Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Hammcrstcin komme» urkundlich unt II45 vor. Sie und ihre Nachkom-m en besaßen die Feste als kaiscrl. Lehen »nd erhielten von Karl IV. dasRecht, eigne Münzen z» prägen. Seit 1374 wurden sie tricri'chc Lehns-leute; ihr Geschlecht starb 1418 ans. Im 30jährigen Kriege war Ham-inerstein »och sehr fest. Abwechselnd von Kaiserliche», Schweden, Fran-zosen und Spaniern besetzt, hatten es zuletzt Lothringer inne, denenKurfürst Karl Kaspar von Trier 1644 es wieder abnahm. Die Franzosenüberrumpelten es in dem verhängnißvolleii Jahre 1688 und schleifte» esvollkommen.

Die Burg Rkieinock zeigt sich zuerst unterhalb Brohl, am linke»Ufer. Dies aus 3 Gebäuden bestehende Schloß, welches der fetzige Be-sitzer, Herr von Bethmann-Hollweg, Kurator der Universität Bonn, seit1832 durch den Bauinspektor von Lassaulr in byzantinischem Geschmackwieder hat aufbauen lassen, hieß früher Rp neck und soll aus den Trüm-mern einer Römer-Warte entstanden sein. Jedenfalls war es schon iml l. Jahrhundert vorhanden und wurde in Mitte des folgenden von Kon-rad III. zerstört. Die Burggrafen von Rpneck starben 1548 aus. DerKurfürst von Köln eignete sich nun ihr Schloß zn, welches jedoch vondem Kaiser dem Freiherrn von Warsbcrg zugesprochen wurde, weil seineGattin, die aus dem rvncckschcn Geschlecht abstammte, die nächsten An-sprüche darauf geltend machen konnte. Ein Graf von Sinzcndorf kaufrc1654 die Burg, welche 34 Jahre nachher die Franzosen in die Luft spreng-ten. Abermals ausgebant, ward sie 1785 böswillig angezündet und gänz-lich eingeäschert. Wie gesagt, schmückt sie fetzt wieder den Gipfel desetwa 406 Fuß über den Rhein erhöhten Bcrgvorsprunges, zwar nicht inihrer früher» Gestalt, sondern mit 2 runden »nd einem Spitzgiebel, ne-ben einem niedrigen byzantinischen Thurm, während ein vereinzelter vier-eckiger Thurm die alte Banart andeutet. Das Innere ist theils i» mit-telalterlichem, theils in neuerm Geschmack eingerichtet.

Vorzüglich schön ist die runde Kapelle, deren äußere Form ein Achteckbildet und deren Gewölbe sich auf eine Mittel-Säule stützt. Ihre treff-lichen Fresko-Gemälde sind von Steinlc. Ein Krnzifir von karrarischcmMarmor, von Achtermann, einige alte bunte Scheiben und eine hübschekleine Orgel sind ihre übrige» Merkwürdigkeiten. In dem heitern Speisc-saal, der eine herrliche Aussicht rheinabwärtS bis zum Sicbcn-Gcbirgund bis Ober-Winter bietet, ist ein schönes Gemäloc von BegaS, Hein-rich IV. im Büßcrgcwand, barfuß stehend an der verschlossenen Thür desPapstes, der, umringt von seinen Hoflcnte», triumphircnd vom Altarherabschaut. Hier befindet sich auch ein hübscher Humpenschrank, nebsteinigen bunten Scheiben. Im größern Wohnzimmer steht ei» chinesischerTisch »nd an den Wänden hängen einige gute Gemälde. Der Schrankauf dem Flur enthält nur chinesische Waffen. Im achteckigen Saal, überder stapelte, sind vier neuere Glaswappen von Besitzern von Rheineckund zwei schöne Marmor-Vase». Außerdem enthält daö Schloß nochmanche andere interessante Gegenstände, namentlich alte Möbel, bunteScheibe», eine Bibliothek, gute Gemälde w. Wirklich entzückend ist dieAussicht von dem 80 Fuß hohen Thurm, auf die herrliche Rheingegend.Tief unter sich erblickt man, an der Mündung seines hübschen Wiesen-Thales, das Dorf Rheincck, am Pfingstbach, mit >50 Einw.; weiterhin,Ober- und Nieder-Brcisig, gegenüber Nheinbrohl und Hönningen, untendie Ruine Ockenfels, Argendorf, Lcnbsdorf, Linz und Kripp. Ueber dieseOrte erheben sich die Verberge des Westcr-WalbeS, vor ihnen ist diespiegelnde Straße des breiten Rheins und in der Ferne zeigen sich Ober-Winter und die Gipfel des Sicbcn-Gebirgs. Am nördlichen Fuße vonRheincck, auf beiden Ufern des Pfingstbachcs, befinden sich die GasthäuserSchloß Rheincck und Weinberg.

Sin zig, mit 1900 Einw. Es gehören dazu noch die beiden Rit-tergüter Ahrenthal »nd Godenhaus. Dieser 7 Meile» von Köln und4'/, Meile» von Koblenz entfernte Ort ist sehr alt und soll, obgleich röni.Geschichtschreiber seiner nicht gedenke», dennoch ein Kastell »nd eine dergrößer» Niederlassungen der alten Eroberer, des Namen Sonünoni» sun-«er welchem er in Urkunden von 762 vorkommt) gewesen sein. Die Vor-aussetzung, daß die Römer hier einen festen Wohn- und Waffenplatz ge-habt, wird nicht allein durch die überaus günstige Lage ans einem kleinenHügel, und den Umstand, daß grade auf diesem Punkte das röm. Nieder-Dentschland begann, sondern auch durch mehre hier entdeckte Alterthümer

bescheinigt. Nach Einigen soll Sinzig sogar der Ort sei», wo Konstan-tin der Große, vor der Bcsiegung seines Gegners Magnensius, dasKreuz am Himmel gesehen. Diese Angabe ist jedoch »»gegründet.

Ans den Trümmern des Römer-Kastells, dessen Spuren ganz ver-schwunden sind, entstand ein Königshof der Franken, der sich später ineine» Reichssaal verwandelte. Karls des Große» Vater, Pipin, erließin dieser Pfalz mehre Befehle, wovon einige noch in alten Urkunden-Saminlnngcn nachgesehen werden können. Heinrich III. und vcrschiedneseiner Nachfolger, residirten in Sinzig, dessen Palast Albrecht von Oest-reich dem Erzbischof Wigbold von Köln schenkte. Die Stadt wurde imLaufe der Zeiten durch Belagerungen, Erstürmungen und andre KriegS-drangkale hart mitgenomme». Ihre mit hohen Thürme» versehenenMauern wurden bald zerstört, bald wieder aufgeführt. Jetzt ist sie vonniedrige» halbzcrfallencn Mauer», ans nicht hohe» Erdwällen »nd größ-tenthcilö zugeschütteten Graben umschlossen, und kann beinahe als einoffener Ort betrachtet werden. Ans dem Hclencn-Berge, der später einMinoriten-Kloster trug, soll ein Bethaus der Kaiserin Helena gestandenhaben; auch gibt es zn Sinzig noch eine Helenen-Psorte und ein Hcle-ncnfeld.

Die alte, aus Tuff- oder Bimsstein im Rnndbogenstpl erbaute, schöngezeichnete Ktrche, ist ein im Aenßern und Innern sehenswerthcs, durcheinen ziemlich hohen Thurm und einen kleinern geschmücktes Gebäude.Sie hat die Form eines regelmäßigen Kreuzes, mit achteckigem, gegenden Rhein gewendeten Empor, hinter dem man eine entzückende Aussichtanf die schöne Gegend hat. Ein darin befindliches Altarblatt, woraufKaiser Konstantin, das Kreuz erblickend, dargestellt ist, hat Veranlassunggegeben zu dem Schluß, daß sich dies Wunder in hiesiger Gegend ereig-net habe, obgleich es erwiesen ist, daß der Kaiser nie hierher gekommen.Der Sage nach soll eine ältere Kirche anf der Stelle der gegenwärti-gen, aus den, >2. Jahrhundert herrührenden, von Konstantins Mutter,Helena, erbaut worden sein.

Die Stadt war ehemals größer und bevölkerter als fetzt. IhrWahrzeichen, oder vielmehr eine eigenthümliche Merkwürdigkeit von Sin-zig, ist der alte oder heilige Vogt, eine christliche Mumie, die in einerKapelle in der Kirche zu sehen ist. Nirgend wird gesagt, daß man ihrWunder zugeschrieben, vielmehr wurde sie während den Fastnachts-Posse»seltsam herausgeputzt herumgetragen und männiglich hatte seine Freudedaran, daß der alte Herr sich so schön steif hielt. Die Franzosen, diedem alten Vogt, man weiß nicht aus welche» Beweggründen, eine Wich-tigkeit beilegten, die er nicht hatte, entführten ihn »ach Paris, wo manihn im Natnralicn-Kabinct des Pflanzen-Gartens aufstellte. Durch denpariser Frieden, nebst mehre» andern Reliquie» seiner Vaterstadt wiederzurückgegeben, wurde er von dieser im September 1815 feierlich in Em-pfang genommen. Er bewohnt wieder seine alte Kapelle, wird jedochnicht mehr zum Fastnachts-Narren gebraucht.

Bei Rcmage» geht eine Fähre hin und her, da der Verkehr zwi-schen beide» Ufern anf diesem Punkte ziemlich lebhast ist. Das letztge-nannte ist ein Städtchen von 1900 Einw, wovon etwa 150 Evangelischeund 60 Juden. Es ist sehr alt und wird auf Peutingcrs Karte der Rö-mer-Straßen unter dem Namen N^unm-rn- angedeutet. Eigentlich be-steht es nur aus einer langen, mittelbreiteu gepflasterten Hauptstraße,welche sich von Sndos« nach Norewcst zieht »nd einige» gegen den Rheinsich hinabsenkenden, oder gegen die Kirche und die Berge sich ziehendenkleinen Ncben-Gassen. Voni Rhein gesehen scheint der Ort sehr düster,ärmlich und wenig angenehm; in seiner Hauptstraße ist er jedoch ziemlichfreundlich und wird von heitern, fleißige» Menschen bewohnt. Sein klei-ner unregelmäßiger Marktplatz, woran das nenc zweistöckige Nathhanssteht, ist allein des runden Lanfbrnnnens wegen beachtungswerth, weiler a»S alten Uebcrrestcn erbaut sein soll, an welchem unter einer Stein-madonna das Stadtwappen, im ober» Felde ein schwarzer Adler überdrei weißen Thürmen, im unter» ein weißes Lamm mit einem grünenBaum, angebracht ist. Der beigefügten Jahrzahl nach ist dies Werkvon 1718.

Merkwürdiger ist auf jeden Fall die Kirche ans dem 13. Jahrhun-dert, welche im Innern neu hergestellt und von den Schnörkel» undZierrathcn befreit wird, die verdorbncr Geschmack darin angebracht.