Iahren 1673, 1689 und 1793 ausstehen. Zuerst 1673 hatte es von !einer aus Spaniern, Holländern und Kaiserlichen bestehenden Armeeeine harte Belagerung ansznhalten und wurde zuletzt durch Capitula-tion gewonnen; 16v9 war besonders ein Unglücksjahr, denn der Kur-fürst von Brandenburg, nachher König von Preußen, äscherte ihreKirchen, Klöster und die meisten Häuser ein. Verderblich war auch dieBelagerung von 1793, in welcher Coehorn unter Marlboroughs Ober-befehl stand; am 16. Mai mußte sich die Feste übergeben. Im Friedenzu Rastadt 1714 verlangte Holland, daß Bonn aufhöre Festung zusein.Erst nachdem 1717 die Festungswerke geschleift worden, konnte sich Blüteund Wohlstand heben. Der Fürst Clemens August — 1723 bis 1761 —wirkte segensvoll kür die Stadt, baute die neuen Schlösser zu Pop-pelsdorf und Brühl und brachte dadurch große Summen in Umlauf.Ihm folgte der gelehrte Maximilian Friedrich, welcher 1789 die Akade-mie zu Bonn stiftete und größtentheils mit den Gütern des dalv nach-her aufgehobenen Jesuitenordens dotirte. Die erste Einweihung dieserAkademie war am ll. Nov. 1783. Die Vorlesungen wurden alle un-entgcldlich gehalten, daher eilte aus verschiedenen Gegenden des Rhein-landes die wißbegierige Jugend hinzu, um die Anstalt zu benutzen. DieTheilnahme wuchs in dem Maaße, daß Maximilian Friedrich beschloß,die Akademie zu einer hohen Schule zu erheben. Allein ehe noch dievon ihm sehnlichst erwartete Bestätigungsurkunde von Wien eintraf,übereilte ihn 1784 der Tod. Sein Nachfolger Maximilian Franz, Erz-herzog von Oesterreich, übernahm nun die Regierung. Bald nach demAntritt derselben kam die Urkunde von Wien an, und am 29. Novem-ber 1786 wurde die Universität mit aller möglichen Pracht eingeweiht.Ausgezeichnete Lehrer berief man hierher; z. B. Dereser, geb. 1757,war er von 1783—1791 hier Professor der Hermeneutik und orientali-schen Literatur und kam hierauf nach Straßburg u. s. w. Daniels,geb. 1754 zu Köln, ward 1783 Professor der Rechtswissenschaft in Bonn ^und blieb dies bis die Universität aufgehoben wurde; Wurzer, geb.1765 zu Brücl, war von 1789 an Professor der Medicin und gingspäter nach Marburg. Auch die Namen Hedderich, Rougemont,Fischen ich, Necb u. a. stehen in gutem Andenken. Der Curatorwar Freiherr von Spiegel, der besonders schlummernde Talente zuentdecken und zu unterstützen wußte. Er förderte z. B. ungemein dasTalent der Zwillingsbrüder Gerhard und Karl von Kügelgen, welche1772 zu Bacharach geboren waren und damals in Bonn studirten. AufSpiegels Veranlassung wagten sie es, sich der Kunst ganz zu widmen,was man in jener Zeit noch für so bedenklich und fast entehrend hielt.Ihre Leistungen als Maler und Zeichner sind rühmlich bekannt. — DerKurfürst lebte ganz für die neue Hochschule.
Die französische Revolution zertrat auch seine cdeln Saaten; ermußte Bonn schon 1794 verlassen. Die französische Herrschaft begannund zwar 1797 eine voni General Hoche eingesetzte Jntermediar-Com-mission. Bonn ward nachher Hauptort eines gleichnamigen Arrondis-semcnts, bestehend aus Landestheilen, die vordem zu Trier, Köln oderKurpfalz gehörten. Mit dem Aufhören der kurfürstlichen Hofhaltungversiegten die meisten Erwerbsquellen und die Bevölkerung vermindertesich in etlichen Jahren um zweitausend Einwohner. Nur die Uebersiedc-lung einiger Bergischen Fabrikanten, sowie der Umstand, daß Bonnspäter Sitz einer Unter-Präfektur, eines Gerichts erster Instanz undzweier Friedensgcrichte wurde, half wieder etwas auf. Durch den IFrieden zu Paris kam es an Preußen, wodurch es im Innern undAeußern gewann. Neue Straßen entstanden, z. B. die vor dem Mi-chaelS-Thore. Auf der Seite gegen Koblenz und gegen Köln tratenVerschönerungen ein, die frühern Festungswerke verschwanden, oderwurden zu Gartenanlagen benutzt. Eine Eisenbahn zwischen Bonn undKöln wird auf der Seite gegen Poppelsdorf gewiß Neubauten undeine Umgestaltung zur Folge haben.
Bonn ist gegenwärtig Sitz eines Ober-Bergamts für das Groß-hcrzogthum Niederrhein, einer Landraths-Behörde, eines Oberzollamts,Postamts, Untersuchungsamts, Hypotheken-Bureaus, zweier Friedens-gerichte, einer Ober-Bürgermeisterei und anderer Behörden. Ein Re-giment Uhlancn macht die Besatzung. Der vorige König, FriedrichWilhelm III. verordnete unterm 18. Oktober 1818 die Stiftung undsofortige Eröffnung der rheinischen Universität, wodurch der WohlstandBonns neue» Schwung erhielt.
Die Uebcrresie aus dem Alterthum, woran die Stadt reich war,sind in den vier Belagerungen meistentheils vernichtet worden. Außerder Münsterkirche und ihrem hohen Thurm ist wenig oder nichts mehrvon ältern Bauwerken anzutreffen. Trotz der vielen Spitzgiebel ihrerHäuser muß doch die Stadt in ihrer Bauart zur neuern und neuestenZeit gerechnet werden. Das alte Verona dehnte sich aus der einenSeite über den Martins- und Münsterplatz, das Dreieck und die Zucht-hausgasse bis zum Rhein, auf der andern über den alten Zoll, dasUniversitätsgebäude, den Martinsplatz und die Sünst, bis zu den Maar-und Langgassen, dem Juden-, Wurst- und Neugäßchen aus; mithinbildete es ein längliches Viereck von etwa einer halben Stunde Aus-dehnung. IZonim. die Kriegsstadt, lag mehr nordwärts, auf der Seitegegen Köln, zwischen dem Johanniskrenz und dem Jesuitenhof am Rhein.Man konnte hier die Gegend übersehen und leicht den Fluß beherrschen.
Von viescr Kriegsstadt führte Drusus eine Schiffbrücke über den Rheinnach dem heutigen Dörfchen Gerssen, von wo aus noch jetzt ein „Brücken-weg" nach dem Strom führt. Bon der Römerstadt aus der NordsciteBonns wußte das Volk nichts mehr, als 1818 und 1819 Nachgrabungenvorgenommen wurden, welche die Entdeckung von kleinen Zellen, ver-muthlich Soldatenwohnungen, wie auch von größern Gebäuden ver-anlaßten; sie lagen 7—12 Fuß unter der jetzigen Oberfläche, ein ausQuaderstein erbauter Brunnen führte 46' unter den Spiegel des Rheins.Man fand sich jedoch bei diesen Nachforschungen für Zeit und Geldnicht hinreichend belohnt und warf, nachdem man einen Plan der auf-gegrabenen Stadttheile aufgenommen, die Stellen wieder zu. Die Al-terthümer und Kunstgegenstände, welche man bei dieser Gelegenheitauffand, sind im Universitätsgebäude aufgestellt. Auch an andern Stel-len entdeckte man schätzbare Ueberreste, die jetzt in der rheinischen Al-terthümer-Sammlung der Universität gezeigt werden. Das merkwür-digste stück ist der angebliche Xrn Vbivram, der Hauptaltar der Ubier,'den dies vom rechten zum linken Rheinufer übersiedelnde Volk nachBonn mitbrachte. Er wird als ächt angenommen, stand 1893 auf demNömerplatze, wurde aber 1822 in das Museum gebracht, um ihn vorBeschädigungen sicher zu stellen. Auf der Hauptseite trägt er die In-schrift: Ileae vicwi'ise »serum sder Siegsgöttin heilig); auf der linkenSeite zeigt sich ein Mann mit Messer und Art, auf der rechten einJüngling mit einem Henkelgefäß in der einen und einer Schüssel in derandern Hand; auf der Rückseite befinden sich drei Delphine und untenein Opferstier. Man fand diesen Altar (wohl nur römischer Siegs-altar) im Schloßgarten von Blankenheim, wo er mit andern Alter-thümern, an welchen die ehemal. Reichsgrafen von Blankenheim seitzwei Jahrhunderten gesammelt hatten, aufgestellt war. Unter denmerkwürdigen Gebäuden und Denkmälern betrachten wir zuerst dieMünsterkirche. Sie liegt im südwestlichen Stadttheile, zwischen demMünster-, dem Martins- und dem S. Gangolfsplatze, soll von derKaiserin Helena gegründet sein und war bis 965 mit einem Klosterverbunden. Das Gotteshaus scheint seinem Styl nach dem 12. Jahr-hunderte anzugehören; ein starker Hauptthurm mit langgestreckter Spitze,zwei kleine Spitzthürmchen über dem Orgelchor und zwei gleichfalls zu-gespitzte Vorthürme gegen den Martinsplatz erheben sich über dasselbe.Das Innere der Kirche ist würdig, aber nicht düster. Vom Platze steigtman 8 Stufen hinab. Im Verhältniß zu ihrer Breite ist die Kirchefehr lang gestreckt und erscheint deshalb schmal; das Hauptschiff ist nichtfehr hoi^ und die Wölbung des Chors noch niedriger. Die bronzeneBildsäule der h. Helena, etwas theatralisch, mahnt an den Geschmackdes Zeitalters Ludwig XIV., in welchem sie in Italien gegossen wurde.Der Hochaltar, vor welchem die genannten 2 Kaiser gekrönt wurden,hat ein großes versilbertes Kreuz — woran der Erlöser vergoldet dar-gestellt ist — auf Purpurgrund, mit Wolken, in welchen der h. Geistschwebt, indeß ein Engel das Kreuz hält. Vier helle Chorfenster be-leuchten ihn grell, und wenn seine 19 Stufen mit lebenden Gewächsenbei Festlichkeiten bedeckt find, scheint es ein heiliger Hain, über welchemder in goldenem Lichte fchwimmende Hochaltar emporragt. Zwei andereAltäre stehe» im Chor. Der alte Taufstein, einige Gemälde und Glas-wappen verdienen Beachtung, die vergoldete Holzkanzel dagegen paßtnicht zu Ganzen. Unter der Orgel ist das Grabmal des Erzbischofs,welcher 1268 die kurfürstl. Residenz von Köln nach Bonn verlegte; hierübersiebt man die ganze Kirche am besten. Noch einige Anbauten sindim alten Zustande. Der Münsterplatz lag früher öde und wurde dergrüne Platz genannt. Die Länge des Münsters beträgt 259' die Breite125' und die Höhe, den großen Thurm mitgerechnet, 399'.
Die evangelische Kirche ist die sonstige Schloßkapelle, im Uni-versitätsgebäude. Klein aber hübfch hat sie an drei Seiten Emporbüh-nen auf hohen Steinpfeilern. Der halbrunde Chor an der viertenSeite enthält die Kanzel, den Altar mit gegossene» Leuchtern von Ei-sen, wie auch der Taufstein und dessen Deckel. Die St. Rcmigius-kirche in der Brüdergasse, im altdeutschen Styl, ersetzt die ältere zumMinoritenkloster gehörige Kirche, ist groß und schön, mit hohem lan-gem Mittelschiff und zwei Abseiten. Den Hochaltar schmückt ein Ge-mälde von van Spielberg, die Taufe Klodwigs, welches früher in derSt. Remykirche sich befand. Andere Gemälde und Verzierungen sindunerheblich, allein die große Orgel ist sehenswerth. Breit ist'der mitFenstern versehene ehemalige Kreuzgang. Die Jesuiten- oder Gym-nasiumskirche, gegen Ende deo 17. Jahrhunderts von den Jesuitengebaut, richtet ihre schöne Vorderseite, mit 2 Kappeuthürmen geschmückt,nach der Bonngasse. Nur von außen ist sie großartig, das Inneremißfällt durch den gelben Anstrich der Säulen und des Gewölbes. DieBilder aus dem frühern Kapuzinerkloster sind werthlos. In vieler Kirchesammeln sich die Schüler des gegenüber liegenden Gymnasiums zumGottesdienst, auch wird sie von den Bürgern fleißig besucht. In demehemaligen Kollegiatgebäude, welches die Jesuiten bis zur Aufhebungdes Ordens bewohnten, sind nun die Amtswohnungen der Gymnasial-lehrer.
Die Stifts- oder Dietkirche, 1689 auf der Stelle erbaut, woI früher eine Kapelle des h. Petrus stand, liegt westlich nah am Endei! der Kölnerstraße im Hintergrunde eines kleinen Platzes. Sie war mit