Eine Viertelstunde vom Dorfe Eins, an dem nach der Auf,einem sehr romantischen Thal führenden Wege, liegt die Pfingst-weide, ein sehenswerthes Berg- und Hüttenwerk, in welchemBlei, Silber und einiges Kupfer gewonnen wird.
Ein kleines halbes Stündchen von Ems entfernt, auf demlinken Lahnufer, liegt das vielbesuchte romantische Linkebach.Es ist dies die mit mehreren Gebäuden und Bäumen besetzteOeffnung eines engen Thals, worin höher hinauf ein Bergwerkbetrieben wurde. Die von da bis an das Lahnufer terrassen-förmig sich erstreckenden, größtentheils mit Rasen bewachsenenalten Hallen (große Haufen aus den Gruben geschaffter, nicht metall-haltiger Steine und Gerille) bieten die angenehmsten Ruheplätzemit einer reizenden Aussicht auf die Lahn, Bad und Dorf Ems dar.
Anmuthige Spaziergänge führen ferner, diesseits, nachKemnau, jenseits aber den Spieß- und Winterberg hin-auf, wo sich allenthalben die herrlichsten und überraschendstenAussichten in die tiefen, wunderbar gestalteten Thäler eröffnen.Diese Parthicn werden am schicklichsten zu Esel besucht und derBerg vor Kemnau wohl nur Vormittags, da er ganz gegen Südenliegt und Nachmittags die Hitze dort unerträglich werden kann.
Eine Stunde von Ems rechts von der Silberschmelze führtein schmaler, auf beiden Seiten mit Laubwerk eingeschlossenerWeg nach der schönen Ruine Sporkenburg, von der nurnoch einige Thürme uud die Ringmauern stehen. Die Bauartder Burg ist sehr überraschend. An den Ecken scheinen schlankemit der Mauer verbundenen Thürme zu stehen; aber bei nähererAnsicht sind es Säulen, deren Knäufe an das Dach angeschlossenwaren und sich in Menschenköpfen endigten. Die Geschichte die-ser Burg ist uns unbekannt, bis 1309, wo sie Heinrich vonHelfcnstcin von Trier zu Lehen trug. Seit dem erscheint dieseFamilie ununterbrochen in ihrem Besitze, bis sie 1500 an Jo-hann von Nassau übergieng, der sich von nun an mit seinenNachkommen Herr zu Sporkenburg nannte. Nach Erlöschungdieses Geschlechts (1601) erhielt sie Johann Dietrich von Met-ternich, ein Sprosse der Gräflich Mctternich-WinneburgischenFamilie, die sie fortan unter dem Namen einer Herrschaft besaß.Im 1.1621 stand die Burg noch erhalten. Ihre spätern Schicksalescheint sie mit den benachbarten Burgen getheilt zu haben.
Der Lahn aufwärts führt die schöne Chaussee nach dem einStündchen von Ems entfernten, angenehm liegenden Dorfe D au -senau, welches noch ganz mit seinen alten Ringmauern undThürmen umgeben ist. Eine halbe Stunde weiter aufwärts liegt,auf dem linken Lahnufer, Berge Nassau, ein Weiler, wo dieEingänge zu einem Silbcrbcrgwerke sind. Gegenüber aus dem
rechten Lahnufer zieht sich das Städtchen Nassau hin, voralten Zeiten eine Villa Karls des Großen und Aufenthalt derKaiser, wenn sie in dem Sporkenwald jagten.
Jenseits der Lahn, über welche hier eine schöne Ketten-brücke von Baumeister Lösten führt, erhebt sich, dem Städtchengegenüber, groß und malerisch, ein mit Bäumen und Gesträuchenbewachsener Bergkegcl, auf dessen Gipfel die Trümmer der BurgNassau hervorragen. Der Thurm der alten Beste ist nochgut erhalten, nur ist der Eingang beschwerlich. Im Innernführt eine Treppe auf die Höhe des Thurms, wo die Aussichtenin die wilden Bergumgebungen sehr ansprechend sind. UntermThurm ist noch das Burgverließ. Ihren Ursprung verdankt dieBurg dem Grafen von Laucrnburg, Stammhcrrn der Grafenvon Nassau, um 1101. Nach mehreren Streitigkeiten dcrLauern-burger mit Worms wurde sie, durch Vermittlung mit Trier unddes Kaisers Lothar, 1158 an Nassau belehnt, welche den Namenvon Lauernburg mit dem von Nassau vertauschten und sie vonnun an zur Landesburg und zum Hauptsitz der Familie erklärten.Als solcher blieb sie von 1255 an bis auf die neueste Zeit ge-meinschaftliches Eigenthum der Walram- uud Ottonischen Linie.
Auf der Nordscite unter der Ruine Nassau, auf einemschroffen ungeheuren Felsblock, der sich in der Urzeit einmal vomgroßen Kegel getrennt haben mag, liegen die Ruinen der BurgStein, kühn und malerisch. Der Vater des Ministers vonStein ließ die Waldumgebungen zu einer höchst anziehenden eng-lischen Anlage einrichten. Der Weg geht im Zickzack, zwischenBäumen hinauf; an verschiedenen Stellen sind Ruhesitze ange-bracht. Auf einem Vorsprunge steht ein kleiner offener Tempel,mit herrlicher Aussicht, besonders auf das schöne Seitenthal, auswelchem der Mühlbach in die Lahn fließt. Mit dem Ministervon Stein, dem Deutschland so viel verdankt, ist 1831 dieseLinie ausgestorben, und die schöne Besitzung gehört nun seinemEidam, dem Grafen von Giech.
Unter den entfernteren Puncten verdient vor allen das Klo-ster Arnstein, eine Stunde von Nassau, besucht zu werden.Die anziehendste Ansicht davon genießt man von dem gegenüberliegenden Schloß Arnstein. Unter sich sieht man von hierden steilen, mit Weinreben bepflanzten Berg, das auf einemschmalen Thalgrund, zwischen dem Abhang des Gebirgs und derLahn hingedrängte Dorf Obernhof, und den durch das engeThal sich windenden Strom, gegen sich über, fast in gleicherHöhe, die weitläuftigen schönen Klostergcbäude der ehemaligenPrämonstratenscrn-Abtei mit ihren prächtigen Thürmen.
Nicht minder belohnend ist der Ausflug nach der Kapelle