Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Blüthen in Fülle streut und von vielen Nachtigallen, wie von andernSingvögeln, belebt ist.

Aeltere evangelische oder reformirte Kirche. Sie wurde1671 von dem Grafen Friedrich, nach dem von Cancrini entworfenenPlane, gegründet und 1684 vollendet, 1819 mit einer neuen Empor-bühne und Orgel geschmüekt, 1837 im Innern und Aeußern erneuertund mit einem Ofen zur Winter-Heizung versehen. Ein einfach hüb-sches Gebäude, hat sie einen niedrigen mit Schiefer bekleideten Thurmund steht zwischen dem Markt, der Markt- und der Engcrö-Straße.Jüngere evangelische oder lutherische Kirche, in der Rhein-straßc, erbaut 1763, und 1822 bis 1824 ganz neu wieder hergestellt.Sie hat einen schönen ziemlich hohen Spitzthnrm und eine trefflicheOrgel. Die von 1698 bis 1728 aufgeführte wenig große und an-sehnliche katholische Kirche, im obern Theile der Marktstraße, istim Innern wie im Aeußern sehr einfach und für die dazu gehörigestarke Gemeinde fast zu klein. Das Gotteshaus der evangelischenBrüder- oder Herrnhuter-Gemeinde, am östlichen Ende derFriedrichs-Straße, wurde von 1783 bis 1785 erbaut. Es zeichnet sichbesonders durch seine Einfachheit und innere Reinlichkeit aus, enthältnur eine Orgel, Stühle und einen Tisch, woran der Geistliche sitzt,dagegen keinen Altar, noch andre Ausschmückungen. Auf der Außen-Seite kommt dazu blos ein kleiner Schieferthurm. Die thurmloseMenoniten-Kirche, 1774 erbaut, ist dem Schloß gegenüber, amEck der Schloß- und Rheinstraße, gelegen. Sie unterscheidet sich aufder Außen-Seite nicht von einem gewöhnlichen Hause und hat einekleine Orgel. Der Bctsaal der Jnspirirten ist in einem Pri-vathausc. Die Synagoge, in der schmälern Verlängerung derEngers-Straße gegen den Park, hat, nächst ihrer eigenthümlichen in-ner» Einrichtung, nichts merkwürdiges, als die hebräische Inschrift:Morgens stehe ich auf, Dich Gott anzubeten", wovon das erste Wortzugleich die Jahrzahl 5593 nach Erschaffung der Welt, oder l747 derchristlichen Zeitrechnung, in welchem das Gebäude aufgeführt worden,andeutet. Das 1825 und >826 erbaute Kasino, in der Schloß-straße, ist ein hübsches Gebäude, mit einem auf 4 rothen geripptenSäulen ruhenden Altan. Auch das 13l9 durch Wenz gebaute fürstlicheRegierungs-Gebäudc, das Rath Haus von 1699, die Brüder-Häuser von 1759 und die Schwester-Häuser von 1787 (ersterevon etwa 199 ledigen Brüdern größtenthcilS Handwerkern underwachsenen Knaben, letztere von ledigen Frauenzimmern und Mädchenbewohnt); das v. pölckensche Haus, an der nach Heddcsdorf führen-den Straße (zugleich Zeughaus für das hier stehende I. Bat. des29. Landwehr-Regiment), dieses wie jene mit schönem Garten; dasbianchische Haus in der Engers-Straße, das Schullehrer-Seminar, dasGasthaus zum rheinischen Hof, u. m. a. gehören zu den schönern Ge-bäuden der Stadt.

Sehenswürdigkeiten. Die Sammlung römischer Alterthümer,im Erdgeschoß des Seiten-Gebäudes neben dem Marstall, enthält ver-schied»? sehr wichtige und interessante Gegenstände, wovon die vor-züglichsten bereits oben angedeutet sind. Um sie i» Augenschein zunehmen hat man sich a» den Aufseher Dietz zu wenden, durch denman auch in die aus mehren tausend Bänden bestehende fürstlicheBibliothek in demselben Gebäude und in das naturhistorische Museum,Kuriositäten-Kabinet, ie. des Prinzen Maximilian zu Wied, welchesseit 1817 in dem Fasanerie-Gebäude des Schloßgartcns aufgestellt ist,eingeführt wird. Bekanntlich sind sämmtliche hier vorhandne Gegen-stände von dem Prinzen selbst, während seiner ersten Reise von 1317bis 1821 durch die unbekannten Wälder und Einöden Brasiliens, wieauf seiner zweiten, vor einigen Jahren beendeten, Reise im InnernNordamerika'S, gesammelt, beschrieben und mit schönen Stahlstichen, nach

Zeichnungen von Bodmer (des Prinzen Begleiter) veröffentlicht worden.Die seltensten der hier befindlichen ausgestopften Thiere sind vieleQuadrumanen (Affen), fliegende Säugethiere, Bären, Vielfraße, u. a.Raubthierc; ferner sehr viele kleinere Vierfüßler, Wiederkäuer, Vögel,Amfibien, zc., nächstdem noch eine Menge cthnografischer Gegenstände,besonders Waffen, Geräthschaften und Anzüge amerikanischer Völker.

Anstalten. Die vorzüglichste Unterrichts - Anstalt in Neu-wicd ist das seit 182l vollkommen konstituirte und aus k. Kassen fun-dirtc evangelische Schullehrer-Seminar für die Regierungs-BezirkeKoblenz, Köln, Trier und Aachen. Sein Lokal befindet sich in derPfarrstraße, in dem ehemals der Familie von Röntgen gehörige»Hause, worin Lehrer und Zöglinge wohnen. Die Zahl der ersten be-trägt 3 und die der letzten 36. Diese werden nach vorhergegangenerPrüfung, Behufs der erforderlichen Kenntnisse, aufgenommen und ha-ben einen zweijährigen Kursus zu machen. Seit einiger Zeit ist mitdem Seminar noch eine Vorbereitungs-Klasse verbunden, worin Kna-ben von 14 bis 17 Jahren während zwei Jahren für das Seminarherangebildet werden. Die höhere Bürger-Schule im Rathhause be-steht seit 1825 in 3 Klassen, der drei Lehrer vorstehen. Sie zählt imGanzen 75 Schüler. Das Schulgeld beträgt 12 Thaler jährlich.Jede der drei Hauptgemeinden, die evangel. rcform., die cvangel.luther. und die kathol., hat ihre besondere Anfangs-Schule i» 3 Klas-sen, mit 3 bis 4 Lehrern, wovon 1 Oberlehrer. Jede Klasse enthält199 bis 119 Kinder, Knaben und Mädchen. Das jährliche Schulgeldbeläuft sich auf 2 Thlr. Die Schule der evangel. reform. Gemeindewird gewöhnlich nur die Stadtschule genannt; die der evangelischluther. Gemeinde ist seit 1835 zugleich Seminar-UebungSschule. Siebesteht seit 1729; das jetzige Schulhaus wurde 1773 erbaut. ErstereGemeinde hat auch eine Armen-Schule. Menoniten und Jnspirirtcschicken ihre Kinder in die Schule der reformirten Gemeinde. Pri-vat-Erziehungs-Anstalten sind: 1. die der Herrnhuter oder der Brüder-Gemeinde. In den für Knaben bestimmten Klassen befinden sich 79Schüler, unter 12 Lehrern, und in den für Mädchen 49 Schülerinnenunter 7 Lehrerinnen. Die jährliche Pension beträgt 113 Thlr. 2. DieHaen'sche Erziehnngs-Anstalt und höhere Töchter-Schule, errichtet1827, bestehend aus 3 Klassen, mit 6 Lehrern, 5 Lehrerinnen, 29 Pen-sionärinnen und 23 Externen. Diese Anstalt befindet sich in einemgroßen und schönen, 1849 zu einer Erziehungs-Anstalt eigens erbautenHause, am ober» Ende der Schloßstraße, mit herrlicher Aussicht überdie Umgegend und den Rhein. 3. Weil'sche ErziehungS-Anstalt undhöhere Töchter-Schule, dem fürstl. Schlosse gegenüber, errichtet 1834,mit 4 Lehrern und 4 Lehrerinnen (wovon 1 Französin und 1 Englän-derin) und 24 Pensionärinnen. 4. Knaben-Erziehungs-Anstalt deszweiten Predigers der evangel. ältern Gemeinde A. Meß, i» derRheinstraße, worin sich gewöhnlich 19 bis 29 junge Ausländer, na-mentlich Briten, befinden. 5. Erziehungs- und Unterrichts-Anstalt vonP. E. van Mark, in der Schloßstraße, ebenfalls für Knaben, mei-stentheils Ausländer. Andere Lehranstalten sind: die Sonntags-Schule für Handwerker, namentlich Bauhandwerker-Lehrlinge undGesellen, seit dem 1. August 1841, mit durchschnittlich 62 Schülernund 4 Lehrern, und eine Schule für ganz kleine Kinder.

Wohlthätigkeits-An stalten. Die allgemeine Armen-Anstaltwurde 1894 errichtet. Das Versorgungshaus in der Friedrichs-Straße,worin sich 48 Personen (einschließlich 16 Kinder) befinden, steht untereinem Verwalter, die oberste Leitung aber unter der Armen-Kommis-sion. Es ist damit ein Krankenhaus für fremde Gesellen verbunden.Die bürgerliche Krankenverpflege - Gesellschaft erwuchs 1326 ans ei-ner frühern Stiftung von 1794. Ein Verein zur Erziehung sittlichverwahrloster Kinder bildete sich 1829. In demselben Jahre entstandauch der Frauen-Verein. Das Kleinsche Legat von 18,599 Thlr. wirdin seinen Zinsen zur Unterstützung an HauSarme verwendet. Außerdiesen allgemeinen städtischen Anstalten hat noch jede Gemeinde ihrebesondern Armen- und Kranken-Kassen. Auch besteht seit 18l6 eineBibel-Gesellschaft und seit 1826 ein Missions-Verein.