Uwischen Neuwied und ZSonn.
Ä^ndernach, mit 3300 Seelen. Es gehören dazu noch die Irren-,Armen- und Kranken-Anstalt S. Thomas, die gleichnamige Leder-Fabrik,die Häuser-Gruppen Briickenhaus, Ludwigshaus, Nctterhaus und Netteoder Netterhof, Neuwied gegenüber, die Wirthshäuser Bungenerhvf,Krahncnhaus, das Bleichhaus Autel, nebst mehren Höfen und Mühlen,welche zusammen noch von etwa 200 Jndiv. bewohnt werden.
Andernach ist ei» sehr alter Ort. Schon unter Zul. Cäsar soll hierein Römer-Kastell gestanden haben und 55 Jahr vor Christi Geburt eineBrücke über den Rhein erbaut worden sei», also noch 2 Jahre früher,als die bei Engcrs errichtete. Soviel ist gewiß, daß diese Stadt damals^»wniic»!» (wahrscheinlich 8>mio ante IVacuin oder die Station vor derNette) genannt mit zu den Römer-Festen gerechnet worden, welche unterDrusus am Rhein entstanden. Als Kastell wurde es 355 von den Alle-manncn erstürmt und zerstört. Vier Jahre nachher stellte es Julian wie-der her. Allein schon 407 nahmen es die Franken, oder ihre Bundes-Genofscn, abermals ein und schleiften es bis auf den Grund.
Welche Schicksale der nach diesen Ereignissen gewiß sehr unbedeutendeOrt bis zum Anfang des Mittelaltcrs gehabt, läßt sich nicht genau be-stimmen. In einer Schlacht zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig demJüngern von Deutschland, welche 870 bei Andernach geliefert wurde,erlitt der erste eine vollständige Niederlage und verlor seinen tapfer»Heerführer Reginhard. Otto der Große schlug 63 Jahre nachher in die-ser Gegend die fränk. und lotharing. Herzöge Eberhard und Giselbrccht.Kaiser Heinrich V. wurde hier lll-t von dem Erzbischvf Friedrich vonKöln besiegt, und aus Verwendung des letzten der Ort 12 Jahre nachherzur Stadt erhoben, deshalb mit Mauern und Graben umschlossen, nichtsdesto weniger aber 1199 durch Kaiser Philipp von Hohenstaufen geplün-dert und verbrannt. Schon unter der Regierung der austrasischeu Königewar ein Königshof entstanden, den zuletzt Siegbcrt bewohnte. Allmäligwar die Macht der Stadt gewachsen, die sich 1255 unabhängig erklärteund im 14., besonders aber iin 15. Jahrhundert, eine der bedeutender»des rhein. Städte-Bundes war, in welchem sie eine gewichtige Rolle spielte-Im 30jährigen Kriege wurde sie 1632 von den Schweden erstürmt undgeplündert, im orleansschrn Mordbrenner-Kriege aber von den Franzosenan 6 Orten angezündet und größtentheils in Asche gelegt.
Mehrmals zerstört und auf seinen Trümmern wieder aufgebaut, hatAndernach keine Ueberrcste aus der Römcrzcit mehr auszuweisen. Selbstdas sogenannte Römerthor, auf der Seite gegen Koblenz, ist nicht römisch,was schon aus dem Spitzbogenstpl desselben zu erkennen, hauptsächlich aberdurch eine im städtischen Archiv zu Andernach aufbewahrte Urkunde von1100 erwiesen ist, indem sich daraus ergibt, daß Erzbischvf Friedrich I. vonKöln die Ringmauer der Stadt aufgeführt. Lage, Bauart und das ganzeVerhältniß, worin das Thor zu der Stadtmauer steht, beweisen, daß esgleichzeitig mir der letzten entstanden ist. Die größtentheils noch vvrhand-nen Stadtgraben, welche zu Garte» verwendet sind, wurden, laut einerandern Urkunde, 1300 unter Erzbischvf Wichbold von Köln angelegt.
Die großartigen Ueberreste der im ersten Viertel des 12. Jahrhun-derts, von Erzbischvf Friedrich I. erbauten und 1638 im niederländisch-französ. Kriege von den Franzosen zerstörten crzbischöfl. Pfalz stehennicht auf dem austrasischeu Königshofe, wahrscheinlich aber auf den Trüm-mern der kaiserl. Pfalz, welche Friedrich der Rothbart seinem GroßkanzlcrReinold schenkte. Der vorbezeichnete Königshof erhob sich auf der nord-weftl. Seite der Stadt, an der Stelle der jetzt der Familie Armbrustergehörige» Garten-Anlage, bei deren Einrichtung in neuerer Zeit, sich inziemlicher Tiefe beträchtliche Grundmauern und andere Ueberrcste (nament-lich ein wohlerhaltenes Thor, einzig in seiner Art aus der Frankenzeit,welches auf dem Gute Pomerhof, bei Plaidt, 1 St. von Andernach,wieder aufgebaut ist) vorgefunden worden.
Ob die Sage, daß zur Zeit der Karolinger ein Tempel auf dem südl.von Andernach sich erhebenden Kirchberge gestanden, gegründet sei,läßt sich weder behaupten noch verneinen. Soviel ist gewiß, daß man selbst
noch in neuester Zeit große Sandstein-Särge auf jenem Berge ausgegraben.In diesen Särgen befinden sich gewöhnlich, nebst geringen menschlichenUeberresten, Aschcnkrüge von röthlichem Thon, Thränen-Fläschchen, Lämp-chen und Münzen. Es scheint somit erwiesen, daß dieser Friedhof von denRömern herrührt. Vielleicht diente er auch noch zu spätern Beerdigungen.
Durch die Zerstörung der Stadt, gegen Ende des 17. Jahrhunderts,wurden mehre der vorzüglichsten hier gcstandnen Edclhöfe vernichtet, na-mentlich die der Hußmann von Andernach, Benrat, Nickcnich, Harff, Dall-wig, Rheineck, Hammerstein, Wolf-Metternich w. Nachstehende Höfe blie-ben bei jenem Brande verschont: der des nachhcrigen Fürsten von derLepcn, jetzt Eigenthum des Kreisphysikus v> . Moll; jener der Schillingvon Lahnstci», der vor einigen Jahren abgebrochen wurde, der in derPfaffen-Gasse gelegne Meringerhof, jetzt Anfangs-Schule für Mädchen,und der in der Biirrcsheimcr-Straße befindliche Hof der Grafen vonBürresheim, wovon nur noch die Ringmauern, nebst zwei Thoren, sicht-bar sind; ferner sind aus frühern Zeiten noch vorhanden: der rundeThurm auf der Nordwcstscite der Stadt, von 1414 bis 1468 erbaut; dasRheinthor, von Erzbischvf Hermann aufgeführt (das daraufstehcnde Zoll-haus ist aus dem letzten Viertel des 17. Jahrh.); das Franziskaner-Kloster, unter Erzbischvf Theodorich erbaut. Es dient jetzt als Zeughausfür den Landwchrstamm und als Kaserne einer Batterie rettender Ar-tillerie. Die dazu gehörige große Kirche, die in baulicher Beziehungthcilweisc merkwürdig ist, wird als Pfcrdestall und Magazin benutzt.
Gebäude aus spätern Zeiten sind: der 1554 errichtete Krahnen; dasDeutschherrcnhaus, in der Ncugasse, 1573 erbaut; das in der Hauptstraßevon Andernach, der Hochstraße (welche die Stadt der Länge nach durch-schneidet) bereits erwähnte lepische Haus, angeblich von 1620; das Rath-haus von 1560, i» derselben Straße, in dessen Hintcrhof sich daö soge-nannte Judenbad befindet; das sogenannte Graunonnen-Kloster, von 1583,in der Nonnen-Gasse, welches, nebst der dazugehörigen Kirche, die hübscheFresken enthält, jetzt als städtisches Hospital dient, in der ersten Hälftedes vorigen Jahrhunderts erbaut. Bis 1842 enthielt dies Kloster dasLokal der höhern Bürgerschule, für welche seitdem ein großartiges Ge-bäude an der Hochstraße errichtet worden. Diese Gebäude, nebst der große»Pfarrkirche, dem schönen hohen 1683 beschädigten Mauerthurm auf derNordost-Seite, dem Meringerhof, den Gasthäusern zur Lilie und zumruss. Kaiser, in der Hochstraße, dem PostHause, der dem Kloster Mal-mcdie früher gehörigen Probstei, dem Zehntcrhof des ehemaligen KlostersSt. Thomas, den Gasthäusern zur Glocke und zum Stern, der Löwen-Apotheke und dem Himeroderhof, sind die vorzüglichsten der Stadt.
Andernach trägt den Stempel seines Alters auch »och auf sich iuseinen engen nicht in gradcr Linie gebauten Gassen, seinen ziemlich hohenHäusern, deren Spitzgiebel häufig nach vorn gerichtet sind und einemallgemeinen etwas düstern Anstrich, der es besonders auffallend von demnahen Neuwied unterscheidet. Die kurfürstliche Pfalz besteht aus dickenvon nur wenigen Fenster-Oeffnuugen durchbrochenen Mauern, überragtvon einem hohen und starken viereckigen, noch bewohnten und einem run-de» verödeten Thurme, die Zeit und Wetter Trotz zu bieten scheinen. Einsehr beschädigtes Steinbild ist auf der Außenseite eingemauert. Von derKaiserpfalz auf derselben Stelle find nur noch einige halbe Gewölbe undandre Maucr-Ucberreste im Stadtgraben zu sehe».
Die schöne, aus Bimsstein erbaute St. Genofeva-Pfarrkirche, mitihren 4 Thürmen (wovon die gegen Nvrdwest, an der Hanptscite desehrwürdigen Gebäudes, die beiden höhern und die auf der entgegenge-setzten oder Stadtseite die niedrigern sind), ist augenscheinlich sehr alt,wenn sie auch nicht in ihrem Hauptbau, wie behauptet wird, aus denZeiten der Karolinger herrührt. Nach Browcr (-4nmü. 'I'rev. I., S. 445)schenkte Kaiser Ludwig das Kind diese Kirche 911 dem Erzbischvf Ratbodzu Trier. Man vermuthet daher, daß sie von dem cbengenanntcn Kai-ser erbaut worden, und zwar um 908. Aus dieser Zeit kann aber, derBauart nach n»r noch der nördl. Chorthurm herrühren; der Chor, das