von Winden, ebenfalls eine Stunde von Nassau. Der besteWeg dahin führt aus letzterm Ort durch ein fruchtbares freund-liches Thal mit einigen Mühlen, von dessen Ende an aber steildurch den Wald bis Winden. Auf eine halbe Stunde im Um-kreis trifft das Auge hier zwar blos auf Feld und Wiesen, undes scheint sich der Mühe nicht zu lohnen, hierher gegangen zusein, allein nur wenige Minuten weiter bei der Kapelle selbsteröffnet sich plötzlich der überraschendste Anblick: man sieht hier näm-lich auf einmal die höchst mannigfaltig und seltsam geformten Gipfelvon wenigstens zehn Bergkolossen tief unter seinen Füßen liegen!
Einen reichen Genuß gewährt endlich auch der Ausflug zurMündung der Lahn in den Rhein, unter der Ruine Lahneck,besonders wenn man denselben bis Koblenz ausdehnt, wohinman auch über einen steilen Berg in l'/z Stunde gelangt, undauf den Höhen über Thal-Ehrenbreitstein stehend ein entzückendesPanorama vor sich ausgebreitet sieht.
Wir fügen zum Schlüsse noch die wichtigsten Momente zurGeschichte von Ems hinzu.
Emö war seiner warmen Quellen wegen ohne Zweifelschon den Römern bekannt, wie dies die aufgefundenen Ueber-reste von Befestigungswerken, Legionssteine (der 22. Legion),römische Gräber, Münzen, Urnen, Krüge, Lampen ic. darthun.Nach der Zeit der Römer scheint es, soweit aus Urkunden her-vorgeht, zu den Besitzungen der Grafen des Niederlahngaus undzwar zum Einrich (Anirich, Airich, d. i. die von der Ahr durch-strömte Gegend) gehört zu haben. Die älteste Urkunde, die wirvon Ems besitzen, vom I. 1173, zeigt es uns im Besitz desGrafen von .Nassau, Ruprechts II. oder des Streitbaren, derauch bereits wegen der Emser Bergwerke mit dem ErzbischofHittin von Trier eine ernsthafte, aber siegreiche Fehde hatte.Als warmes Bad kommt es urkundlich indeß nicht früher alsim I. 1355 vor, in welchem der Erzbischof Wilhelm von Kölnden Grafen Johann von Nassau mit dem Dorfe und warmenBade Ems (Eimetz) belehnt. Im I. 1324 erhielt Graf Em-mich I. von Hadamar von König Ludwig von Baiern Stadt-sreiheit für Ems, wovon aber kein Gebrauch gemacht wurde.Im I. 1403 kam durch die Heirath des Grafen Ruprechtskinderlose Wittwe Anna mit Graf Diether VI. von Katzeneln-bogen der Antheil an der Vogtei Ems vermittelst eines Kauf-contracts an des letztern Sohn früherer Ehe, Johann von Katzen-
elnbogen. Mit diesem vertrug sich 1438 Graf Johann mit derHaube von Dillenburg, nebst seinem Bruder Engelbert, über vierneu anzulegende Bäder in Ems, welche vas abgetheilte Oranisch-Nassauische Badehaus begründeten, da das frühere Badchausgemeinschaftlich war. Durch Erbverträge kam endlich auch Hessen-Darmstadt in Mitbesitz von Ems, und zwischen 1570 und 1580baute Landgraf Wilhelm VI. ein Badehaus zu EmS, den jetzigenLahnbau, welchen 1696 Landgraf Ernst Ludwig theils reparirte,theils neu aufbaute und vergrößerte. Zu Anfang des 18. Jahr-hunderts baute Nassau-Oranien das große obere Kurhaus.
Ziemlich frühe wurden übrigens die Aerzte auf die großenHeilkräfte der Emser Quellen aufmerksam; denn bereits 1535werden die Bäder in EmS von dem gelehrten Professor in Mar-burg, Johann Dryander als „berühmte" Bäder beschrieben. Amweitläuftigsten unter allen älteren Beschreibungen dieser Art istdie des „Embsischcn Bades" von Marsilius Wcigel 1627, worinnicht blos die Badeanlagen in Ems nach ihrer damaligen Be-schaffenheit ausführlich beschrieben, sondern auch die 32 Krank-heiten namentlich angegeben werden, in denen der Gebrauch derEmser Bäder heilsam sei. In jenen Zeiten scheinen übrigensalle Bäder unbedeckt gewesen zu sein. Denn nach Mcrian'sHessischer Topographie fand man noch nach 1627 dort theilsbedeckte, theils unbedeckte Bäder, „die nur jeden Abend einmalwie Fischweiher abgelassen und mit Besen gekehrt wurden, damitganz keine Unsauberkcit darinnen bleibe." Nach Weigcl ist derberühmteste Lobredner von Ems Johann Daniel Horst aus Gießen(ä 1685 zu Frankfurt als erster Stadtarzt, welcher neben seinenvielen gelehrten Schriften auch eine kleine Abhandlung (deutschund französisch) über die Emser Bäder herausgab. Er besuchteEms seit 1638 persönlich 42 Jahre lang und erwähnt, daß da-mals diese Bäder, trotz derer in Schweden, doch von vielenschwedischen Ministern und ausländischen Potentaten gebrauchtworden wären.
In historischer Hinsicht ist Ems durch die sogenannte EmserPunctation bekannt. Man bezeichnet mit dieser Benennung denCongrcß, zu welchem im Sommer 1786 die vier deutschen Erz-bischöfe, von Mainz, Trier, Köln und Salzburg gegen die An-maßungen der römischen Kurie sich hier versammelten, ohne je-doch, trotz des ihnen von Kaiser Joseph II. ihnen zugesagtenSchutzes, Etwas dagegen auszurichten.