Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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demselben befinden sich die beiden Haupttrinkquellen: das Krän-chen und der Kesselbrunnen. Die beiden andern Bade-häuser sind das steinerne Haus, mit eigner Quelle und achtSouterrainbädern (früher Kurmainz gehörig, setzt herzoglich) unddie sogenannten Vier Thürme mit sieben Bädern, welche ihreQuelle jedoch nicht im Hause haben, sondern das Wasser ver-mittelst einer Leitung aus der Quelle erhalten, die sich an deralten Lahnmauer, in der Nähe des Kurhauses, befindet. Außer-dem besteht noch ein Armen bad mit besondern Quellen undsechs Bädern, in welchem durch den eignen Fonds der Anstaltund durch die Kollekten bei den Kurgästen jährlich über hunderthülfsbedürftigen Kranken des In- und Auslandes unentgeldlichverpflegt und ärztlich behandelt werden.

Im Ganzen zählt man 15 warme Heilquellen von 20bis 40° N. Kohlensaures Natron bildet den vorwaltendenfesten Bestandtheil; außerdem kommen noch kohlensaure Erden,schwefelsaures und salzsaures Natron, Eisen, Mangan und Li-thion vor. An flüchtigen Bestandtheilen enthalten sie kohlensauresGas und Stickgas, ersteres häufig in beträchtlicher Menge. Siegehören zu den nicht zu stark eingreifenden Mitteln, sind wenigerabführend und aufregend, als auflösend und sagen deßhalb besondersdem weiblichen Organismus und Personen von zarter Konstitution zu.

Man gebraucht sie sowohl zum Baden wie zum Trinken;zu letzterem jedoch nur das Wasser von den bereits genanntenTrinkquellcn, dem Kesselbrunnen und dem Kränchcn. Gewöhn-lich wird der Kesselbrunnen des Morgens, das Kränchen aberdes Abends getrunken. Ersterer liefert eine so reichliche Quan-tität Wasser in seinen beiden Becken, daß im Mai 1840 schon9000 Krüge, darunter zum ersten Male nach Batavia versendetwaren; letzterer hingegen rinnt nur sehr sparsam aus einer ein-zigen Röhre. Von denjenigen Quellen, die nur zu Bädern undDonchen angewendet werden, genießt die Bubenquelle durch ihreckouebe aseenckante den Ruf, schon manchen stillen Wunschkinderloser Frauen erfüllt zu haben. Auch eine Zwillingsquelle,Fürstenquelle u. s. w. ist vorhanden. Im Flusse selbst amrechten Lahnufer sprudeln einige Fuß vom Lande einige kleinewarme Quellen hervor und nicht weit vom linken Ufer ist diesehr starke Pferdebadequelle, welche jedoch nicht angelegt,sondern nur bei sehr niedrigem Wasser, im Juli und August,sichtbar ist und dann zum Baden steifer und lahmer Pferde ge-braucht wird. Außerdem zeigen sich, den Badehäusern gegenüber,im ganzen Lahnbette unzählige, zum Theil sehr starke Gasaus-strömungen, deren unaufhörliche Blasenbildungen von Ununter-richteten für Quellen gehalten werden.

Die körperlichen Leiden, die Heilung oder Besserung in EmSfinden, sind hauptsächlich Stockungen in den Unterleibsorganen,Krankheiten der AthmungSwerkzeuge, Neigung zur Heißerkeit,Verschleimung. Den ausgezeichneten Wirkungen in jenen Krank-heiten verdankt Ems allein seinen bedeutenden Ruf, da es seinebeschränkte Lage und das wegen drückender Schwüle an heißenTagen und empfindlichen Zugluft an kühlen Abenden ungünstigeKlima sonst wenig empfehlen.

Die Frequenz, besonders von den höchsten Herrschaften, istmit jedem Jahre im Zunehmen begriffen und beträgt jetzt mehrals das Doppelte wie vor 10 Jahren. In gleichem Verbält-nisse verschönert sich die Stadt mit jedem Jahre an öffentlichenGebäuden und Promenaden, wozu nur im Frühjahr 1840 täg-lich 800 Menschen beschäftigt waren. Das Straßenpflaster istneu hergerichtet und die Hauptstadt durch drei Springbrunnenmit marmornen Einfassungen und geschmackvollen Ausschmückungengeziert. Im Sommer 1839 wurde das herzogliche Conver-sationshaus eröffnet, welches den Ballsaal, die Restaurations-locale und die Spielbank enthält. In Verbindung mit dem-selben steht die auf 24 Marmorsäulen ruhende Colonnade, unterder sich die in London gefertigten eisernen Kaufläden befinden.

Die ^bedeutendsten Gasthöfe sind: der Russische Hof, dasKurhaus, der Englische Hof und der Darmstädtische Hof (mitder Post) und dem König von Preußen. Vorzügliche Privat-häuscr sind: die alte Post, der Braunschweigische Hof, die dreiReichskronen, die vier Jahreszeiten, die Kaiserkrone, die StadtWiesbaden, der goldne Schlüssel, der Bayerische Hof :c. Freundeder Lcctüre finden im Kurhause das Lesekabinct der Kirchbcrger-schen Buchhandlung mit deutschen, englischen und französischenJournalen.

Die Umgebungen von Ems bieten viel Schönes undInteressantes dar. Wir wollen erst die näheren und dann auchdie entfernteren anführen.

Zehn Minuten unterhalb der Badehäuscr liegt das freund-liche Dorf Ems, wohin die Chaussee zwischen fruchtbaren Fel-dern und Gärten führt. Im Dorfe selbst theilen sich zwei Wege;der eine rechts führt eine halbe Stunde in einem lieblichenfruchtbaren Thale aufwärts auf die sogenannte Silberhütteoder Silberschmelze, wo man alle Arten der bergmännischenVorrichtungen und das Schmelzen der Metalle aus den rohenErzen sehen kann; (auch der sehenswerthe Proceß des Silber-blicks kommt oft vor); der andere nicht minder angenehme Weglinks führt ebenfalls eine halbe Stunde weit unmittelbar längsder Lahn nach Fachbach, wo ein guter rother Wein wächst.