. Von den neun Basteien der alten Festung sind noch 3 in ih-rer Gestalt vorhanden, haben sich aber im Innern in schöne Gärte»umgewandelt. Die größte Länge der innern Stadt, vom Universitäts-gebäude bis zum Kölnerthor, beträgt in gerader Linie etwa 2700 Fuß,und ihre größte Breite, vom Rheinthor bis zum Sünstthurm 2300 Fuß.Das gute Straßenpflaster besteht aus Basalt, welcher häufig hier ingrößer» und kleinern Säulen und zu verschiedenen Zwecken verwendetist. Der beste geometrische Plan Bonns ist der von I. I. Hackhausen,worauf auch die nächste Umgebung angedeutet ist, die jedoch seithereinige Veränderungen erlitt; ein kleiner Plan, ebenfalls von Hackhau-scn, kam 1337 bei I. H. Müller zu Koblenz heraus.

Die rheinische Friedrich Wilhelms Universität warddurch eine königliche Verordnung vom 13. Oktober 1818 gestiftet.Zum Mittelpunkt war derselben das vormalige kurfürstliche Schloßmit allem Zubehör, serner das wiederhergestellte Schloß und der Gar-ten zu Poppelsdorf überwiesen worden. Auf königliche Kosten entstandspäterhin das schöne achteckige Anatomiegebäude im Hofgarten, in neu-ster Zeit aber die Sternwarte bei Poppelsdorf. Die königliche Für-sorge berief ausgezeichnete Lehrer hierher und so stieg im ersten Jahre !

die Zahl der Studenten schon über 200, im folgenden bis nahe an900, welche jedoch nicht gleich hoch blieb, wie überhaupt die Frequenzder deutschen Hochschulen in neuster Zeit sich verminderte. Der ersteCurator war der Reichsgraf von Solms-Laubach und ihr erster RcctorGehcimerath Hüllmann. Der jetzige Curator ist der geh. Ober-Ne-gicrnngsrath von Bethmann-Hollweg. Unter den an der Universitätbeschäftigten bedeutender» Gelehrten wollen wir nur einige namhaftmachen: August Wilhelm von Schlegel, geb. 1763 zu Hannover, kamnach dem Tode der Frau von Staöl, deren Begleiter er lange Zeitwar, als Professor nach Bonn. Seine Verdienste als Dichter, Kriti-ker und Uebersctzer find zu allgemein bekannt, als daß ein Wort zurnähern Bezeichnung nöthig wäre. Ernst Moritz Arndt, geb. >769auf der Insel Rügen, ward 13i8 ordentlicher Professor der Geschichtezu Bonn, allein bald nachher in politische Untersuchungen verwickeltund der Lehrfreiheit beraubt, welche erst der gegenwärtige König ihmwiedergab. Arndt ist der Verfasser ausgezeichneter Lieder, die zu denVolksliedern im edelsten Style gehören, auch seine Erinnerungen undseine historischen Arbeiten weisen ihm eine bedeutende Stelle in derneuen Literatur an. Barthold Georg Niebuhr, Sohn des berühmtenReisenden Niebuhr, war 1777 zu Meldorf im Holsteinischen geboren,lebte seit 1816 als prenß. Gesandter am römischen Hofe, nachher alsProfessor der Alterthumskunde zu Bon», wo er 183l starb. Bei derErwähnung des Begräbnißplatzes gedachten wir seines Grabmals, wel-ches die Liebe des vorigen Königs dem persönlich von ihm geschätztenMann setzte. Niebuhrs römische Geschichte, seit 18li, in wiederholtenAuflagen, ist ein Meisterwerk. Friedrich Diez, geboren zu Gießen1794, ward 1822 Lehrer der südlichen Sprachen und 1836 ordentlicherProfessor der neuern Literatur; er ist berühmt durch seine Untersuchun-gen über die Sprache und Poesie der Troubadours, durch seine Gram-matik der romanischen Sprache und durch äußerst geschmackvolle Ueber-setznngen aus südlichen Dichtern, besonders des Mittelalters. PhilippJoseph von Rehflics, geb. 1799 zu Tübingen, ward 1814 Kreis-direetor in ^onn, 1819 Regierungsrath und Comuiissarius der Uni-versität. Er ist allgemein bekannt durch viele Schriften, besondersfanden die Romane: Scipio Cicala, die ne»e Medea u. a. einen un-gctbeilteu Beifall. Karl Simrock, geb. zu Bonn >799, ist zwar un-sers Wissens nickt mit der dasigen Universität in Verbindung gewesen;allein dennoch kennt man seine trefflichenRhcinsagen" undGedichte"am ganzen Strom; als gründlicher Kenner und großer Verehrer dermitteldeutschen Literatur und Sprache bat er sich durch eine Uebcrsetzungdes Nibelungenliedes, deren Werth schon Göthe anerkennend rühmt,sowie durch Uebersetzungen des Heldenbuchs, Parzivals und andererderzeitigen Dichtungen großes Verdienst erworben Friedrich ChristophDablmann, geb 1783 zu Wismar, war erst seil 1813 Professor inKiel, dann seit 1828 in Göttingen ordentlicher Professor der Geschichte,von wo er später mit 6 seiner Coilegen vertrieben wurde; er lebrtneuerdings zu Bonn. Seine historischen Arbeiten (wovon die neuste:Geschichte der englischen Revolution einigemal aufgelegt ward» zeichnensich durch tiefes Quellenstudium, Scharfsinn, Klarheit und freien sinnaus. Andere Gelehrte trugen nicht weniger zum Ruhm der rheini-schen Universität bei. Im vorigen Jahre sil844» lehrten an derselben41 ordentliche Professoren, wovon 4 der katholischen, 4 der evangeli-schen Theologie, 6 der juristischen, 9 der medizinische» und 20 derphilosophischen Fakultät angehören. An diese schließen sich 12 außeror-dentliche Professoren, 15 Privatdozenten und einige Fachlehrer. Ein-zele der jüngern, hier wirkenden Lehrer haben bereits einen bedeuten-den Namen und versprechen Zierden der Wissenschaft zu werden. Nurdie naturwissenschaftlichen Vorlesungen werden^in dem Schloß zu Pop-relsdorf gehalten, für alle übrigen sind 15 Säle des Universitätsge-bäudes bestimmt. Die Zahl der Studenten betrug im Sommer 1844nur 760. Man berechnet, daß Einer derselben für seine körperlichenBedürfnisse 250 bis 300 Tblr. jährlich nöthig hat, mitbin Bon» zwarnicht zu den wohlfeilsten, keineswegs aber auch zu den theuersten Uni-versitätsstädten zu zählen ist. Verbunden ist mit der Universität: 1)Das katholisch-theologische Conviktorium, mit einem Director und 3Professoren. Durchschnittlich leben hier 70-80 Seminaristen, welcheWohnung, Tisch, Bedienung u. s. w. in der Anstalt finden. NeuereZeitungsberichte haben behauptet, die Resultate dieser Anstalt seiennicht entsprechend; man muß dies aus Mangel an Beweisen dahin ge-stellt seyn lassen. Es ist mit dem Seminar eine Lesegesellschaft ver-bunden, an der sämmtliche katholische Theologen Theil nehmen. 2)Das Seminar der evangelisch-theologischen Fakultät mit 4 Professoren.Es hat eine philologische und historische Classe, Stipendien und Prä-mien. 3) Das homiletisch-katechetische Seminar derselben Fakultät.4) Das philologische Seminar, wo sich Studierende für die Alter-tbumswissenschaften gehörig vorbereite» sollen. 5) Das 1825 gestifteteSeminar für die gesammte Naturwissenschaft. 6) Das seit 1832bestehende akademische Museum.

Die medizinischen Anstalten befinden sich im südwestlichen Flügeldes Universitätsgebäudes und begreifen das medizinische und chirurgi-sche Clinikum, wovon für das Erste 8 Zimmer mit 30 Betten im erstenStock bestimmt sind. Die drei andern Zimmer im Erdgeschoß nehmen