Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Diese königlich preuß. Kreis- und Universitätsstadt, zum Re-gierungsbezirk Köln und der k, preuß. Provinz des GroßherzogthumsNicderrhein gehörig, liegt in einer schönen und fruchtbaren Ebene aufdem linken Ryeinufer, etwa 21« Stunden von den Quellen und «6 St.von dem Ausflüsse des Stroms in das Meer. Man gibt die Breitedes Rheins, der hier eine leichte Krümmung macht, auf 1440, dieTiefe auf 15 und die Geschwindigkeit auf 8 Fuß in der Sekunde an.Die^öhe dcS Stadtbodens auf dem Münsterplatz wird auf 170 Fußüber der M berechnet. Von Berlin ist die Entfernung 83'/» Postmci-len oder 138'/» Wegstunden. In alten Zeiten soll die Stelle auf derBonn liegt, ein Theil einer großen Rheininscl gewesen sein, derenGränzen sich jedoch nicht mehr bestimmen lassen. Spuren des altenRheinbettes, das jedoch schon zur Zeit der Römerhcrrschaft in dieserGegend ausgetrocknet sein mochte, lassen sich nachweisen. Der Bovenist angeschwemmtes Erdreich jüngster Bildung und besteht aus lehmigerSanderde, Thon und Letten, gemischt mit vulkanischem Bimsstein, auchfeiner Sand mit Kies vcrinengt findet sich; Quellen aber fehlen undfast alle Brunnen ziehe» ihr Wasser aus dem Rhein. Auf der Westseitebestehen die nächsten Berge aus Grauwacke und Thonschiefer, auf derSüdseite ist der Godesbcrg, der Noderberg und das Siebcngebirg amandern Flußufer jedenfalls vulkanischen Ursprungs. Die Gegend, demSüdost und Sürwcst geöffnet und dem Ostwinde zugekehrt, hat ein gesun-des und nur rheumatischen Uebeln ungünstiges Klima. DerbönnscheWind" ist im Munde des Volkes bekannt uno berufen. Im Frühjahr,Herbst und Winter sind die Nebel häufig, aber nicht andauernd, in dermilden und reinen Luft zählt man noch einmal so viel heitere, als dü-stere und regnerische Tage. Der fruchtbare Boden erzeugt Wein; ober-balb und unterhalb der Stadt und auf beiden Rheiuufcrn wird jedochnur ein mit wenigen Ausnahmen geringer, meist rother Wein gebaut;Getreide, Obst, Gemüse, Hülscnfrüchle fehlen nicht. Der Garten z»Poppelsdorf hat die meisten Gewächse der milden Zone. Die Einwoh-nerzahl aus der Römcrzeit läßt sich nicht angeben; später nach denVerheerungen durch die Franken mag sie noch geringer gewesen sein.Bor dem dreißigjährigen Krieg und nach der Belagerung von 1703soll es höchstens 3-6000 Einwohner gehabt haben. Mir dem Beginnder französischen Revolution betrug die Bevölkerung 9500 Seele», imAnfang 1844 dagegen 13,600 oder mit Einschluß von 750 Studentenund einer Besatzung von 650 Mann zusammen 15,000 Seelen. Mit Aus-nahme von 1800 Protestanten und etwa 400 Jsraeliten bekennen sichdie Bonner zur katholischen Kirche. Die Stadt hat 42 öffentliche,7 Fabrikhäuser, zusammen I4lg Gebäude.

Aus der Geschichte Bonns dürfte Folgendes am meisten bemer-kenswerth sein. Im Jahre 10 vor Chr. Geb. ließ der römische Feld-herr Drusns bei Bonn, am Wichels-Hofe, nach Bcfiegung der Kattenund Sigambern, ein regelmäßiges Kastell (.'»swu ->>>»<! llluueumbauen. Schwerlich hatten die frühern Landesbewohner (Kondrusen) hierschon eine größere Niederlassung. Das römische Kastrum, auf dessenSüdseite bald eine Stadt entstand, erhielt den Namen IZ<mu. Ob die-ser vom lat. Wort I>ui»u-, gut oder wie z B. Arndt will, vomkeltisch-deutschen kuk», VVnnn rm fruchtbares Acker- und Wiescnfeld,abzuleiten, wollen wir nicht ermitteln. Die Römer nannten die beidem Kastrum gelegene Munizipalstadt Verona, was man aus den In-schriften nzchrcrcr in und bei Bonn ausgegrabenen Denksteine erweist.In Bonn soll auch der X,-> oder Hauptaltar der Ubier gestanden haben,welche Annahme dadurch nicht umgestoßen wird, daß die Weglänge,

welche der Historiker Tacitus für dessen Entfernung von Vaters (Büde-rich) angibt, eher auf Köln zu passe» scheint. Im I. 70 nach Chr.hatten sich d c Bataver unter Claudius Civilis gegen die Zwing-herrschaft Roms erhoben. Damals erlitten die Römer bei Bonn eineNiederlage, die sehr blutig ward; bei diesem 0«»nenso ^roelin,», wieTacitus berichtet: Qnuul-Nua corgnrilius snssua, (waren die Gräben mitKörpern der Erschlagenen angefüllt). Wiewohl schon zwischen 38 und96 der h. Matcrnus, Bischof von Köln, das Christenthum in Bonngelehrt haben soll, so breitete sich doch erst zu Constantins des Große»Zeit die neue Lehre hier aus, die Mutter des Kaisers, die h. Helena,wird als Gründerin der um 316 gebauten ersten Münsterkirche genannt.Auch nachher bis zum Sturze des weströmischen Kaiserthums 476 wirddie Stadt noch etliche Male erwähnt, allein sie hatte durch die Ueber-sälle der Deutschen und bei dem Raubzug des Hunnenkönigs Attilaviel zu leiden. Gar vom Anfange des fünften bis zum Ende des neun-ten Jahrhunderts blieb es nur schwach bevölkert und in Trümmern;die Bewohner flüchteten, wenn Feinde einbrachen, in die nahen Forsteoder i» die Eifel. Im Mittclalter hatte zuerst 92l der deutscheKönig Heinrich I., der Finkler, hier mitten auf dem Rheine, im An-gesicht der Stadt, eine Zusammenkunft mit dem französ. König Karldem Einfältigen, in welcher der lange Kampf wegen Lotharingen be-endigt wurde. 942 hielt man eine Synode, an welcher 20 deutscheund lothring. Bischöfe Theil nahmen. Der Bruder Kaiser Otto'S l.,der Erzbischof Bruno von Köln, erhielt 954 die Stadt, welche aberohne Mauern, schutzlos und unbedeutend war. Erst 1240 gab ihr Erz-bischof Konrad von Hochstätten Mauern, Wall und Graben, zugleicheinige Freiheiten. Im I. 1254 trat es dem Bunde der Hansa bei, den66 Städte schloffen, und wurde auch dadurch blühender. Die geistlichenHerren gewannen in ihren beständigen Fehden mit der kölner Bürger-schaft Bonn immer lieber; sie erweiterten und verschönerten es mitVorliebe. Vergebens war es 1324 von Johann von Böhmen, der fürLudwig den Baier stritt, belagert. Nachmals war die erste Stadtam linken Rheinufer, wo die deutschen Reichshäupter sich ausschifften,wenn sie zur Krönung nach Aachen zogen; ja Friedrich v. Oesterreichund König Karl IV. (Letzterer 1346> wurden im Bonner Münster ge-krönt. In der Reformationszeit hielt Erzbischof Hermann, Graf znWied, hier 1542 eine öffentliche Zusammenkunft katholischer und pro-testantischer Theologen, um sich auszugleichen, wofür ihn der Papstnachher absetzte. Einer seiner Nachfolger, Salcntin, Graf von Jlen-burg, baute ein Schloß, das vom alten Koblenzer Thor bis zum Rheinreichte, aber nur 20 Jahre stand. Sein Nachfolger, der bekannteGcdhard, Graf von Truchseß-Waldburg, wollte ans Liebe zn derreizenden Agnes von Mannsfeld die geistliche Herrschaft in eine welt-liche umwandeln. Er ließ sich hier trauen und versuchte selbst, als ihndas Domkapitel ausschloß, sich mit Gewalt in Bonn zu halten, w.'di»er seinen Bruder als Befehlshaber einer starken Besatzung gerufenhatt«. Bonn wurde vom Mai >583 bis Februar 1584 von Ernst vonBaiern belagert; Gebhard mußte weichen. Allein einer seiner Freunde,Schenk von Nideck, nahm in der Nacht vom 22. auf den 23. Decbr.1587 die Feste Bonn für seinen Herrn weg, plünderte sie, konnte sichaber nur bis zum September des folgenden Jahres halten. Die Trnp-penzügc im dreißigjährige» Kriege belästigte» die Stadt vielfach. Ge-gen Ende des >7. Jahrhunderts schloffen sich die Kölner Kurfürsten ansschiefer Politik an Ludwig XIV. von Frankreich; dadurch kam großesElend über das Land und Bon» mußte drei Belagerungen, in den