Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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unbeachtet bleiben. Der eben genannte Flecken von 70V Einw.liegt s/4 Stunden nordöstlich von Weilburg, am rechten Lahn-Ufer. Seine Burg, deren Erbauer Graf Johann von Nassau-Dillenburg war, ist ganz verfallen. Die in dem Hütten- undHammer-Werke zu Audenschmiede, Weiler von 60 Einwohnern,s/4 Stunden oberhalb Weilmünster, verfertigten Zirkulir-Oeftnwerden ziemlich weit verschickt.

Durch die beabsichtigte vollständige Schiffbarmachung derLahn bis Gießen oder Marburg, würden auch Handel undVerkehr von Weilburg sich vermehren, und die jetzt noch wenigbedeutende Schiffbauerei auf der hiesigen Werft könnte zugrößerer Entwickelung gelangen. Hinsichtlich dieser Schiffbar-machung beabsichtigt man ein Weilburg unmittelbar betreffendesgroßartiges Unternehmen, nämlich einen Tunnel, oder unter-irdischen Kanal, der von der Gegend des untersten Wehrs die-ses, wie das oberste Wehr, mit Inbegriff der Wasser-Leitungs-und der eigentlichen Lahnbrücke, umgehen, und unter der nachWetzlar und Frankfurt führenden Straße hindurch geführt wer-den soll. Der Kosten-Anschlag für die beabsichtigten Arbeitenbeläuft sich auf 120,000 fl.

Gewiß ist es Weilburg zu wünschen, daß es wieder zueiniger Aufnahme gelange, was, im Verein mit einer regel-mäßigen Beschiffung der Lahn, durch leicht gebaute Dampfbote,von der Mündung dieses Flusses bis hierher, auch durch einenoch größere Entwickelung des Bergbaues und der Ausbeutungder schönen Wälder in der Umgegend, erzielt werden kann.

Die Umgebung der Stadt gehört zu den malerischsten undreizendsten im Hcrzogthnm Nassau. Auf keinem Punkte bietensich so mannigfache und großartige Fluß-, Fels- und Wald-partien, als bei Weilburg. Die vielfach sich wiederholendenKrümmungen der Lahn, die auf eine kaum einstündige Streckeviermal nach der Richtung, von woher sie gekommen, zurück-zuströmen scheint; die tiefeingeschnittcnen Thäler und Schluchtenzu beiden Seiten, namentlich der Thalgrund des Weilbaches,der bis zum Feldberg hinanreicht, und wo es von Ortschaftenwimmelt, wovon der Flecken Weilmünster, mit 1500 See-len, die bedeutendste ist; der I V4 Stunde von der Stadt ent-fernte Thiergarten, bei Hirschhausen, ein von einer hohenMauer umschlossenes Viereck von Stunde im Umfang, worinnicht allein das verschiedenartigste Edelwild gehegt wird, son-dern auch mehrhundertjährige Eichen und Buchen ihre gewal-tigen Laubdächer ausbreiten: das sind nicht von Menschenhand,sondern von der Natur geschaffene, prachtvolle Gegenstände,welche man nirgend so nahe zusammengedrängt und in solchemVollmaße genießen kann, wie hier.

Dadurch sowohl, als durch seine eigenthümlich romantischeund schöne Lage, hat Weilburg viel Anziehendes für den Rei-senden, und es ist außer allem Zweifel, daß wenn die Verbin-dungs-Mittel, namentlich auf der Lahn, zu größerer Erleich-terung gediehen sein werden, diese so idyllisch gelegene Stadtin der schönen Jahreszeit ein Licblings-Aufenthalt wohlhabenderFremden werden wird.

Die Geschichte dieser Stadt ist nicht ohne besonderes In-teresse. Als Wilinaburg wird sie schon im 9. Jahrhundert ge-nannt. Sie war der Hauptsitz des salisch-konradinischen Ge-schlechts, wo der 905 im Treffen bei Fritzlar gebliebene GrafKonrad von seiner Gattin und seinen Söhnen beerdigt wurde.Auch erblickte hier sein Sohn Konrad, der nachherige König derDeutschen, das Licht der Welt, doch schon 918 trugen ihn dietrauernden Franken in seiner Stadt (in Livitsto su->) Wilina-burg zu Grabe. Sechs Jahre vorher war hier von ihm dasWalburgisstift gegründet worden, welches im Jahr 1000,nebst dem Orte, an das Bisthum Worms vergabt wurde.

Eine eigentliche Stadt war damals noch nicht vorhanden,in so fern man nicht die am Fuße des Schloßberges zerstreuteneinzelnen Gebäude als solche betrachten will. Erst 1195 wurdedie benachbarte Höhe bebaut, an deren Abhang gegen die Lahnallmälig eine Straße entstand. Ob König Adolf den Ort zurStadt erhoben, ist ungewiß, nur so viel weiß man, daß er ihmbürgerliche Vorrechte zugestand. Jedenfalls muß seine Ver-größerung im Laufe der Zeit ziemlich rasch von statten gegangensein, denn zu Anfang des 14. Jahrhunderts galt Weilburg schonals ein hübscher Ort, der seit 1355 die gewöhnliche Residenzder gräflichen Linie von Nassau-Weilburg und später auch Sitzder höhern Landes-Kollegicn war.

Fürst Johann Ernst erbaute zu Anfang des 18. Jahrhun-derts, nach den damaligen Begriffen ziemlich großartig undprachtvoll, das jetzige Schloß und die 1711 eingeweihte hübscheevangelische Kirche. Sein Verschönerungssinn dehnte sich überdie ganze Stadt aus, die sich bald mit vielen freundlichen Ge-bäuden schmückte und eine der schönsten an der Lahn wurde.Sein Sohn Karl August vergrößerte Weilburg 1736 durch An-legung einer Vorstadt, außerhalb der ZHalbinsel, worauf dieeigentliche Stadt liegt. Er versprach den sich hier Niederlassen-den völlige Religions - Freiheit und andere Vortheile. Seitdemwurde auch die breite schöne Linden-Allee angelegt, welche inder Richtung gegen Kubach hinansteigt und durch welche dieLandstraße nach Frankfurt und Wetzlar sich zieht. Die hübsch-gebaute Vorstadt, deren Häuser jedoch nicht zusammenhängen,erstreckt sich vom frankfurter Thor bis zum Anfang dieser brei-ten Allee auf eine Länge von 1700 Fuß.