Druckschrift 
6 (1846)
Entstehung
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Der Stadt zunächst befinden sich, außerhalb zwischen dem Rhein-und Mainzer Thor die Garten-Wirthschaft bei Verkriecht, eine Wachs-bleiche, mehre Kunst- und HandelS-Gärtner und zwei Bleichgarten. DerBezirk zwischen dem Mainzer Thor, der Chaussee und dem heiligenKreuzweg wird von vielen Gärtnern bevölkert, denen sich die Garten-Wirthschaften von Wittenecker, Klenderbach und zum Johannisbergbeigesellen. Zwischen dem heil. Kreuzweg und dem nach Moselweisführenden fehlt es auch an Gärtnern und Garten-Wirthschaften nicht.Die vorzüglichsten von den letzten sind die bei Hürter, Erben und Fcy.Weiterhin gegen die Mosel findet man ebenfalls Gärtner und eineBleiche.

Nördliche Seite. Ilcberschreitet man die Mosel-Brücke, so ge-langt man, unmittelbar jenseit derselben, zu dem Punkte, wo vom 9.oder ll). Jahrhundert bis 1688 der Flecken Klein- oder Lützcl-Kob-len; stand. Die Schwierigkeit de» Moscl-Ucberfahrt im Winter, oderbei ungünstigem Wetter, scheint die erste Veranlassung zur Entste-hung dieses Ortes gewesen zu sein. Die zahlreichen Wallfahrer, welchesich zur Verehrung der Reliquien nach Aachen begaben, oder von dortzurückkehrten, hielten gewöhnlich ihr Nachtquartier in Lützel-Koblenz,das dadurch zu nicht geringem Flor gedieh. Als nach dem Bau derMosel-Brücke, in Mitte des 14. Jahrhunderts, die Nothwendigkeit desVerwcilens am linken Ufer des Flusses nicht mehr vorwaltend war,verminderte sich hier zusehend nicht allein die Zahl der Schiffbauerund Schiffer, welche nach Neuendorf auswanderten, sondern auch dieder Wirthshäuser (wovon die vorzüglichsten zum Schwan und zumOchs genannt) und der i» Lützel-Koblenz ansässigen Handwerker (Bä-cker, Metzger, Schuhmacher, Töpfer, Gerber zc.) und Krämer, zc.,welche, da sie nicht mehr so reichliche» Verdienst als früher fanden,es vorzogen, nach der benachbarte» Stadt oder nach andern Ortenüberzusiedeln.

Lützel-Koblenz hatte seine eigene Pfarrkirche, die dem Apostel Pe-trus gewidmet war und nahe an der Mosel-Brücke stand. Von Mauernund Graben (Landwehren) umschlossen, hatte der Ort drei Thore, dasBrücken-, Ober- und Niederthor, ein eigenes Gemeindehaus, Hospi-tal, Backhaus, Warte zc., eigene Gemeinde-Vorsteher, Heimburgergenannt, und 5 oder 6 Straßen, wovon die Umrisse noch jetzt zumTheil erkenntlich sind. Die, an welcher die meisten Häuser standen,war die Lepgasse. Von da ging die Pützgasse, die ihren Name» vondem darin befindlichen Gemeinde-Brunnen hatte, zur Mosel, dieSchaargasse zur Schaarwiese, die Berggasse, an deren Ende sich dieBergpforte befand, zum Petersbcrg, und die Hundsgasse zur Mosel-Brücke. Der Zahl der waffenfähige» Männer nach zu schließen, scheintLützel-Koblenz nicht viel über 500 Einwohner gehabt zu habe». Nachder Erbauung der Brücke verminderte sich diese Zahl etwa um einViertel. Sie sank noch mehr während der Fehden zwischen den Kur-fürsten Raban und dem Prätendenten Ulrich von Manderscheid, vondessen Truppen es 1436 geplündert und nachher, ans Befehl des Kur-fürsten, niedergebrannt wurde, um seinen Feinden nicht ferner zumHaltpunkt zu dienen. Um diese Zeit wanderten die meisten Einwohnervon Lützel-Koblenz nach Neuendorf ans, das dadurch sehr in Auf-nahme kam.

Jenes erholte sich gleichwohl wieder und war schon zu einem ge-wissen neuen Flor gediehen, als von l63Z bis l636 Franzosen undSchweden sich um den Besitz der Festung Koblenz stritten, wobei seineam linke» Mosel-Ufer gelegene Vorstadt hart mitgenommen wurde.Obgleich l660 von der Pest verschont, konnte Lützel-Koblenz dennochsein Ende voraussehen, als Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck 1682an der Mosel-Brücke ein Sternwerk aufführen lies, welches bei einerBelagerung nothwendigerweise das Verderben des Ortes veranlassenmußte. ES war deshalb nicht zu verwundern, daß er, während der

Beschießung durch die Franzosen, im November 1688, welche der be-rühmte Vauban leitete und wobei Ludwig XIV. persönlich beiwohnte,dergestalt zerstört wurde, daß auch nicht ei» einziges Haus übrigblieb, und die Stelle, wo es gestanden, mit Asche und Trümmern be-deckt war. Es wurde seitdem nie mehr vollständig aufgebaut. Die45 Familien, welche 1672 darin noch wohnten, sahen sich gezwungenin Neuendorf und andern Orten Zuflucht-Stätten zu suchen.

Einige Handels-Gärtner und Wirthe haben sich in neuester Zeitauf dieser Stelle zwar wieder angebaut, aber ihre Zahl ist so gering,daß sie keine, wenn auch noch so kleine, Gemeinde zu bilden ver-mögen, weshalb sie in die Einwohnerzahl von Koblenz mit inbegriffcnsind. Es bestehen hier einige Garten-Wirthschaften, namentlich dievon I. Dewald, zur Halbinsel bei Kost, von Guckeisen und vonLefebvre, wovon die erste die besuchteste ist, nächst dem noch einGasthaus zweiten Preises: Kronprinz von Preußen bei Kost, und ei-nige kleinere Wirthshäuser (deren Eigenthümer zugleich Kramhandeltreiben) am Eingang in die Feste Kaiser Franz.

Bei der Mosel-Brücke zieht sich die Straße nach Köln rechts unddie »ach Trier links. Von demselben Punkte führt auch ein schönermit Bäumen bepflanzter Weg nach dem'/, Stunde entlegenen Neucn-dorf, wohin sich noch zwei Nebenwege längs der Mosel, vorüber angroßen Bleichen, den Mosel-Bädern und der Schwimmschule, und einsolcher durch die Felder ziehe». Auf der entgegengesetzten Seite ge-hen hübsche Wege nach den offenen Badplätzen an der Mosel, den Roh-rcr-Höfen, der Salmiaks-Hütte, den Dörfern Mettcrnich, Bubenheim,Rübenach, GülS zc., welche häufig von Koblenz aus besucht werden.

Der Spaziergang um den Petersberg (auf dem im Mittelaltcreine Klause, nebst einer 10l2 von Kaiser Heinrich dem Heiligen undnach ihm von vielen Frommen stark besuchten Wallfahrts-Kapclle stand)ist unstreitig der angenehmste und zugleich kürzeste auf dieser Seite.Man gelangt auf ihm, vom Plan in Koblenz bis zu MaroeauS Denk-mal, in 20 Minuten. Dies Denkmal, eine oben abgestumpfte etwa16 Fuß hohe Pyramide von grauem Stein von Nieder-Mendig, dieauf de» vier Seiten mit langen Inschriften bedeckt ist*), stand früherauf dem Rücken des benachbarten Grauwacke-Hügels und wurde, beiErbauung der Feste Kaiser Franz, in die Nähe der nach Köln führen-den Landstraße versetzt. Auf ihrer Vorderseite erblickt mau in einerhalbrunden Vertiefung einen Steinblock, der früher künstlich bearbeitetgewesen und eine ligende Figur, vielleicht einen tödtlich getroffenenLöwen, dargestellt zu haben scheint.

Von diesem Denkmal kommt man in 10 Minuten nach dem Thorder bubenheimer Fläche und von da in 8 Minuten nach der KapelleMariahilf, die, im Felde zwischen der obern Pappel-Allee und dernach Trier gehende» Straße gelegen, häufig von Andächtigen besuchtwird. UebrigcnS ist dies Bethaus sehr klein und nichts weniger alshübsch. Eine kleine Jungfrau mit dem Kinde, hinter einem starkenEisengitter, ein kleiner Glas-Kronleuchter, ein Kruzifix und vier werth-lose Gemälde sind seine alleinige Zierde, nebst einigen hölzernenKrücken von Kindern und verschiedenen Gliedern von Wachs. Verge-bens sucht man Bänke an einer Stelle, die deren am ersten bedürfenwürde. Auch der von einigen magern Bäumen gegebene Schatten istnur gering.

Seitwärts, jenseit der Mosel-Fläche, hat man auf der nach Trierführenden Straße eine schöne Aussicht auf die Mosel-Krümmung, dierohrer Höfe, die Salmiak-Hütte, den kemper Hof, die Dörfer Buben-heim, Rübcnach, Mettcrnich, Moselweis und Güls, wie die Forts

*) Die Hauptinschrift auf der Vorderseite lautet:l/»rmev 6s 8»,nbro et ivleuss r»son Iirave veneral lViilreeau". Dieser französ. Befehlshaber wurde den 19 Sept.1796 bei Hochstenbach verwundet, starb Tags darauf zu Altkirchen und wurdeden 25. bei Koblenz begraben-