Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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K i m b tt r g.

^iese Stadt, zugleich Hauptort eines Amts, hat 3500Einwohner. Sie liegt an beiden Ufern der Lahn und zwarder ältere Theil, oder die eigentliche Stadt, am linken und dieNeu- oder Vorstadt am rechten Ufer des Flusses, über den einesteinerne Brücke von 7 Bogen führt. Neben derselben ist eineSchleuse angelegt, wodurch die zu Berg und zu Thal gehen-den Schiffe fahren, da der Fluß, behufs der Mühlen, voneinem Wehr durchschnitten wird. Die Zugehörungen des Ortessind: die beiden Heiligenkreuz-Kapellen, an der nach Koblenzführenden Straße und auf dem Hammerberge, die Ober- undUntermühle, 4 Loh-, 5 Gyps-, 2 Oel- und 3 Walkmühlen,3 Ziegelhüttcn und Kalkofen und 9 Töpfer-Werkstätten mitBrennofen.

Die Stadt, in frühern Zeiten Lindpurk genannt, ent-stand allmälig unter dem Schutze der auf dem Felsen, in eini-ger Entfernung vom linken Ufer der Lahn, thronenden BurgKonrad Kurzbold des Saliers. Von diesem Dynasten wurdeauch von 910 bis 940 die noch stehende Domkirche, aufgeführt.Man steigt zu der freien Höhe, auf welcher sich dies herrlicheDenkmal alter Baukunst erhebt, aus den engen winkligenStraßen der Stadt auf 46 Stufen in mehren Absätzen hinan.Die Ueberschrift des Hauptportals der Kirche ist:kZasilieaLancti (leorgii iVIarHrig." Nichts imposanteres als dies Por-tal im reinsten byzantinischen Styl, über das sich auf der Vor-derseite zwei Thürme erheben. Außer denselben ist das 1766erneuerte Gotteshaus noch mit einem spitzen Mittelthurm undeinem kleinen Seitenthurm (der zweite noch fehlende soll eben-falls erbaut werden) geschmückt.

Das Innere des höchst merkwürdigen Gebäudes ist, wennauch nicht so großartig wie das der Dome zu Köln, Straßburg,Speier zc>, doch sehr eigenthümlich, sowohl in seiner Formüberhaupt, als in den ringsum laufenden Empor-Bühnen undder anderweitigen architektonischen Ausschmückung. Seine beach-tungswerthesten Denkmale sind: ein uralter Taufstein und dasGrabmal des ersten deutschen Kaisers Konrad, der 32'/? Jahralt, vor Vollendung des Doms starb. Ein gutes Holzbild,Christus die Brode segnend, ist von 1599. Die schöne Holz-kanzel von 1609, mit vielen Figuren geschmückt, wurde voneinem Schäfer geschnitzt. Auch das Wappen der Grafen von

Diez, von 1638, ist sehenöwerth; eben so verdienen einige alt-deutsche Bilder nicht unbeachtet zu bleiben.

Die Aussicht pom südöstlichen Thurm des DomS, dessenoberster Theil auf einer äußern Gallerie ganz umgangen wer-den kann, ist eben so abwechselnd als interessant. Man über-blickt die ganze Stadt und ihre freundliche Umgebung. Amnächsten gelegen in der ersten ist der Konradsbau, die alteKaiserpfalz, hinter der Kirche, wovon ein geringer Theil indem alten Zustande (doch wohl nur aus dem des 14. oder15. Jahrhunderts) sich befinden soll, während alles UebrigeAnbau aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist.

Man sieht auf dem Thurm auch die alte Templer-Kircheund das dazu gehörige ehemalige Kloster, die Johannis-Kirche,die bischöfliche Kapelle, früher Kirche des Franziskaner-Klosters,worin sich einige gute altdeutsche Gemälde befinden, den wal-derdorfer Hof, das Seminar und die Stadtschule, die uralteLahnbrücke, die Münze, den in der Stadt gelegenen Begräbniß-platz, der in neuester Zeit erweitert worden, und viele andereGegenstände.

Die vorzüglichsten der benachbarten Orte, welche man ge-wahrt, sind: Holzheim, mit der Burg Arteck, Flacht, Freien-diez, Diez, Altendiez, die Peters - Kirche, Heistenbach, Aull,Oranicnstein, Hambach, Gückingen, Staffel, Elz, Nieder-Hadamar, Hadamar, Offheim, Dietkirchen, Dehrn mit seinerBurg, Eschhofen, Mühlen, Ennerich, Ahlbach, Ober-Tiefen-bach, Mercnberg w.

Auf der Seite gegen Diez nnd die Lahn hat sich Limburgin den letzten Jahren bedeutend verschönert. Eine neue breiteStraße, an der Lahnbrücke beginnend, zieht sich um den altenStadttheil und führt, mit Umgehung der bisherigen engen,höckerigen und schlechtgepflasterten Hauptstraße, zur Post. Sieist auf der Seite gegen Diez gerade und breit, mit mehrerenschönen Häusern bebaut und wird binnen einigen Jahren einenauffallenden Kontrast mit den Gassen bieten, woraus der ältereStadttheil besteht.

Bedeutender Kleinhandel, durch einen Wochenmarkt, meh-rere Jahrmärkte und große Viehmärkte belebt, zahlreiche Ge-werbe und nicht unbeträchtlicher Feldbau, verbreiten ziemlichen