der ansehnlichste ist. In dieser Straße befinden sich auch, am Markt,die reformirte und weiter oben die katholische Kirche.
Mittel-Straße, beginnend an der Rheinstraße und endigendan der obern nach Heddesdorf führenden Straße, die zum Theil eben-falls mit Häusern besetzt ist. Es befinden sich darin die Gasthäuserzweiten und dritten Preises: Nassauer Hof, schwarzes Roß, weißeTaube, weißes Roß, Gutenberg, goldner Ring, goldner Stern,schwarzer Ochs, drei Könige, Lilie, Jäger, :c., die Hofbuch- undKunst-Handlung von G. A. van der Beeck, die Buchdruckerei, Buch-handlung und Leihbibliothek von Lichtfers, die Schreib - und Zeichnen-Materialien-Handlung von Heuser, die Engel-Apotheke, die Möbel-Fabrik von Thiel und das k. Steueramt; nebstdcm noch viele Kauf-laden und Werkstätten.
Schloßstraße. Sie beginnt am Rhein, unmittelbar vor demfürstlichen Schlosse, und endet an der Erziehungs-Anstalt von de Haen.Zur Linken, jenseit des Schloßhofes, ist das fürstl. Schloß, mit 2 Sei-ten-Gebäuden, und das der fürstl. wied'schen Regierung. Zur Rechten sinddie Gasthäuser zweiten und dritten Preises: Riese, Dahl, Stadt Köln, gold-ner'Karpfen, Hepmann^Salomon, goldner Pflug und Engel, die Wein-und Billard-Wirthschaft zu den drei Schweizern, die Hof-Apotheke, dasKasino und das große Gebäude, worin sich die obengenannte Erzie-hungs-Anstalt befindet. Auch wird diese Straße durch ziemlich vieleLaden und Werkstätten belebt. An ihrem obersten Ende hat man eineschöne Aussicht gegen Heddesdorf, Jrlich und das Lustschloß Monrcpos,wie über das Feld, welches die alte Römer-Straße durchschnitt.
Pfarrstraße, südlich von der Marktstraße, mit einigen großenund hübschen Häusern, namentlich das vom Grafen Alexander zu einerArmen-Anstalt erbaute, später als GesundhcitS-Geschirr-Fabrik vonRemp und Barensfeld verwendete Gebäude, das 1795 von den Fran-zosen in Brand gesteckt und 1890 neu aufgebaut wurde. Man liest anihm noch die Steinschrift: „Gedenket der Armen." Ferner das der Fa-milie Bianchi, am Eck der Engers-Straße, und das des k. Schullehrer-Seminars, mit einer großen Freitreppe. In dieser ruhigen Straße istauch das Gasthaus dritten Preises: Stadt Trier.
Friedrichs-Straße, dic^südlichste der 5 Länge-Straßen. Es be-finde» sich in ihr die Brüder- und Schwester-Häuser, nebst der Kircheder Herrnhuter-Gemeinde. Uebrigcns sind hier, wie in der Pfarr-straße, keine Laden, weshalb beide ein wenig belebtes Ansehen haben. —Die Querstraßen sind, vom Rhein hinweg:
Rhein straße, beginnend a» der Schloßstraße und etwas überdie Friedrichs-Straße hinausreichend. Es sind in ihr die Gasthäuserersten Preises: rheinischer Hof und goldner Anker, nebst den zweiten unddritten Preises: wilder Mann, Engelsburg, goldner Karpfen, guterMann, die Weinwirthschaft zum deutschen Haus, die Bierbrauereienbei H. Michel, rother Löwe und C. Michel, die Konditorei von Mütterund die k. Salzfaktorei.
Kirchstraße, ebenfalls von der Schloß- bis zur Friedrichs-Straße reichend. Sie enthält mehre Kaufladen und das Gasthauszweiten Preises: goldne Krone. ES wohnen viele Handwerker undLohnkutscher in dieser Straße, welche sich an dem
Markt vorüberzieht. Derselbe ist mit sechs Reihen Platanen aufden vier Seiten bepflanzt. Er bildet ein längliches Viereck von119 Schritt oder 275 Fuß Länge und 52 Schritt oder 139 Fuß Breite.Auf diesem Platze, an welchem die ältere evangelische oder reformirteKirche steht, werden am Mittwoch und Samstag die Wochen-Märkteund die sieben Jahrmärkte gehalten. Auf der Westseite dieses Platzesist die Möbel-Fabrik und Eisenwaaren-Handlung von I. W. Vetter.
Engers-Straße. Sie beginnt an der Schloßstraße, durch-schneidet sämmtliche Länge-Straßen der Stadt und endet an dem Gar-
ten der Hcrrnhuter-Gemeinde, von wo die Landstraße weiter nach En-gers führt. Ohne die Sackgasse bei der Juden-Schule, hat sie eineLänge von 749 Schritt, oder 1859 Fuß und eine Breite von 19 Schrittoder 49 Fuß. Mit Ausnahme der Markt- und der Luisen-Straße istobige Breite die aller übrigen Straßen von Neuwied. Obgleich nichtganz ohne Laden und Werkstätten, ist die EngerS-Straße, worin sichnur ein Gasthaus zweiten Preises: der alte Riese, befindet, doch ziem-lich still, vorzüglich an ihrem Ende, wo sie mit den Schwester-Häusernzur Linken und hübschen Privat-Häusern zur Rechten besetzt ist.
Luisen-Straße, oder Luiscnplatz, von ungleicher Breite, diejedoch, so weit die mit vier Reihen junger Linden bepflanzten Abthei-lungen reichen, welche früher drei kanalähnlichc Schwanen-Teiche bilde-ten, mit Einschluß der Bürgersteige zu beiden Seiten, 44 Schritt oder119 Fuß beträgt. Der mittlere ungepflasterte Theil dient als Fahrstraße.Am obern Ende sind mehre schöne Häuser, deren Zahl »och durch einvon der Negierung zu erbauendes Schullehrer-Seminar vermehrt wird.Es sind an diesem Platze die Gasthäuser dritte» Preises: wildes Schwein,goldnes Roß und Viehhof, nebst der Konditorei von Ries, den Ladendes Hoftapezierers Knecht und des Hofklempners Straßburger. — Dieletzte oder obere Straße, an welcher die Schloß-, Mittel- und Markt-straßen enden, und wo die nach Heddesdorf und Dierdorf führende Land-straße beginnt, hat noch keinen Namen.
Merkwürdige Gebäude. Das fürstliche Schloß zeichnetsich weniger aus durch Größe und imposante Bauart, als durch ge-schmackvolle innere Einrichtung. Durch den Grafen Friedrich Wilhelmzu Wied-Neuwied von 1797 bis 1722 erbaut, besteht es aus einemMittel-Gebäude von 189 Fuß Länge, vor welchem sich, gegen die Stadt,inmitten des Schloßhofes, ein großer, runder Rasenplatz befindet, umden sich der durch 4 vergoldete Laternen erleuchtete Fahrwog zieht.Zwei Seiten-Gebäude, unzusammenhängend mit dem Wohnhause desregierenden Fürsten, Herrmann, jedes ebenfalls von 189 Fuß Länge,find auf beiden Seiten des Vorplatzes gegen die Stadt hin gebautund von dieser durch ein hohes Eisen-Gitter geschieden, neben dessenEingang, über welchem das fürstliche Wappen angebracht ist, sich 2achteckige Pavillons erheben. Gegen den Rhein, neben dem Gebäude,worin die Rentei, die Kellerei und Beschließerei sich befinden, ist einemit 5 Baumreihe» bepflanzte Terrasse, die sich, mit nur einer Baum-reihe, hinter dem eben bezeichneten Seiten-Gebäude bis zur Batteriezieht, auf welcher 3 eiserne Fünfpfünder aufgepflanzt sind. Man hatvon hier eine hübsche Aussicht auf das linke Rheinufer, die fliegendeBrücke, den Ludwigshof, die Nette, den Hummerich bei Plaidt, denKamillenberg, sieben andre Gipfel der Vorder-Eifel, den Hochsimmer,Gänsehals und die übrigen Höhen am laacher See, Andernach, Fahr,Jrlich, :c. ic.
Hinter dem Hauptgebäude beginnt der Schloßgartcn oder fürst-liche Park, der auch durch eine schöne Allee bis zu dem zweiten Sei-ten-Gebäude reicht, worin sich das Hofmarschallamt und der Marstallbefinden. Daneben, gegen den Garten gerichtet, ist das Wohnhausdes berühmten Reisenden in Brasilien, des Prinzen Maximilian, undseines Bruders, des Prinzen Karl, welcher letzte ein trefflicher Maler,auch im Portrait, ist. Jener ist 68, dieser 64 Jahre alt. Im unternStockwerk dieses Hauses ist die fürstliche Bibliothek und die sehens-werthe Alterthümer-Sammlung aufgestellt. Etwas tiefer im Gartenist das ehemalige Fasaneric-Gebäude, mit dem schönen Naturalien-Kabinet des Prinzen Max. Der fürstliche Garten ist vor einigen Jah-ren bis zum Wiedbach, bei Jrlich vergrößert worden. Er enthälteinzelne zerstreute Häuser, Alleen, Ruheplätze, -c. und bietet abwech-selnde, bald aussichtreiche, bald schattige Spaziergänge für Einheimischeund Fremde, da er stets offen ist und der Eintritt niemand verweigertwird. Sehr reizend ist vorzüglich dieser Park im Frühling, wo er seine