Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Franz, Alexander, Konstantin nnd rückwärts auf die Stadt. Die wei-terhin gelegene Salmiak-Hütte, zugleich Garten-Wirthschaft, wird ziem-lich häufig besucht.

Von Mariahilf kehrt man in 17 Minuten nach dem Plan in Kob-lenz zurück, so daß der ganze Spaziergang, um den früher mit Aeckernnnd Nebpflanzungen bedeckten Petersberg, 55 Minuten beträgt. (Fürdie am linken Rheinufer abwärts von Koblenz gelegenen Orte seheman den »achfolgenden Abschnitt:Zwischen Koblenz und Neuwied".)

Von dem etwa Stunden von Koblenz nördlich gelegnen ehe-maligen kurfürstl. Lustschlosse Schönbornslust sind nur noch zweigrößere Wirthschafts-Gebäude vorhanden. In Mitte der Rheinebcnegelegen, die sich von Neuendorf bis Weißcnthurm erstreckt, ist es dereinzige Punkt, der durch seinen noch ziemlich gut erhaltnen ParkSchatten gewährt. Von der kölner Landstraße führt eine Obstbaum-Allee in grader Richtung dahin. Schönbornslust war die eigentlicheResidenz der bald nach dem Ausbruch der französischen Revolutionausgewanderten französischen Prinzen. Von hier ans war ihr be-kanntes Manifest von 1792 datirt.

westliche Seite. Ueber die Schiffbrücke gelangt man, von denGasthäusern am Rhein, in 5 Minuten nach dem Städtchen Thal-Eh-renbreitstein, früher Mühlheim im Thal oder Mühlenthal genannt.Es besteht aus 29 öffentlichen, 244 Wohn- und 34 Nebcn-Gebäuden mit2944 Einwohnern, wovon 1832 Katholiken, 152 Evangelische und69 Juden. Die dazu gehörigen 9 Mühlen im arzheimer und arem-berger Mühlthal enthalten in 35 Wohn - und Nebengebäuden 76 Ein-wohner. Der Ort besteht aus 19 bis 12 Gassen, wovon die Rhein-,Charlotten-, Markt-, Kirch-, Bach- und Platzstraße die vorzüglichstensind. In die Thalöffnung zwischen die Festung Ehrenbrcitstein und diepfaffendorfcr Höhe gedrängt, bildet er ein längliches Viereck, mit einemAuslauf längs der nach Montabaur führenden Landstraße.

Von den zwei zum Orte gehörigen Kirchen ligt die 1792 erbautePfarr- oder Krcuzkirche, durch das neue Pfarrhaus etwas versteckt,auf einer aussichtreichen Höhe, neben welcher der über Arzheim inzwei Stunden nach Ems führende Fußweg hinansteigt. Die Krcuz-erfindung, am Hochaltar von Settegast, ist bemcrkenswerth, ebensomehre an den Seiten - Wänden eingemauerte Gedächtniß - Tafeln.Auch der geschriebne Coder der vier Evangelisten und der Schädeldes h. Sebastian, beide in der Sakristei, verdienen gesehen zu werden.Die ehemalige Kapuziner - Kirche, deren dazu gehörige Gebäude(1628 und 1629 zuerst, dann nach ihrer 1636 erfolgten Einäscherung1657 abermals aufgeführt) , in königliche Magazine verwandeltund durch ansehnliche Neubauten sehr vergrößert worden sind, ist ander Rheinpromenade und der neuen, über Pfaffendorf, Horchhcim undNieder-Lahnstein nach Ems führenden, Straße gelegen. Auf der Rhein-seite ist das Städtchen durch 3 Thore, das pfaffendorfcr, Brück- undneuwiedcr Thor geschlossen; oben im Thale ist es offen. Seine vor-züglichsten Gebäude sind das Rathhaus, die k. Kommandantur, dasehemalige Dikasterial-Gebäude, jetzt Proviant-Magazin, und die übri-gen k. Magazine.

Von dem ehemaligen kurfürstlichen Schlosse Filippsthal, das sichauf der Stelle der heutigen Batterie am neuwieder Thor erhob, undüber jene nördl. wie südl. hinausreichte, ist jede Spur verschwunden.Einer der Hauptsäle desselben war auf der Stelle, wo die steile Stein-treppe von 472 Stufen (jede zu 9 Zoll), ohne Geländer zur Festunghinansteigt. Die daneben angelegte Eisenbahn zum Hinaufziehen, desBaumaterials, ist jetzt nicht mehr vorhanden.

Zu den Merkwürdigkeiten des Ortes gehört auch noch das vonSofie von Laroche lange Zeit bewohnte Haus; eS ist das letzte aufder Westseite der Nheinstraße. Nahe dabei, an der Charlotten-Straße,ist der Sicherheit-Hafen, worin im Winter die Pontons der Schiff-Koblenz IV.

brücke untergebracht werden. Auch der am Fuße des Klausen-Bergesentspringende Mineral-Brunnen (Schwalburn), nahe am Ende desStädtchens, gegen Niederbcrg, dessen Wasser zu den Säuerlingen ge-hört, verdient nicht unbeachtet zu bleiben. Er war schon 1326 imGebrauch. In dem ehemaligen Kapuziner-Garten, dem jetzigen Train-Depot, befindet sich eine zweite Mineral-Quelle, das Kranken-Brünn-chen genannt, dessen Wasser früher häufig mit Erfolg von Leidendengetrunken wurde. Die etwa 19 Minuten oberhalb des Ortes, naheam Eingang in das arcnberger Mühlthal, bctriebne» Bohrunterneh-mungen, wodurch man auf die unterirdische warme Strömung zukommen hofft, welche mehre Geologen als zwischen Ems und Aachenvorhanden (?) annehmen, sind bereits zu einer Tiefe von 599 Fußgediehen, ohne durch günstigen Erfolg gekrönt worden zu sein. Mansetzt voraus, daß man noch 149 bis 159 Fuß tiefer^werde gehen müs-sen und ist entschlossen, die Arbeiten bis auf 799 Fuß auszudehnen,weshalb von den Aktien-Inhabern ein neues Kapital zusammenge-bracht worden. In dem romantischen Mühlthal sind Wein- und Kaf-fee-Wirthschaften bei Hartmann und auf der Mühle. Bemerkt zuwerden verdient noch, daß in neuerer Zeit der Justiz-Senat von Kob-lenz nach Thal-Ehrenbrcitstein verlegt worden.

Festung Ehrenbrcitstein. Zum Besuch derselben bedarf maneiner Erlaubniß-Karte, die man im Gouvernements-Bureau, im süd-lichen Flügel des k. Schlosses zu Koblenz, uncntgeldlich erhält. Ohneeine solche Karte kann man nur bis zu dem untern Vorsprung derFestung, dem Helsenstein, gehen, bis wohin man in 29 Minuten ge-langt , während man zur Ersteigung der ganzen Höhe Stundebraucht. Der dahin gehende Weg führt durch die Rheinstraße vonThalehrenbrcitstein, vorüber am weiße» Roß, an dem 1675 gebaute»Rathhause, am Hause Laroche und über die Brücke des SicherheitS-Hafens, wonach man die Kommandantur- und Dikasterial-Gebäuderechts läßt, einen T^eil des Platzes überschreitet, auf welchem früherdas kurfürstl. Nesidcnzschloß stand, und nach einer raschen Krümmungdes Weges bergan steigt. Die Friedrich Wilhelms-Fcste von Ehren-breitstem, oberhalb des schon in frühesten Zeiten befestigt gewesenenHelfensteins (jetzt Außenwerk der Hauptfestung), ist ei» sehr großar-tiger Bau. Auf einem bis zu 369 Fuß über den Rhein sich erhebenden,gegen denselben steil abgerissenen, Grauwackc- und Thonschiefer-Felsenbreitet die von >815 bis 1833 erbaute Festung ihre uncrsteiglichen, mitmehr als 299 Kanonen-Schießscharten versehenen und stufcnweis sicherhebenden Wälle aus, die nur von wenige» höheren Gebäuden undgar keinen Thürmen überragt find. Diese Einförmigkeit stört die ma-lerische Wirkung, welche sonst die, unter Leitung des General-Lieute-nants Aster, von dem Ingenieur-Major von Huene erbaute, Festunggewiß machen würde. Dem fremden Besucher steht der südliche undwestliche Theil der Festung offen. Er wird überall mit der größtenZuvorkommenheit von Unteroffizieren herumgeführt und auf alles Sc-henswerthe sowohl in Bezug auf die Feste selbst, als im Betreff derverschiedenen interessanten Punkte aufmerksam gemacht, welche dieherrliche Aussicht in so reicher Fülle bietet und die wenig hinter derzurücksteht, welche man auf dem Kühkopfe hat.

Koblenz ganz nahe, übersieht man hier die Stadt am besten.Unmittelbar der Mündung der Mosel gegenüber, dringt man in dasgeheimnißvolle Thalgcländc dieses Flusses bis gegen Güls vor, be-herrscht die schöne Rheinebene und das freundliche Hügelland von Rü-benach hinter derselben, wie den Rheinlauf abwärts, bis jenseit Neu-wied und Andernach, und aufwärts bis Rhens und dem bopparderHamm. Auf dem gegen Südost gerichteten Königssitz, einer Steinbank,senkt sich der Blick in das Thal, worin das Städtchen Ehrenbrcitsteinligt, über welches sich der arzheimer Pulverthurm erhebt und dasjenseit desselben von der pfaffendorfer Höhe begrenzt wird.