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Ma» bewahrt in ihr ein altes Gemälde» den h. Apollinaris darstellend,welches sich friiher in der gleichnamigen Kirche auf der nahen Höhe be-funden. In einem sehr hübsche» gothischen, leider verstümmelten Heili-gen-Häuschen, wird der Schädel desselben Heiligen aufbewahrt. EinAbendmahl in ganzen Figuren, mit schönen Säulen und Laubwerk, eineinteressante Grablegung, der todte Heiland und 7 Reben-Figuren, allevon Stein, welche ma» am Schwalberberg, zwischen Nemagen und Ein-zig, im 17. Zahrhundert unter der Erde gefunden, ein gutes Bild (Apol-linaris Kranke heilend» einige alte bunte Scheiben von 1662, die Kanzelmit schönen Holzschnitzereien aus dem 12. Jahrhundert und die neuenbunte» Fenster hinter dem hübsche» Altar, sind die übrigen Sehenswür-digkeiten dieses mit einem ziemlich hohen Kappenthurm versehenen Got-teshauses.
In weniger als 10 Minute» steigt man von hier zur
Apollinaris-Kirche hinan. Dies herrliche Gebäude, welchesder Graf von Fürstenberg in den letzten Jahren von Grund aus neuhat aufbauen lassen, nachdem die alte zu baufällige Kirche vollkommenabgetragen worden, ist die höchste Zierde dieser Gegend und verdientnicht allein von jedem Kunstverstänrigen, sondern von jedem Reisende»von Geschmack besucht zu werden. I» regelmäßiger Kreuzform aufge-führt, bildet das Hauptportal den Fuß des Kreuzes, und der gegen denRhein gewendete halbrunde Chor den Knopf desselben. Zwei hohe durch-brochene Spitzthürmc erheben sich auf der Vorder-Seitc. Zwischen bei-de» ist ein Spitzbogen-Fenster in vier Abtheilungen, darüber ein Spitz-gicbel, mit davor befindlichem Altan und reicher Laubverzierung. Uebereiner kleinen Thür in der Mitte steht ein Steinbischof, mit goldnemKrumstab, geschützt durch ein gothisches Spitzdach. Ganz oben ans demSpitzgicbcl der Kirche ragt ein schönes vergoldetes Kreuz aus vergolde-ten Blumen hervor. Am Hauptgebäude sind zwei schöne zugemauerteRose», daneben zwei offne sehr geschmackvolle, ebenso an den Krcuzvor-sprüngen zu beiden Seiten, die mit herrlichem Spitzgiebel, doppeltenLanbkranz und >2 Thürmchen geschmückt sind. Das Langhaus springtvor gegen den Rhein, und ist mit zwei schlanken, etwas niedrigern Thür-men , als am Hauptpvrtal, versehen. Dazwischen befindet sich ebenfallsei» Spitzgicbel mit einem Goldkreuz, unter dem der Chor ein Sechseckmit schönen Spitzgiebel-Verzierungcn bildet. Auf beide» Seiten sind dieWinkel des Kreuzes durch zwei Kapellen von rheinischer Basalt-Lava,mit flachen Altan-Dächern ausgefüllt. Rings um das Dach der Kirchezieht sich eine Gallerte, mit schöne»! durchbrochenen Geländer und präch-tiger Laubvcrzierung. Unter dem Chor befindet sich ein Krypta, in dreiAbtheilungen. Außerhalb am Chor ist das fürstcnbergsche Steinwappenangebracht.
Sehr reizend ist die Aussicht, welche man von dem Apollinaris-Berge hat. Sie erstreckt sich einerscit über Nemagen hinaus bis zurAhrmündung, dem Dorfe Kripp, dem gegenüber gelegnen StädtchenLinz und den Dörfern bis nach Erpel, über welchem letzten man dasvon löst Seelen bevölkerte Dörfchen Orsberg sieht. Rhcinabwärts zeigtsich Unkel, nebst den benachbarten Ortschaften.
Nonncuwertb, mit einem ehemaligen Bcncdiktincr-Nonnen-Klostcr,das 1120 durch den Erzbischof von Köln, Friedrich I. von Kärnten, ge-stiftet und mit einem Hospital verbunden wurde. Allmälig sehr reichgeworden, hatte es vor dem Brande von 177Z das Anseh» eines Palastes.Nach demselben wurde es zwar etwas kleiner, doch immer noch sehr weit-läufig aufgebaut. Während dem 30 ährigcn Kriege hatten es Schwedenund Spanier sehr mitgenommen.
Die Gebäude bestehen ans einer Kirche und einem Thurm mit Dop-pelkappe, beide im Schnörkclstyl, ans drei großen zusammenhängenden
Gebäuden, die durch Brandmauern von einander geschieden sind undmehren Ncben-Gebäudcn. Das Ganze bildet ein längliches Viereck, wo-von die Nord- und Südseite 120 Fuß, die West- und Ostseite aber eineAusdehnung von 230 Fuß haben. Im Innern dieses Vierecks befindetsich eincrseit ein Blumen-Garten und auf der andern Seite der Ocko-nomiehof. Das Hauptgebäude enthält große Säle und Gänge, nebst60 größern und kleinern Zimmern, aus denen man auf der Nord-seite eine schöne Aussicht auf das Sieben^-Gcbirg hat. Angenehm istein hübscher Garten und ein Park, oder Nachtigallen-Wäldchen,hinter den Gebäuden. Der untere Theil der Insel aber besteht ausWiesen und Ackerland. Die Gebäude sind jetzt zu einer Gastwirth-schast eingerichtet, die im Sommer stark besucht wird, und wo sichFamilie» theils aus der Umgegend, theils aus weiter Ferne, Monatelang aufhalte». Denn nicht allein ist die Umgegend überaus reizendund bietet Veranlassung zu viele» und angenehmen Ausflügen in dasSicben-Gcbirg, nach dem Westcrwald, dem Ahrthal, dem laacher See,der Mosel und dem Niederrhcin, auch die Lage selbst ist überaus ge-sund, was durch das hohe Alter bescheinigt wird, welches die meistenNonnen des 1802 aufgehobenen Klosters erreichten. Napoleons ersteGemahlin, Josefina, verwendete sich so eifrig für diese Nonnen, daßsie, der Aufhebung ihres Klosters ungeachtet in demselben bis zu ihremEnde bleiben durften. Die Regierung verkaufte 1822 die 66 Morgengroße Insel an einen Privatmann, der die Gebäude zu einem Gast-hause einrichtete, dessen gegenwärtiger Eigenthümer, alle» billigenWünschen seiner Gäste zu entspreche» bemüht ist. Die Insel hat einenUmfang von Stunden. Die Dampfschiffe haben hier eine Nachen-Station. Ueber Rvlandswcrth erhebt sich, auf einem vorspringendenziemlich steilen Felsen, die Ruine des Schlosses
Roletiidscck, nebst einigen unbedeutende» Trümmern nur nochaus einem großen thorähnlichen Mauerstock bestehend, der fast eineEhrenpforte zu sein scheint, durch die man eine herrliche Aussicht so-wohl gegen Bonn als gegen Unkel hat. Am schönsten zeigt sich ebenhier das Siebengcbirg in seinen Verzweigungen, mit den vereinzelten,mannigfach gestalteten Gipfeln und den kleinen Thälern. Rolandsecksoll, der Sage nach, von dem gewaltigen Roland, Karls des GroßenNeffen, erbaut worden sein, der hier um seine Geliebte, welche in demnahe» Insel-Kloster den Schleier genommen, zeitlebens getrauert. Be-sucht zu werden verdient der seitwärts von der Ruine befindliche Ro-derb erg. mit einem vor Jahrtausenden erloschenen Krater, worin jetztein Bauernhof, inmitten fruchtbarer Felder liegt.
Drachenfels. Das hier befindliche Schloß wurde 1117, gleich-zeitig mit dem auf dem nächst gelegenen Berge Wolkenburg, vonFriedrich 1., Erzbischof von Köln, erbaut. Im 13. Jahrhundert kameö als Lehen an Burgmänner, welche sich danach benannten und 1380 inmännlicher Linie ausstarbeu. Durch die Frauen ging nun der Drachcn-ftls an die Waltbott von Bassenheim über und wurde in den Fehdenmit Franz von Sickingen zerstört. Im Alterthum soll hier eine Römer-Warte gestanden habe», wovon man jedoch keine Spur mehr bemerkt.
Sicbcn-Gebirg. Dies merkwürdige Gcbirg, in dessen Schoßenoch mehr als eine geologische Merkwürdigkeit verborgen ist, nimmtden Raum von etwa einer deutschen Geviert-Meile ein. Zwei Haupt-thäler durchschneiden eS von Abend gegen Morgen. Eine Menge Gip-fel, wovon die meisten die Gestalt eines abgestumpften Zuckcrhuts ha-ben, erheben sich über den buckelkörinigen Rücken, die nach allen Seitenabgerundet sind, und dem Rhein zunächst von 7 Haupthöhcn überragtwerden, welche dem Ganzen seinen Namen verliehen haben.