7, August 1791, in einem Alter von S5 Jahren. Das zu seinem An-denken errichtete Monument trägt die Inschrift: „Zu groß, ersetzt;zu gut, vergesse» zu werden."
Hundert Jahre nach der ersten Verwüstung durch die Franzosen,wurde Neuwied von denselben wieder heimgesucht. Viele Personen,von dem während der Revolution ausgewanderten französischen Adel,fanden hier während der Jahre 1791 und l792 eine Zufluchts-Stätte,wodurch viel Geld in Umlauf kam. Es bildeten sich Reiter-Geschwaderaus ihnen, welche in der Umgegend ihre Uebungen anstellten. DieHeerhaufen der Republik verscheuchten sie >795 und folgende Jahre.Die letzten standen anfänglich auf dem linken, die der Oestreicher(Kaiserlichen) auf dem rechten Rhcinufer, weshalb die Stadt, vor-züglich vom 5. Juni 1795 bis in die Mitte des Septembers 1797, dieSchrecken des Krieges, selbst die eines Gefechts in ihrer Nähe und i»ihren Straßen und die einer mehrmals wiederholten thcilweisen Be-schießung, zu ertragen hatte. Zu den Kriegsverheerungen gesellte sichnoch der Aufenthalt einer Räuber-Bande, uuter dem berüchtigten Fetzer,die nicht allein in der Umgegend, sondern auch in der Stadt selbst,viele Verbrechen verübte. Von 1803 bis 1815 unter nassauischer undseitdem unter preußischer Landes-Hoheit, nach wie vor als Standes-Herrschaft jedoch immer unter wiedischer Negierung stehend, hat sichder blühende Zustand von Neuwied stets vermehrt, und diese Stadtgehört jetzt zu denen, welche man als eine der freundlichsten und ge-werbigsten am Rhein betrachten kann; da ihr Wohlstand allein auf demFleiß ihrer Bewohner beruht und sonst keine Zuflüsse hat. Der Billigkeitder Wohnungen und Lebensmittel wegen, halten sich ziemlich vieleFremde, namentlich Engländer, hier auf, die der Reiz der Umgegendlängere Zeit fesselt und die selbst am fürstlichen Hofe freundliche Auf-nahme und Zutritt finden.
Wappen. Es besteht aus einem Thorthurm, mit einer darüberbefindlichen fürstliche» Krone.
Alterthums-Ucberreste. Schon bei der Gründung von Neu-wied wußte man, daß während der Römer-Herrschaft in dieser Gegendbei Nicder-Biber eine Kricgsstadt der alten Eroberer gestanden habe.Auf einigen Punkten waren die Ueberreste derselben noch ziemlich gutauf der Oberfläche der Felder zu erkennen. Es erschien darüber 1687eine erste Schrift, von N. Duillius. Später wurde Fürst Alexanderdurch den Pfarrer Caesar, in Heddesdorf, auf jene Ueberbleibsel auf-merksam gemacht; regelmäßige Nachgrabungen begannen jedoch erst1791, unter der Leitung des Jngcnieur-Hauptmanns Hoffmann, derdarüber ein eigenes Schriftchen veröffentlicht hat.
Die Lage des Dorfes Nieder-Biber, ^ Stunden vom Rhein, aufeiner schönen Hochebene, war, nach den strategischen Begriffen derRömer, vortrefflich zur Anlegung eines Kriegsplatzes geeignet. Die-ser, dessen Name nicht geschichtlich festgestellt ist, hatte eine regel-mäßige, länglich-viereckige Form, mit abgerundeten, Ecken und warvon Nord gegen Süd gerichtet. Seine Länge betrug 840 und seineBreite 631 rhein. Fuß. Es war von einer 5 Fuß dicken Mauer (größ-teuthcils Guß- und Kastenwerk), mit vorspringenden Thürmen, um-schlossen. Die Port» ,>raotori» war auf der nördlichen, die Port»llecu»,»»» auf der südlichen Seite. Außerdem hatte dies befestigteWinter-Lager noch 4 andre Pforten: die Port» princi,.»Iis sioistr»und die Port» guiotona gegen Abend, wie die Port» priireijislis «Irxtraund die zweite Quillt»»» gegen Morgen. Auf der Ebene bei Heddes-dorf, zum Theil noch auf der Stelle dieses letzten, stand eine bürger-liche Niederlassung, von der man zahlreiche Ueberreste entdeckt hat.Von diesem Vieus, oder Weiler, ging eine Römer-Straße in graderRichtung gegen den Rhein. Da sie fast überall 6 bis 10 Fuß unterder gegenwärtigen Oberfläche sich befindet, läßt sich daraus folgern,daß das Rheinbette damals tiefer ligen mußte als jetzt.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Trümmer der von denDeutschen zerstörten Römerstadt zu verschicdncn Bauten in der Umge-gend verwendet. So ist namentlich die Kirche in Nieder-Biber augen-scheinlich aus römischen 'Bruchstücken aufgeführt worden. Daß, wasvon jenen auf der Oberfläche und nahe unter derselben noch vorhandenwar, auf solche Weise sich sehr vermindern mußte, begreift sich leicht.Wurden, wie Hoffmann annimmt, die meisten benachbarten Burgen,Wartthürme, rc. aus den Ueberbleibscln des Kastells erbaut, so darf mansich nicht wundern, daß jetzt von jenem wenig mehr zu sehen ist, undKornfelder die Oertlichkeit decken, wo es stand. Wie gesagt, wurde»die Nachgrabungen 1791 auf regelmäßige Weise begonnen und bis1826 fortgesetzt. Aeußerer Umfang und innre Gestalt des Kriegs-Platzes wurden dadurch festgestellt, Grundmauern von Tempeln, Bä-dern, rc. entdeckt, und endlich das Ganze wieder zugeschüttet.
Die hier gefundnen Bildhauer-Arbeiten, Steinschriften, Gefäße,Waffen, Münzen und andre Gegenstände sind in einem Seiten-Gebäude des Schlosses aufgestellt. Von Dorow und Hundeshagenwurden neue Nachforschungen vorgenommen und das Ergebniß,der-selben in der Schrift: „Römische Alterthümer in und um Neuwied,"niedergelegt. Die in dem Kastell ausgegrabne» Gegenstände sind vor-züglich: 1) Münzen von Gold, Silber (322 Stück), Groß-, Mittel-und Äleinerz (zusammen nahe an 300 Stück).' Diese Münze» erstreckensich von Augustus bis Konstantin dem Großen, doch fehlen in derReihefolge solche von mehren Kaisern. 2) Schilde, Silber-Platten,Ringe, Medaillons und Pasten, von Gold und Silber. 3) Gegen-stände aus Bronze, namentlich ein trefflich gearbeiteter Genius, derInschrift nach aus dem Jahr 246 nach Christi Geburt, oder 999 nachGründung Roms; ein kleiner Merkur, ein Minervakopf und sehr vieleandre Bruchstücke; ferner solche aus Blei und aus Eisen. 4) Waffenund Kriegs-Geräthe. 5) Instrumente, Zaumzeug, Werkzeuge verschie-dener Handwerker, besonders von Schuhmachern, Tischlern, Fleischern,Sattlern, Straßen-Pflasterern, :c. 6) Eine Pflugschaar. 7) Götzen-Bilder und andre Figuren aus Thon, Gefäße, rc. 8) Glas-Gefäße.9) Steindenkmale, Gelübde-Steine, Bildsäulen und Bruchstücke vonsolchen, Mühl- und Schleifsteine, rc. 10 Siegelwachs, Griffel, Falz-beine, rc. Außerdem wurden noch mehre Römer-Gräber eröffnet unddarin sowohl Gebeine als Lampen, Glasflaschen, rc. gefunden.
Von alten Römer-Straßen hat man, sowohl, im Bereiche der StadtNeuwied selbst (namentlich beim Bau der Menoniten-Kirche und derbenachbarten Häuser, im Schloßhofe und in einem der Husaren-Ka-serne gegenüber befindlichen Garten), als auch zu Heddesdorf undin der Richtung von diesem letzten gegen Gladbach, wie von Nieder-Biber gegen Gladbach und Rommersdorf, mehr oder weniger gutcrhaltne Ueberreste entdeckt. Die oben erwähnten Gräber waren inder Nähe dieser Straßen gelegen.
Oertlichkeits - Zustände. Neuwied besteht aus 5 Längen-Straßen, vom Rhein gegen die Berge, und-4 Querstraßen, von Südnach Nord. Die Stadt wird also von 9 Straßen durchschnitten, wo-durch 25 zum Theil noch nicht ganz bebaute Quadrate entstehen. DieseStraßen find nachstehende:
Marktstraße, die schönste und belebteste von allen. Sie beginntan dem Punkte, wo die fliegende Brücke anlegt und erstreckt sich aufeine Länge von 776 Schritt oder 1940 Fuß, bis zum Anfang der nachHeddesdorf führenden Landstraße. Ihre Breite beträgt 22 Schrittoder 55 Fuß. Es befinden sich in ihr mehre Gasthäuser zweitenund dritten Preises, nämlich wilder Mann, Lamm, Sonne, rotherOchs und goldnes Roß, die Bierbrauereien von Hcrrmann und zumweißen Stern, die Konditoreien von Groth, Wclcker und Kaiser, wel-cher letzte auch eine Schokoladen-Fabrik hat; ferner, bis zur Luisen-Straße, viele Kaufladen, wovon der des Hofteppichmachers Habernicht