Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Schiff und eie drei übrigen Thürme, sämmtlich im Rnndbogcnstpl erbaut,sind später» Ursprungs. Wahrscheinlich wuree die Kirche in dem Kriegezwischen Philipp von Hohcnstausen und Otto von Brannschweig ein Raubder Flammen. Die jetzige Kirche kann, ihrer Bauart nach, frühestensin der ersten Hälfte des 13. Jahrh, erbaut worden sein.

Sehenswcrth sind in ihr die Marmor-Reste eines alten Altars, be-sonders die 12 Apostel, deren Gesichtszlige sehr ausdrucksvoll sind; fer-ner die auf grauen Sandstein dargestellte Kontrovers-Predigt, welcheein Karmelitcrinönch aus dem Klvstcr Tönnistein gegen Buzer hielt. Diesin geschichtlich-religiöser Beziehung für Andernach wichtige Denkmal be-findet sich neben der Grablegung. Eine durchaus ähnliche Darstellung inStein sieht man auch an den sogenannten drei Kreuzen, 10 Minuten vomkoblenzer Thore, unfern St. Thomas. Endlich ist noch das 1341 errich-tete Grabmal eines Ritters Schilling von Lanstcin bemerkenswerth.

Die Kanzel, worauf die vier Evangelisten mit Christus an der Mitte,sehr schön in Holz geschnitzt sind, ist 1803 aus der Abtei Laach »ach An-dernach gebracht worden. Die Fresko-Bilder, außerhalb am westl. Haupt-eingange der Kirche, sind ohne besondern Kunstwcrth, wenn schon V. Hugoin seinemRhein" das Gegentheil versichert. Interessanter ist das Stein-bild von 1324, die Sterbe-Scene einer Frau vorstellend, worin die >2 Fi-guren bunt bemalt sind. Auch das Steinbild von 1338 an der nördl.Thür, der Erlöser seine Wundmale zeigend, verdient beachtet zu werden.Die Orgel ist, sowohl in quantitativer als qualitativer Beziehung, einPracht- und Kunstwerk. Sie befand sich früher in der Franziskaner-Kirche.Von den alten bunten Scheibe» sind nur wenige übrig geblieben.

Die ehemalige Angnstiner-Nonnen-Abtci St. Thomas, außerhalbder Stadt gegen Koblenz, welche schon um Mitte des 12. Jahrhundertsbestanden haben soll, wurde 1794 von den Franzosen in Brand gesteckt.Die davon noch vorhandncn oder neu aufgeführten Gebäude enthaltenzum Theil eine Armen-, Kranken - und Irren-Anstalt, zum Theil eineLcder-Fabrik, die etwa 299 Gruben hat, nnd worin vortreffliches Sohl-lcdcr von amerikanischen Wildhänten verfertigt wird. Sowohl dieserArtikel als, und zwar mehr noch, die vulkanischcn Produkte von Plaidt,Nicder-Mcndig, Kottenheim, Bell ?e., bestehend in Tuff, daraus verfer-tigtem Mörtel oder Traß, Miihl-, Pflaster-, Thür- n. Fenster-Steinen :e.,wovon Herr S. La »bau, von Koblenz, der am Krahncn ein hübschesLandhans hat, und Herr Bianchi, von Nenwied, die bedeutendsten Ver-sendungen machen, bilden, nebst Getreide, Wein, Potasche, Holzkohlennnd Obst die vorzüglichsten Gegenstände des hiesigen Verkehrs. Ander-nach hat zwei Wochenmärktc, näm'ich Dienstags einen sehr bedeutende»Fruchtmarkt und Sonnabends Gemüsemarkt; ferner sieben Jahrmärkte,wovon der sogenannte Birnkrautemarkr um Michaeli, der mehre Tagedauert nnd in der schönen langen Pappel-Allee am Rhein gehalten wird,der besuchteste, ei» wahres Volksfest, ist, wobei viele tausend Menschenaus der Nmgcgcnd sich ctnsinde». Es wird dabei sehr viel gekochter Apfel-vder Birnsaft feilgeboten und verbraucht.

Von jeher, auch noch in neuester Zeit, wurden in und um Andernach,bei Bauten, in Gärten und Feldern, häufig römische Münzen gefunden.Die meisten sind von Konstantin. Bei den Acker-Arbeiten auf dem obenerwähnten Kirchbcrge werden fast alljährlich Steinsärge re. entdeckt. DerVorstand des Museums rhein. Alterthümer, in Bonn, beabsichtigt Nach-grabungen daselbst anzustellen. Eme schöne Sammlung von Alterthümern,welche in und um Andernach gesunden worden, besaß der frühere Rektorder höher» Bürgerschule in dieser Stadt, Jak. Richter. Er hat dieselbevor seinem Tode dem Museum zu Bonn geschenkt. Die vorzüglichste»Gegenstände dieser Saminlnng waren alte Steinschriften, mehr oder we-niger verstümmelte Bildsäulen, Münzen, Aschenkrüge w.

Es befindet sich in der Stadt, außer den städtische» Behörden, nochein Fricdensgertcht und ein Postmeistcramt. Das alte Wappen von Ander-nach besteht in zwei krenzwcis über einanvcrgelegien großen Schlüsseln.

Gleich unterhalb Andernach fließt der Rhein, der von Jrlich bis hierherdie nordwestliche Richtung verfolgt, wieder direkt gegen Nord. Den Fußdes Krähn en-Berges bespülend, der, korrcspondirend mit rcr Höhe amrechten llfcr, durch seine scharf vorspringenden Felsen das Thal sehr verengt,nnd sich steil über dem Krahnen erhebt, bildet hier der Strom eine mit Pap-peln bepflanzte nnd durch ein -Haus geschmückte Insel, hart am linken Ufer.

Laachor See und Abtei Laach. Von Nieder-Mendig erreichtman bequem in 1'/, Stunden, über den Kratcrrand des laachcr Vul-kans, diesen selbst, und zwar an der Stelle, wo die Abtei Laach gele-gen ist. Schon 2<X>l1 Jahre vor der Niederlassung der Römer am Rheinwar der cbengcnannte Fcuerberg höchst wahrscheinlich ausgebrannt undfür immer erloschen. Sein Krater, dessen höchster, 399 bis 699 Fußüber die jetzige Thalsohle ansteigender Rand einen Umfang von zweiStunden hat, umschließt den ganze» Kessel, dessen länglich runde Formsich sehr gut erhalten hat. Der untere, ohne Zweifel umgekehrt konischsich verengende Theil des Kraters, der sich allmälig mit Wasser füllteund jetzt einen See von 8994 rhein. Fuß Länge, 7899 Fuß Breite und214 Fuß mittlerer Tiefe bildet, während seine Oberfläche einen Raumvon 1433 Morgen 94 Ruthen 39 Fuß einnimmt, befindet sich 999 Fußüber dem Rheinspiegcl bei Andernach. Dieser merkwürdige Wasser-Be-hälter soll, der Sage nach, durch mehrmals 39999 theils sichtbare, theilsunsichtbare Quellen genährt werden, eine Zahl, welche wenigstens aufdie -Hälfte vermindert werden dürfte.

Die Römer kannten den laacher See, was durch in seiner Umgebunggefundne Münzen der alte» Eroberer bewiesen wird. Er befand sich alsoschon im Beginn unsrer Zeitrechnung ungefähr in demselben Zustandewie jetzt. Bis um die Mitte des 12. Jahrhunderts hatte er keinen Ab-flug; erst als nach langen nnd heftigen Regen-Güssen das hoch anschwel-lende Wasser der 1993 von Heinrich II. von Laach gestifteten gleichnami-gen Abtei, am westlichen Ufer des Sees, den Untergang drohte, wurdedurch die Mönche, von 1152 bis 1172, ein unterirdischer Abzugs-Grabenangelegt, der gewöhnlich trocken ist, nnd nur beim Schmelzen des Schnees,oder nach heftige» Gewittern, den Wasser-Ueberfluß des Sees der Nettezuführt. Die Altcnbnrg, worauf Psalzgraf Heinrich hauste, stand demKloster gegenüber, an der östlichen Seite des Sees. Sie ist spurlosverschwunden. Die alleinige menschliche Ansiedelung, welche gegenwärtigin dem alten Krater besteht, ist die ehemalige reiche Benetiktincr-AbteiLaach, welche 1892 aufgehoben wurde nnd sich seitdem in eine großeMeierei verwandelt bat. Mit Ausnahme der Kirche und der Waldun-gen, die Staatsdomäne geblieben sind, gehört das Ganze seit 1329 derFamilie v. Delius. Mehre Nebcn-Gebäudc wurden abgebrochen, andrehaben sich in eine Branntwein-Brennerei, Stallnngcn ?e. verwandelt.Die schöne Kirche sworin sich das Grabmal des 1993 gestorbnen Stiftersbefindet, und die auch an andern Denkmalen reich war, welche theilszertrümmert, theils nach andern Orten versetzt worden), wird auf königl.Kosten wieder hergestellt. Bis jetzt ist sie indeß merkwürdiger durch ihreAußenseite als durch ihr Inneres. Das Gebäude ist im schönsten Nnnd-bogenstpl regelmäßig gebaut und mit 9 größern und kleinern Thürmengeschmückt. Der Eindruck, den diese zugleich imposante und malerischeGebäude-Masse auf den unterrichteten Besucher hervorbringt, in der ein-samen stillen Gegend, über dem dunkelblauen Spiegel des geheimniß-vollen Sees, von dem sie kaum 499 Schritte entfernt ist, umschlosseneinerseit von dem Rahmen eines dunkeln Waldes, auf der andern Seite(nach welcher in der Vorzeit die letzte» Lava-Strömungen sich ergossen)von den nackten Höhen der vier Kunsköpfe, ist ein eben so ergreifender,als nachhaltiger. Das jetzige Hofgnt Laach, aus 13 Gebäuden bestehend,hat nur 12 Bewohner. Während den letzte» Jahren des Bestehens derAbtei, befanden sich in derselben nabc an 39 Geistliche und fast eben soviele Dienstlente. Die ansehnliche Bibliothek, worin sich seltne Drucke,Handschriften und Urkunden befanden, ist verschwunden, ebenso die nichtunbedeutende Gemälde - Sammlung.

Haminerstcin, auf einem gewaltige» düstern Felsen, dessen Fugder Rhein bespült. Die Ucberrcstc der Burg sind wenig bedeutend. Siebestehen aus einige» zersplitterten Mauern, ohne Thürme, oder überra-gende Giebel. Der Sage nach stand diese Reichsfeste schon zn Anfangdes 19. Jahrhunderts. 1929 wurde sie von Kaiser Heinrich II. belagertnnd zerstört. Die Ableitung ihres Namens von Karl Martcl ist nnbc-^ gründet! vielmehr rührt derselbe von den benachbarten -Hammerwerkenher. Der von seinem treulosen Sohne verfolgte Heinrich IV. fand, nachseiner Entweichung aus dem Saal zn Nieder-Jngelheim, 1193 auf die-ser Burg eine sichere Zufluchts-Stättc. Auch blieben die Reichsklcinodienhier so lange im Verwahr, bis Heinrich V. sie abholen ließ. Ritter von